Beiträge von Jump!

    Cadda du sprichst mir aus dem Herzen! Genau so empfinde ich es.

    Panama, nein, natürlich werde ich meinen Auszug nicht verheimlichen, das geht ja auch gar nicht. Ich meinte im Gegenteil, ob ich die Geschwister über seinen Zustand informiere und darüber dass ich weg bin - jetzt weg im Urlaub und dann weg ausgezogen. Die gehen ja davon aus, dass alles in bester Ordnung ist. Aber dann denke ich es ist ja die Entscheidung von meinem Mann ob er das möchte, dass die wissen, dass er komplett abgestürzt ist.

    Wenn mich jemand von denen fragt, sage ich natürlich auch was Sache ist - aber jetzt von mir aus auf die zuzugehen ist was anderes finde ich.


    So, Rucksack ist gepackt 😅. Ich reise ja immer nur mit Handgepäck und da muss alles sehr gut überlegt sein, dass stresst mich immer. Dann habe ich mich online eingecheckt und hatte einen Schock: die haben mir nur ein Standby-Ticket ausgestellt 😡. Das wird normalerweise bei Überbuchung gemacht und es ist fraglich ob man mitkommt. Gleichzeitig verkaufen sie aber auch fleißig weiter Tickets für denselben Flug.

    Ich direkt hin geschrieben, Frist gesetzt, wenn ich in zwei Stunden keinen Sitzplatz habe, dann Anwalt. Halbe Stunde später hatte ich meinen Platz und ein richtiges Ticket. Menno! Ich hasse es, wenn ich erst böse werden muss, damit was passiert. Als ob ich noch Energie für so einen Sch... übrig hätte.

    Langsam werde ich auch innerlich ruhiger. Es wird aber eine große Umstellung sein alleine zu Reisen. Ich krieg dann so Gedanken wie: Mist, was mach' ich, mit meinem Rucksack, wenn ich aufs Klo muss (sobald ich unterwegs bin muss ich andauernd aufs Klo 👻), ich will den nicht auf den schmutzigen Boden stellen. - Hoffentlich krieg ich die Tür der Unterkünfte auf 🤦🏼‍♀️, ich komme nämlich meist mit den Schlössern nicht klar. - Und überhaupt hoffe ich wieder zurück zu finden, denn meine Orientierung ist wirklich ohne Worte.

    Es sind drei verschiedene Unterkünfte in acht Tagen 😅. Immer schön in Bewegung bleiben. Obwohl mir im Moment eher nach einfach-nichts-machen-müssen zumute ist. Aber ich bin mir sicher, dass ich dort dann sehr schnell in den Urlaubs-Gelassenheits-Modus finde.

    Ich bin auch sehr gerne allein. Hatte früher eher oft das Problem, dass andere immer denken ich müsste doch Gesellschaft wollen 🙄. Aber damals war ich ja auch noch jung und knackig und jetzt bin ich eine olle Früggenlüd oder wie das hieß 😂. Da habe ich dann hoffentlich meine Ruhe.

    Hallo Ihr,

    vielen Dank für eure tollen, hilfreichen, aufrüttelnden, motivierenden und auch tröstlichen Beiträge! 🙏

    Das war genau die richtige Mischung für mich.

    Ich war innerlich zu aufgewühlt, um direkt zu antworten. Musste mich erst wieder etwas sortieren. Jetzt will ich aber noch auf manches eingehen.

    ich wünschte mir für mich ich könnte endlich mal richtig wütend werden

    Ja, Alexa, wütend zu sein hat für mich so etwas befreiendes, gibt mir die Kraft zu handeln. Aber mein Verständnis dafür, dass es eine Krankheit ist, lässt die Wut schnell verpuffen. Und dann identifiziere ich mich zu sehr mit seinem Leid, anstatt dennoch bei mir selbst zu bleiben.

    Ich glaube für meinen Partner war mein Einsatz und Gerede nur ein Hintergrundrauschen

    Das Wort "Hintergrundrauschen" finde ich so richtig passend und gut! Das hat sich jetzt bei mir verankert. Und hilft mir sehr dabei es weiterhin zu lassen.

    lass dieses rum eiern um die. Urlaub. Du fährst alleine und fertig.

    Lea, ich liebe deine klaren Ansagen!

    Er sollte zusehen, das er auf eine "richtige" Entgiftungsstation kommt, mit angeschlossener Psychiatrie

    Du hast natürlich absolut Recht Whitewolf. Auf einer "richtigen" Station dran zu kommen ist halt mit sehr langer Wartezeit verbunden. Daher der Griff nach dem Strohhalm. Aber diese halben Sachen nutzen gar nichts. Schaden eher sogar.

    Du ziehst gerade aus, richtest dir dein neues Jump-Paradies ein

    Das Wort "Jump-Paradies" ist soo schön! ❤️ Das hat echt was in mir ausgelöst und ich musste lächeln - trotz allem.

    Diese Art bekloppten Hoffnung kenne ich nur zu gut.

    Liebe, liebe Aurora, durch deine so ehrlichen und offenen Beiträge traue ich mich hier auch Sachen zuzugeben, von denen ich weiß, dass sie eigentlich "bekloppt" sind. Danke dafür!

    Du machst das richtige. Für Dich UND für Deinen Mann. Ich spreche da aus Erfahrung wenn ich sage, daß man niemals einem nassen Alkoholiker helfen kann. Er hat eine Chance, seinen Tiefpunkt zu erleben wenn Du ganz weg bist. Das könnte ihm sein Leben retten. Alleine seine Entscheidung.

    Stromer, das was du geschrieben hast hat mich sehr berührt! Und mir unglaublich gut getan. So warm.

    Aber wenn betont wird, dass es auch für den Alkoholiker das Beste ist, ihn zu verlassen - dann weiß ich manchmal nicht, ob das so ein Gehirn-Trick für Cos ist 😜.

    In dem Zustand in dem mein Mann ist, gehe ich davon aus, dass er sich tot saufen wird. Niemand wird ihn finden oder nach ihm sehen. Ich kämpfe noch mit mir, ob ich seinen Geschwistern Bescheid sagen soll. Weniger, weil ich erwarte die schauen nach ihm, sondern eher weil ich nicht will, dass die mir nachher vorwerfen, weshalb ich mich nicht gemeldet habe. Sind ja zwei trockene Alkoholiker dabei. Nur, es ist so, dass mein Mann das nicht will. Er wäre sehr sauer, glaube ich.

    Stromer, du musst aber unbedingt mal aufhören dich zu bedanken, dass ich im offenen Bereich schreibe. Ich mache das doch für mich selbst. Hier sind einfach viele, die sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden wie ich. Da passt es einfach gut hier her. Wenn ich mich mehr mit meiner eigenen Geschichte auseinandersetze, persönlicher über mich schreibe oder die Wiedererkennung zu groß ist, dann schreibe ich lieber im geschützten Bereich. Ich bedanke mich bei DIR für deine warmherzigen Antworten!

    Hi Jump , mir gehts genauso

    Das hilft mir einfach sehr, weil ich dann denke, okay, wenn du das schaffst, dann schaff ich das auch.

    Denn so ist es ehrlich dir gegenüber. Und ihm gegenüber ja auch

    Und das war auch so ein Schlüsselsatz. Mit dem Urlaub hätten wir was vorgespielt, was nicht stimmt. Eine Woche heile Welt. Das geht nicht mehr. Die Katze ist jetzt aus dem Sack.

    Ich kann jetzt nicht auf jeden einzelnen Beitrag eingehen, aber ich habe alle sehr geschätzt!! 🙏

    Am Schluss will ich aber noch auf ein heikles Thema eingehen, das ich bisher absichtlich umschifft habe.

    Du hast geschrieben dass dein Mann dich gehen läßt und ich wollte fragen ob ein Auszug gleich eine Trennung bei euch bedeutet?

    Nein, bedeutet es nicht. Erst Mal bedeutet es "nur", dass ich ausziehe. Von da aus schaue ich weiter. Mehr ist für mich aktuell zu viel. Das heißt jetzt auch nicht, dass ich eine Beziehung führen werde, ich werde durchaus Abstand wahren. Es ist einfach nicht definiert was es dann ist.

    Im September beginnt ja seine Langzeit-Reha. Dann ist er sowieso drei Monate weg. Aber es würde mich nicht wundern, wenn er die absagt.

    Mir geht es jetzt erst Mal darum wieder zu mir selbst zu kommen. In mein eigenes Jump-Paradies 🏵️

    So, ich habe den Flug meines Mannes storniert und fahre alleine.

    Ich habe keine Angst alleine zu fahren. Das ist es nicht, ich bin früher alleine durch die halbe Welt gereist.

    Aber es fühlt sich sehr schlimm an nun wirklich zu spüren wie es ist und wie es bleiben wird - die Distanz zwischen uns, das Verlorene. Es ist jetzt greifbar.

    Wohnung mieten, Möbel kaufen, Logistik planen - das kommt mir alles noch vor wie ein Planspiel. Unwirklich.

    Aber jetzt wird es ernst. Und DAS macht mir wahnsinnig Angst.

    Ich befinde mich in einer Warteposition.

    Ich warte darauf, dass ich endlich ausziehen kann.

    Mein Mann trinkt und trinkt, jede Einsicht ist verschwunden. Im Moment hat er eine Phase, in der er alles völlig verleugnet. "Ich mach doch alles".

    Als nächstes wird die gereizte, aggressive Phase kommen. Dann die verzweifelte, traurige. Dann der Zusammenbruch.

    Am Sonntag hat er weniger getrunken und ist kurz "aufgewacht". Hat entsetzt realisiert, dass ich ausziehe, dass es für ihn steil nach unten geht. Hat aber nur sehr kurz angehalten.

    Ich schwanke zwischen Wut und Gefühllosigkeit. Ich muss mich sehr zusammen reißen, um keine ironischen oder abwertenden Kommentare abzugeben. Ist ja sowieso sinnlos, könnte auch genauso gut mit der Wand reden.

    Ich plane meinen Umzug. Mir wird immer mehr bewusst an was ich alles noch denken muss. So viel Zeug. Es fällt mir schwer mich zu entscheiden. Was nehme ich mit und was bleibt hier. Ich würde am liebsten nur die Deko planen - aber so langwilige Sachen wie Waschmaschine, Mülleimer, Garderobe müssen ja auch besorgt werden.

    Schönheit kommt bei mir vor Funktionalität und so stehe ich dann fluchend vor einem wunderschön bemalten Schränkchen, dessen Schubladen sich nur mit Gewalt raus ziehen lassen, was aber auch egal ist, weil die flache Tiefe jede Befüllung unmöglich macht 🤦🏼‍♀️.

    Heute bin ich den ganzen Tag auf der Arbeit. Wenn ich heim komme schläft er wahrscheinlich. Wieder ein Tag geschafft.

    Meine Freundinnen fragen jetzt regelmäßig nach wie es mir geht. Geht so. Einigermaßen gut. Was soll ich antworten. Mein Mann verreckt vor meinen Augen. Aber ich freue mich auf meine neue Wohnung. Ein innerer Spagat. Ich konnte noch nie Spagat. Hab als Kind immer die geschmeidigen Mädchen bewundert, die lachend die tollsten Verrenkungen konnten. Okay, ich schweife ab.

    Am Wochenende fahre ich in den Urlaub. Wohl alleine. Ich hasse mich dafür, dass ich immer noch diese bekloppte Hoffnung habe, er würde aufhören und mitkommen. Er weiß, dass ich ihn nur mit nehme, wenn er drei Tage vorher durchgehend nüchtern bleibt. Ich habe zu viel Angst vor einem Entzugsanfall. Er will unbedingt mit.

    Distanz und Abgrenzung ist für mich einfach nicht möglich, solange wir zusammen wohnen. Ich verhalte mich immer noch co-abhängig oder auch nicht, dann aber mit der Faust in der Tasche. Ich bin mir aber sicher, dass es besser wird.

    Jump! 🏵️ kurz vorm Absprung

    Hallo Vayana,

    ich habe mich auch schon oft hier angegriffen gefühlt. Obwohl das sicher niemand bezweckt. Einfach trotzdem dran bleiben 😉, manches löst sich später.

    Ich finde es gut, dass du so direkt gefragt hast weshalb das Kontrollieren eigentlich ein No-Go ist.

    Ich habe auch immer gedacht, ich kontrolliere ja schließlich nicht, um sein Trinkverhalten zu beeinflussen, sondern ich mache das doch für mich selbst, um meine Wahrnehmung zu stützen. Oder um mich nicht für dumm verkaufen zu lassen. Oder auch weil es mich gefuchst hat wie es sein kann, dass er offensichtlich betrunkener wird, obwohl er doch das Zimmer nicht verlässt. Es hat mich manchmal verrückt gemacht, wenn ich das Versteck nicht gefunden habe. Bzw. die Verstecke, denn es gab / gibt viele!

    All das hat mir die Illusion gegeben nicht komplett hilflos zu sein und irgendwie doch noch die Situation zu kontrollieren. Dies ist aber nicht möglich. Im Gegenteil, es ist demütigend das zu machen. Für beide.

    Denn es geht ja um das Gegenteil. Zu akzeptieren, dass ich nichts machen kann. Zu kapitulieren.

    Mein Mann hat mal zu mir gesagt, dass er sich auch selbst was vor macht, wenn er lügt. Letztens habe ich gestaunt. Er hat sich über einen Freund aufgeregt, der hemmungslos weiter trinkt, obwohl er einen Krampfanfall hatte. Ich sage zu ihm, dass er aber doch selbst trotzdem weiter trinkt. Da stutzt er, denkt nach, und sagt: ja, aber nicht offiziell.

    Alles Liebe, Jump!🏵️

    Hallo Silberstreifen,

    ich denke es wäre gut, wenn du dich rechtlich beraten lässt. Wegen Unterhalt, gemeinsamer Wohnung, der Frage wer ausziehen "muss", deiner Sorge bezüglich Umgangsrecht und so.

    Du bist nicht "schuld", du bist nicht böse und du lässt ihn auch nicht hängen. Er ist anscheinend gefangen in seiner Sucht und es wirkt auf mich so, dass er sein eigenes Unvermögen auf dich überträgt, anstatt sich selbst einzugestehen, dass er die Kontrolle verloren hat. Zieh dir diesen Schuh nicht an.

    Du bist aber verantwortlich für deine 5jährige Tochter. Und auch für dich selbst. Ich kann verstehen, dass es mit Kind schwieriger und anstrengender ist auszuziehen, alles zu finanzieren, überhaupt eine Wohnung zu finden. Andererseits gibt es aber gerade wegen deinem Kind gar keine andere Option. Für dich selbst kannst du entscheiden in dieser Situation zu bleiben - aber für deine Tochter ist es schlicht nicht diskutabel. Hier musst du handeln.

    Ich meine das nicht vorwurfsvoll. Ich verstehe die Dynamik ja selbst zu gut und erlebe sie noch täglich. Ich will dir aber sagen, dass du im Grunde keine Wahl hast, wenn du willst, dass deine Tochter gesund aufwächst.

    Ich möchte noch sagen, dass es mich sehr peinlich berührt hat, von der Inkontinenz deines Mannes zu lesen. Ich weiß nicht ob ich das ins www. schreiben würde. Vielleicht ist es nochmal eine Art "Beweis" wie schlimm der Zustand deines Mannes ist, es löst Entsetzen aus, rüttelt auf - aber auch ohne dieses Detail ist klar, dass die Situation schlimm ist, denn er ist Alkoholiker. Ich verstehe aber vollkommen dein Bedürfnis das Ausmaß des Ganzen hier auch vollsändig raus zu lassen. Wir sind es ja gewohnt zu schweigen, zu bagatellisieren, zu verharmlosen, da tut es gut sich zu entlasten. Das verstehe ich. Dennoch möchte ich das zu bedenken geben.

    Ich hoffe so sehr, du schaffst es auf deinem Kurs zu bleiben. Ich sage mir immer: ich bleib dran! Vielleicht gehe ich zwischendrin auch zurück oder im Kreis, aber grundsätzlich geht's vorwärts, die Hauptsache ich bleibe in Bewegung und erstarre nicht mehr.

    Ich finde es auch toll, dass du noch zu deiner eigenen Suchtberatung gehst und in eine live SHG für Angehörige. Du machst echt viel.

    Wegen der Wut deines Mannes: hast du Sorge das könnte noch weiter eskalieren? Pass gut auf dich und deine Tochter auf.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Mein Mann ist vor einigen Tagen völlig betrunken aus der Entgiftung gekommen. Ja, ihr habt richtig gelesen.

    An dem Tag war in mir nicht nur Wut, sondern Hass. Da kommen Gefühle in mir hoch, die sind wirklich mörderisch.

    Und es ist so verrückt. Während er weg war, in der Klinik, hatte ich alles schon wieder verharmlost. Da dachte ich noch: wie gut, dass ich so schnell eine Wohnung gefunden habe, denn sonst würde ich jetzt wahrscheinlich wieder passiv bleiben.

    Ich wollte schon schreiben es ist ein hin und her - aber eigentlich ist es das gar nicht. Es geht immer nur bergab. Nur meine Gefühle gehen hin und her.

    Durch das Forum und das Schreiben kann ich mir das jetzt aber sozusagen aus der Dritten Person, von außen, betrachten. Das hilft so ungemein, weil ich nicht mehr nur "drin stecke", sondern es ansehe und dadurch eine innere Distanz herstelle. Und die brauche ich um ins Handeln zu kommen, anstatt immer nur atemlos von Insel zu Insel zu schwimmen.

    Hallo Stern,

    ein Helfersyndrom ist doch ein Persönlichkeitsmerkmal, das sich nicht nur auf den Partner bezieht. Es geht darum generell den eigenen Wert von dem Dank und der Anerkennung für die eigene Aufopferung abhängig zu machen. Oft wird dies schon in der Kindheit angelegt, geprägt.

    Nein, das habe ich nicht. Ich bin anderen gegenüber sonst gut abgegrenzt. Ich kann Nein sagen. Ich kann fordern. Mich durchsetzen. Und ich muss auch nicht stellvertretend über andere meine eigene Bedürftigkeit pflegen.

    Ich finde es aber gut, dass du das Thema auf bringst. Hier wird ja oft von Angehörigen geschrieben, sie hätten ein Helfersyndrom. Manchmal wirkt es auf mich als bestehe die Meinung dies sei etwas Gutes, nach dem Motto: schaut her wie unfassbar lieb und moralisch überlegen ich bin.

    Ein Helfersyndrom ist aber alles andere als gutmütig oder bewundernswert. Es lebt von der Unterlegenheit und Abhängigkeit des anderen. Das Helfen wird nicht dem Bedürfnis des Gegenübers angepasst (nicht mehr als unbedingt nötig/Hilfe zur Selbsthilfe), sondern hat egoistische Gründe, es geht z.B. darum, dass ich mich wichtig fühle, gebraucht fühle, mich überlegen fühle. Viele sehen nur die große Aufopferungsbereitschaft, die bis zur völligen Erschöpfung führt. Aber nicht die Seite, dass es den "Geholfenen" ggfls. unmündig und hilflos macht, zu Dankbarkeit verpflichtet, und unbewusst sogar diese Rollenverteilung zementiert. Menschen mit Helfersyndrom sind also keine Opfer und verdienen auch keinen Heiligenschein. Es ist deutlich abzugrenzen von gesunder Hilfsbereitschaft.

    Dass sich in der Beziehung zu meinem Mann co-abhänige Verhaltensweisen entwickelt haben, hat bei mir nichts mit einer generellen altruistischen Prägung zu tun. Das ist eine eigenständige suchtsystemische Dynamik. Bei mir eher auf dem Hintergrund von dem Bedürfnis die Kontrolle zu haben. Damit habe ich mich hier ja auch schon auseinander gesetzt.

    Aber hauptsächlich sehe ich es tatsächlich so wie Momo es mal formuliert hat. Dass Co-Abhängigkeit der Versuch ist in einer dysfunktionalen Beziehung klar zu kommen. Und jede macht das eben auf dem Hintergrund der eigenen Muster und Prägungen.

    Hallo Teresa,

    Ich verstehe deine Gefühle sehr gut! Besonders dieses Schwanken zwischen Hass und Trauer.

    Mir kommt es immer vor, als würde ich plötzlich wieder aus einem Alptraum erwachen, wenn mein Mann wieder nüchtern ist. Aber leider ist es kein Traum sondern Realität.

    Ich finde es beachtlich wie konsequent du das durch ziehst. Mir geht es auch immer wieder so, dass plötzlich Schauer über mich fahren: es ist jetzt wirklich so! Ich ziehe aus! Es steht fest.

    Deine Gefühle sind doch verständlich. Ich sage mir immer wieder "Gefühle aus - Kopf an". Normal wäre es andersherum, aber bei Sucht ist halt nix normal.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Ich habe in erster Linie mit meinem Mann erfolgreich unser Unternehmen geführt und mich zusätzlich um meine alte Mutter gekümmert und bin auch anderen Menschen gegenüber freundlich, hilfsbereit, großzügig und nett

    Ich hole das mal zu mir, ich will jetzt nicht den anderen Faden sprengen.

    Kopffüssler, das was du schreibst hatte mein Mann auch sehr lange gesagt: "es läuft doch alles, was willst du eigentlich".

    Als ich neu ins Forum kam habe ich ja auch mehrmals gefragt ob ich eigentlich co-abhängig bin oder einfach nur zu blöd um zu gehen.

    Ich glaube, dass die Co-abhängigkeit sich bei mir so ähnlich entwickelt hat wie eine Alkoholabhängigkeit: zuerst war da eine sehr lange Zeit der Gewöhnung. Mein Mann ist Spiegeltrinker, das ist vielleicht auch nochmal anders als bei einem Rauschtrinker. Ich habe mich daran gewöhnt, dass er "so" ist. Und der Prozess war schleichend über viele Jahre, immer nur ein wenig mehr. Hätte mich jemand vom Anfang der Beziehung direkt 10 Jahre weiter gebeamt wäre ich vermutlich erschrocken, aber so...ganz langsam sind meine Grenzen immer weiter gedehnt worden. Außerdem hatte ich früher ja auch selbst viel getrunken.

    Ich glaube auch, dass ich anfangs noch nicht co war. Das war ja damals in diesem Angehörigenseminar auch meine Frage: muss denn jede Angehörige zwangsläufig co sein? Ich hatte den Eindruck sie lächeln mich nur mitleidig an - so wie eine Alkoholikerin, die sagt sie trinke doch nur ab und zu und bla bla.

    Damals habe ich aber noch nichts kontrolliert und mein Leben gelebt.

    Erst mit den Abstürzen meines Mannes ging es los bei mir. Da kam Angst dazu, um ihn, um das was wir uns aufgebaut haben.

    Dann hatte ich ja auch vermeintlich "Erfolg" damit ihn immer wieder zu Trinkpausen zu bringen. Das beflügelt das Co-Herz und führt weiter rein in den Strudel.

    Vermutlich ist es auch ein Unterschied für Angehörige ob der Promillegehalt bei 1 oder bei 3 liegt. Ersteres merke ich bei einem Spiegeltrinker, also bei meinem Mann jedenfalls, kaum. Es läuft aber nun mal darauf hinaus, dass es sich steigert. Und davor die Augen zu verschließen und in der Beziehung so weiter zu leben ist - ich weiß nicht... ignorant, bequem, verrückt, keine Ahnung. Außerdem hält es das Suchtsystem ja weiter aufrecht.

    Ich finde es sehr intressant dass hier nun auch mal Alkoholiker schreiben, wie sie die Situation der eigenen Angehörigen sehen. Ich wundere mich schon lange, dass es auf deren Seite heißt: toll, dass deine Frau bei dir geblieben ist. Und es so wirkt, als seien die Angehörigen der Forums-Alkoholiker gar nicht betroffen. Also ich meine jetzt nur die, die schon in nassen Jahren zusammen waren. Natürlich nicht diejenigen, die sich trocken gefunden haben.

    Mein Mann ist sehr schwerer Alkoholiker. Zuletzt waren es zwei Flaschen Vodka am Tag. Bier rechnet er gar nicht mit, das trinkt er zum nüchtern werden. Ich weiß, dass hier betont wird, dass die Menge nicht relevant sei. Aber es ist doch nun mal ein Nervengift und mehr Gift ist auch mehr Schädigung. Er funktioniert dennoch bis heute. Geht arbeiten, ist beliebt, macht Haushalt, kocht, kümmert sich. Er hat mir niemals irgendwas versprochen, also dass er es schafft aufzuhören. Auch wenn er sich das sehr wünscht. Er lässt mich auch gehen, er weiß, dass er sich mir so nicht zumuten kann. Ist selbst Angehöriger, EKA.

    Ich glaube bei mir nicht, dass ich ein Helfersyndrom habe. Ich finde es immer noch normal dass ich einen Menschen, den ich liebe, unterstützen will. Ich habe aber kapiert, dass ich nichts machen kann. Und mich mein Mitgefühl sonst selbst umbringt. Und ich ihm auch zutrauen muss das selbst zu schaffen. Und ich ihm vielleicht sogar schade, wenn ich bleibe.

    Manche Cos sagen ja ganz klar: ich bin selbst süchtig. Das irritiert mich. Ich sehe mich nicht als süchtig nach meinem Mann oder nach dem Drama. Ich sehe aber ganz klar viele typische Co-Denkweisen und Verhaltensweisen an mir. Und da übernehme ich jetzt Verantwortung das zu ändern.

    Wow! Jetzt bin ich sogar noch mehr beeindruckt! Mit Latzhose, bunten Nägeln den Männern sagen wo's lang geht 😜, jetzt dreht meine Fantasie noch mehr durch 😂

    Es freut mich sehr sehr sehr, dass dein Hundi nix lebensbedrohliches hat und das Medikament wirkt! So eine gute Nachricht!

    Liebe RH,

    es tut mir sehr leid das zu lesen.

    Ja, es ist erschütternd wenn eine Freundin stirbt. Du hast mein Mitgefühl.

    Ich hoffe du hast einen Termin bei der Schuldnerberatung gemacht. Und ein Pfändungsschutzkonto eingerichtet.

    Vielleicht kannst du auch Hilfe über das JA bekommen was eine Wohnung angeht? Beim Wohnungsamt, aber auch bei den Wohnbau-Genossenschaften bist du ja vermutlich gemeldet. Ja, es ist unglaublich schwer etwas zu finden als Alleinerziehende mit kleinen Kindern und ohne festes Arbeitseinkommen. Ich fürchte das geht nur über öffentliche Stellen. Es sei denn du wohnst außerhalb.

    Mensch, lass dich trotzdem nicht unterkriegen. Und schreib hier ruhig auch deinen Frust!!!

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Ich finde es aber auch sehr verwunderlich, dass es Angehörige gibt, denen es gar nichts ausgemacht haben soll, dass die Partner trinken. Ist denn allein die Tatsache, dass ich mit einem nassen Alkoholiker eine Beziehung führe, obwohl dieser ja in erster Linie eine Beziehung mit der Flasche führt, nicht schon ein Zeichen für Coabhängigkeit? Oder aber ich habe selbst mit getrunken. Oder ich habe extrem verdrängt. Oder ich habe sehr niedrige Ansprüche an eine Beziehung... ???

    Ich habe keine Chance mein Leben so aufzubauen wie ich möchte, da ich durch die Kinder doch recht eingeschränkt werde.

    Liebe Lolli, ich hol' das mal in dein eigenes Fädchen.

    Wenn ich mich richtig erinnere ist eins deiner Kinder erwachsen und eins in der Pubertät. Weshalb meinst du, du kannst mit den beiden kein neues Leben aufbauen? Es ist doch auch bereichernd mit Kindern zu leben - empfindest du das nur als Last? Oder wie meinst du das?

    Die Phase nach der Entgiftung oder auch in der ersten Zeit der Reha nennt man übrigens "Honeymoon-Phase". Es ist typisch, dass dann diese Gefühle ("ich schaff das") hochkommen. Meist werden die Betroffenen aber nach kurzer Zeit wieder von der Realität eingeholt.

    Mein Partner ist gerade hochmotiviert, er sagt er möchte es jetzt unbedingt schaffen und lebenslang abstinent werden.

    Hmmm. Wenn ich das lese bin ich skeptisch.

    Und wozu bist du selbst hochmotiviert? Dein eigenes Wohlbefinden davon abhängig zu machen, dass er es schafft? Oder für dich selbst zu sorgen?

    "Will" er nur abstinent werden oder macht er auch was dafür? Und abstinent kann er ja auch werden, wenn er woanders wohnt.

    Ich habe deine Geschichte jetzt nicht mehr genau um Kopf, auch wenn ich mitgelesen habe. Er hatte schon einige Versuche mit Entgiftung und Reha oder?

    Krankheitseinsicht heißt noch lange lange nicht, dass der Betreffende auch abstinent bleibt.

    Überlege nochmal wie erschöpft du dich gefühlt hast, bevor er zur Entgiftung ist. Willst du das wieder riskieren?

    Denk an dich!

    Jump!

    Lieber Stromer, ja, es wird schlimm die Katzen hier zu lassen. Ich versuche nicht so dran zu denken. Ich denke immer nur: Schritt für Schritt. Jetzt erst Mal organisatorisch den Auszug planen. Und dann muss ich sehen wie es wird.

    Aktuell ist mein Mann seit gestern zum Entzug in der Klinik. Er war bei seinem Arzt, der ihm zwar eine Einweisung geschrieben, aber kein freies Bett besorgt hat 😡. Ich hatte Panik, denn genauso war es im Februar, bevor er den Anfall hatte.

    Ich habe ihn dann morgens hin gebracht, mich nicht abwimmeln lassen, die Formalitäten erledigt und klipp und klar gesagt, dass ich ihn nicht mehr mitnehme in diesem Zustand und bin schnell gegangen. Mein Mann hat ebenfalls alles daran gesetzt, dass sie ihn aufnehmen.

    Jetzt komme ich endlich ein wenig zur Ruhe. Ich war ja die ganze Woche unterwegs, auch weil ich nicht Zuhause sein wollte. Und merke jetzt wie sehr mich das angestrengt hat. Ich bin eigentlich ein bisschen "sozialphobisch" und es strengt mich sehr an viel mit anderen Menschen zusammen zu sein.

    Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, meine Wohnung in Gedanken einzurichten. Es ist eine original alte Vintage-Küche 😍 drin, die aber von der Künstlerin komplett überarbeitet wurde.

    Ich bin jemand, die sich immer nur schwer entscheiden kann...geht schon damit los, dass ich nicht weiß welches Zimmer ich als Wohn- und welches als Schlafzimmer nehmen soll 😂. Aber ich mag diese strikten Aufteilungen sowieso nicht und werde da Kombinationen machen...ich brauche ja kein großes Bett mehr, da ist ja dann noch viel Platz.

    Jump! mit Sprungfedern unter den Füßen

    Es ist wie eine Art Ghosting. Der Menschbist zwar physisch noch anwesend, aber eben nicht für Gespräche oder Antworten erreichbar.

    Ich finde das hast du richtig gut beschrieben. Genau so habe ich es gerade selbst erlebt. Es war für mich auch ein langer Prozess zu verinnerlichen, dass dann wirklich jeder Versuch den anderen noch zu erreichen völlig vergeblich ist. Dass alle Gesetze des gesunden Menschenverstandes ausgehebelt sind.