Und genau deshalb kommt es nach dem Stoppen der Sucht so oft zu Trennungen. Wenn beide ihre Süchte und Verhaltensmuster richtig einordnen und sich davon lösen, wird erst sichtbar, was die Beziehung überhaupt zusammengehalten hat – und ob da nüchtern noch etwas trägt.
Als meine Beziehung noch von seiner Sucht und meinen Versuchen, seine Sucht zu stoppen geprägt war, wurde die Beziehung auch genau dadurch zusammengehalten. Die Basis der Beziehung war quasi die Mischung aus seinem Konsum und meiner Rettungsmission. Hätte mich damals jemand gefragt, warum ich diese Beziehung überhaupt führe, hätte ich wahrscheinlich keine klare Antwort geben können. Hat halt "irgendwie" gepasst, aber konkret hätte ich es gar nicht benennen können.
Zusammengehalten hat uns im Grunde der Fakt, dass wir aneinander unsere dysfunktionalen Verhaltensweisen (sein Gesaufe und mein Bedürfnis nach aussichtslosen Rettungsmissionen und Dramatik) richtig ausleben konnten.
Erst nachdem dann jeder für sich seine Themen angeguckt hat und auch bereit war, sich aus der gewohnten Komfortzone heraus zu bewegen fand eine Veränderung der Dynamik statt.
Ich war sehr überrascht und bin es auch heute immer wieder neu, wieviel Fundament und Verbindung diese Beziehung hat- aber das konnte sich tatsächlich erst bilden, als jeder seine Themen in Arbeit hatte.
Wir haben uns auch nicht lange damit aufgehalten, vergangenes aus der Beziehung in nassen Zeiten aufzuarbeiten, es gab auch keine Vorwürfe für Vergangenes oder die Forderung nach Entschuldigung.
Im Grunde haben wir den Resetknopf gedrückt und uns bewusst dafür entschieden, den Menschen kennenzulernen, der sich hinter der Sauferei (er) und hinter dem unbändigen Drang, die Menschheit retten zu wollen und der furchtbaren Angst vor einem Kontrollverlust (ich) versteckt hat.
Dafür war es aber auch notwendig, die entstandenen Kränkungen aus der Vergangenheit beiseite zu schieben, all die verletzten Gefühle zu akzeptieren, sie aber auch nicht mehr immer wieder hochzuholen, sobald es mal etwas im Getriebe knirscht.
Natürlich war es auch nicht einfach und es hat mir auch einiges abgefordert, nicht den "leichten" Weg zu gehen, ihn für vergangenes zu verurteilen und ihn für meine schlechten Gefühle aus der Vergangenheit verantwortlich zu machen. Ich musste immer wieder bei mir bleiben oder zu mir zurückkehren, wenn ich dann doch mal gedanklich in die Richtung kam, dass sein Konsum "die Wurzel allen Übels war".und ich glaube, dass es ihm da ähnlich ging.
Wir sind (es fühlt sich für zumindest richtig an und er scheint auch nicht so ganz unglücklich zu sein) also gut damit gefahren, die Beziehung ganz neu zu starten und damit auch ein neues Fundament zu bilden und den Beton neu abzuwischen.