Fragen an die Angehörigen

  • ch war ja bereits getrennt und Liebe war auch keine mehr da. Das erleichtert es ungemein.

    Da sprichst du etwas an, das dann nichts mehr mit CO zu tun hat.

    Habe ich das richtig verstanden?

    Wenn die Liebe nicht mehr da ist, dann ist es einfacher, und wenn das Materielle abgesichert ist und der Lebensstandard bleibt, dann ist Handeln weniger ein Problem?

    Aber um sich noch einmal abzusichern, kommen auch diese entweder hierher oder gehen woanders hin, wo sie Hilfe bekommen, um zu erkennen, wo sie stehen. Ob Co oder nicht ?

    Damit wäre schon mal eine Frage beantwortet, die ich noch stellen wollte:saint:

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Aber um sich noch einmal abzusichern, kommen auch diese entweder hierher oder gehen woanders hin, wo sie Hilfe bekommen, um zu erkennen, wo sie stehen. Ob Co oder nicht ?

    Nein so war es nicht, ich dachte zuerst es geht allen Frauen von trinkenden Männern so wie mir und sie wünschen ihren XY sonstwohin. Ich war anfangs hier sehr erstaunt als ich angefangen habe zu lesen. Was hier viele schildern hatte ich bereits hinter mir. Ich hätte es auch ohne das Forum geschafft meinen Weg zu gehen. Es ist aber schön und hilfreich Erfahrungen auszutauschen und sich teilweise neu kennen zu lernen.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Warum legt ein Alkoholiker Trinkpausen ein? Doch um sich selbst und vielleicht auch der Familie zu beweisen, das er es noch kontrollieren kann und kein Problem mit dem Trinken hat. Oder liege ich da falsch?

    Es war bei uns auch so, dass meine Frau zuerst fragte, ob es nicht mal einen Abend ohne geht. Was auf der einen Seite auch heisst, dass ich in den ersten 6 Jahren Beziehung keinen alkoholfreien Tag hatte. Damals habe ich teilweise schon morgens angefangen, mit allem was ich selbst über Alkoholismus weiss, auch merkwürdig, dass ich das überhaupt so einfach wieder lassen konnte. Das morgendliche Trinken führte aber dazu, dass ich dann den ganzen Tag vergessen konnte, deswegen hatte ich selbst gute Gründe, das wieder zu lassen. Und ich hab das tägliche Trinken, wenn ich nicht immer sturzbetrunken war, sondern wie damals oft noch, nur ein paar Biere hatte, nicht als Problem gesehen, sondern erst mal meine Frau für verrückt gehalten.

    Ich hab ja auch schon geschrieben, dass es für mich auch schwierig war, meine Abhängigkeit zu erkennen, weil manches nicht klassisch war, ich konnte eben diese Trinkpausen dann jederzeit einlegen. Ich war immer überzeugt, ich trinke, weil ich trinken will, und ich könnte jederzeit damit aufhören. Und ich hab noch kurz vor Schluss neuen Bekannten gesagt, dass ich gerne trinke. Das war mein Selbstbild., meine identität, ich bin ein Typ, der gerne säuft.
    Abhängigkeit wäre für mich auch kein Grund zum Aufhören gewesen, da mich Abhängigkeit von einem Stoff, den ich jederzeit bekommen kann, nicht gestört hat. Mich stört nur, wenn ich mich damit nicht mehr wohlfühle, weil der Stoff nicht mehr so wirkt, wie ich das gerne hätte. Ich hab auch Anspruch auf meinen Dachschaden.

    Ums Beweisen ging es wegen meiner Frau, im ihr das zu beweisen. Für mich gings dann aber auch drum, den Körper zu schonen und sich nach den Vollräuschen wieder erholen zu lassen, damit ich weitertrinken konnte. Dass es nach ein paar Tagen Nüchternheit wiedr besser reinhaut, auch. Und immer noch mit dem Gedanken, dass ich nicht aufhören wollte.
    Dass ich nicht aufhören werde, war bei mir immer so klar, klarer konnte es gar nicht sein.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Bitte zurück zum Sinn des Thread.

    Hier geht es ausschließlich um Fragen an die Angehörigen und nicht um einen Austausch darüber, was der Alkoholiker macht, warum oder wieso.

    Dafür gibt es seinen eigenen Thread oder der Thread Fragen an einen Alkoholiker.

    Diese Aufteilung wurde bewusst so gewählt.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Und warum merkt Co nicht, dass sie (meistens sie) auch nichts unter Kontrolle hat? Warum hört sie mehr auf Wahlkampfversprechen, auf Versuche des Alkoholikers, sich irgendwie darzustellen, als darauf, was sie erlebt? Das ist doch ausserhalb dieses Themas das Normalste auf der Welt, sich zu trennen, wenn es nicht mehr passt.

    Das glaube ich nicht, dass das das „Normalste“ ist. Auch Paare ohne Suchtproblematik bleiben ja zusammen und stressen sich.


    Aus meiner Sicht sind es falsche Glaubenssätze, mangelndes Selbstbewusstsein, kein Vetrauen in die Selbstwirksamkeit und ein nicht ausgeprägtes Selbstwertgefühl., die Cos (und andere) in Beziehungen halten, die ihnen nicht guttun. Bei mir war das so. Und ich lese das zumindest aus vielen Fäden raus.


    Und so rackern sich Menschen ab, in der Hoffnung den Karren doch noch aus dem Morast zu ziehen … zur Not alleine - und in der Hoffnung, dass dann doch noch alles gut wird.

  • Mich beschäftigt auch, warum der Blick nicht stärker auf das eigene Verhalten und die eigenen Muster gerichtet wird. Warum tauscht man sich darüber nicht offener aus, statt immer wieder zu erklären, was „die anderen“ tun oder lassen?

    Für mich war es leichter (ganz generell betrachtet) meinen Blick auf meine Umgebung zu lenken und mich da zu orientieren und einzubringen. Mich meiner eigenen Geschichte, meinem (teils dysfuntionalem) Verhalten und meinen Mustern zu stellen hat viel Mut und Kraft gebraucht, ich habe mir lange nicht zugetraut, dass ich diesen Mut habe bzw. ihn entwickeln kann. Es war harte und auch schmerzhafte Arbeit, bei mir und meine Themen zu bleiben

    Woran orientiert sich der Co denn, wenn er hier ankommt? An diejenigen, die sich arrangiert haben, oder an jene, die einen kompletten Neuanfang gestartet haben?

    Am Anfang habe ich mich daran orientiert, wie ich mit damit arrangieren kann bzw. hatte ich die Hoffnung, Tipps zu bekommen, wie ich meinen Menschen trocken bekommen kann. Ich wollte die Bestätigung, dass ich alles richtig mache und das Liebe auf jeden Fall immer reicht. Mit der Zeit hat es sich gewandelt, dass ich mich daran orientiert habe, wie ich es schaffen kann, dass es MIR gut geht. Das hat aber schon so gute 2-3 Monate gedauert, bis mir wir wirklich klar war, dass Selbsthilfe eben nicht bedeutet,dass ich lerne, wie ich meinen Menchen trocken bekomme, sondern dass Selbsthilfe bedeutet, dass ich mich selber aus dem Sumpf hole und mein Wohlbefinden in den Mittelpunkt stelle.

    Na ja, es kamen hier auch schon Cos, die dachten, wenn das Kind da ist, hört er auf. Ich würde sagen, da hat sich jemand sein Gefängnis selbst gebaut.

    Also, warum machen Cos das?

    Da musste ich grade nicht lange drüber nachdenken.... also zumindest für mich. Ich bin mit der Grundmessage aufgewachsen, dass Liebe immer reicht und wenn sie stark genug ist, dann kann alles erreicht werden. Grade durch die Bücher, die ich immer schon verschlungen habe, aber auch durch Filme und Serien, Kunst und Kultur, überwiegend wurde mir vermittelt, dass Liebe das wichtigste ist. Beispiel "Die Schöne und das Biest": für die wahre Liebe ändert sich sogar das absolut böse und egoistische Monster und wird zum Vorzeigeprinzen und dass nur, weil diese kluge und gebildete Frau ihn zu einem absoluten Vorzeigeexemplar erzogen hat.

    Deshalb mag ich es auch sehr, dass Disney mittlerweile auch durchaus (beispielsweise bei Frozen) versucht zu vermitteln, dass es nicht am Ende auf das Happy End mit dem Prinzen ankommt, sondern auf das Happy End mit sich selber, dass es wichtiger ist, sich selber und seinen Werten treu zu bleiben.

    Bei mir kam dieser Wandel in Kunst und Kultur nur gute 20 Jahre zu spät und hat viel Arbeit an mir selber gebraucht, um mich von diesen vorgelebten Grundannahmen lösen zu können.

  • vorweg: Hera , Dass du im Angehörigenbereich liest und dein erster Abstinenzversuch bis heute stabil geblieben ist, macht dich für mich zu einer Ausnahme. Ebenso scheint dein Umfeld deinen hohen Alkoholkonsum nicht in seinem tatsächlichen Ausmaß wahrgenommen zu haben – und hat deshalb wohl auch nicht so darunter gelitten, wie es viele Angehörige im entsprechenden Bereich schildern.

    Hab nochmal nachgedacht. Ich hab tatsächlich keine Fragen. Weil ich nach drei Jahren hier alle Antworten kenne. Nicht alle individuelle Erfahrungen aus der Kindheit der einzelnen Cos, aber es läuft immer auf das Gleiche hinaus: wegen der Kinder, wegen dem Haus (für die Kinder), wegen Geld. Wenn keine Kinder da sind: wegen der Liebe, wegen ihm/ihr als nüchternen Menschen, weil man Angst um sein/ihr Leben hat.

    Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege!

    Es gibt doch nur die Frage, warum bleibst du bzw. warum verlässt du ihn nicht?

    Alkoholiker, die den Angehörigen-Bereich nicht kennen, könnten nach den Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen der Angehörigen fragen, um die Auswirkungen ihrer Sucht besser zu verstehen.

    Die Rückschau auf eine dysfunktionale Beziehung aufgrund von Alkohol ist für einen Co wichtig. Sie kann dem/der Betroffenen etwas für die Zukunft bringen.

    Aber mal ehrlich, welchen Alkoholiker hat es in seiner Saufzeit gejuckt, wie sich sein Partner fühlt? Mich nicht. Die Sucht galt es zu befriedigen und danach hab ich vielleicht mal nach den Belangen des Partners geschaut- im Suff, also auch nicht sonderlich produktiv. Eher dafür sorgen, dass er beschwichtigt ist, damit ich in Ruhe weiter saufen kann.

    Das ist wohl so. Auch ich hoffte nach Entzug, SHG und Langzeittherapie vergeblich auf ein Zeichen meines Mannes, dass ihm die Folgen seiner Sucht für mich und die Kinder wirklich bewusst sind und ihm leidtun.

    Auch bei EKAs gibt es vermutlich ähnliche, oft vergebliche Hoffnungen: dass ihre alkoholkranken Eltern sich rückblickend für ihre damaligen Gefühle interessieren und Verantwortung für das übernehmen, worunter sie bis heute leiden.

    In manchen Forenbeiträgen geht es um Schuldumkehr:
    Gäbe es einen Thread ‚Fragen an EKAs‘, in welchem Umfang würde es dort um die Co-Abhängigen gehen?
    Also um deren "krankhaftes Verhalten" mit dem sie "den Alkoholiker in seiner Sucht hielten", und weshalb sie wegen sinnlosen Hoffnungen, oder aus Bequemlichkeit oder materiellen Gründen in diesem belastenden Umfeld verblieben, was letztlich zulasten der Kinder ging?

    Hartmut zur Selbsthilfe:
    Durch das Lesen im Forum konnte ich sehr schnell die Entscheidung treffen, mich räumlich von meinem alkoholkranken Partner zu trennen. Die Beziehung ist jedoch noch nicht beendet – und das fällt mir schwer, denn ohne Alkohol ist er genau der Mann, der zu mir passt. Ich habe auch kein Interesse daran, mir einen anderen Partner als ‚bessere‘ Alternative zu suchen. Im Moment ist die aktuelle Situation – seine trockenen Phasen zu nutzen und räumlich Abstand zu halten – für mich die bessere Lösung.
    Wenn ich verallgemeinere, dann deshalb, weil ich hier lese, dass Sucht oft sehr ähnliche Muster zeigt. Das ist kein Co-Verhalten, sondern ein natürliches Gefühl von Verbundenheit, das entsteht, wenn ich mich in den Erfahrungen anderer Angehöriger wiederfinde.


    Lebenskuenstler Mir ging es darum, dass Angehörigen – wie mir und vielen anderen – nicht vermittelt wird, dass es zum Lebensstil und zu den Prioritäten des Betroffenen gehört, Alkoholiker zu sein, mit allen Folgen für die eigene Gesundheit und die Lebensumstände der Familie.
    Mir gegenüber wurde meist von einem ‚Feierabendbier‘ gesprochen, und die Wahrnehmung, dass der tatsächliche Konsum sich deutlich vom normalen unbedenklichen Trinkverhalten unterscheidet, wurde oft heruntergespielt oder infrage gestellt.

  • Ich habe es lange als Rumgeeiere empfunden, nicht so richtig in die Gänge zu kommen. Was will der Co eigentlich? Er kommt doch hierher, also soll er auch etwas tun. Jetzt sehe ich es etwas differenzierter, denn die Frage ist ja wann beginnt eigentlich der Prozess, sich von seiner "Sucht" seinem Leid zu lösen

    Der Alkoholiker schlägt hier ein mit dem Ziel der Veränderung, aber die meisten Angehörigen sind noch nicht so weit.

    Bei Alkoholikern gibt es ja oft Verzichtsgedanken . Gibt es so etwas auch bei Co-Abhängigen? Nicht unbedingt wegen des Partners , der ist irgendwann austauschbar, grob gesagt.

    Aber bleibt nach dem Ausstieg noch ein Drang, anderen helfen oder sie trockenlegen zu wollen?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Auch ich hoffte nach Entzug, SHG und Langzeittherapie vergeblich auf ein Zeichen meines Mannes, dass ihm die Folgen seiner Sucht für mich und die Kinder wirklich bewusst sind und ihm leidtun.

    Ich hatte nie das Bedürfnis danach, dass mein Partner sich in irgendeiner Form bei mir entschuldigt, dafür, dass er Suchtkrank ist und ich darunter gelitten habe. Es war eine Entscheidung von mir, trotz seines mich störenden Konsums in der Beziehung zu bleiben und nicht zu gehen. Natürlich war diese Enscheidung nicht ganz selbstbestimmt, da diese auch durch meine Verhaltensmuster und Grundannahmen gesteuert war, trotzdem war es eine Entscheidung. Und zu dieser stehe ich auch, ohne, dass ich ihm dafür eine Schuld geben würde.

    Ich möchte nicht, dass er sich entschuldigt oder dass er mir zeigt, wie leid es ihm tut, dass er Alkoholiker ist. Meines Empfindens nach wäre dann auch die Augenhöhe in unserer Beziehung massiv gefährdet, ich will nicht, dass sich mein Partner für mich klein machen muss. Ich würde im Gegenzug dazu auch nicht auf die Idee kommen, dass ich mich bei ihm für meine "Trockenleg-Versuche" entschuldige und damit habe ich ihm das Leben definitiv phasenweise zur Hölle gemacht.

    Meinem Empfinden nach würde es mich außerdem in eine "Opferrolle" bringen, es würde sich für mich anfühlen wie "der böse Alkoholiker und ich arme Co, ich wollte doch nur sein Bestes". Ja,ich wollte nur sein bestes, aber im Endeffekt kann ich nur entscheiden, was für MICH das beste ist, nicht für jemand anderen. Deshalb keine Entschuldigungen und keine Abbitte für die nassen Zeiten.

    Liebe Grüße 🌞

  • Warum legt ein Alkoholiker Trinkpausen ein? Doch um sich selbst und vielleicht auch der Familie zu beweisen, das er es noch kontrollieren kann und kein Problem mit dem Trinken hat. Oder liege ich da falsch?

    Der Werdegang mit meiner Frau und mir war ähnlich dem, was du geschildert hast. In jungen Jahren haben wir beide ganz gerne getrunken. Als es immer regelmässiger wurde, wollte meine Frau immer mal wieder Alkoholfasten machen, z.B. nach der Fastnacht bis Ostern. Anfangs habe ich mich darauf eingelassen, aber nur max. 1-2 Wochen und das fiel mir schon schwer. Dann habe ich das Fasten öfter gebrochen und damit begann das heimliche Trinken, welches sich dann über die Jahre verselbstständigt hat.

    Die Grund um da mitzumachen, war einzig und alleine, dass ich zeige, ich habe kein Problem, ich habe es im Griff. Dass ich es nicht im Griff habe, wusste ich bald, aber es musste einen anderen Weg geben um wieder "normal" trinken zu können. Das war meine Ausrede und damit habe ich es ignoriert und den "anderen" Weg habe ich nicht ernsthaft gesucht. Erst viel später habe ich realisiert, dass ich nicht nur ein Problem habe, sondern dass ich anhängig geworden war. An Trinkpausen war da schon lange nicht mehr zu denken.

    Meine Frau war nicht co-abhängig, durch ein Gespräch mit ihrer Ärztin, die ihr frühzeitig die Augen geöffnet hat, hat sie sich abgegrenzt. Sie hat mich mein Ding machen lassen und hat ihrs gemacht. Wir haben kaum noch gemeinsame Dinge unternommen.
    Ich habe sie später mal gefragt, warum sie sich nicht schon längst von mir getrennt hat. Sie sagte, weil noch Liebe da ist und sie bis dato damit leben konnte.
    Aber es hätte nicht mehr lange gedauert, dann wäre ihre Toleranz und auch Leidensfähigkeit am Ende gewesen. Hätte ich aus mir selbst heraus nicht in die Abstinenz gefunden, wäre eine Trennung wohl zwangsläufig gewesen.

    Bzgl. "Fragen an die Angehörigen" geht es mir wie Hera , die Fragen, die ich hatte, wurden mir von meiner Frau und meinen Töchtern beantwortet.
    Antworten auf Fragen, die auf unseren ganz persönlichen Verhältnisse beruhen. Und auch nur aus diesen Verhältnissen heraus kann ich Fragen stellen.

    Klar, kann ich Fragen stellen, nach dem Motto, was ich schon immer mal wissen wollte. Mich persönlich bringt es nicht weiter.
    Was ich aber befremdlich finde, wenn auf Grund von individuellen Antworten aus dem Co-Bereich, dann die "COs" zu einer Gruppe pauschalisiert werden.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Bei Alkoholikern gibt es ja oft Verzichtsgedanken . Gibt es so etwas auch bei Co-Abhängigen? Nicht unbedingt wegen des Partners , der ist irgendwann austauschbar, grob gesagt.

    Aber bleibt nach dem Ausstieg noch ein Drang, anderen helfen oder sie trockenlegen zu wollen?

    Der Drang, anderen Menschrn bei Problemen helfen zu wollen, ist bei mit immer noch da, definitiv. Ich bin immer schon ein hilfsbereiter Mensch gewesen, ich bin sehr aufmerksam und reagiere sensibel darauf, wenn ich merke, dass es meinem Gegenüber nicht gut geht. Der Unterschied ist mittlerweile bei mir aber der, dass ich mich nicht mehr "Hals über Kopf" in irgendwelche undurchdachten Hilfs- und Rettungsaktionen stürze und dabei durchgängig meine eigenen Grenzen überschreite. Ich habe nicht mehr den Drang nach Aufopferung meinem Umfeld gegenüber.

    Wenn jemand Hilfe benötigt, dieses (im Rahmen seiner Möglichkeiten) mir gegenüber formuliert und ich realistische Kapazitäten habe, um zu helfen, dann tue ich das immer noch sehr gerne. Aber ich habe mittlerweile gelernt, dass es wichtig und richtig ist, auch "nein" zu sagen, wenn es mir nicht möglich ist, jemanden zu unterstützen bzw. wenn mir dafür die persönlichen und vor allem emotionalen Ressourcen fehlen. Mir gelingt dies immer häufiger und besser, aber natürlich brauche ich auch mal länger, um meine eigenen Grenzen wahrzunehmen.

    Im Gegensatz dazu würde ich aber niemanden mehr davon überzeugen wollen, seinen Alkoholkonsum zu überdenken bzw ihn "trockenlegen" zu wollen. Mir ist es in der Realität noch nicht wieder passiert, aber würde jetzt jemand auf mich zukommen mit dem Anliegen, Hilfe beim Konsumstop zu bekommen, dann würde ich ihm (einmalig) Anlaufstellen nennen und ihm nahelegen, einen ärztlich begleiteten Entzug zu machen bzw. das Risiko eines sofortigen Stops im Alleingang zu benennen. Mehr würde ich dann aber nicht mehr investieren wollen, zumindest in der Theorie. Und mir hilft es, einen Plan zu haben wie ich reagiere, falls jemand mit diesem Anliegen auch mich zukommen würde.

  • Im Gegensatz dazu würde ich aber niemanden mehr davon überzeugen wollen, seinen Alkoholkonsum zu überdenken bzw ihn "trockenlegen" zu wollen

    Wie kommt der „Co“ eigentlich zu so einer Erkenntnis?

    Bei mir war es simpel: „Da spricht die Sucht aus mir .“ Falls innerlich das Suchthirn aufschrie, weil es nichts mehr zu trinken bekam.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Wie kommt der „Co“ eigentlich zu so einer Erkenntnis?

    Meinst du zu der Erkenntnis, jemanden trocken legen zu wollen oder es nicht mehr zu tun?

    Ich beantworte einfach beides.

    Ich wollte meinen Partner trockenlegen, weil ich ihn irgendwann unter Alkoholeinfluss nicht mehr besonders gut leiden konnte und es mich außerdem genervt hat, dass der Alkohol so die Planung unseres Alltags beeinflusst hat. Und außerdem wusste, wie seine gesundheitliche Prognose ist, wenn er in dem Ausmaß weitertrinkt- hätte ich schon ziemlich blöd gefunden, wenn er sich totgesoffen hätte, außerdem hätte ich mir dann vermutlich (so wie ich mich kenne) extreme Vorwürfe gemacht.

    Nicht mehr trockenlegen wollte ich ihn, nachdem ich mehrmals festgestellt habe, dass das nicht in meiner Macht liegt und ich außerdem immer wieder im Forum gelesen habe, dass das nicht klappen wird. Dann habe ich damit aufgehört und schrittweise versucht, gut für mich zu sorgen. Aus diesem Grund würde ich auch niemand anderen mehr trockenlegen wollen, ich hab ja bei meinem Partner ausgiebig lernen dürfen, dass das nicht funktioniert. Also wird es auch bei niemand anderem klappen und ich muss es gar nicht erst versuchen, dass wäre verschwendete Energie von Ressourcen, die an anderer Stelle besser eingesetzt sind.

    Das ist jetzt natürlich stark vereinfacht, runtergebrochen auf den Kern und klingt etwas hart, aber ich hoffe, dass war verständlich.

  • Auch Paare ohne Suchtproblematik bleiben ja zusammen und stressen sich.

    auch das trifft auf uns zu, denn wir haben ja noch lange gestritten. Gleichzeitig war es aber immer so, dass wie mehr Gemeisames als Trennendes hatten und das Positive das Negative überwog. Und das ganz real. Wir sind uns beide einig, das wir ein schönes Leben hatten und haben, und dass Probleme dazugehören.
    So ähnlich habe ich das jetzt auch bei Dir, Jump! verstanden, es gibt rationale Grüde, das fortzusetzen.

    Aber diese Gründe sind auch absolut egoistisch, selbst wenn ich das Elend des Anderen nicht angucken kann, ist es mein Egoismus, das zu ändern, weil es dann für mich besser aushaltbar ist.
    Wir kommen besser klar, seitdem wir uns eingestehen, dass immer - auch - das Interesse , sich selbst wohlzufühlen dahinter steckt. Den reinen selbstlosen Altruismus gabs nicht mal bei Mutter Theresa. Auch sie hat selbst davon profitiert, was sie tat. Und ich vermute, viele Angehörige haben Schwierigkeiten sich das einzugestehen.

    Meine Frau hat sich in einer Angehörigenberatung Hilfe gesucht, die haben ihr gesagt, dass sie keine Chance hat, so lange ihr Alki nicht aufhören will, und damit war für sie der Fall klar. Damit habe ich Achtung vor ihr gewonnen, endlich tut sie mal was für sich. Weil ich dieses Verharren in ihrem Elend würdelos empfand und ich habe selbst nicht so unter meiner Sauferei gelitten wie sie bis da. Oder ich habs nicht gemerkt, weil ich viel mehr damit beschäftigt war, sie abzuwehren und zu widerlegen, als zu merken, wie es mir geht. Ich hätte ja erst vor ihr kapitulieren müssen, bevor ich vor dem Alkohol kapituliert hätte, und rechthaberisch sind wir beide. Da war ihr Ablassen von mir sogar die Gelegenheit, dass ich mich selbst mal spüre.

    Aber bei vielen Cos hier, habe ich den Eindruck, das ist doch da schon viel kaputter, als es bei meiner Frau und mir jemals war. Und trotzdem ist nichts schlimmer, als dieses Elend verlassen zu müssen, oder, weil der Alkoholiker sich trennt, aus diesem Elend ausgeschlossen zu werden.

    Und wieder die Frage nach dem warum. Und ich verstehs oft nicht.

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  • Wie kommt der „Co“ eigentlich zu so einer Erkenntnis?

    Ich wollte mich in eine romantische Liebe und meinen Partner aus der Sucht „retten“. Ich war es gewohnt, in schwierigen Beziehungen zu überleben. Und auch für Liebe zu kämpfen.


    Da mein Partner mir versichert hat, dass er selbst glaubt, ein Problem zu haben und aufhören zu wollen, habe ich gedacht: zusammen schaffen wir das und dann wird alles gut! Für uns beide!

  • Wie kommt der „Co“ eigentlich zu so einer Erkenntnis?

    Hartmut ich wollte, dass mein Mann aufhört zu trinken, weil viele Probleme dadurch entstanden sind, welche die komplette Familie getroffen haben. Seine Gesundheit fand ich auch gefährdet.
    Über die Alkoholsucht an sich wusste ich viel weniger als heute. Heute weiß ich - nicht meine Aufgabe, und ich bin machtlos.
    Somit biete ich meine Dienste als Retterin nicht mehr an. Wenn jemand Hilfe braucht, soll er/sie sagen wie ich helfen kann. Wenn ich das Gefühl bekomme, seine/ihre Aufgaben sollen jetzt meine werden, bin ich nicht zu haben.

  • Ich möchte nicht, dass er sich entschuldigt oder dass er mir zeigt, wie leid es ihm tut, dass er Alkoholiker ist. Meines Empfindens nach wäre dann auch die Augenhöhe in unserer Beziehung massiv gefährdet, ich will nicht, dass sich mein Partner für mich klein machen muss.

    Mir ging es nie darum, dass er sich klein macht oder zu Kreuze kriecht. Ich erwartete keine demütige Entschuldigung. Mir ging es um eine Erklärung, aus der ich erkenne, dass er die Tragweite verstanden hat – dass die Abstinenz so wichtig ist, dass er sie nicht leichtfertig riskiert. Wenn die Beziehung weiterbestehen soll, betrifft ein Rückfall nicht nur ihn, sondern auch mich.

    Oder am Beispiel Fremdgehen. Auch wenn nur einer handelt, betrifft es beide. Es geht um Verantwortung für etwas, das die ganze Beziehung betrifft – nicht darum, jemanden klein zu machen.

  • Mir ging es um eine Erklärung, aus der ich erkenne, dass er die Tragweite verstanden hat – dass die Abstinenz so wichtig ist, dass er sie nicht leichtfertig riskiert.

    Ich frage mich oft, ob wirklich bewusst ist, was in solchen Situationen eigentlich verlangt wird.

    Manchmal wirkt es so, als würde der Alkoholiker wie eine Art „Schutzbefohlener“ gesehen – als jemand, für den man Verantwortung mitträgt und von dem man Zugeständnisse erwartet, um seine Abstinenz zu bestätigen.

    Wenn das der Fall ist, klingt es für mich nach Co‑Abhängigkeit nach dem Trockenwerden, zumindest so, wie ich es verstehe. Am Ende bleiben es ohnehin nur hypothetische Zugeständnisse, weil Sucht und Verantwortung selten wirklich zusammenpassen und langfristige Abstinenz nur bei etwa fünf Prozent stabil gelingt.

    In diesem Zusammenhang frage ich mal in die Runde, ob es für Co‑Betroffene wirklich hilfreich wäre/ist , wenn er die „Erklärung“ bekommt, die Kontrolle loszulassen und keine weiteren Fragen mehr zur Abstinenz zu stellen.

    Fremdgehen ist ein anderes Thema – hier geht es ausschließlich um Co‑Verhalten.

    Gruß Hartmut

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