Guten Morgen,
ich habe bis zu meinem 20. Lebensjahr bei meinen Eltern gelebt. Mein Vater war Alkoholiker und meine Mutter und wir waren Co-abhängig. Mir wird immer mehr klar, was das für Spuren in meiner Seele und Persönlichkeit hinterlassen hat. Wenn mein Vater getrunken hat, draußen unterwegs war, hat er oft Streit mit anderen Männern angefangen, kam nach Hause und hat sich dann an meiner Mutter abreagiert, sie versuchte ihn dann immer zu beruhigen, damit er dann auch zu Hause bleibt und nicht wieder loszieht. Wir 2 Kinder wurden vorher immer von ihr aus der Schusslinie gebracht, damit wir nicht mal was abkriegen. Ich habe es irgendwann so gehasst, dass ich immer vor ihm "kuschen" musste. Wir wurden von ihm nie angegriffen, aber wir hatten immer Angst um meine Mutter. Bis auf einmal (von dem ich weiß) war seine Aggression ihr gegenüber immer verbal und laut. Einmal (an das ich mich erinnern kann) mussten wir auch alle vor ihm flüchten und sind zu meiner Oma gefahren. Am nächsten Tag kam mein Vater nüchtern, geläutert und kleinlaut, hat sie um Entschuldigung gebeten, ihr wahrscheinlich Besserung versprochen und wir sind wieder alle zurück in die familiäre Wohnung. Es hat sich natürlich nichts verändert. Ich lege nun sehr viel Wert darauf, dass Versprechen und Zusagen eingehalten werden, vertraue aber nicht sehr darauf. Ich kann schlecht Grenzen ziehen bzw. sie beständig halten, bin sehr leidensfähig und denke auch sehr oft, so schlimm ist es doch nicht...kein Partner wird zu 100% passen.
Ich hätte eine Frage an alle Co´s: wenn man einen Partner hat, der fast täglich Alkohol konsumiert, ohne "betrunken" zu werden, auf Partys auch mal mehr trinkt. Aber dabei ruhig, nicht ausfallend oder aggressiv sondern lieb, zugewandt, zuverlässig und lustig bleibt, warum habe ich dann ein Problem damit, dass er Alkohol trinkt? Ich muss ja als Partnerin darunter nicht leiden, so wie meine Mutter damals.
Bestrafe ich ihn nicht indirekt, weil ich das Verhalten und meine Erfahrungen mit meinem Vater auf ihn übertrage? Er versteht nicht, warum ich damit ein Problem habe, da er ja nicht ausfallend wird und ich dadurch keine Nachteile hätte. Ich finde darauf einfach keine standfeste Antwort, außer, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt, mir Unbehagen bereitet, weil ich dem Alkohol nicht vertraue und ich diesen Ausdünstungs-Geruch am Tag danach einfach widerlich und abstoßend finde. Seine Argumente sind, Zucker wäre auch gefährlich und könnte in einer Sucht ausarten und ich würde ja auch nicht auf den Zucker im Kaffee oder auf Schokolade verzichten. Ich habe einfach keine Argumente dagegen. In gewisser Weise spricht er mir schon meine Wahrnehmungen ab, das kenne ich wahrscheinlich auch von früher und ist "normal" für mich. Mir ist schon klar, dass auch das was mit Co-Abhängigkeit zu tun haben muss, aufgrund meiner eigenen Historie. Aber wie, in welchem Zusammenhang? Hat da jemand mögliche Antworten für mich?