Beiträge von Engel11

    Liebe Issi,

    ich glaube dieses Zweifeln an der eigenen Wahrnehmung und dieses "bilde ich mir das alles ein?" gehört zur Serienausstattung einer Co-Abhängigen. Ich bin jetzt seit 3 Monaten nach 7x on/off getrennt. Diesmal bleibe ich getrennt und im no contact, aber je nach innerer Verfassung zweifel ich auch jetzt noch rückwirkend an meiner Wahrnehmung. Sowas macht mich fast verrückt. Dann sage ich mir, egal ob er ein Alkoholiker ist (es gibt ja seitens von ihm keine Einsicht, keine Verantwortungsübernahme, bagatellisieren und keine offizielle Diagnose), sein Umgang mit Alkohol, die konsumierte Menge und sein sehr "nasses" Umfeld haben mich in 4 Jahren Beziehung immer mehr mental destabilisiert, für starke innere Unruhe gesorgt und meinen Selbstwert sehr stark demontiert. Ich habe meine Verantwortung zu mir zurückgeholt, arbeite nun alles mit Unterstützung auf und arbeite auch an meinem Selbstwert. Aber es ist noch ein Weg...

    Vertraue dir und deiner eigenen Wahrnehmung...


    P.S. mein Ex Partner hatte mit Mitte 50 auch recht wenig sichtbare Symptome (er trinkt seit 35 Jahren sehr viel und regelmäßig, seine Aussage). Allerdings ein getrieben sein, innere Unruhe, starkes nächtliches Schwitzen, Konzentrationsprobleme und Schwierigkeiten seinen "langweiligen" Alltag zu organisieren. Aber er ist voll berufstätig und lebt sein Leben in großer Geselligkeit. Also rein äußerlich sehr unauffällig.

    Was mich gerade beschäftigt. Was ist wenn ich ausziehe und nicht glücklich bin. Ich war jetzt eine Nacht alleine Urlaub mit Freundinnen und ich konnte nur an zu Hause denken. Was ist ich ziehe aus und denke nur an zu Hause. Dann habe ich einen Berg Schulden sonst nichts

    Hallo Lenvan,

    vielleicht solltest du mit solchen Gefühlen einfach rechnen und sie dann zulassen und nicht bekämpfen. Dein Nervensystem hat viel ausgehalten und sich an die Situation bei dir zu Hause über eine längere Zeit angepasst. Es müssen sich erst neue Erfahrungen und Muster in dir bilden, damit Sicherheit in dir entstehen kann. Unser Gehirn ist aber klasse und baut mit der Zeit einfach neue Verknüpfungen. Es kann sein, dass du erstmal zur Ruhe kommst und dann eine Leere verspürst, wenn dein ganzes Wesen und deine Gedanken nicht mehr um den Suchtkranken kreist. Sowas kann Monate dauern, aber es wird sich vieles regenerieren. Ich bin jetzt 3 Monate getrennt und sooooooooo langsam wird es bei mir im Kopf ruhiger und ich kann wieder mehr nach vorne sehen und Sicherheit in mir finden. Vielleicht sollte dein Ziel erst nicht "glücklicher" sein. Sondern all die Gefühle hochkommen zu lassen und zu fühlen, die evtl. da sein werden. Wut, Angst, Trauer, Einsamkeit, Unruhe, Zuversicht, Hoffnung etc.

    Deine Kinder werden dich auch sehr brauchen. Du solltest gut auf dich aufpassen und dir jede Hilfe holen, die möglich ist.

    Vielleicht gibt es CoDa (Co Abhängige) Gruppen bei dir in der Nähe. Die sind ähnlich aufgebaut wie bei den AA und sind anonym. Ich teste so eine Gruppe nächste Woche Mittwoch. Mir tut es oft gut, mit "echten" Menschen Gesicht zu Gesicht zu sprechen und Gemeinschaft zu fühlen.

    Guten Morgen liebes Forum,

    ich schreibe etwas an meinem Faden weiter. Es ist ja wie eine Art Tagebuch und es tut gut, sich immer mal wieder alles durchzulesen. Jetzt sind es 9 Wochen.

    Letzte Woche Mittwoch hatte ich dann einen 2. Brief von ihm in meinem Briefkasten. Er hat mich nicht persönlich abgefangen, sondern ihn einfach eingeworfen. 6 Seiten lang. Immer noch: wir gehören zusammen, würden uns gut tun, er könne nicht verstehen, warum ich der Meinung bin, dass ich mich in der Beziehung verloren hätte, das wäre gar nicht sein Gefühl gewesen. Im Gegenteil, dass was ich jetzt machen würde, würde mir nicht gut tun, ich wäre von einem "bösen" Geist besessen, der mich von ihm weghält und uns beide damit quälen würde. Er wäre bereit für eine Paartherapie und wir könnten doch alle Probleme lösen, wenn wir wollen. Andere Paare hätte echte Probleme etc.

    Und wieder überhaupt keinen Bezug auf das Thema Alkohol, was ja bei jeder meiner 7 !!!!! Trennungen MEIN Trennungsgrund war. Er sieht anscheinend keinen Anteil bei sich.

    Der Brief hat mich relativ kalt gelassen, aber diese Trennung beschäftigt mich weiterhin emotional.

    Samstag war ich bei einer Familienaufstellung als Stellvertreterin dabei. Es gab bei dieser Hitze 6 Aufstellungen. Gleich bei der ersten Aufstellung wurde ich in meiner Rolle als "Vater" mit meinem eigenen Gefühl der "nicht Zugehörigkeit" überraschend konfrontiert. Das war so krass und hat mich extrem berührt und beschäftigt. Dieses Gefühl mich nirgends richtig dazugehörig zu fühlen ist neben der Gefühle "mangelnder Selbstwert und Selbstmitgefühl" mein Thema. Ich suche mir wohl gerne Felder in denen mir diese Gefühle bestätigt werden und arbeite mich dann schön daran ab. War ja in der Familie meines Ex-Partner mit seinen erwachsenen Kindern und seinem kompletten "nassen" Umfeld oft mein Spiegel. Ich dachte, ich müsste mich nur mehr anstrengen, mehr Verständnis haben und noch mehr an meinen Kindheitswunden arbeiten, damit ich das alles aushalte und sogar an meinen Wunden heilen könnte. Ich habe mich nur in diesen kranken Dynamiken immer mehr verloren und extrem angepasst bzw. Gefühle runtergeschluckt, damit es irgendwie passt. Ich habe für vieles Verantwortung übernommen, die gar nicht in meinem Bereich lag. Es gibt mit Sicherheit Parallelen zu meiner Kindheit.

    Der Samstag dort war auf jeden Fall sehr anstrengend mit vielen Fremdenergien. Vielleicht war so eine Aktivität in meiner jetzigen Phase auch einfach zu früh, im Nachhinein betrachtet.

    Samstag Abend war ich früh im Bett und bin dann später wach geworden, als Deutschland noch gespielt hat. Ich lag allein im Bett, im zu warmen Zimmer und habe ich mich plötzlich so einsam, verlassen und traurig gefühlt. Ich habe mich in Geschichten verloren, dass mein Ex Partner jetzt bestimmt in seiner Stammkneipe feucht fröhlich das Spiel mit seinen Freunden und Bekannten verfolgt, so viel Spaß und Unbeschwertheit in seinem Leben hat und sicher schon eine neue Frau kennengelernt hat. In der Stille der Nacht habe ich mich mit diesen Gedanken sehr gequält und habe sehr unruhig geschlafen.

    Sonntag ging es mir gar nicht gut, Ich hatte eine krasse innere Unruhe und einen sehr starken Drang/Impuls mit meinem Ex Partner Kontakt aufzunehmen. Ich war beim Sport, bin danach 2 Stunden im Wald spazieren gewesen, habe mit einem Bekannten telefoniert, der mich beruhigt hat, dass ich das alles schaffen würde. Ich habe am Samstag und Sonntag auch wieder sehr viel geweint und irgendwie um vieles getrauert.

    War dann nach dem Waldspaziergang wieder zu Hause und habe mich kurz hinlegen können. Ich habe danach wieder so einen Sog verspürt Kontakt aufnehmen zu wollen (der Sonntag gestern war einfach zu ruhig und mir zu heiß) und habe ChatGPT über die Gefahren von on/off Dynamiken ausgefragt und dann ist erstmalig etwas passiert, war ich so noch nie hatte, eine neue Erfahrung: Mein Nervensystem hat gelernt, dass ich nur Beruhigung bekomme, wenn ich innere Unruhe/Bindungsentzug durch Kontakt mit meinem Beziehungspartner stille, so war es ja vorher immer. Ich habe mich also im Außen regulieren lassen. Zudem ist es gefährlich, wenn man in Trennungen nicht über die Trauerphase drüber kommt, sondern im Schmerz den Kontakt sucht, um dem Schmerz der Traurigkeit aus dem Weg zu gehen. Wenn man dann zurück in die Beziehung gezogen wird, bleibt der Schmerz der Trennung offen bzw. lernt mein System nicht, dass dieser Schmerz vorübergehen kann/wird. Ich breche somit das innere Programm immer wieder ab. Dann folgt natürlich diese Hochphase der Verschmelzung, der Honey Moon, bis irgendwann die bisherige Dynamik wieder durchbricht, weil sich ja im Kern nichts geändert hat und die nächste Trennung folgen wird. Es ist immer der gleiche Kreislauf, der sich immer wieder neu recycelt. Das Nervensystem wird damit regelrecht gaga und auf Drama und Schmerz programmiert.

    Ich habe mir dann ein Icepack genommen, mir in den Nacken gehalten, bin in ruhigen Schritten durch meine Wohnung gelaufen (ich konnte in dieser Phase nicht still auf dem Sofa sitzen bleiben) und habe das Gefühl/den Impuls ihn anzurufen ausgehalten und ihn einfach nur in mir gespürt. Ich habe mich somit das erste Mal selbst reguliert und meinem Nervensystem den neuen Impuls gegeben, "wir" können das auch alleine ohne es im Außen zu suchen. Ich konnte damit diese Welle gut nehmen. Abends bin ich dann nochmal eine kurze Runde durch den Wald gelaufen, sowas mache ich aktuell fast täglich und es tut mir jedes Mal gut.

    Ich hoffe einfach, dass durch neu gemachte Erfahrungen, dieser innere Schmerz der Trennung weniger wird, dass diese Sogwellen weniger stark werden und ich Stück für Stück mein Nervensystem umprogrammieren werde und somit die Sicherheit in mir aufbauen kann, mir selbst eigene Sicherheit zu geben. Dann wäre ich auch zukünftig weniger abhängig vom Außen oder einem nächsten Partner.

    Es ist aber ein Prozess, der sicher nicht in Tagen stattfinden wird. Gerade habe ich wieder so einen inneren Schmerz verspürt, dieses Ziehen in mir. Das was sich in 4 Jahren aufgebaut hat, ist halt nicht in 2 Monaten komplett verarbeitet. Auf jeden Fall, war diese Erfahrung gestern sehr wertvoll und hat mir Zuversicht und eine neue Sichtweise gegeben.

    Ich vermisse die wirklich schönen Zeiten mit ihm sehr. Es war sehr intensiv und interessant. - edit, bitte keine Details über ihn schreiben - aber der Alkohol und seine Veränderung dadurch hat unsere wirklich gute Zeit immer mehr überschattet.

    Ich habe mich so gut in seiner Nähe gefühlt, er war mein Herzensmensch, ich konnte zeitweise nicht genug von ihm bekommen und ihm ging es genauso. Wir waren wie zwei Magnete, wie zwei passende Puzzleteile.

    Das macht eine eigentlich notwendige Trennung so schwierig und die selbstschützende Loslösung auch.

    Oh, ja. Das kommt mir so bekannt vor. Ich habe meine Geschichte hier im Forum auch aufgeschrieben. Aktuell schmerzt meine Trennung und das Vermissen sehr. Wir hatten auch eine wahnsinnige Anziehung, wie 2 Magnete. Er hat mich so gesehen, wie ich zuvor noch von keinem Mann gesehen worden bin. Erst heute morgen im Bad beim Zähneputzen kamen mir wieder Dinge in den Sinn, die ich vermisse, die ich so nie mehr erleben werde. Es gibt einen erwachsenen Teil in mir, der total klar sieht und ich schlafe seit der Trennung viel besser, mein Nervensystem ist ruhiger geworden. Die Trennung ist absolut richtig und notwendig. Und ein anderer bedürftiger Teil in mir ist total traurig, vermisst die schönen Seiten und kann sich überhaupt nicht vorstellen, jemals wieder etwas ähnliches für einen anderen Mann empfinden zu können. Die emotionale Abhängigkeit besteht immer noch. Im Alltag funktioniere ich, gehe Arbeiten, mache Aktivitäten, Sport, treffe Leute, gehe in die Sauna. Aber zu Hause kommt dann diese Traurigkeit und das Vermissen.

    Ich komme mir wie "brainwashed" vor, als ob ein kleiner Parasit in meinem Gehirn sitzt und nicht locker lässt. Das Loslassen fällt mir schwer.

    Mir ist aber klar geworden, dass ich diese Lücke in meinem Selbstwert, mich selbst wieder wertvoll und wichtig zu finden, selbst füllen muss. Sonst übertrage ich diese Aufgabe und diese Verantwortung an den nächsten Partner und wenn es mit dem nicht klappen würde, "verliere" ich das ja dann wieder, weil er es mitnimmt.

    Hallo, ich möchte mich hier vorstellen.

    Ich habe mich vor 3 Wochen von meinem alkoholkranken Partner getrennt, 3 Tage vor unserer Hochzeit. Einerseits bin ich jetzt sehr erleichtert, nachdem ich auch hier gelesen habe, wie zerstörerisch und hoffnungslos eine Beziehung zu einem Alkoholiker ist, der sich keines Problems bewusst ist und ständig Fremd Zuschreibungen vornimmt, andererseits schäme ich mich über meine Blindheit und Naivität, obwohl ich lebenserfahren und gebildet bin.

    Mir fällt es gerade sehr schwer, die Selbstachtung zu bewahren. Besonders meinen erwachsenen Kindern gegenüber habe ich ein sehr schlechtes Gewissen.

    Puh, das klingt wirklich heftig und nicht nach einer leichten Entscheidung. Du hast dich sicher sehr lange mit vielen verstrickten Gefühlen beschäftigt. Ich finde das sehr mutig von dir. Also ich habe viel Achtung vor dir.

    Warum hast du deinen erwachsenen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen?

    Keine Wut bei Grenzüberschreitungen zu empfinden kenne ich. Ich war nicht wütend auf meinen Vater, wenn er betrunken angerufen hat und ich der seelische Mülleimer war. Ich war weder in der Lage aufzulegen, noch dazu einfach nicht ans Telefon zu gehen, noch hat es mich wütend gemacht. Auch heute rückblickend spüre ich die Wut nicht. Und ein Teil von mir denkt: "Noch nicht. Vielleicht kommt das ja noch. Ich glaube das wäre gut."

    Ich vermute, dass mir mein Erleben in meiner Kindheit einfach weggesprochen worden ist und damit ich die Bindung zu meinen Eltern nicht verliere, habe ich Wut wohl einfach weggedrückt. Ich war ja auf diese Bindung angewiesen. Auch war ja meine Kindheit mein "Normal". Wenn mein Vater betrunken war, wäre Wut bestimmt auch für mich gefährlich und nutzlos gewesen. Mit einem Betrunkenen kann man nicht vernünftig reden, man kann ihm nur aus dem Weg gehen und unsichtbar werden.

    Ich vermute auch, dass ich mich immer wieder von meinem Ex-Partner einlullen lassen habe (also eher den Worten als den Taten Glauben und Vertrauen geschenkt habe) da mein Vater jedes Mal meine Mutter (und damit ja auch uns Kinder) mit Versprechen und Manipulation zurückgeholt hat. Es ist mir wohl vertraut. Und dann ging alles weiter wie immer, bis zur nächsten Eskalation. Mir wurde auch eine on/off Beziehung von meinen Eltern vorgelebt mit viel Drama und Schmerz.

    Es ist erschreckend, was ich für verschüttete Parallelen zu meiner kindlichen Prägung in meiner letzten Beziehung feststelle und das Krasse ist, ich kann es vom Verstand her erkennen und reflektieren und trotzdem gibt es einen bedürftigen Anteil in mir, der meinen Ex sehr vermisst und das Ganze noch nicht wirklich wahrhaben will.

    Ich sehne den Tag herbei, an dem ich merke, dieser Sog und die emotionale Bindung sind weg und er ist gefühlt einfach nur ein Mann unter vielen für mich.

    Mir wird immer mehr klar. Wenn ich Gefühle und Bedürfnisse zur Erfüllung ins Außen gebe, kann mir das immer wieder genommen werden. Also entwickelt man Verlustangst, die Angst den Menschen, der einem dieses "ach so tolle und wichtige Gefühl" gibt, zu verlieren. Weil man sich an ihn haftet, weil nur "ER" dieses Gefühl in einem aktiviert.

    Durch die Prägung aus meiner familiären Geschichte zur Co-Abhängigkeit bin ich mit meinen Antennen sowieso viel mehr im Außen als bei mir. Natürlich finde ich dann den anderen wichtiger als mich und beziehe meinen Wert über ihn.

    Puh, ich habe das Gefühl meine bisherige Identität bricht in Teilen in sich zusammen und ich "muss" mich völlig neu von innen heraus aufbauen. Mit mehr Focus auf mich, meinen Werte, meinen Grenzen und meinen Bedürfnissen. Es ist, als ob ich die rote Pille von Matrix genommen habe. Es geht kein Weg mehr zurück, es geht nur noch vorwärts, den steinigen und unbequemen Weg. Es gibt keine Abkürzung.

    Das Interessante ist, dass ich keine Wut verspüre. Ich müsste doch wütend sein, wenn er vor meiner Tür steht und über meine Grenzen trampelt und mich in die Beziehung zurückziehen will, damit es ihm wieder besser geht und er sich seinem Schmerz nicht stellen muss. Das ist hochgradig infantil, manipulativ und egozentriert.

    Nein, Wut kann ich nicht spüren, eher habe ich noch Mitleid mit ihm, weil er wegen der Trennung leidet. Ich übernehme damit wieder Verantwortung für ihn und seine Gefühle. Aber das alles liegt in seiner Verantwortung, er ist erwachsen. Er war auch Teil der Beziehung, hat Entscheidungen getroffen, alles genauso mitgestaltet und ist auch für das Ergebnis mitverantwortlich.

    Äh, hallo ?????

    Guten Morgen,

    es sind jetzt 8 Wochen Trennung und gestern war gefühlt mein bisher traurigster und schlimmster Tag.

    Letzte Woche Dienstag hat mich mein Ex-Partner zu Hause abgefangen und nach einem Gespräch hat er mir einen Brief von ihm mitgegeben. Er ist immer noch der Hoffnung und Meinung, dass es mit uns wieder was wird. Ich habe ihm dann 2 Tage später mitgeteilt, dass sich nichts an meiner Meinung geändert hat. Daraufhin hat er mich Donnerstag wieder zu Hause abgepasst. Ich bin wieder auf ein Gespräch eingegangen (wo sind meine Grenzen?) und er hat wieder alle Register gezogen. Mir Änderung versprochen im Thema Patchwork (seine erwachsenen Kinder, die bei ihm wohnen sind nie wirklich offen und mit Bereitschaft auf mich zugegangen und irgendwann habe ich dann auch innerlich zu gemacht und mich bei ihm zu Hause unwohl gefühlt und mich dort stark angepasst. Für ihn war das nie wirklich Thema.) und möglichem Zusammenziehen auf neutralem Boden und nicht in seinem Haus, er wäre bereit für sowas wie Paartherapie etc. Ich wäre das Wichtigste in seinem Leben und wir hätten doch immer soviel Spaß gehabt und noch soviel in Planung gehabt, wir passen doch so gut zusammen und unsere Anziehung wäre außergewöhnlich, er hätte sich immer so eine Beziehung gewünscht. Aber klar, er würde natürlich weiterhin gerne sein Bierchen trinken und entscheiden wann und wie viele und auch seine Treffen machen (wäre ja Freundschaftspflege). Also in diesem Bereich weiterhin keine Bereitschaft mal genauer hinzusehen, da gibt es seitens von ihm keine Diskussionsgrundlage.

    Er wollte, dass wir uns Samstag Abend sehen (vorher wäre er auf einem Geburtstag von seiner Feiertruppe eingeladen. Er könnte ja nur 2 Bier trinken und dann noch zu mir fahren) und das hat mir schon wieder den ersten Trigger versetzt und am Sonntag gäbe es Geburtstagskaffee von seiner Tochter, was dann nahtlos mit den Gästen in ein gemeinschaftliches Fußball schauen mündet (wo es natürlich beim Grillen dann auch wieder Bier geben wird).

    Ich war Freitag Nachmittag bei meiner neuen Trauma Therapeutin und wir haben über alles gesprochen. Es kam heraus, dass mich seine Aufmerksamkeit, seine Liebesbekundungen, sein "um mich kämpfen" (auch wenn es wohl eher darum geht, dass er seinen Schmerz nicht fühlen will), das Gefühl wertvoll und wichtig für jemanden zu sein, in dieser emotionalen Bindung hält. Ich habe das als Mädchen von meinem Vater in meiner Kindheit nie so bekommen. Ich war nie seine "Prinzessin", er war mit sich selbst und seiner Sucht beschäftigt und wir als Familie mit ihm und seiner Sucht.

    Ich habe mir dieses fehlende Gefühl wohl immer in Resonanz mit Männern im Außen gesucht und gestillt. Als sie mich fragte, was ich als Kind/Jugendliche gerne gemacht habe, wofür mein Herz schlug, fiel mir außer Lesen und Jungs nichts ein. Zumal ich sehr wenig Erinnerungen an meine Kindheit habe, in dem Alter unter 10 eigentlich gar keine. Ich fand das alles dann so traurig, ich muss so viel in mir weggeschlossen haben. Aus gutem Grund.

    Ich habe dann Samstag früh meinem Ex-Partner mitgeteilt, dass ich ihn abends nicht sehen will, es keine Weiterführung unserer Beziehung geben wird und er mich auch nicht mehr zu Hause abfangen soll. Ich habe ihn auch wieder komplett blockiert. Samstag ging es mir noch recht gut. Am Sonntag war ich mit einer Gruppe morgens wandern und da wurde ich schon traurig. Später zu Hause habe ich eigentlich fast den ganzen Nachmittag immer mal wieder geweint. Ich war so traurig, über meine verkorkste Kindheit, darüber, dass ich mich nie wirklich zu der Familie/Kindern meines Ex-Partner zugehörig gefühlt habe (die nun so toll Geburtstag feiert und dann noch Fußball zusammen schaut), dann über die Version von mir in der Beziehung, die ich jeden Tag mehr verabschiede und dass ich eigentlich überhaupt nicht weiß, wer ich wirklich bin und was ich an mir wertvoll finde ohne es mir im Außen als Bestätigung beschaffen zu müssen. Und wie es überhaupt schaffe, mich selbst wertvoll und wichtig zu finden.

    Ich habe gestern gelesen, Podcasts gehört, Tagebuch geschrieben, mit einer Freundin telefoniert und abends im Bett mir selbst eine Sprachnachricht geschickt, als ob ich sie meinem Ex-Partner geschickt hätte. Zeitweise war ich auch wütend und ungeduldig und fand es ungerecht, dass ich mit dem ganzen "Scheiss" in mir nun klarkommen und den sortieren muss und ich hätte so gerne eine "Abkürzung", um schneller damit durch zu sein. Geht natürlich nicht.

    Heute geht es mir besser als gestern. Diese Woche gehe ich wieder zum Sport, wahrscheinlich mit einer Bekannten in die Sauna und am Wochenende nehme ich an den 2 Tagen als Stellvertreterin bei einer Familienaufstellung teil. WM schauen ist für mich aktuell nicht drin (bin eh nicht so fussballbegeistert) aber es triggert mich zu stark und erinnert mich an meinen Ex, gestern habe ich auch nicht das Spiel ansehen können.

    Falls er nochmal vor meiner Tür steht, werde ich mich diesmal nicht auf ein Gespräch einlassen und ihn stehen lassen. Es tut mir einfach nicht gut und wirft mich in meiner Entwicklung zurück. Ich hatte noch nie eine Trennung, die so zäh, verstrickt und kräftezehrend von statten ging und die so viele zusätzliche Themen aus meiner Kindheit mit hochholt.

    Ganz ehrlich, könnte ich drauf verzichten :rolleyes:...

    Das Wochenende mit dem Retreat an der Nordsee war sehr bewegend. Ich habe weinen können und ich wurde damit gehalten. Auch habe ich mein Handy für 2 Tage weggeschlossen. Auch das hat sich gut angefühlt.

    Am Samstag wurde eine Breathwork durchgeführt. Sowas kannte ich noch nicht. Es war sehr intensiv und bewegend, auch danach konnte ich weinen und ich habe mich innerlich weich und mit mir verbunden gefühlt. Tatsächlich wirkt diese Breathwork noch nach. Ich fühle mich innerlich ruhiger und verwurzelter. Es ist eine Bottom up Methode. Vom Körper in den Kopf. Am Sonntag bin ich dann bereits nach dem Frühstück gefahren, weil ich gefühlt "satt" war. Viele neue Menschen, Eindrücke, bewegende Geschichten, fremde Energien und Methoden. Es hat mir dann gereicht. Früher wäre es mir unangenehm gewesen, früher abzureisen. Ich versuche nun auf mich zu hören und dann Entscheidungen zu treffen, die sich gut für mich anfühlen.

    Zwischendurch kommt noch in mir der Gedanke hoch, dass mein Ex-Partner auch sein Leben und seinen Alltag weiterlebt. Es fühlt sich merkwürdig an und gibt mir kurz einen Stich. Jemand, der mir 4 Jahre sehr wichtig, eng an mir dran war, mit dem ich mir eine Zukunft vorgestellt habe und nun ist dieser Mensch wieder ein Fremder für mich geworden. Einige Erinnerungen werden aber bereits schwacher und es kommen ja jeden Tag neue Sachen dazu, die ich nicht mit ihm verbinde. Ich lebe mein Leben und meinen Alltag halt auch weiter, ohne ihn. Und ich komme klar. Mein Körper fühlt sich besser und ruhiger an, als noch während der Beziehung.

    Heute gehe ich zum Spinning. Sport ist ein wichtiger Faktor in meinem Alltag geworden. Gibt mir Struktur, ich spüre meinen Körper und ich mache damit auch was für meine Gesundheit. Die Zeit dazu habe ich ja nun wieder reichlich.

    Ich lese aktuell das Buch :

    "Die LÖSUNG in der Suchtbeziehung".

    Es ist ganz neu rausgekommen. Es geht um Co-Abhängigkeit, Hoffen, Angst, Helfen und Selbstverlust.

    Das Buch ist von Jil Rieger. Kann man über ihre Homepage bestellen, gibt es wohl nicht auf Amazon. Sie ist Suchtexpertin und selbst Betroffene. Sie ist auch auf Insta und hat einen Podcast: Liebling, wir sind abhängig.

    Sie hat mir viele A-ha Momente beschert und einiges Licht ins Dunkel gebracht.

    Danke. Für mich ist das ein ständiger innerer Kampf gegen das Schön reden/Verharmlosen/Idealisieren und für die Realität. Immer noch.

    Dieses ständige Leugnen und Abstreiten meiner Wahrnehmung und die Scjuldzuweisungen an mich haben echt Spuren hinterlassen.

    Guten Morgen,

    mir geht es ähnlich. Ich lese alte Chats an meine Freundin, in der ich ausführlich in den letzten 4 Jahren mein Dilemma mit dem Alkoholkonsum meines Ex-Partners ausgeführt habe. Ich habe das Thema Co Abhängigkeit verstanden und kann die Muster zurück in meine Kindheit verstehen. Mir ist das vom Verstand her so klar und 5 Minuten später hat ein Anteil in mir totale Sehnsucht nach meinem Ex-Partner und an die schönen und verrückten Zeiten mit ihm. Ich blende dann alles Schlechte aus, es ist dann nicht mehr für mich fühlbar. Ich muss mich richtig zusammenreißen und mich immer wieder aktiv in die Stimmung bringen, die ich bei der Trennung hatte. Dieses Bewusstsein, dass es keine Hoffnung auf Änderung mehr gibt und er überhaupt nicht in seiner Verantwortungsübernahme für seine Themen ist und ich war es ja auch nicht für meine Themen. Wir waren ein Suchtsystem, Schlüssel/Schloss. Er ist abhängig von seiner Substanz und ich bin (immer noch) in einer Art Abhängigkeit von ihm. Ich vermute bei mir sowas wie ein "Trauma Bonding". Ausgelöst auch durch die ganzen on/offs, das ganze damit verbundene Drama, die großen extremen Gefühle, das Verlieren in seine Angelegenheiten. Ich habe mich durch diese Art Drama ja auch ein Stück weit sehr lebendig gefühlt, es ist immer was passiert. Vielleicht auch wie in meiner Kindheit.

    Das ist nun alles weg. Mein Leben wird ruhiger und ich habe auf einmal soviel freie Zeit. Ich bin auf Entzug und mir wird klar, dass ich nie so wirklich auf mich und meine Bedürfnisse geschaut habe. Das ist nun meine Aufgabe. Eine neue Beziehung, in der ich mich dann wieder auf jemanden "beziehe", ist noch echt weit entfernt. Ich lerne mich nun besser kennen und baue eine "Beziehung" zu mir auf. Solange ich immer noch gefühlsmäßig gedanklich zurückfalle, bin ich auch nicht bereit einen neuen Mann in mein Leben zu lassen. Das zu akzeptieren fällt mir auch noch schwer, irgendwie war immer ein Mann in meinem Leben, ich war nie wirklich lange Single.

    Ich schreibe mal etwas an meinem Faden weiter.

    Jetzt Sonntag sind es dann 7 Wochen Trennung. Mein Ex-Partner hat mich noch 2x per Mail angeschrieben, da er ja sonst komplett blockiert ist. Ich habe es nun so eingestellt, dass Mails von ihm direkt gelöscht werden, vorher sind sie im Spam gelandet und da habe ich sie auch gesehen. Dann hat er mich am Montag über meine Firmenmailadresse kontaktiert, ob wir uns nicht zu einem Gespräch beim Spaziergang treffen könnten. Auch da habe es jetzt so eingestellt, dass Mails von ihm direkt gelöscht werden. Ich habe ihm nicht geantwortet.

    Tatsächlich bin ich sowas wie "Worte leer". Mir fällt beim besten Willen nicht ein, warum ich nochmal mit ihm (über was auch?) reden sollte? Wir/er hatten 4 Jahre Zeit eine Beziehung zu gestalten und nun ist das halt das Resultat aus unserer Dynamik. Da gibt es mal gar nichts mehr drüber zu reden. Zumal ich mir aus meiner Erfahrung mit ihm sowieso vorstellen kann, wie er dann wieder auf mich einredet, um meine Meinung zu ändern und alles zu relativieren. Nein Danke...

    Wenn ich mir vorstelle, noch in seinem "nassen" Umfeld zu sein, beschleicht mich ein Unbehagen. Auch die Vorstellung seinen regelmäßigen Konsum und seinen Geruch und seine Art nach Bierkonsum ausblenden und mich anpassen zu müssen, damit die Beziehung irgendwie läuft...

    Ich habe mir ältere Whatsapp Nachrichten an meine Freundin durchgelesen. U.a. eine Whatsapp 2 Monate bevor ich hier im Forum meinen Faden angefangen habe, da war mein Leidensdruck schon recht hoch. In dieser sehr umfangreichen Whatsapp stand so viel drin, er kam da gerade aus seiner Ballermann Fahrt im Mai 2024 recht angeschlagen zurück. Es hat sich tatsächlich in den letzten 2 Jahren bis zur heutigen Trennung recht wenig verändert, das ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Diese Whatsapp ist nun zusätzlich mein Anker, weil ich da soviel reingeschrieben habe, was mich berührt hat.

    Am Sonntag war ich mit einer Gruppe wandern. Ich habe nette Gespräche geführt und mich körperlich betätigt. Der Tag war sehr schön. Morgen fahre ich bis Sonntag an die Nordsee auf ein Retreat. Ich möchte dort dann u.a. eine Art Digital Detox machen und auf Handykonsum verzichten. Mir geht es gut, bin zuversichtlich und ich fühle mich stabil aber auch "verwundet". Diese Achterbahn Beziehung hat ziemlich viel in mir hochgeholt, auch Dinge und Erinnerungen aus meiner Kindheit. Ich gebe mir die Zeit zu heilen, zu verarbeiten und zu reflektieren.


    Genau so geht es mir auch. Du bringst meine Gedanken auf den Punkt.

    Man muss die Dinge richtig einordnen um seiner Wahrnehmung zu vertrauen, meint man zumindest.


    Meine beiden haben auch sehr stark geschwitzt nachts….

    Ich vermute sogar, dass ein sehr warmer Körper (erhöhte Temperatur, leichtes Fieber) auch ein Symptom ist?

    Als ich meinen nun Ex-Partner kennengelernt habe, hat er mir auch erzählt er hätte nächtliches starkes Schwitzen. Ich fand das anfangs auch befremdlich und auch ein wenig eklig, morgens so ein nassgeschwitzes Bett.

    Ganz am Anfang kannte ich ja sein "Rausgeh Ausmaß" noch nicht. Und in den Monaten vor unserer Beziehung (am Ende seiner Ehe) hat er sich viel mit seinen Kneipen Kumpels getroffen, um seiner Frau zu Hause aus dem Weg zu gehen. Da wurde oft geknobelt und dabei viel getrunken, auch Schnaps. Als wir zusammengekommen sind, hat er durch mich im Laufe der Zeit weniger getrunken (ab 08/24 habe ich dann ja ganz aufgehört Alkohol zu trinken und meine Wohnung war/ist alkoholfreie Zone) und auch in den letzten 4 Jahren weniger nachts geschwitzt. Ich habe das aber damals auch gegoogelt, ob das sowas wie Entzugserscheinungen sein könnten. Ganz schlimm war oft die erste Nacht nach 4 Tagen Ballermann. Je mehr ich zu klarem Verstand komme, umso mehr frage ich mich, wie ich das überhaupt alles so mitmachen und irgendwie ausblenden konnte. Als erwachsenene Frau, die wirklich gut im Leben steht.

    Jetzt ist er wohl wieder mehr unterwegs und kompensiert so die Trennung. Gib einem Menschen die Freiheit, das zu tun, was er will. Dann sieht man auch, wie und mit was er seine Freizeit füllt, wenn der Druck der Partnerin nicht mehr da ist. Das ist für mich schon Beweis genug.

    Hoffentlich geht es mir auch irgendwann wie euch.

    Ich bin noch nicht mal 40. Meine Kinder sind in der Grundschule und Kindergarten. Mein Alltag ist oft hart.

    Gräm dich bitte nicht, ich bin nun 53 Jahre alt und habe 4 Jahre in dieser Dynamik gehangen. Mit 6x on/off und so viel Hoffnung jedesmal. Auch ich versuche aktuell "sein" Gehirn zu verstehen und ob die Manipulationen und das Absprechen meiner Wahrnehmungen bewusst oder unbewusst durch sein "Suchthirn" durchgeführt wurden. Auch mir ist klar, dass ich keine stichhaltige Antwort finden werde (die weiss er sicher selbst noch nicht mal, er hat ja bis vor 6 Wochen 0% Verantwortungsbewusstsein gehabt). Ich denke, es gehört für uns auch dazu Antworten oder eine Logik dahinter finden zu wollen. So wie wir die Alkoholiker nicht verstehen können, so können uns sicher die Alkoholiker nicht verstehen. Wir sind ja irgendwie 2 Seiten der gleichen Medaille. Ein Suchtsystem.

    Auch ich trauere um diese Beziehung, da ich dachte mit 53 Jahren, großen Kindern aus 1. Ehe und der dazugehörigen Scheidung, nun angekommen zu sein. Ich möchte auch nicht nochmal von vorne anfangen und auf Partnersuche steht mir so gar nicht der Sinn. Werde ich nochmal vertrauen können und mich für jemanden öffnen können? Keine Ahnung...Und wenn ja, matche ich wieder mit einem ähnlichen Typ Mann?

    Aber nun versuche ich wieder in meinen Alltag zu kommen, meinen Selbstwert aufzubauen und mich auf mich zu konzentrieren. Ich bin schon froh, wenn irgendwann diese emotionale Bindung zu ihm durchbrochen ist und ich mich wieder komplett frei fühle.

    Ich bin ein EKA und spüre mit Ü50 noch die Auswirkungen meiner Kindheit. Du wirst mit deinem Mut dich zu trennen deinen Kinder vermutlich einiges erspart haben. Darauf kannst du stolz sein.

    Falls du noch immer mit deiner Entscheidung haderst, vielleicht hilft dir ja eine einzige Frage:

    Warst du die Wichtigste Säule / Komponente in seinen bestehenden Ökosystem, oder nur Beifang, welcher zufällig dazu gestoßen ist? Wenn du nicht 51% ausmachst in seinem Leben, wird es immer einseitig bleiben.

    Tja, das ist eine gute Frage. Auf jeden Fall habe ich mich als wichtigste Säule/Komponente in meinem Ökosystem immer mehr aus den Augen verloren. Als ich in die Beziehung ging, hatte ich ein inneres Strahlen und war der Überzeugung mein Leben ist schön und mein Partner sollte die Kirsche auf der Torte sein.

    Seine Einstellung ist, seine Partnerin ist eine Säule in seinem Leben. Da gab es eigentlich schon von Anfang an eine Diskrepanz, über die ich auch mit ihm gesprochen habe. Ich fand die Vorstellung von "Säule" immer etwas bedrückend, wie eine tragende Verantwortung, damit etwas nicht zusammenbricht. Ja, eine Säule bin ich aber immer mehr in seinem Leben geworden, die Last wurde immer schwerer für mich zu tragen.

    Nun gestalte ich mir eine neue Torte und eine Kirsche kommt irgendwann wieder oben drauf. Denn dabei bleibe ich weiterhin. Mein Leben möchte ich schön, lebenswert und erfüllend gestalten und mein (zukünftiger) Partner soll die Kirsche oben drauf sein.... :)

    Also....

    Was soll ich sagen, ein wenig Schamgefühl ist auch mit dabei, wenn ich das jetzt so schreibe. Nach meinem letzten sehr optimistischen Post im September 24, bin ich Ende September, in eine emotionale Phase gekommen und natürlich an einem Samstag Abend, ich war alleine zu Hause und habe mich alleine gefühlt, hat mich mein Ex-Partner über Email erreicht. Ich dachte, ich hätte ihn dort auch blockiert. Es entstand dann wieder ein starker Sog, wir haben uns wieder getroffen und sind wieder zusammen gekommen. Davor hatte ich ja ein Coaching bzgl. Co Abhängigkeit gemacht und ich bin dann direkt im November in ein anderes Coaching gegangen, weil ich wieder dachte, ich wäre das Problem. Das er doch der richtige Partner für mich ist und ich, wenn ich mich nur genug anstrenge, mein Kindheitstrauma aufarbeiten könnte...Also Feuer mit Feuer löschen. Ich lag so daneben....:huh:...

    Das Jahr 2025 hatte viele Höhen und Tiefen, es gab wieder Ballermann, Karneval, Schlagermove, eine Fussballfahrt, bei der ich mit dabei war (es wurde soviel dort gesoffen....), Oktoberfest etc., rausgehen mit seinen Freunden.

    Im Sommer waren wir im Urlaub, und erst wollte er diese Zeit mal ohne "Bierchen" auskommen, letztendlich war aber das Bier abends seine Begleitung. Wir haben sowas wie einer 3er Beziehung geführt. Ich, er und sein Bier. Nie so, dass er betrunken war, aber so 1,5-2 Liter waren es abends bestimmt (ohne, dass man ihm groß was angesehen hatte)...

    Nach den Herbstferien wurde wieder meine innere Stimme lauter, dass das alles so nicht richtig ist, sich nicht richtig und gesund anfühlt. Ich mir eine Beziehung und Liebe anders vorstelle. Ich habe dann ab Weihnachten den Schwerpunkt auf meine Wohnungseinrichtung gelegt, habe neu dekoriert, mir ein neues Sofa gekauft und ich habe mir ab da unseren Beziehungsalltag "bewusst" angesehen. Nicht, das was ich mir wünsche oder was für ein Potenzial ich in ihm sehen, sondern das was an Realität da ist, wie die letzten 4 Jahre waren und wie wohl die Zukunft aussehen würde, wenn sich nichts ändern würde. Er hat mir weiterhin ausgeredet, dass er ein Problem mit Alkohol hat, er hat alles im Griff, wäre ja nicht aggressiv mir gegenüber und würde seinen Alltag gut hinbekommen. Er sagte, dass ich so empfindlich wäre, würde an meiner Kindheit liegen. Er lässt sich sein Bierchen nicht verbieten, er will sich nicht erziehen lassen, ich wäre missgünstig.

    Dann jetzt Mitte April hatten wir wieder mal so eine Diskussion, über seinen Konsum etc. Er hat dann abends aus Protest Wein und Bier getrunken und dann hat es "Klick" bei mir gemacht. Mir ist klar geworden, dass er noch nicht mal einen Hauch von Verantwortungsübernahme hat, er sieht kein Problem oder will es nicht sehen. Ich hatte einfach keine Kraft mehr auf weitere fruchtlose Diskussionen, ich habe keine Hoffnung mehr für das stabile Gelingen dieser Beziehung.

    Für ihn ist meine Einstellung das Problem und nicht sein Bierkonsum. Ich habe mich dann Mitte April, nach diesmal 1,5 Jahren Beziehung, getrennt. Das ist nun alles fast 6 Wochen her und ich merke, die Trennung ist der erste Schritt, jetzt geht es darum es zu festigen. Mir ist soviel klar geworden und nun möchte ich es vertiefen. Er ist nun überall blockiert, hat aber bereits versucht über meine Schwester mit mir Kontakt aufzunehmen. Vielleicht wird er nochmal vor meiner Tür stehen, keine Ahnung.

    Weiterhin trinke ich seit August 2024 selbst konsequent keinen Alkohol mehr und weiterhin treibe ich Sport (Yoga und Spinning). Das alles hält mich sehr stabil und tut mir gut. Meine Wohnung ist nun ein Safe Space und Wohlfühlort für mich geworden. Ich habe aktuell einen reduzierten und strukturierten Alltag um mein Nervensystem zu regulieren, um von diesem Auf und Ab und der Drama-Sucht runterzukommen. Ich mache irgendwie auch einen Entzug durch. Von einem Menschen und dieser kranken Dynamik. Ich schlafe besser und komme innerlich zur Ruhe. Aber noch bin ich nicht über den Berg und heile noch. Das alles hat in den letzten 4 Jahren doch sehr viel Kraft und Energie gekostet.

    Ja, soviel dazu. Ich war in den letzten 1,5 Jahren hier im Forum fast jeden Tag als stille Leserin und habe mir immer die anderen Co Berichte durchgelesen und gerade bei den Neuen festgestellt, dass so viel ähnliches in den Berichten steht. Auch das hat mich immer mehr bestärkt, dass ich mir das alles nicht nur einbilde. Und auch wenn er kein Problem mit seinem Alkoholkonsum hat, so habe ich ein sehr großes Problem damit und das reicht für eine Trennung.

    Guten Morgen Aurora,

    ich vermute, durch meine letzte Beziehung, dass da irgendwas aus meiner Kindheit mit aufgebrochen ist. Das hat sich alles ungesund verstrickt. Ja, ich habe am Freitag einen Termin bei einer Therapeutin, die sich mit toxischen Beziehungen und den Dynamiken auskennt. Darunter fällt ja auch das Trauma Bonding und Co Abhängigkeit. Ich möchte diesmal sicher gehen, dass es keine Rückfallgefahr gibt bzw. ich mit einem anderen Bewusstsein in eine, irgendwann, nächste Beziehung gehen kann.

    Ich hätte nie gedacht, dass eine Kindheit mit einem Alkoholiker als Vater bei mir mit Ü50 noch solchen Auswirkungen haben kann. Zumal das Thema fast 30 Jahre irgendwie in mir schlief.

    Guten Morgen,

    ich habe eine Frage an die Co´s, die nach der Beendigung der Beziehung ein "Trauma Bonding" bei sich bemerkt und erfolgreich überwunden haben.

    Es wurde die Trennung vollzogen (vielleicht nach einigen on/offs, mit intermittierender Verstärkung, ein toxischer Hormoncocktail), der Verstand ist klar, die Gründe der Trennung sind verstanden, es hat "klick" gemacht, man kann die Richtigkeit sogar fühlen. Die Hoffnung auf Änderung ist gestorben, man holt endlich die Verantwortung für sich und sein Leben wieder zu sich zurück. Aber mit der Trennung ist es noch nicht geschafft, es ist irgendwie erst der Anfang.

    Es gibt Tage oder Momente an Tagen, an denen sich die Trennung weiterhin gut und richtig anfühlt und dann kippt es (warum auch immer, durch einen Trigger oder eine schöne Erinnerung) und es kommt dieser suchtartige Sog in einem auf. Das Gefühl etwas ganz wertvolles weggeworfen zu haben und sowas nie wieder zu finden, also die schönen und intensiven Momente. Alle klaren und guten Argumente der Trennung verschwimmen und sind nicht mehr klar greifbar. Man fühlt sich unruhig, schwach und verletzlich. Das ist ja ein ganz tief neurobiologischer Bindungs-Prozess in Hintergrund. Die Mechanismen sind mir vom Verstand her verständlich, ich lese viel, höre Podcasts darüber, aber es fühlt sich trotzdem in diesen Momenten wie ferngesteuert an.

    Woran habt ihr ein Trauma Bonding gespürt und wie habt ihr das letztendlich überwunden? Habt ihr Tipps?

    Bei mir war es so, dass ich als Kind erlebt habe, wie mein Vater nach dem Suff und jeder Eskalation, meine Mutter immer wieder belabert hat, zu ihm zurück zukommen. Ich konnte das sicher als Kind nicht so einordnen, habe aber erlebt, dass es danach wieder zurück ging und es hat sich nie etwas verändert, alles ging wie gehabt weiter bis zum nächsten Mal. Meine Mutter ist bis zum Ende bei ihm geblieben. Dieses Muster auch in mir, habe ich aber erst in den letzten 6-8 Monaten so klar erkannt. Es war ein blinder Fleck in mir, wie eine Fernsteuerung.

    Ich habe bei meinem nun Ex-Partner, bei jeder on/off Trennung, sehr klar das Thema Alkohol gesehen und jedes mal, wenn er dann doch wieder vor mir stand und auf mich eingeredet hat, ist mein Widerstand und meine gesunde Klarheit wie ein Schneehaufen in der Sonne geschmolzen. Ich bin fast willenlos wieder zurück in die Beziehung gegangen und habe mich selbst nicht wirklich verstanden und wieder gelitten.

    Dann kam der Punkt, wo ich mir genau und bewusst "unsere Beziehungsrealität" angesehen habe, das was tatsächlich da ist, nicht das was ich als Potenzial in ihm sehe oder was ich mir so wünsche.

    Wie er regelmäßig trinkt, was er zu mir sagt, unsere ewigen Diskussionen mit meinen Wahrnehmungen und seinen Relativierungen und seiner Schuldumkehr (dass nur meine Kindheit an meiner Sichtweise Schuld wäre und wenn ich mich von ihm trennen würde, "hätte" mein Vater gewonnen). Ich habe ja immer die Schuld und den Fehler bei mir gesucht.

    In mir hat es dann eines Tages buchstäblich "klick" gemacht und ich habe erkannt, dass ich Teil dieses Suchtsystems bin (das alles hat insgesamt 4 Jahre gedauert). Die andere Seite der Medaille. Die Basis für ihn, die Erdung, sein Ruhepol. Er hat für sich keine Verantwortung übernommen und ich auch nicht für mich, das alles ist schleichend passiert. Und es hat soviel Kraft und Energie gezogen, mein Körper hat mir Symptome gezeigt, die ich immer schön ignoriert oder nicht als solche wahrgenommen habe.

    Es würde sich nie etwas ändern, wenn ich in dieser Beziehung bleibe, es wird immer wieder in diese Ausgangssituation zurück ploppen. Dieses System hält sich selbst aufrecht, bis man die Faktoren verändert. Es ist keinem damit geholfen, ihm nicht und mir auch nicht. Ich kann ihn nicht retten (will er überhaupt gerettet werden?). Das zu erkennen und meine Verantwortung für mich und mein Leben wieder zurück zu mir zu holen und für mich Entscheidungen zu treffen, hat mir meine Kraft wieder zurückgebracht.

    Letztendlich für ihn zu "wissen", was gut für ihn ist, ist auch ziemlich übergriffig. Gut und gesund war die Situation nicht für mich und das hieß im Umkehrschluss, ich habe mich von ihm getrennt, um wieder frei zu werden.