Beiträge von Engel11

    Ich schreibe mal etwas an meinem Faden weiter.

    Jetzt Sonntag sind es dann 7 Wochen Trennung. Mein Ex-Partner hat mich noch 2x per Mail angeschrieben, da er ja sonst komplett blockiert ist. Ich habe es nun so eingestellt, dass Mails von ihm direkt gelöscht werden, vorher sind sie im Spam gelandet und da habe ich sie auch gesehen. Dann hat er mich am Montag über meine Firmenmailadresse kontaktiert, ob wir uns nicht zu einem Gespräch beim Spaziergang treffen könnten. Auch da habe es jetzt so eingestellt, dass Mails von ihm direkt gelöscht werden. Ich habe ihm nicht geantwortet.

    Tatsächlich bin ich sowas wie "Worte leer". Mir fällt beim besten Willen nicht ein, warum ich nochmal mit ihm (über was auch?) reden sollte? Wir/er hatten 4 Jahre Zeit eine Beziehung zu gestalten und nun ist das halt das Resultat aus unserer Dynamik. Da gibt es mal gar nichts mehr drüber zu reden. Zumal ich mir aus meiner Erfahrung mit ihm sowieso vorstellen kann, wie er dann wieder auf mich einredet, um meine Meinung zu ändern und alles zu relativieren. Nein Danke...

    Wenn ich mir vorstelle, noch in seinem "nassen" Umfeld zu sein, beschleicht mich ein Unbehagen. Auch die Vorstellung seinen regelmäßigen Konsum und seinen Geruch und seine Art nach Bierkonsum ausblenden und mich anpassen zu müssen, damit die Beziehung irgendwie läuft...

    Ich habe mir ältere Whatsapp Nachrichten an meine Freundin durchgelesen. U.a. eine Whatsapp 2 Monate bevor ich hier im Forum meinen Faden angefangen habe, da war mein Leidensdruck schon recht hoch. In dieser sehr umfangreichen Whatsapp stand so viel drin, er kam da gerade aus seiner Ballermann Fahrt im Mai 2024 recht angeschlagen zurück. Es hat sich tatsächlich in den letzten 2 Jahren bis zur heutigen Trennung recht wenig verändert, das ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen. Diese Whatsapp ist nun zusätzlich mein Anker, weil ich da soviel reingeschrieben habe, was mich berührt hat.

    Am Sonntag war ich mit einer Gruppe wandern. Ich habe nette Gespräche geführt und mich körperlich betätigt. Der Tag war sehr schön. Morgen fahre ich bis Sonntag an die Nordsee auf ein Retreat. Ich möchte dort dann u.a. eine Art Digital Detox machen und auf Handykonsum verzichten. Mir geht es gut, bin zuversichtlich und ich fühle mich stabil aber auch "verwundet". Diese Achterbahn Beziehung hat ziemlich viel in mir hochgeholt, auch Dinge und Erinnerungen aus meiner Kindheit. Ich gebe mir die Zeit zu heilen, zu verarbeiten und zu reflektieren.


    Genau so geht es mir auch. Du bringst meine Gedanken auf den Punkt.

    Man muss die Dinge richtig einordnen um seiner Wahrnehmung zu vertrauen, meint man zumindest.


    Meine beiden haben auch sehr stark geschwitzt nachts….

    Ich vermute sogar, dass ein sehr warmer Körper (erhöhte Temperatur, leichtes Fieber) auch ein Symptom ist?

    Als ich meinen nun Ex-Partner kennengelernt habe, hat er mir auch erzählt er hätte nächtliches starkes Schwitzen. Ich fand das anfangs auch befremdlich und auch ein wenig eklig, morgens so ein nassgeschwitzes Bett.

    Ganz am Anfang kannte ich ja sein "Rausgeh Ausmaß" noch nicht. Und in den Monaten vor unserer Beziehung (am Ende seiner Ehe) hat er sich viel mit seinen Kneipen Kumpels getroffen, um seiner Frau zu Hause aus dem Weg zu gehen. Da wurde oft geknobelt und dabei viel getrunken, auch Schnaps. Als wir zusammengekommen sind, hat er durch mich im Laufe der Zeit weniger getrunken (ab 08/24 habe ich dann ja ganz aufgehört Alkohol zu trinken und meine Wohnung war/ist alkoholfreie Zone) und auch in den letzten 4 Jahren weniger nachts geschwitzt. Ich habe das aber damals auch gegoogelt, ob das sowas wie Entzugserscheinungen sein könnten. Ganz schlimm war oft die erste Nacht nach 4 Tagen Ballermann. Je mehr ich zu klarem Verstand komme, umso mehr frage ich mich, wie ich das überhaupt alles so mitmachen und irgendwie ausblenden konnte. Als erwachsenene Frau, die wirklich gut im Leben steht.

    Jetzt ist er wohl wieder mehr unterwegs und kompensiert so die Trennung. Gib einem Menschen die Freiheit, das zu tun, was er will. Dann sieht man auch, wie und mit was er seine Freizeit füllt, wenn der Druck der Partnerin nicht mehr da ist. Das ist für mich schon Beweis genug.

    Hoffentlich geht es mir auch irgendwann wie euch.

    Ich bin noch nicht mal 40. Meine Kinder sind in der Grundschule und Kindergarten. Mein Alltag ist oft hart.

    Gräm dich bitte nicht, ich bin nun 53 Jahre alt und habe 4 Jahre in dieser Dynamik gehangen. Mit 6x on/off und so viel Hoffnung jedesmal. Auch ich versuche aktuell "sein" Gehirn zu verstehen und ob die Manipulationen und das Absprechen meiner Wahrnehmungen bewusst oder unbewusst durch sein "Suchthirn" durchgeführt wurden. Auch mir ist klar, dass ich keine stichhaltige Antwort finden werde (die weiss er sicher selbst noch nicht mal, er hat ja bis vor 6 Wochen 0% Verantwortungsbewusstsein gehabt). Ich denke, es gehört für uns auch dazu Antworten oder eine Logik dahinter finden zu wollen. So wie wir die Alkoholiker nicht verstehen können, so können uns sicher die Alkoholiker nicht verstehen. Wir sind ja irgendwie 2 Seiten der gleichen Medaille. Ein Suchtsystem.

    Auch ich trauere um diese Beziehung, da ich dachte mit 53 Jahren, großen Kindern aus 1. Ehe und der dazugehörigen Scheidung, nun angekommen zu sein. Ich möchte auch nicht nochmal von vorne anfangen und auf Partnersuche steht mir so gar nicht der Sinn. Werde ich nochmal vertrauen können und mich für jemanden öffnen können? Keine Ahnung...Und wenn ja, matche ich wieder mit einem ähnlichen Typ Mann?

    Aber nun versuche ich wieder in meinen Alltag zu kommen, meinen Selbstwert aufzubauen und mich auf mich zu konzentrieren. Ich bin schon froh, wenn irgendwann diese emotionale Bindung zu ihm durchbrochen ist und ich mich wieder komplett frei fühle.

    Ich bin ein EKA und spüre mit Ü50 noch die Auswirkungen meiner Kindheit. Du wirst mit deinem Mut dich zu trennen deinen Kinder vermutlich einiges erspart haben. Darauf kannst du stolz sein.

    Falls du noch immer mit deiner Entscheidung haderst, vielleicht hilft dir ja eine einzige Frage:

    Warst du die Wichtigste Säule / Komponente in seinen bestehenden Ökosystem, oder nur Beifang, welcher zufällig dazu gestoßen ist? Wenn du nicht 51% ausmachst in seinem Leben, wird es immer einseitig bleiben.

    Tja, das ist eine gute Frage. Auf jeden Fall habe ich mich als wichtigste Säule/Komponente in meinem Ökosystem immer mehr aus den Augen verloren. Als ich in die Beziehung ging, hatte ich ein inneres Strahlen und war der Überzeugung mein Leben ist schön und mein Partner sollte die Kirsche auf der Torte sein.

    Seine Einstellung ist, seine Partnerin ist eine Säule in seinem Leben. Da gab es eigentlich schon von Anfang an eine Diskrepanz, über die ich auch mit ihm gesprochen habe. Ich fand die Vorstellung von "Säule" immer etwas bedrückend, wie eine tragende Verantwortung, damit etwas nicht zusammenbricht. Ja, eine Säule bin ich aber immer mehr in seinem Leben geworden, die Last wurde immer schwerer für mich zu tragen.

    Nun gestalte ich mir eine neue Torte und eine Kirsche kommt irgendwann wieder oben drauf. Denn dabei bleibe ich weiterhin. Mein Leben möchte ich schön, lebenswert und erfüllend gestalten und mein (zukünftiger) Partner soll die Kirsche oben drauf sein.... :)

    Also....

    Was soll ich sagen, ein wenig Schamgefühl ist auch mit dabei, wenn ich das jetzt so schreibe. Nach meinem letzten sehr optimistischen Post im September 24, bin ich Ende September, in eine emotionale Phase gekommen und natürlich an einem Samstag Abend, ich war alleine zu Hause und habe mich alleine gefühlt, hat mich mein Ex-Partner über Email erreicht. Ich dachte, ich hätte ihn dort auch blockiert. Es entstand dann wieder ein starker Sog, wir haben uns wieder getroffen und sind wieder zusammen gekommen. Davor hatte ich ja ein Coaching bzgl. Co Abhängigkeit gemacht und ich bin dann direkt im November in ein anderes Coaching gegangen, weil ich wieder dachte, ich wäre das Problem. Das er doch der richtige Partner für mich ist und ich, wenn ich mich nur genug anstrenge, mein Kindheitstrauma aufarbeiten könnte...Also Feuer mit Feuer löschen. Ich lag so daneben....:huh:...

    Das Jahr 2025 hatte viele Höhen und Tiefen, es gab wieder Ballermann, Karneval, Schlagermove, eine Fussballfahrt, bei der ich mit dabei war (es wurde soviel dort gesoffen....), Oktoberfest etc., rausgehen mit seinen Freunden.

    Im Sommer waren wir im Urlaub, und erst wollte er diese Zeit mal ohne "Bierchen" auskommen, letztendlich war aber das Bier abends seine Begleitung. Wir haben sowas wie einer 3er Beziehung geführt. Ich, er und sein Bier. Nie so, dass er betrunken war, aber so 1,5-2 Liter waren es abends bestimmt (ohne, dass man ihm groß was angesehen hatte)...

    Nach den Herbstferien wurde wieder meine innere Stimme lauter, dass das alles so nicht richtig ist, sich nicht richtig und gesund anfühlt. Ich mir eine Beziehung und Liebe anders vorstelle. Ich habe dann ab Weihnachten den Schwerpunkt auf meine Wohnungseinrichtung gelegt, habe neu dekoriert, mir ein neues Sofa gekauft und ich habe mir ab da unseren Beziehungsalltag "bewusst" angesehen. Nicht, das was ich mir wünsche oder was für ein Potenzial ich in ihm sehen, sondern das was an Realität da ist, wie die letzten 4 Jahre waren und wie wohl die Zukunft aussehen würde, wenn sich nichts ändern würde. Er hat mir weiterhin ausgeredet, dass er ein Problem mit Alkohol hat, er hat alles im Griff, wäre ja nicht aggressiv mir gegenüber und würde seinen Alltag gut hinbekommen. Er sagte, dass ich so empfindlich wäre, würde an meiner Kindheit liegen. Er lässt sich sein Bierchen nicht verbieten, er will sich nicht erziehen lassen, ich wäre missgünstig.

    Dann jetzt Mitte April hatten wir wieder mal so eine Diskussion, über seinen Konsum etc. Er hat dann abends aus Protest Wein und Bier getrunken und dann hat es "Klick" bei mir gemacht. Mir ist klar geworden, dass er noch nicht mal einen Hauch von Verantwortungsübernahme hat, er sieht kein Problem oder will es nicht sehen. Ich hatte einfach keine Kraft mehr auf weitere fruchtlose Diskussionen, ich habe keine Hoffnung mehr für das stabile Gelingen dieser Beziehung.

    Für ihn ist meine Einstellung das Problem und nicht sein Bierkonsum. Ich habe mich dann Mitte April, nach diesmal 1,5 Jahren Beziehung, getrennt. Das ist nun alles fast 6 Wochen her und ich merke, die Trennung ist der erste Schritt, jetzt geht es darum es zu festigen. Mir ist soviel klar geworden und nun möchte ich es vertiefen. Er ist nun überall blockiert, hat aber bereits versucht über meine Schwester mit mir Kontakt aufzunehmen. Vielleicht wird er nochmal vor meiner Tür stehen, keine Ahnung.

    Weiterhin trinke ich seit August 2024 selbst konsequent keinen Alkohol mehr und weiterhin treibe ich Sport (Yoga und Spinning). Das alles hält mich sehr stabil und tut mir gut. Meine Wohnung ist nun ein Safe Space und Wohlfühlort für mich geworden. Ich habe aktuell einen reduzierten und strukturierten Alltag um mein Nervensystem zu regulieren, um von diesem Auf und Ab und der Drama-Sucht runterzukommen. Ich mache irgendwie auch einen Entzug durch. Von einem Menschen und dieser kranken Dynamik. Ich schlafe besser und komme innerlich zur Ruhe. Aber noch bin ich nicht über den Berg und heile noch. Das alles hat in den letzten 4 Jahren doch sehr viel Kraft und Energie gekostet.

    Ja, soviel dazu. Ich war in den letzten 1,5 Jahren hier im Forum fast jeden Tag als stille Leserin und habe mir immer die anderen Co Berichte durchgelesen und gerade bei den Neuen festgestellt, dass so viel ähnliches in den Berichten steht. Auch das hat mich immer mehr bestärkt, dass ich mir das alles nicht nur einbilde. Und auch wenn er kein Problem mit seinem Alkoholkonsum hat, so habe ich ein sehr großes Problem damit und das reicht für eine Trennung.

    Guten Morgen Aurora,

    ich vermute, durch meine letzte Beziehung, dass da irgendwas aus meiner Kindheit mit aufgebrochen ist. Das hat sich alles ungesund verstrickt. Ja, ich habe am Freitag einen Termin bei einer Therapeutin, die sich mit toxischen Beziehungen und den Dynamiken auskennt. Darunter fällt ja auch das Trauma Bonding und Co Abhängigkeit. Ich möchte diesmal sicher gehen, dass es keine Rückfallgefahr gibt bzw. ich mit einem anderen Bewusstsein in eine, irgendwann, nächste Beziehung gehen kann.

    Ich hätte nie gedacht, dass eine Kindheit mit einem Alkoholiker als Vater bei mir mit Ü50 noch solchen Auswirkungen haben kann. Zumal das Thema fast 30 Jahre irgendwie in mir schlief.

    Guten Morgen,

    ich habe eine Frage an die Co´s, die nach der Beendigung der Beziehung ein "Trauma Bonding" bei sich bemerkt und erfolgreich überwunden haben.

    Es wurde die Trennung vollzogen (vielleicht nach einigen on/offs, mit intermittierender Verstärkung, ein toxischer Hormoncocktail), der Verstand ist klar, die Gründe der Trennung sind verstanden, es hat "klick" gemacht, man kann die Richtigkeit sogar fühlen. Die Hoffnung auf Änderung ist gestorben, man holt endlich die Verantwortung für sich und sein Leben wieder zu sich zurück. Aber mit der Trennung ist es noch nicht geschafft, es ist irgendwie erst der Anfang.

    Es gibt Tage oder Momente an Tagen, an denen sich die Trennung weiterhin gut und richtig anfühlt und dann kippt es (warum auch immer, durch einen Trigger oder eine schöne Erinnerung) und es kommt dieser suchtartige Sog in einem auf. Das Gefühl etwas ganz wertvolles weggeworfen zu haben und sowas nie wieder zu finden, also die schönen und intensiven Momente. Alle klaren und guten Argumente der Trennung verschwimmen und sind nicht mehr klar greifbar. Man fühlt sich unruhig, schwach und verletzlich. Das ist ja ein ganz tief neurobiologischer Bindungs-Prozess in Hintergrund. Die Mechanismen sind mir vom Verstand her verständlich, ich lese viel, höre Podcasts darüber, aber es fühlt sich trotzdem in diesen Momenten wie ferngesteuert an.

    Woran habt ihr ein Trauma Bonding gespürt und wie habt ihr das letztendlich überwunden? Habt ihr Tipps?

    Bei mir war es so, dass ich als Kind erlebt habe, wie mein Vater nach dem Suff und jeder Eskalation, meine Mutter immer wieder belabert hat, zu ihm zurück zukommen. Ich konnte das sicher als Kind nicht so einordnen, habe aber erlebt, dass es danach wieder zurück ging und es hat sich nie etwas verändert, alles ging wie gehabt weiter bis zum nächsten Mal. Meine Mutter ist bis zum Ende bei ihm geblieben. Dieses Muster auch in mir, habe ich aber erst in den letzten 6-8 Monaten so klar erkannt. Es war ein blinder Fleck in mir, wie eine Fernsteuerung.

    Ich habe bei meinem nun Ex-Partner, bei jeder on/off Trennung, sehr klar das Thema Alkohol gesehen und jedes mal, wenn er dann doch wieder vor mir stand und auf mich eingeredet hat, ist mein Widerstand und meine gesunde Klarheit wie ein Schneehaufen in der Sonne geschmolzen. Ich bin fast willenlos wieder zurück in die Beziehung gegangen und habe mich selbst nicht wirklich verstanden und wieder gelitten.

    Dann kam der Punkt, wo ich mir genau und bewusst "unsere Beziehungsrealität" angesehen habe, das was tatsächlich da ist, nicht das was ich als Potenzial in ihm sehe oder was ich mir so wünsche.

    Wie er regelmäßig trinkt, was er zu mir sagt, unsere ewigen Diskussionen mit meinen Wahrnehmungen und seinen Relativierungen und seiner Schuldumkehr (dass nur meine Kindheit an meiner Sichtweise Schuld wäre und wenn ich mich von ihm trennen würde, "hätte" mein Vater gewonnen). Ich habe ja immer die Schuld und den Fehler bei mir gesucht.

    In mir hat es dann eines Tages buchstäblich "klick" gemacht und ich habe erkannt, dass ich Teil dieses Suchtsystems bin (das alles hat insgesamt 4 Jahre gedauert). Die andere Seite der Medaille. Die Basis für ihn, die Erdung, sein Ruhepol. Er hat für sich keine Verantwortung übernommen und ich auch nicht für mich, das alles ist schleichend passiert. Und es hat soviel Kraft und Energie gezogen, mein Körper hat mir Symptome gezeigt, die ich immer schön ignoriert oder nicht als solche wahrgenommen habe.

    Es würde sich nie etwas ändern, wenn ich in dieser Beziehung bleibe, es wird immer wieder in diese Ausgangssituation zurück ploppen. Dieses System hält sich selbst aufrecht, bis man die Faktoren verändert. Es ist keinem damit geholfen, ihm nicht und mir auch nicht. Ich kann ihn nicht retten (will er überhaupt gerettet werden?). Das zu erkennen und meine Verantwortung für mich und mein Leben wieder zurück zu mir zu holen und für mich Entscheidungen zu treffen, hat mir meine Kraft wieder zurückgebracht.

    Letztendlich für ihn zu "wissen", was gut für ihn ist, ist auch ziemlich übergriffig. Gut und gesund war die Situation nicht für mich und das hieß im Umkehrschluss, ich habe mich von ihm getrennt, um wieder frei zu werden.

    Guten Morgen,

    ich habe bis zu meinem 20. Lebensjahr bei meinen Eltern gelebt. Mein Vater war Alkoholiker und meine Mutter und wir waren Co-abhängig. Mir wird immer mehr klar, was das für Spuren in meiner Seele und Persönlichkeit hinterlassen hat. Wenn mein Vater getrunken hat, draußen unterwegs war, hat er oft Streit mit anderen Männern angefangen, kam nach Hause und hat sich dann an meiner Mutter abreagiert, sie versuchte ihn dann immer zu beruhigen, damit er dann auch zu Hause bleibt und nicht wieder loszieht. Wir 2 Kinder wurden vorher immer von ihr aus der Schusslinie gebracht, damit wir nicht mal was abkriegen. Ich habe es irgendwann so gehasst, dass ich immer vor ihm "kuschen" musste. Wir wurden von ihm nie angegriffen, aber wir hatten immer Angst um meine Mutter. Bis auf einmal (von dem ich weiß) war seine Aggression ihr gegenüber immer verbal und laut. Einmal (an das ich mich erinnern kann) mussten wir auch alle vor ihm flüchten und sind zu meiner Oma gefahren. Am nächsten Tag kam mein Vater nüchtern, geläutert und kleinlaut, hat sie um Entschuldigung gebeten, ihr wahrscheinlich Besserung versprochen und wir sind wieder alle zurück in die familiäre Wohnung. Es hat sich natürlich nichts verändert. Ich lege nun sehr viel Wert darauf, dass Versprechen und Zusagen eingehalten werden, vertraue aber nicht sehr darauf. Ich kann schlecht Grenzen ziehen bzw. sie beständig halten, bin sehr leidensfähig und denke auch sehr oft, so schlimm ist es doch nicht...kein Partner wird zu 100% passen.

    Ich hätte eine Frage an alle Co´s: wenn man einen Partner hat, der fast täglich Alkohol konsumiert, ohne "betrunken" zu werden, auf Partys auch mal mehr trinkt. Aber dabei ruhig, nicht ausfallend oder aggressiv sondern lieb, zugewandt, zuverlässig und lustig bleibt, warum habe ich dann ein Problem damit, dass er Alkohol trinkt? Ich muss ja als Partnerin darunter nicht leiden, so wie meine Mutter damals.

    Bestrafe ich ihn nicht indirekt, weil ich das Verhalten und meine Erfahrungen mit meinem Vater auf ihn übertrage? Er versteht nicht, warum ich damit ein Problem habe, da er ja nicht ausfallend wird und ich dadurch keine Nachteile hätte. Ich finde darauf einfach keine standfeste Antwort, außer, dass es sich für mich nicht richtig anfühlt, mir Unbehagen bereitet, weil ich dem Alkohol nicht vertraue und ich diesen Ausdünstungs-Geruch am Tag danach einfach widerlich und abstoßend finde. Seine Argumente sind, Zucker wäre auch gefährlich und könnte in einer Sucht ausarten und ich würde ja auch nicht auf den Zucker im Kaffee oder auf Schokolade verzichten. Ich habe einfach keine Argumente dagegen. In gewisser Weise spricht er mir schon meine Wahrnehmungen ab, das kenne ich wahrscheinlich auch von früher und ist "normal" für mich. Mir ist schon klar, dass auch das was mit Co-Abhängigkeit zu tun haben muss, aufgrund meiner eigenen Historie. Aber wie, in welchem Zusammenhang? Hat da jemand mögliche Antworten für mich?

    Darf ich fragen, ob du in Bezug auf deine Kindheit/Herkunftsfamilie in Therapie bist oder warst?

    Guten Morgen Seepandarine,

    speziell wegen meiner Kindheit nicht, wenn ich es mir recht überlege. Ich habe tatsächlich zwischen 20 und 50 überhaupt nicht an meine Kindheit gedacht. Ich war mit "meinem" Leben beschäftigt. Bin beruflich weitergekommen, hatte Beziehungen, habe dann geheiratet und selbst eine Familie gegründet. Die Augen hat mir vor ca. 2 Jahren die Folge " Wie ernst nimmst du dich, von Verena König" geöffnet, weil mir bestimmte Muster bei mir aufgefallen sind, die andere Menschen so nicht haben.

    Kennst du das Thema "Objektkonstanz" z.B., auch ein Thema bei mir, ich kann Bindungen recht schnell innerlich "kappen" und schlecht über Distanzen oder zeitliche Entfernungen aufrecht erhalten. Ich fliege sozusagen aus der Bindung raus und dachte, sowas ist normal. Das haben aber andere Menschen oft nicht, die Bindungsstabil sind. Die fühlen sich innerlich auch noch mit ihrem Partner verbunden, wenn sie zeitlich oder räumlich getrennt sind. Wie gesagt, mir sind so einige Themen bei mir aufgefallen, die für mich "normal" aber auch hinderlich waren. Oder auch die Hypervigilanz (erhöhte Wachsamkeit), ich bin viel im Außen und scanne unbewusst mein Umfeld ab. Ich meine zu erkennen, wenn Spannungen in der Luft liegen oder sich Menschen minimal im Verhalten ändern und bei engen Bezugspersonen beziehe ich das dann gerne auf mich und versuche mich dann so anzupassen, das es wieder läuft, mit dem Ergebnis, dass ich mich in Beziehungen dann recht schnell "verliere" und durch voreilige Trennungen dann gerne die Notbremse ziehe um wieder die Kontrolle über mein Leben zu bekommen. Ich kann auch schlecht darauf vertrauen, dass es andere Menschen einfach so gut mit mir meinen.

    Ich war aber zwischendurch wegen anderer Themen bei Psychologen, wegen Beziehungsthemen, Schuldgefühlen, mangelndem Selbstwert, Ehethemen und was daraus so resultiert. Ich hatte auch in der Endphase meiner Ehe mit Panikattacken und depressiven Verstimmungen zu tun. Ich habe mich im Laufe der Jahre in Ehe und Kinder gross ziehen völlig verloren und mein Nervensystem war echt am Limit. Mit meinem jetzigen Wissen führt das natürlich alles auf meine Kindheit und die dort entwickelten (Schutz-) Muster zurück. Es waren immer Verhaltenstherapien, besser wäre evtl. eine Trauma- Körpertherapie gewesen. Diese Art der Therapie kannte ich bis vor 2 Jahren aber noch gar nicht, muss auch wohl privat bezahlt werden, das ist keine Kassenleistung.

    Ein Trauma war eher für mich, wenn man eine Katastrophe/Unfall überlebt hat oder aus einem Kriegsgebiet kommt. Das es sowas wie Entwicklungs- und Bindungstraumata gibt, war mir nicht bewusst.

    Aber ich versuche immer mehr mich zu "entspannen" und mein Nervensystem selbst beruhigen und stabilisieren zu können. Mache gerade einen MBSR Kurs und versuche bewusster mit meinen Bedürfnissen und Gefühlen umzugehen, mich wieder wichtiger zu nehmen, an erste Stelle zu stellen und auch Grenzen zu setzen. Es ist kein gradliniger Heilungsweg, aber es wird...Ich bin da recht zuversichtlich....:)

    Und da merke ich in dem Ausdruck: Wut ist schon irgendwo da, aber ich richte sie gegen mich selber. Ich empfinde sie nicht für den Vater...

    Guten Morgen,

    ja, da geht es mir ähnlich. Übergeordnet geht es wohl darum, die Bindung und Zugehörigkeit damals in der Familie erhalten zu können. Also man musste "selbst der Fehler" sein. Das gibt einem das trügerische Gefühl, "wenn ich besser bin, mich mehr anstrenge, Verständnis aufbringe" dann kann ich Teil der Familie bleiben und "habe die Kontrolle". Zum anderen sind Kinder absolut von ihren Eltern und ihrer Fürsorge abhängig um überleben zu können, wir mussten Strategien zur Anpassung entwickeln, um in diesen Familienstrukturen klarkommen zu können. Das waren ganz schlaue Muster, die uns allerdings jetzt als Erwachsene im Weg stehen. Ich kann dir den Podcast von Verena König empfehlen (u.a. die Folge #267, da geht es darum, warum wir unsere Kindheit bagatellisieren.) Diese Frau ist super. Sie hat mir in vielem die Augen geöffnet, es geht dort um Bindungstraumata. (Dami Charf kann ich auch empfehlen, sie macht es ähnlich) Es geht auch viel darum, heute diese verborgenen und verkapselten Gefühle körperlich zu "fühlen". Wir haben einen Klumpen an nicht gefühlten Gefühlen (auch Wut und Traurigkeit) in uns. Wie eine Zwiebel mit vielen Schichten. Nur leider bekomme ich das auch noch nicht so wirklich hin. Ich verstehe kognitiv sehr viel, bekomme es aber nicht ins Gefühl. Und wenn ich getriggert werde, bin ich wie auf einer Schiene unterwegs. Ich sehe zwar von außen, was passiert, aber ich kann dann schlecht eingreifen und meine Reaktionen nicht bewusst umleiten. Ja, und dann kommt die Wut auf mich und die Scham, es wieder nicht hingekriegt mal anders reagiert zu haben.

    Ich habe mich auch schon gefragt, was ich für ein Mensch geworden wäre wenn meine Kindheit nicht durch die Alkohol Abhängigkeit meines Vaters so geprägt worden wäre. Ist natürlich müßig und nicht zielführend. Von Außen sieht man es mir nicht an. Ich wirke stark, gut organisiert, lege großen Wert auf Ehrlichkeit, bin sehr zuverlässig und verantwortungsbewusst, wirke selbstbewusst und ich stehe im Leben, ich würde mich insgesamt als "erfolgreich" beschreiben, was auch immer das für jeden einzelnen bedeutet.

    Das bin ich auch alles, aber innen drin habe ich viele Selbstzweifel, bin sehr perfektionistisch, erkläre und rechtfertige mich viel zu oft, gehe hart mit mir ins Gericht und suche Fehler und Schuld immer zuerst bei mir, als bei anderen.

    Meine Mutter hatte sich auch verloren. Sehr jung geheiratet, mein Vater 9 Jahre älter. Es gab auch eine Trennung, mit getrennten Wohnungen, da war ich ca. 11/12 Jahre alt. Aber leider haben sich meine Eltern wieder versöhnt und sind wieder zusammengezogen. Eine dauerhafte Trennung wäre für meine Schwester und mich in diesem Zusammenhang vielleicht besser gewesen, keine Ahnung. Aber meine Mutter war mental nicht so stark und leider kann ich sie dazu heute nicht mehr befragen, was ihre Gründe waren, wieder zu meinem Vater mit uns zu ziehen.

    Bei mir ist es auch so, dass ich, wenn ich mich an heftige Situationen erinnere, dazu so gut wie keine Emotionen empfinde. Ich kann sowas absolut wie einen Tatsachenbericht erzählen, ganz gefühlskalt. Ich scheine wirklich vieles abgespalten zu haben, Thema Dissoziation. Und auch ich fand meine Kindheit nicht so schlimm, bis ich tiefer in alles eingestiegen bin. Mein bewusstes Erinnern fängt aber auch erst ab 10 Jahren an. Ich vermute, meine Eltern werden auch schon Probleme gehabt haben, als ich ein Baby, Kleinkind und junges Schulkind war. Mein Vater hat auch da bereits getrunken und bei Feiern die Kontrolle über sich und seine Emotionen verloren. Was ich also als Kind mitbekommen habe, entzieht sich völlig meiner bewussten Kenntnis. Ich hatte so oft Angst um meine Mutter, wenn es zwischen ihnen Streit gab.

    Bei mir ist es so, dass ich fast keine Wut verspüre wenn z.B. Versprechen nicht eingehalten werden. Mein Vater hat damals auch nüchtern, nach Rausch und Wut, meiner Mutter und uns soviel versprochen. Bis zum nächsten alkoholisierten Vorfall. Es gehörte anscheinend zu meiner Lebensrealität, das Dinge versprochen wurden und dann nicht eingehalten worden sind und ich da einfach machtlos und nicht handlungsfähig war. Ich musste es einfach ertragen und so hinnehmen. Ich werde mir da auch Enttäuschungsgefühle abtrainiert und abgespalten haben.

    Auch habe ich eine hohe Schwelle bis ich Freude und Spaß bei irgendwas empfinde. Ich sage dazu gerne mir fehlen "Gefühlsfarben", ich habe nicht die volle Palette an Farben zur Verfügung. Und meine Antennen sind oft bei anderen Menschen im Außen, wie sind sie drauf, wie reagieren sie. Meine Mutter hatte uns und meinen Vater mal über Nacht verlassen und ist zu einem anderen Mann "geflüchtet", da war ich 11 Jahre alt, meine Schwester 10. Sie kam aber irgendwann wegen meiner Schwester und mir wieder zurück. Aber auch heute ist das Gefühl, dass ich als Mensch einfach zurückgelassen und ausgetauscht werden kann, sehr präsent. Ich glaube nicht an Stabilität in Beziehungen und bin immer irgendwie auf der Hut, als ob ganz plötzlich was schlimmes passieren kann und ich Bindung und Zugehörigkeit verliere. Das sitzt alles so tief in mir...

    Hallo zusammen,

    Ich bin erwachsene Tochter eines Alkoholikers. Mein Vater ist Anfang 2019 am Alkohol gestorben, das Thema lässt mich dennoch nicht los bzw. holt mich erst jetzt, mit Mitte/Ende 30, so richtig ein. Mein so geworden sein, wie ich bin. Mich zu fragen und anzuerkennen, wie viele meiner Charakteristiken und Eigenheiten auf das Aufwachsen in einer alkoholabhängigen Familie zurück gehen. Der Gedanke: "Ach, vielleicht bauschst du da auch einfach zu viel auf, so schlimm war es ja jetzt auch wieder nicht." Und andererseits dieses große Wiedererkennen, wenn ich mir typische Eigenschaften/Eigenheiten von EKA durchlese.

    Ich würde mich freuen, mich hier mit euch austauschen und über mich schreiben zu dürfen.

    Hallo Seepandarine,

    ich bin auch ein EKA. Mein Vater war alkoholabhängig, ist im Rausch meiner Mutter (die Co-Abhängig war) gegenüber aggressiv geworden und wir Kinder mussten diese Situationen aushalten bzw. war meine Familie "normal" so für mich. Bis ich mit 20 Jahren ausgezogen bin, um dem zu entkommen.

    Ich empfinde bei mir verschobene Grenzen, auch dieses "ist das jetzt wirklich so schlimm oder muss ich mich einfach noch mehr anstrengen oder meine innere Einstellung ändern, um es passend zu machen." Ich habe da keinen inneren Kompass, wann was zu viel ist und stelle mich und mein Empfinden oft in Frage. Erst wenn mir manches von außen von jemand unabhängigen validiert wird, sozusagen die Erlaubnis erteilt wird, dass ich es schon richtig empfinde, kann ich Grenzüberschreitungen etc. sehen und auch für mich anerkennen, ziehe aber nicht unbedingt dann die nötigen Konsequenzen.

    Ich scheine sehr leidensfähig zu sein und sehe dann das Problem eher bei mir als bei anderen bzw. lasse ich bei anderen sogar vieles durchgehen, was ich bei mir selbst stark verurteile. Mir wurde auch erst vor kurzer Zeit (Ü50) klar, wie anders geprägt ich bin als EKA. Das hat mich sehr traurig gemacht bzw. trauere ich immer noch teilweise um meine Kindheit und um meine, für heute destruktiven und hinderlichen Schutzfunktionen, die mir mein Leben und Durchhalten in meiner Familie aber ermöglicht haben. Meine Eltern sind leider beide schon tot. Ich würde tatsächlich sehr gerne die eine oder andere Situation mit Ihnen aufarbeiten und in meiner Erinnerung gerade ziehen und/oder abgleichen. Das geht nun nicht mehr.

    In dem Post "Merkmale für ein EKA" habe ich mich auch erschreckend oft wiedergefunden und mir ist einiges klarer geworden, warum ich so bin, wie ich bin. Nur macht es diese Erkenntnis nicht unbedingt leichter, wenn ich getriggert werde und meine Schutzfunktionen hochfahren...

    Liebe Grüße

    Mel

    Hallo Sternwarte,

    eine anwaltliche Beratung und ein Suchauftrag bei einem Immobilienportal könnte ja parallel laufen. Wichtig ist, erstmal überhaupt ins Handeln also in die Bewegung zu kommen. Am Anfang erschlägt einen der Berg aber vieles arbeitet sich Stück für Stück ab. Es gibt auch für vieles Checklisten im Netz, die man auf seine Situation anpassen und dann abarbeiten kann. Es gibt auch möblierte Wohnungen (kann man gesondert auf den Immobilienportalen selektieren. Für Menschen, die z.B. auf Montage arbeiten). Ich bin nach meiner Trennung vor 3 Jahren für 3 Monate in eine möblierte Wohnung gezogen um räumlichen Abstand zu bekommen.

    Das Zauberwort ist "Selbstwirksamkeit". Mit jedem kleinen Schritt bekommst du mehr davon, mehr Erfahrung, mehr Kontakte, mehr Möglichkeiten und Mut. Wichtig ist, den ersten Schritt zu machen.

    Update 13.09.2024

    Ich denke, ich werde meinen Faden etwas weiterspinnen, es tut mir gut, meine Entwicklung selbst nachzuvollziehen.

    Heute ist Tag 41 seit der Trennung und auch Tag 41 seitdem ich selbst keinen Alkohol mehr trinke. Ich habe rückblickend festgestellt, dass ich durch die Beziehung mit meinem Partner selbst sehr viel mehr Alkohol konsumiert habe, als ich es wahrscheinlich sonst getan hätte. Am Anfang unserer Beziehung habe ich selten konsumiert und nicht ich habe auf ihn abgefärbt sondern sein Konsumverhalten hat im Laufe der Zeit auf mich abgefärbt. Sein Umfeld war sehr alkohollastig und ich wollte mich anpassen, mich offen zeigen und irgendwie dazugehören. Ich dachte, der Fehler liegt bei mir, dass ich mit seinen Leute nicht so gut warm geworden bin, dass ich mich mehr anstrengen muss, um dazuzugehören. Naja...

    No Contact habe ich seit 41 Tagen nicht geschafft. Wir hatten letzte Woche telefonisch und per Whatsapp Kontakt. Aber mit Abstand habe ich gemerkt, wie mir der Kontakt nicht gut tat, wie mein Ex-Partner versuchte mich wieder einzulullen und mein Herz das gerne hören wollte. Mein Verstand aber ist sehr klar und will nicht in die Beziehung zurück, mein Herz hinkt da noch etwas hinterher. Jetzt ist er wieder auf allen Kanälen blockiert und diese "Schutzmauer" tut mir sehr gut und gibt mir innere Ruhe.

    Gefühlt befinde ich mich immer noch im "Niemandsland". Ich bin kein Teil mehr eines „Wir“ aber ich habe auch noch nicht mein „Ich“ wiedergefunden. Es gibt gute Tage und es gibt nicht so gute Tage. Ich habe überwiegend das Gefühl, als wenn ich meinen Alltag wie durch einen Grauschleier wahrnehme. Irgendwie fehlen die knalligen Farben in meinem Leben. Ich vermute, dass auch die Beziehung zu meinem Ex-Partner eine Art toxische Beziehung war. Mit dieser intermittierenden Verstärkung von guten Zeiten, der Nähe und schönen Momenten und dann eben diesen gefühlten Bergen, wenn wieder eine Party/Event bei ihm bevorstand, mit der darauffolgenden Erleichterung bei mir, wenn sowas wieder erstmal überstanden war. Das bedeutet, obwohl ich diejenige war, die sich getrennt hat, fühle ich mich deswegen trotzdem nicht besser und mache eine Art „Hormon-Entzug“ durch. Aber ein gutes hat das Ganze. Da mir ja klar war, dass ich mich von ihm trennen musste (früher oder später), bin ich jetzt immerhin schon 41 Tage weiter in meinem Prozess. Ich denke, das ist etwas, wofür ich dankbar sein kann.

    Und ich bin sehr froh darüber, dass ich noch rechtzeitig den Absprung geschafft habe, jetzt wo ich soviel darüber gelesen habe, was mit der Biochemie und den Hormonen im Gehirn passieren kann, wenn man Alkohol konsumiert. Es ist einfach gruselig, wie schnell man doch von "Gewohnheit" in "Abhängigkeit" rutschen kann, wenn erstmal an irgendeinem Zeitpunkt der Schalter im Gehirn umgelegt wird.

    Weiterhin gehe ich regelmäßig zum Sport, zu meiner Psychologin, lese viel, höre Podcasts, lese hier im Forum mit, "halte" mein ruhiges Leben aus und versuche mir ein neues eigenes Umfeld aufzubauen. Ich habe keinen supergroßen Freundeskreis, Freundinnen wohnen weiter entfernt und haben ihren eigenen Alltag mit Partner und Familie.

    Und irgendwie ist es auch eine gute Übung zu lernen, mit mir selbst auskommen zu müssen und ich habe das Gefühl in mir, dass das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, das zu lernen und irgendwann auch zu genießen. Ich fühle mich optimistisch :)...

    Viele Grüße und bis bald...

    Ach so Hartmut, vielleicht verstehe ich deinen Text nun etwas besser. Tatsächlich habe ich nicht so einen ausgeprägten "Helferkomplex". Nein, Teilerfolge bringen mich nicht weiter, daran arbeitet man sich ja nur selbst ab.

    Letztendlich habe ich mich ja getrennt und arbeite mich nun durch meine Themen. Was wohl eher den Überbegriff "emotional nicht verfügbare" Partner betrifft. Mein Ex-Mann war damals beruflich sehr eingespannt (Workaholic?) und nun, Zufall ?, war mein letzter Partner dem Alkohol sehr zugetan und somit auch nicht unbedingt dauerhaft "verfügbar" für eine gesunde und stabile Beziehung. Meine Partnerwahl hat ja sehr viel mit mir und meinen Mustern (EKA?) zu tun und ich möchte zukünftig anders und gesünder für mich wählen.

    Hi Hartmut,

    das ist aber hier nicht mein Thread, sondern von C.K..

    Was ich damit erreichen will? Bei mir haben sich damals einige trockene Alkoholiker gemeldet und haben ihre Sicht und Lage mir mitgeteilt, was mir in meiner Situation die "andere Seite" gut dargestellt hat und so wollte ich meine Sicht als Angehörige darlegen. Dieses Forum beheimatet ja Alkoholabhängige, EKAs und auch Angehörige (u.a. in Co-Abhängigkeit). Falls es nicht erwünscht sein sollte, dann werde ich nicht mehr im "Alkoholbereich" schreiben. Und klar, lese ich hier noch mit. Ich habe mich von meinem Partner getrennt und bin natürlich auch noch nicht "über den Berg" und finde ich mich mit meinen Gefühlen und Zweifeln in manch anderen Beiträgen wieder.

    Ich war u.a. auch mal bei einem Treffen vom blauen Kreuz, da wurde mir gesagt, es können auch betroffene Angehörige teilnehmen. Beide Seiten könnten davon profitieren.

    Habe ich dich richtig verstanden? Mir ist nicht so wirklich klar, was jetzt dein Anliegen war.

    Hallo C.,

    du könntest versuchen eine möblierte Wohnung für das restliche Schuljahr zu finden. Dann bräuchtest du keine komplette Wohnung neu einrichten und hättest erstmal eine räumliche Trennung. Dann hast du Zeit und Ruhe, den Rest zu planen und zu organisieren. Also evtl. den Umzug wieder zurück in deinen ursprünglichen Wohnort, falls du das vorhaben solltest.

    Viele Grüße

    Mel

    Und dann? Diesen Geist bekomme ich doch nie wieder in die Flasche.

    Soll er denn wieder in die Flasche?

    Das bist du, das ist dein Leben und deine Lebensrealität. Du hast sicher recht, erstmal musst du es "begreifen" und auch annehmen und du darfst dir auch verzeihen. Wenn du ab jetzt keinen Alkohol mehr trinkst, wärst du ab jetzt eine "trockene" Alkoholikerin. Und ob dein jetziger Partner das mitträgt oder nicht, bei einer evtl. nächsten Partnerschaft ist das auch eine wichtige Information für einen potentiellen neuen Partner. Ich höre mir gerne Podcast an, u.a. von 2 jungen Frauen, die auch jetzt trocken sind. Die eine sagte in dem Podcast, wenn sie jemanden datet, sagt sie es direkt beim ersten Treffen, damit die Karten auf dem Tisch liegen. Es geht sonst soviel Vertrauen flöten. Ich habe hier auch im Forum geschrieben und bin seit 5 Wochen getrennt. Bei mir sieht es jetzt so aus, dass ich tatsächlich stark an mir zweifel, ob ich mich unbewusst zu Menschen mit Suchtproblem hingezogen fühle, weil mir die Muster und Mechanismen vertraut sind. Ich war in meiner letzten Beziehung direkt auf dem Weg in die Co-Abhängigkeit, wie damals als Kind mit einem alkoholkranken Vater. Ich vertraue mir aktuell selbst nicht, brauche dazu noch Zeit und darf auch noch einiges aufarbeiten.

    Ich kann nur sagen, ich wäre tief enttäuscht, wenn mein Partner nicht das Vertrauen zu mir hätte, um sich mir anzuvertrauen. Ich würde die ganze Beziehung in Frage stellen und mich wahrscheinlich trennen, wenn mich jemand in einem so wichtigen Thema hintergangen hätte. Auch empfände ich "Verheimlichen" als eine sehr schwache Charaktereigenschaft, Allerdings bin ich familiär vorbelastet (EKA) und hätte schon gerne die Wahl, ob ich mir so eine Beziehung vorstellen könnte. Mit einem "nassen" oder "trockenen" Alkoholiker. Es ist ja auch meine Lebenszeit, die ich dann evtl. auf falschen Tatsachen verschwende und mein Vertrauen, welches ich wieder aufbauen müsste.

    Allerdings würde es mich wundern, wenn er bisher so gar nichts mitbekommen hätte, eine Fahne riecht man doch. Und falls er was ahnt und er spricht es selbst nicht an, dann spricht das, meiner Meinung nach, auch nicht für eine ehrliche, offene und vertrauensvolle Beziehung...