Beiträge von sorrowful

    Ich weiß, dass man keinen zu etwas zwingen oder erpressen darf

    Erpressung ist: „Spring, oder ich drücke ab.“ – Da geht’s um Macht und Nachteile für ihn, nicht ums Miteinander.

    Grenzsetzung ist: „Wenn du springst, werde ich nicht mitspringen.“ – Da sagt jemand nur ehrlich, was er selbst nicht mehr tragen kann.

    Bei Erpressung steht einer mit der Pistole da – bei einer Grenze zieht sich jemand einfach aus der Schusslinie.

    Vielleicht habe ich ihn dazu getrieben zu trinken. Ich bin nicht einfach und er muss sehr gelitten haben darunter und ist aus Verantwortung da geblieben. Fühle mich schuldig und sehr traurig.😞

    Wir können Verantwortung für unser Verhalten übernehmen, aber nicht für die Art, wie andere damit umgehen. Er ist ein erwachsener Mann.

    Durch mein Grenzen setzten ( ich kann das alles alleine nicht mehr tragen) ist er wieder rückfällig geworden.Ich habe Stress gemacht,wie er sagt, dabei eben nur meine Grenzen gesetzt .Das hielt er wohl nicht aus

    Aha: Du bist also schuld. Na, dann ist ja alles in Ordnung: Du sollst hier gefälligst keinen Stress machen, denn was kann er dann anderes tun, als zu saufen?! Er kann doch ganz offensichtlich nun wirklich überhaupt nichts dafür. Und wieso willst Du hier Grenzen setzen und Dich trennen, wenn Du ihn damit doch mutwillig zum Trinken zwingst?

    Sorry, kenne ich von meiner Ex damals genauso: "Mein Gott, wenn Du hier so rumnervst, dann muss man sich ja schließlich immer wieder irgendwie von diesem Dauerstress herunterbrigen!"

    Noch viel besser wäre nach meiner Erfahrung, sie komplett zu blockieren. Mit jeder Nachricht von ihr, die Du auch nur zur Kenntnis nimmst, gehst Du wieder auf Start, ohne 4000 Euro einzuziehen. Klar, in der Hoffnung auf ein Wunder, das ist emotional verständlich, aber hier wäre die rationale Erkenntnis, dass das Verharren in dieser Haltung für Dich emotional schlecht ist, die 4000 Euro. :wink:

    Ich weis nicht ob ich alkoholiker bin . Ich hoffe nicht aber ich frage mich wie es ist komplett auf Alkohol zu verzichten .

    Ich habe gerade neulich eine Psychologin gehört, die der Meinung war: Wenn wir uns nicht mehr vorstellen können, für den Rest des Lebens komplett auf Alkohol zu verzichten, dann ist das der Beweis, dass wir psychisch abhängig vom Alkohol sind.

    Außerdem meinte sie, dass das mit dem Trinken mit unserer Beziehung angefangen hat, weil sie so lange Single war und mit diversen Umständen nicht klargekommen ist.

    Ich will hier nicht unzulässig verallgemeinern und nicht ungerecht sein, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die ich kenne und die viel trinken, meist früher oder später Gründe aus der Vergangenheit anführen, die sie zum Trinken gebracht haben. Dabei werde ich bei denen aber durchgängig den Eindruck nicht los, dass sie eigentlich trinken, weil sie gerne betrunken sind. Oder vielleicht auch schon, weil sie abhängig sind, kann ich natürlich nicht wissen.

    Meine Idee ist, dass sie, ob abhängig oder nicht, diese Narrative einfach brauchen, um ihr Standing in ihren eigenen Augen und denen des Umfelds zu verbessern. Das ist ja auch verständlich, aber es ändert nichts an der Situation.

    Ich weiß nicht, ob es hilft, aber in meiner Ex-Beziehung habe ich das schließlich so gemacht, dass ich ihr irgendwann sinngemäß erklärt habe:

    "Erstens: Du kannst selbstverständlich tun und lassen, was Du willst, das ist Dein gutes Recht. Dieses Recht gilt aber genauso gut für mich. Konkret: Soweit Deine Handlungen mich betreffen, habe ich das Recht, mich bestmöglich zu schützen, ohne Dich einzuschränken.

    Zweitens: Du meinst, dass Du kein Problem mit Alkohol hast. Das verstehe ich: Du willst trinken - Du trinkst - kein Problem für Dich. Für mich sind die Folgen Deines Trinkens aber ein Problem. Dass Du in diesem Punkt anderer Meinung bist, ändert an meinem Empfinden gar nichts.

    Das bedeutet: Ich werde mich aus allen Situationen zurückziehen, in denen Alkohol eine Rolle spielt. Das wird Dir nicht gefallen - aber das ist eben so, genau wie mir Dein Trinken nicht gefällt - aber das ist eben so.

    Ich werde auch keine weiteren Diskussion über das Thema führen, denn sie bringen nichts. Ich werde mich einfach so schützen, wie ich das brauche, selbstverständlich ohne Dich bei Deinem Trinken einzuschränken."

    Das bringt natürlich rein praktisch gegen das Trinken überhaupt nichts, aber für mich war es ein Zurückgewinnen meiner Autonomie. Das waren Distanzierungen, die ich auch durchziehen konnte. Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle für mich etwas zurückgewonnen zu haben.

    Danach ging die Sache aber sowieso schnell auseinander, auch aus anderen Gründen. War bei uns aber auch viel einfacher, da keine Kinder und nur, weiß nicht mehr, knapp zwei Jahre Beziehung.

    Nein. Man weiß nicht was man tut- vor allem nicht was man anderen damit antut. Man glaubt das eigene saufen ist Privatsache und geht keinen was an.

    Dass es das Umfeld total fertig macht kapiert man null.

    Das ist interessant: Hättest Du Dir aber vorstellen können, dass Saufen das Umfeld fertigmacht, bevor Du süchtig geworden bist?

    Und Du schreibst:

    Ja, Scham war schon da- übermächtig!

    aber auch:

    Wenn sich einer beschwert oder mahnt- hysterische Spaßbremse.

    Ist da nicht ein Widerspruch? Wenn Du das Saufen als Spaß empfunden hast und Dir auch nicht vorstellen konntest, dass es die anderen fertigmacht - wofür hast Du Dich dann geschämt?

    Und die allermeisten finden aus einem Rückfall nicht mehr heraus, trinken weiter bis sie daran sterben. Teurer Testballon

    Es wird wieder Tag x kommen und sei bitte nicht zu enttäuscht.

    Wie die Lage tatsächlich ist, kann ich nicht wissen (obwohl ich nach alvins Schilderung, wie es über die Jahre so gelaufen ist auch pessimistisch bin). Ich denke nur, dass das das ist, worauf alvin hofft. (?)

    Als Co-Abhängiger sollte man nicht kämpfen, sondern dafür sorgen, zu verinnerlichen, dass gegen die Alkoholsucht nichts getan werden kann.
    Das kann nur der Alkoholiker selbst tun!

    Die Sucht holt aber jeden ein, der an der Illusion der Kontrolle festhält.

    Meine Interpretation ist, dass du deine alkoholkranke Frau manipulierst

    Ich sehe das bei alvin nicht ganz so wie Ihr: Ich denke, er hält an der Hoffnung fest, dass das Ganze bei seiner Frau eben noch nicht die fließende Schwelle vom Alkoholmissbrauch zur Abhängigkeit überschritten hat und dass es deshalb noch möglich ist, da mit gemeinsamer Willensanstrengung etwas zu machen.

    Wir wissen auch nicht, ob er dabei manipulativ vorgeht: Ich hatte schon den Eindruck, dass er dabei seine Absicht nicht verhehlt. Insofern ist es vielleicht eher als ein Versuch zu sehen, noch rechtzeitig etwas zu tun, und gleichzeitig als ein Testballon, um zu sehen, ob diese Schwelle tatsächlich noch nicht überschritten ist.

    Aus der Co-Abhängigkeit hast Du Dich damit jedoch nicht wirklich selbst gelöst. Die Situation hat sich lediglich aufgelöst durch das „Auflösen“ des Problems.

    Wenn es tatsächlich geklappt haben sollte, dann wäre das im Endeffekt doch aber eine Art Co-Abhängigkeit von jemandem, der selbst keine Abhängigkeit hat. Könnte irgendwie auch auf mich zutreffen...

    Du schriebst von diesen Abstürzen so ca. einmal im Quartal. Ist seit November vielleicht noch etwas früh, etwas dazu zu sagen, aber hat es das seitdem nicht wieder gegeben? Oder hast Du es geschafft, Dich innerlich von der Sorge darum tatsächlich zu befreien?

    Aus meiner Sicht kenne ich die Antwort, wer heimlich trinkt hat ein Problem, aber vielleicht trinkt er ja nur heimlich, weil ich so maßlos übertreibe?

    Hm, ich sehe da im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

    Ja, klar, kann sein, dass er heimlich trinkt, weil er weiß, dass Du Stress machst, wenn er offen trinkt, und weil er diese Nerverei umgehen will.

    Kann aber auch sein, dass er nicht will, dass vor allem Du aber vielleicht auch andere mitbekommen, wie viel und wie häufig er in Wirklichkeit trinkt.

    Und schließlich könnte es eine Kombi von 1 und 2 sein.

    Wenn Du den Grund herausfinden willst, könntest Du ja mal den Versuch machen, vor der ganzen Geschichte einfach zu kapitulieren, seine Trinkerei ihm zu überlassen, ihm dann klar mitzuteilen, dass er von nun an seine Trinkerei nicht mehr verstecken muss, weil es Dir inzwischen Wurscht ist. Du kannst es ja sowieso nicht beeinflussen, also wäre das ein kleiner Befreiungsschritt. Aber vor allem verändert es auf jeden Fall die Dynamik in eurer Beziehung, und Du wirst zumindest sehen, ob er weiter heimlich trinkt oder nicht.