Beiträge von Naira

    Aber vielmehr macht es mich nachdenklich, wenn du eine gefühlte Ablehnung sofort mit einem eventuellen Rückfall in Verbindung bringst.

    Das steht hier…

    Und dazu wollte ich noch äussern. War das falsch?

    Vermutlich. Ich bin gerade verunsichert, stelle mich komplett in Frage und mache innerhalb von einem Tag drei Monate Rückschritt… Ich mag mich nicht mehr für jeden Satz rechtfertigen und mich danach noch schlechter fühlen… Ich akzeptiere die Ablehnung. Und ich werde es auch in ein paar Wochen nicht schaffen, denn ich habe hier viele verärgert.

    Ich brauche eine Pause.

    Guten Morgen Forum

    Entschuldigt bitte meine Emotionalität gestern. Ich hätte eigentlich so gar nicht hier schreiben sollen.

    Zur Erklärung: ich wurde gestern für den geschützten Bereich abgelehnt. Mit der Begründung, dass ich mich nicht genug mit dem Thema Alkohol befassen würde und dies aber notwendig sei, damit ich nüchtern bleiben könne.

    Dies hat mich aus mehreren Gründen erschüttert: ich befasse mich sehr viel mit dem Thema, schaue sehr viele Filme, höre Podcasts, verschlinge Bücher, mache mir Notizen, thematisiere es bei mehreren Leuten und ändere mein ganzes Leben. Wenn das aber trotzdem zu wenig ist und nur 24/7 helfen wird- weiss ich nicht, wie ich das neben Job etc. noch hinbekommen soll.

    Gerade die nächsten Wochen steht so viel bei mir an, dass ich froh gewesen wäre, wenn ich ein wenig mehr über mich erzählen könnte. Im offenen Forum geht das aber nicht, da werde ich ja dann sofort erkannt. Dies würde mir die Chancen auf gewisse Veränderungen nehmen. Deswegen war ich etwas verzweifelt, weil das nun nicht geht.

    Und zum dritten wurde ich abgelehnt. Das alleine schmerzt mich schon sehr. Ich habe im Leben viele Ablehnungen erlebt. Und das immer, weil ich für irgendjemanden ein Problem war. Weil ich nicht so war, wie andere mich haben wollten. Okay, das mag wieder wie Opferhaltung für euch aussehen. Kann auch sein. Trotzdem kann ich das Gefühl, dass diese Ablehnung hinterlässt, nicht einfach abschalten. Die einzige Option wäre, mich zu beschimpfen, dass ich halt wieder alles falsch gemacht habe und es nicht wert bin. Und das zieht mich aber sehr hinunter und ich kann das gerade nicht gebrauchen und bin eigentlich therapeutisch genau daran, dieses Denken abzustellen. Weil es mich krank macht. Und darum stelle ich mir eben die Frage, ob mir das Forum so hilft, wenn ich das Gefühl hier habe, dass ich nicht okay bin. Wenn hier vor allem meine Angst geschürt wird, es ohnehin nicht zu schaffen. Oder jetzt habe ich auch Angst, dass ich jetzt ganz hinausgeworfen werde, weil ich darüber geschrieben habe, was mein Problem mit der gestrigen Ablehnung war. Und wohin soll ich dann mit diesem Thema gehen?

    Und da kamen dann die Kommentare noch drauf. Dies hat meine Verzweiflung und Angst nur noch verstärkt. So sehr, dass mich sogar mein Mann fragte, was mein Problem sei. Aber ich kann ja nicht über das Forum mit ihm reden. Das steht irgendwo in den Regeln.

    Fakt ist, dass ich gerade an einem Lebenspunkt stehe mit ganz vielen Chancen und Veränderungen für ein besseres und gesünderes Leben. Und ich habe grosse Angst, das alles zu vermasseln. Und das nicht zuerst wegen dem Alkohol, sondern weil ich als Person versagen könnte. Es wird aber wahrscheinlicher, dass ich versagen werde, wenn ich mich wieder jeden Tag dafür hasse, zu viel Alkohol konsumiert zu haben. Ich stehe unter riesigem Druck. Und genau dabei bräuchte ich momentan Hilfe, dass dieser nicht nach hinten los geht irgendwann. Und irgendwie eben auch positive Motivation und Mut... Dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass ich es schaffen werde, mein Leben zu ändern. Und zumindest im äusseren Leben gesund zu sein.

    Ich hoffe, dass ich nach dieser Ehrlichkeit trotzdem bleiben darf. Warum? Weil ich einen Anker für dieses Thema brauche. Einen Ort, wo das Thema Alkoholsucht sein darf. Auch wenn es eben jetzt weiterhin nur um dieses Thema gehen und ich alle anderen Themen hier ausblenden muss. Ich muss eben mehrgleisig fahren. Alkohol hier. Andere Themen woanders.

    Ich habe meine Gründe, warum ich das Gefühl habe, gestellte Erwartungen nicht zu erfüllen und deswegen nicht in Ordnung zu sein. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben.

    Je weiter ich heute hier schreibe, desto mieser fühle ich mich.

    Warum schreibst du, dass du eigentlich heute 3 Monate Nüchternheit hast?
    Und warum glaubst du nicht, dass du dich darüber freuen solltest?

    Weil ich lebenslang Alkoholikerin sein werde und daran 3 Monate Nüchternheit nichts ändern.

    Wo kommen deine Zweifel her, nicht lebenslang nüchtern bleiben zu können?

    Von hier. Genau deswegen:

    Ich habe hier schon viele Leute wieder gehen sehen, die nicht (mehr) die Notwendigkeit gesehen haben, sich mit ihrer Sucht zu beschäftigen. Weil sie ja noch so viel mehr als ein 24-Stunden-Alkoholiker sind. Sie wurden leichtsinnig ….und rückfällig. Ich möchte nicht leichtsinnig werden. Ich habe meine Nüchternheit zur obersten Priorität in meinem Leben gemacht, weil ich nur nüchtern so leben kann wie ich das gerne möchte. Und darauf passe ich auch gut auf.

    Ich muss hier jeden Tag schreiben, ich muss mir ständig vorsagen, dass ich Alkoholikerin bin und bleiben werde, ich darf nichts anderes nebenher wichtig finden, ich tue nicht genug, ich bin leichtsinnig...

    Ich höre für heute hier auf. Vielleicht ist das schon wieder falsch. Aber ich drehe jetzt dann bald durch, wenn ich noch weiter runtergezogen werde (nicht absichtlich von euch, aber mich macht das hier heute echt fertig). Ich fühle mich wirklich schon sehr schlecht. Und mit allem, was ich schreibe, wird es noch schlimmer. Es reicht für heute. Ich muss morgen trotzdem arbeiten und kann nicht einfach zuhause bleiben, nur weil ich so nicht schlafen können werde... Ihr werdet das vermutlich nicht verstehen, aber das müsst ihr auch nicht. Ich bin einfach so doof, dass ich nicht zu verstehen bin.

    Gute Nacht.

    Wenn Nüchternheit deine oberste Priorität ist und du dir der Tatsache bewusst bist, dass jeder Rückfall tödlich sein könnte

    Das verstehe ich nicht ganz. Ich kann doch nicht 24/7 nur an die Nüchternheit denken. Ich habe auch noch andere Sachen im Leben. Ich möchte, dass es mir gut geht. Und dazu gehört ganz klar, dass ich nüchtern bleibe. Aber das ist nicht das einzige, was mich im Leben beschäftigt.

    Ein Tag hat 24 Stunden, und diese Zeit kann ich nutzen, um nüchtern zu bleiben, bis der nächste Tag anbricht. Es ist natürlich möglich, dass du dich bereits gedanklich mit einem Rückfall auseinandersetzt und dich mitten darin befindest.

    Komme ich automatisch in einen Rückfall, wenn ich mich nicht 24/7 mit diesem Thema auseinander setze? Und wie kommst du darauf, dass ich mich schon mitten in einem Rückfall befinde? Die einzigen, die mir ständig mit der Drohung von Rückfällen Angst machen, sind doch die Leute hier im Forum. Sonst käme ich gar nicht auf die Idee, mich ständig damit zu beschäftigen. Ich würde mich nicht mal ständig mit dem Thema Alkohol beschäftigen, wenn das hier nicht so eine Art Regel wäre, dass man sich ständig damit beschäftigen muss. Dann würde ich einfach was anderes trinken und an was anderes denken.

    Alles Gute zu drei nüchternen Monaten.

    Danke Alex :)

    Also, wo denkst du, machst du alles falsch?

    Eben, aus den oben genannten Gründen. Ich kann die Erwartungen hier nicht erfüllen. Das macht mir Angst.

    Ich habe mehrmals einen Text angefangen und wieder abgebrochen. Ich habe heute etwas erlebt, was mich verunsichert und triggert. Was es genau ist, kann ich hier im offenen Bereich nicht schreiben. Ich weiss gerade nicht mehr, was ich tun und denken soll.

    Eigentlich habe ich heute 3 Monate Nüchternheit. Aber ich glaube nicht, dass ich mich darüber freuen sollte. Eher sollte ich Angst haben, auch bei diesem Thema alles falsch zu machen und es deswegen nicht zu schaffen, lebenslang nüchtern zu bleiben. Das habe ich doch richtig verstanden, oder?

    Ich finde es ungewöhnlich und erstaunlich, wie hoch scheinbar der Stellenwert von Alkohol bei einem Geschäfts-Meeting bei deiner Firma ist. Ich frage mich, ob das wirklich so ist oder vielleicht nur von dir als verpflichtend wahrgenommen wird. Ich würde halt einfach etwas alkoholfreies mitbringen. Vielleicht sind manche Teilnehmer dankbar. Es trinken doch sowieso meist nicht alle Alkohol mit, oder?

    Wie gesagt, ich werde Kuchen mitbringen. Ist schon bestellt. Ja, in meiner Firma hat der Alkohol einen hohen Stellenwert. Ich hab mich schon vor meiner Nüchternheit unbeliebt gemacht, weil es an einem Firmentag nicht wie sonst mittags Wein zum Essen gab...

    Was interessiert es Dich eigentlich so extrem was andere von Dir denken könnten? Lebst Du für den guten Eindruck?

    Leider wuchs ich so auf, dass nur das wichtig ist, was andere über mich oder meine Eltern denken, und ich hab das Denken noch nicht ganz aus meinem Hirn bekommen können. Bin aber dran!

    Vielen Dank für eure Ideen!

    Ich werde wahrscheinlich eher Kuchen mitbringen. Kann man ja auch beim Bäcker bestellen. Und diesen dann in der Kaffeepause anbieten anstatt nach Meetingsende, wenn ohnehin alle nach Hause wollen. Ich werde meine Chefs mal fragen, ob das auch in Ordnung ist.

    Es wäre schön, wenn solche Sachen ohne Alkhol normaler wären als mit. Ist aber leider nicht überall so…

    Hm vielen Dank erstmal für eure Antworten.

    Es geht wirklich um ein geschäftliches Meeting. Da sind Anhänger etc. eher nicht angebracht. Ist vermutlich schwierig zu verstehen, wenn man die Firma etc. nicht kennt... Es geht mir einfach nur darum, was man bei so einem Anlass statt Alkohol zu trinken anbieten kann ohne sich lächerlich zu machen.

    Es geht darum, dass es in unserer Firma üblich ist. Wenn jemand Geburtstag hat oder von längeren Ferien zurückkommt oder es sonst etwas zu feiern gibt, steht man an dem Tag in der Pause zusammen. Und derjenige bringt meist Croissants und Sekt oder Wein mit und man steht zusammen, stösst an und isst und redet zusammen. Gibt es alternative GUTE Ideen?

    Es könnten auch Ideen für eine Kaffeepause sein- aber dann nicht nur Croissants, wenn ich schon nichts "gescheites" zum Trinken mitbringe ("gescheit" aus Sicht der anderen)

    Hallo zusammen

    Ich melde mich heute mal wieder mit einer Frage:

    Was könnte man zu einem kleinen Anlass ausser Sekt/ Wein und Knabberzeugs mitbringen? Es muss leicht in Bus und Bahn transportierbar sein. Und es sollte keine Zeit zur Vorbereitung kosten. 2-3 Flaschen Getränk und Knabberzeugs wäre da natürlich am einfachsten. Ich hab auch nicht Angst, schwach zu werden und werde auf jeden Fall auch alkoholfreies Getränk mitnehmen- aber ich will auch nicht als geizig rüberkommen. Wein/ Sekt käme halt sicher sehr gut an, bzw. das ist normal üblich in so einem Fall und wird auch erwartet. Vielleicht habt ihr ja andere gute Ideen?

    Hallo Hartmut

    Ja die Grundbausteine kenne ich. Die hat mir schon jemand anderes geschickt. Ich habe sie trotzdem nochmals gelesen. Danke.

    Ich habe professionelle Unterstützung für alle Themen. Und ich erwarte auch keine Hilfe für andere Baustellen. Nur ich für mich kann mich nicht nur um die Sucht alleine kümmern, sondern muss irgendwie alles berücksichtigen. Weil alles zusammenhängt. Eigentlich ist die Sucht davon momentan auch nicht das Schwierigste. Da ist der Weg, wie man künftigen Rückfällen vorbeugt, wenigstens klar: darauf verzichten. Bei anderen Sachen ist es nicht ganz so einfach, weil da die Ursachen noch nicht 100% klar sind. Aber ich kann diese Themen hier ausklammern, wenn euch das lieber ist.

    Ich danke euch sehr für eure Antworten!

    Mit "ist alles bisschen viel gerade" meinte ich, dass ich gerade mehrere Probleme habe. Ich bin aus verschiedenen Gründen in einen Burnout gerutscht und habe kurz davor mit dem Alkohol aufgehört. Es gibt wahrscheinlich einen Zusammenhang zum Alkohol, auch zum ADHS. Aber das sind nicht die einzigen Gründe. Viele Gründe liegen in meinen angelernten Verhaltensweisen. Ich bin/ war extrem hart zu mir selbst. Und muss das ändern. Deswegen finde ich es nun schwierig, wenn mir von aussen "Härte" entgegengebracht wird und ich reagiere dann emotional über.

    Ich empfehle jetzt mal gar nichts, außer einfach sehr gut auf Dich und Dein Gefühl zu achten. Bei allem, was Du tust.

    Und genau das ist mein Problem. Ich habe so lange meine Bedürfnisse und Gefühle unterdrückt, mit Arbeit und Alkohol abgeschaltet, dass ich sie erst wieder suche. Manchmal weiss ich gar nicht, was ich will und was mich ausmacht.

    Was ich aber weiss: Ich werde nie mehr Alkohol trinken, sondern nüchtern leben.

    Und vielleicht überfordere ich mich gerade selbst, indem ich ständig Bücher über ADHS, Alkoholsucht und Burnout lese, mir viele Gedanken mache. Gleichzeitig fast mein ganzes Leben ändere. Das macht eben auch dünnhäutig. Dies aber nur zur Erklärung. Dass ich dann schnell überreagiere, ist ja trotzdem nicht in Ordnung und tut mir leid.

    Liebe Grüße Naira

    Reicht die Abhängigkeit als Grund nicht aus?

    Vielen reicht das wohl aus. Ich bin jemand, der Hintergründe wissen und Zusammenhänge verstehen will. Wenn das nicht hierher passt, kann ich solche Gedanken in Zukunft weglassen.

    Nun ja, ich kann viel sagen, unabhängig vom Wahrheitsgehalt ;)

    Ich kenne die Person, du nicht. Also weiss ich wohl eher, ob diese Person lügt oder nicht ;)

    Wir empfehlen eh hier im Forum, im ersten Jahr auf Feiern/ Feste /Veranstaltungen zu verzichten, bei denen hauptsächlich Alkohol getrunken wird.

    Irgendwie muss auch eine Stabilität erreicht werden. Und zusätzlich sollte diese Zeit genutzt werden, um sich ein alkoholfreies Leben aufzubauen.

    Ich kann nicht ein Jahr lang alles meiden, wo es Alkohol geben könnte. Oder was meinst du mit "bei denen hauptsächlich Alkohol getrunken wird?" Was das "alkoholfreie" Leben angeht: ich ändere momentan fast alles in meinem Leben. Was fehlt deiner Meinung nach noch?

    der Alkohol scheint doch noch ziemlich positiv bei Dir besetzt zu sein. Dabei gaukelt er uns die positive Wirkung nur vor.

    Ich sehe das anders. Er hatte mich früher in solchen Situationen eben beruhigt. Wenn ich daher weiss, dass es für mich in einer Situation wegen Alkohol schwierig werden könnte, gehe ich lieber nicht hin. Solange bis ich weiss, wie ich mich anders beruhigen kann.

    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier einige von euch davon ausgehen, dass ich es eh nicht schaffen werde, abstinent zu leben, weil ich nach eurer Meinung sowieso schon alles falsch gemacht habe und falsch angehe?

    Im Urlaub könntet ihr Tagesausflüge unternehmen oder für einen Tapetenwechsel eine Ferienwohnung suchen. Dort hättest du dann auch dein geschütztes, alkoholfreies Umfeld.

    Das sind beides gute Ideen, vielen Dank!

    Das sind alles körperliche Symptome der Erholung.
    Was ist mit Deiner Seele, Deine Psyche, mit den Synapsen in deinem Gehirn, die ein Nicht-Alkoholiker gar nicht hat ?

    Das ist natürlich der Teil, der sich weniger schnell erholt. Das Gehirn muss jetzt damit klarkommen, dass es abends nichts zum "runterfahren" mehr gibt. Dafür hilft das AD, das ich nachts u.a. zum Schlafen nehme, tausendmal besser. Und nachts schlafe ich sowieso viel besser und wache erholt auf. Der Körper muss abends ohne Dopamin und Serotoninschub auskommen- dafür hat er auch keinen Absturz der Neurotransmitter mehr wie sonst. Das Gehirn hat sich auch bereits erholt- ich kann wieder viel klarer denken und mich besser konzentrieren.

    Ich habe gestern eine interessante Sendung gesehen. Da ging es um Neurotransmitter und die Wirkung von Alkohol auf diese. Ich muss ohnehin Medikamente dafür nehmen (also schon länger als die Alkoholabhängigkeit). Also doppelt blöd, deren Wirkung mit Alkohol so zu behindern. Ich habe mich auch informiert über ADHS und Alkohol. Es gibt wohl eine hohe Prozentzahl an ADHS-lern, die auch alkoholabhängig sind. Das hängt mit der schwächeren Impulskontrolle und eben auch mit Dopamin und Serotonin zusammen. Sprich das Risiko ist auch hier erhöht. Gleichzeitig wirken Medikamente dagegen weniger. Und Alkohol plus Medikamente machen die Neurotransmitter zusätzlich kaputt. Es war also völlig bescheuert von mir, das alles mit Alkohol (und das nicht zu wenig) zu kombinieren.

    Es gibt sehr viele Gründe für mich, nie mehr Alkohol zu trinken. Und ich finde auch immer mehr. (nicht, dass ich mehr Gründe bräuchte, mein Entschluss steht ohnehin fest- aber es sichert diesen Entschluss noch mehr)

    das dünne Eis trägt mich sicher, wenn ich vorsichtig bin, dann muss ich doch nicht mutwillig drauf rumhopsen (z.B. mich bewusst in Situationen begeben, in denen Alkohol eine gewisse Rolle spielt)

    Ich habe auch schon Anlässe oder Feiern abgesagt, weil diese an sich schon sehr anstrengend für mich als ADHSler sind, und es dann noch Alkohol gibt, der mich ja beruhigen könnte. Und damit wäre die Versuchung vieeel zu gross gewesen. Es gibt auch Tage, an denen macht es mir gar nichts aus, wenn jemand anderes was trinkt- und an anderen Tagen stresst es mich plötzlich, ich werde unruhig und dann verlasse ich die Situation sofort.

    Ich kenne jemanden, der nach dem Entzug sofort entschied, nie mehr was zu trinken. Und dem es gar nichts ausmachte, wenn andere etwas tranken. Für ihn stand sein Entschluss fest, und ihm war egal, was andere machen. Er zieht es auch schon seit 3 oder 4 Jahren durch. Bewundernswert. Aber ich achte da lieber auf MEIN Gefühl ;)

    Ich versuche nun noch ein paar Antworten zu geben.

    Dass Urlaub nicht gut ist, war mir überhaupt nicht klar. Ich hatte gedacht, es wäre gut, ein paar Tage wegzufahren. Psychisch hat es auch sehr gut getan- bis eben auf die Abende. Ich bin froh, dass ich das nun weiss. Demnächst haben mein Mann und ich wieder frei. Und es wäre eigentlich für uns beide gut, wegzufahren. Zuhause fällt uns sonst nur die Decke auf den Kopf. Vielleicht gibt es ja eine Idee, wie wir ohne Risiko wegfahren könnten?

    Privat habe ich vieles geändert. Statt verantwortungsvollen Ehrenämtern habe ich mir Hobbys gesucht, bei denen nicht getrunken wird und wo ich so sein darf, wie ich bin und mich nicht dauernd verstellen muss. Ein Jobwechsel steht an, da das bisherige Umfeld mir geschadet hat. Ich werde ärztlich begleitet und mache Therapie. Meine engsten Bezugspersonen wissen Bescheid. Mein Mann unterstützt mich. Supermarkt ist kein Problem, weil dort gar keine alkoholischen Getränke angeboten werden- oder in einem anderen die Getränke in der hintersten Ecke zu finden sind. Die kann man meiden.

    Ich stand vor vier Jahren schon einmal an dem Punkt, dass ich keinen Alkohol mehr trinken wollte. Aber dort hatte ich noch nicht so eingesehen, dass ich wirklich ein Problem hatte. Für mich hatten viele aus meinem Umfeld viel grössere Probleme mit Alkohol als ich. Es hielt daher auch gar nicht lange an. Ich machte zwar immer wieder Pausen, aber nur um mir zu beweisen, dass ich es auch eine Weile ohne aushalte und deswegen nicht süchtig bin. Diesmal ist es anders. Ich hatte körperliche Entzugserscheinungen, ich hatte heimlich getrunken, ich hatte Ausfallerscheinungen. Die ersten beiden Monate ging es ganz gut. Aber nun merke ich, dass es doch nicht so einfach ist- weil es keine Pause mehr ist. Ich darf keinen Alkohol mehr trinken. Und es frustriert mich ein wenig, dass es jetzt schwieriger geworden ist, wo es doch nach der ersten Woche schon relativ einfach war. Ich habe sehr schnell Verbesserungen bemerkt (Schlaf, Haut, Magen, Haare, Kreislauf) und diese haben mich motiviert. Jetzt ist ja alles gut. Weiss nicht, ob das jemand versteht, was ich meine? Aber es wäre ja wieder alles schlecht, wenn ich wieder trinken würde. Und ich würde mir mein neues Leben verbauen anstatt die Chancen, die ich momentan habe, zu nützen.

    Vielen Dank euch allen für eure Antworten. Mein Kopf ist gerade viel zu voll um auf alles einzugehen. Ich hatte auch ein ehrliches Gespräch mit meinem Partner. Das war auch sehr wichtig, denn ich brauche seine Unterstützung.

    Es gibt noch einiges, was ich momentan in meinem Leben ändere. Aber heute bin ich zu erschöpft, das alles zu schreiben. Ich mache das morgen.

    Aber so viel ist klar: Ich bin alkoholsüchtig, ich möchte für immer abstinent leben und ich möchte hierbleiben und mir von euch (und in der Therapie) dabei helfen lassen.

    Gute Nacht