Guten Morgen, gerade noch
nachdem ich gestern deine Antwort gelesen habe Nayouk24 , bin ich ins grübeln gekommen. Warum es so lange gedauert hat bei mir, bis ich jetzt wirklich bereit bin, der Abstinenz oberste Priorität einzuräumen. Wobei ich auch letztes Jahr der ehrlichen Überzeugung war, dass ich das schon tun würde. Aber in der Rückschau wirken meine ergriffenen Massnahmen eher wie kleinere kosmetische Korrekturen auf mich.
Mir wurde hier von verschiedenen Seiten aufgezeigt, wie gefährlich das Setting ist, da zu leben wo andere Urlaub machen. Und noch dazu in der Rolle einer Gastgeberin zu sein. Daraufhin habe ich mit meinen kosmetischen Korrekturen angefangen, und irgendwie bin ich ja auch wohlbehalten durch die Saison geschlittert, was rückblickend auch ein grosser Anteil von "Glück gehabt" war, weil nur Leute hier waren, die aus Solidarität mit der frisch trockenen Alkoholikerin keinen Alkohol getrunken haben.
Das hätte auch anders ausgehen können, und mit anders meine ich schlimm.
Ich will mich nie wieder auf "Glück gehabt" verlassen müssen was meine Abstinenz angeht. Ich hatte leicht reden, klar, kein Problem, ich geh im ersten Jahr auf keine Konzerte, treffe mich nicht mehr in der Kneipe mit meinen Freunden, nehme nicht an Firmenfeiern teil etc, weil ich das ja sowieso nicht getan habe.
Als es aber darum ging, meine persönlichen gefährlichen Situationen anzuschauen und zu eliminieren, gehörte ich dann doch plötzlich zu denen, die sagen, "ja, schon, aber mein Fall ist anders, ganz speziell." Ist er nicht. Hat eine Weile gedauert bis ich begriffen habe, dass es der Sucht herzlich egal ist, wie speziell meine Situation doch seie und ich sie deswegen nicht ändern könne.
Mir ist inzwischen klar geworden, dass das Leben ändern, nunja, Veränderungen beinhaltet. Und Veränderungen sind ja manchmal auch anstrengend, und doch gehe ich mit einem besseren Gefühl dem kommenden Sommer entgegen. "Glück gehabt" aus der Planung zu streichen gibt mir ein Gefühl der grösseren Sicherheit, auch wenn die äusseren Umstände erstmal fragiler wirken.