Beiträge von AnnaBlume

    Corona geht ganz heftig um, hast für einen Test zu Hause?

    Test habe ich gleich gemacht- negativ!

    und auch Dinge, die ich bisher als unumstößlich gesehen habe

    Da sagst Du was. Ich bin genau da mit therapeutischer Hilfe dran. Abgrenzung ist ein ganz großes Thema bei mir. Da übe ich noch, der Weg ist aber noch weit.

    Mir hilft auch, dass ich hier bei vielen anderen - nicht nur bei den Angehörigen, aber bei denen ganz besonders - lese, das Abgrenzung sehr häufig ein zentrales Thema ist. Oft lese ich und denke von außen ‚dann mach das doch nicht mehr mit.‘ Aber natürlich ist das schwer wenn man drin steckt. Wenn man sich selbst darüber definiert besonders belastbar/tolerant/ fürsorglich zu sein, gerät man ganz schnell in die Überlastung bis hin zu Verstrickung in ungute Konstellationen.

    Ich glaube fast alle hier müssen und/oder mussten lernen, wie NEIN wirklich geht. Nicht nur zum Alkohol sondern auch ganz allgemein.

    Da bin ich wirklich noch nicht gut drin. Auch Ausreden sind ja kein echtes Nein… ein echtes und klares ‚ Ich will das nicht‘ hat oft auch gar nicht so dramatische Konsequenzen wie gedacht. Im Kopf weiß ich das sehr wohl- ins Handeln tröpfelt das nur langsam ein….

    wie wäre die gegenfrage, mit welchem recht möchten sie derart intime details meines lebens erfahren, haben sie vor mich zu diskreditieren?

    Da muss ich den Kollegen mal in Schutz nehmen- der will mich auf keinen Fall diskreditieren. Die Frage war völlig naiv- er war einfach enttäuscht keinen Trinkpartner zu haben. Aber du hast vollkommen recht. Besser den Mumm haben zu sagen ‚das geht dich nix an‘ o.ä.

    Die Personen vor denen ich auf keinen Fall die Hosen runterlassen will waren andere im Raum. Näher kann ich das nicht beschreiben.

    Aber sie hörten halt mit.

    Warum rechtfertigst du dich mit einem vorgeschobenen Vorwand?

    Weil ich vor mehreren Leuten von einem Kollegen laut gefragt wurde warum ich nicht mehr trinke. Es hörten mehrere Kollegen zu. Klar hätte ich sagen können ‚ich brauche keine Begründung‘, aber dann hätte ich mich auch gleich outen können. Es waren Personen anwesend vor denen ich mich unter keinen Umständen outen werde. In meinem Beruf ist das keine gute Idee.

    Ich kauf mir eine Harly und schieb es auf die Mittleifkreisis

    anstatt der Wechseljahre

    Jetzt musste ich lachen. Wo genau hast du geschrieben, dass dich deine Nachbarn ohne Alkohol für einen Langweiler halten?

    Die Langweiler-Gefahr sehe ich gerade nicht. Hab einen schönen nüchternen Tag- mit Fahrrad oder zu Fuß…

    Bei Menschen, die ich nicht gut genug kenne um ihnen zu sagen, dass ich Alloholikerin bin (z.B. Arbeitsumfeld), behaupte ich, dass ich keinen Alkohol mehr vertrage (vom kleinsten Schluck heftige Kopfschmerzen- niemand will einen ja quälen…). Gerne schiebe ich ein verschwörerisches ‚die Wechseljahre‘ hinterher. Die Frauen in meinem Alter nicken dann mitleidig, alle anderen wechseln schnell das Thema. Ich finde das immer ein wenig lustig und beobachte ein wenig gemein die Reaktion. Wechseljahre entfällt bei dir - leider- aber vielleicht fällt dir was ähnliches ein. Chronisch muss es halt sein (Wechseljahre dauern ja bis zu 10 Jahren!).

    Ich muss hier jeden Tag schreiben, ich muss mir ständig vorsagen, dass ich Alkoholikerin bin und bleiben werde, ich darf nichts anderes nebenher wichtig finden, ich tue nicht genug, ich bin leichtsinnig...

    Liebe Naira,

    Ich kann Deine Gefühle so gut verstehen! Ich bin auch noch nicht lange hier und auch nicht viel länger als Du nüchtern und ja ich mache auch noch ganz schön viele Dinge, die nicht günstig sind für jemanden der für immer nüchtern bleiben möchte.

    Wenn mich andere hier auf meine ungünstigen Verhaltensweisen aufmerksam machen, fühle ich immer zuerst einen Stich und denke ‚Au Mann was soll ich denn jetzt noch alles tun‘ oder ich denke beim Lesen ‚ich will doch nicht mein ganzes Leben im büßerhemdchen rumlaufen und ‚Alkoholikerin‘ ist meine einzige Eigenschaft‘

    ABER hier schreiben Menschen, die geschafft haben, was Du und ich liebe Naira leider noch nicht geschafft haben: Viele Jahre trocken bleiben, trotzdem ein erfülltes Leben leben und immer im Hinterkopf behalten, dass man sich vor Rückfällen schützen muss.

    Ich vermute die Langzeitnüchternen hier haben alle viele andere Charaktereigenschaften als das Label ‚Alkoholiker‘- letzteres vereint uns aber und deshalb sind wir hier.

    Ganz ehrlich fällt es auch mir schwer, die manchmal etwas strengen Ratschläge oder Hinweise der Erfahreneren hier gleich anzunehmen. Aber sind wir beide nicht genau deshalb hier?
    Lass uns das gemeinsam versuchen, ok?

    Und jetzt Schlaf gut.

    Deine Anna

    Wen kannst Du da mit "ins Boot" holen, damit Du dieser Situation anders begegnen kannst?

    Ich habe schon alle Hilfesysteme ausgeschöpft. Ich habe heute etwas Zeit zum ausruhen. Habe was schönes gekocht und schaue harmlose Filme. Es wird wieder kommen und ich werde mich da nicht raus nehmen können (nicht ganz). Ich kann es nicht näher schildern. Jedenfalls bin ich erschöpft und psychisch fertig aber einigermaßen stabil. Ich bin zu Hause- jetzt lohnt sich das alkoholfreie Umfeld. Tee tut gut!

    Ich habe heute eine Stress Situation zu bewältigen die ich nicht näher beschreiben kann, weil das meine Anonymität gefährden würde.

    Wichtig ist hier, dass das eine wiederkehrende unfassbar belastende Situation ist, die ich nur bedingt vermeiden kann. Genau in solchen Lagen habe ich früher richtig viel getrunken - ‚zum runterkommen‘ und auch weil ich dann die körperlichen Symptome die dieser Stress auslöst (Druck auf der Brust, Kopfschmerzen usw.) unter Alkohol gedämpft sind.

    Ich halte das aus und lenke mich ab, aber es ist unendlich schwer. Gut ist die Erkenntnis, dass saufen nichts an der Situation ändern würde. Ich hätte nur noch zusätzlich ein schlechtes Gewissen.

    Komisch das hier so anonym zu umschreiben- freu mich schon auf den geschützten Bereich, da kann ich es vielleicht näher erläutern…

    Wichtig ist und auch gut zu sehen- auch in dieser wirklich heftigen Ausnahmesituation bleibt die Nüchternheit ganz oben auf der Prioritätenliste. Auch wenn es mir heute sehr sehr schlecht geht ist das immerhin ein Trost.

    Ich habe gestern nochmal mit meiner Partnerin gesprochen. Sie sagt, sie ist nachdenklich darüber wie sie sich jetzt trinkmäßig verhalten soll. Ich habe ihr klargemacht, dass ich auf gar keinen Fall in Kneipen gehe. Und sie soll nicht trinken wenn wir zusammen sind. Das war alles selbstverständlich für sie. Sie macht sich aber Gedanken ob sie überhaupt wieder Alkohol trinken soll- sie hat ja jetzt auch 4 1/2 Monate keinen Schluck getrunken- eigentlich aus Solidarität. Aber sie macht sich schon Gedanken ob es nicht auch ab und zu zu viel war. Immerhin war sie 2x hintereinander mit alkohikerinnen zusammen und hat das gar nicht so problematisch wahrgenommen. Ihre Ex sitzt jeden Tag ab 17:00 bis zur letzten Runde in der selben Kneipe. Sie selbst hat gar nicht so früh Zeit- schon gar nicht unter der Woche, aber an den Wochenenden an denen die beiden sich gesehen haben, hat sie dabei gesessen und ordentlich mitgetrunken. Und auch mit mir hat sie mitgehalten- aber trinkt eben wirklich nichts wenn sie zu Hause ist. Da stehen immer die gleichen verstaubten Weinflaschen die zu bleiben- sie geht auch nicht aus, wohnt auf dem Land.
    Dennoch macht auch sie sich ihre Gedanken, weil sie schon auch bis zum Ende gut dabei war. Ich hab gesagt, dass ich mich um meine Nüchternheit kümmere und sie sich um ihre. Dass ich aber sehe, dass wenn sie jetzt gemeinsame Wochenenden immer ohne mich in der Kneipe verbringen würde, das zwischen uns einfach nicht mehr passen würde. Leuchtet ihr ein. Aber so richtig klar gemacht, wie es jetzt weiter verläuft, hat sie nicht.

    Gerade wirkt es wirklich als wäre sie eher erleichtert wenn ich sagen würde: ach komm, jetzt sauf ich wieder. Und das finde ich total problematisch. Ich hab ihr gesagt wie wichtig mir die Nüchternheit ist und wie weit meine Sucht schon fortgeschritten war. Wie glücklich meine Tochter über die sichtbaren Veränderungen ist usw. Aber irgendwie ließ sie das recht kalt und sie reagierte irgendwie gar nicht. Sagte weder ‚ich merke das nicht‘ noch ‚klar merke ich auch‘. Sie saß einfach reaktionslos da.
    Etwas unbefriedigendes Ergebnis das mich ratlos zurücklässt…

    Vielleicht traut sie auch der Sache noch nicht- immerhin habe ich ja schon öfter Trinkpausen eingelegt, die ich mehr oder weniger konsequent eingehalten habe. Aber da ging es nie offiziell um Sucht und auch habe ich da nie behauptet das ist jetzt für immer.
    Puh. Mal schauen was jetzt kommt.

    Auch Berichte über trocken gewordene Promis waren für mich unglaublich wertvoll, obwohl ich weder deren Fan war, noch mit deren Lebensweg viel gemeinsam hatte

    Das geht mir auch so. Gerade wenn man überrascht ist und denkt ‚ach, die auch- hätte ich ja nicht gedacht…‘

    Aber auch Promis bei denen klar ist, dass sie sich noch was vormachen, haben mir indirekt geholfen. Als ich kurz vorm nüchtern werden war habe ich den Podcast Hotel Matze mit Till Schweiger als Gast gehört. Seine Selbstgefälligkeit und sein ‚ich hab’s voll im Griff Gerede‘- trotz ganz offensichtlichem Alkoholproblem - machten mich richtig wütend bis ich merkte: das spiegelt mich, ich erkenne mich wieder. So will ich nicht sein.

    Ich finde toll und mutig wenn Personen des öffentlichen Lebens zu ihrer alkoholsucht stehen- vielen bleibt aber auch nur die Flucht nach vorne…

    Das sind gute Denkanstöße. Ich glaube nicht dass sie alleine trinkt. Aber ja. Ich bin etwas eckiger gerade- achte mehr auf meine Bedürfnisse und sage oft klipp und klar wenn mir was nicht passt. Sie ist jünger als ich und ich befürchte etwas, dass ich ihr was wegnehme, wenn wir nicht mehr gemeinsam um die Häuser ziehen. Ja ich fühle mich tatsächlich etwas langweilig und schwierig gerade und übertrage das vielleicht auch auf sie. Wenn ich versuche mit ihr darüber zu sprechen, was es mit unserer Beziehung macht dass ich jetzt nüchtern bleibe, blockt sie irgendwie ab und sagt das sei für sie im Moment kein Thema. Aber für mich ist es das eben. Vielleicht muss ich einfach damit leben, dass die Dramatik in mir für andere weder besonders relevant noch erfreulich ist…

    Heute ist kein guter Tag. Ich war zwar schwimmen aber fühle mich schlapp und ausgelaugt. Mache mir auch sorgen um meine Partnerschaft. Das gemeinsame um die Kneipen ziehen war schon auch Teil der Beziehung. Wenn wir den Übergang so nicht schaffen, werde ich aber die Nüchternheit der Partnerschaft vorziehen. Das bin ich mir und meiner Tochter schuldig.

    Ich hatte mal eine kurze Beziehung mit einem Mann der genauso viel trank wie ich. Wir zogen um die Häuser und verstanden und gut. Ab und zu gab es mal so typisch besoffene Missverständnisse, aber nix dramatisches. Dann kam ein gemeinsamer Kurzurlaub und ich erlebte ihn das erste mal ein paar Tage nüchtern. Mir fiel wie Schuppen von den Augen dass wir überhaupt gar nichts gemeinsam haben. Seine Sprüche waren immer die gleichen und Tiefgang war totale Fehlanzeige. Ich ergriff die Flucht.

    Jetzt ist das völlig anders- trotzdem merke ich dass meine neue Nüchternheit nicht einfach mit Hurra aufgenommen wird, sondern es ganz schön knirscht im Gebälk. Wir sehen uns seltener irgendwie- brauchen beide Zeit für uns…

    Bei anderen Beziehungen ist es doch eher umgekehrt- der Partner trinkt nicht mehr und es wird leichter… hm…kennt es jemand andersrum???

    Gestern Abend ist das erste mal das passiert was ich nur vom Hörensagen kannte und auch hier oft gelesen habe.

    Ich war nochmal einkaufen und bin am Weinregal vorbeigelaufen und zack ein Stich im Bauch- so wie wenn man den Ex mit der Neuen trifft, oder in der Achterbahn nach unten saust. Krass! Warum das erst jetzt das erste Mal passiert ist mir ein völliges Rätsel.

    Vorher hab ich aber auch immer angestrengt geradeaus geschaut und bin schnell vorbei. Diesmal war ich völlig unvorbereitet weil ich nicht dran gedacht hab. Und es war Freitag Abend- früher der schlimmste Abend von allen!

    Ich hab in eine andere Richtung geschaut, mich am Einkaufswagen festgekrallt und bin schnell vorbei.
    Wie viele Wein- und Sektflaschen ich schon gekauft habe! .

    Und wie wenig Altglas ich auf einmal habe- nur noch Marmeladengläser und mal ne Ölflasche.
    Und wie lange ein Samstag sein kann! Ich hab Sport gemacht, aufgeräumt, gekocht, ne Freundin besucht und der Samstag ist immer noch nicht rum! Ha! Das Wochenende hat sich verdoppelt! Und morgen ist immer noch Wochenende.
    Heute Morgen war ich sehr früh wach und bin erst mal mit dem Hund raus. Die Stadt schlief noch und es wehte ein angenehmer leicht kühler Wind. Ich schloss die Augen und hörte die Blätter rauschen. Ich musste mich zusammenreißen nicht laut zu jaulen vor Freude, dass ich das wieder fühlen kann.

    Bin gespannt was noch alles kommt…

    100% der Frauen in Europa trinken im Durchschnitt ca. 3 Gläser Wein (à 200 ml) pro Woche.

    - Ca. 15% der Frauen trinken im Durchschnitt 10 Gläser Wein pro Woche. Das sind die "Vieltrinkerinnen", die wir uns jetzt mal nicht zum Maßstab nehmen wollen. Also nehme ich die raus.

    - Die restlichen ca. 85% der Frauen, an die ich mich jetzt halte, trinken im Durchschnitt 2 Gläser Wein pro Woche.

    Sorry, viel Statistik und Rechnerei, aber für Freaks wie ich in meiner Lage ist es ein kleines Miau.

    Ich habe die Originaldaten nicht finden können aber ich vermute du zitierst hier Quantile. Offenbar gab es eine Kathegorie 0-3 Gläser Wein oder equivalent. Da das die niedrigste ist - also auch Frauen umfasst die gar keinen Alkohol trinken sind 100% aller Frauen mindestens in dieser Kategorie.

    15% der Frauen trinken mindestens 10 Gläser pro Woche (das umfasst auch die, die mehr trinken!) und 85% trinken mindestens oder höchstens (das geht hier nicht hervor) 2 Gläser pro Woche.

    Sonst ergäben die Prozente keinen Sinn. Trotzdem interessiert mich die original Studie.

    Sorry, ein wenig am Thema vorbei aber wollte ich kurz gerade rücken….

    Das ist echt vertrackt. Bei dir löst ein Verhalten Panik aus, das für sie normal ist. Kein Wunder dass du dir ein wenig gewünscht hast hier zu hören, dass das was sie für normal hält eben nicht normal ist. Im Grunde muss eine Partnerin mit dir ähnlich umgehen wie mit einem Alkoholiker, der seine Nüchternheit erhalten will und deshalb Situationen mit Trinkenden meidet. Das einzige was daran komisch ist, ist dass du selbst tatsächlich nicht ganz abstinent lebst, sondern für dich eine kleine Dosis festgelegt hast die du auch bei einer Partnerin passend fändest. Da das Leben kein Wunschkonzert ist passt ihre Dosis nicht zu Deinen Wünschen.

    Ich glaube das beste wäre, wenn ihr zwei mal mit einer neutralen Person darüber sprecht (z.b. eine paartherapeutin aber nicht deine Therapeutin- die gehört dir und darf und soll parteiisch sein für dich). Irgendwo muss es da einen Weg geben der sie nicht verärgert und dich nicht in Panik versetzt.