Der Herr dort war irgendwie überfordert mit mir und den beiden Teenies, obwohl er der Leiter der Beratungsstelle ist. Ich glaube er hat einfach sonst nur mit den Suchtkranken zutun.
Er hat gleich klar gemacht, dass er nur eine halbe Stunde eingeplant hat und er nicht weiß was sein Auftrag sein soll, obwohl ich das bei der Terminvereinbarung ganz klar kommuniziert habe. Mit den Kindern hat er grad mal 3 Sätze gewechselt und ihnen dann ein Filmchen zur Erklärung der Sucht empfohlen. Es war, als hätte er ein bestimmtes Programm abgespult mit den Standartfragen. Auf unser Gesagtes ist er gar nicht eingegangen. Nachdem er verstanden hat, dass ich eigentlich durch bin mit dem Thema kamen so Fragen wie:
„Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie das mit dem Umgangsrecht regeln wollen?“ Eh nein, ich bin noch nicht mal getrennt und die Kinder dürfen da auch noch mitreden.
„Hat er irgend jemanden wo er jetzt hin kann, weil die Alkoholiker haben sonst niemanden. Die sind dann ganz glücklich wenn sie von mir eine Weihnachtskarte bekommen.“ Das kann doch jetzt nicht ernsthaft meine Aufgabe sein, oder?!
„Geht die Beziehung kaputt wegen dem Trinken oder trinkt er weil die Beziehung kaputt ist?“ Was spielt das für eine Rolle?
„Haben Sie ihm schon mal das Messer auf die Brust gesetzt? Vielleicht hilft das zur Einsicht.“Ja klar, nicht nur einmal.
„Warum rufen Sie nicht die Polizei wenn Sie glauben, dass er unter Alkoholeinfluss Auto fährt? Der Führerscheinverlusst würde ihn vielleicht zur Vernunft bringen.“ Was soll ich denn der Polizei sagen? Ich habe gerade mit meinem Mann telefoniert. Ich glaube er ist betrunken und fährt mit dem Auto. Vielleicht steht er aber auch nur irgendwo rum und eigentlich weiß ich gar nicht wo er ist. Bitte nehmen Sie ihm den Führerschein ab, damit ich daheim noch mehr Stress habe und ihn durch die Gegend fahren darf. Soll das mein Problem sein?!
„Warum rufen Sie keinen Krankenwagen, wenn er betrunken hinfällt? Das würden Sie doch bei einem Fremden auf der Straße auch machen, wenn sie nicht wüssten was ihm fehlt. Und er könnte sich ja das Genick brechen.“ Bei einem Fremden auf der Straße weiß ich auch nicht was ihm fehlt. Bei meinem XY weiß ich das er nur betrunken ist. Was wird der Notarzt dann machen? Ah, er hat eine Schürfwunde ist jetzt aber daheim in seinem Bett und kann seinen Rausch ausschlafen.
„Ich lege jetzt mal keine Akte für Sie an oder glauben Sie das Sie noch einmal wiederkommen. Ich würde Ihnen eine Erziehungsberatung empfehlen und eine Beratungsstelle für Scheidung/Trennung.“ Vielen Dank für nichts.
So war es und so hatte ich es mir definitiv nicht vorgestellt.