Alles anzeigenLiebe Carmen!
Ich kann Dir versichern, mit diesen Gefühlen bist Du nicht allein. Es ist wohl bei den meisten Alkoholikern so, dass sie erst dann, wenn es im Grunde schon zu spät ist, zu der Einsicht gelangen, dass der Alkohol in keinster Weise der so vermeintlich gute Freund, der Seelentröster, der Heile-Welt-Erschaffer, die Selbstbewusstseins-Fee und und und ist.
Wenn ich Deine Worte "Aber es ist echt hart wenn man sieht das man schon so viele Chancen hatte und jetzt merkt was man eigentlich so angestellt und verloren hat." lese, dann könnte ich diese 1:1 für mich übernehmen.
Dass sich bei Dir derzeit das Gedankenkarussell dreht, ist nachvollziehbar. Gerade die erste Phase des Trockenwerdens bzw. der Trockenheit, in der man realisiert, was zu nassen Zeiten alles schiefgelaufen ist, ist psychisch natürlich besonders belastend. Was hätte alles sein können, hätte ich nicht getrunken? Welche Freunde / Bekannten hätte ich noch? Welche Familienmitglieder oder Angehörigen hätten sich nicht von mir abgewandt oder von welchen hätte ich mich nicht abgekehrt (was ich jetzt vielleicht nicht mehr rückgängig machen kann)? ... ... ...
Insgesamt eine heftige Zeit im Gefühls- und Gedankenleben von uns Abhängigen. Das ständige Denken an das, was geschehen, verloren ist.
- edit, bitte keine externen Zitate hier im Forum einfügen, danke, Linde -
Was hat uns der Alkohol genommen? Was war früher anders? Was "fehlt"?
Ja, ok, aber machen wir es dann doch einmal anders herum: Denken wir einmal im Hinblick auf die Folgen der Alkoholsucht an das, was wir insoweit "haben": Nennen wir es doch beim Namen: Die Möglichkeit, aus der Vergangenheit (die wir sowieso nicht mehr ändern können) zu lernen und dadurch die Zukunft für uns besser zu gestalten. Bieten nicht auch Ereignisse in nassen Zeiten bzw. deren Konsequenzen (Verlust, Trennung, Lebenswandel etc.) die Chance, Dinge neu zu betrachten und eine neue Lebensweise zu beginnen? Natürlich, zum Lernen und zum Ändern der Lebensumstände braucht es selbstverständlich keinen alkoholbedingten Tiefpunkt. Das geht auch ohne und wäre ohne einen solchen auch viel besser. Bloß ist die Sache mit dem Alkohol nun einmal da und die ist auch nicht mehr wegzubekommen. Damit müssen wir uns abfinden.
Auch wenn es mir (wem schon?) subjektiv betrachtet natürlich nicht gefällt, Eskapaden oder Aspekte der nassen Zeit, mein damaliges Verhalten, meine soziale Geisterfahrt, vor den Latz geknallt zu bekommen, so hilft es mir dennoch, meine Lehren daraus zu ziehen und mein Leben entsprechend zu ändern. Wobei hier auch eine Psychotherapie durchaus Sinn machen kann. Mich stört es z.B. gar nicht, wenn mir meine Psychotherapeutin mein schädigendes Verhalten (bezogen auf mich selbst und mein Umfeld) aufzeigt. Ich denke, gerade hieraus kann man ganz viel für die Zukunft mitnehmen. Im Grunde kann es nach der Erkenntnis, was alles daneben gegangen ist und man sich ganz unten wähnt (was objektiv ja gar nicht sein muss), eigentlich ja nur noch bergauf gehen.
Und wenn nicht nur die Erkenntnis da ist, dass das, was durch den Alkoholkonsum geschehen ist, so vieles beschädigt hat, sondern auch die Einsicht, dass sich etwas ändern muss und auch danach gehandelt wird, dann - glaube ich - besteht doch oft noch die Chance, vieles retten zu können. Ich meine nicht rückgängig machen (das geht nicht), aber zumindest unter neuen Voraussetzungen neu zu beginnen - das kann man schon!
Ein paar Gedanken von mir...
LG, Stef.
Das tat gerade echt gut zu lesen. Ja du hast recht. Ich weiss ja das ich die Vergangenheit nicht mehr ändern kann und das ich es für die Zukunft nur besser machen kann. Trotzdem sind Schuldgefühle da . Zumal wenn ich das leere Zimmer meines Sohnes sehe.
Naja, ich kann nur zeigen das ich mich ändern werde und trocken bleiben und hoffen das unser Verhältnis wieder besser wird.