Beiträge von Paul_

    Ob die Abstinenz an erster Stelle steht, ist für mich eine Überlegung, die nur dann eine Rolle spielt, wenn ich abwägen würde, ob ich wieder anfange.

    Für mich noch weit entfernt, im Unterbewusstsein ist der Alk und das Saufen noch viel zu sehr verankert bei mir. Daher hat es bei mir oberste Priorität.

    Ich würde mir aber wünschen dass ich es irgendwann nicht mehr als Priorität betrachten muss. Einfach weil es wie Hartmut geschrieben hat "in Stein gemeißelt" ist. Wenn das Nicht-Trinken genau so selbstverständlich ist wie Atmen. Atmen hat auch keine Priorität, ich mach es einfach weil es Lebensnotwendig ist, genau wie Nicht-Trinken. Ich bin ehrlich zu mir, soweit bin ich noch nicht.

    Ich sehe mich gerade nicht als nassen Alkoholiker. Bin ich deshalb automatisch trockener Alkoholiker? Ich bin ein Alkoholiker der nicht trinkt. Vielleicht bin ich ja noch "nass hinter den Ohren" weil ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es bis zu meinem Lebensende nie zu einem Rückfall kommen wird. Kein Hintertürchen, nur die realistische Einschätzung in Anbetracht hoher Rückfallquoten und Rückfällen bei einigen, auch nach jahrelanger Abstinenz.

    Wenn es nach der Definition von Bibitor geht bin ich abstinent, aber bin ich wirklich trocken? Als 100% trocken hab ich doch ein Mindest (hasse diesen Begriff) nie wieder zu trinken. Aber kann ich mir da zu 100% sicher sein dass ich nie wieder trinke?

    Hi,

    Wenn es eine Pille gäbe die mich gesund macht, also auf den Zustand vor der Sucht bringt, würde es wohl darauf hinauslaufen, dass ich früher oder später wieder süchtig werden würde, wenn ich denn trinken würde. Ich weiss nicht inwieweit die Lebensumstände mich dazu getrieben haben so viel zu trinken und dann süchtig zu werden, und inwieweit es einfach in mir drin ist. Fakt ist, ich habe als Nicht-Süchtiger diese Karriere gestartet.

    Ich glaube es wäre reizvoll wenn es eine Pille gäbe die mich in einen Menschen verwandelt den es nie zum Alkohol hinzieht. Keine Trigger-Momente und eine Garantie nicht trinken zu müssen. Keine Sorge ob ein Tiramisu mich triggert. Ich sehe das bei einigen Verwandten die in ihrem Leben die Male bei denen sie Alkohol getrunken haben an einer Hand abzählen können. Für die ist Alkohol einfach kein Thema in ihrem Leben. Bei mir ist er ein Thema augrund meiner Sucht und wird immer ein Thema bleiben.

    Hi,

    das mit dem Trinken von anderen Menschen ist so ein Punkt. Es ist mir lieber wenn um mich rum nicht getrunken wird. Zuhause und auf Arbeit kein Problem (bis auf gelegentliche Veranstaltungen am Abend), ist alles stets alk-frei.

    Aber es gibt Gelegenheiten wo es sich nicht vermeiden lässt, dass ich auf Leute treffe die Alkohol trinken. Ja, es triggert mich natürlich und ich denke über Alkohol nach in dem Moment. Der Wunsch zu trinken kommt nicht auf, aber völlig an mir vorbei geht es auch nicht.

    Ich kann es jedoch nicht vermeiden und werde immer wieder in solche Situationen kommen. So ist es nunmal.

    Fakt ist auch, dass so gut wie niemand weiss, dass ich Alkoholiker bin. Das soll auch so bleiben, deshalb können auch andere Menschen um mich herum ruhig trinken. Ich trinke halt nicht, gute Gründe nichts zu trinken gibts genug.

    Zuhause ist mein Safe-Space, Gäste sind selten und die überleben auch ohne Alk, von unserer Seite wird nichts gekauft.

    Das reicht mir. Eine Welt in der es keinen Alk gibt und somit keine Trigger, wäre super für mich, aber leider ist es nicht so. Damit muss ich leben. Ich kämpfe auch nicht dagegen an, ich bin wachsam und mir der Gefahr bewusst. Mehr kann ich nicht machen.

    Ich glaube ein Partner der keinen Alkohol trinkt ist ein Glücksgriff. Für meine Frau ist es kein Problem nichts zu trinken, in den letzten 3 Jahren wars wohl nur einmal wenn ich mich recht erinnere.

    Abend,

    Meine Frau trinkt nicht, muss sie auch nicht. Sie kann zwar, lässt es aber. Zuhause gibt es keinen Alkohol. Wir reden auch nicht über Alkohol es sei denn, es ergibt sich im Gespräch "xy hat mich angerufen und war besoffen" oder es kommt was darüber in den nachrichten.

    Über meine Sucht rede ich nicht mit ihr, wozu auch. A wird sie es nicht verstehen, B ist es meine Sucht. Da tausch ich mich lieber hier aus.

    Wir scherzen, streiten, diskutieren, leben als glückliches Ehepaar zusammen und haben einen geregelten Alltag in dem Alkohol keine Rolle spielt.

    Sie weiss, dass ich Alkoholiker bin aber nimmt Gott sei Dank keine übertriebene Rücksicht darauf.

    Wir brauchen beide keinen Alkohol im Leben. Es könnte nicht besser sein.

    Hi,

    Klingt danach, dass Du im Alkohol deine Lösung für das Problem mit der Angst vor dem Tag und der Interaktion mit Menschen/Situationen gefunden hast. Nur, war es wirklich eine Lösung? Geholfen hat es ja nicht, die Ängste sind noch da. Also weisst Du auch, dass Alkohol diese Ängste nur für ein paar Std. aufschiebt. Mal ehrlich, das bringt doch nichts. Und was Du sicher auch gemerkt hast im Laufe der Zeit, so richtig hat der Alkohol auch nicht mehr gewirkt. Jedenfalls nicht in realen Mengen.

    Damit ich vom Alkohol was spürte wie Euphorie oder Erleichterung, musste ich so dermaßen viel trinken dass ich vorher eher umfiel ehe ich was positives merkte.

    Das schöne ist, ohne Alkohol pendelt sich das ein. Täglich wirds besser, mit höhen und tiefen, aber es wird immer besser. Also zieh es durch. Du hast ja eh keine Wahl, also mach es. Alkohol zu trinken verschiebt das Problem nur auf später und Du wirst wieder bei Null anfangen wenn Du irgendwann wieder beschließt nichts mehr zu trinken.

    Dann lieber jetzt Kurs halten. Es geht doch jetzt schon, und es wird mit der Zeit einfacher.

    Ablenkung und Beschäftigung hilft am Anfang, aber irgendwann ist selbst das nicht nötig, da Du dich mit der Zeit umgestellt hast auf ein Leben ohne Alkohol. Zu 100% wirst Du den Alk nie vergessen, aber er wird in deinem Alltag keine Rolle spielen. Dann bist Du auf dem richtigen Weg. Ohne Alkohol und Druck, ohne Lügen, Scham und Selbsthass endlich wieder ein Leben leben.

    Vergiss nicht, für die kleine Flucht aus dem Alltag und vor der Angst, für die paar Stunden, zahlst Du mit deinem Leben.

    LG,

    Paul

    Hi,

    Für mich funktioniert der im Forum beschriebene Weg wunderbar. Ich vermeide Risiken, bin mir meiner Sucht bewusst, lebe mein Leben mit ihr. Ich hab mich damit abgefunden. Wenn mal der Gedanke an Alk kommt, stell ich mir im Kopf vor wie es nach dem "einen mal" weitergehen würde. Wohl kein Grund nicht auch morgen, übermorgen und über übermorgen zu saufen, bis zum Geht-nicht-mehr. So würde es zu 100% ablaufen. Dieses Gedankenspiel hilft mir.

    Ich bin dem Forum sehr dankbar, schliesslich funktioniert es ja bei mir mit der Abstinenz.

    Auch wenn ich bei Anderen lese wie sie individuelle Wege gehen die scheinbar klappen, ok, dann ist es vlt so, skeptisch bin ich dennoch. Für mich funktioniert der Weg, also warum sollte ich groß daran rumdoktorn.

    Zugegeben nerven mich auch hier manchmal einige Punkte und Ansichten, aber wir sind nunmal nicht alle zu 100% gleich. Wäre wohl auch zu viel verlangt den ultimativen Weg zu finden der für Jede und Jeden 100% passgenau ist.

    In dem Sinne, Danke euch!

    Auch von meiner Seite Herzlichen Glückwunsch! Auch ein bisschen an mich selbst, da es heute genau ein halbes Jahr für mich ist. Das Forum und die Mitglieder spielen bei diesem Erfolg eine zentrale Rolle. Danke dass es euch gibt!

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi,

    dass ich Alkoholiker bin werde ich ganz sicher nicht rausposaunen. Outen kommt für mich in der Öffentlichkeit auch nicht in Frage. Meine Frau, engste Freunde und Familie wissen Bescheid. Das reicht. Jeder der sich selbst fragt ob er ein Alkoholproblem hat oder sich dessen bewusst ist Alkoholiker zu sein, wird schon merken dass ich trockener Alkoholiker bin, genauso wie ich im Bekanntenkreis sehen kann wer ein problematisches Verhalten an den Tag legt.

    Selbst wenn ich mich als trockener Alkoholiker outen würde, könnte das negative Auswirkungen auf meinen Job und mein Umfeld haben. Das Risiko gehe ich auf keinen Fall ein.

    Ich trinke nicht, das ist für mich das wichtigste. Wie der Alkoholiker öffentlich gesehen wird ist mir relativ egal. Ich weiss ja wie es ist. Alle die ich kenne die meiner Meinung nach ein Alkoholproblem haben leben in guten Verhältnissen und kriegen ihr Leben nach aussen hin auf die Reihe, also nichts mit vollgekotzter Penner am Hauptbahnhof.

    Verstehe den Sinn hinter dem Thread nicht so ganz. Ob ich nun verkatert in meinem SUV ins Büro fahre oder mit vollgepisster Hose am Bahnhof Bier trinke ist doch egal. Solange ich nicht erkenne dass ich Alkoholiker bin und nur noch Abstinenz mich retten kann, wird das Bild in der Gesellschaft keinen Einfluss auf mich haben.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi,

    Mit dem Willen war und ist es so ne Sache bei mir. Ich will viele Dinge, kriege sie aber nicht hin. Beim Alkohol wollte ich aufhören und wollte nicht mehr trinken. Gebracht hat es nichts, da ich nunmal süchtig bin. Erst als ich erkannt habe dass das Saufen mein sicherer Tod sein wird, gepaart mit einigen Tiefpunkten, kam der Wille wieder zu leben. Der treibt mich an. Mein Wille zu leben ist wieder da. Gegen den Alkohol bin ich machtlos, akzeptiert. Aber ohne den Willen zu leben ist eine Kapitulation vorm Alkohol für mich nur ein zementierter Weg in den nassen Abgrund. Ich glaube das trifft hier auf einige zu.

    Paul

    Hi in die Runde,

    bei mir war und ist der Ekel vor mir selbst ein funktionierender Motor. Wenn mal Gedanken an Alk kommen, z.B. wenn ich Menschen sehe die voller Genuss bei bestem Wetter sich das ein oder andere Bier reinkippen, denke ich an die zahlreichen Eskapaden die bei mir zwangsläufig auf sowas folgen würden. Da brauch ich keinen Willen. Da brauch ich genauso wenig Willen wie wenn ich meinen Finger in ein Wespennest stecken sollte. Es kommt einfach nicht mehr in Frage. Leider vergisst man gerne mal was nach dem ersten Schluck mit 100% Wahrscheinlichkeit passiert..

    Hallo hopeless,

    vielleicht hilft Dir ein bisschen Input eines Alkoholikers. Nasse Alkoholiker sind häufig sehr gute und überzeugende Lügner, auch und vor allem sich selbst gegenüber. Er wird Dir Alles erzählen was Du hören willst, er kennt dich schliesslich. Seine Motivation ist jedoch reiner Egoismus. "Saufen und Beziehung muss doch irgendwie gehen", ausserdem ist es ganz nett wenn man besoffen ist und jemand anderes ist da. Mag er auch der liebste Mensch sein, aber hier spricht die Sucht. An erster Stelle steht Alkohol und Rausch. Damit muss auch gefälligst jeder klar kommen, denn schliesslich trinkt er ja gerne und andere machen es genauso. Mit dem richtigen Pegel hat man auch immer recht und alle anderen übertreiben es. Die Welt wäre so perfekt wenn mal alle akzeptieren könnten, dass da nichts schlimmes dran ist.

    Aber dann wird man wieder nüchtern. Scheisse. N riesen Haufen von Problemen die man selbst verursacht hat. Also: Probleme so schnell wie möglich lösen. Angehörige belabern, sich entschuldigen, Versprechungen machen, parallel Überlegen wann und wie man endlich wieder was trinken kann, egal wie hoch der Preis und was man versprechen muss, wird ja eh nicht eingehalten. Wozu auch, gegen bisschen Alk ist ja nichts einzuwenden, diesmal nur bisschen aufpassen dass es nicht völlig ausartet. Und wir sind wieder genau da wo wir angefangen haben. Und das immer wieder und wieder...

    Solange er nicht ernsthaft akzeptiert, dass er süchtig ist und seine Sucht stoppen muss, wird sich rein garnichts ändern.

    Er wird sich bereits ausgemalt haben wie es sein wird wenn Du nicht da bist und dass er dann in Ruhe und Frieden saufen kann. Jedoch kommen dann früher oder später klare aber kurze Phasen in denen er kurz einsieht dass er dich nicht verlieren will. Ich mein, simple Frage: Alkohol oder Beziehung? Jeder Nicht-alkoholiker wählt ohne zu zögern die Beziehung. Jeder nasse Alkoholiker überlegt wie er beides, notfalls heimlich, haben kann.

    Er kann es schaffen, er kann es akzeptieren dass er Alkoholiker ist und seine Sucht stoppen, aber nicht indem er genauso weitermacht wie bisher. Und momentan scheint es bei ihm ja zu klappen.

    Denk an dich! Er tut es nämlich nicht.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Guten Abend in die Runde,

    mir ist es ehrlich gesagt noch nicht passiert, dass ich einen alten Bekannten im Laden getroffen habe der von mir eine Wein-Empfehlung haben wollte. Aber ich denke, würde das passieren, würde ich ihm einen Wein empfehlen wenn ich mich gerade damit auskennen würde. Für mich ist Alkohol Gift, für viele hier im Forum auch. Aber eben nicht für alle. Nicht jeder ist Alkoholiker und nicht jeder wird früher oder später Alkoholiker. Also warum sollte ich dann prädigen dass Alkohol für jeden Gift ist. Weiss doch im Grunde auch jeder. Hinzu kommt, die Menge macht das Gift. Fakt ist, für mich persönlich ist es nicht nur Gift, es ist mein Untergang. Das weiss ich und damit muss ich leben. Aber ich muss nicht so tun als wenn Alkohol in meinem Leben nicht existieren würde. Schön wärs für mich, aber leider ist es nicht so. Wenn ich an der Kasse stehe sind die kleinen Flachmänner auf Augenhöhe. Ich kaufe sie trotzdem nicht, gerade weil ich weiss dass das der Anfang vom Ende für mich wäre. Also akzeptiere ich dass sie da sind, und lebe mein abstinentes Leben einfach weiter (Wobei ich mich eh frage, wer ausser einem Alkoholiker kauft sich Wodka in 0.1l Fläschchen beim bezahlen an der Kasse? Wieso ist das erlaubt?).

    Wenn ich auf einen Geburtstag gehe oder mit Freunden Essen, was ehrlich gesagt mehr als selten passiert, sollen die anderen auch gerne Alkohol trinken. ich trinke halt keinen und solange ich deswegen nicht genervt werde a la "Komm, ein Bier geht doch, nur zum anstossen, bla bla bla.." werde ich andere Leute auch nicht belehren. Ich kann mit alkohol nicht umgehen. Wenn andere das können, schön für sie.

    Genauso hat es mich auch immer genervt wenn mir Nichtraucher erklären wie schädlich rauchen ist. Wenn Veganer mir erklären dass Fleisch-essen Mord ist. Radfahrer mir einreden wie ich mit meinem Auto die Umwelt zerstöre. Und und und... Ich belehre ungern andere Leute, es sei denn sie fragen mich explizit nach Rat. Dann gerne, aber dieses Missionieren welches sich in unserer Gesellschaft immer beliebter macht nervt mich. Mindestens genauso wie Fragen warum ich nicht trinke.

    Ich bin Teil dieser Gesellschaft und habe meine Anker. Ich muss damit leben, dass draussen Gefahren lauern. Ich muss auf mich aufpassen und meide alle unnötigen Risiken. Aber ich lebe auch ein normales Leben mit anderen Menschen und mit denen möchte ich so normal es geht interagieren.

    Würde ich wieder Alkohol trinken, dann deswegen weil ich ihn aktiv trinken wollte. Die Flasche wandert nicht auf magische Weise in meinen Einkaufswagen, das Glas wandert nicht einfach so zu meinem Mund. Wenn, dann bin ich das der das macht. Und weil ich Alkoholiker bin, weiss ich was dann passieren wird, ohne wenn und aber. Der totale Absturz. Und das will ich nicht und werde ich nicht zulassen.

    Es ist ein Zwiespalt in dem wohl nicht nur ich mich befinde. Wie weit sich selber schützen und wie weit am Leben teilnehmen in dem Alkohol eine Rolle spielt. Die offensichtliche Risikominimierung ist klar. Kein Alk zuhause, keine Veranstaltung in der es primär ums saufen geht. Danach kommen aber Situationen die nicht klar definierbar als Gefahr sind. Ich würde fast soweit gehen zu sagen, dass eine übertriebene Risikominimierung auch nach hinten losgehen kann. Wenn ich auf einer einsamen Insel leben würde auf der es keinen Alk gibt, würde mich nichts gefährden. Wenn ich dann aber abrupt in der Zivilisation wäre, voller Bars und Alk-Werbung, trinkende Leute, Alk an jeder Ecke, glaube ich wäre es für mich sehr viel gefährlicher als wenn ich vorher schon "trainiert" wäre mit solchen Situationen umzugehen.

    Ich lese auch nicht gerne über alk oder höre mir Podcasts von anderen trockenen Alkoholikern an. Ich weiss ja was Alk für mich ist. Ich muss damit umgehen können. Wenn ich am HBf an den Junkies vorbeigehe die sich auf offener Strasse einen Schuss setzen denke ich auch nicht "Hmm.. einmal kann man ja, ist sicher ganz toll". Da weiss ich doch auch dass das der sichere Tod für mich wäre. Genau wie mit Alk, ebenfalls der sichere Tod für mich. Aber deswegen werde ich nicht die Strassenseite wechseln und wegschauen weil es mich sonst triggert. Wenn das wirklich so wäre und ich nicht einsehen würde dass ich Alkoholiker bin und Alkoholkonsum mein Todesurteil wäre, dann könnte ich mir das ganze hier sparen und in guter Hoffnung erstmal einen saufen gehen.

    Es gibt Situationen die mich triggern, so ist es. Aber es ist mein Lebenswille der dieses Situationen bei einem Trigger belässt.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hallo Oskar,

    auf den Punkt gebracht. Innere Ruhe habe ich mittlerweile gefunden. Keine Gleichgültigkeit, eher eine entspannte Art den täglichen Herausforderungen zu begegnen.

    Und ja, die Tagungen lassen sich gelegentlich nicht vermeiden, aber Risikominimierung so gut es geht ist ein treuer Begleiter. Skepsis hab ich dementsprechend bei einigen Neuankömmlingen auch. Manchmal auch mir selbst gegenüber ;)

    Liebe Grüße,

    Paul

    Guten Abend liebe Forenmitglieder,

    es ist nun etwas länger her dass ich in meinem Thread geschrieben habe, aber mittlerweile sind 5 Monate ohne Alkohol rum. Ich fühle mich gut.

    Während der letzten Zeit habe ich immer hin und wieder über die Zeit davor nachgedacht, aber auch nicht endlos gegrübelt. Fast schon mit einem Lächeln und einem Kopfschütteln fragend, wie konnte ich es nur so lange soweit kommen lassen. Ist nunmal so, ich habe nach vorne geschaut um wenigstens dieses mal was draus zu lernen und nicht wie die male davor überzeugt zu sein, ich wüsste es eh besser.

    Ich war dem Forum natürlich nicht abhanden gekommen und habe meistens mindestens einmal am Tag vorbeigeschaut. Dabei habe ich vermehrt die Geschichten der Cos gelesen und mich, wie viele andere hier sicher auch, in der ein oder anderen (in vielen) wiedererkannt. Da kann ich fast nur sagen, gut, dass ich es noch rechtzeitig geschafft habe ernsthaft die Richtung zu korrigieren und fast schon ein Wunder, dass meine bessere Hälfte noch da ist.

    Was mir besonders bei den Geschichten der Cos aufgefallen ist, ist die mangelnde Einsicht des Alkoholikers, dass er ein Problem hat. Ich kann mich da nur zu gut reinversetzen und weiss wie ich gehandelt hätte. Genau so. Null Einsicht, lasst mich alle in Ruhe, ich hör schön auf wenn mir danach ist, es ist nur Alkohol, machen andere ja auch, ist mir egal ob euch das gefällt, wenns euch nicht passt dann geht doch, ich brauche euch nicht solange ich mich und meinen Alk habe.

    Jetzt nach 5 Monaten kann ich dieses Gefühl immernoch nachempfinden. Es ist nicht so als wenn ich auf diese Zeit voller Unverständnis blicke, ich verstehe sie sogar sehr gut, fast so als wenn es gestern oder immernoch so wäre. Diese Seite an mir ist nicht weg, ganz im Gegenteil, sie ist in greifbarer Nähe. Man könnte sagen, eine Armlänge zum Glas weit entfernt. Es ist schon merkwürdig sich einzugestehen, dass 2 Personen in einem Körper leben. Der nasse und der trockene Alkoholiker. Es liegt jetzt einzig in meiner Verantwortung, welche Person den Ton angibt. Beide sind laut wenn Sie erstmal zu Wort kommen. Ich verstehe diesen Satz "nur ein Glas entfernt" immer besser. Würde ich jetzt nur ein Glas trinken, wäre der nasse Alkoholiker wieder am Zug. Einen sehr langen Zug.

    Mit der Zeit ist auch meine Bewunderung für dieses Forum gewachsen. Es ist für mich eine Konstante. Ich weiss was mich hier erwartet, ich weiss woran ich bin, und vor allem weiss ich, dass hier nichts weichgespült wird. Danke dafür!

    Nun noch kurz ein Update:

    1. Die Gedanken an Alkohol sind sporadisch. Sie sind täglich da, aber 99% der Zeit denke ich nicht an Alkohol. Er spielt keine Rolle in meinem Alltag. Ganz verschwunden ist er aber bei weitem nicht, da reicht schon eine Bier-Werbung im Fernsehen und ich erinnere mich wieder.

    2. Süssigkeiten sind weniger geworden, aber ich esse dennoch gerne unnötigen Zucker-Krams. Dennoch merklich weniger als am Anfang.

    3. Schlaf, Gesundheit, Hautbild, Haare, alles hat sich positiv entwickelt. Könnte auch daran liegen, dass ich mehr wert auf mich lege als früher.

    4. Ehe ist wie ne Ehe nunmal ist. Harmonisch mit den obligatorischen Gewitterwolken von Zeit zu Zeit. Nur dass ich jetzt nicht in 99% der Fälle der Grund für Streit bin.

    5. Soziales Umfeld hat gelitten. Ein paar gute Freunde sind da, mit denen läuft es auch super. Viele haben mir den Rücken gekehrt. Ob das an der Distanz liegt, kein gemeinsamer Alltag, oder weil ich es besoffen bei einigen gegen die Wand gefahren habe. Sicher ne Mischung aus allem, aber so ists nunmal. Den Preis muss ich zahlen und ich kann niemandem verübeln keinen Bock mehr auf mich zu haben.

    Das wäre das Wichtigste kurz zusammen gefasst.

    Für die die neu im Forum und am Anfang ihres abstinenten Lebens sind habe ich noch einen kleinen Rat: Die Euphorie am Anfang ist unheimlich stark, lässt aber mit der Zeit nach. Es scheint danach nichts mehr zu kommen, ausser der Tatsache dass man nun das gleiche Leben wie vorher hat, nur ohne Alkohol und der einhergehenden negativen Begleiterscheinungen. Dem ist jedoch nicht so! Es ist so viel mehr was sich massiv verändert, man muss eben nur genau hinsehen. Mit der Zeit sieht man es ganz deutlich. Nur nicht wegschauen ;)

    Schönen Abend und liebe Grüße,

    Paul

    Hallo Arno,

    Du hast nen super Schreibstil, gerade das trockene wie in einem "Polizeibreicht" liest sich für mich sehr gut. Denk mal an Homo Faber ;)

    Mach Dir nichts draus wenn einige Leute deine Texte falsch verstehen. Du hast dein Ziel vor Augen und schlägst dich wacker, jeder der das gleiche Ziel hat ist schlau wenn er versucht etwas aus deinen Texten für sich mitzunehmen. Und ja, es wir immer Leute geben die alles besser wissen und auf Krawall gebürstet sind. Ignorier es einfach, Du bist nicht hier um dich provozieren zu lassen sondern um trocken zu leben.

    Also mach weiter so, ich lese gerne bei dir und nehme das ein oder andere für mich mit auf den Weg.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Hi in die Runde,

    das scheint mir eine mehr als ernste Situation zu sein. In diesem Fall kann ich nur folgendes empfehlen:

    1. Die Schwiegermutter sollte den Schlüssel ansich nehmen und dafür sorgen, dass der Schwiegervater nicht an die Waffen rankommt.

    2. Bei der Polizei schriftlich melden und protokollieren. Der Schwiegervater scheint ja nicht geeignet zu sein mit Waffen umzugehen, ergo sollte geprüft werden ob er seine Waffenbesitzkarte und die Waffen abgeben muss. Das sollte jedoch die Polizei ins Rollen bringen. Wenn sich das ganze aufm Land abspielt wo jeder jeden kennt (Polizei drückt auch mal n Auge zu) würde ich das an die nächst höhere Instanz melden.

    3. Anwalt kontaktieren.

    Wenn deine Schwiegermutter den Schlüssel ansich nimmt, dürfte ihr im Grunde nichts passieren, sofern es sich um eine kurzfristige Maßnahme zur Gefahrenabwehr handelt. Das wird euch aber ein Anwalt sicher erklären.

    Ansonsten viel Kraft in dieser nervenaufreibenden Situation.

    Liebe Grüße,

    Paul