Guten Morgen,
Es läuft weiterhin alles stabil. Mit der Zeit immer stabiler, das freut mich.
Mir ist aufgefallen, dass ich nicht jünger werde, im positiven Sinn. Ich neige dazu immer alles schaffen zu wollen. Im Beruf, in der Familie, bei meinen Hobbys, wirklich bei allem. Das endet für gewöhnlich in zig angefangenen Dingen, kaum eins wirklich zu Ende gebracht. Das frustriert.
Der Satz "Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon" fiel hier schon häufiger in Bezug auf Abstinenz. Aber er passt auch wunderbar auf alles andere. Ich muss nicht alles schaffen, es reicht wenn ich mich auf die Dinge konzentriere die wichtig sind und die ich gut kann, diese dann aber auch erfolgreich bewältige. Den Rest KÖNNTE ich machen, werde ich aber nicht.
Ich bin in meinem Job sehr gut, das fordert und belohnt mich. Den Rest der Zeit verwende ich für Familie und für EIN Hobby. Nichts mehr mit alles schaffen, immer wieder neues anfangen weil ich ja mein Leben noch vor mir habe und es noch so viel gibt was ich tun muss.
Ich werde niemals Profi-Fussballer oder ein begnadetet Pianist, der Zug ist abgefahren. Aber das ist ok, ich kann damit jetzt gut leben. Ich verwende meine Zeit für einige wenige Dinge, mache die aber dafür sehr gut, den Rest hingegen fange ich garnicht erst an und bin damit zufrieden.
Das ist der entscheidende Punkt. Ich bin damit zufrieden nicht alles zu machen. Ich habe mir früher viel Druck auferlegt, alles zu machen was ich machen kann. Wenn ich etwas nicht anfing oder nicht schnell zu ende brachte, kam Frust auf. Dieser wurde irgendwann in Alk ertränkt und ich erreichte noch weniger, schaffte nichts, was in noch mehr Frust und noch mehr Alk endete.
Durch die trockene Zeit und dieses Forum habe ich viel gelernt, vor allem über mich. Mir hilft es zu verstehen wieso ich in diese Sucht geraten bin. Ein Faktor ist eben vieles zu tun, nichts zu beenden, ergo kein Belohnungsgefühl, ergo Belohnung wo anders holen, Alk.
Das zu ändern ist für mich keine Heilung, aber es ist eine Risikominimierung. Ich lerne einen Weg mir mein Glück zu erarbeiten und nicht es in der Flasche zu suchen.
Die Folge ist: ich bin stabil, abstinent und fühle mich gut. Das reicht mir.
Liebe Grüße,
Paul