Beiträge von Paul_

    Guten Morgen,

    Es läuft weiterhin alles stabil. Mit der Zeit immer stabiler, das freut mich.

    Mir ist aufgefallen, dass ich nicht jünger werde, im positiven Sinn. Ich neige dazu immer alles schaffen zu wollen. Im Beruf, in der Familie, bei meinen Hobbys, wirklich bei allem. Das endet für gewöhnlich in zig angefangenen Dingen, kaum eins wirklich zu Ende gebracht. Das frustriert.

    Der Satz "Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon" fiel hier schon häufiger in Bezug auf Abstinenz. Aber er passt auch wunderbar auf alles andere. Ich muss nicht alles schaffen, es reicht wenn ich mich auf die Dinge konzentriere die wichtig sind und die ich gut kann, diese dann aber auch erfolgreich bewältige. Den Rest KÖNNTE ich machen, werde ich aber nicht.

    Ich bin in meinem Job sehr gut, das fordert und belohnt mich. Den Rest der Zeit verwende ich für Familie und für EIN Hobby. Nichts mehr mit alles schaffen, immer wieder neues anfangen weil ich ja mein Leben noch vor mir habe und es noch so viel gibt was ich tun muss.

    Ich werde niemals Profi-Fussballer oder ein begnadetet Pianist, der Zug ist abgefahren. Aber das ist ok, ich kann damit jetzt gut leben. Ich verwende meine Zeit für einige wenige Dinge, mache die aber dafür sehr gut, den Rest hingegen fange ich garnicht erst an und bin damit zufrieden.

    Das ist der entscheidende Punkt. Ich bin damit zufrieden nicht alles zu machen. Ich habe mir früher viel Druck auferlegt, alles zu machen was ich machen kann. Wenn ich etwas nicht anfing oder nicht schnell zu ende brachte, kam Frust auf. Dieser wurde irgendwann in Alk ertränkt und ich erreichte noch weniger, schaffte nichts, was in noch mehr Frust und noch mehr Alk endete.

    Durch die trockene Zeit und dieses Forum habe ich viel gelernt, vor allem über mich. Mir hilft es zu verstehen wieso ich in diese Sucht geraten bin. Ein Faktor ist eben vieles zu tun, nichts zu beenden, ergo kein Belohnungsgefühl, ergo Belohnung wo anders holen, Alk.

    Das zu ändern ist für mich keine Heilung, aber es ist eine Risikominimierung. Ich lerne einen Weg mir mein Glück zu erarbeiten und nicht es in der Flasche zu suchen.

    Die Folge ist: ich bin stabil, abstinent und fühle mich gut. Das reicht mir.

    Liebe Grüße,

    Paul

    Guten Mittag,

    kleines Statusupdate: Mittlerweile sind über 9 Monate rum. Der genaue Tag spielt für mich eine untergeordnete Rolle, schliesslich werde ich ja nie wieder trinken, das ist auch keine bestimmte Zeit.

    Gedanken an Alk sind im Vergleich zu früher selten geworden, es gibt Tage da denke ich null dran, als wenn es auf der Welt keinen Alkohol gäbe. Nun, in meiner Umgebung gibt es auch keinen, keine Alk-Freunde. Alk-freies Zuhause ist wirklich hilfreich.

    Ich träume nicht mehr von Alk, denke aber kurz nach, was ich wohl heute vor einem Jahr gemacht habe, sicher besoffen oder auf dem Weg dahin.

    Was ich erst lernen musste ist, einfach mal zur Ruhe zu kommen. Dass es ok ist mal nichts zu machen. Saufen war ja zunächst ein Zeitvertreib, dann Sucht, aber wozu soll ich die Zeit jetzt vertreiben? Klingt vlt. banal, aber spätestens Abends musste ich den Tag ja irgendwie "würdevoll" abschliessen. Ohne Saufen war es ein verlorener Tag. Dann saufen bis es nicht mehr geht und ich ins Bett falle.

    Aber ich blicke nach vorne, sieht besser aus als die letzten Jahre die ich im Klo runtergespült habe, fühlt sich heute zumindest so an.

    Bin also weiter auf Kurs und freue mich auf die Zukunft, die ich selbst gestalte und nicht mein Suchthirn.

    Euch einen frohen Valentinstag!

    Liebe Grüße,

    Paul

    Abend,

    danke für die Denkanstöße, ich beherzige Sie. Es ist natürlich die Sucht die solche Gedanken produziert, das wird sie auch immer mal wieder tun. Dagegen komme ich nicht an, ich kämpfe da auch nicht gegen an. Den Kampf verliere ich. Also akzeptiere ich es, lass die Sucht reden, die Gedanken zu Ende spinnen und dann ist es auch gut. Solange das Ergebnis ist, dass ich nichts trinke, bin ich gut gefahren.

    Momentan ist es wie ein Gefühl einfach aufgegeben zu haben, aber ein befreiendes Gefühl. Ich kämpfe einfach nicht mehr und halte mich an meine Regeln. Für mich funktioniert es, jeder hat wohl seinen Weg.

    LG,

    Paul

    Danke, dir auch.

    Die Gedanken suche ich mir nicht aus, sie kommen. Ich sehe nur zu dass es bei den Gedanken bleibt. Ich bin da realistisch. Ich habe jahrelang heftig gesoffen, wär ja nur zu schön wenn ich nach nicht mal einem Jahr abstinenz so weit wäre dass ich mir keine Gedanken machen würde a la was wäre wenn..

    Ich sehe aber auch immer mehr, dass ich abstinent nichts verpasse. Es ist wirklich das Gegenteil. Früher Wunschdenken, jetzt kommt es immer mehr bei mir an.

    Hallo an alle,

    Kleines Update, die Gedanken an Alk sind wirklich selten geworden, gab auch schon Tage an denen ich garnicht an Alkohol gedacht habe. Träume sind auch trocken, dafür auf andere Weise z.T. skurril.

    Wenn ich bei der Arbeit gut gefordert bin schaffe ich alles, wäre zur nassen Zeit sicher nicht möglich gewesen. Den Unterschied sehe ich.

    Manchmal überlege ich, wie es wäre, jetzt, wo alles so gut läuft, einen zu saufen. Ich ziehe es nicht in Erwägung, stelle mir nur die Situation vor. Bin mir dann sicher, dass alles was ich mir aufgebaut habe spätestens in einem Monat zunichte wäre. So ist es.

    Das sind die kurzen Gedanken die immer seltener kommen. Ich bin glücklich, suche mir Herausforderungen die ich meistern kann, habe Erfolgserlebnisse, mache weiter.

    Im Forum bin ich nicht mehr so aktiv, nehme hier das für mich mit was ich brauche um nüchtern zu bleiben. Denke wohl auch deswegen weniger an Alk weil mich dieses Forum nunmal zwangsweise daran erinnert.

    Also nochmal Danke an alle und weiter gehts.

    LG,

    Paul

    Hi,

    ständig müde und kaum Leistung, sicher nicht wegen Alk.

    Ständig Dünnpfiff und Magenschmerzen, sicher nicht wegen Alk.

    Schlechte Haut, rote Flecken, sicher nicht wegen Alk.

    Erkältungen die ewig dauern und blaue Flecken die nicht weg gehen, sicher nicht wegen Alk.

    Es ist schon beachtlich wie lange die Liste werden kann und wie gut man es verdrängt. Jetzt wo das alles plötzlich weg ist wird umso klarer wie sehr man sich die Sucht schön geredet hat. Ich nehm es als zusätzliche Motivation da ich sie jeden morgen ohne Verachtung im Spiegel sehe.

    LG,

    Paul

    Aber es muss doch einen Grund geben, warum sich viele Alkoholiker nach einer Therapie trennen und nicht vorher. Hatten sie vorher nicht den Mut und haben lieber getrunken? Waren sie nicht zufrieden mit ihrem Leben und anstatt es zu ändern, haben sie getrunken?

    Hi Julia,

    Ich kann es Dir nur aus meiner Perspektive berichten, aber vielleicht hilft es Dir ja. Als nasser Alkoholiker hab ich mir für alles die Schuld gegeben und mich selbst als wertlos gesehen. Durch diese Unsicherheit ordnet man sich unter und akzeptiert alles was der Partner vorgibt. Besonders in der Phase zwischen aufwachen und wieder trinken. Wieder auf Pegel war es mir dann egal, oder zumindest egaler, aber ich wusste immer, dass das was ich tue nicht richtig ist, dass ich die falschen Entscheidungen treffe (das Sucht keine Entscheidung ist, lernte ich später).

    Und nur weil ich Alkoholiker bin heisst das nicht dass jede Entscheidung die ich treffe falsch ist, und jede Entscheidung die meine Frau trifft richtig. Aber das spielt in der nassen Zeit keine Rolle, da ich mich als wirklich den Letzten sah, der sie kritiesieren konnte.

    Was auch stimmt, manches Verhalten hat mich an ihr genervt, das wurde dann mit Alkohol auf "egal" gestellt.

    Jetzt wo ich trocken bin, habe ich mich verändert. Dazu kommt auch ein Selbstbewusstsein welches mir erlaubt Verhaltensweisen oder Entscheidungen mit dene ich nicht einverstanden bin offen zu benennen.

    Bei uns funktioniert es, wir sind beide nicht perfekt, aber es passt. Auch wenn wir ab und zu aneinander geraten.

    Wäre das jetzt jedoch soviel, dass ich sehe es bringt nichts mehr, da wird sich nichts ändern, damit will ich nicht leben, mit ihr will ich nicht zusammenleben, dann würde ich vermutlich gehen. Wieso nicht vorher? Weil ich jetzt einen klaren Kopf habe und nicht befürchten muss die Sache falsch zu bewerten aufgrund von Alkohol.

    LG,

    Paul

    Abend,

    Was Gewalt angeht, nein. Ich hab noch nie besoffen irgendwen geschlagen. Auch nüchtern ist das wohl bisher nur 3 mal in meinem Leben passiert. Verbal, das kam tatsächlich häufiger vor. Besonders besoffen. Vielleicht ist das Paradoxe dass ich besoffen nicht gut diskutieren konnte, mir die Argumente ausgingen und ich emotional wurde. Nun bin ich, auch durch den neuen Beruf, in einer Position in der ich mich mit verbalen Argumenten durchsetzen muss, und das klappt nüchtern sehr gut.

    Ich bin beim Thema Gewalt gegen Frauen sensibler als bei anderen Themen, da das für mich einfach DAS No-Go ist, egal ob voll oder nüchtern. Deshalb der für meine Art unübliche Rundumschlag. Wenn ich solche Geschichten lese, werde ich traurig und wütend. Wenn dann mein Text editiert wird, ok, sehe es ein. Dann aber nochmal wegen nun wirklich nichts wildem, ok, Regeln sind Regeln. Aber zu guter letzt noch der Kommentar, der meine Absicht kein Schimpfwort zu verwenden mit "Du willst kein Edit, hast trotzdem eines bekommen. Bitte nicht ausreizen..." quitiert, hat mich jetzt echt vor den Kopf gestoßen.

    LG,

    Paul

    Es wurde ja auch sofort von Cos als Alkoholikerbeschimpfung missverstanden.

    Nun, es bezog sich auf die Gewalt, nicht auf den Alkoholiker. Aber falls es missverstanden wurde, mein Fehler. In dem Fall danke fürs editieren. Generell ist es nie meine Absicht einen Alkoholiker zu beleidigen nur weil er Alkoholiker ist. Das Verhalten eines Alkoholikers aber entsprechend zu benennen "verhält sich besoffen wie xx" habe ich jetzt nicht als Beleidigung der Person gemeint. Zudem gibt es auch genügen Nicht-Alkoholiker die sich benehmen wie xx. Finde ich genauso schlimm.

    Soviel Wind wollte ich jetzt in die ganze Geschichte nicht blasen. Eher nur deutlich machen dass eine gewalttätige Beziehung mit nichts zu rechtfertigen ist.

    LG,

    Paul

    Abend,

    Dass Du auch noch das gerade editiert hast, was auf mich bezogen war und eher von einem 8 Jährigen verwendet würde, hätte ich wirklich nicht erwartet. Meiner Meinung nach reagierst Du jetzt wirklich kindisch, trotzig. Nun gut, belassen wir es dabei und zurück zum Thema: ein trockenes Leben.

    LG,

    Paul

    Hi,

    das ist lieb dass Ihr fragt, wollte schon bei mir schreiben, bin aber nicht dazu gekommen. Jahreswechsel ging komplett unspektakulär vonstatten, vorm fernseher mit meiner Frau. Gedanken an Alk habe ich selten, obwohl ich an Neujahr gedacht habe "wieviele Leute haben jetzt nen Mordskater.. und ich fühl mich fit".

    Habe mir mittlerweile Hobbys gesucht und erledige einfach Dinge im Haushalt oder auf Arbeit die ich sonst immer aufgeschoben hab.

    Kurz gesagt, ich bin glücklich. Weiterhin abstinent bin ich natürlich auch.

    Zu dem Post: dass das ein Schimpfwort sein soll ist schon bisschen sehr streng. Da werden hier in anderen Posts härtere Wörter verwendet. Desweiteren verstehe ich nicht wie man sich an meiner audsrucksweise stören kann wenn der geschilderte Sachverhalt so heftig ist. Was ist der Typ denn bitte dann? Ein liebenswerter Mensch der nur gewalttätig wird wenn er gesoffen hat? Für jemanden der sich in einer toxischen Beziehung mit einen gewalttätigen Partner befindet und nicht weiss ob sie nicht vlt mitschuld trägt an seinenäm Verhalten, ist so eine Zensierung meiner Beiträge nur Öl ins Feuer. Man soll ihn also nicht so bezeichnen wie ich ihn bezeichnet habe weil? Weil er es nicht ist?

    Wie dem auch sei, ich teile eure Meinung nicht, für mich ist er mehr als das was ich geschrieben habe und genauso wie ich mich selbst als edit (wir wollen ja keinen edit) bezeichnen kann als ich noch gesoffen habe, finde ich dass man das Kind auch ruhig mal beim Namen nennen kann.

    Falls ich gegen Forenregeln verstoßen habe, werde ich es mir für die Zukunft merken und weicher schreiben.

    LG,

    Paul

    Hallo,

    Willkommen im Forum. Schlimme Geschichte, wirklich Schlimme Geschichte. Wohl kein Einzelfall, leider, aber mehr als genug um mit sonem saufenden Stück Dreck nie wieder was zu tun zu haben. Alle anderen sind Schuld, er säuft ja schliesslich nur und haut zu. Wer so unausgereift und unsicher ist dass er meint es sei ok im Suff seine Freundin zu schlagen und dann noch denkt mit nem "ich liebe dich" ist alles wieder gut, hat nichts in einer Beziehung verloren. Mach einen riesen Bogen um den Typen, fang garnicht mit ihm an und seh zu, dass er aus deinem Leben verschwindet.

    Du kannst ihm nicht helfen! Er ist Alkoholiker, der Alkohol ist ihm am wichtigsten. Jedem nassen Alkoholiker ist der Alk am wichtigsten. Du bist nur Beiwerk. Viele PartnerInnen wollen helfen, es ist zwecklos und wird dich am Ende nur emptional ruinieren.

    Mal abgesehen davon, dass er wohl noch ne ganze Menge mehr Probleme hat.

    Es wird niemals der Tag kommen an dem er dir dankbar sein wird, dass Du ihn trocken gemacht hast und er jetzt ein problemfreies Leben führt, dank Dir. Absolut No Chance.

    Also alles richtig gemacht. Selbst wenn er obdachlos wird, nicht dein Problem. Er ist erwachsen und ne eigene Wohnung halten zu können kann man von nem Erwachsenen erwarten.

    Mir wird echt anders wenn ich an sonen Abschaum denke der dich ausnutzt und dann noch schlägt. Schäbig.

    Ich wünsche Dir Kraft das durchzuziehen und standhaft zu bleiben. Hilfe findest Du hier. Andere Mitglieder haben ähnliches erlebt und sind aus der Hölle in ein glückliches Leben gekommen.

    Abend!

    Die Gedanken kenne ich nur zu gut, sicher jeder hier in unterschiedlichem Ausmaß.

    Was mir immer geholfen hat war an den nächsten Schritt zu denken. Saufdruck, ok, ich trinke jetzt meinen Vodka. Der Rausch fährt rein, dann trinke ich weiter, denn jetzt mach ich nur ne wohlverdiente Pause vom Abstinent sein, hab mir ja auch ne Belohnung verdient, besonders weil ich im Schnitt weniger saufe als 99% der Bevölkerung. Dann schon ordentlich dabei, die Sachen machen die ich besoffen immer gemacht habe: musik hören, diskutieren, usw... Irgendwann voll wie nichts gutes ins bett fallen und einschlafen. Ende.

    Aufwachen. Was jetzt? Nichts, kein kater, mach meinen kram und bin ab jetzt wieder Abstinent. Abend. Naja, hat ja gut geklappt gestern, dann heute noch runde 2 und dann ist wirklich schluss.

    Und so geht das dann wieder tag für tag bis ich hier wieder auftauche weil ich nicht mehr kann und am ende bin. Genau wie die male zuvor, wo es auch nicht klappte mal einen abend, der guten Zeiten willen, zu bechern. Es endet immer im gleichen Schema, nur mit verheerenderen Konsequenzen. Es geht immer noch schlimmer.

    Und wofür? Für den kurzen Rausch, die paar minuten nach dem ersten Schluck.

    Finde dich damit ab, dass diese illusion von ruhe und Zufriedenheit beim saufen eben nur eine kurze flucht vor der realität ist. Mehr nicht. Das heisst dieses Gefühl was Du bekommst ist nur ein fake. Nichts wird besser, alles wird nach paar std wiederkommen, nur heftiger. Noch mehr saufdruck, noch mehr probleme, und ein noch tieferer Abgrund. Zu melodramatisch? Dann frag dich selbst was wohl nach einem Glas passiert.

    Das Leben ist nüchtern langweilig? Kann es sein, muss es aber nicht. Ist besoffen dummes zeug machen und sich peinlich zu benehmen besser?

    LG,

    Paul

    Abend,

    Ich fühle mich trocken wenn ich nicht an Alkohol denke geschweige denn ihn zu trinken. Schritt für Schritt gehe ich jetzt andere Dinge an, beispielsweise Ernährung. Das war zur nassen Zeit kein Thema, zur abstinenten Zeit nachrangig, jetzt wird es angegangen. Da ist so gar kein Platz für Alkohol, das fühlt sich trocken an. Kein Leichtsinn, nur langsam habe ich es wirklich akzeptiert dass ich gegen meine Sucht nicht gewinnen kann. Und wenn ich schon mit ihr Leben muss, dann richte ich jetzt mal paar andere Baustellen.

    Aber ob ich wirklich trocken bin? Ich fühle mich trockener als noch vor 3 Monaten.

    Hi Fortune,

    auch Dir frohe Weihnachten!

    Das Gefühl etwas zu verpassen, sein Leben nicht richtig frei leben zu dürfen, nicht trinken zu dürfen während die anderen Spass ohne Ende haben war am Anfang stets ein Begleiter. Ich habe wie Du schreibst keine dieser Stories miterlebt die von "richtigen" Alkis erzählt werden, a la Ehe in den Sand gesetzt, besoffen Unfall gebaut, in der Ausnüchterungszelle aufgewacht, und und und...

    Bei mir war es die tägliche Belohnung den Tag überstanden zu haben und endlich abschalten zu dürfen. Da wurde schon auf den letzten Metern vom Supermarkt nachhause der erste Drink direkt aus der Wodkaflasche verköstigt. Ausserdem musste ich ja planen: nicht zu spät anfangen, weil ich sonst bei meiner benötigten Dosis am morgen noch besoffener wäre als ich es ohnehin schon war (ohne es zu merken).

    Jeder von uns hier ist Alkoholiker, da spielt das Getränk und die Menge eine untergeordnete Rolle. Was hier sicher alle gemein haben ist, dass sich das Leben um den Alkohol drehte.

    Ich konnte mir ein Leben völlig ohne Alkohol nicht vorstellen. Wozu auch, jeder trinkt doch. Aber ein richtiges Leben war das schon lange nicht mehr. Der Alltag inkl. Beruf lief gut, aber auch nur so gut wie nötig um anschliessend bechern zu können. Es war eher ein umgekehrtes Leben. Besoffen war ich lebendig, nüchtern war die nervige Zeit bis ich wieder saufen konnte. Alles was scheisse war, arbeiten, Papierkram, Haushalt, usw. war das nervige Leben das ich um 17 Uhr beenden konnte um dann 5 Std lang eine Flasche Hartalk zu leeren bis ich endlich ins Bett fiel und einschlief.

    Nur, was ist das Bitte für ein Leben? Tag für Tag ohne Aussicht dass sich was ändert. So geil wie früher hat der Alk auch nicht mehr geknallt und gesundheitlich merkte man es auch langsam. Ich wusste dass es so nicht weiter gehen kann. Ich wollte ein Leben ohne Alk, aber am besten mit dem Besoffensein.

    Stell dir die Frage, ob Du nicht mehr aus deinem Leben rausholen willst als nur von Rausch zu Rausch zu leben. Es geht nämlich. Als ich Anfang Mai hier meinen Thread eröffnet habe, hätte ich nicht gedacht dass es sich so sehr zum positiven ändert. Kein Verstecken, keine Peinlichkeiten, keine Filmrisse, keine Sorgen ob der Alk für heute reicht, keine Abhängigkeit von einer Flüssigkeit.

    Ich habe mittlerweile echt Spass am Alltag, auch wenn er unspektakulärer erscheint. Und ich vermisse das Besoffensein nicht. Die Zeiten in denen ich voll auf Sendung mit Leuten irgendwo unterwegs war waren nicht alle schlimm, aber es reicht einfach. Ich hatte meinen "Spass", Zeit für was neues, Zeit für etwas was ich kontrollieren kann.

    In dem Sinne, du verpasst nichts wenn Du nüchtern bist. Staubtrocken ist es auch nicht. Es ist eher das Gefühl wieder die Kontrolle über sein Leben zu haben.

    Weihnachtliche Grüße,

    Paul

    Ob die Abstinenz an erster Stelle steht, ist für mich eine Überlegung, die nur dann eine Rolle spielt, wenn ich abwägen würde, ob ich wieder anfange.

    Für mich noch weit entfernt, im Unterbewusstsein ist der Alk und das Saufen noch viel zu sehr verankert bei mir. Daher hat es bei mir oberste Priorität.

    Ich würde mir aber wünschen dass ich es irgendwann nicht mehr als Priorität betrachten muss. Einfach weil es wie Hartmut geschrieben hat "in Stein gemeißelt" ist. Wenn das Nicht-Trinken genau so selbstverständlich ist wie Atmen. Atmen hat auch keine Priorität, ich mach es einfach weil es Lebensnotwendig ist, genau wie Nicht-Trinken. Ich bin ehrlich zu mir, soweit bin ich noch nicht.

    Ich sehe mich gerade nicht als nassen Alkoholiker. Bin ich deshalb automatisch trockener Alkoholiker? Ich bin ein Alkoholiker der nicht trinkt. Vielleicht bin ich ja noch "nass hinter den Ohren" weil ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es bis zu meinem Lebensende nie zu einem Rückfall kommen wird. Kein Hintertürchen, nur die realistische Einschätzung in Anbetracht hoher Rückfallquoten und Rückfällen bei einigen, auch nach jahrelanger Abstinenz.

    Wenn es nach der Definition von Bibitor geht bin ich abstinent, aber bin ich wirklich trocken? Als 100% trocken hab ich doch ein Mindest (hasse diesen Begriff) nie wieder zu trinken. Aber kann ich mir da zu 100% sicher sein dass ich nie wieder trinke?