• Guter Tag heute.

    Es kam der Reha-Termin mitsamt Hinweis, dass im Einzelzimmer Besuch übernachten darf und E-Bikes mitgebracht werden dürfen.
    Sind noch ein paar Wochen hin, aber jetzt kann ich planen.

    Dann war ich beim Neurologen.
    Rezept holen blablabla.

    Kurze Frage an ihn, ich habe festgestellt, als ich neulich wegen Schmerzen kaum laufen konnte, dass ein ziemlich harmloses rezeptfreies Schmerzmittel dagegen hilft.
    Natürlich hinke ich dann trotzdem durch die Gegend, aber immerhin tuts nicht weh.
    Auf jeden Fall, das Schmerzmittel ist unbedenklich und ich nehme es auch weiterhin nur im Notfall. Spricht nichts dagegen.

    Und wenn ich Verlängerung bei der Reha will, was ich mir durchaus überlege, soll ich mich bemühen, ein bisschen leidender zu wirken.
    Ab und zu die Mundwinkel ein bisschen runterziehen.

    Der Rest, er soll mich ja angucken, Antwort auf die Frage, wie es mir geht:
    Normal gut.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hey LK,

    das sind ja gute Nachrichten. Freut mich für Dich auch das Du jetzt für den Notfall etwas für die Schmerzen gefunden hast. Das hörte sich bei Dir diesbezüglich echt nicht schön an.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Update hier.

    Die Reha steht vor der Tür und die Spannung steigt.
    Ich musste ca. 20 Seiten Fragebogen zu meinem Gesundheitszustand ausfüllen.
    Ausserdem alle Papiere fertig, damit ich hinterher gleich Erwerbsminderungsrente beantragen kann, Papierkram eben.

    Jetzt bin ich gespannt, wie das dort läuft, was sie mit mir machen, wie die Mitpatienten sind.
    Bisschen wie Reisefieber, leichtes Kopfkino in der Nacht.
    Und ich werd mich umgewöhnen müssen, denn einen täglichen Stundenplan hatte ich schon lange nicht mehr.

    Zum Thema Alk ist mir die Tage eingefallen, dass es jetzt bei mir ein tatsächlich mehr oder weniger ganz normales Leben ist, nur eben ohne Alkohol.
    In vielen Bereichen bewege ich mich in einem statistischen Mittelfeld, was Geld, Gesundheit, Sozialleben,Wohnsituation angeht.
    Für mich ist es manchmal noch was Besonderes, weil es eben schon mal ganz anders aussah.
    Wenn nicht der Gegensatz zu früher wäre, wäre es für mich kaum erwähnenswert.
    Aber so hängt es tatsächlich an der Tatsache, dass ich trocken bin, sonst wäre das alles hinfällig.

    Im wesentlichen bemühe ich mich, im Großen und Ganzen gesund zu leben, gesundes Mittelmaß zu halten, zu gucken, was mir wirklich gut tut. Ausser meiner Behinderung ist mein Gesundheitszustand auch sehr gut, ausreichend Bewegung, Normalgewicht, die ganzen Risikofaktoren längst ausgeräumt. Also eigentlich würde ich so gerne mindestens 90 werden, und das ist gegenüber meiner Sufffzeit ein Riesenunterschied.

    Die ganze Suffgeschichte hier, bei der sich manche gefragt haben, was das soll:
    Das Leben wird rückwärts verstanden und vorwärts gelebt. Ich weiss nicht mehr, von wem das stammt.
    Ich konnte diese Geschichte erst mit Abstand dazu so schreiben, früher war ich viel zu dicht dran.
    Und ich bin froh, dass ich das so schreiben konnte, nicht nur, weil ich es nur konnte, weil ich noch lebe.
    Vielleicht ist es das Alter, dass ich das Bedürfnis habe, mein Leben so zu sehen, dass alles, was ich gemacht habe, am Ende doch irgendwie gut war, denn es hat mich ja auch da hin gebracht, wo ich heute stehe. Aus meiner Sicht musste ich durch meine ganzen Schwierigkeiten durch, sonst wäre ich heute nicht ich.

    Selbst der Aufreger hier mit den Frauen, da muss ich manchmal drüber lachen, aber:
    ich hab mich neulich mit einem Freund drüber unterhalten, wie wichtig Frauen in unseren Leben waren und sind.
    Und dass wir beide mehrere andere Männer kennen, die gar keine "abgekriegt" haben, denen es also überhaupt nicht vergönnt war, eine zufriedene Partnerschaft zu leben.
    Ausserdem, dass wir es beide geniessen, dass wir unter 4 Milliarden Frauen vielleicht doch auch noch mal eine finden würden.
    Mehr als ein gewisser Marktwert auf dem Beziehungsmarkt ist das ja nicht. Es wird wohlwollend registriert. Wenn Mann unbedingt wollte, aber Mann will ja gar nicht. Mann ist glücklich damit, dass es so ist, wie es ist. Falls der Eindruck entstanden sein sollte, ich habe mich nie dafür interessiert, ein Frauenheld zu sein, trotzdem ist es halt schön, wenn man weiss, es ginge, wenn es unbedingt sein müsste. Bei mir war das auch nicht auf Parties, viel eher passierte das im Job.

    Meine Frau hat neulich auch in meinem Beisein gesagt, dass auch sie es geniesst, dass wir nicht leidend auf unsere Vergangenheit zurückblicken, sondern dass wir auch drüber lachen können. Wir machen da wirklich blöde Spüche drüber, wie blöd man sein kann, auch wir. Ja, und auch sie war nicht angekettet, wir haben das wohl so gebraucht. Und ja, hätte schiefgehen können wie bei vielen Anderen hier, aber das ist eben die Theorie. Wir hatten das Glück, das wir da raus gekommen sind, und wir nehmen das Glück gerne an. Mir ist völlig klar, dass es damit anders aussieht

    Für mich ist das auch deswegen immer noch ein Punkt, weil ich das Leben, so lange ich gesoffen habe, grundsätzlich eher schlecht fand. Eine Plagerei. Und das hat sich mit der Trockenheit trotz aller Schwierigkeiten grundsätzlich geändert. Denn heute lebe ich gern, auch wenn mich manches nervt. Es ist mir zu wertvoll, um die Hälfte davon im Rückblick in die Tonne zu treten.

    Ich stand vor allem in den ersten Jahren der Trockenheit mehrmals vor dem Punkt, mich zu fragen, was die Trockenheit nun wirklich gebracht hat, so untem Strich, wenn trotz alledem mal wieder ein schlechter Tag war. Wenn wir uns hart gestritten haben, wäre ich fast mal zum Saufen gegangen, dann ist mir aber sofort eingefallen, dass das selbstschädigendes Verhalten wäre. Und dass ich dann damit zu kämpfen hätte. Ansonsten hab ich das durchaus locker gesehen, wenn ich die Scheidung wollte, wüsste ich ja, wie ich sie erreichen könnte. Ja, ich mag es, Leute zu erschrecken, auch meine Frau. Hier gibt es ein Sprichwort, schlechten Leuten geht es immer gut, also bemüht man sich logischerweise, nicht zu gut zu sein. Das ist manchmal halb scherzhaft, aber es ist auch ein gutes Mittel, die Probleme Anderer nicht zu seinen eigenen zu machen, fast Anti-Co.

    Und ich denke, hier im Forum gibt es hin und wieder Missverständnisse, weil die Sauferei bei mir schon sehr lange her ist. Ich bin auf dem Boden der Tatsachen angelangt, was die Wunder der Trockenheit anbelangt, für mich ist das nichts Besonderes mehr, was mir täglich das Leben versüsst. Irgendwie zwar schade, weil ich damit nicht jeden Tag aufs Neue feiere, aber auf der anderen Seite wollte ich das ja auch so.
    Und ich habe gewisse Schwierigkeiten, mich in die Situation von Neulingen hineinzuversetzen, weil ich damals gar kein großes Bedürfnis hatte, darüber zu reden. Ich ticke da irgendwie anders, ich rede erst, wenn ich die Probleme bereits überwunden habe. Gegen ungebetene Ratschläge bin ich allergisch, weil ich mit viel zu vielen Ratschlägen aufgewachsen bin, zu viel Erziehung, und meinen eigenen Weg da durch finden musste. Ist vielleicht auch ein Dachschaden.
    Ich habe das erst während der Trockenheit richtig gelernt, Andere, Ärzte, Physiotherapeuten, an mich ranzulassen. Weil ich sehr lange trocken bin, kann ich das aber auch schon eher Jahrzehnte, und ich bin Profi darin, mir Hilfe zu holen, wenn ich sie brauche. Auch das ein Gewinn der Trockenheit, dass ich mir Schwäche zugestehe..

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder seine Trockenheit auf seine Weise gestaltet, wenn er mal aus dem Gröbsten raus ist, deswegen sehe ich mich ausserstande, als Vorbild zu dienen. Um auf die eine der andere Kritik einzugehen, es geht nicht drum, was Besonderes zu sein, aber es ist nun mal Tatsache, dass jedes Leben individuell ist. Und mir sind ein paar Dinge passiert, oder ich hab sie gemacht, die nicht jeder macht, das geht mir auch aussehalb von Alkoholikergruppen so. Ich war als Jugendlicher ein Systemsprenger, schon bevor ich zu den Drogen griff. Hats aber vermutlich begünstigt, weil ich für alles empfänglich war, was irgendwie abgefahren war.

    Es haben mir einige geschrieben, dass sie mit meiner Botschaft nichts anfangen können. Von meiner Seite her, habe ich überhaupt eine Botschaft, ausser, dass mans trocken gut aushalten kann? Darüber hinaus fällt mir schon beim Lesen hier auf, das auch Alkoholiker sehr unterschiedliche Ziele im Leben haben, und jeder muss sie auf seine Weise erreichen.

    Ansonsten ist hier ganz normal Sommer. Mein halbes Leben spielt sich draussen ab, ich bin schon ansatzweise traurig, das es mein Garten nun einige Wochen ohne mich aushalten muss.
    Und ich hoffe, dass die Reha wirklich was bringt in Punkto Bewegungsfähigkeit. Dann das ist auch das, was mich gerade am meisten einschränkt. Und meine Frau darf mich besuchen, mit Vollpension. Muss natürlich bezahlt werden, aber daran wird es nicht scheitern.
    Vorfreude ist auch dabei. Es ist ja eine Urlaubsgegend, das wird schon werden.

    Danke fürs Lesen, und danke, dass ich hier mitspielen darf.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Alles Gute für deine Reha LK.Das Ergebnis einer Reha hängt ja von vielen Faktoren ab.Ärzteteam,sinnvolle Anwendungen, Mitpatienten u.s w.Vielleicht hast du Lust und Zeit,uns hier im Forum an deiner Reha teilhaben zu lassen.Bin interessiert,da ich auch einen Rehaantrag gestellt habe. Ich wünsche dir eine schöne Zeit. Gruß Bono

  • Hallo LK,

    das wird bestimmt eine schöne Zeit für dich mit vielen neuen Erfahrungen.

    Und sicher kannst du auch das ein oder andere Nützliche mitnehmen, das dich auf deinem weiteren Weg begleiten kann.

    So eine „Auszeit“ (das ist es ja auch irgendwie) birgt ja noch ganz andere Potenziale. Du bekommst mit etwas räumlichen Abstand (auch von deinen Lieblingsmenschen um dich herum - im Gegensatz zu Urlaub) und jenseits deiner täglichen Routine nochmal einen ganz anderen Blick auf alles.

    Ich würde mich auch freuen, wenn du uns ein wenig an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

    Bei mir steht früher oder später nämlich auch eine Reha an.

    Liebe Grüße und eine gute Zeit!

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Na, ich hoffe du sprengst nicht das System der Reha-Klinik, du Systemsprenger.
    Ich meine gelesen zu haben, dass deine Reha irgendwo am Bodensee stattfindet, den Knall würde ich wahrscheinlich bis zu mir hören;)

    Auf jeden Fall wünsche ich dir eine gute und erfolgreiche Zeit.

    Viele Grüsse
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hi LK,

    ich erinnere mich wie Du einmal geschrieben hast wie Du Dich einer Klinik eingerichtet hast. Deshalb glaube ich, Dir wird es dort gut gehen. Ich drück Dir auf jeden Fall alle meine Daumen, das Du dort etwas für Dich erreichen kannst. Ich fand es auch rührend zu lesen, dass Du ein wenig aufgeregt bist. Bestätigt mir das bei Dir nichts falsch ist mit Deiner Empathie.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Paar Tage sind noch, bin mitten in den Vorbereitungen. Grad erst mal noch ein paar neue Sportklamotten gekauft, bin ja dort doch nicht zu Hause.
    Gut, dann nehme ich das Passwort mit. An sich will ich auch ein bisschen DigitalDetox machen, ich alter Nerd. Deswegen habe ich mir ja auch extra noch ein neues Tablet gekauft, weil Smartphone manchmal etwas mühsam ist...ist ja doch Einiges an Freizeit auch dabei. Und ne Reha-App gibts auch. Ansonsten kenne ich die Stadt ein wenig. Wird schon wegen dem Wasser vor dem Fenster ein bisschen wie Urlaub. Ich kenne mich.

    Ich meine gelesen zu haben, dass deine Reha irgendwo am Bodensee stattfindet, den Knall würde ich wahrscheinlich bis zu mir hören ;)

    Ich könnte an einem langen Vormittag mit dem E-Bike hinfahren, nur wegen zu früh einchecken und Gepäck lasse ich mich fahren. Von hier aus würde dann die Rauchwolke vor dem Alpenpanorama aufsteigen, muss ja nicht sein:saint:

    Bestätigt mir das bei Dir nichts falsch ist mit Deiner Empathie.

    Vor relativ kurzer Zeit gab mir jemand in einem anderen Lebensbereich eine Rückmeldung, dass ich mehrmals bewiesen hätte, dass ich hochsensibel sein kann. Und fast gleichzeitig ziemlich direkt und grob.
    So bin ich wohl. Hatte ich nicht mal geschrieben, dass ich bedarfsgerecht wechseln kann? Wäre irgendwie auch blöd, wenn es anders wäre, nach meinem Gefühl.

    Erst mal gehe ich davon aus, dass ich dort noch nie war. Die kennen mich nicht, ich kenne sie nicht, aber das habe ich keineswegs zum ersten Mal. Immer wieder spannend, denn das ist ja immer eine Wechselwirkung.
    Ich werds auf mich wirken lassen, dann sehe ich das schon. Wahrscheinlich geht es dort einigen schlechter als mir, das Behandlungspektrum lässt darauf schließen.
    Bisschen Aufregung darf schon sein, ausserdem muss vorher hier noch was fertig werden. Also etwas Termindruck ist auch noch.

    Wenns mir völlig wurscht wäre, dann müsste ich nicht hingehen.
    Ich hatte ja parallel zu dieser Reha, zu der ich geschickt werde, selbst eine beantragt. Ich denke schon, dass ich was mitnehmen werde. Das merke ich schon da dran, dass ich den Fragebogen sorgfältig ausgefüllt habe.

    @Ihr alle, danke für die guten Wünsche.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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  • Seit dreieihalb Wochen bin ich wieder aus der Reha zurück.

    Die Reha habe ich im geschlossenen Bereich beschrieben.
    Mit den Mitpatienten und den Ärztenund Therapeuten lief es OK.
    Alkohol war und ist kein Thema.

    Gesundheitlich hat die Reha keine Wunder bewirkt, ich bin nach wie vor schwerbehindert und krank geschrieben. Das wird sich auch nicht mehr ändern. Ich habe das akzeptiert und es zieht mich psychisch nicht runter. Seit Jahren stehe ich auf dem Standpunkt, dass den Rest des Lebens Trübsal deswegen blasen nicht meins ist. Ich geniesse mein Leben, so wie es mir möglich ist.

    Die Woche war ich schon auf einer Bergwanderung, meinem Zustand entsprechend natürlich, und E-Bike-Fahren geht auch noch gut.

    So weit
    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich lese im Forum die Frage, ob Abstinenz an erster Stelle steht oder ob was Anderes wichtiger ist.

    Aus meiner Perspektive des Langzeittrockenen:
    Im ersten Jahr habe ich meine Abstinenz stabilisiert. Das musste sie an erster Stelle stehen, ich musste viel dazulernen, umdenken, und mitkriegen, dass alles auch nüchtern geht und es keine realen Gründe zum trinken gibt, damit meine ich, Nüchternbleiben bringt mich in keiner Situation um, geht alles nüchtern, wenn ich das will. Ich habe auch Trigger und Saufdruck nicht als Trinkgrund akzeptiert, weil er vorbei geht.

    Danach ging mir die Abstinenz fast immer so leicht von der Hand, war ein Selbstläufer, so dass ich es als Dummheit empfunden hätte, wieder anzufangen. Ich denke nicht sehr mit dem Krankheitsbegriff, ich bin mehr berechnend, was sich auf Dauer besser anfühlt.

    Nur eine Zeitlang nach etwa 4 Jahren hatte ich eine Phase, in der ich dachte, was hat sich eigentlich wirklich verbessert? Aber im Grund wars mir klar, dass es sich verbessert hatte. Ich war über eine bestimmte Sachlage unzufrieden, aber die hätte sich durch Wiederanfangen auch nicht verbessert.

    Klar kann ich mir ausrechnen, was passieren würde, wenn ich wieder anfange. Aber ist das tatsächlich der Grund, warum ich nicht mehr trinke? Nein, es ist das Lebensgefühl, das ich habe, und das ich behalten möchte.

    Im Normalfall bräuchte ich eine Gruppe wie hier nicht, wenn es mir nicht auch Spaß machen würde, mich hier auszutauschen, und wenn mich trinkende Gesellschaft nicht so sehr langweilen würde. Gedanken an Alkohol habe ich äusserst selten, bin mir meiner Nüchternheit sehr sicher. Und so bleibt es auf sehr angenehme Weise im Hinterkopf, dass es auch anders sein könnte, ich lese es hier ja jeden Tag. Ich leide nicht sehr mit und bin mir selbst der Nächste.

    Ja, und als ich aufgehört habe, hörte es auch auf, dass ich mich, wenns langweilig war, auch mal irgendwo in eine Kneipe setze und sich eventuell eine Unterhaltung ergab. Ich musste mir zielgerichtet neue Leute suchen, ausserdem hatte ich irgendwann das Bedürfnis, Erfahrungen auszutauschen. Es fing damit an, dass ich wissen wollte, wie andere nach einem Stressjob abends runterkommen, ohne zu trinken. Ein Problem, das ich auch schon lange nicht mehr habe.
    Und ich musste auch dahin umdenken, dass ich als Mensch soziale Bedürfnisse habe. Ganz nebenbei war ich so ein Misanthrop, dass es mir schon Schwierigkeiten machte, zu akzeptieren, dass ich ein Mnsch bin...das ging auch nur nüchtern.

    Ob die Abstinenz an erster Stelle steht, ist für mich eine Überlegung, die nur dann eine Rolle spielt, wenn ich abwägen würde, ob ich wieder anfange.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Aus meiner Perspektive des Langzeittrockenen:

    Da mache ich direkt mit. ;)

    Die Abstinenz an erste Stelle zu setzen , als meine persönliche Priorität Nummer eins,– hat sich nicht über Nacht in mein Hirn eingebrannt. Das brauchte Zeit. Aber als es sich einmal gesetzt hatte, stand es da wie in Stein gemeißelt. Alles andere ordnete sich automatisch darunter. Ich musste es nicht ständig betonen, es war einfach da, wie festgeschraubt.


    Ich musste meine Trockenheit auch nicht täglich polieren, analysieren oder neu verpacken. Ich nahm sie schlicht als gegeben. Vielleicht lande ich irgendwann in der Kategorie „staubtrocken bis zum Schluss“ und da passt der alte Spruch ganz gut:.

    Von Staub komme ich, zu Staub gehe ich zurück. Nur dass ich diesmal wenigstens nüchtern ankomme.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Staubtrocken wurde mir schon vorgeworfen, wenn ich das Geschwätz, warum einer unbedingt gegen seinen Willen trinken musste, aus irgendeiner Situation, nicht gelten liess. Ich sagte immer, wenn das wirklich ein Grund wäre, dann müsste Saufen ja auch die Lösung des Problems gewesen sein. Und, gehts Dir nun besser (mitten in oder kurz nach einem Rückfall)...hats wenigstens geschmeckt?

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Da mache ich direkt mit. ;)

    Die Abstinenz an erste Stelle zu setzen , als meine persönliche Priorität Nummer eins,– hat sich nicht über Nacht in mein Hirn eingebrannt. Das brauchte Zeit. Aber als es sich einmal gesetzt hatte, stand es da wie in Stein gemeißelt. Alles andere ordnete sich automatisch darunter. Ich musste es nicht ständig betonen, es war einfach da, wie festgeschraubt.


    Ich musste meine Trockenheit auch nicht täglich polieren, analysieren oder neu verpacken. Ich nahm sie schlicht als gegeben. Vielleicht lande ich irgendwann in der Kategorie „staubtrocken bis zum Schluss“ und da passt der alte Spruch ganz gut:.

    Von Staub komme ich, zu Staub gehe ich zurück. Nur dass ich diesmal wenigstens nüchtern ankomme.

    Das kann ich so unterschreiben:thumbup:

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Ob die Abstinenz an erster Stelle steht, ist für mich eine Überlegung, die nur dann eine Rolle spielt, wenn ich abwägen würde, ob ich wieder anfange.

    Für mich noch weit entfernt, im Unterbewusstsein ist der Alk und das Saufen noch viel zu sehr verankert bei mir. Daher hat es bei mir oberste Priorität.

    Ich würde mir aber wünschen dass ich es irgendwann nicht mehr als Priorität betrachten muss. Einfach weil es wie Hartmut geschrieben hat "in Stein gemeißelt" ist. Wenn das Nicht-Trinken genau so selbstverständlich ist wie Atmen. Atmen hat auch keine Priorität, ich mach es einfach weil es Lebensnotwendig ist, genau wie Nicht-Trinken. Ich bin ehrlich zu mir, soweit bin ich noch nicht.

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