Unterschied Abstinenz und Trocken ?

  • Aus meiner Sicht ist es so:

    Trocken bedeutet, dass ich keinen Alkohol mehr trinke und das ist für mich gleichbedeutend mit abstinent.

    Gefährdet bin ich als Alkoholiker immer un d zwar für den Rest meines Lebens. Trocken bedeutet nicht geheilt, denn es gibt keine Heilung von der Alkoholsucht. Dies zu erkennen hat mir sehr viel Stabilität gegeben. Allerdings war es zu Beginn meiner Abstinenz sehr schwer anzunehmen.

    Deshalb bin ich immer gefährdet und ganz besonders dann, wenn ich der Meinung bin, dass ich geheilt bin, denn das wird niemals der Fall sein.

    Es geht aus meiner Sicht darum, mich ganz klar gegen den Alkohol zu entscheiden (das war bei mir vor gut 16 Jahren der Fall). Damit ist es auch nicht erforderlich, jedes Mal wieder gegen den Alkohol anzukämpfen. Das klingt jetzt sicher ganz einfach, aber so war es bei mir definitiv nicht. Mir immer wieder klar zu machen, dass für mich Alkohol eine tödliche Gefahr ist und es auch immer bleiben wird, ist für mich sehr wichtig um dauerhaft trocken zu bleiben.

    ZurueckimLeben

  • Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Abstinenz und Trockenheit.

    Beides bedeutet zwar erst einmal. Ich trinke nichts. Aber lebenslange Abstinenz zu wollen, das war erstmal nur ein Wunsch. Trocken zu sein heißt für mich etwas anderes, dass das Thema innerlich abgeschlossen ist und ich diesen Zustand wirklich erreicht habe.

    Abstinenz ist der Weg, Trockenheit ist der Punkt, an dem die Entscheidung in mir fest verankert ist, ohne Hintertür und ohne die leise Hoffnung, irgendwann doch wieder trinken zu können.

    Als ich anfing, trocken zu werden, wusste ich natürlich nicht, ob ich es schaffen würde. Ich wusste nur, dass es Phasen gab, in denen ich abstinent war und am Ende doch wieder gesoffen habe.

    Genau da liegt der Unterschied: Abstinenz kann jeder für kurze Zeit. Trockenheit ist auch nicht garantiert, aber im Prozess gesehen gefestigter.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Du siehst dich also trocken an. Kannst Du so auch für dich zu 100% absolut ausschließen jemals wieder rückfällig zu werden?

    Nun habe ich nicht geschrieben, dass ich mich als Trocken ansehe, sondern den Unterschied erklärt, zudem den Zusatz.

    Abstinenz kann jeder für kurze Zeit. Trockenheit ist auch nicht garantiert, aber im Prozess gesehen gefestigter.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Hallo zusammen,

    ich bin fast so alt wie Hartmut und niemals würde ich mein trockenes Leben gegen ein nasses mit Pillen eintauschen. Das wäre absolut keine Option. Mir fehlt ja nichts im jetzt und hier. Würde ich Verzicht verspüren, wäre ich nicht trocken und ohne Verzicht brauch ich auch nichts konsumieren, weder Alkohol, noch Tabletten. So einfach ist das.

    Trockenheit schützt natürlich nicht vor einem Rückfall. Auch ein Grund, warum ich die App immer auf meinem Handy habe, wenn ich auch schon lange nicht mehr regelmäßig hier schreibe. Ein langes trockenes Leben stabilisiert allerdings und ich weiß sehr genau, wo ich nie wieder hin will.

    Liebe Grüße

    Tina

  • für mich ist eins klar, wozu sollte ich mir das zeug wieder geben? benebelt sein ist wirklich kein zustand den ich in irgend einer weise vermisse. und wenn das nicht eintritt zb durch eine pille gibt es erst recht keinen grund das zeug zu konsumieren.

    ich habe einen bekannten der auf grund einer genetischen besonderheit den alk anders verstoffwechselt, sprich, er wird nicht betrunken, der trink so gut wie nie. evtl mal einen besonderen wein aber trinkgelage wie sie in unserer jugend statt fanden und uns in die sucht geführt haben hat es für ihn nie gegeben weil eben keine wirkung.

    ergo ist die wirkung der grund. und das will ich mir ganz sicher nie mehr geben, ob mit oder ohne besonderer pille. was ich sagen will sag ich auch so. albern sein kann ich auch wunderbar, mich zum horst machen um für gelächter zu sorgen? kein problem. da brauch ich keinen alk zu. gut jetzt kommt mein alter etwas bremsend dazu, aber das hatte ich ja nicht immer. will sagen. ich habe mit alk fertig. egal was da nu erfunden wird oder nicht.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Vielleicht noch ergänzend: Dass ein Rückfall nie ausgeschlossen werden kann, steht außer Frage. Ich setzte das eigentlich voraus, dass das jedem klar ist, egal ob jemand ein paar Tage oder Jahrzehnte nüchtern, abstinent oder trocken lebt.

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das hier überhaupt zum Thema wird. Egal wie lange jemand lebt, die Sucht begleitet einen bis zum Lebensende.


    Es ging mir um den Unterschied. Lebe ich abstinent oder lebe ich trocken. Das mit der Tablette war ein Beispiel, um genau das sichtbar eventuell sichtbar zu machen

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Für mich ist Trockenheit der erste Schritt, einfach nicht nass zu sein.

    Die dauerhafte Abstinenz bedeutet für mich (nur für mich) ein zufriedenes und Suchtmittelfreies Leben mit allen Höhen und Tiefen zu erleben, wahrnehmen und mit den verschiedenen Situationen (privat wie beruflich) umgehen zu können. Eine Akzeptanz des Ist-Zustands, ohne auf Sucht/-Ersatzmittel (egal ob Pillen, Sport, Süßigkeiten oder was sonst noch "herhalten" kann) zurückzugreifen. Deshalb würde sich mir so eine Frage gar nicht stellen :)

  • Für mich gibt es einen Unterschied zwischen Abstinenz und Trockenheit.

    Für mich nicht.

    Ich mag den Begriff "trocken" nicht und verwende ihn daher nur sehr selten.


    Übrigens: Trocken bin ich, seit ich nicht mehr in die Windeln mache und nass bin ich unter der Dusche oder im Wasser. ;)

    Ich weiß, dass diese Ansicht hier nicht jedem gefällt, aber wir sind zum Glück verschieden. Alles andere wäre viel zu langweilig, zumindest für mich.

  • Ich mag den Begriff "trocken" nicht und verwende ihn daher nur sehr selten.

    Das ist ganz allein deine Sache. Und verstehst du auch den Ausdruck „der ist noch nicht ganz trocken hinter den Ohren“ auch nicht? Der passt nicht nur auf junge Menschen, die noch nicht erwachsen sind, sondern als Metapher auch auf Alkoholiker.;)


    Gerade in einem Alkoholiker‑Forum ist trocken jedoch ein gängiger Begriff. Und genau deshalb mache ich den Unterschied zwischen Abstinenz und Trocken so deutlich. Abstinenz heißt, ich trinke nichts. Trocken heißt, ich habe innerlich aufgehört.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Auf mich trifft momentan der Begriff "Abstinent" 100% zu, um mich als "trocken" zu bezeichnen bin ich noch zu unerfahren wie ich es ja jetzt bemerkt habe. Nicht das ich mich klein machen will, ich bin sehr zufrieden mit meiner Entwicklung, bis auf den tick vor kurzem, aber es gibt noch viel zu tun bevor ich mich als gefestigt trocken bezeichnen würde/könnte.

    Also ich finde die Differenzierung gut und einleuchtend, für mich ist sie sinnig.

  • Also ich finde die Differenzierung gut und einleuchtend, für mich ist sie sinnig.

    Ich versuche es mal aus einer anderen Sicht.

    Der Begriff „trocken“ gehört ausschließlich zum Alkoholismus. Er kommt aus der Suchttherapie und der Selbsthilfe. „Trocken“ heißt, kein Alkohol im System. „Nass“ heißt, trinkend oder im Rückfall. Dazwischen gibt es keine echten Zwischenstufen, nur das "alte nasse" Denken, das sich manchmal noch meldet.

    Alkoholiker haben ihre eigene Sprache, die Eingeweihte sofort verstehen. Wer sich noch darin "übt" merkt schnell, dass diese Ausdrücke nicht zufällig gewählt sind, sondern den Zustand treffend beschreiben.

    Für mich bedeutet trocken aber mehr als nur „gerade keinen Alkohol zu trinken“. Abstinenz ist eher so ein ein Oberbegriff, der für jede Form von Sucht oder auch Verhaltensweisen gilt , egal ob Alkohol, Drogen, Glücksspiel, Nikotin oder irgendein anderes Verhalten.

    Abstinenz heißt für mich schlicht. Ich lasse etwas weg. Trocken sein habe ich in meinen früheren Posts schon mehrfach beschrieben – das ist mein Begriff, meine Erfahrung, meine innere Definition. Es ist kein „alle müssen so denken“, kein „so hat man das zu sehen“.

    Wer solche Diskussionen mag, soll sie führen. Wer mich dafür zum Teufel schicken will, kann das auch tun. :whistling::mrgreen:

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Nun, der eine verschleiert, beschönigt oder sieht sich selbst gar nicht als krank,– er trinkt eben einfach nicht mehr. Für den anderen ist es dagegen wichtig, den eigenen Zustand klar zu benennen, so wie es unter Alkoholikern üblich ist.

    Genau deshalb sind wir hier in einer Selbsthilfegruppe, hier wird nun mal so gesprochen.

    Hier geht es um trockene und abstinente Alkoholiker. Dieser Thread orientiert sich bewusst an der Sprache und der Realität der meisten Alkoholiker, und genau deshalb habe ich ihn erstellt und direkt an diese Gruppe gerichtet.

    Individuelle Sichtweisen sind nicht falsch, aber sie passen eben nicht hier hinein. Also bitte den Thread nicht zerschießen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • In den letzten Monaten habe ich in meinen Beiträgen meist einfach „abstinent“ geschrieben. Für mich hatte der Begriff „trocken“ immer etwas, das man sich erst verdienen muss. In meinem Kopf war das so etwas wie eine Art Etappe, die man erst nach mehreren Jahren erreicht – vielleicht nach drei Jahren Abstinenz oder so. Erst dann, so dachte ich lange, dürfte man sich wirklich „trocken“ nennen – als eine Art Steigerung.

    Wenn ich aber nach der Sichtweise von Hartmut gehe, dann dürfte ich mich eigentlich schon jetzt glücklich „trocken“ nennen.

    Ich habe in all den Jahren, in denen ich so viel gesoffen habe, unglaublich viel kaputt gemacht – vor allem an meinem Körper. Und jetzt, nach eineinhalb Jahren ohne Alkohol, fühlt es sich für mich fast so an, als wäre mein Körper wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt worden. Natürlich nicht im technischen Sinn, sondern auf eine natürliche, biologische Weise.

    Und diese „Werkseinstellung“ passt so verdammt gut, dass ich kein bisschen das Bedürfnis habe, jemals wieder an den „Einstellungen“ herumzuspielen. Ich möchte genau da bleiben, wo ich jetzt bin.


    Die Gedanken an meine Vergangenheit lassen keine Beschönigungen von Alkohol zu und das hilft mir sehr. 🥲

    Ich bin (M/geb. 71)und "lebe" glücklich, abstinent seit 05./24.

  • Für mich hatte der Begriff „trocken“ immer etwas, das man sich erst verdienen muss. In meinem Kopf war das so etwas wie eine Art Etappe, die man erst nach mehreren Jahren erreicht – vielleicht nach drei Jahren Abstinenz oder so. Erst dann, so dachte ich lange, dürfte man sich wirklich „trocken“ nennen – als eine Art Steigerung.

    Ging mir auch so...

  • ab wann gilt man eigentlich als trocken? Ab wann als abstinent?

    Wenn ich die Frage „Würdest du wieder Alkohol trinken, wenn es eine Tablette gäbe, die das ohne Folgen ermöglicht?“ mit Ja beantworten würde,

    Ich habe mich die ganze Zeit gedrückt hier zu schreiben weil ich mir nicht sicher bin ob ich Ja oder Nein sagen würde, wenn es eine wie o.g. Tablette geben würde.

    Aber da es so eine Tablette nicht gibt, brauche ich mir den Kopf nicht darüber zu zerbrechen, oder doch? Glaube dann müsste ich ganz ehrlich und tief in mich reinspüren. Ich glaube, dass ich dann wieder Ja zu Alk sagen würde, wenn eine Tablette sämtliche gesundheitlichen Schäden von mir abhalten würde.

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

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