Beiträge von Halbmond02

    Hallo ihr Lieben, ich wollte mal wieder pieps machen.

    Es geht mir nicht sehr gut. Es prasseln tausend Verpflichtungen auf mich ein während ich versuche hier und dort zu löschen, aber das Feuer wird gefühlt immer größer. Wie schon geschrieben, ist meine Wohnung sehr alt und alles gibt irgendwie den Geist auf. Ich bin nun in den Mieterschutzbund eingetreten und habe es heute endlich geschafft, mich zu überwinden und denen eine Email zu schicken mit all den Mängeln und Problemen, die ich habe. Ich hoffe sehr, dass sie mich beraten können und ich nicht die Kosten für all die Mängel selber tragen muss, weil das ein halbes Vermögen wäre und ich keine Ersparnisse besitze. Das ganze erdrückt mich und währenddessen komme ich jeden Tag zu Bier- und Zigarettengeruch nach Hause.

    Ich habe wieder angefangen aus Stress meine Fingernägel zu puhlen und bin fast jeden Tag am Weinen.

    Ich schaffe es zu putzen und zu funktionieren, aber es ist das bare minimum und wenn ich ehrlich bin, muss ich mir eingestehen, dass ich mich in einer depressiven Episode befinde. Ich werde ständig krank und komme nicht zur Ruhe.

    Das alles ist so schwer alleine durchzustehen und ich ertappe mich manchmal bei "Was wäre, wenn wir doch zusammen wären"-Gedanken, die ich schnell wieder verwerfe und die aber weh tun. Ich versuche nach vorne zu schauen.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo ihr Lieben, ich wollte mal wieder von mir hören lassen.

    Meine Situation hat sich nicht großartig verändert, aber ich gehe vorwärts. Mein Expartner hat bis Ende Mai Zeit hier auszuziehen und naja, seitdem ich spontan als Reaktion auf sein erneutes Verheimlichen und Trinken schlussgemacht hatte (fast einen Monat her), vermeidet er es mich zu sehen. Anfangs bin ich viel in meinem Zimmer geblieben, weil ich nicht zufällig im Flur auf ihn treffen wollte. Das hat sich jetzt etwas gelockert, ich will mich in meiner Wohnung frei bewegen können und falls ich auf ihn treffe, dann ist das so. Falls ich weinen muss, dann ist das so. Ich möchte mich nicht weiter selber einschränken. Wenn ich mich in der Wohnung frei bewege, bleibt er in seinem Zimmer. Eigentlich wollte ich nochmal ein richtiges Gespräch mit ihm führen um eine freundliche Grundlage zu schaffen, aber ich denke nicht, dass das passieren wird. Er hat komplett ausgecheckt.

    Ich muss immer noch tapezieren. Habe das noch nie gemacht und Angst davor, aber mein Bruder möchte mir helfen und ich weiß, dass ich es einfach angehen muss anstatt es in meinem Kopf zu katastrophisieren. Meiner Hausverwaltung habe ich auch wieder geschrieben, da die Silikonfugen in der Dusche ausgetauscht werden müssen, sie sind einfach total alt. Bald kommt ein Fliesenleger dafür. Der wird dann auch meine kläglichen DIY Reperaturversuche sehen und hoffentlich bekomme ich nicht die Rechnung dafür. Gestern habe ich das Bad grundgereinigt so gut es ging. Das war super anstrengend und frustrierend und es sieht jetzt nur minimal besser aus als vorher, aber immerhin saß ich nicht tatenlos herum. Der komplette Küchenboden muss ausgetauscht werden, keine Ahnung wie ich das stemmen soll. Es gibt so viele Baustellen hier, die ich jahrelang ignoriert habe, das muss einfach angegangen werden. Eins nach dem anderen.

    Auf der anderen Seite bin ich total dankbar über den Rückhalt, den mir meine Familie, Freunde und Kolleginnen geben. Ohne sie wäre ich verloren. Wenn ich sage, dass ich viel zu wenig schaffe und noch so viel gemacht werden muss, wird mir gesagt "Es ist schon super stark, dass du überhaupt jeden Tag aufstehen kannst in deiner Situation" - Ja. Stimmt. Es ist eine verdammt harte Zeit, aber es ist wie es ist. Solange ich keinen Schritt zurückgehe, ist es okay.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Danke Ino , das macht mir ein bisschen Hoffnung, dass ich mit der Situation auch irgendwann besser klarkommen kann. Ich habe jetzt zumindest schon ein paar Sachen zum Tapezieren zusammengesucht. Ansonsten gehe ich auch wieder arbeiten und merke, dass es mir gut tut. Meine Arbeit gibt mir ein Stück Selbstbewusstsein zurück und dort werde ich wertgeschätzt, das fühlt sich gut an. Innerhalb der Wohnung meiden wir uns, es wird auch nicht geredet. Die Atmosphäre ist miserabel und ich versuche trotzdem irgendwie zurechtzukommen und für mich zu sorgen. Kleine Schritte.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Ein kleines Update, ich konnte immer noch nicht mit ihm reden und werde das auch erst einmal nicht tun. Die Kündigung hatte ich auf den Küchentisch gelegt und er hat sie unterschrieben. In 3 Monaten muss er raus sein. Ich habe versucht mir meine Wohnung, in der ich nun seit über 10 Jahren lebe, genauer anzuschauen und es muss einiges gemacht werden, wovon ich keine Ahnung habe, weil ich es noch nie machen musste - Tapete abreißen und erneuern, der Boden in der Küche ist kaputt etc. Als ich dann im Baumarkt für Moltofill war, kam es alles über mich, der Druck, die Überwältigung und ich hatte eine deftige Panikattacke. Mir ist das alles zu viel auf einmal, das schaffe ich so nicht. Ich werde versuchen über das Wochenende woanders unterzukommen und ein bisschen Abstand zu gewinnen, ich bin einfach alle und habe keine Kraft mehr.

    LG, Halbmond

    Hallo ihr Lieben, ich hatte mir für heute einen Akuttermin bei meiner Therapeutin besorgt.

    Ich weiß, was ich jetzt machen muss, aber es hapert an der Umsetzung. Ich weiß, dass ich ihm die neue Kündigung für den Untermietvertrag geben muss, dass ich ihm nochmal klipp und klar sagen muss, dass die Beziehung für mich keine Chance mehr hat und dass er so schnell wie möglich hier raus soll. Aber wie soll ich das machen? Ich bin selber noch am Verarbeiten und ich habe ein unendlich schlechtes Gewissen. Ich habe Angst unfair zu sein. Ich weiß, das liest sich vielleicht irrational, vorallem weil ich mich selber unfair behandelt fühle, aber ich schaffe es gerade nicht, es anders zu betrachten. Ich will weder unfair, noch gemein, noch die Böse sein. Und ich weiß nicht wie.

    Grenzen zu setzen fällt mir aufgrund vieler Erfahrungen in der Vergangenheit und Kindheit sehr schwer und ich habe mühsam erlernen müssen für mich einzustehen und das klappt immer noch nicht jedes Mal (Überraschung :|), vorallem bei so wichtigen Entscheidungen nicht. Ich habe Angst das Gespräch zu suchen, ihm das alles so klar zu sagen und dann seine Reaktion zu ertragen. Überforderung. Alarm. Schockstarre.

    Desweiteren habe ich es hier noch nicht geteilt, aber vielleicht liest es sich heraus - ich bin hochsensibel (und vermutlich auch neurodivergent, aber habe bisher keine Kraft gefunden die Diagnose anzugehen). Mein Nervensystem nimmt alles gefühlt zu 200% wahr, jede noch so kleine Stimmungsschwankung fühlt sich für mich sehr doll an. Ich kann damit gut leben, aber bei solchen Situationen wie jetzt seit September die anhaltende Alarmbereitschaft, die großen Emotionen und Entscheidungen, das schaff ich nicht zu regulieren.

    Wie habt ihr das geschafft? Das Gespräch zum endgültigen Schlussstrich während man aber zusammen wohnt? Während man selber noch nicht richtig abgeschlossen hat, am Verarbeiten ist? Es fühlt sich für mich unmöglich an.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Auch wenn ich deinen Gedanken verstehe - du kannst nicht alles allein auf den Alkohol schieben. Respektloses Verhalten z.B.

    Menschen verändern sich …

    Das verstehe ich. Als er diese kurze Zeit nüchtern war, ist klar gewesen, dass Alkohol seine Bewältigungsstrategie und Gefühlsbetäubung ist, er kann mit mir nicht über seine Gefühle reden, weder benennen noch mitteilen, er weiß teilweise nicht mal wie er fühlt. Er ist nicht verlässlich, sieht es als Angriff, wenn ich sage, dass ich mich schlecht fühle, wenn er mich ausschließt. Ich bin überzeugt, dass seine Respektlosigkeit ein Zusammenspiel von all dem ist; Überforderung, Verteidigungsmodus, fehlende Bewältigungsstrategien. Ich denke nicht, dass ich ihn grundlegend falsch einschätze.

    Ich glaube ich muss mir mehr klarmachen, dass all das trotzdem nicht okay ist. Ich darf so nicht behandelt werden, ich will nicht so behandelt werden, auch wenn ich Verständnis zeigen kann. Es überschreitet meine Grenzen. Ich glaube das ist der Kern, der mich gerade so fertig macht. Verständnis mit Grenzüberschreitung gemischt.

    Danke Aurora.

    Ich muss mir ein paar Sachen von der Seele schreiben, ich hoffe das ist okay. Vielleicht ist es ein bisschen wirr. Es ist so schwer, die letzten 6 Jahre hinter mir zu lassen. Es tut so weh, wenn ich an alles denke, was wir zusammen erlebt haben und erleben wollten. Es ist ja nicht so, dass dieser Mensch komplett verschwunden ist, es ist die Sucht. Es fällt mir so schwer damit abzuschließen. Ich hatte schon ein paar Beziehungen, aber dieser Schmerz fühlt sich viel stärker an. Ich weiß nicht wie ich abschließen soll ohne dennoch ein Stück Hoffnung zu behalten, dass es anders und besser werden kann. Es fühlt sich so schmerzhaft an, all die Hoffnungen, den eingespielten Alltag, die gemeinsamen Zukunftpläne zurückzulassen.

    Auch denke ich zum Beispiel an sein respektloses Verhalten, das vorher nicht da war und ich sehe wie er sich Schwer tut und windet und weiß, das ist gerade nicht er, das ist die Sucht, das ist Überforderung und denke mir, wie kann ich auf jemanden böse sein, der offensichtlich eine schwere Zeit hat und nicht er selbst ist? Mein Verständnis scheint grenzenlos zu sein, das tut mir nicht gut. Ich weiß nicht, wie ich mich davon loslösen kann.

    Hey Ino , eine wichtige Frage. Ich glaube nach diesem großen Schritt heute muss ich mich erst einmal sammeln. Es war bei mir schon einmal so weit, dass ich gesagt habe, er müsse ausziehen und kurz bevor das der Fall war, hatte er einen Zusammenbruch, eine Art Einsicht, und ist in den medizinischen Entzug gegangen. In den 3 Wochen in denen er weg war, konnte ich endlich wieder in meiner Wohnung atmen. Ich dachte, ich bin vorsichtig genug wenn er wiederkommt, aber meine Hoffnung hat mich eingeholt. Jetzt ist die Beziehung vorbei, ich habe es ausgesprochen und kann es nicht mehr zurücknehmen. Aus Angst ich könnte es trotzdem irgendwie zurücknehmen, habe ich direkt meinen Freundinnen davon erzählt, sozusagen als Rückhalt und Verstärker.

    Als ich heute anfing so doll zu weinen, habe ich nicht nur um die Beziehung geweint, sondern auch um mich. Um all die schlimmen Dinge, die ich mitgemacht habe, um meine Zeit, meine Stärke, meine Fürsorge und Empathie. Und ich war irgendwo erleichtert, dass ich nicht mehr alles tragen muss. Gerade trauere ich um alles gleichzeitig. Ich hoffe, ich kann Kraft daraus gewinnen und es so durchziehen, wie ich gesagt habe.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo Aurora , danke für deine Antwort. Ich habe in meiner Therapie noch nicht darüber reden können, denn ich bin krank geworden und musste die Sitzung absagen.

    Am besten ist es, dass du versuchst dich zu beruhigen. Denn ich weiß wie es mir in solchen Situationen ging. Da war von totaler Wut, Fassungslosigkeit, Traurigkeit alles dabei. Die Wut kannst du vielleicht gut nutzen um für dich in's Handeln zu kommen.

    Er hat mir eben gesagt, dass er wieder abends trinkt und auf die Frage hin was er jetzt macht, sagte er "nichts". Habe ihm gesagt, dass er dann ausziehen muss und ich die Beziehung beende. Darauf kam nur ein "Wenn du das musst.." und er ist auf den Balkon zum Rauchen gegangen. Also ja, er trinkt wieder. Und ich denke, er will daran momentan nichts ändern. Ich habe mich geschützt und ausgesprochen, wovor ich Angst hatte. Ich habe immer noch Angst, Sorge und bin unendlich traurig und wütend und weiß nicht, wie ich das alles bewältigen soll.

    Danke für deine Antwort Ino . Das habe ich stark gemerkt, ich bin innerlich total zerrissen. Ich will das alles nicht aufgeben, aber es liegt auch nicht in meiner Hand, dass es funktioniert und wenn er nicht mitmacht, wenn er sich nicht ändern will und alles dafür tut, dann muss ich meine Konsequenzen durchziehen. Ich habe das Gefühl meine Selbstachtung ist total am Boden. Ich habe Angst, dass ich meine Entscheidung Schluss zu machen bereuen werde und gleichzeitig weiß ich, dass ich es nicht anders machen kann, egal wie sehr ich möchte. Das tut wahnsinnig weh sich einzugestehen.

    Hallo ihr Lieben, ich zittere gerade und mein Herz pocht wie wild. Ich habe etwas gerochen und nachgeschaut als er geduscht hat - in seinem Rucksack sind ungeöffnete Bierdosen. Fuck. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll.

    Edit: Habe ihm gesagt, er muss sofort zur Nachsorge, er hat gesagt "okay" und ist jetzt gegangen. Ich vertraue ihm nicht. Er hat den Rucksack mit den Bieren mitgenommen.

    Nochmal Edit: Er hat gesagt er trinkt jetzt abends wieder. Dass ich nicht bekommen werde, was ich von ihm möchte. Habe gesagt, er muss dann ausziehen, er sagt nur "okay". Habe gesagt, dann muss ich unsere Beziehung beenden, er sagt "Wenn du das musst" und geht rauchen. Habe ihn gefragt, ob ihm das alles wirklich so egal ist und er sagt nein, aber auch nicht mehr. Er will offensichtlich weitertrinken. Ich bin versteinert. Das waren 6 Jahre Beziehung und ich erkenne ihn nicht wieder, die Sucht hat ihn im Griff. Ich kann nicht fassen, dass es das jetzt gewesen sein soll.

    Hallo ihr Lieben, die letzten zwei Tage waren für mich nervenaufreibend.

    Mein Partner erzählt mir rein gar nichts aus seiner Gefühlswelt. Freunden schon. Er sagt er geht "nur mal spazieren", ist dann aber über Stunden weg und über Freunde höre ich, dass er sich mit anderen Freunden getroffen hat, zu mir sagt er davon kein Wort. Habe gestern mit ihm darüber geredet und herausgefunden, dass er eine komplett verzerrte Wahrnehmung hat, wie ich wohl reagieren würde. Er denkt sich in seinem Kopf die schlimmstmögliche Antwort aus, die ich geben könnte (zB "Du gehst also spazieren um zu trinken"), hält sie für wahr und sagt mir dann erst Recht nichts. Er sagt selber, er sei manchmal paranoid. Er sagt, er weiß nicht warum es ihm so schwerfällt mir etwas zu erzählen, er fühlt sich überwacht. Mir geht es nicht um Überwachung, sondern darum sich mitzuteilen um eine Basis für neues Vertrauen zu schaffen. Ich will kein "Ich habe mit xy das und das gemacht", sondern einfach nur "Ich treffe mich mit xy, kann ein bisschen dauern". Er sagt, er versteht das und will sich bessern, aber kann mir nicht sagen wie. Das habe ich so ähnlich schon einmal gehört und das zerrt an mir.

    Heute hat er einen sehr wichtigen Amtstermin verpasst, er ist einfach nicht hingegangen und hat nicht einmal abgesagt. Auf meine Frage hin warum, kam ein "Es ist nicht so wichtig, ich mache einfach einen neuen Termin. Ich weiß schon was ich tue." - der Termin war aber wichtig und in mir löst das starke Gefühle von Unzuverlässigkeit und Verdrängung aus. Ich habe lange versucht mit ihm zu reden und meine Sorge zu erklären, zu verstehen was los ist, warum er nicht hingegangen ist und er findet Ausreden. Er hat noch nicht alle benötigten Dokumente zusammen, auf der Arbeit ist zu viel zu tun, es sei nicht wichtig, er hätte es vergessen, ich würde überreagieren - alles auf einmal. Er sagt, er ist seiner Arbeit treu und der Termin lag in seiner Arbeitszeit - das wird er aber aufgrund der Öffnungszeiten immer tun, auch wenn er einen neuen macht. Ich denke mir, wie soll das dann erst mit einer Therapie werden, wenn er sie bekommt? Macht er sie dann doch nicht, weil die Termine in seiner Arbeitszeit liegen könnten? Das Ende des Gesprächs war, dass er mir gesagt hat meine Sorgen seien lächerlich, er wohl schnell einen neuen Termin machen müsse und dann wurde die Tür zugeknallt. Seitdem Ignorieren.

    Mir geht es nicht gut. Ich habe mir versprochen, dass ich auf mich achte und allem einen Raum gebe, solange ich mich nicht schlecht fühle. Ab wann ist das Maß voll? Ich bin gelähmt. Ich fühle mich nicht respektiert, nicht gewertschätzt. Ich sehe, dass er versucht auf seine Art Nähe herzustellen und dann sehe ich unsere tiefgreifenden Kommunikationsprobleme. Er sagt, er ist noch nicht so weit, weiß nicht wie sein "normal" aussieht. Ich habe das Gefühl, ich komme darin nicht vor. Er verneint das und verhält sich mir gegenüber dann aber so, als bin ich die böseste Person auf dem Planeten, die immer übertreibt und immer angreift mit allem was ich anspreche. Das tut weh, ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Sein Verhalten schreit nach Unsicherheit und Überforderung, bei Gesprächen kann er mich nicht anschauen, geht durch den Raum, seine Stimme zittert und er sagt immer wieder "Ich weiß es nicht". Ich weiß es mittlerweile auch nicht mehr. Ich finde so kein neues Vertrauen. Und doch bin ich hier. Es ist so verdammt schwer.

    Hallo ihr Lieben, mein Partner ist seit letzter Woche vom klinischen Entzug wieder zuhause. Mir geht es okay, ich bewahre meinen Abstand und habe beschlossen, dass wir weiterhin zusammenleben können unter der Bedingung, dass es in der Wohnung nie wieder Alkohol geben wird. Er hat die Bedingung akzepiert. Bringt er Alkohol her, muss er ausziehen. Ansonsten ist ihm und auch mir noch vieles unklar und ich werde einfach schauen müssen, wie es sich entwickelt. Ich bewahre meinen Abstand und mein Stück zurückgewonnene Selbstständigkeit und mir wird sehr langsam (aber immerhin) etwas klarer, was ich eigentlich von dieser Beziehung möchte bzw. nicht mehr möchte. Wir sind unausgesprochen eine WG geworden, kein Druck in jegliche Richtung. Momentan fehlt mir emotionale Tiefe und ich weiß nicht, wie lange ich bereit bin darauf zu warten, jedoch möchte ich genau das machen: warten. Warten bis ich mir sicher bin, was ich möchte. Warten, um ihm eine Chance zu geben, denn er ist in einer Warteliste für einen Therapieplatz und seit neuestem beim Psychologen. Realistisch gesehen wird es dauern und dem möchte ich einen angemessenen Raum geben, solange es mir dabei nicht schlecht geht. Ich habe mir noch keine Gedanken machen wollen, was ich machen werde, sollte er rückfällig werden - das werde ich in meinen nächsten Therapiesitzungen ansprechen.

    Was mir in letzter Zeit sehr geholfen hat, waren Mantras, die ich mir auf einen Zettel geschrieben und auf meinen Schreibtisch gelegt habe. Zum Beispiel: "Ich arbeite mit ihm, solange ich mich dabei nicht selbst verliere" (wichtig, um mich in meiner Situation im Fokus zu behalten) oder "Ich erkenne an, dass etwas Neues passiert, ohne daraus schon Bedeutung für mich oder unsere Beziehung abzuleiten" (super gegen Dauergrübeln) oder "Ich kann zulassen, das er seinen Weg selbst geht" (das hilft mir aus dem Kontrollieren und unbedingt-helfen-Modus herauszukommen).

    So wie es ist, ist es nicht perfekt, es ist ein Dazwischen. Es ist ein wieder auf die Beine kommen, neu evaluieren. Und vorallem ist es langsam.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo Eule! Du kennst mich wahrscheinlich nicht, aber ich wollte dir einmal sagen, dass deine Geschichte die erste ist, die ich hier auf diesem Forum gelesen habe und du bist der Grund, warum ich den Mut gefunden habe, mich hier anzumelden. Ich wollte dir das einmal sagen. Ich hoffe, dir geht es gut.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo ihr Lieben, es ist jetzt über eine Woche her, seitdem mein Partner in die Entzugsklinik gegangen ist. Wir haben uns gestern kurz getroffen und geredet, ich habe ein paar Fragen gestellt. Ich weiß nicht wie lange er noch da bleibt außer dass er dort Angebote wahrnimmt und Gruppentherapie macht, da die Wartezeiten für Einzeltherapie sehr hoch sind. Es tut weh ihn so zu sehen, aber ich habe es meiner Meinung nach geschafft trotzdem bei mir zu bleiben. Ich schaffe es mitfühlend zu sein ohne dabei Verantwortung für ihn zu übernehmen. Habe weder Tips gegeben noch bin ich in Panik verfallen, auch wenn ich ein paar Dinge gehört habe, die mir nicht so gut gefallen. Ich versuche die Dinge so zu sehen wie sie sind, es liegt einfach nicht in meiner Hand. Ich bin stolz, dass ich mich mittlerweile besser abgrenzen kann. Klar gibt es Luft nach oben, aber die gibt es wohl immer.

    In letzter Zeit habe ich viel mit Freunden über meine Situation geredet und auch im Forum hier gelesen und ich habe gemerkt, dass es mir hier manchmal zu "doll" wird. Es gibt viele schlechte Erfahrungen, viele Warnungen und viele schlimme Schicksale zu lesen und ich merke, dass mich das zu sehr beeinflusst. Ich nehm es mir sehr zu Herzen und anstatt dass es mir hilft, fühle ich mich manchmal von außen dazu verdammt, dass meine Beziehung scheitern wird. Ich denke, ich muss wieder mehr in mich gehen und in meiner Situation leben anstatt mir so viele andere durchzulesen.

    Es ist noch vieles ungewiss und ich bin dabei mir Stück für Stück, ohne Druck, zu überlegen was ich möchte und was nicht. Zum Beispiel möchte ich nie wieder Alkohol in der Wohnung haben. Ich selber trinke gar nichts mehr seit September und habe momentan auch nicht vor, irgendwann wieder dieses Zeug anzufassen. Es hat einfach zu viel Leid verursacht für mich.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo ihr Lieben. Mein "Partner" ist jetzt stationär im Entzug.

    Uff. Ich schwanke zwischen Optimismus und Pessimismus, zwischen Hoffnung und Angst. Ich muss den Fokus auf mich legen, denn er ist in guten Händen und wird versorgt, ich darf da nicht reingretschen. Er hat mir ein paar Updates geschickt und nun ist Funkstille - eigentlich gut. Ich bin allerdings total im Panikmodus, weil ich nicht glauben kann, dass er den Schritt endlich gegangen ist. Ich denke die ganze Zeit, er kommt gleich wieder zur Tür rein. Schwer abzuschütteln, weil es so frisch ist. Da muss ich durch.

    Wie schon gestern geschrieben, muss ich extrem aufpassen nicht ins Kümmernmuster zu verfallen - er muss seine Erfahrungen selber machen, er ist für sich verantwortlich - nicht ich. Wenn er es durchzieht, muss ich schauen wie ich mich damit fühle. Wenn er es nicht durchzieht, dann bleibt der alte Plan bestehen. Ich muss mir klarmachen, wo meine Grenzen und Bedürfnisse liegen, meine Gefühle sortieren. Und unabhängig von allem muss ich weiter zu mir selber finden, mein Leben leben.

    Hallo ihr Lieben. Mein "Partner" hat sich heute zur Klinik fahren lassen und hat mir textlich mitgeteilt, dass sie ihn aufnehmen werden, er aber noch Sachen von zuhause holen will. Zuhause wollte er dann etwas später mit mir reden. Ich habe zugestimmt, will ja wissen was jetzt überhaupt los ist, worauf ich mich einstellen muss.

    Er hätte direkt ein Bett für den stationären Entzug gehabt und die Ärztin hat ihm 1Std Zeitfenster gegeben bevor das Bett nicht mehr für ihn vorgemerkt werden kann. Er hat die eine Stunde zuhause ausgesessen. Er hat geweint, er hat extreme Angst, er fühlt sich alleine und sagt, er schafft es nicht. Wir haben lange geredet, über unsere Beziehung, die Wohnung, unsere Probleme. Ich bin dabei geblieben, dass er sich bitte eine Wohnung suchen muss und er hat gesagt, er ist komplett überwältigt von allem. Er liebt mich über alles, mag die Wohnung und was wir uns aufgebaut haben und es tut ihm Leid, dass er sich erst jetzt um sein Problem kümmert. Ich habe sehr doll geweint und er wollte mich ein paar Mal in den Arm nehmen, ich habe es 2x zugelassen, weil ich völlig fertig war. Es war sehr emotional und ehrlich, ich habe ihn noch nie so fertig gesehen, er hat auch sehr doll geweint und ich merke, wie er leidet und wie wichtig ich ihm noch bin. Und er mir auch. Ich kann aber nicht mehr zurück zu dem, wie es mal war. Es geht nicht. Er hat mich gefragt, wo die Probleme meiner Meinung nach angefangen haben, wenn man den Alkohol wegnehmen würde und ich habe gesagt, der Alkohol ist der Ausgangspunkt für vieles. Ich habe ihm gesagt, dass ich an mir arbeite und er das auch machen muss. Er will Therapie ohne Entzug, weil er Angst vor dem Leben in Abstinenz und vor dem Verlust von Freunden und den 4 Wochen stationären Aufenthalt hat. Ich habe ihm gesagt, dass die Therapie ohne Entzug nichts bringen wird, da einer der Gründe warum er überhaupt Therapie braucht, der Alkohol ist. Er hat sich entschuldigt für alles was er mir angetan hat und ich habe gesagt, mir geht es nicht um Schuld und er muss anfangen sich zu helfen. Dann bin ich spazieren gegangen.

    Eben hat er mir gesagt, er wird morgen wieder dorthin zurück gefahren und er packt jetzt seine Sachen für den stationären Entzug. Ich habe ihn umarmt und nochmal betont, dass er das richtige tut. Auch, dass für ihn dort unsere Beziehung nicht im Vordergrund stehen sollte, sondern nur er selber. Dass er sich trotzdem um eine Wohnung bemühen muss und ich aber verstehe, wenn das nicht so einfach geht, wenn er jetzt 4 Wochen nicht da ist. Es ist außerdem nicht sicher, dass sie morgen direkt ein Zimmer für ihn frei haben.


    Ich bin ehrlich, ich habe schon viel Schei**e in meinem Leben erlebt, eine schwere Depression gehabt und ich glaube ich war trotzdem noch nie so emotional aufgewühlt und mitgenommen wie jetzt gerade. Dieser Mensch ist mir trotz allem so wichtig. Ich kann mich mittlerweile besser abgrenzen als vor 3 Monaten und ich muss das auch weiterhin üben und machen. Vielleicht klingt das für viele hier wie eine Manipulation durch ihn und ich bin mir darüber bewusst, dass es so sein könnte. Ich habe ein paar Punkte weggelassen von unserem Gespräch, aber ich habe das Gefühl, zumindest jetzt gerade, dass er wirklich wirklich leidet und es angehen möchte. Er sagt er war vorher schon bei der Suchtberatung und hat dort gelogen, er hat zugegeben unsere Freunde über seinen Konsum belogen zu haben. Er sagt, er kann das jetzt nicht mehr, er sieht dass er bricht. Ich glaube ihm.

    Ich versuche weiterhin vorsichtig zu sein und bin in erster Linie erstmal überfordert. Ich wollte, dass er sich Hilfe sucht und nun ist es soweit und meine Gefühle sind gemischt. Ich glaube, was er gesagt hat und dass es ihm sehr schlecht geht und es nicht mehr aushält. Ich weiß gleichzeitig, dass ich es nicht tragen kann, dass ich mich distanzieren muss und ihm jetzt nicht die ganze Hand geben darf und der kleine Finger vielleicht schon zu viel war - ich weiß es nicht genau. Ich habe gemerkt, wie erleichtert er zwischen den Tränen war, dass wir reden und ich ihm wieder Aufmerksamkeit schenke, er macht sich Hoffnung. Das macht mir ein mulmiges Gefühl, ich kann gerade keine Hoffnung auf eine Beziehungswiederaufnahme gebrauchen, es ist viel zu früh. Habe auch versucht das rüberzubringen. Vorerst ordne ich es für mich als Produkt seiner Verzweiflung und Einsamkeit ein. Ich bin einfach nur besorgt um ihn und über mich. Mein Gefühl ihn im Stich zu lassen, ist riesengroß und ich muss aktiv dagegen ankämpfen. Es ist so tief in mir verankert: Wenn jemand Hilfe braucht, helfe ich. In den nächsten Tagen/Wochen werde ich mir viele Gedanken machen müssen, wie ich mit der Situation umgehen kann, sodass es sich für mich richtig anfühlt. Eine feine Linie, das wird schwer. Ich muss weiterhin versuchen und üben meine Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen nicht seinen unterzuordnen, selbstbewusster und gefestiger werden.

    Bitte seid nicht zu streng zu mir, es ist viel passiert.

    Liebe Grüße, Halbmond

    Hallo EllaDrei , danke für deine Worte. Vor dieser Frage hatte ich Angst, denn ich kann sie nicht sicher beantworten. Ich sehe nicht, dass er sich um eine Wohnung bemüht, denn ich sehe gerade gar nichts - ich bleibe für mich in meinem Zimmer, koche mir Essen, putze, entmülle die Wohnung und er meidet mich, so wie ich ihn. Heute haben wir das erste Mal seit über einem Monat mehr als zwei Sätze miteinander ausgetauscht. Das Thema "Wohnung" ist für mich eine große Angstquelle, sowohl in Bezug auf meinen "Partner" als auch in Bezug auf Mitbewohnersuche, denn die kann ich erst anfangen, wenn ich weiß, dass er eine Wohnung gefunden hat. Die Mitbewohnersuche an sich wird eine riesige Herausforderung sein, denn ich hatte in all den WG-Jahren schon 12 Mitbewohner (3er WG) und selten war das eine gute Erfahrung.

    Ich weiß, ich muss das Thema demnächst ansprechen und davor habe ich Bammel ohne Ende.

    Liebe Grüße!

    Hallo Halbmond,

    so wie ich es hier schon ganz oft gelesen habe, macht eine psychiatrische Behandlung erst Sinn, wenn derjenige nicht mehr trinkt.

    Deswegen ist das komisch, dass er nicht erstmal eine Entgiftung macht und dann seine psychischen Probleme angeht. Wer weiß, was er der Ärztin erzählt hat...

    Hallo Aurora, danke für deine Antwort. Habe gerade nochmal recherchiert und in dem örtlichen ZiP werden tatsächlich auch stationäre/teilstationäre Entzüge angeboten.

    Ich bleibe skeptisch, alleine aus Selbstschutz. Vielleicht wird er auch gar nicht hingehen.