Halbmond02 - Alkoholabhängiger Partner

  • Ein kleines Update, ich konnte immer noch nicht mit ihm reden und werde das auch erst einmal nicht tun. Die Kündigung hatte ich auf den Küchentisch gelegt und er hat sie unterschrieben. In 3 Monaten muss er raus sein. Ich habe versucht mir meine Wohnung, in der ich nun seit über 10 Jahren lebe, genauer anzuschauen und es muss einiges gemacht werden, wovon ich keine Ahnung habe, weil ich es noch nie machen musste - Tapete abreißen und erneuern, der Boden in der Küche ist kaputt etc. Als ich dann im Baumarkt für Moltofill war, kam es alles über mich, der Druck, die Überwältigung und ich hatte eine deftige Panikattacke. Mir ist das alles zu viel auf einmal, das schaffe ich so nicht. Ich werde versuchen über das Wochenende woanders unterzukommen und ein bisschen Abstand zu gewinnen, ich bin einfach alle und habe keine Kraft mehr.

    LG, Halbmond

  • Hallo liebe Halbmond,

    Diese Situation kenne ich auch. Ich schleppe mittlerweile Möbel von A nach B, und trage in meiner Damentasche Bits 😉 Manchmal komme ich gar nicht klar und habe keine Ahnung was ich kaufen muss, um etwas konkretes zu reparieren.
    Bei uns zuhause macht sich die Umstellung bemerkbar, ich mach was ich kann… Halbmond, probiere deinen Druck zu reduzieren, du musst nicht alles können!
    Liebe Grüße Ino

  • Danke Ino , das macht mir ein bisschen Hoffnung, dass ich mit der Situation auch irgendwann besser klarkommen kann. Ich habe jetzt zumindest schon ein paar Sachen zum Tapezieren zusammengesucht. Ansonsten gehe ich auch wieder arbeiten und merke, dass es mir gut tut. Meine Arbeit gibt mir ein Stück Selbstbewusstsein zurück und dort werde ich wertgeschätzt, das fühlt sich gut an. Innerhalb der Wohnung meiden wir uns, es wird auch nicht geredet. Die Atmosphäre ist miserabel und ich versuche trotzdem irgendwie zurechtzukommen und für mich zu sorgen. Kleine Schritte.

    Liebe Grüße, Halbmond

  • Hallo ihr Lieben, ich wollte mal wieder von mir hören lassen.

    Meine Situation hat sich nicht großartig verändert, aber ich gehe vorwärts. Mein Expartner hat bis Ende Mai Zeit hier auszuziehen und naja, seitdem ich spontan als Reaktion auf sein erneutes Verheimlichen und Trinken schlussgemacht hatte (fast einen Monat her), vermeidet er es mich zu sehen. Anfangs bin ich viel in meinem Zimmer geblieben, weil ich nicht zufällig im Flur auf ihn treffen wollte. Das hat sich jetzt etwas gelockert, ich will mich in meiner Wohnung frei bewegen können und falls ich auf ihn treffe, dann ist das so. Falls ich weinen muss, dann ist das so. Ich möchte mich nicht weiter selber einschränken. Wenn ich mich in der Wohnung frei bewege, bleibt er in seinem Zimmer. Eigentlich wollte ich nochmal ein richtiges Gespräch mit ihm führen um eine freundliche Grundlage zu schaffen, aber ich denke nicht, dass das passieren wird. Er hat komplett ausgecheckt.

    Ich muss immer noch tapezieren. Habe das noch nie gemacht und Angst davor, aber mein Bruder möchte mir helfen und ich weiß, dass ich es einfach angehen muss anstatt es in meinem Kopf zu katastrophisieren. Meiner Hausverwaltung habe ich auch wieder geschrieben, da die Silikonfugen in der Dusche ausgetauscht werden müssen, sie sind einfach total alt. Bald kommt ein Fliesenleger dafür. Der wird dann auch meine kläglichen DIY Reperaturversuche sehen und hoffentlich bekomme ich nicht die Rechnung dafür. Gestern habe ich das Bad grundgereinigt so gut es ging. Das war super anstrengend und frustrierend und es sieht jetzt nur minimal besser aus als vorher, aber immerhin saß ich nicht tatenlos herum. Der komplette Küchenboden muss ausgetauscht werden, keine Ahnung wie ich das stemmen soll. Es gibt so viele Baustellen hier, die ich jahrelang ignoriert habe, das muss einfach angegangen werden. Eins nach dem anderen.

    Auf der anderen Seite bin ich total dankbar über den Rückhalt, den mir meine Familie, Freunde und Kolleginnen geben. Ohne sie wäre ich verloren. Wenn ich sage, dass ich viel zu wenig schaffe und noch so viel gemacht werden muss, wird mir gesagt "Es ist schon super stark, dass du überhaupt jeden Tag aufstehen kannst in deiner Situation" - Ja. Stimmt. Es ist eine verdammt harte Zeit, aber es ist wie es ist. Solange ich keinen Schritt zurückgehe, ist es okay.

    Liebe Grüße, Halbmond

  • Hallo Halbmond,

    Meine Situation hat sich nicht großartig verändert, aber ich gehe vorwärts.

    Darauf kommt es an: du gehst vorwärts. Das ist super.

    Leider dauert es oft schon eine Weile, bis ein Ergebnis sichtbar wird. Aber im Grunde genommen merkst du ja jetzt schon was. Du hast deinen Bruder, der dir helfen wird. Du hast einen Fliesenleger bestellt, der dir was am Bad arbeitet. Du hast dein Bad gründlich gereinigt. Das ist doch was. Da ist Bewegung drin.

    Du hast Rückhalt von Menschen. Auch das ist ein unschätzbarer Wert.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo ihr Lieben, ich wollte mal wieder pieps machen.

    Es geht mir nicht sehr gut. Es prasseln tausend Verpflichtungen auf mich ein während ich versuche hier und dort zu löschen, aber das Feuer wird gefühlt immer größer. Wie schon geschrieben, ist meine Wohnung sehr alt und alles gibt irgendwie den Geist auf. Ich bin nun in den Mieterschutzbund eingetreten und habe es heute endlich geschafft, mich zu überwinden und denen eine Email zu schicken mit all den Mängeln und Problemen, die ich habe. Ich hoffe sehr, dass sie mich beraten können und ich nicht die Kosten für all die Mängel selber tragen muss, weil das ein halbes Vermögen wäre und ich keine Ersparnisse besitze. Das ganze erdrückt mich und währenddessen komme ich jeden Tag zu Bier- und Zigarettengeruch nach Hause.

    Ich habe wieder angefangen aus Stress meine Fingernägel zu puhlen und bin fast jeden Tag am Weinen.

    Ich schaffe es zu putzen und zu funktionieren, aber es ist das bare minimum und wenn ich ehrlich bin, muss ich mir eingestehen, dass ich mich in einer depressiven Episode befinde. Ich werde ständig krank und komme nicht zur Ruhe.

    Das alles ist so schwer alleine durchzustehen und ich ertappe mich manchmal bei "Was wäre, wenn wir doch zusammen wären"-Gedanken, die ich schnell wieder verwerfe und die aber weh tun. Ich versuche nach vorne zu schauen.

    Liebe Grüße, Halbmond

  • Hallo Halbmond,

    Ich wohne auch noch in einer WG mit meinem Mann, er wird leider erst Ende August/Anfang September ausziehen, weil dann erst die Wohnung frei ist... Da wir Kinder haben, müssen wir reden, aber ich bemühe mich mein Leben so zu leben als wäre ich schon alleinerziehend ohne ihn aus dem Leben der Kinder zu drängen.

    Mir ist dieser Abschnitt hier ins Herz gegangen:

    Das alles ist so schwer alleine durchzustehen und ich ertappe mich manchmal bei "Was wäre, wenn wir doch zusammen wären"-Gedanken, die ich schnell wieder verwerfe und die aber weh tun. Ich versuche nach vorne zu schauen.

    Liebe Halbmond, du schreibst es hat sich alles in deiner Wohnung über Jahre aufgestaut. Das heißt für mich, auch als ihr in Beziehung gelebt hat hat er sich nicht um deine Wohnung gekümmert. Also wärst du auch in eurer Beziehung alleine mit diesem Berg an Schwierigkeiten...

    Ich weiß nicht ob es hilft, aber ein Zurück würde an deiner Last nichts ändern, oder?

    Halte durch, gehe weiter deinen Weg. Wenn du eine Pause machen musst dann nimm sie dir und atme durch... hast du die Möglichkeit wieder einen Akuttermin bei deiner Therapeutin zu bekommen?


    Viele Grüße Bärenmama

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