Beiträge von theel

    Möchtest Du das alles dem www wirklich so genau mitteilen, Theel?

    Ja, Aufarbeitung gehört gerade am Anfang auch dazu, gerade, wenn man sich in einer Lebenskrise befindet.

    Aber im Vordergrund sollte die Festigung der eigenen Abstinenz stehen, denn ohne die wirst Du das Ruder Deines Lebens nicht dauerhaft herumreißen können.

    Dazu gehört auch Wissen über die Funktionsweise von Sucht (Du kannst nicht "wieder in die Abhängigkeit rutschen*, denn einmal reingerutscht, wirst du die nie wieder los.)

    Ich denk es hilft zu verstehen, warum mich die letzte Trennung so belastet und an welchem Punkt ich gerade bin. Ich hatte mein Leben nach dem Tod meines Freundes aufgearbeitet bzw. immer wieder Phasen in denen ich mich zurückgezogen hab, um damit klar zu kommen was passiert war. Bin auch ganz froh, dass ich das gemacht hab, also die meisten Sachen hab ich schon verarbeitet und sie beschäftigen mich nicht mehr auf einem Level das mich beeinträchtigt. Werd aber den Psychologen nochmal fragen, ob es Sinn macht, da nochmal etwas anzuschauen.

    Ging mir jetzt eher darum, mal meine ganze Geschichte zu erzählen und nicht nur den letzten Teil. Hat mir selbst auch geholfen das nochmal aufzuschreiben. Die Festigung der Abstinenz und die Zukunft sind natürlich wichtiger, aber hat mich jetzt auch ein wenig aus diesem Festhängen bei der letzten Trennung rausgezogen.

    Ja, hätte eher schreiben sollen "der Abhängigkeit gegenüber gleichgültig sein". Ich wusste damals ja schon von meiner Sucht.

    Wenn es Dir etwas hilft: Zu einer jeden Beziehung gehören zwei. Und auch zu einer jeden Trennung! Ich selbst dachte auch anfangs, dass ich das "Hauptübel" bin (wurde ja auch entsprechend kommuniziert). Im Nachhinein stellt(e) sich so manches aber dann doch anders dar...

    Das mit dem Kloster, das würde ich übrigens wirklich machen. Ich kenne das von früher. Da hast Du richtig Zeit um über vieles nachzudenken, Dich ein wenig zu sortieren und Gespräche ("Impulse") gibt es dort auch immer interessante.

    LG, Stef.

    Hmm, ja ich weiß halt nicht was sie falsch gemacht haben soll. Selbst mich zu verlassen war richtig. Red mir das leider nicht nur ein, dass ich die Hauptschuld trage daran. Wüsste nicht wie sie sich anders hätte verhalten sollen. Aber ja, ändert leider eh nichts mehr.

    Ja, mir gehts halt um die Menschen, die diese mentale Stärke, aus welchem Grund auch immer, nicht haben. Aber finds gut, dass du sie hattest. Meine Trennung war halt einseitig und durch mich verschuldet. Ob es in der Zukunft gehalten hätte, weiß ich nicht, aber darum gehts mir glaub auch nicht. Ist eher das was ich mir selbst damit angetan hab, das mich so runterzieht. Auch immer schwächer, aber ja, es ist halt die Realität und ich sollte mich den Gefühlen die damit verbunden sind stellen. Das was du da auf dem Land getan hast, denke ich. Hab auch das Gefühl, dafür an einen anderen Ort zu müssen. Hab jetzt nur meinen Urlaub damit verbracht mich zu entgiften und Liebeskummer zu haben. Kann bei der Arbeit gerade nicht mehr fehlen, daher hab ich im Januar schonmal eine Woche Urlaub beantragt und muss jetzt planen wie ich es am nachhaltigsten gestalte. Denk das Kloster wär eine Möglichkeit. Zumindest gibt es da nichts das einen ablenkt. In der letzten Zeit hab ich zwar viel nachgedacht, aber merke auch wie ich mich an dem Punkt der richtig weh tut ablenke. Aber ich glaub ohne diesen Punkt gehts nicht. Werd aber nächste Woche mit meinem Psychologen nochmal sprechen, daher mach ich mich da jetzt erstmal nicht verrückt.

    Genau, und zu den Möglichkeiten in Wohnortnähe kann Dich doch die Suchtberatung am besten beraten ...

    Ja, da war ich ja schon und hab im neuen Jahr wieder einen Termin. Aber außer SHGs, Entgiftungsstation oder eben einer Tagesreha, wussten die jetzt auch nichts. Ist ja eigentlich genug Hilfe, aber für mich nicht wirklich das passende.

    Ja, weiß ich, aber gibt schon auch Dinge die das erleichtern. Geh bei mir aber auch von Monaten aus im Moment. Das es dann nach Jahren noch so an einem nagt über längere Zeit, hoff ich jetzt mal nicht.

    Wenn ich dich lese, fällt mir auf, wie oft von „man“ die Rede ist. Sobald dieses „man“ auftaucht, wird es allgemein und unklar – du sprichst für andere. Ich frage mich: Wer ist eigentlich dieser „man“? Du bist doch wegen dir hier.


    Warum bleibst du nicht einfach bei dir und deiner eigenen Geschichte? Wenn du wegen deiner Ex aufgehört hast, war das dein persönlicher Auslöser. Aber heißt das, dass du wieder trinken würdest, sobald jemand Neues das toleriert? Oder bist du dir sicher, süchtig zu sein und machst es für dich, nicht für irgendjemanden?


    Und ja: Saufen kostet auch Geld. Aber bei Gesundheit erwartest du, dass alles kostenlos ist? Und ja, es kann „alles besser sein“ – lenkt aber auch wunderbar von einem selbst ab. Hilft nur nicht, wenn ich die Welt retten oder verbessern will, bevor ich überhaupt bei mir selbst angefangen habe, oder?

    Zum Thema „In den Club aufgenommen werden“: Hier tauschen sich User aus, die trocken sind oder es werden wollen. Wir sind kein Ort für noch saufende mit leeren Parolen, Absichtserklärungen oder belangloses Gerede ohne Wirkung. "Man" kommt erst hierher, wenn "man" handelt und nicht nur redet.

    Es sind ganz normale Fragen, kein Angriff auf dich persönlich.

    Ja, ich spreche da ja über andere. Ich weiß ja wie ich zu dem Entschluss gekommen bin, aber ist ja bei jedem individuell. Mir ging es eigentlich nur um diese Phase in der der Entschluss noch frisch ist und hab an das gedacht, was mich dann wieder dazu gebracht hat, doch nicht aufzuhören in der Vergangenheit. Bin halt Sozialpädagoge, daher denk ich über sowas nach. Aber ist wohl eher was für das Diskussionsforum.

    Ich bin mir sicher süchtig zu sein. Darum ging es mir in dem Beitrag nicht. Mein Auslöser war eher die Trennung. Habs in der Beziehung ja nicht hinbekommen. Und ja, ich hab für mich den Entschluss gefasst, dass Alkohol nichts mehr in meinem Leben verloren hat. Ist mir egal ob das toleriert werden würde oder nicht, weil ichs ja selbst nicht will. Ich glaub nicht, dass ich eine Partnerin die häufig trinkt überhaupt attraktiv finden würde. Meine Ex hat ja nicht getrunken. Und wenn wir zusammen waren, hatte ich auch kein Verlangen nach Alkohol. Ich hab am Anfang der Beziehung auch nicht viel getrunken. Dann ist aber mein Opa gestorben und es gab eine nicht gerade schöne Situation mit dem Erbe, bei der Arbeit war es extrem stressig und ich hab Kontakt zu einem alten Freund mit Drogenproblemen gehabt, was auch immer wieder zu belastenden Situationen geführt hat, weil ich ihm da raus helfen wollte, er aber selbst nicht aufhören will bzw. die Sucht einfach nicht mehr sieht. Soll jetzt aber auch nicht von mir ablenken, ich hab den Kontakt beispielsweise eingestellt bzw. ihm gesagt, dass ich nichts mehr mit ihm machen werde, solang er sich nicht helfen lässt. Ich hab halt überlegt, warum ich dann wieder angefangen hab bzw. es sich langsam wieder in diese schlechte Richtung entwickelt hat, bis ich dann wieder total Ausfälle wie an diesem letzten Abend hatte. Ich hab irgendwie aufgehört nach mir zu schauen und wollte irgendwie funktionieren. Da dachte ich aber noch, dass ich Alkohol brauche um zu funktionieren, bis die Zeiten ruhiger werden und ich dann wieder aufhören kann. Kapier ich heute nicht mehr, aber ich hab ja auch kein vernebeltes Hirn mehr und bin psychisch stabiler.

    Weiß ich nicht, ob man erst selbst komplett geheilt sein muss, bevor man anderen helfen kann. Mir geht es da ja nicht um Ablenkung von mir selbst oder meinen Problemen. Das wär eher eine sinnvolle Aufgabe für die Zukunft für mich. Hab den Anfang ja schon hinter mir und die Tür zurück gibts in meinem Kopf nicht mehr.

    Ja, sollte auch kein Angriff auf das Forum sein. Versteh schon, dass sich hier wahrscheinlich jeden Tag 100 Leute anmelden und man das irgendwie sortieren muss. Find euer System da auch gar nicht schlecht. Ich weiß nur wie leicht man sich selbst Steine in den Weg legt, wenn der Entschluss noch nicht gefestigt ist. Hab ich ja selbst gemacht.

    Ich kann die zwei verstehen, Wetten ist aber makaber. War erst wütend und co. Aber jetzt scheiß ich drauf. Ich mache weiter. Juckt mich nicht. Habe wieder paar schwierige Tage geschafft.Freu, freu. Jetzt kommen bestimmt wieder paar nette Tage. Irgendwie immer der gleiche Ablauf. Heute ist Sonntag mir gehts gut, mein Ziel im Blick. Mache mir einen schönen Tag. Körper ist Heile, Psyche o.k. Konto füllt sich, keine Polizei, keine Blamagen, kein Kater, kein Entzug, keine Zerstörung. Ist doch toll!!

    Freut mich für dich, dass du den Modus gewechselt hast. Lass dich von sowas auf keinen Fall wieder reinziehen. War beim letzten Versuch mein Fehler auf die Zweifel der anderen zu hören.

    Hi Theel,

    die SHGs bei mir in der Nähe haben alle keine "Aufnahme" mit Formularen ausfüllen o.ä., da kannst Du einfach (einfach vielleicht nicht unbedingt)hingehen und schauen, ob das für dich was sein könnte. Bei den AA ist das generell überall so, da wird niemand abgewiesen, egal ob schon abstinent oder kurz vor dem Meeting noch Mut angetrunken.

    Hier im Forum stell ich mir das halt so vor, dass die 7tägige Abstinenz gewährleistet sein muss, weil der Austausch sonst keinen Sinn ergibt, wenn jemand Tag und Nacht stockbesoffen in die Tasten haut. Kennt man ja von sich selbst auch, dass man am nächsten Tag erschrickt, was man seiner Ex wieder für einen Müll geschrieben hat.

    Aber, um nochmal auf das ursprüngliche zurückzukommen, SHGs kosten nichts (kleine Spenden erwünscht)und stehen jedem offen. Falls du für dich noch auf der Suche bist. Und wer sich ein Zen-Kloster vorstellen kann, der passt bestimmt auch gut zu den AA. (einfach meine Vermutung wegen Glauben, Religiosität etc.)

    VG Soapstar

    Hey Soapstar,

    ok, dass wusste ich nicht, ich dachte diese Gruppen wären für Leute die schon eine Therapie hinter sich haben und trocken bleiben wollen. Wusste nicht, dass man dort auch am Anfang hingehen kann. War jetzt in der Kirche und hab mir mal einen Flyer mitgenommen. Momentan bin ich aber irgendwie auch ausgelastet mit Suchtberatung, Psychologe und den Online Angeboten. Werde aber trotzdem mal hinschauen, wenn ich Zeit habe. Auch um unter Leute zu kommen.

    Das versteh ich natürlich und sowas ist auch nicht sinnvoll, aber das merkt man ja schnell, wenn jemand nicht wirklich aufhören will. Denke ohne Wille meldet man sich hier aber auch gar nicht an. Aber da fehlt mir die Erfahrung derer die das hier betreiben. Sollte auch kein Angriff auf das das Forum direkt sein. Habe nur gestern nicht verstanden, warum es da so viele Steine auf dem Weg gibt, aber hab auch nicht an die Alkohollobby gedacht. Also gibt ja genug Interesse für manche Gruppen, dass man da eben nicht so genau drüber nachdenkt und nachher niemand mehr Alkohol trinkt. War ein wenig naiv mein Denken gestern. Dennoch würd ich da gern ein Programm entwickeln, dass es den Menschen möglichst einfach macht, weil es halt so schon schwer genug ist. Aber ist auch ein anderes Thema. Merk aber darüber auch, dass sich mein Hirn wieder traut zu denken, dass ich sowas könnte.

    Das Zen Kloster kostet auch fast nichts. Ab 7 Tagen zahlt man "nur" 35 Euro für einen Schlafplatz im Mehrbett Zimmer. Ist natürlich mit Klosterarbeit verbunden, aber sind nur 5 Stunden am Tag, also ist noch genug Zeit um sich mit sich selbst auseinander zu setzen, was eigentlich mein größtes Anliegen ist. Bin gläubig, aber da hab ich auch einen Knacks durch die Trennung, weil ich diese Chance halt verpasst hab. Aber ich weiß auch, dass es um Vergebung und Liebe gehen sollte in meinem Kopf. Fällt mir nur immer noch schwer.

    mag sein das es moralisch nicht in ordnung ist, doch hier prallen wieder zwei welten aufeinander. die eine die mit der sucht, die alles mit sich reißt und verschlingt und die andere die alles ertragen muss/musste. ich persönlich glaube, dass es mit zu dem prozess der aufarbeitung gehört, wie gesagt meine meinung. alle haben darunter gelitten und jeder geht damit anders um...

    gruss eternal

    Ja, man muss was ertragen, aber wenn man einen Menschen noch liebt und behalten will, sollte man kapieren, dass es eben die Sucht ist, die man nicht mag und nicht den Menschen. Wenn man das nicht mehr schafft, sollte man sich (vielleicht auf Zeit trennen), aber eine Aufarbeitung sollte stattfinden, wenn man dazu bereit ist und die besteht nicht daraus Menschen mit solchen Aussagen zu triggern. Man sollte einem Suizidalen auch nicht sagen, dass man drauf wettet, wann er sich wieder umbringen will, das ist im Endeffekt das gleiche. Dann lieber ehrlich sein und sagen, dass man damit nicht klar kommt und Abstand braucht.

    Was für ein auf und ab... Tage war es ruhig. Jetzt wieder Tage mit Saufgedanken- bestimmt die Nachwirkungen der Streitereien. 2 Tage ging es mir schlecht jetzt beruhigt es sich wieder.

    Meine Frau und meine Stieftochter haben gewettet wann ich wieder Saufen fahre- sehr makaber und verletzend für mich und triggernd. Ich mach mich von deren Hilfe nicht mehr abhängig ich muss da wohl alleine durch

    Und schon ist das Stigma da. Halt dich da echt fern, das brauchst du echt nicht grade. Sag ihnen ins Gesicht, dass du verstehst, warum sie nicht mehr an dich glauben, aber du gerade echt was anderes brauchst im Leben. Kapier nicht wie Menschen sowas machen können. Glaub nicht, dass deine Stieftochter das von sich aus macht. Das ist mehr als toxisch, sorry.

    Diese Männer haben bestimmt schon Kinder oder wollen keine mehr. Was auf die Frauen in dem Alter auch zutrifft. Daher wirds mit 40 kritisch. Ob ich eine Beziehung will, ohne Familienplanung, muss ich erst noch entscheiden, aber ich denk auch eher nicht, außer das wär jetzt wirklich meine Traumfrau und sie würde Kinder adoptieren wollen.

    Vielleicht reicht für dich eine ambulante Reha, dann kannst du weiterhin arbeiten!! Und 1 Mal die Woche zur realen Selbsthilfegruppe ist auch sehr sehr gut. Spreche aus Erfahrung.

    Was meinst du mit ambulanter Reha? Es gibt soweit ich weiß kein Angebot, dass einem ermöglicht in Vollzeit zu arbeiten. Außer Psychotherapie und Selbsthilfegruppen. Ich werde Urlaub nehmen müssen, wenn ich sowas machen will, aber bis dahin ist Ende Januar. Hab mir jetzt ein Zen Kloster im Schwarzwald rausgesucht. Denke das werd ich machen. Aber im Moment zahl ich das alles selbst. Wenn man kein Geld hat, muss man allein klar kommen oder auf Entgiftung, hab ich das Gefühl. Abgesehen von dem was Online angeboten wird. Das hilft schon, aber wenn es bei mir nicht zu dieser Situation mit der Trennung gekommen wäre, die mich dann dazu gebracht hat wirklich aufhören zu wollen, wäre ich schon wieder am trinken, weil die Situation einfach zu viel ist, um damit allein zu sein. Wenn man sich mal entschlossen hat, dann kommt erstmal die Phase in der man in so einer Art Zwischenwelt lebt.

    Also nicht falsch verstehen, ich bin dankbar für den Austausch und wünschte ich hätte mich früher entschlossen, das nicht allein zu machen, aber ich glaub auch, dass 50% der Leute die weiter machen einfach keinen Anschluss irgendwo finden und dann in der Einsamkeit den Entzug durchmachen und es natürlich nicht schaffen, weil es einfach zu hart ist allein. Find das echt schade und bin als Sozialpädagoge auch am überlegen wie man das besser machen könnte. Ich merk es ja jetzt bei mir selbst wie das ist und wenn man mal über diesen Anfang hinweg ist und wieder mit Menschen nüchtern redet, dann ist es nicht mehr so schwer dabei zu bleiben. Aber diese erste Woche ist halt entscheidend, denk ich. Und wenn ich ehrlich bin, hab ich mich dazu gezwungen hier weiter zu schreiben, weil halt auch viel kommt das einen eher runterzieht. Aber das ist vielleicht subjektiv.

    Ich persönlich find es nur besser, wenn man nicht erst in einen Club aufgenommen werden muss, um aufzuhören. Ich versteh schon, dass das manche brauchen, aber es geht ja eigentlich darum, dass für sich selbst zu machen und dabei begleitet und unterstützt zu werden. Natürlich muss man da Menschen finden, die einem Mut machen. Und die findet man auch wenn man sich wirklich entschlossen hat. Aber in meiner ersten Woche hier, wurde ich als Säufer bezeichnet, weil ich von 5-10 Bier pro Abend auf 1-2 reduziert hatte, damit ich eben kein Delirium bekomme. Hätte ich das ernst genommen, wäre ich vielleicht nicht an diesem Punkt an dem ich bin. Und die Chance in der ersten Woche ist halt 50/50. Für mich war das jedenfalls so. Bin jetzt soweit ganz zufrieden, weil der Liebeskummer abflacht und sich alles zum relativ guten wendet langsam, aber ich versteh nicht wieso man es den Menschen die wirklich aufhören wollen, so schwer macht. Es wär viel einfacher, wenn man eine oder einen der sich wirklich dazu entschlossen hat aufzuhören mit Liebe aufnimmt, anstatt dieser Krankheit soviel Macht zu geben. Ist auch dieses Stigma Thema.

    Aber ja, ich hab aufgehört mich zu fragen, warum die Menschheit so ist, wie sie ist. Ich persönlich denk halt, dass es einfacher wäre, wenn man sich der Welt gegenüber öffnet. Will und kann nicht jeder, das versteh ich auch, aber für mich war es der Schritt der wirklich was verändert hat. Und da passt Angst nicht, also zumindest bei mir nicht. Wovor sollte man auch Angst haben, wenn man das richtige tut? Aber klar, der Alkohol Entzug bringt einen dann schon dazu, wenn man alleine ist. Und das müsste halt in vielen Fällen nicht sein, weil Sucht eigentlich immer eine Reaktion auf einen Mangel an zwischenmenschlicher Liebe ist. Das sieht man ja auch an den Zahlen. Die Rückfallquote ist höher, wenn man kein unterstützendes Umfeld hat. Hab das ja auch selbst in der Beziehung gemerkt. Ich hab es geschafft mit Rauchen aufzuhören, was ich mir jetzt grade mal so in der Theorie vorstellen kann. Und ich bin mir eigentlich sicher, dass es daran lag, dass diese Beziehung in mir genug körpereigenes Dopamin auszuschütten, damit ich das andere nicht mehr gebraucht habe. Und die Zahlen sprechen halt auch dafür. Darum kapier ich grade nicht, warum man nicht einfach hilft.

    Aber wenn ich mir dann denke, was dieses Stigma gesellschaftlich auslöst und wie Alkoholiker eigentlich als verdeckt Aussätzige behandelt werden, was ich ja an mir selbst auch merke, dann ist es eigentlich klar, warum die meisten sich nicht oder nur teilweise öffnen und dann halt in diesem Zustand stecken bleiben, bis sie wieder rückfällig werden. Und um meine Wut darüber noch mehr zu Ausdruck zu bringen. Es gibt im Internet "Mentoren" die 800€ dafür nehmen einem Menschen 30 Tage beizustehen, damit man das hinbekommt. Die meisten Menschen in der Situation haben aber nichts mehr. Aber das Stigma vom Habe Nichts sprech ich erst gar nicht an.

    Jedenfalls gibt es meiner Kenntnis nach keine Möglichkeit für mich einfach 2 Wochen mal woanders zu sein, als Geld dafür zu bezahlen. Die Entgiftung selbst darf auch nur im eigenen Landkreis stattfinden, also ich darf nicht mal das Krankenhaus in dem mein Bruder arbeitet meiden. Und ja, wenn ich nicht ernsthaft selbst aufhören wollen würde und diese Steine im Weg einfach ignorieren würde, wäre ich wahrscheinlich nach der ersten Woche wieder auf die bekannten Bahnen abgebogen. Und das nervt mich gerade. Sorry. Ist wahrscheinlich gar nicht so gemeint gewesen, aber es gibt in meinem Fall wenige Möglichkeiten. Selbst wenn ich auf Entgiftung gehen wollen würde, wäre das erste Ende Januar möglich.

    Ich bin nicht plemplem aber es kommt mir wirklich so vor als wäre der sprichwörtliche böse "Geist aus der Flasche" in meine Frau gefahren. Die Situation gestern war so krass, man hat mit allen Mitteln versucht mich zum ausflippen zu bringen und ich war auch kurz davor.

    Das ist doch aber genauso wie du es sagst. Sie wird selbst ein Alkoholproblem haben?

    Ich meinte keine Frau. Mir geht es grad eher darum ein normales Umfeld zu haben. An eine Beziehung denk ich im neuen Jahr wieder, denke ich. Da mach ich mir grad keine Hoffnungen, bin auch nicht bereit, jetzt jemand wirklich kennenzulernen. Aber ich bin soweit, dass ich auch nicht mehr zurück will. Klar, wär das schön, aber wenn sie wirklich die richtige gewesen wäre, hätten wir uns ja gar nicht erst getrennt oder sie wäre von allein zurück gekommen. Ich weiß, dass ich noch am Anfang bin, aber hab mich schon genug im Griff um diese Sachen, die in der Beziehung schlecht liefen, nicht wieder passieren zu lassen. Natürlich glaubt sie mir das nicht oder will es gar nicht wissen, aber ist mir mittlerweile (fast) egal. Ich hab über diese Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol so viele gruselige Geschichten gelesen, was in Beziehungen passiert, dass ich mich eigentlich als passablen Partner sehen kann, auch wenn ich ein Eifersuchtsproblem habe. Der Alkohol ist für mich Geschichte und alles was schlecht war in der Beziehung hatte damit zu tun. Ob sie mir jetzt glaubt, dass das so ist oder nicht, kann ich nicht beeinflussen, hab ihr jedenfalls nie etwas böses gewollt oder sie wirklich schlecht behandelt. Mein einziger Fehler war eigentlich, dass ich nicht funktioniert habe, aber wer funktioniert schon wenn er jeden Tag mindestens 3 Bier trinkt. Dazu kommt dann noch diese emotionale Mauer, die man aufbaut. Ich hatte am Anfang des körperlichen Entzugs einen Tag an dem ich total glücklich war. Denk mittlerweile, dass ich durch den Alkohol auch mein Glücksempfinden kaputt gemacht hatte und da dann zum ersten Mal gefühlt hab, was ich eigentlich in der Beziehung empfunden hatte. Aber seis drum. Jedenfalls hab ich kapiert, dass Alkohol einen nicht nur abhängig macht, sondern auch die Seele offen legt und angreifbar macht. Weiß nicht genau wie ich das erklären soll, aber ich glaub das ist der Grund, warum Menschen durch Alkohol zu "Monstern" werden. Man könnte ja auch einfach nur lallen und schwanken, aber meist holt der Alkohol ja das schlechteste aus einem Menschen raus und man fragt sich hinterher was man da eigentlich gemacht hat. Ist vielleicht nicht für jeden was diese spirituelle Sichtweise, aber kann man ja auch mit Verhaltenspsychologie erklären wenn man mag. Wenn man das aber mal kapiert hat, fällt es einem gar nicht mehr so schwer darauf zu verzichten find ich.

    Die Frage wie ich damit in Zukunft umgehe, hab ich mir auch schon gestellt. Dieses Stigma das man als Alkoholiker oder eben trockener Alkoholiker hat, ist wahrscheinlich der größte Rückfallfaktor. Ich hab aber nicht vor, dieses Stigma anzunehmen, wenn ich ehrlich bin. Die meisten Menschen haben halt nicht dieses Verständnis für eine Suchtkrankheit und stempeln einen als ewigen Junkie ab. Ich find das aber fatal, da es einen dann immer wieder runterzieht bzw. in diese Position bringt, dass man schwächer als der Alkohol ist. Dabei muss man ja kapieren, dass man stärker ist und der Alkohol einfach nur ein Getränk, über dessen Folgen man sich lange nicht bewusst war, selbst wenn man es geahnt hat. Mir hilft das mehr als Angst zu haben. Im Angstzustand verändert sich das Hirn auch nicht. Also ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich beruflich mit Psychologie zu tun habe und mich privat auch dafür interessiere. Aber der Angstzustand ist eher was neurobiologisches. In dem Zustand lernt das Hirn nicht, weil es mit Überleben beschäftigt ist (selbst wenn es keine echte Bedrohung gibt). Alkohol zu trinken, versetzt einen permanent in diesen Zustand und man trainiert sich den Angstmodus an. Ich weiß nicht, ob da ein Stigma hilfreich ist, aber wem es hilft, sollte dabei bleiben, wenn es keine andere nachhaltige Lösung gibt. Also ich habe nicht vor, beim ersten Date zu sagen, dass ich ein Alkoholiker bin. Würde eher erklären, warum ich davon überzeugt bin, dass es besser ist, keinen zu trinken, aber ihr natürlich die Freiheit zu lassen, sollte sie das wollen. Wenn sie es dann mal weglassen würde, würde sie ja selbst merken, was das Zeug mit einem macht. Aber will jetzt auch nicht mein Problem an andere Leute abgeben. Ist ja mit der Eifersucht das gleiche, da kann die Partnerin ja auch nichts dafür. Glaub eine Frau, die viel trinkt würde eh nicht mehr zu mir passen.

    Sorry, jetzt hab ich selbst den Faden verloren. Also es ging um mein Umfeld. Hab zwar Kumpels und merk auch, dass ich mich bei vielen einfach nicht mehr gemeldet hatte, weil ich gar kein Interesse mehr hatte was zu machen, dass mich davon abhält dabei zu trinken. Mit 40 ist es halt anders Leute kennenzulernen, bilde ich mir zumindest ein.