Beiträge von Toffifee

    Weil ich ja auch noch Freude dabei empfinde.

    So geht es mir aktuell auch. Gestern habe ich mir meine Abstellkammer vorgenommen und 2 Müllsäcke voller Krempel weggebracht. Die Türe steht immernoch offen, weil ich mich jedes Mal freue, wie ordentlich das ist, wenn ich vorbei gehe.

    Ich habe beim Sortieren auch das Gefühl, meinen Kopf zu sortieren. Irgendjemand hat mal zu mir gesagt "Wie es in Deiner Wohnung aussieht, sieht es auch in Deinem Kopf aus. Wenn zu viel unterschiedliches Zeug rumkullert, bist Du nur noch am Suchen" Für mich ist da was dran.

    Es ist schön, zu lesen, wie zufrieden Du damit zu sein scheinst und das motiviert mich :)Liebe Grüße und weiter viel Freude!

    Guten Morgen! Tag 12 ist vorbei und ich bin nüchtern!

    Gestern war ein recht guter Tag, auch wenn ich zwischendurch immer mal nachdenklich war.

    Ich habe ein paar Aufgaben geschafft, die schon länger im Hinterkopf kreisten und echt nervig waren. Aber das Gefühl danach war toll! Allerdings wurde ich am Nachmittag etwas unruhig, weil ich das Gefühl hatte, noch nicht genug erledigt zu haben und es setzte das Eichhörnchensyndrom ein (ich renne von einem Zimmer ins andere, fange in jedem Zimmer etwas an und bekomme nichts fertig). Glücklicherweise war es dann Zeit, mit dem Nachwuchs zur Ergo zu fahren und der Kreis war unterbrochen.

    Mit meiner Geduld sah es gestern auch wieder ein klitzekleines bißchen besser aus. Das reichte mir schon.

    Am Abend haben wir dann die Weihnachtsbeleuchtung in die restlichen Fenster gehängt und noch dekoriert und es kam tatsächlich ganz leise ein wenig Vorfreude auf. Das war schön!

    Wird da vlt. schon etwas vorbereitet? Hör mal in dich rein.

    Dein Satz ging mir gestern noch öfter durch den Kopf. Heute bin ich der Meinung, dass ich Deine und Hartmuts Nachricht ein wenig zu schnell entkräftet habe. Ich glaube, ich hatte einen Tunnelblick und habe mal im Augenwinkel geschaut, warum ich einen Plan für das Wochenende brauche. Zum einen ist es aus der letzten Langzeit. Dort habe ich gelernt, dass es besser für mich ist, für jeden Tag eine Aufgabe/Ausflug etc. zu planen, damit ich nicht vor dem Fernseher versacke und dann erst gelangweilt und dann frustriert bin. Zum Anderen vertraue ich mir noch nicht ganz und möchte mir ein kleines Sicherheitsnetz spannen. Wenn ich 2,5 Tage alleine bin, hat mein Suchtgehirn zu viel Spielraum, zu flüstern. Wenn ich aber jeden Tag zumindest ein paar Stunden mit jemandem zusammen bin, wird die Möglichkeit geringer. Ich bin jemand, der öfter mal in Grübelschleifen gerät (daran arbeite ich auch) und wenn Gedanken an Alkohol da mit reingeraten, wird es schwer. Da habe ich nicht nur ein Mal verloren. Um es in einem Satz zusammenzufassen: Ich plane das Wochenende, um mich sicherer zu fühlen. Noch zu meinem Plan B: mit "da bin ich sicher" meinte ich, dass ich mich dort sicher fühle. Die Familie lebt in einem alkoholfreien Haushalt und wir haben ein recht enges und vertrautes Verhältnis (Abgesehen davon, dass die Sucht an sich nicht thematisiert wird, damit kann er nichts anfangen. Als ich ihn mal darauf ansprach, meinte er, dass er dann Parallelen zwischen mir und unserem Erzeuger sieht und das will er nicht.). Ich weiß, dass seine Tür mir immer offen steht und ich eben auch mal spontan dort übernachten kann.

    Heute muss ich ein bisschen Papierkram erledigen, den ich auch schon viel zu lange vor mir herschiebe. Lust habe ich keine, aber ich freue mich auf das Gefühl danach. Am Nachmittag steht Weihnachtsbäckerei an.

    Liebe Grüße!

    Wird da vlt. schon etwas vorbereitet?

    Wie nah stehst du schon davor?

    Liebe Moderatoren, vielen Dank für die Nachrichten! Ich habe mich oben wohl mehrdeutig ausgedrückt...

    Ich spüre aktuell keinen Suchtdruck und fühle mich sicher vor einem Rückfall (bin aber aufmerksam). In Bezug auf meine alte SHG: Ich war 2015 zum letzten Mal dort. Ich war zu dem Zeitpunkt 2 Jahre trocken (und danach ja auch noch fast 8 weitere). Mit dem oben genannten Rückfall meinte ich den ab 2023 und eben den, den ich am 27.11. beendete.

    Eure Nachrichten bestätigen aber mein Gefühl, das ich oben im letzten Abschnitt beschrieb. Danke, dass Ihr so aufmerksam seid!

    Besser ist es, wenn du mir vorher meldest, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

    Das werde ich tun, wenn es mal so sein sollte. Danke! Ich möchte ja auch andere nicht in Gefahr bringen.

    Tag 11 ist geschafft und ich bin nüchtern.

    Gestern verlief etwas angenehmer als Samstag, war aber weg wie nix. Ich frage mich schon seit einiger Zeit immer mal, wo die letzte Woche hin ist. Auch wenn ich nicht getrunken hatte, war das so. Mit Alkohol verstärkte sich das natürlich nochmal, weil ich immer 1-2 Tage brauchte, wieder in die Gänge zu kommen. Das gehört zu einem meiner Punkte, die gegen das Trinken sprechen: Ich will mehr von meiner Zeit! Ich habe ohnehin so wenig davon, die will ich nicht mehr an den Alkohol verplempern. Auch wenn es mir körperlich nie sonderlich schlecht ging, verkroch ich mich immer aus Scham und Frust auf mich selbst.

    Heute möchte ich den Vormittag nutzen, 2-3 h die Bude zu sortieren und genau so viel Zeit, mich zu sortieren. Ich möchte "sauber" in das neue Jahr gehen und so wenig wie möglich Altlasten mit ins neue Jahr nehmen. Wichtig ist diese Woche noch, das Wochenende zu planen. Der Nachwuchs hat Papa-Wochenende, das birgt ein Risiko für mich ("kriegt ja keiner mit"). Ich habe schon Anfang 30 aufgehört, in Gesellschaft zu trinken. Zu der Zeit war ich ziemlich frustriert und unzufrieden mit meinem Leben und das brach im Suff raus. Da bekam jeder um mich rum etwas ab. Denn damals waren es ja immer die anderen, die an meinem Elend schuld sind. Nüchtern war mir das dann immer wahnsinnig unangenehm und ich bekam auch gespiegelt, dass die nüchterne und die betrunkene Toffifee wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde sind. Weil ich das nicht mehr wollte, trank ich heimlich. Mr. Hyde sollte nicht mehr in die Öffentlichkeit.

    Die Idee, Freitag in meine alte SHG zu gehen, steht immernoch. Ich hoffe, ich kneife nicht. Aber ich merke ja hier schon, dass ich mich in so einer Runde nicht schämen muss, einen Rückfall zuzugeben. Für Samstag brauche ich eben noch etwas, Plan B ist immer, zu meinem Bruder zu fahren, da bin ich auch sicher.

    Gestern ging mir noch durch den Kopf, dass, auch wenn ich erst seit 11 Tagen nüchtern bin, sich etwas anders, besser, sicherer anfühlt, als die vielen Male davor, bei denen ich zwar viel Tagebuch geschrieben hatte, aber keinen Kontakt zu anderen. Trotzdem muss ich achtsam bleiben. Ich stehe erst am Anfang des Weges und er hat auch kein Ende. Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Mal das Gefühl habe, Weggefährten zu haben. Laufen muss ich alleine, aber in Gesellschaft ist es leichter.

    Danke!

    Für mich hatte der Begriff „trocken“ immer etwas, das man sich erst verdienen muss.

    So fühlt es sich für mich auch an.

    Ich nehme die Sache vielleicht zu wörtlich: Abstinenz bedeutet für mich Enthaltsamkeit/ Verzicht. Da schwingt für mich immer so etwas wie "Ich würde ja vielleicht, wenn ich könnte"

    "Trocken" fühlt sich für mich eher an wie "Interessiert mich nicht mehr". Bzw. ist da für mich mehr emotionale Distanz drin.

    Weihnachten und Neujahr sind, besonders am Anfang, ein heißes Pflaster.

    Bei mir ist das Jahresende ab November immer recht schwierig. Ich habe auch schon ein paar Veranstaltungen "ausgedünnt", wie z.B. die Firmenweihnachtsfeier, das kann ich gerade nicht gebrauchen. Zwischen den Feiertagen habe ich auch schon einen "Runterkommtag" eingebaut, ich hoffe, das klappt auch.

    Hallo Abstinenzler,

    Immer auf Körper und Psyche hören, die sagen einem so es reicht ruh dich mal aus

    Ich versuche es. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass mein Körper das, was ich ihm angetan habe, so gut wegsteckt. Irre, was das für ein Wunderwerk ist. Ich bin erstmal dabei, mich wieder zu ernähren, nicht nur das Hungergefühl zu beseitigen. Beim Nachwuchs achtete ich immer darauf, ich selbst war es mir nicht wert.

    Der Psyche traue ich noch nicht ganz. Da artet ein "Ruh Dich aus" gerne mal in tagelange Lethargie aus und dann steh ich wieder vor einem Berg Arbeit. Ich versuche es mit aufmerksamen Ausruhen, bei dem ich nicht nur irgendwo rumliege, sondern es auch bewusst mache, indem ich mir sage:"Ich mache das jetzt für MICH!". Am Wochenende ist das aber eher schwierig, aber die kommenden Vormittage will ich das testen und versuchen, das zu etablieren. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich schon die nötige Disziplin habe.

    Guten Morgen!

    Tag 10 ist geschafft und ich bin nüchtern!

    Ich war gestern irgendwie von mir selbst genervt. Ich hatte eine ziemlich kurze Zündschnur und es krachte immer mal zwischen dem Nachwuchs und mir, gefolgt von einem schlechten Gewissen.

    Ich bin alleinerziehende Mama eines Grundschulkindes und unser beider ADHS machte uns gestern zu schaffen. Ich hatte Schwierigkeiten, mit den Gedanken bei der Sache zu sein und der Nachwuchs hatte einen enormen Tatendrang und forderte gefühlt im 5-Minuten-Takt meine Aufmerksamkeit ein, was mich ja immer wieder aus meinem Gesankengang riss. Unser üblicher Helfer, die Eieruhr (30 min, in denen ich meins machen kann, dass 30 min Kinderzeit) funktionierte gestern nicht.

    Trotzdem bin ich froh, dass ich nicht aus Wut den Weihnachtsmarkt sausen ließ, denn dann hätte ich mir ja selbst ins Knie geschossen. Der war dann auch echt schön. Wie waren auf einem kleinen in einer Nachbargemeinde. Ich kann den großen in der Stadt nicht mehr ab: zu voll, zu laut und an jeder Ecke stinkt es nach Glühwein (den mochte ich noch nie). Der Nachwuchs fand es auch schön, auch wenn Mama am Ende an den Ständen öfter "Nein" sagen musste. Der Abend war dann entspannter. Wir haben uns auf das Sofa gekuschelt und einen Film angemacht. Ich machte nebenbei Handarbeit, das holte mich schön runter. Ich war erleichtert, dass der Nachwuchs verstand, dass ich nicht im Bett bleibe, bis er schläft, weil ich noch 1h für mich alleine brauche.

    Am Ende war ich froh, dass der Tag rum war, weil ich weiß, dass es solche Tage geben kann. Als ich dann am Abend alleine war, dachte ich, vor 2 Wochen hätte ich mit Sicherheit getrunken. Das war zwar kein Suchtdruck, aber für mich auch eine Art, wie der Alkohol sich in meine Gedanken schummelt. Ich muss da aufmerksam bleiben.

    So, ich betrachte Tag 9 als geschafft!

    Der Tag lief nicht ganz wie geplant, das Kind musste früher aus der Schule abgeholt werden und ich musste etwas umplanen. Aber ich war stolz, vor ein paar Wochen hätte das sicher Panik und Suchtdruck ausgelöst.

    Ich habe wieder ein paar Aufgaben erledigt (unter anderem die Weinflaschen weggebracht und da weit und breit kein Mensch war sagte ich dabei "Auf nimmer wiedersehen!". Nun ist auch der ganze Nikolaus- und Weihnachtssüßkram angeschafft (obwohl mich der Preis echt erschreckte!) und ich habe ein Handarbeitsprojekt fast fertig, das ich verschenken möchte.

    Am Abend war ich dann zu einer familiären Pflichtveranstaltung, von der ich schon vorher wusste, dass es anstrengend werden kann. War auch so. Aber dort wird zumindest nicht getrunken. Aber auch das war etwas, das Suchtdruckpotential hatte. Heute hat mir geholfen, an morgen zu denken. Ich möchte mit dem Nachwuchs zum Weihnachtsmarkt und will die Vorfreude nicht versauen. Das hat das Kind nicht verdient (und ich auch nicht). Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Trinkerei meines Erzeugers und jede Feier versaut hat, wie ziemlich jeder geplante Ausflug deswegen ins Wasser fiel und wie furchtbar jedes Weihnachten für uns war. Mein Kind soll Weihnachten so lange wie möglich für etwas Wundervolles halten. Das färbt ja auch ein bissel ab.

    Jetzt bin ich aber auch platt aber sehr dankbar, heute keinen Druck gehabt zu haben. Das gibt mir Zuversicht.

    Ich sagte zu einem Bekannten ich bin trockener Alkoholiker, worauf er nach ein paar Wochen fragte willst ein Bier oder nen Schnaps. War ich fassungslos und sauer... Und Tschüß!!!

    Das hatte ich (in meinen 10 abstinenten Jahren) auch. "Ach komm, ist doch nur ein Radler, da ist doch kaum was drin!" ... Ich drehte mich dann auch nur um und ging.

    Oft ist es ja so, dass das Gegenüber befürchtet, ein trockener Alkoholiker will ihm den Alkohol wegnehmen und ihn missionieren. Aber die Sucht ist mein Problem, nicht das der anderen.


    Überfordere dich nicht und höre auf Körper und Geist, bei mir löst Überforderung Saufgedanken oder Suchtdruck aus

    Das ist eine meiner großen Baustellen. Ich kann Grautöne nicht. Ich kann nur Vollgas oder Parken. Das muss ich wieder üben. Den. Unterforderung lässt mich auch auf dumme Gedanken kommen. Es ist krass, welch gegensätzliche Trigger Suchtdruch auslösen können.

    Hallo und guten Abend!

    Vielen Dank für Eure Nachrichten!

    Es ist ein Prozess, trockene Alkoholiker*innen die aufrechten Hauptes durchs Leben gehen. So möchte ich sein und mich nicht schambehaftet wegducken.

    Genau das möchte ich wieder werden. Ich war ja schon mal vor 10 Jahren an dem Punkt. Ich habe aber den Fehler begangen, zu vergessen, achtsam und aufmerksam zu bleiben. Ich habe auch gemerkt, wie mein Kopf in den letzten Monaten immer weiter nach unten und meine Schultern immer weiter hoch gingen. Ich kam heute auf die Idee, wenn der Nachwuchs bei Papa ist, mal wieder in meine alte SHG zu gehen. Ich glaube, ich würde mich riesig freuen, ein paar bekannte Gesichter zu sehen, vorausgesetzt natürlich, dass da noch welche von vor 10 Jahren sind...

    Guten Morgen!

    Tag 8 ist geschafft!

    Vielen lieben Dank für die Aufnahme. Ich bin gespannt auf den Austausch und freue mich, wenn ich meinen Beitrag leisten kann. Ich werde in den nächsten Tagen aber vielleicht erstmal nur hier bleiben und lesen.

    Ich hatte letzte Nacht Schwierigkeiten, einzuschlafen, weil mir tausend Dinge durch den Kopf gingen. Meine Abwesenheit auf Arbeit muss ein bissel organisiert werden und das ist mir unangenehm. Dort weiß niemand von meiner Sucht und das soll auch so bleiben, ist besser so. Dass ich dort sage, ich trinke keinen Alkohol (bei Feiern oder so) wird auch so akzeptiert, da bin ich nicht die einzige.

    Das Gespräch gestern hat mich berührt. Wie schon erwähnt, fällt es mir schwer, für die Sucht (ich habe auch noch andere Erkrankungen) Verständnis anzunehmen. In meinem nächsten Umfeld ist das Stigma sehr ausgeprägt. Da fällt es auch schwer, für sich selbst anzuerkennen, dass es eine Krankheit ist. Wissen und annehmen sind bei mir leider manchmal zwei Paar Schuhe.

    Heute will ich nutzen, die nächsten Wochen zu organisieren, erstmal die unumgänglichen physischen Angelegenheiten und dann die Arbeit an mir. Ich will darauf achten, dass beides seine benötigte Zeit bekommt und ich meine "gewonnene" Zeit nicht verwende, nur liegen gebliebenes abzuarbeiten. Aber im Endeffekt ist die Arbeit an mir ja in den letzten Monaten auch liegen geblieben. Das ist ein ganz schöner Berg. Aber ich muss mir immer wieder sagen, dass auch Berge weg gehen, wenn man Stein für Stein wegträgt. Ich muss mir nur bewusst halten, dass manche Steine immer wieder kommen und darf nicht wieder in dieses "Wozu mache ich das denn alles, Nächte Woche muss ich mich wieder damit rumärgern"

    Eins vergaß ich noch:

    Als ich gestern bei meiner Ärztin raus war, klopfte tatsächlich der Alkohol an und meinte "Da kannst Du ja heute nochmal, auf den einen Tag kommt es nicht an". Ich konnte ihn zum Schweigen bringen. In Gedanken schrie ich ihn an, dass es sehr wohl auf jeden einzelnen Tag ankommt und er mich in Ruhe lassen soll. Ich habe da ein Bild meiner alten Therapeutin im Kopf und das funktionierte einige Jahre recht gut. Sie sagte: "Stellen Sie sich vor, der Alkohol ist ein alter Freund. Als Sie ihn kennen lernten war er auch ein guter Freund. Sie haben mit ihm gefeiert, er hat ihnen Mut gemacht, wenn Sie welchen brauchten u d war bei Ihnen, um abzuschalten. Aber er ist ein heimtückischen Freund, er will Sie ganz für sich alleine. Früher oder später wird er dafür sorgen, dass Sie Freunde, Familie und sogar sich selbst verlieren. Er lebt von Ihnen wie ein Parasit. Sie haben jetzt verstanden, dass er Ihnen schadet und ihn vor die Tür gesetzt, auch wenn das schwer fiel. Aber er wird wieder kommen und an die Tür klopfen, manchmal leise, manchmal schreit er. Er wird sagen: "Komm, wir hatten doch auch gute Zeiten!" Und wie bei einem menschlichen Freund, der Ihnen am Ende nicht mehr gut tat, müssen Sie die Tür verschlossen halten und sich vor ihm schützen."

    So, ich bin von meiner Ärztin zurück.

    Ich schilderte Ihr, was in den letzten 2 Monaten so los war und sie zeigte Verständnis und bot mir Unterstützung an. Ich bin total froh.

    Körperlich ist bei mir alles in Ordnung, die Blutwerte kommen morgen. Sie ruft mich aber nur bei Auffälligkeiten an.

    Sie wird mich bis Jahresende krank schreiben, damit ich mich sortieren kann. Bedingung ist ein wöchentlicher Abstinenznachweis. Wir haben vereinbart, dass wir, wenn ich das doch nicht schaffen sollte, einen Klinikaufenthalt machen.

    Ich finde das gut, so habe ich noch ein wenig extrinsische Motivation.

    Guten Morgen,

    Tag 7 ist geschafft!

    Ich schlief recht gut, wachte nur früher als geplant auf, aber das macht nichts. Ich habe zum Einschlafen ein Hörspiel angemacht, das hilft, dass es in meinem Kopf nicht ständig rattert. Das hatte ich in den letzten Wochen auch nicht mehr gemacht. Gestern ging mir so durch den Kopf, dass ich einige Dinge, die mir helfen, in den letzten Wochen nicht mehr gemacht hatte: Musik hören, Handarbeit, Tagebuch schreiben. Ich war wieder in alte Verhaltensmuster gefallen und habe mich, wenn der Tag erledigt war, vor den Fernseher gesetzt. Der bringt das Rattern im Kopf ja auch zum Schweigen. Mir fiel dann wieder ein, dass in meiner letzten Langzeit gesagt wurde, passive Hobbies erhöhen die Rückfallgefahr. Nun ja, sie hatten recht, zumindest bei mir.

    Heute nachmittag ist mein Termin bei der Suchtärztin. Ich bin ein wenig nervös, denn ich habe die (unsinnige) Angst, sie zu enttäuschen. Ich versuche, den Tag bis da hin möglichst sinnvoll zu verbringen und mir zu sagen, dass sie ein Profi ist und ich nicht die einzige bin, die so vor ihr sitzt.

    Hallo Hartmut,

    Das ist mir bewusst, ich möchte ja nicht so schnell wie möglich aufgenommen werden, sondern, wenn Ihr Euch sicher seid. Denn dann fühle ich mich auch sicherer, hier richtig zu sein.

    Trotzdem hilft es mir, hier zu lesen und in meinem Bereich zu schreiben.

    Heute lief der Tag fast wie geplant. Die Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe, habe ich fast geschafft. Nur eine habe ich verschoben. Ich wollte die letzten leeren Weinflaschen los werden. Aber ich hatte Angst, dass bei dem Geruch (auch an den Containern) etwas anspringt. Aber sie sind zumindest aus der Wohnung raus, ich habe sie im Kofferraum deponiert, das Auto nutze ich nur selten. So fühle ich mich sicherer, auch wenn die natürlich noch im Hinterkopf rumdümpeln.

    Der Nachmittag war anstrengend. Der Nachwuchs hat meine Geduld enorm strapaziert. Ich konnte mich einigermaßen ruhig halten, indem ich mir sagte, dass der Alkohol seinen Teil dazu beigetragen hat, dass mein Geduldsfaden so dünn ist. (Den Satz habe ich mir auch auf meine Motivationsliste geschrieben.)

    Ich werde auch zusammen mit dem Nachwuchs ins Bett gehen. Ich genieße es, zu kuscheln und meist schlafe ich kurz nach dem Kind ein.

    Guten Morgen!

    Ich habe Tag 6 geschafft! Ich schlief auch recht gut, wurde gegen Mitternacht kurz wach und hatte Appetit auf Schokolade. Das war in meinen trockenen Jahren aber normal. Ich habe mich eher kurz gefreut, dass mein Appetit wieder da ist.

    Eine Frage noch. Hast du dem Arzt schon gesagt, dass du wieder aufhören willst, oder machst du das erst am Donnerstag beim Suchtarzt?

    Ich habe es meinem Hausarzt schon gesagt. Ich habe das Glück, offen mit ihm sprechen zu können, es hat mich trotzdem Überwindung gekostet. Aber es hilft mir, wenigstens mit den Ärzten offen zu sprechen. Er war nicht begeistert, dass ich nicht bis zur qualifizierten Entgiftung warten will, den Alkohol weg zu lassen, aber ich möchte nicht länger warten aus Angst, dass es mir emotional noch schlechter geht, wenn ich nochmal trinke. Ich hatte bislang immer "Glück", keine körperlichen Entzugserscheinungen zu haben, soll mich aber bei ihm melden, sobald welche auftreten. Er hat mich trotzdem erstmal krank geschrieben.

    Heute möchte ich ein paar Dinge erledigen, die liegen geblieben waren und versuchen, weniger Kaffee zu trinken und nicht den halben Tag vor der Glotze zu hängen. Ich muss nur aufpassen, nicht wieder alles auf einmal machen zu wollen. Wenn das nämlich nicht klappt, bin ich frustriert und wenn doch, klopft der Alkohol auch an, weil ich mir ja eine Belohnung verdient habe.

    Aber das Suchtgedächtnis lügt, es macht nichts besser, wenn ich trinke oder hält das gute Gefühl länger. Ich muss dann nur wieder von vorne anfangen. Den Gedanken muss ich immer im Kopf haben.

    Hallo Hartmut,

    Danke für Deine Antwort.

    Wie sieht es bei dir aus: Siehst du dich als Alkoholiker, und ist dein Wunsch auch eine lebenslange Abstinenz?

    Ich habe mich da vielleicht zu vorsichtig ausgedrückt, ich sehe mich als Alkoholiker, das steht außer Frage. Gerade die letzten Monate haben bewiesen, dass es "nur heute mal" nicht gibt und ich habe gemerkt, dass ich auf dem besten Weg wieder dort hin bin, wo ich mich Ende 2024 schon mal raus gekämpft habe. Ich strebe eine lebenslange Abstinenz an.

    Was ich auch verstanden habe ist, dass mir der Austausch fehlt. In meinem Umfeld spricht man nicht gern über das Thema Alkoholsucht und in der Familie gibt es dafür auch wenig Verständnis, da wird es als Charakterschwäche gesehen.

    Wer von „Ausrutschern“ spricht, beschönigt nur. Oder ? Für mich gibt es keine Ausrutscher, es gibt nur Rückfälle

    Ich hatte nicht vor, etwas zu beschönigen, ich war beim Schreiben aufgeregt und habe nicht darauf geachtet, beide Begriffe zu verwenden. Mein Suchtberater und ich haben uns bei einmaligem Konsum auf "Ausrutscher" geeinigt, weil ich Angst hatte, mich als Totalversager zu sehen und die Flinte ins Korn zu schmeißen. Genau betrachtet waren die letzten 2 Monate ein Rückfall mit Trinkpausen.

    Wann hast du das letzte Mal etwas getrunken, und weiß dein Arzt, dass du komplett aufhören möchtest?

    Ich habe seit 5 Tagen nichts mehr getrunken und bei meinem Arzt die Karten auf den Tisch gelegt. Am Donnerstag habe ich einen Termin bei meiner Suchtärztin und will versuchen, dort wieder in einen teilstationären Entzug zu kommen. Vollstationär geht bei mir leider nicht, auch wenn ich weiß, dass das besser wäre.

    Ich suche hier die Möglichkeit, meine Motivation aufrecht zu erhalten, indem ich viel lese und mich mitteilen kann.

    Hallo, ich möchte mich hier kurz vorstellen.

    Ich habe 2013 zum ersten Mal eingesehen, dass ich abhängig bin und war nach einer Langzeittherapie 10 Jahre abstinent.

    2021 kamen Lebensumstände (privat und beruflich), die mich in einen Burnout und damit auch wieder in die Sucht drückten.

    Ende 2024 nahm ich noch einmal eine Langzeittherapie in Angriff, die sich auch wirklich gut anfühlte.

    Seit 2 Monaten hatte ich aber wieder einige Ausrutscher, aus den letzten beiden wurden wieder mehrere Tage.

    Da es meine familiäre Situation nicht zulässt, abends zu Vor-Ort-Selbsthilfegruppen zu gehen, versuche ich, digital zumindest etwas annäherndes zu finden.

    Ich möchte mich nicht mehr mühevoll aus Trinksituationen rauskämpfen, um ein paar Tage später wieder zu denken, ich hätte es im Griff. Und ich fände es toll, abends mitteilen zu können, dass ich nüchtern ins Bett gehe.


    Liebe Grüße, Tofdifee