Guten Morgen!
Tag 8 ist geschafft!
Vielen lieben Dank für die Aufnahme. Ich bin gespannt auf den Austausch und freue mich, wenn ich meinen Beitrag leisten kann. Ich werde in den nächsten Tagen aber vielleicht erstmal nur hier bleiben und lesen.
Ich hatte letzte Nacht Schwierigkeiten, einzuschlafen, weil mir tausend Dinge durch den Kopf gingen. Meine Abwesenheit auf Arbeit muss ein bissel organisiert werden und das ist mir unangenehm. Dort weiß niemand von meiner Sucht und das soll auch so bleiben, ist besser so. Dass ich dort sage, ich trinke keinen Alkohol (bei Feiern oder so) wird auch so akzeptiert, da bin ich nicht die einzige.
Das Gespräch gestern hat mich berührt. Wie schon erwähnt, fällt es mir schwer, für die Sucht (ich habe auch noch andere Erkrankungen) Verständnis anzunehmen. In meinem nächsten Umfeld ist das Stigma sehr ausgeprägt. Da fällt es auch schwer, für sich selbst anzuerkennen, dass es eine Krankheit ist. Wissen und annehmen sind bei mir leider manchmal zwei Paar Schuhe.
Heute will ich nutzen, die nächsten Wochen zu organisieren, erstmal die unumgänglichen physischen Angelegenheiten und dann die Arbeit an mir. Ich will darauf achten, dass beides seine benötigte Zeit bekommt und ich meine "gewonnene" Zeit nicht verwende, nur liegen gebliebenes abzuarbeiten. Aber im Endeffekt ist die Arbeit an mir ja in den letzten Monaten auch liegen geblieben. Das ist ein ganz schöner Berg. Aber ich muss mir immer wieder sagen, dass auch Berge weg gehen, wenn man Stein für Stein wegträgt. Ich muss mir nur bewusst halten, dass manche Steine immer wieder kommen und darf nicht wieder in dieses "Wozu mache ich das denn alles, Nächte Woche muss ich mich wieder damit rumärgern"
Eins vergaß ich noch:
Als ich gestern bei meiner Ärztin raus war, klopfte tatsächlich der Alkohol an und meinte "Da kannst Du ja heute nochmal, auf den einen Tag kommt es nicht an". Ich konnte ihn zum Schweigen bringen. In Gedanken schrie ich ihn an, dass es sehr wohl auf jeden einzelnen Tag ankommt und er mich in Ruhe lassen soll. Ich habe da ein Bild meiner alten Therapeutin im Kopf und das funktionierte einige Jahre recht gut. Sie sagte: "Stellen Sie sich vor, der Alkohol ist ein alter Freund. Als Sie ihn kennen lernten war er auch ein guter Freund. Sie haben mit ihm gefeiert, er hat ihnen Mut gemacht, wenn Sie welchen brauchten u d war bei Ihnen, um abzuschalten. Aber er ist ein heimtückischen Freund, er will Sie ganz für sich alleine. Früher oder später wird er dafür sorgen, dass Sie Freunde, Familie und sogar sich selbst verlieren. Er lebt von Ihnen wie ein Parasit. Sie haben jetzt verstanden, dass er Ihnen schadet und ihn vor die Tür gesetzt, auch wenn das schwer fiel. Aber er wird wieder kommen und an die Tür klopfen, manchmal leise, manchmal schreit er. Er wird sagen: "Komm, wir hatten doch auch gute Zeiten!" Und wie bei einem menschlichen Freund, der Ihnen am Ende nicht mehr gut tat, müssen Sie die Tür verschlossen halten und sich vor ihm schützen."