Toffifee-Vorstellung

  • Guten Morgen!

    Tag 10 ist geschafft und ich bin nüchtern!

    Ich war gestern irgendwie von mir selbst genervt. Ich hatte eine ziemlich kurze Zündschnur und es krachte immer mal zwischen dem Nachwuchs und mir, gefolgt von einem schlechten Gewissen.

    Ich bin alleinerziehende Mama eines Grundschulkindes und unser beider ADHS machte uns gestern zu schaffen. Ich hatte Schwierigkeiten, mit den Gedanken bei der Sache zu sein und der Nachwuchs hatte einen enormen Tatendrang und forderte gefühlt im 5-Minuten-Takt meine Aufmerksamkeit ein, was mich ja immer wieder aus meinem Gesankengang riss. Unser üblicher Helfer, die Eieruhr (30 min, in denen ich meins machen kann, dass 30 min Kinderzeit) funktionierte gestern nicht.

    Trotzdem bin ich froh, dass ich nicht aus Wut den Weihnachtsmarkt sausen ließ, denn dann hätte ich mir ja selbst ins Knie geschossen. Der war dann auch echt schön. Wie waren auf einem kleinen in einer Nachbargemeinde. Ich kann den großen in der Stadt nicht mehr ab: zu voll, zu laut und an jeder Ecke stinkt es nach Glühwein (den mochte ich noch nie). Der Nachwuchs fand es auch schön, auch wenn Mama am Ende an den Ständen öfter "Nein" sagen musste. Der Abend war dann entspannter. Wir haben uns auf das Sofa gekuschelt und einen Film angemacht. Ich machte nebenbei Handarbeit, das holte mich schön runter. Ich war erleichtert, dass der Nachwuchs verstand, dass ich nicht im Bett bleibe, bis er schläft, weil ich noch 1h für mich alleine brauche.

    Am Ende war ich froh, dass der Tag rum war, weil ich weiß, dass es solche Tage geben kann. Als ich dann am Abend alleine war, dachte ich, vor 2 Wochen hätte ich mit Sicherheit getrunken. Das war zwar kein Suchtdruck, aber für mich auch eine Art, wie der Alkohol sich in meine Gedanken schummelt. Ich muss da aufmerksam bleiben.

  • ie waren auf einem kleinen in einer Nachbargemeinde.

    Da gehe ich heute auch hin. Das ist wirklich viel besser als ein "großer" Weihnachtsmarkt.

    auch wenn Mama am Ende an den Ständen öfter "Nein" sagen musste.

    Das klingt vollkommen normal ^^

    Weihnachten und Neujahr sind, besonders am Anfang, ein heißes Pflaster. Aber wie Du auch schreibst "aufmerksam bleiben" hilft. Und im Voraus überlegen wo ich hingehe. Wichtig ist, dass ich zu jeder Zeit dort wegkann, falls es anfängt zu triggern.

    Schöner Sonntag noch :thumbup:

  • Hallo Abstinenzler,

    Immer auf Körper und Psyche hören, die sagen einem so es reicht ruh dich mal aus

    Ich versuche es. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass mein Körper das, was ich ihm angetan habe, so gut wegsteckt. Irre, was das für ein Wunderwerk ist. Ich bin erstmal dabei, mich wieder zu ernähren, nicht nur das Hungergefühl zu beseitigen. Beim Nachwuchs achtete ich immer darauf, ich selbst war es mir nicht wert.

    Der Psyche traue ich noch nicht ganz. Da artet ein "Ruh Dich aus" gerne mal in tagelange Lethargie aus und dann steh ich wieder vor einem Berg Arbeit. Ich versuche es mit aufmerksamen Ausruhen, bei dem ich nicht nur irgendwo rumliege, sondern es auch bewusst mache, indem ich mir sage:"Ich mache das jetzt für MICH!". Am Wochenende ist das aber eher schwierig, aber die kommenden Vormittage will ich das testen und versuchen, das zu etablieren. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich schon die nötige Disziplin habe.

  • Weihnachten und Neujahr sind, besonders am Anfang, ein heißes Pflaster.

    Bei mir ist das Jahresende ab November immer recht schwierig. Ich habe auch schon ein paar Veranstaltungen "ausgedünnt", wie z.B. die Firmenweihnachtsfeier, das kann ich gerade nicht gebrauchen. Zwischen den Feiertagen habe ich auch schon einen "Runterkommtag" eingebaut, ich hoffe, das klappt auch.

  • Ich bin alleinerziehende Mama eines Grundschulkindes und unser beider ADHS machte uns gestern zu schaffen. Ich hatte Schwierigkeiten, mit den Gedanken bei der Sache zu sein und der Nachwuchs hatte einen enormen Tatendrang und forderte gefühlt im 5-Minuten-Takt meine Aufmerksamkeit ein, was mich ja immer wieder aus meinem Gesankengang riss. Unser üblicher Helfer, die Eieruhr (30 min, in denen ich meins machen kann, dass 30 min Kinderzeit) funktionierte gestern nicht.

    Hallo Toffifee ich kann es gut nachvollziehen. Kenn ich von meiner tochter und mir...

    Gruss

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Tag 11 ist geschafft und ich bin nüchtern.

    Gestern verlief etwas angenehmer als Samstag, war aber weg wie nix. Ich frage mich schon seit einiger Zeit immer mal, wo die letzte Woche hin ist. Auch wenn ich nicht getrunken hatte, war das so. Mit Alkohol verstärkte sich das natürlich nochmal, weil ich immer 1-2 Tage brauchte, wieder in die Gänge zu kommen. Das gehört zu einem meiner Punkte, die gegen das Trinken sprechen: Ich will mehr von meiner Zeit! Ich habe ohnehin so wenig davon, die will ich nicht mehr an den Alkohol verplempern. Auch wenn es mir körperlich nie sonderlich schlecht ging, verkroch ich mich immer aus Scham und Frust auf mich selbst.

    Heute möchte ich den Vormittag nutzen, 2-3 h die Bude zu sortieren und genau so viel Zeit, mich zu sortieren. Ich möchte "sauber" in das neue Jahr gehen und so wenig wie möglich Altlasten mit ins neue Jahr nehmen. Wichtig ist diese Woche noch, das Wochenende zu planen. Der Nachwuchs hat Papa-Wochenende, das birgt ein Risiko für mich ("kriegt ja keiner mit"). Ich habe schon Anfang 30 aufgehört, in Gesellschaft zu trinken. Zu der Zeit war ich ziemlich frustriert und unzufrieden mit meinem Leben und das brach im Suff raus. Da bekam jeder um mich rum etwas ab. Denn damals waren es ja immer die anderen, die an meinem Elend schuld sind. Nüchtern war mir das dann immer wahnsinnig unangenehm und ich bekam auch gespiegelt, dass die nüchterne und die betrunkene Toffifee wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde sind. Weil ich das nicht mehr wollte, trank ich heimlich. Mr. Hyde sollte nicht mehr in die Öffentlichkeit.

    Die Idee, Freitag in meine alte SHG zu gehen, steht immernoch. Ich hoffe, ich kneife nicht. Aber ich merke ja hier schon, dass ich mich in so einer Runde nicht schämen muss, einen Rückfall zuzugeben. Für Samstag brauche ich eben noch etwas, Plan B ist immer, zu meinem Bruder zu fahren, da bin ich auch sicher.

    Gestern ging mir noch durch den Kopf, dass, auch wenn ich erst seit 11 Tagen nüchtern bin, sich etwas anders, besser, sicherer anfühlt, als die vielen Male davor, bei denen ich zwar viel Tagebuch geschrieben hatte, aber keinen Kontakt zu anderen. Trotzdem muss ich achtsam bleiben. Ich stehe erst am Anfang des Weges und er hat auch kein Ende. Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Mal das Gefühl habe, Weggefährten zu haben. Laufen muss ich alleine, aber in Gesellschaft ist es leichter.

    Danke!

    Einmal editiert, zuletzt von Toffifee (8. Dezember 2025 um 06:08)

  • Aber ich merke ja hier schon, dass ich mich in so einer Runde nicht schämen muss, einen Rückfall zuzugeben.

    Das musst du hier ganz sicher nicht.
    Kommt der Gedanke von dir oder von deinem Sichthirn? Wird da vlt. schon etwas vorbereitet? Hör mal in dich rein.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Die Idee, Freitag in meine alte SHG zu gehen, steht immernoch. Ich hoffe, ich kneife nicht. Aber ich merke ja hier schon, dass ich mich in so einer Runde nicht schämen muss, einen Rückfall zuzugeben. Für Samstag brauche ich eben noch etwas, Plan B ist immer, zu meinem Bruder zu fahren, da bin ich auch sicher.

    Schämen musst du dich nicht, wenn du einen Rückfall hast. Wir sind hier deine Gruppe, und wenn es so ist, dann ist es eben so. Es ist ja kein Schnupfen. Besser ist es, wenn du mir vorher meldest, wenn etwas nicht in Ordnung ist.;) Wie nah stehst du schon davor?

    Und deinen Plan B habe ich. Geh nicht hin.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Wird da vlt. schon etwas vorbereitet?

    Wie nah stehst du schon davor?

    Liebe Moderatoren, vielen Dank für die Nachrichten! Ich habe mich oben wohl mehrdeutig ausgedrückt...

    Ich spüre aktuell keinen Suchtdruck und fühle mich sicher vor einem Rückfall (bin aber aufmerksam). In Bezug auf meine alte SHG: Ich war 2015 zum letzten Mal dort. Ich war zu dem Zeitpunkt 2 Jahre trocken (und danach ja auch noch fast 8 weitere). Mit dem oben genannten Rückfall meinte ich den ab 2023 und eben den, den ich am 27.11. beendete.

    Eure Nachrichten bestätigen aber mein Gefühl, das ich oben im letzten Abschnitt beschrieb. Danke, dass Ihr so aufmerksam seid!

    Besser ist es, wenn du mir vorher meldest, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

    Das werde ich tun, wenn es mal so sein sollte. Danke! Ich möchte ja auch andere nicht in Gefahr bringen.

  • Guten Morgen! Tag 12 ist vorbei und ich bin nüchtern!

    Gestern war ein recht guter Tag, auch wenn ich zwischendurch immer mal nachdenklich war.

    Ich habe ein paar Aufgaben geschafft, die schon länger im Hinterkopf kreisten und echt nervig waren. Aber das Gefühl danach war toll! Allerdings wurde ich am Nachmittag etwas unruhig, weil ich das Gefühl hatte, noch nicht genug erledigt zu haben und es setzte das Eichhörnchensyndrom ein (ich renne von einem Zimmer ins andere, fange in jedem Zimmer etwas an und bekomme nichts fertig). Glücklicherweise war es dann Zeit, mit dem Nachwuchs zur Ergo zu fahren und der Kreis war unterbrochen.

    Mit meiner Geduld sah es gestern auch wieder ein klitzekleines bißchen besser aus. Das reichte mir schon.

    Am Abend haben wir dann die Weihnachtsbeleuchtung in die restlichen Fenster gehängt und noch dekoriert und es kam tatsächlich ganz leise ein wenig Vorfreude auf. Das war schön!

    Wird da vlt. schon etwas vorbereitet? Hör mal in dich rein.

    Dein Satz ging mir gestern noch öfter durch den Kopf. Heute bin ich der Meinung, dass ich Deine und Hartmuts Nachricht ein wenig zu schnell entkräftet habe. Ich glaube, ich hatte einen Tunnelblick und habe mal im Augenwinkel geschaut, warum ich einen Plan für das Wochenende brauche. Zum einen ist es aus der letzten Langzeit. Dort habe ich gelernt, dass es besser für mich ist, für jeden Tag eine Aufgabe/Ausflug etc. zu planen, damit ich nicht vor dem Fernseher versacke und dann erst gelangweilt und dann frustriert bin. Zum Anderen vertraue ich mir noch nicht ganz und möchte mir ein kleines Sicherheitsnetz spannen. Wenn ich 2,5 Tage alleine bin, hat mein Suchtgehirn zu viel Spielraum, zu flüstern. Wenn ich aber jeden Tag zumindest ein paar Stunden mit jemandem zusammen bin, wird die Möglichkeit geringer. Ich bin jemand, der öfter mal in Grübelschleifen gerät (daran arbeite ich auch) und wenn Gedanken an Alkohol da mit reingeraten, wird es schwer. Da habe ich nicht nur ein Mal verloren. Um es in einem Satz zusammenzufassen: Ich plane das Wochenende, um mich sicherer zu fühlen. Noch zu meinem Plan B: mit "da bin ich sicher" meinte ich, dass ich mich dort sicher fühle. Die Familie lebt in einem alkoholfreien Haushalt und wir haben ein recht enges und vertrautes Verhältnis (Abgesehen davon, dass die Sucht an sich nicht thematisiert wird, damit kann er nichts anfangen. Als ich ihn mal darauf ansprach, meinte er, dass er dann Parallelen zwischen mir und unserem Erzeuger sieht und das will er nicht.). Ich weiß, dass seine Tür mir immer offen steht und ich eben auch mal spontan dort übernachten kann.

    Heute muss ich ein bisschen Papierkram erledigen, den ich auch schon viel zu lange vor mir herschiebe. Lust habe ich keine, aber ich freue mich auf das Gefühl danach. Am Nachmittag steht Weihnachtsbäckerei an.

    Liebe Grüße!

  • Guten Morgen! Tag 13 liegt hinter mir und ich bin nüchtern!

    Der Tag war recht durchwachsen. Ich habe die meisten meiner Aufgaben erledigt, damit bin ich auch recht zufrieden.

    Dann kamen am frühen Nachmittag Stolpersteine: eine Nachricht aus der Schule, dass der Nachwuchs seit einigen Wochen überhaupt nicht mehr mitarbeitet und wir nun echt viel nachholen müssen und es öfter Handgreiflichleiten mit Mitschülern gibt (toll, wenn das Halbjahr so gut wie rum ist...)

    Dann kam noch eine Nachricht vom Hort, dass am Montag wieder ein Kind von einem Fremden angesprochen wurde und ins Auto einsteigen sollte.

    Es war schwer, ruhig zu bleiben, aber ich bekam es hin. Ich sprach noch einmal mit dem Kind, wie man sich verhält, wenn ein Fremder einen anspricht und plante unsere Nachmittage um, damit wir die Nachholeaufgaben schaffen, ohne, dass es uns beiden zu viel wird. Außerdem rief ich dem Kind in Erinnerung, Konflikte nicht körperlich auszutragen.

    Nach dem Abendessen kam dann aber der Gedanke, dass in der Situation vor 2 Wochen in Panik verfallen wäre und getrunken hätte. Der Gedanke, trinken zu müssen, kam mir nicht, ich dachte mir nur: "Bloß gut, ich muss heute nicht trinken, sonst würde es morgen noch schwerer werden, den Berg in Angriff zu nehmen!"

    Es kam dann aber doch ein Gedankenkarussell in Gang: Wäre das auch passiert, wenn ich vor 2,5 Monaten nicht getrunken hätte? Ist der Gedanke "Vor 2 Wochen hätte ich getrunken!" schon ein Versuch der Sucht, sich wieder einzuschleichen?

    Es war schwer, mir nicht die komplette Schuld daran zu geben (Ich höre viel mit dem Appellohr) oder in Selbstmitleid zu verfallen, weil gefühlt wieder alles an mir hängen bleibt.(Schule ist meine Baustelle, Vater und Großies meinen, die Geduld nicht zu haben.) Ich versuchte, die Gedanken statt dessen in eine konstruktive Richtung zu lenken. Denn dass ich getrunken hatte, kann ich nicht mehr ändern, aber seit 13 Tagen läuft ja die Zukunft an und ich kann es anders machen.

    Als dann noch eine Nachricht kam, die meine Planung wieder über den Haufen geschmissen hätte, wäre ich fast ausgeflippt. Es fühlte sich an, als wölle das Leben nicht, dass ich die dringend nötigen festen Strukturen schaffen und halten kann. Heute Hüh und morgen Hott ist für uns beide sehr anstrengend. Ich ließ die Anfrage erstmal liegen und formulierte heute früh eine höfliche Ablehnung.

    Heute ist meine Stimmung etwas gedrückt. Ich habe beschlossen, den heutigen Vormittag ruhig anzugehen. Eine Aufgabe muss heute unbedingt erledigt werden, das mache ich auch. Dann werde ich etwas machen, das mir Freude bereitet. Vielleicht lese ich ein paar Seiten oder fange ein neues Häkelprojekt an oder mache an meinem Diamond-Painting weiter. Und ich werde mein Tagebuch strapazieren, um nicht ins Gedankenkarussell zu geraten. Denn was aufgeschrieben ist, kann aus dem Kopf raus. Meistens funktioniert das.

    Liebe Grüße!

  • Guten Morgen!

    Tag 14 ist vorbei und ich bin nüchtern. Hey, 2 Wochen ohne Alkohol, das war vor 1 Monat unvorstellbar! Vor 3 Wochen hatte ich Panik, immer weiter trinken und mich von Trinkpause zu Trinkpause hangeln zu müssen.

    Gestern startete recht unmotiviert. Mein Vormittag war sehr ruhig, ich las im Roman und hier und handarbeitete ein wenig. Ich erledigte die eine Aufgabe, die dringend war recht lieblos, aber immerhin, es ist getan. Ich hatte kurz ein bissel Panik, dass uch den Hintern nicht mehr hoch bekomme. Aber: Am Nachmittag holte ich Mini-Toffi früher ab, um die Stunde Zeit für Nachholeaufgaben zu haben. Das lief erstaunlich gut. Ich stellte wieder fest, dass ich geduldiger bin und als Mini-Toffi geschnackelt hatte, wie die Aufgabe funktioniert, machte es sogar Spaß. Ich hoffe, wir können das beibehalten. Danach ging es zum Kindersport, damit Mini-Toffi den Bewegungsdrang ausleben kann und ich erledigte nicht fix den Einkauf wie sonst, sondern blieb dort und steckte die Nase in mein Buch. Das war sehr entspannt. Danach noch zum Pizza-Mann und gemütlich Abendessen. Ich war so k.o., dass ich mit Mini-Toffi ins Bett bin und beim Kinderhörspiel mit einschlief.

    Der Tag zeigte mir wieder eine Aufgabe, mit der ich mich beschäftigen sollte: Ich verwechsele gerne Disziplin (die bei uns wichtig ist) mit Effizienz. Letzteres ist gut, da es schon sinnvoll ist, Aufgaben in der richtigen Reihenfolge zu erledigen, um keine Zeit zu verplempern, aber die gewonnene Zeit sollte ich nicht mit weiteren Aufgaben füllen, sondern (diszipliniert) für etwas verwenden, das mir Freude bereitet. Das wird meine Baustelle für die kommende Woche. Denn solange ich zu Hause bin, klappt das prima, aber sobald ich wieder 8h arbeiten bin, sieht das ja ganz anders aus und für diese Zeit will ich mich vorbereiten. Meine Arbeit fehlt mir. Sie hat für mich einen Sinn und ich mache sie gerne, will sie aber auch ordentlich machen. Das kann ich aber nicht, wenn der Alkohol mir das Hirn vernebelt, entweder, weil ich verkatert bin oder weil ich gegen den Gedanken ankämpfen muss, mir nach Feierabend etwas zu holen. Hinzu kommt die Paranoia, dass alle sehen, dass ich trinke. Das schlaucht...


    Liebe Grüße!

  • Guten Morgen!

    Der 15. Tag ist rum und ich bin nüchtern.

    Allerdings habe ich schlecht geschlafen, gefühlt war ich bis 01:00 Uhr jede Stunde wach. Ich weiß aber auch, woran es liegt, ich habe gestern meine Schlafhygiene nicht eingehalten und bis abends Kaffee getrunken. Ich hatte gestern Abend keine Lust, zu warten, bis der Tee abgekühlt ist und nahm lieber einen Kaffee auf Knopfdruck. Ich muss da wieder aufpassen, das könnte der Anfang des falschen Weges in alte Verhaltensmuster sein. Ich habe jetzt einen Zettel mit "lieber Tee" an der Kaffeemaschine und die erste Kanne Tee zieht schon.

    Gestern lief recht gut. Ich hatte aber nicht so viel Schwung, wie am Anfamg der Woche. Trotzdem habe ich mir die nächste Schublade vorgenommen. Über dem Häkelzeug dachte ich nach, wo ich nach meiner Langzeit Ende letzten Jahres falsch abgebogen bin und was jetzt anders ist.

    Ich denke, ein großer Unterschied ist, dass ich mir auch durch das Lesen und Schreiben hier meine Sucht präsent halte. Das hatte ich nach der Langzeit nicht gemacht, sondern mich nur auf die Auslöser und Begleiterscheiningen (Depressionen, alte, falsche Leitsätze) konzentriert und mich ziemlich schnell im Alltag verloren. Ich habe den Fehler gemacht, zu denken, dass ich nach der Langzeit wieder an dem Punkt vor meinem Rückfall bin, als Alkohol kein Thema mehr war (die trockenen Jahre nach der ersten Langzeit). Aber nach der ersten Langzeit habe ich mich noch lange mit der Sucht beschäftigt (Nachsorge, SHG), das hatte ich vergessen. Daran muss ich jetzt denken, ich kann nicht immer die gleichen Fehler machen und andere Ergebnisse erwarten. Ich habe ein wenig zu tun, mich davon nicht runter ziehen zu lassen und mir immer wieder zu sagen, dass vor 15 Tagen ein neuer Abschnitt begonnen hat und ich noch einmal die Chance habe, es besser zu machen.

    Heute Abend geht Mini-Toffi zu Papa, vorher müssen wir noch für die Schule üben.

    Der Plan, danach zu meiner alten SHG zu gehen, steht noch. Eigentlich wollte ich mit der Bahn fahren, um die Gruppe noch nachhallen zu lassen. Aber es ist Weihnachtsmarkt und die Bahnen stinken nach Glühwein. Ich trank das Zeug zwar nur, wenn nichts anderes da war, aber in geschlossenen Räumen besteht die Gefahr, dass mich der Geruch doch triggert, meine Sucht weiß ja, dass da Alkohol drin ist.

    So, jetzt nehme ich mir erstmal den Kühlschrank vor. Da sind noch ein paar Alibi-Käufe drin, die ich eigentlich gar nicht mag. Weg damit!

    Liebe Grüße!

  • Mahlzeit! Tag 16 und 17 sind vorbei und ich bin nüchtern! :)

    Ich war gestern nicht hier, meine Wochenendplanung wurde über den Haufen geschmissen. Mini-Toffi wurde erst gestern Nachmittag von Papa abgeholt, ihm war etwas dazwischen gekommen. Wir kennen das aber schon und wir sind beide nicht mehr frustriert deswegen. Ich habe akzeptiert, dass ich sein Verhalten nicht ändern kann, auch wenn ich mir den Mund fusselig rede. Es ist nur anstrengend, immer einen Plan B parat haben zu müssen und keine festen Verabredungen treffen zu können.

    Also habe ich am Freitag mit Mini-Toffi Nudeln gekocht und einen Filmabend gemacht. Das war sehr entspannt und mit den vielen Lichtern und Räucherkerzen richtig gemütlich. Die SHG fiel für mich dann natürlich aus, aber in 2 Wochen versuche ich es nochmal.

    Gestern war ich dann bei meinem Bruder. Ich wollte nicht alleine sein, weil es hätte sein können, dass doch ein wenig Frust oder Enttäuschung hoch kommen. Mein Selbstmitleid flüstert manchmal Dinge wie "Jaja, schön, dass alle auf sich achten, aber auf Deine Kosten" oder "Und wann darf ich mich mal um mich kümmern?" Ich kenne das Gelaber schon eine Weile, aber bin auf dem Ohr noch nicht ganz taub, also lieber Ablenkung, damit mache ich ja etwas für mich. Wir waren auf einem Dorf-Weihnachtsmarkt, das war wunderschön. Da es hauptsächlich um die Kinder ging, fuhren wir gleich am Nachmittag und als es dann später wurde und die Glühweintassen präsenter, sind wir wieder los. Am Abend schauten wir Filme aus den 90ern an (Die Griswalds) und das war richtig angenehm.

    Nachher kommt Mini-Toffi nach Hause und alles ist wieder wie es sein soll. Das ist immer ein wenig paradox: Ist das Kind da, nervt es manchmal, ist es bei Papa, fehlt es mir und es ist zu ruhig hier.

    Liebe Grüße!

  • Tag 18 ist vorbei und ich bin nüchtern!:)

    Ich schlafe seit 2 Nächten auch wieder besser, meine Schwägerin lieh mir zum Testen eine Gewichtsdecke und das fühlt sich richtig gut an. Ich werde mir eine zu Weihnachten schenken.

    Gestern verlief noch recht entspannt. Ich freute mich riesig, dass Mini-Toffi wieder da war, auch wenn das Kind nach dem Wochenende wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt ist. Aber das bekommen wir wieder hin. Das ist eine Zuversicht, die ich lange nicht hatte. Da steigerte ich mich lieber in Ungerechtigkeitsgedanken rein und war auch dementsprechend angespannt. Dieses Mal kann ich mir sagen, dass ich die Ursache nicht ändern kann, aber die Art und Weise, wie ich damit umgehe. Das finde ich richtig gut.

    Ich stellte gestern fest, dass ich weniger Kopfschmerzen habe. Ich beiße die Zähne aufeinander, wenn ich angespannt bin und scheinbar hat das nachgelassen. Ich merke es zwar ab und an und entspanne den Kiefer, aber oft fällt es mir erst auf, wenn ich Kopfschmerzen habe.

    Heute früh hatte ich auf dem Schulweg ein blödes Erlebnis: Auf einem Festerbrett stand eine halbe Flasche Wodka. Sofort war ein Suchtgedanke da: "Das gute Zeug!" Den konnte ich ganz gut weg wischen, auch wenn ich überrascht war, wie schnell der Gedanke da war. Auf dem Rückweg ging ich dann anders, weil ich noch Obst für die Woche holen wollte, da kam der Gedanke wieder. Meine Sucht wollte mir die Tage schönreden, an denen ich frei hatte und auf dem Rückweg von der Schule eine Flasche Wein holte, um mich "runterzutrinken" und wie entspannt und ruhig ich an den Tagen war. Ich merkte, wie die Sucht versuchte, mich an dieses Gefühl zu erinnern und es wieder haben zu wollen. Aber ich merkte es und konnte mir sagen, dass die Sucht lügt. Ich war ja entspannt und ruhig und Alkohol hilft nicht, das Gefühl zu konservieren, sondern macht es kaputt.

    Auch wenn ich etwas überrascht war, wie schnell die Gedanken so präsent waren, war ich auch ein wenig froh, dass sie kamen. Denn wenn ich tagelang gar nicht daran denke, werde ich skeptisch, das fühlt sich an, wie die Ruhe vor dem Sturm und ich bekomme Angst, dass dass alles mit geballter Kraft kommt. Da lieber immer mal ein Flüstern, das ich niederbrüllen kann.

    Ich versuche mich dann immer an den Satz zu halten: "Die Sucht lügt!"

    Heute möchte ich ein wenig Budenzauber machen und die Wohnung noch für die Feiertage putzen. Dann steht noch Papierkram an, da wollen noch zwei Anträge ausgefüllt werden.

    Habt einen angenehmen Tag!

  • auch wenn das Kind nach dem Wochenende wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt ist

    Das hast Du aber sehr schön formuliert. ^^

    wenn ich tagelang gar nicht daran denke, werde ich skeptisch, das fühlt sich an, wie die Ruhe vor dem Sturm

    Das kenne ich. Tagelang gab es anfangs eigentlich nicht. Dann war es plötzlich recht schnell vorbei.

    Ich habe das genauso gemacht. Diese nicht ausreden lassen und schon gar nicht diskutiert. So bist Du sie am schnellsten los. :thumbup:(edit. Nicht für immer. Die Stimme lauert weiter. Ist nur still.)

    Ich beiße die Zähne aufeinander, wenn ich angespannt bin

    Ich habe jetzt seit ca. einem Jahr eine Aufbissschiene für nachts. Sonst sind die Zähne nämlich irgendwann hin. 8) Ggfs. da mal schauen.

  • Perspektivwechsel:

    Für mich war es stressiger, abhängig zu sein. In welchem Laden kauf ich heute was und welches andere Zeug dazu, damit es nicht auffällt, dass ich schon wieder Wein kaufe...leere Flaschen verstecken, damit es meinem Mann nicht auffällt, umschütten, dass keiner merkt, dass es schon die zweite Flasche ist, Leergut unauffällig entsorgen, tanken gehen, obwohl der Tank noch halbvoll war, um dort was zu holen usw..

    Ich bin viel entspannter, weil ich nicht mehr so getrieben bin. Ganz schlimm war es, wenn ich nichts mehr im Haus hatte. Da bin ich schon gestresst aufgewacht. Die "Entspannung" war das alles am Ende echt nicht mehr wert.

    LG

  • Guten Morgen!

    Tag 19 ist vorbei und ich bin nüchtern! :)

    Der gestrige Tag war durchwachsen. Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten und habe meine Aufgaben recht lustlos erledigt, aber erledigt - immerhin. Das Erlebnis mit der Wodkaflasche begleitete mich noch ein Weilchen. Ich hatte zwar keinen Suchtdruck, aber das Gefühl, das ich hatte, beunruhigte mich ein wenig. Hinzu kam ein Anruf der Chefin, ob ich zur Weihnachtsfeier käme. Ich hatte da für mich ja schon einen Haken dran gemacht und nun musste ich nochmal sagen, dass ich nicht teilnehme.

    Nachmittag war ich mit Mini-Toffi unterwegs, das war gut und die Schulübungen liefen auch reibungslos und ohne Ausflipper (beiderseits). Als Mini-Toffi dann schlief, telefonierte ich mit einer Freundin, das war sehr erfrischend. Es war alles in allem ein recht harmonischer Tagesausklang.

    Vielen Dank für Eure Antworten gestern!

    kennst du den (bzw. "deinen") Notfallkoffer und die HALT- Regel?

    Die HALT-Regel fand ich hier gleich am Anfang, ich hatte so einen Plan schon länger latent, aber jetzt habe ich einen Zettel an der Wohnungstür und denke kurz drüber nach, wenn ich die Wohnung verlasse. Hunger kann ja schnell beseitigt werden (ich hatte auch schon mal gemerkt, dass die Sucht mir Hunger einredet, obwohl es eigentlich "Durst" ist), Anger habe ich mittlerweile relativ gut im Griff, ich spreche mir dann immer das Gelassenheitsgebet der AA vor und überlege, ob ich an der Situation etwas ändern kann. Wenn ja, mache ich es, wenn nein, akzeptiere ich das und sehe zu, dass ich die Situation für mich lösen kann. Loneliness ist bei mir ein größeres Thema, als ich dachte. Es klingt komisch, aber ich fühle mich auch in Gesellschaft manchmal einsam. Das war aber schon seit meiner Jugend so, ich fühlte mich nie irgendwo zugehörig und versuchte immer, meine Probleme alleine zu lösen. Ich hatte immer das Gefühl, meine Gedanken interessieren niemanden und bin auch dazu erzogen, keine Schwäche zu zeigen und immer die Contenance zu wahren. Dass letzteres nur dazu führt, dass ich immer mehr aufgeladen bekomme, habe ich mittlerweile begriffen und ein, zwei Leute wissen, wie es um mich steht. Das kommt aber auch immer auf deren Tagesform an. Tired ist so eine Sache. Ich bemühe mich, mindestens 7h zu schlafen. Das geht 2-3 Tage, dann muss ich mit Mini-Toffi ins Bett und mal 8-9h schlafen. Anders geht es kaum, denn ich muss ja auch mal ein paar Sachen ohne Mini-Toffi machen.

    Mein Notfallkoffer ist physisch. Ich habe immer eine kleine Tasche mit Zetteln, einem kleinen Notizbuch und ein paar Skills dabei. Das hatte ich in der Langzeit auch gelernt. Gestern hatte ich sie nicht dabei, war ja "nur kurz zur Schule und zurück". Das war ein Fehler, heute war sie wieder mit. Danke, für die Erinnerung. Nur mit Gedanken geht zwar auch, aber mit Skills ist es einfacher.

    In welchem Laden kauf ich heute was und welches andere Zeug dazu, damit es nicht auffällt, dass ich schon wieder Wein kaufe...leere Flaschen verstecken, damit es meinem Mann nicht auffällt, umschütten, dass keiner merkt, dass es schon die zweite Flasche ist, Leergut unauffällig entsorgen, tanken gehen, obwohl der Tank noch halbvoll war, um dort was zu holen usw..

    Oh man! Das klingt nach mir. Ich habe bislang immer "nur" an die Tage danach, an die Unruhe, die Scham und die Schuldgefühle und die Paranoia, dass man es mir ansieht gedacht. Die ganze komplexe "Logistik" hatte ich schon ausgeblendet. Danke, dass Du sie mir nochmal ins Gedächtnis gerufen hast. Die (meine) Liste davon kommt in mein Notfallkofferbüchlein.

    Heute muss ich ein paar Wege erledigen, Lust habe ich keine, aber ich sehe zu, dass ich jeden Tag aus dem Haus komme.

    Ui. Das war viel heute...

    Habt einen guten Tag!

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