• Hallo, ich möchte mich hier kurz vorstellen.

    Ich habe 2013 zum ersten Mal eingesehen, dass ich abhängig bin und war nach einer Langzeittherapie 10 Jahre abstinent.

    2021 kamen Lebensumstände (privat und beruflich), die mich in einen Burnout und damit auch wieder in die Sucht drückten.

    Ende 2024 nahm ich noch einmal eine Langzeittherapie in Angriff, die sich auch wirklich gut anfühlte.

    Seit 2 Monaten hatte ich aber wieder einige Ausrutscher, aus den letzten beiden wurden wieder mehrere Tage.

    Da es meine familiäre Situation nicht zulässt, abends zu Vor-Ort-Selbsthilfegruppen zu gehen, versuche ich, digital zumindest etwas annäherndes zu finden.

    Ich möchte mich nicht mehr mühevoll aus Trinksituationen rauskämpfen, um ein paar Tage später wieder zu denken, ich hätte es im Griff. Und ich fände es toll, abends mitteilen zu können, dass ich nüchtern ins Bett gehe.


    Liebe Grüße, Tofdifee

  • Willkommen bei uns

    Eine Online‑Selbsthilfegruppe ist für viele ein guter Ort. Sie ist jederzeit erreichbar und man kann sich rund um die Uhr austauschen.

    Hier bei uns tauschen sich ausschließlich Alkoholiker aus, die sich offen auch als Alkoholiker bezeichnen und den klaren Wunsch haben, dauerhaft abstinent zu leben. Es ist persönlicher, ehrlicher und hilfreicher, sich selbst klar als Alkoholiker zu benennen, statt vage von "Abhängigkeit" zu sprechen.

    Wie sieht es bei dir aus: Siehst du dich als Alkoholiker, und ist dein Wunsch auch eine lebenslange Abstinenz?


    Wer von „Ausrutschern“ spricht, beschönigt nur. Oder ? Für mich gibt es keine Ausrutscher, es gibt nur Rückfälle.

    Ich möchte mich nicht mehr mühevoll aus Trinksituationen rauskämpfen, um ein paar Tage später wieder zu denken, ich hätte es im Griff.

    Wann hast du das letzte Mal etwas getrunken, und weiß dein Arzt, dass du komplett aufhören möchtest?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    Danke für Deine Antwort.

    Wie sieht es bei dir aus: Siehst du dich als Alkoholiker, und ist dein Wunsch auch eine lebenslange Abstinenz?

    Ich habe mich da vielleicht zu vorsichtig ausgedrückt, ich sehe mich als Alkoholiker, das steht außer Frage. Gerade die letzten Monate haben bewiesen, dass es "nur heute mal" nicht gibt und ich habe gemerkt, dass ich auf dem besten Weg wieder dort hin bin, wo ich mich Ende 2024 schon mal raus gekämpft habe. Ich strebe eine lebenslange Abstinenz an.

    Was ich auch verstanden habe ist, dass mir der Austausch fehlt. In meinem Umfeld spricht man nicht gern über das Thema Alkoholsucht und in der Familie gibt es dafür auch wenig Verständnis, da wird es als Charakterschwäche gesehen.

    Wer von „Ausrutschern“ spricht, beschönigt nur. Oder ? Für mich gibt es keine Ausrutscher, es gibt nur Rückfälle

    Ich hatte nicht vor, etwas zu beschönigen, ich war beim Schreiben aufgeregt und habe nicht darauf geachtet, beide Begriffe zu verwenden. Mein Suchtberater und ich haben uns bei einmaligem Konsum auf "Ausrutscher" geeinigt, weil ich Angst hatte, mich als Totalversager zu sehen und die Flinte ins Korn zu schmeißen. Genau betrachtet waren die letzten 2 Monate ein Rückfall mit Trinkpausen.

    Wann hast du das letzte Mal etwas getrunken, und weiß dein Arzt, dass du komplett aufhören möchtest?

    Ich habe seit 5 Tagen nichts mehr getrunken und bei meinem Arzt die Karten auf den Tisch gelegt. Am Donnerstag habe ich einen Termin bei meiner Suchtärztin und will versuchen, dort wieder in einen teilstationären Entzug zu kommen. Vollstationär geht bei mir leider nicht, auch wenn ich weiß, dass das besser wäre.

    Ich suche hier die Möglichkeit, meine Motivation aufrecht zu erhalten, indem ich viel lese und mich mitteilen kann.

  • Ich habe seit 5 Tagen nichts mehr getrunken und bei meinem Arzt die Karten auf den Tisch gelegt. Am Donnerstag habe ich einen Termin bei meiner Suchtärztin und will versuchen, dort wieder in einen teilstationären Entzug zu kommen. Vollstationär geht bei mir leider nicht, auch wenn ich weiß, dass das besser wäre.

    Gut, dass du beim Arzt warst, das ist der richtige Schritt. Ob vollstationär oder ambulant, ist zweitrangig, wichtig ist, dass es für dich passt. Eine körperliche Entgiftung dauert meist 7–10 Tage, 5 hast du schon geschafft.

    Ich selbst hatte keinen Suchtberater und keine weitere Hilfe außer einer überwachten Entgiftung, deshalb sehe ich manches anders.

    Aber eines ist sicher. Es sind nicht Worte oder Umschreibungen, die einen trocken halten, sondern die Maßnahmen, die konsequent umsetzt werden sollen. . Da bist du schon auf dem richtigen Weg.

    Eine Frage noch. Hast du dem Arzt schon gesagt, dass du wieder aufhören willst, oder machst du das erst am Donnerstag beim Suchtarzt?

    Ach so, erschrick nicht wegen meiner Art des Austauschs, ich spreche alles, was mir auffällt, direkt an. Nicht böse gemeint.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Morgen!

    Ich habe Tag 6 geschafft! Ich schlief auch recht gut, wurde gegen Mitternacht kurz wach und hatte Appetit auf Schokolade. Das war in meinen trockenen Jahren aber normal. Ich habe mich eher kurz gefreut, dass mein Appetit wieder da ist.

    Eine Frage noch. Hast du dem Arzt schon gesagt, dass du wieder aufhören willst, oder machst du das erst am Donnerstag beim Suchtarzt?

    Ich habe es meinem Hausarzt schon gesagt. Ich habe das Glück, offen mit ihm sprechen zu können, es hat mich trotzdem Überwindung gekostet. Aber es hilft mir, wenigstens mit den Ärzten offen zu sprechen. Er war nicht begeistert, dass ich nicht bis zur qualifizierten Entgiftung warten will, den Alkohol weg zu lassen, aber ich möchte nicht länger warten aus Angst, dass es mir emotional noch schlechter geht, wenn ich nochmal trinke. Ich hatte bislang immer "Glück", keine körperlichen Entzugserscheinungen zu haben, soll mich aber bei ihm melden, sobald welche auftreten. Er hat mich trotzdem erstmal krank geschrieben.

    Heute möchte ich ein paar Dinge erledigen, die liegen geblieben waren und versuchen, weniger Kaffee zu trinken und nicht den halben Tag vor der Glotze zu hängen. Ich muss nur aufpassen, nicht wieder alles auf einmal machen zu wollen. Wenn das nämlich nicht klappt, bin ich frustriert und wenn doch, klopft der Alkohol auch an, weil ich mir ja eine Belohnung verdient habe.

    Aber das Suchtgedächtnis lügt, es macht nichts besser, wenn ich trinke oder hält das gute Gefühl länger. Ich muss dann nur wieder von vorne anfangen. Den Gedanken muss ich immer im Kopf haben.

  • Dann warten wir mal ab, was deine Suchtärztin morgen sagt. Dann hast du ja schon sieben Tage hinter dir, und wenn sie wegen deiner Entgiftung Entwarnung gibt, schicke ich dir einen Link für den weiteren Austausch hier im Forum.

    Wir befinden uns ja noch im Vorstellungbereich.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    Das ist mir bewusst, ich möchte ja nicht so schnell wie möglich aufgenommen werden, sondern, wenn Ihr Euch sicher seid. Denn dann fühle ich mich auch sicherer, hier richtig zu sein.

    Trotzdem hilft es mir, hier zu lesen und in meinem Bereich zu schreiben.

    Heute lief der Tag fast wie geplant. Die Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe, habe ich fast geschafft. Nur eine habe ich verschoben. Ich wollte die letzten leeren Weinflaschen los werden. Aber ich hatte Angst, dass bei dem Geruch (auch an den Containern) etwas anspringt. Aber sie sind zumindest aus der Wohnung raus, ich habe sie im Kofferraum deponiert, das Auto nutze ich nur selten. So fühle ich mich sicherer, auch wenn die natürlich noch im Hinterkopf rumdümpeln.

    Der Nachmittag war anstrengend. Der Nachwuchs hat meine Geduld enorm strapaziert. Ich konnte mich einigermaßen ruhig halten, indem ich mir sagte, dass der Alkohol seinen Teil dazu beigetragen hat, dass mein Geduldsfaden so dünn ist. (Den Satz habe ich mir auch auf meine Motivationsliste geschrieben.)

    Ich werde auch zusammen mit dem Nachwuchs ins Bett gehen. Ich genieße es, zu kuscheln und meist schlafe ich kurz nach dem Kind ein.

  • Guten Morgen,

    Tag 7 ist geschafft!

    Ich schlief recht gut, wachte nur früher als geplant auf, aber das macht nichts. Ich habe zum Einschlafen ein Hörspiel angemacht, das hilft, dass es in meinem Kopf nicht ständig rattert. Das hatte ich in den letzten Wochen auch nicht mehr gemacht. Gestern ging mir so durch den Kopf, dass ich einige Dinge, die mir helfen, in den letzten Wochen nicht mehr gemacht hatte: Musik hören, Handarbeit, Tagebuch schreiben. Ich war wieder in alte Verhaltensmuster gefallen und habe mich, wenn der Tag erledigt war, vor den Fernseher gesetzt. Der bringt das Rattern im Kopf ja auch zum Schweigen. Mir fiel dann wieder ein, dass in meiner letzten Langzeit gesagt wurde, passive Hobbies erhöhen die Rückfallgefahr. Nun ja, sie hatten recht, zumindest bei mir.

    Heute nachmittag ist mein Termin bei der Suchtärztin. Ich bin ein wenig nervös, denn ich habe die (unsinnige) Angst, sie zu enttäuschen. Ich versuche, den Tag bis da hin möglichst sinnvoll zu verbringen und mir zu sagen, dass sie ein Profi ist und ich nicht die einzige bin, die so vor ihr sitzt.

  • Heute nachmittag ist mein Termin bei der Suchtärztin. Ich bin ein wenig nervös, denn ich habe die (unsinnige) Angst, sie zu enttäuschen.

    Solche Gedanken sind Unsinn. Hast du jemals jemanden wegen einer Krankheit enttäuscht? Nein? Also hau dir das aus dem Kopf.

    Schreib uns, wie es war, und wenn sie sagt, dass körperlich alles gut ist wegen der Entgiftung, kannst du dich hier austauschen , ohne Angst, ohne das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, und ohne Selbstvorwürfe.

    Für solche Gedanken ist in der Sucht kein Platz.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • So, ich bin von meiner Ärztin zurück.

    Ich schilderte Ihr, was in den letzten 2 Monaten so los war und sie zeigte Verständnis und bot mir Unterstützung an. Ich bin total froh.

    Körperlich ist bei mir alles in Ordnung, die Blutwerte kommen morgen. Sie ruft mich aber nur bei Auffälligkeiten an.

    Sie wird mich bis Jahresende krank schreiben, damit ich mich sortieren kann. Bedingung ist ein wöchentlicher Abstinenznachweis. Wir haben vereinbart, dass wir, wenn ich das doch nicht schaffen sollte, einen Klinikaufenthalt machen.

    Ich finde das gut, so habe ich noch ein wenig extrinsische Motivation.

  • Super, klingt gut , dann können wir hier richtig loslegen.

    Dafür brauche ich noch dein kurzes „Ich bitte um Freischaltung“ über den unteren Link.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Der nächste verfügbare Moderator wird dich dann freischalten und an die passende Stelle im Forum verschieben, damit du direkt weitermachen kannst.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hartmut 4. Dezember 2025 um 18:48

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung“ zu „Toffifee-Vorstellung“ geändert.
  • Uii, das ging ja schneller als gedacht!

    Du bist jetzt freigeschaltet und kannst dich überall austauschen, aber bitte in den ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich.

    Einfach hier weiterschreiben. Ich wünsche dir und uns einen hilfreichen Austausch!

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Morgen!

    Tag 8 ist geschafft!

    Vielen lieben Dank für die Aufnahme. Ich bin gespannt auf den Austausch und freue mich, wenn ich meinen Beitrag leisten kann. Ich werde in den nächsten Tagen aber vielleicht erstmal nur hier bleiben und lesen.

    Ich hatte letzte Nacht Schwierigkeiten, einzuschlafen, weil mir tausend Dinge durch den Kopf gingen. Meine Abwesenheit auf Arbeit muss ein bissel organisiert werden und das ist mir unangenehm. Dort weiß niemand von meiner Sucht und das soll auch so bleiben, ist besser so. Dass ich dort sage, ich trinke keinen Alkohol (bei Feiern oder so) wird auch so akzeptiert, da bin ich nicht die einzige.

    Das Gespräch gestern hat mich berührt. Wie schon erwähnt, fällt es mir schwer, für die Sucht (ich habe auch noch andere Erkrankungen) Verständnis anzunehmen. In meinem nächsten Umfeld ist das Stigma sehr ausgeprägt. Da fällt es auch schwer, für sich selbst anzuerkennen, dass es eine Krankheit ist. Wissen und annehmen sind bei mir leider manchmal zwei Paar Schuhe.

    Heute will ich nutzen, die nächsten Wochen zu organisieren, erstmal die unumgänglichen physischen Angelegenheiten und dann die Arbeit an mir. Ich will darauf achten, dass beides seine benötigte Zeit bekommt und ich meine "gewonnene" Zeit nicht verwende, nur liegen gebliebenes abzuarbeiten. Aber im Endeffekt ist die Arbeit an mir ja in den letzten Monaten auch liegen geblieben. Das ist ein ganz schöner Berg. Aber ich muss mir immer wieder sagen, dass auch Berge weg gehen, wenn man Stein für Stein wegträgt. Ich muss mir nur bewusst halten, dass manche Steine immer wieder kommen und darf nicht wieder in dieses "Wozu mache ich das denn alles, Nächte Woche muss ich mich wieder damit rumärgern"

    Eins vergaß ich noch:

    Als ich gestern bei meiner Ärztin raus war, klopfte tatsächlich der Alkohol an und meinte "Da kannst Du ja heute nochmal, auf den einen Tag kommt es nicht an". Ich konnte ihn zum Schweigen bringen. In Gedanken schrie ich ihn an, dass es sehr wohl auf jeden einzelnen Tag ankommt und er mich in Ruhe lassen soll. Ich habe da ein Bild meiner alten Therapeutin im Kopf und das funktionierte einige Jahre recht gut. Sie sagte: "Stellen Sie sich vor, der Alkohol ist ein alter Freund. Als Sie ihn kennen lernten war er auch ein guter Freund. Sie haben mit ihm gefeiert, er hat ihnen Mut gemacht, wenn Sie welchen brauchten u d war bei Ihnen, um abzuschalten. Aber er ist ein heimtückischen Freund, er will Sie ganz für sich alleine. Früher oder später wird er dafür sorgen, dass Sie Freunde, Familie und sogar sich selbst verlieren. Er lebt von Ihnen wie ein Parasit. Sie haben jetzt verstanden, dass er Ihnen schadet und ihn vor die Tür gesetzt, auch wenn das schwer fiel. Aber er wird wieder kommen und an die Tür klopfen, manchmal leise, manchmal schreit er. Er wird sagen: "Komm, wir hatten doch auch gute Zeiten!" Und wie bei einem menschlichen Freund, der Ihnen am Ende nicht mehr gut tat, müssen Sie die Tür verschlossen halten und sich vor ihm schützen."

    2 Mal editiert, zuletzt von Toffifee (5. Dezember 2025 um 05:55)

  • Toffifee, herzlich Willkommen hier im Forum! Ich schreibe Dir als trockene Alkoholikerin.

    Wissen und annehmen sind bei mir leider manchmal zwei Paar Schuhe

    Das ist bei mir auch so. Durch das Lesen hier im Forum hat sich mein mindset geändert. Desto mehr ich mich als Alkoholikerin identifiziere, desto leichter fällt mir meine Abstinenz. Es ist ein Prozess, trockene Alkoholiker*innen die aufrechten Hauptes durchs Leben gehen. So möchte ich sein und mich nicht schambehaftet wegducken.
    Liebe Grüße Rina

  • In meinem nächsten Umfeld ist das Stigma sehr ausgeprägt. Da fällt es auch schwer, für sich selbst anzuerkennen, dass es eine Krankheit ist. Wissen und annehmen sind bei mir leider manchmal zwei Paar Schuhe.

    Nicht nur in deinem Umfeld. Wenn die Leute selber nicht betroffen sind verstehen viele es nicht. Ich sagte zu einem Bekannten ich bin trockener Alkoholiker, worauf er nach ein paar Wochen fragte willst ein Bier oder nen Schnaps. War ich fassungslos und sauer... Und Tschüß!!!

    Heute trinke ich nicht

  • Hallo und guten Abend!

    Vielen Dank für Eure Nachrichten!

    Es ist ein Prozess, trockene Alkoholiker*innen die aufrechten Hauptes durchs Leben gehen. So möchte ich sein und mich nicht schambehaftet wegducken.

    Genau das möchte ich wieder werden. Ich war ja schon mal vor 10 Jahren an dem Punkt. Ich habe aber den Fehler begangen, zu vergessen, achtsam und aufmerksam zu bleiben. Ich habe auch gemerkt, wie mein Kopf in den letzten Monaten immer weiter nach unten und meine Schultern immer weiter hoch gingen. Ich kam heute auf die Idee, wenn der Nachwuchs bei Papa ist, mal wieder in meine alte SHG zu gehen. Ich glaube, ich würde mich riesig freuen, ein paar bekannte Gesichter zu sehen, vorausgesetzt natürlich, dass da noch welche von vor 10 Jahren sind...

  • Ich sagte zu einem Bekannten ich bin trockener Alkoholiker, worauf er nach ein paar Wochen fragte willst ein Bier oder nen Schnaps. War ich fassungslos und sauer... Und Tschüß!!!

    Das hatte ich (in meinen 10 abstinenten Jahren) auch. "Ach komm, ist doch nur ein Radler, da ist doch kaum was drin!" ... Ich drehte mich dann auch nur um und ging.

    Oft ist es ja so, dass das Gegenüber befürchtet, ein trockener Alkoholiker will ihm den Alkohol wegnehmen und ihn missionieren. Aber die Sucht ist mein Problem, nicht das der anderen.


    Überfordere dich nicht und höre auf Körper und Geist, bei mir löst Überforderung Saufgedanken oder Suchtdruck aus

    Das ist eine meiner großen Baustellen. Ich kann Grautöne nicht. Ich kann nur Vollgas oder Parken. Das muss ich wieder üben. Den. Unterforderung lässt mich auch auf dumme Gedanken kommen. Es ist krass, welch gegensätzliche Trigger Suchtdruch auslösen können.

  • So, ich betrachte Tag 9 als geschafft!

    Der Tag lief nicht ganz wie geplant, das Kind musste früher aus der Schule abgeholt werden und ich musste etwas umplanen. Aber ich war stolz, vor ein paar Wochen hätte das sicher Panik und Suchtdruck ausgelöst.

    Ich habe wieder ein paar Aufgaben erledigt (unter anderem die Weinflaschen weggebracht und da weit und breit kein Mensch war sagte ich dabei "Auf nimmer wiedersehen!". Nun ist auch der ganze Nikolaus- und Weihnachtssüßkram angeschafft (obwohl mich der Preis echt erschreckte!) und ich habe ein Handarbeitsprojekt fast fertig, das ich verschenken möchte.

    Am Abend war ich dann zu einer familiären Pflichtveranstaltung, von der ich schon vorher wusste, dass es anstrengend werden kann. War auch so. Aber dort wird zumindest nicht getrunken. Aber auch das war etwas, das Suchtdruckpotential hatte. Heute hat mir geholfen, an morgen zu denken. Ich möchte mit dem Nachwuchs zum Weihnachtsmarkt und will die Vorfreude nicht versauen. Das hat das Kind nicht verdient (und ich auch nicht). Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Trinkerei meines Erzeugers und jede Feier versaut hat, wie ziemlich jeder geplante Ausflug deswegen ins Wasser fiel und wie furchtbar jedes Weihnachten für uns war. Mein Kind soll Weihnachten so lange wie möglich für etwas Wundervolles halten. Das färbt ja auch ein bissel ab.

    Jetzt bin ich aber auch platt aber sehr dankbar, heute keinen Druck gehabt zu haben. Das gibt mir Zuversicht.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!