Hallo Kathrin,
ich sehe es wie Nayouk.
Alkoholiker zu sein ist eine unheilbare Krankheit. Die Sucht wird uns ein Leben lang begleiten. Sie kann durch Abstinenz zum Stillstand gebracht werden.
Ich stelle es mir anstrengend vor, für den Rest meines Lebens mich jeden Morgen auf einen Kampf gegen die Sucht einzustellen in dem Wissen, dass sie jeden neuen Tag wieder unbesiegt, da nicht heilbar, im Ring steht.
Wenn ich wiederum die Sucht akzeptiere als ein lebenslanger Teil von mir, vor ihr kapituliere, dann akzeptiere ich, nie wieder Alkohol zu mir nehmen zu dürfen. Und wenn ich diese Notwendigkeit einsehe, wenn ich weiter leben möchte, dann trinke ich nicht.
Das Einsehen dieser Notwendigkeit ist aber kein kräftezehrender Kampf.
Gleichzeitig lasse ich mich auf keinerlei Diskussion mit der Sucht ein, denn sie ist Argumenten gar nicht zugänglich, sie denkt nur an Alkohol und die Suchtstimme versucht, mit all ihren Möglichkeiten mich zum Trinken zu bringen, zu verführen. Wenn ich diese Suchtstimme immer wieder sofort abwürge, sobald sie sich meldet, gebe ich ihr keinen Raum, sich in mir auszubreiten.
Und ich ändere Gewohnheiten. Habe ich z.B. bisher, wenn ich abends nach Hause kam, mich zuerst auf die Couch gesetzt und ein Bier getrunken, dann trinke ich jetzt einen Tee (oder ein anderes Getränk, das ich mag) auf dem Sessel. Irgendwann hat mein Gehirn die alte Gewohnheit überschrieben und ich werde das Bier nicht vermissen.
Schließlich achte ich darauf, nicht zu vergessen, dass die Krankheit unheilbar ist, dass das Suchthirn zwar leise, aber immer noch vorhanden ist. So helfen mir tägliche Atemübungen, meine reale SHG und auch dieses Forum, mich zu erinnern. Ich werde daher nicht nach 2 oder 3 Jahren Abstinenz damit aufhören und dann Gefahr laufen, irgendwann aus Leichtsinn oder Überheblichkeit das erste Glas Alkohol wieder zu trinken.
Bisher lebe ich gut damit.
Liebe Grüße Kyra