Beiträge von Kyra

    Ich habe vor kurzem einen sehr schönen Spruch gelesen

    - edit, bitte im Forum keine externen Zitate einstellen, sondern in eigenen Worten formulieren, danke -

    Gerade im Kontext von Sucht und Genesung bricht dieser Spruch den oft erdrückenden Berg an Sorgen (Vergangenheit bereuen, Angst vor der Zukunft) auf das herunter, was ich jetzt gerade kontrollieren kann: den heutigen Tag.

    Der Spruch erinnert mich an das Achtsamkeitssymbol bei Tattoos:

    In der Mitte ist ein Punkt mit rechts und links zwei Wasserwellenringe, über und unter dem Punkt jeweils 2 Tropfen.

    Die unteren Tropfen stellen die Vergangenheit dar, die ich nicht mehr ändern kann, die vergangen, vorbei ist.
    Die oberen Tropfen stehen für die Zukunft. Diese folgt aus der Gegenwart, jedoch lebe ich nicht in ihr, da sie noch nicht real ist.
    Der Fokus liegt auf dem Punkt, das Zentrum des Achtsamkeitssymbols. Das ist das Heute, das Jetzt. Das lebe ich. Das kann ich beeinflussen. Die Ringe, die sich von dort ausbreiten, stehen für die Wellen der Achtsamkeit, die durch das reine Verweilen im Moment entstehen und sich positiv auf mein gesamtes Leben auswirken.

    Ich sage mir:
    „Denke nicht an das, was war oder was sein wird. Da verlierst du dich. Denke an das, was ist, und mache daraus das, was dir gut tut.“

    Hallo Nadine,

    auch von mir ein herzliches Willkommen.

    Nun, ich habe mal vor über 20 Jahren fast ein Jahr lang keinen Alkohol getrunken. Damals war ich aber noch nicht soweit, wirklich mit innerer Überzeugung dauerhaft abstinent zu leben.

    Ende letzten Jahres hatte ich den Punkt erreicht, dass ich so nicht mehr weiter leben möchte.
    Ich suchte mir Hilfe und lernte mit Hilfe dieses Forums, meine Sucht als lebenslange unheilbare Krankheit zu akzeptieren, die ich nur durch lebenslange Abstinenz stoppen kann.

    Ich lernte, dass Alkohol kein Gegner ist, sondern einfach nur eine Substanz, die mich krank macht und langsam, aber sicher tötet, so wie eine Prise Arsen im täglichen Tee.

    Und ich lernte, dass nur Nichttrinken allein nicht reicht, dass ich neue zufriedenstellende Verhaltensweisen benötige, die dauerhaft an die Stelle des Alkoholkonsums treten.

    Nun bin ich seit knapp 11 Monaten trocken. Und ich fühle mich gut. Ich fühle mich stabil, bleibe aber achtsam.

    Im Ergebnis war mein wirklich ernsthafter erster Anlauf im November 2026.


    Ich wünsche dir einen regen, für dich hilfreichen Austausch.

    LG Kyra

    Liebe Wilma,

    ich möchte dir auch ganz herzlich zu deinen 9 und 2 Monate andauernden 2 Abstinenzen gratulieren.

    Ja, es war schon Schicksal (wenn man daran glaubt), das uns hier ins Forum geführt hat. Auch für mich ist diese SHG ein Bestandteil meines jetzigen Lebens geworden.

    Und ich erkenne mich in vielem, was du schreibst, wieder - Risikominimierung, neue Wege …

    Gehe weiterhin deinen Weg.

    Ich lebe ein so tolles Leben und liebe dieses Leben.

    Das ist die schönste Motivation.

    Liebe Grüße Kyra

    Ich möchte mich bei euch allen herzlich für eure Glückwünsche bedanken.

    Auch freue ich mich sehr, dass euch mein Beitrag gut gefallen hat. Ich habe ihn für mich geschrieben, um mir komprimiert meinen Weg und meine Strategie vor Augen zu führen.
    Und ich habe ihn hier im blauen Bereich eingestellt, um Ankommenden Mut zu machen, um ihnen zu zeigen, dass Abstinenz machbar ist.

    Wichtig ist dabei vor allem, sich von Verzichtsgedanken lösen zu können und immer achtsam zu bleiben.

    Ich richte meine innere Aufmerksamkeit schlicht von ihnen weg, wie einen Scheinwerfer, den ich in eine andere Richtung schwenke.

    Hallo KW,

    jetzt kann ich mir besser vorstellen, was du mit dem „Vorbeiziehen“ gemeint hast.
    Ich finde es gut, dass hier wirklich mehrere Wege nach Rom führen dürfen 😊.
    Für mich ist das Stopp sagen kein Kampf, sondern ein Bewusstwerden meiner aufkommenden Suchtgedanken, denen ich keinen Raum geben möchte.

    Es ist schön, dass für jeden von uns sein Weg, mit Suchtgedanken umzugehen, um die Abstinenz zu sichern, funktioniert und sich als richtig anfühlt.

    Liebe Grüße Kyra

    Hallo pippi,

    man - Alkoholiker - betrügt nicht immer und immer wieder den anderen.
    Ich möchte damit sagen, das ist für mich nicht das spezifische Verhalten eines Alkoholikers.

    Es gibt auch genug nicht alkoholkranke Menschen, die oft fremdgehen und beim Erwischen zerknirscht ewige Liebe beteuern.

    LG Kyra

    Liebe Rennschnecke,

    diesen Versuch des Suchthirns, mich wieder zum Trinken zu animieren mit den Aussagen, dass es bei mir doch nicht so schlimm sei, dass ich überwiegend doch nur abends getrunken hätte, usw., kenne ich auch.
    Ob mich andere als Alkoholikerin sehen, weiß ich nicht.

    Wie du richtigerweise schreibst: Nur man selbst weiß, ob man Alkoholiker ist.
    Und ich weiß, dass ich Alkoholikerin bin, das allein zählt. Also Suchthirn, halt die Klappe.

    Wie es aktuell, abgesehen von meiner Trockenheit, bei mir aussieht (Thema Selbstfürsorge: Nachsitzen!) , schaffe ich dann vermutlich erst wieder in ein paar Wochen/Monaten aufzuschreiben. 😉

    kannst du zumindest kurz schreiben, ob alles im Großen und Ganzen grünen Bereich ist?
    Ich mache mit immer Sorgen bei solchen Ankündigungen. Wenn eine meiner Töchter mir sagt, sie müsse mit mir reden, denke ich sofort an Probleme. Daher fügen sie immer schon an, dass es nichts Schlimmes sei.

    Auf der anderen Seite stelle ich gerade fest, wenn es bei dir nicht so gut läuft und du das nur kurz erwähnst, mache ich mir auch Gedanken.

    Also schreibe nichts. Und ich versuche, gelassener zu werden bei irgendwelchen im Grunde wertfreien Ankündigungen.

    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag.

    LG Kyra

    Sowas habe ich bisher nicht erlebt.
    Derartige Erlebnisse zeigen aber, wie wichtig es ist, sich zu hinterfragen, ob gerade nasses oder trockenes Denken meinen Kopf beherrscht.

    Nasses Denken hört sich auch passender als Suchthirn oder Suchtstimme an, aber Suchthirn und -stimme war gerade zu Beginn der Abstinenz (für mich) plastischer, besser vorstellbar.

    Einen wunderschönen guten Morgen,

    die Laune ist super, das Wetter auch, so kann das Wochenende beginnen.

    Heute bin ich 10 Monate abstinent und es geht mir sehr gut damit. Craving, also richtiges Verlangen, habe ich noch nicht erlebt.

    Dass es mir bisher relativ leicht fällt, keinen Alkohol zu trinken, habe ich meiner ehemaligen Therapeutin in der Suchtberatung und den langjährigen trockenen Alkoholikern hier im Forum zu verdanken.

    Ich bin ein sehr rationaler Mensch. Lange Zeit habe ich mich ausschließlich auf meine Gedanken verlassen, Gefühle unterdrückt. Was sagte meine Therapeutin sinngemäß zu mir? „Nach der Annäherung an Ihre Gefühle gibt es jetzt erst mal wieder was für Ihren Kopf, damit der zufrieden ist.“

    Also habe ich mir ziemlich schnell logische Ansätze anderer hier zu meiner eigenen Philosophie gemacht:

    1. Kapitulation statt Kampf

      Die Sucht ist nicht mein Feind. Ich bin süchtig geworden, weil ich zu oft und zu lange ein Zellgift mit Suchtpotenzial zu mir genommen habe. Ich bin unheilbar krank geworden.
      Gegen eine unheilbare Krankheit kann ich nicht kämpfen. Ich kann sie nur als dauerhaften Teil meiner selbst akzeptieren und so mit ihr leben, dass ich ihr Fortschreiten stoppe, also abstinent.

      Meine Abstinenz ist nicht das Ergebnis eines fortwährenden kräftezehrenden Kampfes, sondern ausschließlich eine pure Notwendigkeit.


    2. Keine Diskussionen

      Meine Sucht will und kann nicht diskutieren. Sie möchte nur das Verlangen nach Alkohol befriedigt sehen.

      Wenn der Gedanke an Alkohol aufkommt, bringt eine Diskussion, aus welchen Gründen ich nicht / nicht mehr trinken möchte, also gar nichts.
      Ich diskutiere ja auch nicht mit einer Gurke, welchen Grünton sie hat.

      Also blocke ich die aufkommenden Gedanken sofort ab.
      Ich lasse sie auch nicht vorbeiziehen, zumal es mir schwerfällt, mir vorzustellen, wie das funktionieren soll, ohne dass ich in der Zeit der Wanderung meiner Alkohol-Gedanken vor meinem geistigen Inneren dem Alkohol doch Raum gebe.


    3. Umstrukturierung des Gehirns

      Mein Gehirn hat sich an die Dopaminausschüttung im Rahmen meines Alkoholkonsums gewöhnt.
      Um langfristig ohne Alkohol zufrieden leben zu können, muss ich diese Gewöhnung durchbrechen, also neue Verknüpfungen im Gehirn durch neue Verhaltensmuster herstellen.
      Diese Verhaltensweisen müssen mir aber Spaß machen, mir Freude bereiten, damit sie ebenfalls zu einer Dopaminausschüttung führen.

      Meine Therapeutin sagte zu mir, dass ich etwas mindestens 100 mal umsetzen müsse, bevor es sich überhaupt als neue Gewohnheit im Gehirn etablieren kann.
      Es bedarf also einer Ausdauer, eines langen Atems, steter Übung.

      Abstinenz ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

      4. Pawlow

      Der Mensch schüttet nicht nur bei der Umsetzung einer zufrieden stellenden Tätigkeit Dopamin aus, sondern bereits beim Gedanken an diese Tätigkeit.

      Da reagiert der Mensch ähnlich wie der Hund, dem bereits beim Klingelton der Speichelfluß allein wegen der Erwartung von Futter einsetzt, weil er konditioniert wurde, dass es nach dem Ton immer Futter gibt

      Diesen Effekt mache ich mir selbst zunutze.
      Ich überlege mir konkrete Belohnungen zu festgelegten Terminen. Z.B. beschließe ich, mir nächsten Freitag aus der Stadt einen Blumenstrauß mitzubringen.
      Sobald diese Belohnung gedanklich feststeht, beginnt meine Vorfreude und damit mein Speichelfluss, äh meine Dopaminausschüttung.

      Wichtig ist, dass es nicht vage Überlegungen sind und die Belohnungen in einem zeitnahen Rahmen erfolgen. Daher sollten diese Belohnungen gerade zu Beginn der Abstinenz kurzfristig anvisiert werden.
      (Mir hat da als Beispiel die Vorfreude auf eine Puzzleunterlage als Belohnung für meine erste rauchfreie Woche durch diese erste Woche sehr geholfen.)

      Vor 2 Monaten habe ich für heute (10 Monate Abstinenz) einen Termin bei einem Tattoo-Studio gemacht. Wir besprechen im Detail, wie mein Tattoo aussehen wird, das ich mir zur Belohnung in genau 2 Monaten stechen lassen möchte.
      Das nennt man dann doppelte Vorfreude

      (ich gehe davon aus, dass meine Gedanken wissenschaftlich unsauber, nur ein grobes Bild sind, aber sie reichen mir zum eigenen Verständnis und Umgang mit der Sucht aus.)


      Jedenfalls erleichterten mir die beschriebenen Punkte meinen bisherigen Weg in die dauerhafte Abstinenz und werden ihn auch weiterhin erleichtern.
      Dafür bin ich der Suchtberatung bei uns vor Ort und dem Forum sehr dankbar.

      An diese Stelle möchte ich daher ein dickes Lob und ein herzliches Dankeschön an die unermüdlich mit ihrem Rat und Einsatz zur Seite stehenden Menschen hier im Forum aussprechen.
      Ohne euch wäre ich heute nicht so gefestigt.

      Liebe Grüße Kyra

    Hallo Morgaine,

    ich kann dich auch nur ermuntern, deinem Hausarzt und deinem Psychiater zu sagen, dass du Alkoholikerin bist.

    Die erste Reaktion meines Hausarztes war es, mich zu meinem Schritt, keinen Alkohol mehr zu trinken, zu beglückwünschen.

    Seine zweite Reaktion war es, mir die Adresse einer Suchtberatungsstelle zu geben, mit der ich dann auch zeitnah einen Termin vereinbart hatte.

    Seine dritte Reaktion war es, mir vorzuschlagen, im Rahmen meiner jährlichen Kontrolle dieses Mal einen Ultraschall vor allem meiner Leber zu machen.

    (Oder waren die 2. und 3…Reaktion umgekehrt? Egal. Er nahm sich jedenfalls richtig viel Zeit für mich.)

    Und er notierte in meiner Datei, dass mir keine alkoholhaltigen Medikamente verschrieben werden.

    Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Empfinden, nicht ernst genommen zu werden oder mich zu schämen.
    Es war befreiend und wegen Medikation sogar notwendig.
    Z.B. sinkt der Blutdruck im Rahmen einer Abstinenz. Das Wissen um die Alkoholkrankheit ist für den Arzt daher wichtig, um die Dosierung anderer Medikamente im Auge zu behalten.

    Also, trau dich ruhig.

    LG Kyra