Ihr Lieben,
erstmal noch ein dickes Dankeschön für Eure Nachrichten! Eigentlich möchte ich immer auf jede einzeln eingehen, aber im Augenblick schaffe ich es nicht - neben der Anstrengung meine Gefühle zu regulieren lerne ich gerade für eine Prüfung, da ich eine kleine Fortbildung mache...die Prüfung ist Anfang Oktober und jetzt kommt die heiße Lernphase...
Aber ich wollte mich melden und schreiben, dass ich sehr stolz bin, die letzten Abende, die mit ziemlichem Suchtdruck gefüllt waren, ohne Rückfall gemeistert zu haben.
Ich habe viel im Forum gelesen, so auch die Grundbausteine und habe auch lange überlegt, ob es für mich ok ist, auch mal wieder in mein Stammcafé zu gehen... dort wird Alkohol ausgeschenkt... ich habe es nachmittags probiert und es war fein... ich habe dort selten Alkohol konsumiert und ich verbinde es nicht damit... vielleicht liegt es daran...jedenfalls kommt der Suchtdruck weiterhin "nur", wenn ich allein zu Hause bin. Also in der Situation, in der ich getrunken habe...
Derzeit lese ich ein Buch von Gabor Maté über Sucht und ihre Mechanismen und es hilft mir, mit dem Druck umzugehen.
Oder ich schlafe oder höre Musik oder lese hier im Forum...
Ich habe oft hier gelesen, dass es egal ist, warum ich/man getrunken habe. Ich muss sagen, für mich stellt sich das anders dar.
Ich merke mehr und mehr, wie ich Schmerz (nein, keinen Weltschmerz, das verbitte ich mir) und Leere betäuben wollte und für mich ist es hilfreich, das zu wissen. Es geht für mich auch darum, mich weiter zu entwickeln und zu wachsen und da macht es schon Sinn sich um das zu kümmern, was Jahre lang mit Alkohol kompensiert wurde. Man könnte es auch anders sagen: nach meinen Recherchen hat Sucht Gründe die nicht nur in der Substanz liegen und nur die Substanz wegzulassen reicht mir nicht.
Es reicht auch meiner Meinung nach nicht, sich neue Hobbys und Tätigkeiten anzueignen und ggf. ein neues soziales Umfeld -
ich glaube, es geht auch darum, sich mit der Innenwelt auseinanderzusetzen.
Ja, das Leben spielt sich draußen ab und es sollte nicht an mir vorbei ziehen. Aber wie möchte ich an diesem Leben teilnehmen? Wer möchte ich sein - nüchtern - und wie schaffe ich es, nicht einfach neue Kompensationsstrategien für schwierige Themen und Situationen zusammen zu zimmern... ?
Die Abstinenz bleibt oberste Priorität, keine Frage, denn ohne sie ist alles nichts. Aber ich finde, Selbsterkenntnis ist nicht nur ein Wert an sich sondern notwendig für ein authentisches, erfülltes und lebendiges Leben.... deshalb werde ich nicht aufhören, nach dem Warum zu fragen 
Liebe Grüße in die Runde
Morgaine