Morgaine - Alkoholikerbekenntnis, Identität und Selbstwert

  • Hallo Morgaine,

    ich kann dich auch nur ermuntern, deinem Hausarzt und deinem Psychiater zu sagen, dass du Alkoholikerin bist.

    (...)
    Z.B. sinkt der Blutdruck im Rahmen einer Abstinenz. Das Wissen um die Alkoholkrankheit ist für den Arzt daher wichtig, um die Dosierung anderer Medikamente im Auge zu behalten.

    Also, trau dich ruhig.

    LG Kyra

    Hallo Kyra,

    danke für Dein Mut machen und den wichtigen Hinweis bzgl des Blutdrucks! ... jetzt verstehe ich auch besser, wieso ich mich in den letzten 4 Wochen um einiges schlapper gefühlt habe... ich dachte, das kommt vom schlechten Schlaf, aber vielleicht hängt es ja auch mit dem Blutdruck zusammen!
    Ich werde auf jeden Fall meinen Ärzten Bescheid geben, Ihr habt mir hier alle so viel Mut gemacht, das hilft sehr!

    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Sonne und Tageslicht. Wenn ich die beiden nicht jage geht es mir schlecht, depressiv. Paar Tage gehabt und mir gehts wieder gut

    Guten Morgen Abstinenzler,

    ja, das ist ein guter Rat... ich muss gerade sehr viel lernen, weil ich im Oktober eine Prüfung habe... jedenfalls bin ich viel am Schreibtisch, das ist sicherlich nicht förderlich... ich werde versuchen, "Lichtpausen" einzubauen...
    LG

    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Wenn die Depressionen schon vorher da waren, wie z. B. bei mir, verschwinden sie auch durch die Abstinenz nicht. Aber durch die Abstinenz können Medikamente und Therapien besser wirken.

    Guten Morgen Rennschnecke,
    ... das ist wohl wahr!
    Da ich über viele Jahre Alkohol missbräuchlich genutzt habe, kann ich gar nicht abschätzen, wie mein "eigentlicher" psychischer Zustand wirklich ist bzw das finde ich gerade heraus...
    ich weiß nicht, ob der Alkohol meine Medis gedämpft oder verstärkt hat in der Wirkung... ich bin auf das Gespräch mit dem Psychiater gespannt.
    Danke jedenfalls für den Hinweis!

    LG Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Mal gehts mir damit sehr gut, mal stelle ich noch einiges an nassem Denken bei mir fest. Z.B. dass ich zwar nicht das Trinken, das Bier whatever vermisse, aber den Zustand, das Gefühl das sich dadurch einstellte.

    Aber ich erwarte auch nicht, dass gar nichts mehr in der Richtung hochkommt und vertraue darauf, dass es besser wird. Geholfen hat mir auch das Buch Nachtlichter von Amy Liptrot, welches ich vor meinem Ausstieg las. Da konnte ich viel für mich rausziehen und es hat mich ermutigt, dem Alkohol ganz und gar und für immer abzuschwören. Wenn es mir jetzt mal nicht so gut geht, muss ich mir nur wieder Episoden aus dem Buch in Erinnerung rufen, um meine Zuversicht zu stärken. Liebe Grüße Loris

    Liebe Loris,
    danke fürs Teilen und den Literaturtip!

    Dass Du den Zustand vermisst, kann ich soooo gut nachvollziehen! Das geht mir teils auch so.
    Und krass finde ich bei mir auch, dass ich mich immer mal wieder dabei ertappe, wie der Gedanke durch den Kopf rauscht: Ach, jetzt kauf ich gleich noch Wein... oder: wie schön, nachher werde ich was trinken... Ich mache dann kopfschüttelnd weiter mit meiner eigentlichen Beschäftigung... aber irritierend ist es doch...

    Aber ja, ich denke oder hoffe, dass sich das mit der Zeit auch legen wird...:)
    LG
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • vielleicht hängt es ja auch mit dem Blutdruck zusammen!

    Hierzu noch was von mir. Ich konnte nach 25 Jahren mein Blutdruckmittel absetzen.

    Ich habe es besonders beim Aufstehen gemerkt. Orthostatische Dysregulation ist der mediziniesche Ausdruck.
    Das kannte ich vorher noch nicht.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Guten Morgen in die Runde,

    heute möchte ich mal zwei positive Ereignisse teilen:

    Am Mittwoch Nachmittag war ich mit einer Freundin in einem kleinen Café, das keinen Alkohol ausschenkt. Was ich nicht wusste: der Betreiber hat eine Ausschanklizenz beantragt. Und er mixte an dem Nachmittag zur Probe einen Cocktail. Da meine Freundin dort Stammgast ist und die beiden sich gut kennen, bot er ihr/uns den Probecocktail zum Testen an, indem er das Glas auf unseren Tisch stellte und bei dieser Geste das Glas auch recht nah an meinem Gesicht vorbei kam. Ich roch den Alkohol. Das Glas steht auf dem Tisch. Meine Freundin und ich sehen uns bedröppelt an und ich sitze da und denke: Oh Mann, jetzt probieren, das wäre schon toll! Ein paar kurze Sekunden findet in mir ein Kampf statt . Den ich aber gewonnen habe! Ich bat meine Freundin, das Glas zu entfernen, was sie auch sofort tat. Das war knapp, eine gute Erinnerung daran, wie schnell es gehen könnte...

    Gestern Abend habe ich mich mit meinem Ex-Freund getroffen. Er hatte sich vor einem Jahr von mir getrennt und ich habe gelitten wie ein Tier. (Wir hatten eine wunderschöne Beziehung, es gab keine Phase der Konflikte oder Probleme, die mich auf die plötzliche Trennung vorbereitet hätten... bis heute verstehe ich seine Beweggründe nicht ganz...) Jedenfalls war das Verlassenwerden ein Trigger für mich, in dessen Folge ich massiv konsumiert habe. (Was er nicht mitbekommen hat. In der einjährigen Beziehung hatte ich den Alkoholkonsum tatsächlich gut im Griff...)
    Ich hatte mich mit ihm verabredet, weil wir noch etwas zu besprechen hatten und weil wir seit der Trennung gut befreundet sind. Nach einer längeren Kontaktpause, von mir initiiert, sahen wir uns also gestern und ich hatte mich darauf vorbereitet, eventuell nach dem Treffen in Suchtdruck zu geraten und hatte Vorkehrungen getroffen.
    Aber, so schön und so schmerzhaft es war, ihn wieder zu sehen - ich hatte danach keinen Suchtdruck. Ich habe lange mit einer Freundin telefoniert und bin dann ins Bett.
    Hinzu kommt, dass ich ihm gesagt habe, dass ich Alkoholikerin bin und er hat wunderbar reagiert. Sehr emphatisch, überhaupt nicht wertend und er hat sich angeboten, da zu sein, wenn ich jemanden zum Reden brauche...

    Ich bin stolz, dass ich beide Situationen so gut gemeistert habe. Wohl wissend, dass ich nach 4 Wochen Abstinenz noch ganz am Anfang stehe und gut auf mich achten muss. Meinen Ex-Freund zu sehen ist ein zweischneidiges Schwert. Ich liebe ihn immer noch und es ist hart, dass er sich gegen uns entschieden hat. Aber er ist ein guter Freund und ich habe nicht viele Freunde. Und obwohl es weh tut, ihn zu sehen, tut es auch gut. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht...

    Davon abgesehen war ich gestern wieder bei der Caritas und habe das OK für die ambulante Reha/Suchttherapie bekommen. Die Kostenträgerfrage muss noch geklärt werden, aber das sind glaube ich Formalien...

    So schwierig es also mit meinen Depressionen auch gerade ist, es gibt auch Lichtblicke...

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Das Glas steht auf dem Tisch. Meine Freundin und ich sehen uns bedröppelt an und ich sitze da und denke: Oh Mann, jetzt probieren, das wäre schon toll!

    Krass, so schnell kanns gehen. Ekliges Gefühl für mich.

    Die legale Droge verfolgt einen leider für immer. Mit den illegalen Drogen war es 100x leichter aufzuhören: Ich sehe sie nicht, rieche nicht, Gar keine Trigger.

    Danke Gesellschaft, das auf Suchtkranke 0 Rücksicht genommen wird. Aber auf euch soll ich Rücksicht nehmen? Ist klar;)

    Ich bin stolz, dass ich beide Situationen so gut gemeistert habe.

    Das kannst du auch sein.

    Ich liebe ihn immer noch und es ist hart, dass er sich gegen uns entschieden hat.

    Warum hat er sich getrennt? Wenn doch alles so gut war?

    Heute trinke ich nicht

  • Ich bin stolz, dass ich beide Situationen so gut gemeistert habe.

    Hallo Morgaine,

    eine wichtige Erfahrung auch in Sachen „Selbstwirksamkeit“, oder?

    Allerdings passt das Bild mit dem „Kampf“ für mich nicht mehr, da gibt es immer einen Gewinner und Sieger. Und den Gibt es bei der Sucht halt nicht.. Der „Unterlegene“ wird es immer und immer wieder probieren, vor allem auf schwache Momente lauern und dann zuschlagen.. Diese Vorstellung gefällt mir irgendwie nicht, da würde ich jeden Trinkimpuls als existenzielle Bedrohung erleben, was mich zusätzlich stresst.

    Ich kann den Sichtdruck nicht verhindern und muss ihn auch nicht bekämpfen. Ich muss nur lernen, ihn auszuhalten, ohne mich von ihm in Bann ziehen zu lassen. Er kommt und geht und die Abstände werden immer größer, vielleicht auch weil ich nicht mehr auf ihn reagiere, mich nicht mehr einwickeln lasse, ihm keine Energie schenke.

    Mir hilft das jedenfalls…

    Und obwohl es weh tut, ihn zu sehen, tut es auch gut. Ich weiß nicht, ob das Sinn macht...

    Auf den ersten Anblick sehr paradox, oder? Ich kenne das auch, irgendwie möchte ich dann das Vergangene irgendwie wiederbeleben, weiß aber, dass es aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert.

    Auch das wird sich mit der Zeit ergeben 😉

    Zum Glück sind wir hier „nur“ in einem Alkoholiker-Forum und brauchen uns über solche Rätsel keinen Kopf zu machen 🙃

    LG KW

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Liebe Morgaine, so eine Freude von Deinen Erfolgen zu lesen! Ich finde das ganz toll! Gerade wenn das Verlangen in einer Situation, wo ich so gar nicht damit gerechnet habe, quasi aus dem Nichts daher kommt, ist es wirklich eine reife Leistung bei sich zu bleiben und der Sucht nicht das Steuer zu überlassen. Nach einem Jahr Rauchfreiheit, kene ich einige solcher Momente. Beim Alk werden sie noch kommen. Beim Thema unerfüllte Liebe wird Dir der Faktor Zeit und der Faktor Nüchternheit bestimmt ebenfalls helfen. Egal für welche Wege man sich auch immer im Leben entscheidet, zuviel Gefühlsduseligkeit, wie sie ja der Alkohol im Gehirn bei vielen verursacht, hat noch niemand geholfen. Deshalb hast Du mit Deiner Abstinenz alles wirklich alles richtig gemacht, der Rest wird darauf aufbauen können. Wir laufen einfach weiter! Herzlichst Loris

  • Krass, so schnell kanns gehen. Ekliges Gefühl für mich.

    Die legale Droge verfolgt einen leider für immer.

    Warum hat er sich getrennt? Wenn doch alles so gut war?

    Ja, das mit dem ekligen Gefühl verstehe ich gut! ... Bei mir überwog die Überraschung, an diesem Ort Alkohol anzutreffen und dieser Überraschungsmoment war gut, er hat meinem Verstand Zeit gegeben, sich einzuschalten.

    Beim Einkaufen, so stelle ich fest, fühle ich nichts (mehr) wenn ich am Regal vorbei gehe.... aber wenn ich wo Leute Alkohol trinken sehe kann es gut sein, dass ich innerlich reagiere... ich finde die ständige Präsenz von Alkohol in der Gesellschaft auch krass, (Fernsehen!) aber ich weiß auch, dass jede Kultur ihre Drogen hat, legale und illegale und dass ich lernen muss, damit umzugehen...

    Warum er sich getrennt hat, wüsste ich auch gerne. Ich habe nur nebulöse Aussagen bekommen, die belastbarste war wohl, dass es sich für ihn nicht mehr stimmig angefühlt hat. Seine innerliche Veränderung habe ich nicht bemerkt und er hat mir auch bestätigt, dass ich es nicht hätte merken können...Nach ein paar Gesprächen glaube ich inzwischen, dass er eine Bindungsproblematik hat... aber ich versuche, nicht zu interpretieren oder mich in seinen Kopf zu denken... jedenfalls bin ich mir sicher, dass das Ende nichts mit Alkohol zu tun hatte. (Er selber trinkt schon viele Jahre keinen Alkohol mehr...)

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Hm, das ist ein guter Hinweis... dem Suchtdruck keine Energie geben und nicht in den Kampf ziehen...
    Ich habe es bewusst so ausgedrückt, weil ich tatsächlich meine beiden Pro- und Contra-Stimmen beobachten konnte und weil es schon eine Kraftanstrengung war, in der Disziplin zu bleiben...
    Aber mir gefällt Dein Ansatz und normaler Weise versuche ich ja auch, meine Gedanken einfach ziehen zu lassen, ohne ihnen Raum zu geben ... ich werde sicher noch öfter Gelegenheit haben, das zu üben...

    Ich glaube auch, dass ein Teil von mir versucht, noch an dem alten, an dem guten Gefühl der Beziehung festzuhalten... aber ich merke auch, dass mir die Freundschaft an sich gut tut. Der Kontakt zu jemandem, der mich kennt und versteht und der nicht trinkt, ist wertvoll für mich.

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

    Einmal editiert, zuletzt von Morgaine (25. September 2026 um 09:43)

  • Beim Thema unerfüllte Liebe wird Dir der Faktor Zeit und der Faktor Nüchternheit bestimmt ebenfalls helfen. Egal für welche Wege man sich auch immer im Leben entscheidet, zuviel Gefühlsduseligkeit, wie sie ja der Alkohol im Gehirn bei vielen verursacht, hat noch niemand geholfen. Deshalb hast Du mit Deiner Abstinenz alles wirklich alles richtig gemacht, der Rest wird darauf aufbauen können. Wir laufen einfach weiter! Herzlichst Loris

    Liebe Loris,
    ja, die Zeit wird für mich spielen, dass glaube ich auch... und ich bin nicht die erste und werde nicht die letzte sein, die die Erfahrung unerfüllter Liebe macht ...;)
    Und Du hast vollkommen recht! Ohne Alkohol habe ich einen klaren Kopf und kann besser mit meinem Liebeskummer umgehen... wer hätte das gedacht ^^
    Danke für Deinen Zuspruch!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • bot er ihr/uns den Probecocktail zum Testen an, indem er das Glas auf unseren Tisch stellte und bei dieser Geste das Glas auch recht nah an meinem Gesicht vorbei kam.

    Ach du Sch... 🙈

    Bei solchen Situationen frage ich mich oft wo denn die versteckte Kamera jetzt ist.
    Ich bin ja der Meinung, dass mich das Leben immer wieder auf die Probe stellt. Bei allen möglichen Dingen. Also auch beim Alkohol.

    weil ich tatsächlich meine beiden Pro- und Contra-Stimmen beobachten konnte

    Das finde ich sehr gut. Als ich noch nass war habe ich da nichts beobachten können. Ich habe mich einfach von der Sucht leiten lassen und "gemacht", bzw. eben getrunken. Erst mit beginnender Trockenheit wurde ich mir der Suchtstimme bewusst.
    Das finde ich extrem wichtig. Viele meiner früheren Freunde hängen (vielleicht für immer) in der Leugnungsphase fest. Die hören keine zwei Stimmen.

    Es liest sich im Augenblick bei Dir noch sehr knapp, was den Ausgang angeht. Da ist noch großes Aufpassen angesagt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

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