. Aber es war nicht nur wegen der Nähe zum Alkohol, sondern wegen der mahnenden Worte und erhobenen Zeigefinger des Forums.
Ich denke, da wird vieles fehlinterpretiert. Es geht nicht um mahnende Worte, und schon gar nicht um den erhobenen Zeigefinger. Es geht um Selbsthilfe und was jeder Einzelne daraus macht. Es sind Erfahrungsberichte, keine Aufforderungen, irgendetwas nachzumachen.
Ich bin überzeugter Vertreter der Selbsthilfe. Aber dieses Nachtragen bei der Sucht – dieses „Wie geht’s dir?“, „Mach doch mal so oder so“ das war nie mein Weg. Nicht, weil mir Empathie fehlt. Sondern weil genau diese Dynamik oft die gleiche ist, die einen in der Sucht gehalten hat. . Fremdsteuerung, Anpassung, Erwartung.
Ich setze auf Eigenverantwortung nicht auf emotionale Nachsorge. Wer trocken bleiben will, muss sich selbst führen. Nicht geführt werden. Wenn jemand rückfällig wird, soll er weiter saufen. Wenn er das nicht mehr will, kann er wieder anfangen trocken zu werden .
Aber ihn an die Hand zu nehmen, ihm Mut zu machen und ihn wieder aufzubauen, hat den Beigeschmack, dass er es für den anderen tut und nicht aus sich selbst heraus. Der Co-Bereich in unserem Forum zeigt, wie mühsam das ist und wie viele Jahre es dauern kann.
Natürlich mache ich Unterschiede, wenn es ums Normale Leben geht. Ich gehe essen, trinken, feiere Geburtstage, bin auf Festen, treffe Menschen in Lokalen. Das ist Leben. Trocken bleiben heißt nicht, sich einzusperren. Wer das glaubt, hat nichts verstanden.
Trocken bleiben ist eine Notwendigkeit und das geht nur, wenn ich Risiken sie als das einschätze, was sie sind. Eben Risiken.
Und gerade am Anfang kann ich das gar nicht einschätzen. Was ist ein Risiko, was nicht? Die Jahre davor war alles scheinbar kein Risiko. Das Hirn schaltet nicht abrupt von "nass auf trocken" .Da wird vieles missgedeutet und fehlinterpretiert.
Genau deshalb wurden die Grundbausteine von Langzeittrockenen ins Leben gerufen, die sie zusammengetragen haben. Nicht einmal von mir , ich bin nur der Überbringer der „frohen Botschaft“.
Die Grundbausteine verändert sich auch nach Jahren nicht.
Der Alkoholiker verändert sich, je länger er trocken bleibt. Und dann versteht er rückwirkend auch den Sinn der „frohen Botschaft“.
Das Forum ist auf meinem Computer (Kopf) gespeichert. Es ist abgelegt und ständig abrufbar. Es ist immer dabei, wenn ich irgendwo hin gehe, auch wenn ich mein Handy nicht dabei habe.
So habe ich vor 18 Jahren auch angefangen, erst skeptisch, dann der Fall, dann die Rückkehr. Heute bin ich über 18 Jahre trocken. Nicht, weil ich etwas nachgemacht habe, sondern weil ich es für mich gemacht habe.
Es gibt keine Kopien. Wer seinen Weg geht, bleibt das Original.