Das nervt tierisch diese Saufgedanken.
Kennst du den Spruch „Die Geister, die ich rief“? Machst du dir im Vorfeld schon Gedanken, ob Suchtdruck oder Verlangen auftauchen könnten? Klar, das ist nervig, aber genau das ist der Job des Suchthirns
. Du hast ihm etwas weggenommen, also meldet es sich.
Am Ende nützt alles nichts. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Saufen oder nicht saufen.
Ich kenne das aus meinen ersten zaghaften Anfängen, trocken zu werden, und auch von kurz vor einem Rückfall vor fast 19 Jahren. Damals war ich einfach noch nicht so weit. Der Verstand wusste zwar, dass ich süchtig bin, aber ein Leben ohne Alkohol konnte ich mir nicht vorstellen. Das war ja keine freie Entscheidung im Sinne von „ich saufe jetzt nicht mehr“, das war eine Notwendigkeit.
Ich hatte damals auch keinen äußeren Druck. Niemand hat mich dazu animiert oder „gezwungen“, niemand hat ständig auf mich eingeredet oder mir vorgeworfen, dass mein Saufen alles kaputt macht. Niemand der gedrängt hat, keine Dauerbeschallung mit Vorwürfen.
Ich kann dir zwar keine Tipps geben, aber vielleicht einen Denkansatz. Einen Schalter im Kopf umstellen.
Kennst du dieses Diät-Gefühl? Sobald ich etwas nicht darf, will ich es erst recht. Plötzlich habe ich Hunger, obwohl vorher keiner da war. Verbot macht appetitlich.
Wenn ich etwas nicht kann ist die Sache erledigt. Einen fünffachen Salto aus dem Stand kann ich nicht. Also lasse ich es. Keine Diskussion, kein inneres Drama.
„Ich darf nicht“ heißt Verzicht, Verlust, innere Diskussion und Kampf. Der Kopf fängt an zu verhandeln, der Suchtdruck wird größer.
„Ich kann nicht“ heißt Fakt. Ende der Debatte. Keine Option, keine Hintertür. Mit „nicht können“ ist gemeint, damit nicht mehr umgehen zu können.
Vielleicht auch einen Ansatzpunkt.