Beiträge von Hartmut

    Willkommen bei uns im Alkoholiker‑Forum.


    Den Spoiler kannst du dir sparen – wir sind hier alle Alkoholiker oder haben damit zu tun. Und ich kann nach fast 19 Jahren behaupten, ich habe alles gehört und gesehen, was der Alkohol aus einem Menschen machen kann..

    alle anderen sind Alkoholiker nur ich nicht

    Aber heute bist du dir sicher ;) ?

    Du sprichst von der Diagnose Alkoholabhängigkeit. Manche wählen bewusst diese Formulierung, weil sie sich persönlich nicht als Alkoholiker bezeichnen wollen oder sich von diesem Begriff distanzieren. Alkoholabhängigkeit klingt medizinisch, während Alkoholiker eher eine persönliche Zuschreibung ist.

    Hier tauschen sich nur bekennende Alkoholiker aus, die sich auch so bezeichnen und eine lebenslange Abstinenz anstreben, soviel vorweg.

    Wann hast du das letzte Mal getrunken?

    Lässt sich ein Co-Verhalten einfach so ablegen? Das ist eine ernst gemeinte Frage.

    Stimmt, das war missverständlich formuliert. Ihnen ist noch nicht bewusst, dass ihr Verhalten krankhaft ist, und daher haben sie es nicht erkannt. In diesem Fall wurde es also bislang nicht in Betracht gezogen.

    aber nun sollten wir den Thread wieder Alexa lassen

    Erstmal stimme ich zu, dass es für Alkoholiker, die gerade am Anfang stehen, besser ist, hier nicht zu schreiben. Das ist auch nicht so vorgesehen. Passiert es aber, sollte ein Hinweis gegeben werden wie es vo Aurora getan wurde dann solte dieser auch eingehalten werden.

    Aber wenn du bei Cos schreibst, dann klingt das appellativ, nach dem Motto: halte durch, gibt die Hoffnung nicht auf, irgendwann wird alles gut.

    Das ist aber genau DAS was hier viele Angehörige bis an die Grenze des Aushaltbaren geführt hat. Was zum Burn-out, vielleicht sogar zur Selbstaufgabe führt.

    Ich verstehe deine Fürsorge, und vieles mag stimmen. Aber kann man das wirklich so pauschalisieren und dem einzelnen Co absprechen, selbst nicht unterscheiden zu können? Oder spannt man vorsorglich den großen Rettungsschirm über alle so wie zu Hause beim Alkoholiker die Flasche kontrolliert, weggeräumt und verzweifelt versucht wird, ihn trocken zu legen? Ist das nicht genau das gleiche Co‑Verhalten? Nur mal provokativ in den Raum gestellt.

    Wenn der Co hier nach Wegen sucht, wie er seinen „Alkoholiker“ trotz verzweifelter Versuche doch noch trockenlegen kann, nur weil es irgendwo auf der Welt funktioniert hat, zeigt das, dass er sein Co-Verhalten noch nicht abgelegt hat.

    Selbsthilfe ist doch das, was hier im Vordergrund stehen sollte.

    Es ist schwierig, als Alkoholiker im Co-Bereich zu schreiben, weil das, was zu Hause passiert, oft etwas ganz anderes ist als das, was hier im Forum geschildert wird. Nicht jeder ist co-abhängig, aber viele, die es sind, melden sich hier. Und nicht jeder zeigt zu Hause dieses krankhafte Co-Verhalten, das bei manchen hier deutlich sichtbar wird.

    Wir müssen das auch nicht größer machen, als es ist, sondern einfach unterscheiden.

    In vielen Haushalten läuft es ganz ohne Co-Abhängigkeit, teils sogar so, dass der Partner der letzte Auslöser war, die Flasche abzustellen. Deshalb kann und darf man das eine nicht pauschal mit dem anderen gleichsetzen.

    Differenzieren statt vermischen. Das ist alles.

    Noch eine Ergänzung, etwas hypothetisch und mehr aus der Luft gegriffen.:saint:

    Solange ich die Tage zähle, seit ich nichts mehr trinke, ist es noch Abstinenz. Dann ist Alkohol innerlich noch Thema. Zähle ich nicht mehr oder werde höchstens an einem Datum daran erinnert, ist es Trockenheit.

    Denn warum sollte man etwas zählen, wenn die Entscheidung endgültig war? Was entschieden ist, braucht keinen Ticker mehr.:whistling:;)

    Das nervt tierisch diese Saufgedanken.

    Kennst du den Spruch „Die Geister, die ich rief“? Machst du dir im Vorfeld schon Gedanken, ob Suchtdruck oder Verlangen auftauchen könnten? Klar, das ist nervig, aber genau das ist der Job des Suchthirns;). Du hast ihm etwas weggenommen, also meldet es sich.

    Am Ende nützt alles nichts. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Saufen oder nicht saufen.

    Ich kenne das aus meinen ersten zaghaften Anfängen, trocken zu werden, und auch von kurz vor einem Rückfall vor fast 19 Jahren. Damals war ich einfach noch nicht so weit. Der Verstand wusste zwar, dass ich süchtig bin, aber ein Leben ohne Alkohol konnte ich mir nicht vorstellen. Das war ja keine freie Entscheidung im Sinne von „ich saufe jetzt nicht mehr“, das war eine Notwendigkeit.

    Ich hatte damals auch keinen äußeren Druck. Niemand hat mich dazu animiert oder „gezwungen“, niemand hat ständig auf mich eingeredet oder mir vorgeworfen, dass mein Saufen alles kaputt macht. Niemand der gedrängt hat, keine Dauerbeschallung mit Vorwürfen.

    Ich kann dir zwar keine Tipps geben, aber vielleicht einen Denkansatz. Einen Schalter im Kopf umstellen.

    Kennst du dieses Diät-Gefühl? Sobald ich etwas nicht darf, will ich es erst recht. Plötzlich habe ich Hunger, obwohl vorher keiner da war. Verbot macht appetitlich.

    Wenn ich etwas nicht kann ist die Sache erledigt. Einen fünffachen Salto aus dem Stand kann ich nicht. Also lasse ich es. Keine Diskussion, kein inneres Drama.

    „Ich darf nicht“ heißt Verzicht, Verlust, innere Diskussion und Kampf. Der Kopf fängt an zu verhandeln, der Suchtdruck wird größer.

    „Ich kann nicht“ heißt Fakt. Ende der Debatte. Keine Option, keine Hintertür. Mit „nicht können“ ist gemeint, damit nicht mehr umgehen zu können.

    Vielleicht auch einen Ansatzpunkt.

    So wie ich es im Kopf habe, gibt es statistisch etwa doppelt so viele süchtige Männer wie Frauen, die Dunkelziffer einmal außen vor gelassen. Frauen holen sich dagegen mehr Hilfe, wenn es um Co‑Abhängigkeit geht.

    Männer deutlich weniger, da schlagen die alten Rollenbilder durch: stark sein, nicht über Gefühle reden, bloß keine Schwäche zeigen. Am Ende bleibt das Gefühl der Machtlosigkeit, die eigene Frau „nicht im Griff zu haben“, und genau das wird lieber verschwiegen und im stillen Kämmerlein ausgemacht.

    Schau dir die Alkoholiker an, wie lange sie allein herumdoktern, bevor sie sich hier melden und da sind sie nach meiner Erfahrung schon ziemlich weit unten. Im Gegensatz dazu melden sich hier Frauen bereits, wenn sie nur den Verdacht haben, ob ihr Trinkverhalten mit einer Flasche Wein pro Woche schon Alkoholismus bedeutet.

    Um es etwas überspitzt zu formulieren. Männer kommen erst, wenn sie fast am Boden liegen, Frauen schon, wenn sie den Schatten sehen.

    Die Schenkenden haben dir das doch nicht aus böser Absicht geschenkt?

    Wenn nicht bekannt ist, dass ich trockener Alkoholiker bin, ist alles gut. Dann ist ein Geschenk eben ein Geschenk. Wenn es aber bekannt ist und mir trotzdem Alkohol geschenkt wird, geht das zurück. Das ist dann nichts Persönliches, sondern schlicht ein Alibi-Geschenk.

    Und ich werde auch einen Teufel tun, selbst Alkohol zu verschenken. Ich habe irgendwann auch mit einem Glas angefangen und bin süchtig geworden. Das kam nicht aus dem Nichts. Ich unterstütze auch keine „angeblichen Genusstrinker“ und auch keine wieteren anderen Beschönigungen. Alkohol ist Alkohol.

    Es gibt allerdings auch Alkoholiker, die sich unter der Grasnarbe bewegen, also nicht offen damit umgehen, und dann Alkohol verschenken, um die eigene Sucht zu kaschieren. Auch das gehört zur Realität.

    Was kann ich machen wenn ich Saufbekannte sehe?

    Akzeptieren. Mehr ist es im Moment nicht.

    Die sind ja nicht aus der Welt. Solange du ihnen nicht hinterherläufst und dich nicht an irgendwelche Kneipen-Stammtische oder sonst wo dazusetzt, ist das in Ordnung. Das Treffen dauert vielleicht mal zehn Minuten, und danach bist du wieder weg.

    Versuch, das nicht zu bewerten, sondern es einfach so zu sehen, wie es ist. Es zwingt dich ja keiner zu saufen und wieder so auszusehen, wie du ihn beschrieben hast. ;)

    Ich denke der Unterschied bei nassen Alkoholikern, speziell meinem Mann ist: die spirale dreht sich immer wieder im Gegenteil: es passieren viele Dinge, die verletzen, und er wird sicher im Nachgang in irgendeiner Form ein schlechtes Gewissen haben oder?

    Was bringt es dir, zu wissen, ob er ein schlechtes Gewissen hat? Das macht eine Situation, die sich ständig wiederholt, nicht besser. Schuldgefühle sind keine Handlung, sie ändern nichts.

    Wenn das Leid groß ist, zählt Handeln , nicht das Grübeln darüber, was einer im Besoffenzustand oder danach angeblich denkt. Oder?

    Er sagte, eher zynisch: „Ja klar, was bin ich denn sonst?!“ Und das war es dann auch wieder. Komischerweise fühlte ich hauptsächlich ein Gefühl: Entwaffnung.

    Ich nannte es mein inneres Alibi: „Ich bin Alkoholiker, ich muss eben trinken.“ Damit war erst einmal Ruhe. Später kam der nächste Schritt: „Ich suche mir Hilfe. Ich schaffe es nicht allein, kannst du mir helfen?“ Der Wille wird betont, doch in Wirklichkeit passiert nichts.

    Aber das weißt du ja schon;)

    Konsequenzen bzw Verhaltensänderungen sind natürlich keine Feststellbar. Im Gegenteil.

    Er wird weitersaufen, solange er selbst nichts ändert oder zugrunde geht. Und du bist in diesem Moment nur Mitläufer im Suchtsystem. Und ohne eigene Handlung bleibst du Teil des Kreislaufs.

    So ein Verhalten gibt es auch bei Nicht Süchtigen. Streit, ein angespannter Abend, und dann lässt man Gras darüber wachsen. Alles menschlich. Der Unterschied ist. Bei Nicht-Süchtigen bleibt es situativ, meist gefolgt von Einsicht oder zumindest einer Veränderung.

    Bei Süchtigen hingegen ist es ein festes Muster. Absturz, dann ein paar Tage gespielte Normalität, als wäre nichts gewesen. Nicht aus Vergessen, sondern um Konsequenzen zu vermeiden und das Trinken abzusichern.

    In diesem Moment hat die Sucht das Denken übernommen. Kein Charakterfehler, sondern Suchtdynamik. Ein „nasser“ Alkoholiker muss ja trinken.

    Ich kenne eure Haltung dazu weitestgehend, aber ich möchte mal wissen, wie ihr als Co das zur Sprache bringt oder gebracht habt

    Warum holt sich die Co hier im Forum Hilfe? Weil Reden allein nichts bringt. Das Thema anzusprechen ändert am Verhalten nichts. Ich gehe davon aus, dass deine Partnerin längst weiß, dass sein Trinkverhalten nicht normal ist. Das kennst du ja selbst nur zu gut.

    Die entscheidende Frage ist also. Warum glaubst du, dass es bei ihr anders laufen sollte? Sucht folgt immer demselben Muster. Nur weil es diesmal deine Partnerin ist, gelten keine anderen Regeln.

    Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, geht es nur, indem man klare Ansagen macht, Änderungen einfordert, einen Zeitpunkt festlegt, Konsequenzen benennt und diese auch durchzieht, wenn nichts passiert.

    Jedes Nachgeben ist ein Freibrief zum Weitermachen. Wer aber schon tief in der Sucht drinsteckt, reagiert nicht auf Zureden, Bitten oder Hoffen, sondern muss selbst an den Punkt kommen.

    Alles andere ist ein endloser Kreislauf ,immer gleich, immer wieder.

    Darf ich mal ?

    Du kannst dich weiter in Selbstvorwürfen baden, wenn dir das hilft, im Opfermodus zu bleiben. Es ist dieselbe Rolle, die du aus der Beziehung mit einem nassen Alkoholiker kennst. Wenn du sie behalten willst, bitte. Das ist deine Entscheidung.

    Ich weiß aber ziemlich genau, wie Alkoholiker ticken. Auch nach über 18 Jahren trocken. ;)

    Menschen während der aktiven Sucht sind austauschbar. Nicht aus fehlender Liebe oder mangelnden Gefühlen, sondern weil alles ausgetauscht wird, was den Trinkkreislauf stört oder gefährdet. Materielle Versprechen, Zukunftspläne, Kinder, Familie, Umfeld – all das wird irrelevant. Die Sucht hat in diesem Moment das Denken übernommen. Wird jemand unbequem, fliegt er raus.

    Auch wenn es unverständlich ist, ist es nun mal so. Es ist ja auch unverständlich, dass du dir jetzt noch den Kopf darüber zerbrichst. Du bist raus aus dem System, und das ist auch gut so.

    Und eine Prognose , wenn alles so war, wie du es beschreibst, und die neue Partnerin irgendwann merkt, was da wirklich läuft, wenn die rosarote Brille von Verliebtheit auf Realität umschaltet, dann werden wir sie hier im Forum wiedersehen.

    Und dann erklären wir ihr, dasselbe wie dir: Einen Alkoholiker kann man nicht retten.

    Schaff dir den Freiraum im Kopf und ich bin mir sicher dass es da draußen etwas gibt, das wesentlich interessanter ist, um sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Eventuell auch mit Herzklopfen:whistling:

    Hallo Sonnenblumenlebene,

    willkommen bei uns.

    Ein paar Infos vorweg Hier geht es um den Austausch unter bekennenden Alkoholikern, basierend auf dem gemeinsamen Wunsch nach lebenslanger Abstinenz.

    1035 Tage trocken sind eine starke Leistung und wirken sehr stabil.

    Hier ist Selbsthilfe keine Beratung, keine Therapie und keine Fremdhilfe. Jeder schreibt über seinen eigenen Weg. Was andere davon für sich mitnehmen können, ist in Ordnung, .

    Schau dir bitte unsere Grundbausteine an , das ist der Rahmen, in dem wir uns hier bewegen.

    Gib kurz Bescheid, ob das für dich passt, dann wissen wir, woran wir sind.

    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40