Der in dem Zusammenhang häufig genutzte Begriff "Tiefpunkt" ist deshalb in meinem Augen eher irreführend. "Wendepunkt" trifft es vielleicht besser.
Ich weiß nicht, warum man für alles neue Begriffe erfinden muss. Je mehr Begriffe, desto mehr redet man über Worte und desto weniger über das Eigentliche: trocken bleiben.
Ich bin Alkoholiker.Der einzige Weg raus ist trocken leben.
Alles andere war für mich meistens nur Verhandeln mit der Sucht. Viele beschäftigen sich mit Diagnosen, Gefühlen, Modellen und Nebenschauplätzen. Kann man machen. Für mich war nur wichtig. Hält es mich trocken oder nicht.
Warum ich so lange trocken bin? Keine Ahnung. Ich weiß nur, woran es nicht lag, nicht an Begriffen, nicht an Theorien, nicht an psychologischem Geschwurbel. Ich habe alles als Werkzeug gesehen. Was hilft, bleibt. Was stört, fliegt raus. Falsche Zange in der Hand? Weg damit. Viele machen aus ihrer Sucht eine Philosophie. Ich nicht.
Für mich ist es ein Werkzeugkasten. Was funktioniert, bleibt. Was verwirrt, kommt weg. Vielleicht bin ich deshalb trocken geblieben. Nicht weil ich alles verstanden habe, sondern weil ich aufgehört habe, mich selbst zu verwirren.