Beiträge von Hartmut

    Ganz einfach: manche Leute trinken ein Bier und das wars. Manche trinken im Gespräch, das Bier wird nach einer Stunde schaal und sie geben das halb volle Glas zurück.

    Angler, dieses „manche trinken so, manche so“ ist mir zu einfach. Wenn ich mich vergleiche, schaue ich nicht auf mich. Entscheidend ist, was aus mir heraus passiert ist – nicht, was theoretisch bei anderen vorkommt. Das war nie meine Begründung für Sucht.

    Meine Sucht hat sich nicht über Vergleiche erklärt, sondern über das, was in mir ablief: Aufwachen, erster Gedanke Alkohol. Schlechtes Gewissen und trotzdem weitergesoffen. Kontrollverlust. Saufen trotz Übelkeit, Ekel, Schmerzen. Kein Anlass nötig, kein Streit, kein Trigger von außen. Der Druck kam aus mir, nicht aus der Situation. Das war kein „ich wollte“, das war ein „ich musste“. Der Drang war körperlich, nicht logisch.

    Und dann lese ich bei dir wieder Dinge wie: „Ich war emotional abhängig“, „ich war überfordert“, „ich habe mich verloren“, „ich habe mich in Beziehungen aufgegeben“. Das ist heftig, keine Frage und das kann einen komplett zerlegen. Für mich klingt das aber eher nach emotionaler Abhängigkeit als nach einer klassischen Alkoholabhängigkeit. Dass beides ineinander übergehen kann, will ich gar nicht ausschließen , dafür fehlt mir einfach die eigene Erfahrung.

    Aber genau deshalb hake ich nach. Was bei dir lief, war belastend, ja. Die Frage ist nur, ob es wirklich Sucht im Sinne von Alkoholabhängigkeit war oder etwas anderes, das du gerade darunter einordnest.

    Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, das Thema immer wieder im Kreis zu drehen. Mein Blick richtet sich hier auf Sucht, und darüber kann ich aus eigenen Erfahrungen berichten – fast 30 Jahre Saufen, knapp 20 Jahre Austausch hier im Forum.

    Dir alles Gute

    Ja tue ich, weil sonst hätte ich es ja nicht gemacht.

    Angler, du schreibst, dass du Alkoholiker bist.

    Gleichzeitig beschreibst du durchgehend weithin Muster, die für mich eher nach Missbrauch als nach Abhängigkeit klingen. Das passt für mich im Moment nicht ganz zusammen.

    Deshalb eine konkrete Frage. Ab welchem Punkt würdest du sagen, ist aus deinem Konsum eine Sucht geworden? Und woran machst du fest, dass es heute keine Rolle mehr spielt?

    Wenn ich lese „Ich brauche keinen Alkohol, ich mag keinen Alkohol, ich habe kein Verlangen, ich konnte immer verzichten“, dann wirkt das für mich nicht wie klassische Abhängigkeit.

    Und ganz offen. Wenn du das wirklich ohne Risikominimierung, ohne Struktur und ohne Rückfallgefahr hinbekommst, dann ziehe ich den Hut. Aber ich hake nach, weil hier nicht der Eindruck entstehen darf, dass jeder trockene Alkoholiker das „locker flockig“ so hinbekommt. Das wäre ein fatales Signal , andere würden blind in den Rückfall laufen.

    Mir geht es auch nicht darum, dir etwas abzusprechen. Aber wenn man deinen gesamten Thread liest, fällt dieser Widerspruch nicht nur mir auf.

    Tut mir leid, aber irgendetwas scheint bei dir nicht richtig anzukommen. Seit Beginn drehst du dich im Kreis und findest immer wieder die alten, manchmal neuen Gründe, warum du zur Flasche gegriffen hast.

    Das ist verständlich, aber Sucht funktioniert anders. Sie braucht keine Rechtfertigung und keinen Anlass. Wir sind hier in einem Suchtforum, und das hat nichts mit Beziehungsabhängigkeit oder emotionalen Mustern zu tun.

    Was du beschreibst, ist Missbrauch, nicht Abhängigkeit das ist ein Unterschied.

    Deshalb mal eine klare Frage diesmal, bitte ohne Ausweichen oder was du schon mal gesagt hast .

    Siehst du dich selbst als Alkoholiker?

    Zum Alkohol. Ich habe nie gesoffen weil Bier da war. Ich habe auch nie getrunken weil ich konnte oder es mir erlaubt habe.

    Also: doch nicht süchtig?

    Wenn ich nur saufe wegen der Umstände, dann ist das keine Sucht, das ist Missbrauch. Sucht ist es erst, wenn ich trinken muss – unabhängig von Gründen, Stimmung oder Situation. Wer sich einredet, „ich trinke ja nur, weil …“, beschreibt exakt das Gegenteil von Sucht.

    Das ist die "Komfortzone" des Missbrauchers, nicht die Realität eines Alkoholikers.

    Man sagt ja Sucht ist nicht heilbar, nur Stoppbar. Ich habe für mich festgestellt, dass man erstmal zu sich kommen muss und dann gar nicht die Probleme verdrängen/ ertrinken muss.

    „Zu sich kommen“ ist kein Ausstieg aus einer Sucht. Für einen Alkoholiker braucht es eine Notwendigkeit, geboren aus der klaren Erkenntnis, Alkoholiker zu sein. Alles andere ist ein Zusammenlegen von Gründen, ein Schönreden, ein Verschieben. Denn ob ich Probleme verdränge, erkenne, löse oder ob sie mal weg sind, ändert nichts an einer Sucht.

    Und ob du ein Wrack bist oder nicht, das kann ich nicht beurteilen. Ob du das hier als „arme Sau“ verbreiten willst oder ob es stimmt, ist in diesem Rahmen nicht zu klären. Das gehört in ein Gespräch mit deinem Therapeuten, nicht in ein Forum, das deine Selbsteinschätzung weder prüfen noch korrigieren kann.

    Warum ich so direkt schreibe? Weil es eben auch Irrtümer gibt und weil es möglich ist, dass jemand sich in eine Krankheit „hineinrettet“, die vielleicht gar nicht da ist. Ich hatte selbst jahrelang ein exzessives Trinkverhalten und war trotzdem nicht süchtig, nur stark gefährdet. Und genau das wünsche ich dir dass du "Nur" gefährdet warst aber nicht abhängig.

    Es ist kein Weltuntergang, Alkoholiker zu sein zumindest ein trockener;). Schlimm ist nur, einer sein zu wollen, um eine Ausrede zu haben. Zum Beispiel: „Ich habe zu viel gesoffen, deswegen ist die Beziehung an die Wand gefahren.“

    Das ist nicht fremdverschuldet, das ist eben nur eine bequeme Erklärung

    Verstehst du, was ich meine?

    Und bevor das falsch verstanden wird! Ich spreche niemandem eine Krankheit ab. Mir geht es nur darum, jedem Klarheit zu wünschen , das mache ich bei keiner anderen Erkrankung anders. Aber die Erfahrung zeigt eben auch hier.

    Manche flüchten sich in Erklärungen, die einfacher zu ertragen sind als die Realität.

    Ich denke, solange du in dieser inneren Endlosschleife aus Schuld, Grübeln und Selbstzweifeln feststeckst, wird sich an deinem Gefühl nichts ändern. Kein Wunder, du badest ja förmlich darin. ;) Die Gefahr ist nur, dass man das irgendwann für Selbsterkenntnis hält, obwohl man sich eigentlich nur im Kreis dreht. Oder?

    Du hast selbst geschrieben, warum du früher gesoffen hast. Und genau da liegt für mich der Punkt: Trinkverhalten und Suchtverhalten sind eben nicht dasselbe. Das eine ist, was man tut, das andere ist, warum man es tut.

    Die eigentliche Frage ist doch: Hättest du auch weiter gesoffen, wenn es keinen Anlass gegeben hätte?

    Das Emotionale ist nachvollziehbar, aber auf dieser Ebene wirst du es hier nicht lösen. Wenn es dir hilft, alles niederzuschreiben, ist das völlig in Ordnung, aber dafür gibt es Profis und du bist ja in Therapie. So lese ich es zumindest.

    Und jetzt zum eigentlichen Thema Alkoholismus. Dieses Ekelgefühl gegenüber Alkohol ist nett, aber es trägt dich nicht dauerhaft. Das funktioniert nur, solange du in diesem Zustand bleibst. Wenn sich das verändert, brauchst du Stabilität , nicht Ekel.

    Genau deshalb sind Schutz und Risikominimierung so wichtig.

    Wie wäre es wenn ihr trocken werden wollt und euer Partner säuft......trennt man sich dann? Ist doch nicht Euer Ernst. Es muss doch nicht immer schwarz weiß gedacht werden. Ich bin sicher das auch andere Wege zum Ziel führen.

    Dein Partner kann auswärts saufen und zu Hause alkoholfrei bleiben. Das ist eine Grenze, die man sich setzen kann. Man kann die Familie treffen, wenn es kein allgemeines Besäufnis ist – auch das ist eine Möglichkeit.

    Aber wenn du überzeugt bist, dass es „andere Wege“ gibt, dann brauchst du hier keine Hilfe – dann geh diese Wege. Oder gab es einen Grund, warum du dich hier angemeldet hast?

    Und ehrlich: Wenn alles so funktionieren würde, wie du es dir gerade zusammenbaust, wärst du nicht süchtig geworden. Genau deshalb bekommst du hier keine bösen, sondern klare Antworten und keine Bestätigung für Wunschdenken.

    Du kannst ins Bierzelt gehen, auf den Tischen tanzen, an jeder nassen Veranstaltung teilnehmen das ist alles deine Entscheidung. Halt dich keiner auf.

    Aber die Sucht interessiert sich nicht für deine Pläne. Sie hat ihre eigenen Regeln, und die gelten, egal wie sehr du dir etwas anderes ausmalst. Wenn ich nicht schwimmen kann, springe ich auch nicht ins Wasser, nur weil mir jemand erklärt hat, wie Schwimmen theoretisch funktioniert. So läuft es eben auch mit Alkoholismus und dem Trockenwerden. Wissen ersetzt keine Fähigkeit und Wunschdenken ersetzt keine Abstinenz.

    Schade hier so gar keine Hilfe und Tipps zu erhalten! Weiß gerade nicht ob ich hier richtig bin!!

    Nun ja, irgendwie habe ich im Moment nicht das Gefühl, dass es dir wirklich ernst ist mit deiner Abstinenz oder dass dir bewusst ist, was Alkoholismus bedeutet und welche Mechanismen im Kopf ablaufen, um trocken zu bleiben. Sonst würdest du nicht so trotzig reagieren, wenn dir jemand die Realität sagt.

    Du bewegst dich in einem Umfeld, in dem viel getrunken wird. Das ist eine massive Rückfallgefahr. Das wurde dir hier mehrfach erklärt. Wenn du das nicht sehen willst, ändert das nichts an der Tatsache.

    Der Thread ist voll mit Antworten, die dir nicht gefallen. Das ist nicht schlimm. Aber es liegt nicht an uns, dir Tipps zu geben, die du hören willst. Es liegt an dir, deine Krankheit so anzusehen, wie sie ist. Ungestoppter Alkoholkonsum endet tödlich, das ist die Realität.

    Ob du wieder säufst oder trocken bleibst, liegt allein bei dir. Deine Familie kann dich mögen und unterstützen, aber sie muss keine Rücksicht auf deine Abstinenz nehmen. Das musst du für dich selbst übernehmen. Sie kann dir die Verantwortung nicht abnehmen. Hier bekommst du auch keine Absolution. Du bist für dich verantwortlich

    Ich wünsche dir ein wenig mehr Weitsicht in deinem Handeln.

    Mal meine Erfahrungen dazu.

    Alkoholismus ist eine chronische Erkrankung, und wie bei anderen chronischen Krankheiten gehört ein Rückfall zum Krankheitsbild. Er muss nicht . Bei Krebs spricht man ja auch nicht von einem „Ausrutscher“, wenn ein Tumor zurückkehrt. Bei Depressionen ebenso wenig – um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Darum frage ich mich, warum man ausgerechnet hier von „Vorfall“ oder „Ausrutscher“ reden sollte. Für mich blendet man damit die Krankheit aus. Man nimmt sie nicht ernst. „Vorfall“ klingt, als könnte ich nichts dafür. „Ausrutscher“ klingt, als wäre ich auf einer Bananenschale ausgerutscht und ins Bierglas gefallen.

    Wichtiger ist doch, sich ehrlich zu machen: Wie kam es zum Rückfall? Wollte ich wieder saufen oder musste ich wieder saufen? Ich hatte am Anfang einen Rückfall. Da war kein Gedanke an „Vorfall“ oder „Ausrutscher“, sondern nur die klare Erkenntnis: Ich habe wieder gesoffen. Enttäuschung, klar. Wille versagt, ja. Niederschmetternd – aber im Grunde gut, denn ab da gab es keinen Zweifel mehr, Alkoholiker zu sein und dass reiner Wille nichts ändert.

    Ein Rückfall bedeutet: Ich saufe wieder. Damit stehe ich wieder an der gleichen Entscheidung wie früher: Aufhören – ja oder nein. Und nur der Alkoholiker selbst entscheidet das. Einfluss von außen hilft da nicht.

    Ich weiß von mir, wie gut ich in der nassen Zeit schauspielern konnte. Wie ich mein Umfeld mit tränenreichen Erklärungen in den Trinkpausen um den Finger gewickelt habe. Und natürlich habe ich mir auch Bestätigung abgeholt, warum „es ja nicht so schlimm“ sei.

    Wenn jemand zu mir kommt und sagt, er hatte einen Rückfall, dann milder ich das nicht ab. Ich suche keine schönen Worte. Ich frage nur: Was hast du jetzt vor? Ich entscheide nicht, ob das ein Vorfall oder ein Ausrutscher war – ich weiß ja nicht, welche Gründe er für sich gefunden hat. Ich lege ihm nichts in den Mund.

    Und wenn ein Langzeit‑Trockener wieder säuft, dann kommt das nicht aus heiterem Himmel. Da hat sich gedanklich schon lange vorher etwas bewegt.

    Also wenn ein Rückfall nur noch als „Vorfall“ durchgeht was ist dann Alkoholismus? Ein Kavaliersdelikt?;)

    Ich habe nichts gegen „Entlastung“ nach einem Rückfall, aber Verharmlosen ist definitiv nicht mein Stil. Wenn etwas im schlimmsten Fall tödlich enden kann und man nennt es dann „Vorfall“, dann verliere ich den Respekt vor der Sache.

    Ja, ich weiß, viele Therapeuten benutzen das Wort, damit sich der Rückfällige nicht komplett zerlegt. Kann man machen. Aber Wörter sind das eine , die Tatsachen sehen anders aus. Für mich bleibt ein Rückfall ein Rückfall.

    Alles andere ist Trocken‑Streicheln: die Hand auf die Schulter legen und jemandem die Verantwortung abnehmen.

    Nun ist nächste Wochen Skifahren angesagt. Das war früher ein typischer Trinkanlass. Ich bin aber guter Dinge, dass ich den gut und mit viele Freude trocken genießen kann.

    Schwer, dazu etwas Konkretes zu sagen – von deinem Weg weiß man hier ja nicht viel.

    Grundsätzlich. Alles, wo ich früher gesoffen habe, steckt in meinem Suchthirn. Das nehme ich überall mit. Das Hirn arbeitet zuverlässig mit alten Mustern. Es meldet sich, erinnert sich und fragt irgendwann wieder: „Na, wann gibt’s was zu saufen?“ Das ist eben Biologie.

    Dieses „Wird schon gutgehen, ich bin auf einem guten Weg“ fühlt sich nett an, ist aber meistens Wunschdenken. Kenne ich aus meiner nassen Zeit zur Genüge. Oft habe ich mir vorgenommen: „Heute trinkst du dort nichts.“ Am Ende war ich doch total abgeschossen. So viel zu meinen guten Vorsätzen.

    Und nur weil ich das Glas irgendwann weggestellt habe, hat sich ja nichts Grundlegendes geändert. Die Sucht ist die gleiche, das Hirn ist das gleiche, und das Denken läuft anfangs noch wie früher. „Saufen gestoppt“ heißt erstmal nur: Ich trinke nicht. Mehr nicht.

    Stabilität kommt nicht durch gute Vorsätze, sondern durch Zeit und Abstand. Erst dann sehe ich, was noch altes nasses Denken ist – und was mich wieder umlegen könnte. Welche Orte ich mir wieder zutrauen kann und welche ich besser weglasse.

    Deshalb empfehlen wir im ersten Jahr, solche Situationen zu meiden. Nicht aus Angst. Aus Erfahrung.;)

    So schnell geht das.

    Ich habe dich freigeschaltet und an die richtige Stelle verschoben.

    Hier kannst du dich nun überall austauschen, aber bitte in den ersten vier Wochen nicht im Vorstellungsbereich.

    Anbei noch ein Artikel, wie wir den Weg sehen, der zur zufriedenen Trockenheit führt.


    Das Forenteam
    17. Mai 2021 um 16:40

    Hallo Marcel

    Willkommen bei unserer SHG.

    Sicherlich gibt es ähnliche Erfahrungen, aber vorweg. Du hast etwas von Alkoholproblematik geschrieben.

    Hier tauschen sich jedoch nur bekennende Alkoholiker aus, die sich auch so bezeichnen. Siehst du dich als Alkoholiker? Der nächste Punkt wäre der Wunsch nach lebenslanger Abstinenz, den du ja bereits geäußert hast.

    das Ding ist ,dass ich erst 2/3 Jahre hier lebe und ich bin nett aufgenommen worden. Aber-es wird hier gefühlt überall getrunken.

    Natürlich ist das so, aber das interessiert die Sucht nicht. Die Welt wird ja nicht trockener, nur weil ich aufgehört habe zu saufen. Dass es nicht immer angenehm ist, sagt keiner. Und dass es mal schwer wird, passiert eben.

    Ich hatte all diese Gedanken auch. Und am Ende ist nur ein winziger Bruchteil davon wirklich eingetreten. Mein Umfeld kannte ich jahrzehntelang – und jetzt sind es fast zwei Jahrzehnte her, dass ich das Glas weggestellt habe.

    Es kräht kein Hahn mehr danach.

    Und was wäre die Alternative? Die Kontrolle wieder zu verlieren?

    Da ich Alkoholikerin bin,habe ich keine Kontrolle über meinen Konsum nach dem ersten Glas.

    Das fällt jetzt alles weg und ich habe hier niemanden mehr im Dorf.

    Nein, es fällt nicht alles weg. ;) Es fällt nur das weg, was jahrelang eingebrannt war.

    Wenn ich ewig am Stammtisch oder auf Saufveranstaltungen rumhing, weil die Sucht dort ihren festen Platz hatte, habe ich die Leute ausgeblendet, die nichts mit dem Saufen zu tun hatten. Die haben mich damals eh nur gestört, diese Spaßbremsen.:whistling:

    Beim Trockenwerden ändert sich – oder muss sich – das Verhalten und Denken, aber ein Rest bleibt. Auch die Verzichtsgedanken, das Gefühl, nicht mehr „dabei“ zu sein, hängen erst mal noch rum.

    Also musste ich mir Möglichkeiten schaffen, das anzupassen.

    Wenn wir im Forum vom ersten Jahr reden, in dem man alles meidet, was mit Alkohol zu tun hat, geht’s zuerst um Selbstschutz und Stabilität. Aber der Punkt ist, Aussitzen bringt nichts. Verzicht löst sich ja nicht von selbst.

    Deshalb sollte man das Jahr auch nutzen, um andere Leute kennenzulernen, neue Hobbys aufzubauen, andere Kontakte zu pflegen und einen anderen Alltag zu entwickeln.

    Kann sogar spannend werden. Aber eines ist klar: Es muss gemacht werden. Tun muss man tun.

    Alles Gute dazu !

    Bin aber auch der Meinung, dass ein gewisser Teil an Willenskraft notwendig ist um aus diesem Kreislauf auch wieder auszubrechen.

    Meinungen und Erfahrungen sind verschieden. Wenn ich nur meiner Meinung folge, renne ich manchmal in eine Richtung und merke erst später durch die Erfahrung, dass ich falsch lag.;) Die Sucht denkt ja nicht . Sie hat keine Meinung. Das Suchtgehirn hat nur einen Auftrag: wieder saufen.

    Natürlich gehört der eigene Wille dazu. Aber für mich macht es einen Unterschied, ob ich mich bewusst in ein alkoholgetränktes Umfeld begebe oder ob ich zufällig hineingerate.

    Gehe ich bewusst hinein, kommen Gruppendynamik, Verzichtsgedanken und all die alten Emotionen. Der suchtgetriebene Teil in mir will dann dazugehören – "mitmachen".

    Gehe ich nicht bewusst hinein, habe ich keinen Vorsatz im Kopf. Dann kann ich mit meinem Willen besser gegenhalten, mich entfernen oder einen Bogen machen, wenn ich jemandem begegne.

    Saufgeschichten bis hin zur Sucht ähneln sich oft. In der Jugend und in der Clique gehört dieses typische Gehabe dazu: wer mehr verträgt, wer sich profilieren kann, wer der ‚Härtere‘ ist.

    Damals hatte ich gewonnen – oder doch nicht? Ich war der, der einen Stiefel vertragen hattte, aber den Absprung nicht geschafft hat. Die Sucht ist mir dann freudig dazwischengegrätscht , wieder einen geschnappt.;)

    Das passierte von mir auch nicht willentlich. Heute, weil ich süchtig bin, kann ich mich drehen, wenden und denken, wie ich will. Handle ich nicht im Sinne der Nüchternheit, saufe ich wieder.

    Ich habe ja schon einige Jahre auf dem Buckel, und mir sind die Gedanken, die jeder am Anfang hat, nicht fremd. All die Wirrungen im Kopf, die Unsicherheiten , das war bei mir auch so. Dranbleiben, nicht nachlassen, auch mal Bullshit rauslassen, die eigenen Gedanken offenlegen , so bin ich der geworden, der ich heute bin.

    en. Ich denke, die einzige Antwort ist, weil der/ diejenige es wollte.

    Wer will, findet Gründe. :saint:

    Ohne Sucht gäbe es keinen Rückfall. Der Rückfall gehört zur Krankheit – aber er gehört nicht zu mir. Also muss ich dafür sorgen, dass er dort bleibt, wo er hingehört: bei der Sucht.

    Eine gestoppte Sucht ist wie eine verschlossene Flasche Alkohol. Solange die Flasche zu bleibt, passiert nichts.

    Wenn ich mit einem Flaschenöffner herumspiele oder ständig einen dabeihabe, bin ich schon auf dem Weg, sie zu öffnen. Wenn ich ihn zwar zu Hause lasse, aber unachtsam werde und mir die Flasche aus der Hand rutscht, kann sie auch aufgehen.

    Das Ergebnis ist am Ende dasselbe: Die Flasche ist offen.

    Also Risiken vermeiden und nichts griffbereit lassen, was sie öffnen kann.

    Wie oder warum jemand rückfällig geworden ist, sind am Ende Geschichten. Ob er es wollte oder ob er seine Trockenarbeit vernachlässigt hat – das ist seins. Meins ist einfacher: keinen Flaschenöffner mit mir herumtragen und aufpassen, dass mir die Flasche gar nicht erst in die Hände fällt. Dazu den Respekt vor der Krankheit behalten. Die Mechanismen verstehen. Keine Angst aber wach bleiben. Und das nächste Glas einfach stehen lassen.

    Mehr braucht es nicht.

    Stimmt schon, aber ich habe auf Konzerten nie Alkohol getrunken. Insofern ist die Verknüpfung bei mir gar nicht da.

    Nun bin ich leider rundum Alkoholiker — in allen Lebenslagen, Situationen und zu jeder Zeit. Das macht es sogar angenehm einfach. Ich muss mir nichts schönreden und kann deshalb auch nichts ausschließen. Ich ziehe den Hut vor jedem, der das kann.

    Ich habe früher in einem Café auch keinen Alkohol getrunken — und trotzdem in der Anfangszeit plötzlich Bock auf ein Bier bekommen. Also: nichts ausschließen, Risiken begegnen, aber nichts dramatisieren. Und vor allem: nicht alles glauben, was mir mein Hirn vorschlägt.

    Lass dir deine Konzertbesuche nicht von mir madig machen. Wenn es gut ist, dann ist es eben so da braucht es auch kein Aber.