Beiträge von Hartmut

    Moin Kyra,

    genau diese Erkenntnis halte ich für einen wichtigen Punkt. Abstinenz ist keine Strafe.

    Wenn ich sie ständig als Verzicht oder Verlust betrachte, bekommt der Alkohol einen Wert, den er eigentlich gar nicht verdient.

    Ich verzichte schließlich nicht auf etwas, das mir guttut. Ich lasse etwas weg, das mich krank gemacht hat.

    Und deshalb gefällt mir dein Gedanke mit der Notwendigkeit. Nicht jeden Tag aufs Neue kämpfen, diskutieren oder mich überzeugen müssen.

    Alkohol ist keine Option. Eigentlich ziemlich unspektakulär. Oder ;)

    Und genau darin liegt eine Menge Freiheit.

    war mein erster Gedanke und wollte schon "los poltern"

    Moin Stevi,

    siehste, manchmal lohnt es sich eben doch, bei meinem kleinkarierten Geschreibsel einmal ums Eck zu denken. :mrgreen: Deine Beispiele treffen ziemlich genau das, was ich mit „weitgehend“ gemeint habe.

    Für mich kommt bei der Sucht aber noch etwas Entscheidendes dazu.

    Ob ich an der Supermarktkasse mal einen Fehler mache oder mich im normalen Leben nicht immer an jede selbst gesetzte Regel halte, ist das eine.

    Meine Abstinenz ist etwas anderes. Da geht es für mich um eine Sucht, die mich im schlimmsten Fall das Leben kosten kann. Wer einen Grundbaustein anders handhaben möchte, kann das tun. Dann geht er an dieser Stelle eben einen anderen Weg.

    Für mich war nur klar: Ich kam nach einem fast tödlichen Rückfall wieder in die Spur. Danach hatte ich wenig Interesse daran, mir bei meiner Sucht irgendwelche Hintertüren offenzuhalten. Wenn ich diesen Weg gehe, dann gehe ich ihn ohne Kompromisse. Denn aus „weitgehend“ wird schnell „ausnahmsweise“. Und aus „ausnahmsweise“ kann bei einer Sucht verdammt schnell wieder etwas werden, das mit einer Ausnahme nicht mehr viel zu tun hat.;)

    Genau diese Verhandlungen wollte ich mit meiner Sucht nicht mehr führen.

    Aber keine Sorge. Du darfst beim nächsten Mal ruhig gleich lospoltern. Ich habe schon Schlimmeres erlebt. Ich war verheiratet. :mrgreen: Also: Ich bin "weitgehend" belastbar. ;)

    Weiter im Text.

    Ja, die Erkenntnis war da. Nur macht Erkenntnis allein noch keinen trocken. Motivation übrigens auch nicht. Irgendwann musste ich das Ganze tatsächlich umsetzen. Blöde Angewohnheit der Realität.:whistling:

    Also zu den Grundlagen. Grundbausteine. Regeln. Neue Wege gehen.

    Und für mich hieß das gerade in der ersten Zeit, nicht hier ein bisschen ändern, dort eine Ausnahme machen und an anderer Stelle wieder nachverhandeln, weil es gerade unbequem wurde. Bei den Grundbausteinen gab es für mich nur zwei Möglichkeiten:Ich hielt eine Regel ein oder ich hielt sie nicht ein.

    Wenn mein Zuhause alkoholfrei war, dann war es alkoholfrei. Auch wenn Besuch kam, der gerne ein Bier oder einen Wein getrunken hätte. Auch an Weihnachten, am Geburtstag oder wenn Tante Erna unbedingt ihren Eierlikör vermisste.;)

    Und natürlich wurde es schwieriger, wenn es nicht Tante Erna war, sondern Freunde, Partner oder die eigenen Kinder.

    "Ach komm, ein Glas kann ich doch bei dir trinken." "Was soll schon passieren?" Und wenn bei mir innerlich alles schrie. Mach doch eine Ausnahme, dann wusste ich erst recht, warum ich keine machte. Denn genau dann musste sich eine Regel bewähren.Alkoholfrei hieß alkoholfrei.

    Das Gleiche galt für ehemalige Sauffreunde, Saufstätten und Saufzeiten. Da musste ich nichts ausprobieren und auch nicht testen, ob ich inzwischen stark genug war. Ich hielt Abstand. Nicht weil plötzlich alle Menschen schlecht waren, mit denen ich früher gesoffen hatte.

    Aber das war mein altes Leben. Und aus genau diesem wollte ich schließlich raus.Also ging ich nicht mehr hin, nur um zu beweisen, dass ich dort auch mit Cola sitzen konnte.Nicht schön. Nicht immer bequem.

    Aber trocken werden war für mich damals wichtiger, als niemandem auf die Füße zu treten. Neue Wege gehen funktioniert nun einmal schlecht, wenn ich ständig auf den alten herumspaziere.:whistling:

    Und wenn ich heute sinngemäß lese. Ich halte mich weitgehend an die Grundbausteine. Dann tue ich mich damit etwas schwer.

    Was bedeutet denn "weitgehend" bei einer Regel? Entweder ich halte sie ein oder ich halte sie nicht ein. Natürlich kann jeder sagen: "Dieser Grundbaustein passt für mich nicht. Ich mache das anders." Völlig in Ordnung. Dann gehe ich eben an dieser Stelle einen anderen Weg.

    Aber daraus muss ich kein "weitgehend eingehalten" machen. Die Grundbausteine sind schließlich nicht irgendwann vom Himmel gefallen. Dahinter stehen Erfahrungen von Langzeittrockenen, die über viele Jahre gesammelt wurden. Das bedeutet nicht, dass jeder sie übernehmen muss.

    Ich habe es getan. Gerade in meiner ersten Zeit hatte ich weder die Erfahrung noch das Bedürfnis, das Rad der Abstinenz neu zu erfinden. Warum auch? Andere waren damit schon jahrelang trocken. Ich wollte erst einmal dahin, wo sie bereits waren.

    Natürlich habe ich nach Jahren hier und da etwas verändert, weil sich mein Leben und meine Abstinenz weiterentwickelt haben. Aber in den ersten Jahren musste ich mich nicht auch noch selbst austricksen. Denn wenn ich bei jeder passenden Gelegenheit eine Ausnahme finde, habe ich irgendwann keine Regel mehr.

    Dann habe ich eine Verhandlung. Und mit meiner Sucht verhandele ich nicht. Die sucht nämlich keine Lösungen. Die sucht Schlupflöcher.

    Willkommen zurück.

    Ich habe dich freigeschaltet und an die passende Stelle im offenen Bereich verschoben.

    Wie wir deinen alten Thread wieder einbinden können, schauen wir uns noch an.

    Bis dahin kannst du dich hier aber schon ganz normal austauschen.

    Anstatt auf die eigene CO-Baustelle zu schauen, dreht sich schon wieder erstaunlich viel um den Alkoholiker. Oder inzwischen darum, einem anderen User zu erklären, was er wirklich fühlt, warum er so schreibt und was wohl hinter seinem Zynismus steckt.;)

    Kann man alles machen. Nur mit „bei sich bleiben“ hat das für mich wenig zu tun. Die eigene Verantwortung für sich selbst steht derweil ziemlich ungenutzt in der Ecke. Ist ja auch bequemer. So bleibt das alte System erhalten und jeder behält seine gewohnte Rolle.

    Der eine säuft, der andere beschäftigt sich damit.:whistling:

    Chronischer Alkoholismus im Endstadium (so ließt es sich für mich) ist noch einmal eine andere Hausnummer als ein funktionaler Alkoholiker.

    Zumindest für den Partner, der es täglich mit ansehen muss.

    Erstens gibt es für mich keine „funktionierenden Alkoholiker“. Es gibt Alkoholiker, die trotz ihrer Sucht noch halbwegs funktionieren. Das ist für mich ein Unterschied. ;)

    Und zweitens muss sich niemand täglich ansehen, wie ein Alkoholiker sich selbst und sein Umfeld vor die Wand fährt. Man kann bleiben. Man kann gehen. Beides ist eine Entscheidung, und mit den Folgen dieser Entscheidung muss man selbst umgehen.

    Bei sich bleiben ist doch der Schlüssel. Nur mal so reingeworfen.;)

    Weiter im Text.

    Ich lese immer wieder von Triggern, Veränderungen oder Situationen, in denen sich plötzlich das Suchtgedächtnis meldet. Ich habe das irgendwann anders gehandhabt.

    Manche bauen daraus ganze Gedankengebäude, gehen sämtliche Möglichkeiten durch und wollen verstehen, verarbeiten oder abarbeiten, was da gerade passiert.

    Für mich war das irgendwann Unsinn. Ich wusste doch, wie es endet. Genau mit diesem Ende bin ich hier aufgeschlagen. Und jetzt sollte ich mich gedanklich wieder auf den Weg zurückmachen? Echt jetzt? :whistling: Nö.

    Vieles davon habe ich schlicht ignoriert.

    Unser Gehirn arbeitet ohnehin den ganzen Tag und sucht Antworten auf ungeklärte Fragen. Es bewertet, vergleicht, erinnert sich und sucht Erklärungen. Wenn ich dann anfange zu fragen: Warum denke ich jetzt an Alkohol? Warum triggert mich das? Was bedeutet das?

    Dann gebe ich meinem Gehirn eine Aufgabe. Und ausgerechnet bei dieser Aufgabe darf die Sucht munter mitreden. ;) Darauf hatte ich irgendwann kein Bock mehr. Da war ein Gedanke an Alkohol? Erstmal . Na und. Er durfte kommen. Wichtig werden musste er deshalb noch lange nicht. War die Situation akut, wurde es für mich noch einfacher.

    Alkohol stand vor mir oder war greifbar? Raus aus der Situation. Nicht diskutieren. Nicht analysieren. Nicht verhandeln. Und schon gar nicht überlegen, was andere von mir denken, wenn ich eine Feier, ein Fest oder sonst was verlasse.

    Ist mir doch egal. Ich brauche keine Begründung, um mich aus einer Situation rauszuziehen, in der ich Gefahr laufe, rückfällig zu werden. Und gut gemeinte Ratschläge wie: „Ach komm, das schaffst du schon.“ Brauche ich dann auch nicht. Ich muss niemandem beweisen, wie stabil ich bin.

    Raus aus der Situation. Tun statt denken. Keine Verhandlungen. Keine Diskussionen.

    Nicht trinken. Fertig.

    Und wie immer gilt. Richtig ist erst einmal das, was für mich richtig ist und bei mir funktioniert. Ich bin schließlich derjenige, der mit meiner Sucht trocken leben muss.

    Eine Blaupause für alle gibt es nicht. Meinen Weg kann ich beschreiben. Gehen muss ihn deshalb noch lange keiner. Aber irgendwas muss ich in den letzten 19 Jahren wohl richtig gemacht haben.

    Außer dumm daherzureden.:mrgreen:;)

    Aus gegebenem Anlass eine kurze Ansage.

    Was in anderen Foren oder Selbsthilfegruppen geschrieben und besprochen wird, gehört auch dorthin. Es wurden hier erneut Inhalte aus einer anderen Selbsthilfegruppe hereingetragen. Das möchten wir nicht.

    Genauso wenig möchten wir, dass Inhalte aus unserem Forum nach außen getragen werden. Für den geschützten Bereich gilt das erst recht.

    Was woanders passiert, wird dort geklärt. Was hier passiert, klären wir hier.

    Das Hereintragen und Raustragen solcher Inhalte ist für uns ein No-Go.

    Wer entsprechende Hinweise ignoriert, muss damit rechnen, dass wir moderativ eingreifen. Das kann auch eine Sperre zur Folge haben.

    Bitte respektiert diese Grenze.

    Eigentlich sollte das keine besonders komplizierte Übung sein.

    Das Forenteam

    Hallo Aennie,

    ich frage jetzt einfach mal direkt: Trinkst du gerade? Oder bereitest du dir gerade gedanklich einen Rückfall vor?

    Du manövrierst dich im Moment in Geschichten hinein, die eigentlich nichts mit dir und deiner Trockenheit zu tun haben. Du suchst viel im Außen, beschäftigst dich damit, was andere schreiben oder denken, wer im grünen Bereich ist, was dort passiert oder nicht passiert. Dazu kommen die Trigger, denen du immer mehr Bedeutung gibst.

    Und jetzt baust du dir gerade wieder eine Wut auf. Das hatten wir doch schon einmal vor ungefähr 40 Tagen. Kannst du dich daran erinnern?

    Ich will dir damit nicht sagen, dass du trinkst. Ich frage dich, weil mir dieses Muster bei dir bekannt vorkommt.

    Vielleicht wäre genau jetzt der Zeitpunkt, das Außen mal Außen sein zu lassen und nur auf dich und deine Abstinenz zu schauen.

    Wenn ich selbst nicht hundertprozentig von meiner Abstinenz überzeugt bin, wer sollte es sonst sein?

    Von meiner Abstinenz bin ich heute zu 100 Prozent überzeugt. Aber was ist morgen? Welche Garantie gibt mir meine heutige Überzeugung für morgen?;)

    Wenn die Sucht irgendwann wieder übernimmt, verhandelt sie nicht mit meiner hundertprozentigen Überzeugung.

    Und genau da hinkt für mich der Vergleich mit dem giftigen Pilz. Der Pilz sitzt nicht in meinem Kopf und versucht mir eines Tages zu erklären, warum er diesmal vielleicht doch eine gute Idee wäre.

    Ich möchte meine Rückfälle nicht schönreden, aber jeder bringt mich weiter. Klingt doof, und ich hatte auch Angst es hier zu schreiben, weil, es könnte ja sein, dass wer dann denkt : Ja cool, baue ich so welche auch ein.

    Hallo Aennie,

    du schreibst, dass du Angst hattest, dich hier zu öffnen, weil du mit Gegenwind gerechnet hast.

    Dabei würde ich zwei Dinge klar trennen. Du bist nicht deine Sucht. ;) Wenn ich einem Gedanken widerspreche oder einen Suchtmechanismus kritisch sehe, dann richtet sich das nicht gegen dich als Menschen.

    Ich kann jemanden mögen und trotzdem für Blödsinn halten, was seine Sucht ihm gerade erzählt. Genau deshalb sind wir hier. Nicht um Menschen zu bewerten, sondern um unserer Sucht auf die Finger zu schauen. Und dabei gibt es manchmal Gegenwind.

    Zu einem Satz von dir möchte ich trotzdem etwas sagen:

    „Ich wachse an jedem meiner Rückfälle.“

    Kann man so sehen. Aus einem Rückfall kann man etwas lernen, wenn man wieder in die Abstinenz zurückfindet. Als Teil des Wachstums würde ich ihn trotzdem nicht betrachten. Eher sehe ich dabei die Gefahr eines Hintertürchens, das du selbst angesprochen hast.

    Es hat schließlich bisher immer wieder geklappt. Rückfall, aufstehen, etwas daraus lernen und weiter. Warum sollte es beim nächsten Mal nicht wieder klappen?

    Genau das weiß keiner. Nicht jeder Rückfall endet mit einer Erkenntnis. Manche enden einfach mit dem nächsten Rückfall. Und die Gräber sind voll von Alkoholikern, die aus ihrem letzten Rückfall nichts mehr lernen konnten.

    Deshalb lieber einen unbequemen Gedanken hier auf den Tisch legen und Gegenwind kassieren. Der bringt einen jedenfalls nicht um.

    Hallo Bergfloh,

    den Satz brauchst du im Moment vielleicht. Das ist auch okay. ;)

    Nur interessiert die Sucht solche Ansagen erfahrungsgemäß wenig. Die diskutiert nicht mit Vorsätzen. Deshalb würde ich mich eher auf das konzentrieren, was heute funktioniert hat.

    Das hat deutlich mehr Überzeugungskraft als jedes Versprechen für die nächsten 30 Jahre.

    Hallo Aennie,

    du brauchst dich vor uns nicht zu rechtfertigen. Aber bei der eigenen Trockenheit sollte man schon ehrlich mit sich selbst sein.

    Nicht für uns. Für dich. Die Frage ist doch: Was bringt es dir, wenn du Rückfälle verschweigst oder dir selbst eine andere Trockenzeit erzählst?

    Wenn der letzte Rückfall 42 Tage zurückliegt, dann sind es eben 42 Tage durchgehende Abstinenz. Dein Wendepunkt kann trotzdem vor zwei Jahren gewesen sein. Das sind zwei verschiedene Dinge. Wenn du daraus Monate oder Jahre ohne Alkohol machst, belügst du damit letztlich nicht uns, sondern dich selbst.

    Und ja, wer wieder säuft, sollte das hier auch sagen. Unser Forum richtet sich nun einmal an Menschen, die nicht trinken.

    Aber ein Rückfall ist ein Rückfall. Wenn du danach wieder in die Spur zurückfindest, passt du deshalb trotzdem hierher. Wegen eines Rückfalls fliegt hier niemand automatisch raus.

    Verschweigen und so tun, als wäre nichts gewesen, bringt dagegen niemanden weiter. Am wenigsten dich selbst.

    Weiter im Text.

    Ich habe an anderer Stelle etwas gelesen, das ich hier zu mir hole: die Frage, warum man nicht mehr säuft, ob man dafür eine Begründung braucht und natürlich wieder die berühmte Pille. Dazu habe ich meinen Teil gesagt – die Schublade ist für mich zu. ;)

    Für mich war das Ganze deutlich einfacher. Ich habe nicht aufgehört, weil ich plötzlich keinen Alkohol mehr wollte oder mir ausgemalt habe, wie wunderbar mein trockenes Leben einmal sein könnte. Ich habe aufgehört, weil ich süchtig bin und es notwendig war.

    Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass vieles ohne Alkohol besser läuft – schwer zu übersehen.:whistling: Aber ich habe nie darüber nachgedacht, warum ich nicht mehr saufen will, und ich habe auch keine Begründungen gesucht.

    Wozu?

    Ich bin sicher nicht der größte Philosoph auf diesem Planeten. Mir reicht es völlig, die Suchtmechanik zu verstehen. Ich weiß, was passiert, wenn ich wieder anfange. Ich weiß, dass normales Saufen für mich vorbei ist. Mehr muss ich nicht wissen.

    Vor allem verhandle ich nicht mit meiner Sucht. Da gibt es kein „vielleicht“, kein „wenn“ und kein „unter anderen Umständen“. Diese Diskussion führe ich gar nicht erst.

    Zum Trockenwerden gehörte für mich immer auch das Loslösen vom Alkohol , ihm immer weniger Raum zu geben. Das bedeutet nicht, die Sucht zu vergessen. Ganz im Gegenteil. Ich weiß, dass sie da ist. Aber deshalb muss ich mich nicht den Rest meines Lebens täglich mit Alkohol beschäftigen.

    Auch Vergleiche zwischen meinem nassen und meinem trockenen Leben brauche ich nicht. Ich weiß schließlich nicht, wie mein Leben weitergegangen wäre, wenn ich weitergesoffen hätte.

    Ich kann mir zwar irgendeine Geschichte dazu ausdenken – vielleicht wäre alles noch beschissener geworden, vielleicht wäre ich längst tot, vielleicht hätte ich noch eine Weile weitergewurschtelt. Keine Ahnung.

    Ich habe nur dieses eine Leben ausprobiert. Der Rest ist hätte, wäre, wenn. Und ich brauche solche Gedankenspiele nicht, um heute nicht zu saufen.

    Die Sucht vergesse ich nicht. Aber deshalb muss der Alkohol noch lange keinen Ehrenplatz in meinem Leben bekommen. Und verhandelt wird schon gar nicht.:whistling:

    Da es diese Pille nicht gibt, ist hätte, wäre könnte für mich egal. Bestimmt a, aber wem nützt das? A

    Servus Absti,

    ich habe für diese Frage deutlich länger gebraucht als du. Du hast genau das geschrieben, was ich inzwischen auch sehe. Die Frage nach einer „Pille“ ist irrelevant.

    Ich habe mir darüber früher auch den Kopf zerbrochen. Nur war das nie eine reine Überlegung von mir selbst, da hat mein nasses Hirn immer mitgeredet. Und genau deshalb war die Frage für mich irgendwann überflüssig.

    Wenn ich wegen der Sucht aufgehört habe, ist es nicht wichtig, ob es theoretisch irgendeine Pille geben könnte. Warum sollte ich mir solche Gedankenspiele überhaupt stellen?

    Die Kehrseite wäre ja: Wenn ich mir die Frage stelle, muss es ja irgendeinen Grund geben. Bin ich mir nicht sicher? Will ich mir eine Hintertür offenhalten? Will ich es noch mal absichern?

    Das war für mich der Punkt, an dem ich die ganze Pille‑Thematik abgehakt habe. Unnötig. Abgelegt. Schublade zu.

    Je weniger Raum ich solchen Gedanken gebe, desto weniger kann die Sucht mitentscheiden.

    Moin Morgaine,

    dass Leere, Angst oder Schmerz leicht auszuhalten sind, steht ja auf einem anderen Blatt. Trockenwerden ist gerade am Anfang für niemanden ein Spaziergang. Sonst gäbe es dieses Forum vermutlich nicht. 😉

    Wichtig war für mich die klare Trennung. Das eine ist mein Leben. Das andere ist meine Sucht. Die Frage, ob ich Alkohol benutzt habe, um Leere zu füllen, klingt erst mal logisch.

    Aber nur die Sucht nimmt Leere, Stress, Angst, Freude oder Langeweile zum Anlass, ihre alte „Lösung“ anzubieten. Das klingt ähnlich, ist für mich aber ein deutlicher Unterschied.

    Sonst bekommt Alkohol im Nachhinein wieder eine Funktion. Leere da , Alkohol Lösung

    Leere ist Leere. Angst ist Angst. Schmerz ist Schmerz. Alles darf hier Platz haben.

    Trocken bleibe ich jedoch derselbe Mensch. Nur meine Sucht bekommt nicht mehr zu jedem Gefühl automatisch ein Mitspracherecht.

    Was mir Sorge bereitet ist, dass es jetzt Gefühle der Leere in mir gibt, die ich bisher mit nichts lindern konnte. Das ist schwer auszuhalten und kein Hobby, keine Beschäftigung hilft. Ich nehme an, ich muss das einfach akzeptieren und annehmen und hoffen, dass das irgendwann leichter wird...

    Diese Leere habe ich erst mal gar nicht dramatisch aufgeblasen. In meinen nassen Jahren habe ich gesoffen und damit alles Mögliche ausgefüllt.

    Wenn ich diese Leere jetzt sofort wieder negativ bewerte, nur weil ich trocken bin, sitze ich gedanklich schon wieder ein Stück im alten nassen System. Da war Alkohol schließlich für alles irgendeine Lösung. Diese Denkweise wollte ich nicht weiterfüttern. ;)

    Nur entsteht mit dem Weglassen des Alkohols natürlich nicht automatisch ein neues trockenes Leben. Das eine ist: nicht mehr trinken. Das andere ist: trocken leben lernen.

    Der Alkohol ist weg. Schön. Nur wenn ich weiter denke, rede und handle wie zu nassen Zeiten, habe ich eben nur das Glas abgestellt. Trockenwerden fängt für mich da an, wo ich aufhöre, an meiner nassen Version festzuhalten.

    Ich hatte auch keine Erwartung, dass Trockenheit mir sofort irgendwas liefern muss. Trockenheit war für mich kein Tauschgeschäft nach dem Motto. „Ich gebe Alkohol ab und bekomme dafür Glück, Zufriedenheit und inneren Frieden frei Haus"

    Erst mal bekomme ich vor allem eines. Keinen Alkohol mehr. Und dann beginnt das Leben ohne ihn. Und dann beginnt das Leben ohne ihn.

    Und wenn da am Anfang mal Leere aufgetaucht ist, musste ich die nicht sofort wieder mit irgendwas zustopfen oder gleich zum nächsten Problem erklären. Die durfte auch einfach mal da sein. Nicht jede freie Stelle im Leben braucht sofort eine neue Füllung.;)

    Sollte ich am Thema vorbeischreiben, sorry

    Nicht am Thema vorbei, nur am falschen Platz. 😉

    Der andere Thread heißt „Fragen an Alkoholiker“. Du hattest aber keine Frage, sondern etwas Schönes aus deiner Abstinenz mitzuteilen.

    Deshalb habe ich den Beitrag zu dir in deinen eigenen Thread verschoben.

    Und 40 Tage sind schon ein Anfang.

    ( Klugscheißermodus an: :saint:) Die Zahl 40 hat in vielen Kulturen und Religionen eine besondere Bedeutung: Übergang, Prüfung, Reinigung, Neubeginn. (Klugscheißermodus aus. :saint:)

    40 Tage ohne Alkohol sind zwar kein religiöses Ritual, aber die Symbolik passt .Genau da bist du gerade: Nicht am Ziel. Aber unterwegs.

    Es ist so:

    Nein, es ist eben nicht so. 😉 Ich finde es immer wieder spannend, wenn ein Co‑Abhängiger versucht, mir die Innenwelt eines Alkoholikers von außen zu erklären. Dabei entstehen oft die skurrilsten Konstruktionen – die beschreiben aber meist weniger die Sucht des Alkoholikers als das eigene Denken darüber.

    Typisches Co‑Muster: im Kopf des anderen herumräumen. Warum denkt der so? Warum handelt der so? Was steckt dahinter? Betreutes Gedankenlesen. ;) Von außen kann man die Sucht eines anderen schlicht nicht vollständig verstehen. Und manchmal ist genau das die sauberste Lösung: nicht versuchen, im Kopf des Alkoholikers zu wohnen, um das eigene Leben zu verändern. Solange ich mir immer neue Erklärungen über ihn zusammenbaue, kreise ich weiter um ihn nicht um mich.

    Und bevor jetzt wieder die nächste Co‑Runde daraus wird. Dafür gibt’s die eigenen Fäden. Das hatte ich hier schon mal geschrieben.

    Hier bleiben wir bei den Fragen an Alkoholiker.

    Ich denke, es wird mal wieder Zeit, den Sinn dieses Threads klarzumachen. Das hier ist kein Diskussionschat über Beziehungen, Hypothesen oder persönliche Lebensgeschichten.

    Bitte darauf achten