Ganz einfach: manche Leute trinken ein Bier und das wars. Manche trinken im Gespräch, das Bier wird nach einer Stunde schaal und sie geben das halb volle Glas zurück.
Angler, dieses „manche trinken so, manche so“ ist mir zu einfach. Wenn ich mich vergleiche, schaue ich nicht auf mich. Entscheidend ist, was aus mir heraus passiert ist – nicht, was theoretisch bei anderen vorkommt. Das war nie meine Begründung für Sucht.
Meine Sucht hat sich nicht über Vergleiche erklärt, sondern über das, was in mir ablief: Aufwachen, erster Gedanke Alkohol. Schlechtes Gewissen und trotzdem weitergesoffen. Kontrollverlust. Saufen trotz Übelkeit, Ekel, Schmerzen. Kein Anlass nötig, kein Streit, kein Trigger von außen. Der Druck kam aus mir, nicht aus der Situation. Das war kein „ich wollte“, das war ein „ich musste“. Der Drang war körperlich, nicht logisch.
Und dann lese ich bei dir wieder Dinge wie: „Ich war emotional abhängig“, „ich war überfordert“, „ich habe mich verloren“, „ich habe mich in Beziehungen aufgegeben“. Das ist heftig, keine Frage und das kann einen komplett zerlegen. Für mich klingt das aber eher nach emotionaler Abhängigkeit als nach einer klassischen Alkoholabhängigkeit. Dass beides ineinander übergehen kann, will ich gar nicht ausschließen , dafür fehlt mir einfach die eigene Erfahrung.
Aber genau deshalb hake ich nach. Was bei dir lief, war belastend, ja. Die Frage ist nur, ob es wirklich Sucht im Sinne von Alkoholabhängigkeit war oder etwas anderes, das du gerade darunter einordnest.
Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, das Thema immer wieder im Kreis zu drehen. Mein Blick richtet sich hier auf Sucht, und darüber kann ich aus eigenen Erfahrungen berichten – fast 30 Jahre Saufen, knapp 20 Jahre Austausch hier im Forum.
Dir alles Gute