Anna-Sophie - Vorstellen

  • Toffifee Du hast es sehr gut beschrieben. In alte Muster zurück möchte ich auch nicht mehr.

    Die Erkenntnis für mich, dass ich all die Jahre - wahrscheinlich schon seit meiner Kindheit - die Anerkennung oft im außen gesucht habe, hat dazu geführt, dass ich vernachlässigt habe, was ICH eigentlich möchte. Mein Selbstwert hat sich nur darüber definiert, es allen Recht zu machen und habe meine eigenen Bedürfnisse hinten angestellt. Heute versuche ich mich davon freizumachen.

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Hallo zusammen, ich hatte gestern meine reale SHG. Da war ein trocken Alkoholike der einmalig getrunken hat. Die SHG hat das als Vorfall bezeichnet. Es sei zwar schlimm, aber es wäre kein Rückfall, wenn es einmalig war. Also ich sehe das anders. Als ich hier aufgenommen wurde, hatte ich auch ein Vorfall. Für mich war es aber ein Rückfall. Wie seht ihr das?

  • Egal, wie ich das nennen würde. Es passt nicht in meine Vorstellung von meinem abstinenten Leben.

    Vorfall oder Rückfall. Egal, Fakt ist, ich hätte damit wieder gesoffen.
    Und eben genau dieser Schluck Alkohol könnte mein Todesurteil sein, wenn ich den Ausgang aus der Suchtspirale nicht noch einmal finden würde.
    Meine Gedanken beschäftigen mich sich nicht mit solchen Begrifflichkeiten.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Für mich ist das Wortklauberei.
    Wenn ich als trockener Alkoholiker wieder getrunken habe, ist das ein Rückfall in nasse Zeiten und der ist ernst zunehmen und es hilft niemanden, wenn der Rückfall durch solche Wortschöpfungen relativiert wird.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Für mich ist das Verharmlosung / Verniedlichung. Derjenige hat getrunken, hat Alkohol zu sich genommen - das ist für mich ein Rückfall und alles andere als harmlos.

    Da war ja dann schon länger irgendwas am Brodeln, so ein Rückfall kommt ja nicht „ganz plötzlich“. Da war derjenige in meinen Augen nicht wirklich trocken, also nicht vom Kopf her.

    You will bloom if you take the time to water yourself 🌷

  • Die Unterscheidung ist mir bekannt. Als Rückfall soll es nur bezeichnet werden, wenn in alte Trinkmuster verfallen wird.

    Die Unterscheidung erinnert mich irgendwie an die Diskussionen


    • "Alki light" (habe nie mehr als 2 Pullen Wein täglich getrunken)
    • bin nur psychisch und / oder physisch vom Alk abhängig gewesen

      Ist jedoch letztlich egal.

      Ein Rückfall liegt für mich nur vor, wenn wissentlich Alkohol getrunken wird. Das ist der Unterschied zum versehentlichen Konsum wie z.B. das falsche Glas erwischt (ich würde es schon vorher riechen) oder Alk in Saucen, Desserts o.ä.

  • Also wenn ein Rückfall nur noch als „Vorfall“ durchgeht was ist dann Alkoholismus? Ein Kavaliersdelikt?;)

    Ich habe nichts gegen „Entlastung“ nach einem Rückfall, aber Verharmlosen ist definitiv nicht mein Stil. Wenn etwas im schlimmsten Fall tödlich enden kann und man nennt es dann „Vorfall“, dann verliere ich den Respekt vor der Sache.

    Ja, ich weiß, viele Therapeuten benutzen das Wort, damit sich der Rückfällige nicht komplett zerlegt. Kann man machen. Aber Wörter sind das eine , die Tatsachen sehen anders aus. Für mich bleibt ein Rückfall ein Rückfall.

    Alles andere ist Trocken‑Streicheln: die Hand auf die Schulter legen und jemandem die Verantwortung abnehmen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich kannte den einmaligen Konsum als "Ausrutscher", die zwar ernst zu nehmen seien, aber "nicht so schlimm", wenn man nicht weitermacht. Nach 10 Jahren Abstinenz ab 2013 kamen gelegentliche "Ausrutscher", die sich häuften, war ja aber "nicht so schlimm" (heute weiß ich, dass das meine Suchtstimme war) und die Abstände wurden immer kleiner bis ich dann wieder dort war, wo ich 2013 aufgehört hatte.

    Mein Fazit: Ein einmaliger Konsum, egal, wie man ihn nennt, ist Konsum und bricht die Abstinenz ab. Klar, man fängt nicht wieder ganz von vorne an, aber die Hemmschwelle sinkt (das gilt zumindest für mich) und es ist erschreckend, wie schnell man wieder im alten Muster ist.

    Ich denke, die "nette" Umschreibung gibt es, um die Angst vor einem Rückfall und den dadurch entstehenden Druck zu reduzieren. Angst ist ohnehin ein schlechter Begleiter.

  • Ich glaube, es geht auch drum, dass die Selbstvorwürfe den Saufdruck verstärken und den Rückfall verlängern könnten.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Für mich ist es auf jeden Fall ein Rückfall. Aber jemand das als Vorfall zu verkaufen um wieder trocken zu werden ist das eigentlich eine gute Idee, wenn es klappt. Meinst du das? Oder habe ich das falsch verstanden?

  • Das ist von den Theoretikern bestimmt gut gemeint, aber in der ambulanten Reha habe ich in der Konsequenz auch eher eine Verharmlosung gesehen.

    So wie auch niemand darauf angesprochen wurde, wenn er oder sie bei den Vorstellungsrunden regelmäßig nur von einem "Alkoholproblem" bei sich sprach, oder "wegen Alkohol hier" zu sein bzw. "zu viel getrunken" zu haben.

    Darum bin ich so dankbar für dieses Forum, hab mir lange genug selbst etwas vorgemacht.

  • Das ist von den Theoretikern bestimmt gut gemeint, aber in der ambulanten Reha habe ich in der Konsequenz auch eher eine Verharmlosung gesehen.

    So wie auch niemand darauf angesprochen wurde, wenn er oder sie bei den Vorstellungsrunden regelmäßig nur von einem "Alkoholproblem" bei sich sprach, oder "wegen Alkohol hier" zu sein bzw. "zu viel getrunken" zu haben.

    Darum bin ich so dankbar für dieses Forum, hab mir lange genug selbst etwas vorgemacht.

    Ich bin auch froh über dieses Forum. Es ist ehrlich und wird nicht verharmlost. Ich bin dankbar für die hilfreiche, offenen Worte und Ratschläge.

  • Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Für mich ist es auf jeden Fall ein Rückfall. Aber jemand das als Vorfall zu verkaufen um wieder trocken zu werden ist das eigentlich eine gute Idee, wenn es klappt. Meinst du das? Oder habe ich das falsch verstanden?

    Ich hab mich mit Rückfälligen beschäftigt, hatte aber nie einen. Irgendwie gehörte das auch zu meiner Selbsthilfe und Rückfallprophylaxe, zu gucken, was da die Auslöser waren und wie und unter welchen Umständen die Leute wieder aufhören konnten. Ich habe mit vielen geredet.

    Lange war das Problem, und ist es vielleicht heute noch, weil es hiess, wenn Du nur eins trinkst, dann gehts wieder voll runter, und zwar so zwangsläufig, dass es dann halt vielleicht gar nicht mehr da raus geht.

    Rückfälle gehören für mich nicht dazu, denn ich hatte auch aus guten Gründen lieber keinen, aber es gibt sie und dann müssen die Betroffenen irgendwie damit umgehen.

    Und eins ist dabei wichtig, den Rückfall möglichst schnell zu kappen. Abschneiden, sobald wie möglich wieder aufhören.
    Es gibt auch Rückfälle, gabs auch hier im Forum, da kommen Leute über längere Zeit immer tiefer rein und dann brauchen sie nochmal den Tiefpunkt, so interpretiere ich das. Aber das versuchen wir ja alle zu vermeiden.

    Deswegen gibt es gleich am Anfang möglichst viel keine Vorwürfe und so. Und auch keine Selbstvorwürfe. Ich weiß nicht, ob Du das "Ich arme Sau"-Syndrom kennst, wenn man dann ins Selbstmitleid verfällt, weil man so ein Versager ist und es sowieso nicht schafft. Und das kenne ich auch noch vom Ende meiner Saufzeit.

    Da muss man eben schleunigst wieder raus. Das hat nichts damit zu tun, das zu beschönigen und drüber nachdenken, wie es dazu kam, weil das macht ja jeder aktiv da sich der Alkohol einem ja nicht von selbst einflößt, ist sicher kein Schaden. Aber sich selbst fertig machen bringt halt eher wenig.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Mal meine Erfahrungen dazu.

    Alkoholismus ist eine chronische Erkrankung, und wie bei anderen chronischen Krankheiten gehört ein Rückfall zum Krankheitsbild. Er muss nicht . Bei Krebs spricht man ja auch nicht von einem „Ausrutscher“, wenn ein Tumor zurückkehrt. Bei Depressionen ebenso wenig – um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Darum frage ich mich, warum man ausgerechnet hier von „Vorfall“ oder „Ausrutscher“ reden sollte. Für mich blendet man damit die Krankheit aus. Man nimmt sie nicht ernst. „Vorfall“ klingt, als könnte ich nichts dafür. „Ausrutscher“ klingt, als wäre ich auf einer Bananenschale ausgerutscht und ins Bierglas gefallen.

    Wichtiger ist doch, sich ehrlich zu machen: Wie kam es zum Rückfall? Wollte ich wieder saufen oder musste ich wieder saufen? Ich hatte am Anfang einen Rückfall. Da war kein Gedanke an „Vorfall“ oder „Ausrutscher“, sondern nur die klare Erkenntnis: Ich habe wieder gesoffen. Enttäuschung, klar. Wille versagt, ja. Niederschmetternd – aber im Grunde gut, denn ab da gab es keinen Zweifel mehr, Alkoholiker zu sein und dass reiner Wille nichts ändert.

    Ein Rückfall bedeutet: Ich saufe wieder. Damit stehe ich wieder an der gleichen Entscheidung wie früher: Aufhören – ja oder nein. Und nur der Alkoholiker selbst entscheidet das. Einfluss von außen hilft da nicht.

    Ich weiß von mir, wie gut ich in der nassen Zeit schauspielern konnte. Wie ich mein Umfeld mit tränenreichen Erklärungen in den Trinkpausen um den Finger gewickelt habe. Und natürlich habe ich mir auch Bestätigung abgeholt, warum „es ja nicht so schlimm“ sei.

    Wenn jemand zu mir kommt und sagt, er hatte einen Rückfall, dann milder ich das nicht ab. Ich suche keine schönen Worte. Ich frage nur: Was hast du jetzt vor? Ich entscheide nicht, ob das ein Vorfall oder ein Ausrutscher war – ich weiß ja nicht, welche Gründe er für sich gefunden hat. Ich lege ihm nichts in den Mund.

    Und wenn ein Langzeit‑Trockener wieder säuft, dann kommt das nicht aus heiterem Himmel. Da hat sich gedanklich schon lange vorher etwas bewegt.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ja, ich weiß, viele Therapeuten benutzen das Wort, damit sich der Rückfällige nicht komplett zerlegt

    Ich denke Streicheleinheiten sind da fehl am Platz. Was wäre aus mir ohne gefühlte Härte geworden? Jemand der weiter gesoffen hätte, weil ja alles so schön weich und tuffig ist. Ich hatte anfangs drei vier Therapeuten, für die Klartext die beste Unterstützung ist. Und sie sind für mich mittlerweile geschätzte Lebensbegleiter geworden, die ich noch niemals persönlich getroffen habe. Aber das nur am Rande.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Ich denke Streicheleinheiten sind da fehl am Platz. Was wäre aus mir ohne gefühlte Härte geworden? Jemand der weiter gesoffen hätte, weil ja alles so schön weich und tuffig ist.

    streicheleinheiten helfen beim alki nicht weiter, dass ist fakt. denn alles was mir weichgespült daher kommt, wird mein sucht sofort nutzen wollen... rückfall bleibt rückfall und nix mit "vorfall":idea: so ehrlich sollte man schon zu sich selber sein.

    gruss

  • Hallo zusammen,

    Ich komme gerade vom Einkaufen wieder. Ich war das erste Mal seit langem in dem Laden, wo ich sonst den Wein gekauft habe. Ich habe mich nur auf das fokussiert was ich wirklich kaufen will und bin wieder raus. Vor dem Laden war ich etwas nervös. Im Laden habe ich nicht einmal an den Wien gedacht und nachher war ich zufrieden das es so gut geklappt hat. Ich werde trotzdem versuchen so wenig wie möglich in diesen Laden zu gehen. Außerdem werde ich weiterhin mein Sohn oder Mann schicken oder mitfahren.

    Liebe Grüße

  • Hallo Anna-Sophie,
    deinen letzten Beitrag habe ich hierher verschoben. Er war in der Literaturliste gelandet.;)

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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