Beiträge von Hartmut

    Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich.Ich bin seit 17 Jahren trocken, worüber ich sehr glücklich bin.

    Nun läufst du mir seit 17 Jahren hinterher. Das ist gut, behalte den Abstand bei. Es ist schön, alte Wegbegleiter zu sehen, die das für sich geschafft haben, was viele nicht schaffen.

    Konsequent, geradlinig und nie vergessen, wo man herkommt.

    Alles Gute zu deinen 17 Jahren.:thumbup:

    Willkommen zurück! Hut ab, dass du wieder zu uns gefunden hast.

    Ich mache mir sehr viele Gedanken, wie es wieder dazukam.

    Mal aus meiner Sicht , nach gut zwanzig Jahren hier im Forum und unzähligen Rückfallgeschichten, die ich gelesen und begleitet habe.

    Der Versuch, die „Gründe“ für einen Rückfall endgültig aufzulösen, führt in die Irre. Es wird im Leben immer irgendetwas geben, das die Sucht dankbar als Steigbügel benutzt sei es Stress, Überforderung, falsches Umfeld, Gruppendynamik, Einsamkeit, ein mieser Tag. Die Gründe sind austauschbar.

    Das ist schlicht die Funktionsweise der Krankheit. Die sucht sich keinen Grund sie nimmt jeden.

    Was aber funktioniert, und das sehe ich seit zwei Jahrzehnten immer wieder. Du warst drei Jahre trocken. Das ist kein Zufall, das ist ein funktionierender Weg. Und genau an den knüpfst du jetzt wieder an. Aber unterschätze nicht, wie dankbar die Sucht jede Abweichung annimmt.

    Die Scham gehört dazu. Die hat jeder, der im Vollsuff Dinge getan hat, die er nüchtern nie tun würde. Das ist kein Charakterurteil, das ist ein Symptom der Krankheit.

    Du kannst nicht ändern, was passiert ist. Du kannst nur zeigen, was du jetzt tust. Selbsthass bringt auch niemanden raus. Abstinenz und klare Schritte schon.

    Und noch etwa.: Ich habe in all den Jahren keinen einzigen erlebt, der durch „Gründe auflösen“ wieder trocken geworden ist. Aber ich habe viele gesehen, die durch Konsequenz wieder auf die Beine kamen.

    Dass du es kannst, hast du drei Jahre lang bewiesen.

    Alles Gute dazu.

    , ja ich bin ALKOHOLIKERN und ja ich ich strebe eine feste, lebenslange Abstinenz an.

    Dann passt ja alles.

    Alkoholiker, lebenslange Abstinenz und entgiftet – damit steht dem weiteren Austausch hier nichts mehr im Weg.

    Einfach unten auf den Bewerbungs‑Link klicken, „Ich bitte um Freischaltung“ eintragen, und der nächstmögliche Moderator wird dich freischalten und an die richtige Stelle für den weiteren Austausch verschieben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Hallo Sabine, willkommen bei uns.

    ob psychisch oder physisch abhängig ,das ist zweitrangig. Alkoholiker ist Alkoholiker.

    Aber, wenn jemand schreibt, er habe ein Alkoholproblem, heißt das nicht automatisch, dass er sich selbst als Alkoholiker sieht. Deswegen fragen wir hier nochmal explizit nach.

    Denn in diesem Forum tauschen sich nur bekennende Alkoholiker aus, die sich auch so benennen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Wie sieht es da aus?

    Sonnenschein CoA , das ist ein gutes Beispiel dafür, wie klar man die eigene Rolle einordnen kann, wenn man sich wirklich mit sich selbst beschäftigt. :thumbup:

    Der Großteil der Co‑Partner hier steckt aber leider r noch mitten im System genauso wie viele Alkoholiker. Ob man das bei Co‑Partnern auch "nasses Denken" nennen kann, weiß ich nicht. Die Mechanik ist aber dieselbe;)

    Man hält an etwas fest, das einen kaputt macht, weil man glaubt, man hätte noch Einfluss. Materielles und Liebe mal ausgenommen, das ist die Wand, gegen die man immer wieder rennt. Der Rest ist eben reine Suchtlogik.

    Mich würde interessieren, wie andere Co‑Abhängige das für sich sehen.

    Angler, du bist gedanklich wieder an dem Punkt, an dem du Stabilität mit "ich will ja nicht trinken" verwechselst. Und wenn du glaubst, du bist sicher, weil du kein Verlangen hast, dann bist du am gefährlichsten Punkt.

    Das ist kein Schutz, sondern ein Warnsignal. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    Nach und Nach kommen so meine Muster zum Vorschein. „Alkohol ist nur der Hebel, nicht die Ursache“ sagte sie.

    Angler, du schreibst viel über Gefühle, Vergangenheit und innere Bilder. Für mich geht das aber am Kern vorbei. Alkohol ist nicht "ein Hebel‘" Alkohol ist jetzt die Krankheit. Und die verschwindet nicht, nur weil sie in irgendeiner Akte kaum noch erwähnt wird. ;)

    Mag sein, dass Alkohol bei dir mal als Ventil gedient hat. Trotzdem hat sich nicht der Hebel abhängig gemacht , du hast dich in die Sucht hineingesoffen. Deshalb sehe ich auch dein "Das war nicht ich am Kühlregal" kritisch. Doch. Das warst du. Im nassen Denken. Und genau das kann wieder passieren, wenn man innerlich zu viel Abstand zur eigenen Sucht aufbaut oder sie wie etwas Fremdes behandelt.

    Gefühle, Scham, Erinnerungen , alles normal. Aber das ersetzt keine Suchtarbeit. Stabilität entsteht nicht dadurch, dass Alkohol gedanklich in den Hintergrund rutscht, sondern dadurch, dass man akzeptiert, was er ist, eine lebenslange Baustelle.

    Gute Leberwerte sind schön, aber sie schützen keinen Alkoholiker vor einem Rückfall. Schützen kannst du dich nur selbst durch eine klare Haltung zu deiner Sucht.

    Nebenbei. Ist deine Therapeutin bzw. Psychiaterin eigentlich Suchtherapeutin? Das macht einen Unterschied, wie man solche Aussagen einordnet.

    Alles Gute dir auf deinem Weg.

    Nein, schon alleine wegen dem wiederlichen Kater.

    Uii, da gibt es wieder eine kleine Einschränkung, ein klines Häppchen fürs Suchthirn. Und wie wäre es ganz ohne Kater?;) Nein, alles gut. :mrgreen:

    Sucht funktioniert ja nicht über Abschreckung. Das ist wie diese Schreckensbilder auf Zigarettenpackungen, nett gemeint, aber das System denkt trotzdem seinen eigenen Kram. Trotzdem kann es helfen, trocken zu bleiben.

    Was ich bei dir gut finde. Du bist offen, ehrlich und schreibst alles rein , Suchtdruck, Gedanken, alles. Weiter so.

    Es geht nicht um Schwäche, sondern darum, das Suchtsystem im Zaum zu halten.

    Also ICH habe mich für gar nichts verantwortlich gemacht. Ich WURDE verantwortlich gemacht und vieles andere auch.

    Sonnenschein, schau dir mal deine eigene Vorstellung von damals an. Du bist jetzt ein paar Jahre weiter, und da verändert sich die Sicht ganz automatisch. Aber du hast damals sehr deutlich beschrieben, wie du in dieser Dynamik drin warst, dass du Co bist, dass du dich zurückziehst, dass du alles zusammenhältst, ihn in der Arbeit deckst, nicht weißt, was du zuerst tun sollst, Angst vor den Konsequenzen hast und nicht sicher bist, ob du die Kraft hast.

    Das ist klassische Co‑Verantwortungsübernahme. Du hast getragen, gehalten, geschützt, organisiert und für zwei gedacht. ;)

    Dass du das heute anders einordnest, ist normal. Das ist Entwicklung, kein Widerspruch. Und darauf kannst du "stolz" sein.

    Mit Abstand erkennt man, dass man in diese Verantwortung auch hineingezogen wurde. ;)

    Aber das ändert nichts daran, dass sich das damals wie eigene Schuld angefühlt hat oder ? Und genau darum geht es hier im Thread.

    Es geht nicht um Schuld, es geht darum, das eigene Schuldgefühl richtig einzuordnen, damit es nicht weiter Teil der Suchtmechanik bleibt.

    Ist das wirklich so? Das Wort "Verständnis" kam in meiner Beziehung gar nicht vor, das Verständnis für das Saufen holte sich mein Mann von anderen Mitmenschen - von denen die mit ihm getrunken haben. Die Gesellschaft toleriert ja den reichen Konsum von Alkohol, das ist dann Geselligkeit oder das Ausleben von Freiheit.

    Ja, es ist wirklich so. Verständnis dafür, warum jemand in die Sucht rutscht, ist auch Verständnis und im nassen Denken wird genau das automatisch zu einem Verstärker. ;) Bei mir war es ja so „Mein“ Co meinte es gut. Sie wollte erklären, trösten, verstehen. Aber im nassen Denken kam das nicht als Nähe an, sondern als „Aha, sie versteht mich , also ist mein Saufen irgendwie logisch.

    Als Co kannst du machen was du willst, richtig gibts nicht.

    Hab mir sogar in beiden Fällen vorgeworfen, dass ich zu wenig Verständnis gezeigt habe.

    Das ist genau der Kern der Co‑Mechanik. ;) Nicht der Alkoholiker macht den Co verantwortlich, sondern der Co macht sich selbst verantwortlich, weil er sein eigenes Schuldgefühl für zu wenig Verständnis der Wahrheit hält.

    Viele Co-Abhängige machen aus jeder eigenen Reaktion gleich eine Selbstbewertung. „War ich zu hart? War ich zu weich? Habe ich zu wenig getan? Habe ich zu viel getan? Das hält die Dynamik beiderseits am Laufen.

    Ein paar Erfahrungen zur Beziehung zwischen Co‑Abhängigen und Alkoholikern.

    In den Jahren, in denen ich noch gesoffen habe, wusste ich selbst nicht, wann ich eigentlich abhängig geworden bin. Kein Alkoholiker weiß das. Wer behauptet, er könne den genauen Punkt benennen, hat das Prinzip Sucht nicht verstanden. Das nasse Denken baut sich lange vorher auf, schleicht sich ein, tarnt sich als „normal“, und irgendwann sitzt man mitten drin und hält sein eigenes Saufen für Alltag.

    Ich war damals auch in einer klassischen Co‑Alkoholiker‑Beziehung. Und ja. Ein Co‑Partner trägt im nassen Denken dazu bei, dass man weitersäuft. Nicht moralisch, nicht absichtlich ,aber eben faktisch. Das Suchthirn nimmt jeden Satz, jede Empathie, jedes „Ich verstehe dich“ und macht daraus nassen Treibstoff.

    Meine damalige Partnerin kam selbst aus einer Alkoholikerfamilie und meinte irgendwann, sie könne verstehen, warum ich so viel saufe. Meine Kindheit, Biografie, Umfeld, Muster. Für mein Suchtgehirn war das natürlich ein Freifahrtschein. Endlich jemand, der mich „versteht“. Also, hoch die Tassen. Genau so funktioniert Sucht. Sie nimmt oberflächliches Verständnis und verwandelt es in Legitimation.

    Das Suchthirn liebt Sätze wie „Ich verstehe dich“, „Kein Wunder bei deiner Vergangenheit“, „Ich fühle mit dir“. Für den Co‑Partner klingt das nach Nähe. Für den Alkoholiker klingt es nach Erlaubnis. Dazu noch ein bisschen Empörung über meine Lebensgeschichte und das Spiel läuft weiter. Und natürlich kam von mir im Suff genauso der Klassiker: „Wegen dir saufe ich doch auch so viel.“ Nicht, weil es stimmte, sondern weil Sucht ständig Gründe sucht, warum weitergesoffen werden „muss“.

    Der Satz ist nicht wahr, aber er fühlt sich im nassen Denken echt an.

    Es geht nicht um Schuld im moralischen Sinn. Aber ein Co‑Partner wird im nassen Denken automatisch Teil der Suchtlogik. Unwissenheit schützt nicht vor Wirkung. Wer einem Alkoholiker im nassen Zustand „Verständnis“ anbietet, liefert , ohne es zu wollen eben Argumente fürs Weitersaufen.

    Und wenn der Alkoholiker trocken werden will, läuft das nasse Denken trotzdem weiter. Genau dann braucht es auch kein oberflächliches „Ach du Armer, ich kann dich verstehen“-Geschwätz . Das bremst den Prozess. Der Co denkt aus seinem co‑abhängigen Muster heraus, der Alkoholiker aus seinem nassen Muster und zusammen ergibt das eine Symbiose, die beide festhält.

    Es geht nicht um Schuld, es geht darum, das eigene Schuldgefühl richtig einzuordnen, damit es nicht weiter Teil der Suchtmechanik bleibt.

    Keine offene Hintertür, Nein. Bin froh wenn ich nie wieder trinke, nie wieder Rückfall. Nie wieder Kater,Entzug, Entgiftung etc.

    Du schreibst, du bist froh, nicht mehr zu trinken. Das ist gut, aber die eigentliche Frage ist doch. Wärst du auch froh, wenn du wieder "normal" trinken könntest?

    Genau da zeigte sich bei mir, ob die Akzeptanz saß oder ob noch ein Rest Hoffnung auf "vielleicht irgendwann" drinsteckte. Froh sein über Abstinenz ist das eine. Froh sein, nie wieder trinken zu müssen, ist das andere.

    Deinen Text finde ich super. Wenn ich du wäre, dann würde ich mir den Text kopieren und der Therapeutin zeigen. Daraus kann sie bestimmt viel sehen.

    ÄVPS->Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung ist ähnlich wie soziale Phobie.

    Für Persönlichkeitsstörungen gibt es Tests, die durchgeführt werden können. Daran kann es dann beurteilt werden.

    Persönlichkeitsstörungen sind chronische Erkrankungen, aber die Symptome können abgemildert werden.

    Nur zur Einordnung. Das hier ist Selbsthilfe, keine Diagnosenstelle und keine Therapie‑Erweiterung. Diagnosen, Tests und Persönlichkeitsstörungen sind nicht unser Bereich und schon gar nicht Ferndiagnosen.

    Dafür ist das Thema zu ernst. Wir tasuchen Erfahrungen, mehr nicht.

    Alles, was fachliche Abklärung braucht, gehört zwischen die Person und ihre Therapeutin. Und wenn keine Therapeutin da ist, bleibt es trotzdem dabei.

    Ich habe ein paar Absätze eingefügt. Wir haben Nutzer, die sehbehindert sind, und so ist es einfacher. :thumbup:

    Wenn ich deinen Text lese, klingt das für mich sehr nach therapeutischer Sprache. Das ist völlig okay, aber es ist einfach nicht meine Art zu denken oder zu sprechen. Diese ganze Selbstanalyse, Selbsterkennung und das Drehen an irgendwelchen inneren Stellschrauben wirkt auf mich im Alltag eher befremdlich. Ich bin da wahrscheinlich zu pragmatisch unterwegs.

    Und bitte nicht falsch verstehen. Ich kritisiere nicht, was du machst. Wenn dir das hilft oder notwendig war, dann ist das völlig in Ordnung. Ich sage nur, wie es für mich selbst war und ist.

    In der Sucht gibt es eben nicht nur Menschen mit schweren psychischen Baustellen oder großen Hintergrundgeschichten. Viele rutschen auch einfach so über Jahre in die Abhängigkeit rein. Gewohnheiten, Umfeld, Alkoholnormalität, falsche Entscheidungen und irgendwann läuft die Sucht einfach mit.

    Und dass du nach Therapie gefragt hast, hat für mich erstmal wenig mit deinen anderen Themen zu tun. Es geht hier ja erstmal um Alkohol und Suchttherapie. Leider habe ich oft den Eindruck, dass heute schnell das Standardpaket „Entgiftung + Therapie“ ausgepackt wird, sobald jemand sagt, dass er Alkoholiker ist. Da läuft dann manchmal schnell Schema F, obwohl jeder Mensch anders ist.

    Ich schreibe das nur zur Klarstellung, damit du meine Sicht besser einordnen kannst.

    Psychische Belastungen gehören in qualifizierte Hände. Ich trenne nur klar: Für meine Sucht brauche ich keine Erklärungen mehr , für andere Themen kann professionelle Hilfe sehr sinnvoll sein.

    Ein Grund für meinen Post ist auch, dass hier viele still mitlesen. Niemand muss Angst haben, sofort in irgendeine Käseglocke gesteckt zu werden oder dass es nur den einen „Königsweg“ gibt, um trocken zu werden.

    Ich kenne genug Alkoholiker, die genau davor erstmal zurückschrecken.

    Es gibt unterschiedliche Wege und unterschiedliche Menschen. Wichtig ist erstmal nur, dass überhaupt ein ehrlicher Wunsch da ist, trocken zu werden. Und dass man sich nicht schon vorher alles kaputtdenkt sondern sich selbst überhaupt die Chance gibt, einen Weg aus der Sucht zu finden.

    Dir alles Gute.

    Ich habe jahrelang alles aufgearbeitet und irgendwann wurde mir bewusst, dass ich das alles immer durch den Alkohol versucht habe zu kompensieren, zu betäuben, nicht fühlen zu müssen.

    Für mich gibt es kein „Aufarbeiten“ . Was auch immer das bedeuten soll. Was passiert ist, ist passiert. Ich kann es anschauen, aber nicht mehr ändern.

    Und was soll ich heute noch in meiner Kindheit herumwühlen? Das liegt Jahrzehnte zurück. Wirklich stimmig wird das für mich sowieso nicht. Man versucht sich rückblickend nur irgendeine Erklärung zusammenzubauen. Das ist aber nur meine Sicht. Und für mich hat das nichts damit zu tun, was ich tun muss, um trocken zu bleiben.

    Ich verstehe schon, warum du damals „anfällig“ warst. Meine Begleitumstände waren teilweise ähnlich. Aber ich würde für mich heute nie behaupten, dass das allein der Grund fürs Saufen war. Da spielen viele Dinge mit rein. Clique, Umfeld, Gewohnheiten, falsche Entscheidungen und irgendwann auch die eigene Sucht.

    Andere wachsen unter denselben Umständen auf und trinken trotzdem nicht. Wenn es für dich stimmig ist, das rückblickend so einzuordnen, ist das okay , solange dieser „Grund“ nicht am Leben gehalten wird, um wieder zu saufen.

    Als Erwachsener war mir klar, dass das irgendwann in eine Sucht führen kann, und trotzdem habe ich weitergesoffen. Heute brauche ich dazu keine großen Erklärungen mehr.

    Rückblickend lässt sich das für mich ganz einfach zusammenfassen zu viel gesoffen den Absprung nicht geschafft, irgendwann trocken geworden und das bis heute geblieben. Mehr ist es für mich am Ende nicht.

    Das heißt aber nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Therapie habe. Psychische Belastungen gehören in qualifizierte Hände. Ich trenne nur klar: Für meine Sucht brauche ich keine Erklärungen mehr , für andere Themen kann professionelle Hilfe sehr sinnvoll sein.

    1)Ist der Klinikaufenthalt in erster Linie für den Entzug? Da ich über 8 Monate nicht getrunken habe, wäre das dann überflüssig. 2)Wie muss man sich einen solchen Aufenthalt vorstellen bzw. was käme auf mich zu? 3)Gibt es einen solchen Aufenthalt ambulant?

    Nun, ich bin ohne Therapieaufenthalte oder Ähnliches trocken geworden, allerdings hatte ich auch keine psychische Vorbelastung. Zumindest glaube ich das.. Die Entgiftung habe ich ambulant gemacht, aber das hast du ja längst hinter dir , das ist der körperliche Teil, Therapie ist für die Psyche.

    Aber hier haben wir einen Link

    Ist eine Therapie das Allheilmittel für Alkoholiker?

    Ich habe mir mehrmals gesagt es ist ein stinknormaler Tag. Es war ja auch alles wie immer hier bei mir.

    Das ständige Wiederholen „es ist ein normaler Tag“ hält das System eher am Laufen.;) Ich habe geschrieben, dass Vatertag für mich ein normaler Tag ist, aber das war das Ergebnis einer langen Entwicklung.

    Das kam nicht über Nacht und schon gar nicht auf Knopfdruck.

    In den ersten Jahren meiner Abstinenz war das bei mir nicht anders als bei vielen anderen. Bestimmte Tage hatten Gewicht, alte Muster meldeten sich, und das Nervensystem reagierte. Das hat sich erst im Laufe der Zeit beruhigt. Heute verschwimmen die nassen Tage für mich zu einem einzigen Block aber dahin musste ich erst kommen.

    Deshalb geht es nicht darum, sich etwas einzureden. Wenn du dir ständig sagst, ein Tag sei „normal“, aktivierst du dein System eher, als dass du es beruhigst. Lass den Tag einfach sein, ohne ihn hoch oder runterzureden.

    Entscheidend ist das Verhalten. „Ich trinke heute nicht.“ Das hast du geschafft egal wie du da siehst aber es ist wieder ein Schritt nach vorn, denn es gab Zeiten, in denen du dich völlig abgeschossen hast. Oder?

    Ich war heute auch wieder bei Freunden und da tranken die auch Bier. Wie gesagt mich stört das nicht weil ich bei mir bin. Ich weiß was es anrichtet und das ich es ja eh noch bis wollte. Also gibt es für mich keinen Grund. Ich habe sogar so viel Spaß an dem Abend gehabt, dass ich nicht mal meine Flasche Wasser ausgetrunken habe. Es war nicht mal das Trinken selber da. Auf der Heimfahrt kam mir das alles so hoch und wie das Leben mal früher war. Die dunklen Wälder und mein Licht auf der Landstraße. Glockenklar im Kopf. entspannt.
    Das ist für mich weder trigger noch Verzucht. Das bin ich, wie ich mal war und eigentlich bin.

    Du hast die Sucht nicht verstanden. ;)

    Es geht nicht darum, ob du dich unter saufenden Menschen wohlfühlst oder ob du „bei dir“ bist. Entscheidend ist die Schlussfolgerung, die du daraus ziehst.

    Wenn du aus solchen Situationen ableitest, dass du „nicht gefährdet“ bist oder dass Alkohol für dich keine Rolle mehr spielt, dann ist das genau die " nasse Denkweise". Und genau da wird es gefährlich. Die Sucht zeigt sich doch nicht in dem Moment, in dem du Wasser trinkst, während andere Bier trinken. Sie zeigt sich in dem Moment, in dem du glaubst, daraus eine Sicherheit ableiten zu können.

    Es geht mir nicht ums kümmern. Im Gegenteil, er hat sich eher um mich gekümmert.

    Nun komme ich auch mal kurz in den Co-Bereich zu dir, bin aber gleich wieder weg. :saint:

    Gefühle, vor allem Verliebtheit, überlagern ja oft die Realität. Das ist nichts Ungewöhnliches und passiert nicht nur bei Suchtkranken. Diese rosarote Brille gehört beim Menschen wohl einfach manchmal mit zur Grundausstattung.;)

    Ich frage mich nur, ob genau das nicht oft auch das Co-Muster verstärkt. Dieses Bedürfnis, einem Alkoholiker helfen, ihn verstehen oder vielleicht sogar retten zu wollen. Ich habe über die Jahre zumindest oft den Eindruck bekommen, dass Co-Abhängige selten aus reiner Logik bleiben.

    Eher wegen Gefühl. Und Gefühl ist manchmal stärker als jeder Verstand, bis man irgendwann das eigene Muster erkennt. Oder sehe ich das zu einfach? Wenn ich das auf Alkoholiker übertrage, wirkt es für mich am Ende gar nicht so anders. Auch dort überlagern Gefühle, Illusionen und die Suchtmechanik oft die Realität. Beide Seiten hängen irgendwie in ihrem eigenen Muster fest. Der eine im Saufen, der andere im Retten.

    Und aus dem, was ich hier über viele Jahre gelesen und erlebt habe, sieht es für mich manchmal fast wie ein geschlossenes System aus. Der Alkoholiker dreht sich im Kreis seiner Sucht und der Co-Abhängige im Kreis seiner Gefühle. Und keiner kann den anderen dauerhaft retten.

    Deshalb wäre mein erster Gedanke oft. Erstmal bei sich selbst bleiben und die eigene Baustelle anschauen.