Ich habe Angst ihn vor die Entscheidung zu stellen

  • hi andrea & herzlich willkommen

    besch... situation in deiner familie, du passt dein leben, deine bedürfnisse an deinen mann an, aber egal was du machst - er findet immer noch was zum meckern, auch an euren kindern - die das ganze trotz früh ins bett schicken schon voll mitkriegen und darunter leiden, auch wenn sie es noch nicht verstehen können.

    tja, zur einsicht bringen oder ihn zur therapie zwingen, das kannst du nicht - darauf muss dein mann von ganz alleine kommen. klar, versuchen mit ihm zu reden, nur bringt leider oft nix - die erfahrung hast du ja auch gemacht.

    die frage ist ob du dir und deinen kindern das alles noch weiterhin zumuten willst?

    wahrscheinlich "überfall" ich dich etz mit dieser frage, auch weil du dich ja erst hier angemeldet hast. aber bei dem was du über deinem mann schreibst les ich null kranheitseinsicht heraus - ihn kannst du nicht ändern, das kann nur er selbst!

    vielleicht mal klein beginnen und dir selbst was gutes tun (was wahrscheinlich keine beifallsrufe von deinem mann hervorrufen wird), möglichkeiten gibt es viele, les dich hier auch in ruhe ein (tut dir im endeffekt auch gut, auch wenns mitunter auch sehr weh tun kann) und überleg dir wie du dir dein leben vorstellst und was sich von deinen vorstellungen mit der realtität deckt.

    und an deine kinder denk bitte auch, ich war 13 wo ich mitbekommen hab das meine mutter trinkt, mein kleiner bruder is etz 14 und er hat erst letzte woche zu mir gesagt "er hält's nicht mehr aus" :( kinder bekommen viel mehr mit als man denkt und sie sind dem ganzen hilflos ausgeliefert.

    ach, schon fast vergessen :oops: schuld am trinken deines mannes trifft dich keine, ein alkoholiker sucht sich gründe um sein trinken vor sich und anderen zu rechtfertigen - leider werden wir angehörige wohl weil wir das direkte umfeld sind üblicherweise dafür hergenommen.

    liebe grüße -Summer-

  • Hi Andrea,
    herzlich willkommen hier...musste kurz schlucken - heisst an Dich denken, Dich für Deinen Mann hübsch machen und mit ihm ausgehen wollen?

    Und dann so heruntergeputzt zu werden. Ich empfinde das als ziemlich respektlos und würde mir das heute kein zweites Mal in dieser Form bieten lassen.

    Ich meine, wenn ich an mich denke, dann mache ich etwas was mir selbst gut tut, völlig unabhängig vom Verhalten und den Vorstellungen meines Partners - sei es, einen Film, der mir gefällt, im Kino gucken, mit meiner Freundin "ratschen" bis uns die Ohren abfallen oder einfach Musik hören in der Lautstärke, die mir gerade passt u.v.m.

    Ganz alleine für mich und das geniesse ich dann. Bei Dir ist es vielleicht etwas mit den Kids - Schwimmen gehen, Eis essen....was auch immer Euch - Dir und den Kids Spass macht...und ihn für den Moment sein lassen. Er macht ja auch was ihm "Spass" macht - trinken, Dich / Euch beschimpfen ....

    Wovor hast Du denn Angst, wenn er sagt, dass der Alkohol ihm wichtiger sei? Und - ist er denn das nicht eigentlich schon? Sei mal ehrlich... :oops:

    Liebe Grüsse
    Skybird

    Lebendige Grüsse
    skybird

  • Stop, Andrea, keine vorschnellen Handlungen! Du klingst bei mir noch nicht so, als seist Du überzeugt von dem, was Du überhaupt möchtest.

    Wenn Du ihn jetzt vorschnell, ohne genau zu wissen, was Du willst, vor die Wahl stellst, dann kann es sein, dass er Dir das Blaue vom Himmel herunter verspricht, damit Du wieder Ruhe gibst. Und weil Du vielleicht insgeheim hoffst genau das zu hören (und glaub mir, er wird wissen, welche Knöpfe er bei Dir drücken muss) bist Du dann ganz schnell zufrieden und ruhig.

    Ich denke der bessere Weg könnte sein, dass Du Dir vielleicht erst einmal eine Aufstellung des letzten Jahres machst um Dir klar zu werden, in welche Richtung Dein Weg führen soll.

    Was hat Dir gefallen an seinem Verhalten? Was hast oder hättest Du gebraucht von ihm? Hat er Dir das auch geben können? Welches Verhalten an ihm stört Dich und welches ist untragbar?

    Und dann schau Dir in Ruhe Deine Liste an und spüre was Du brauchst, was Du möchtest! Möchtest Du mit den Negativpunkten Deiner Liste weiterleben? Reichen die Positivpunkte für eine Beziehung, wie Du sie Dir vorstellst.

    Und wenn sich dann aus Deinem Inneren herauskristallisiert, dass Du ihn UND Alkohol in diesem Zustand nicht mehr erträgst als Dein Partner, dann stelle ihn vor die Wahl und sei konsequent in dem, was Du ihm sagst.

    Ruhig und vernünftig ohne auf Diskussionen einzugehen, langt ein: "So möchte ich nicht mehr weiterleben. Ich ertrage es nicht länger, Dich in einem alkoholisierten Zustand zu sehen. Wenn Du Dich so ertragen möchtest, dann trete ich aus unserer Beziehung heraus und schaue nach meinem Wohlbefinden. Denn die Verantwortung für Deines musst Du selbst tragen."

    Und wenn Du Dir ganz sicher bist, in dem was Du ihm vermitteln möchtest, dann wird dir nicht schlecht werden, dann musst Du nicht mehr "aufpassen", sondern dann bist Du einfach Du, authentisch und die eigenen Bedürfnisse respektierend.

    Niemand ist so vollkommen, als das wir die Bedürfnisse des anderen ständig über unsere eigenen stellen. So bleibt uns sonst nur der Untergang und dafür ist dieses eine Leben, welches wir jetzt doch gerade leben, zu schade.

    Und, entschuldige mal, was ist das denn?

    Zitat

    Das Intimleben muß ich so abpassen,bevor er Nachmittags anfängt zu trinken.Wenn nichts läuft ist noch mehr Stress angesagt.Dann bin ich Schuld,ich wäre nicht mehr attraktiv genug usw.

    Um ihn ruhizustellen verkaufst Du Deinen Körper? :shock: Oder habe ich das falsch verstanden? oder hast Du dann wenigstens auch ein bisschen Spass an Intimät auf Knopfdruck und unter Zeitdruck?

    Wer beurteilt Deine Attraktivität? Bist Du Dir so wenig wert?

    Ich glaube, Du hast etwas besseres verdient...alles Liebe
    Skybird

    Lebendige Grüsse
    skybird

  • Liebe Andrea,
    mein ehemaliges Prädikat hat sich durch die Krankeit nun auch in Richtung mangelnde Hygiene bewegt. Sag mal ehrlich, erträgst Du das? Mich ekelt das nämlich an! Zahnbürste, na, die wird nur eingesetzt wenn ich sie sehe. Duschen, das wird dann getan, wenn er versuchen will rumzukriegen? Ach Andrea, meiner schafft es sich über Tage nicht zu duschen, dann rieche ich im Stockwerk drüber, wo ich jetzt ausquartiert bin, den Geruch vom Duschgel. Früher wenn er duschte roch man das nicht, jetzt nimmt er - wenn er mich wieder rumkriegen will - vermutlich die ganze Plastikbox.

    Mal ehrlich willst Du dass Deine Kinder das auch so mitnehmen als Erfahrung - willst Du das für Dich. Ich für mich musste anfangen auf Abstand zu gehen, einfach mein Leben zu leben und diese Dinge nicht mehr zu beachten. Ihm also selber seine Verantwortung für sich und seine Hygiene übergeben.

    Intimleben, willst Du das wirklich noch? Ich nicht mehr - zumal ich sagen muss, dass das was vielleicht mal gut war durch den Alk recht gelitten hat und ich keinen Bock mehr drauf habe a) Fahne b) die Erotik als solches ist nicht mehr meine Erotik.

    Du bist nicht attraktiv? Nun ja, die schönen runden Flaschen sind vielleicht für ihn interessanter ... Ach Andrea, gewinne für Dich Abstand von ihm, denn sonst macht er Dich menschlich noch kaputt.

    Sei mir nicht böse, aber das vor die Wahl stellen geht zumeist in die Hosen wenn man es macht um "ihn" unter Druck zu setzen. Ich bin aus der Beziehung gegangen und das hat auch nicht gereicht - mal zwei Tage trocken, dann wieder Volltreffer ... Sie können nicht Andrea, selbst wenn sie wollten, die verdammte Gier ist stärker....

    Ich danke allen Mächten dieser Welt, dass mich das mittlerweile nicht mehr oder wenig trifft. Ich bin nur noch dankbar, dass ich nicht mehr die Schmerzen erleiden musste, die ich früher hatte. Er kam oft über Nacht nicht nach Hause ist versumpft, Verabredungen waren längst nicht mehr so wichtig wie die zwei Kisten Bier als Vorrat.

    Diese Vorrat ist wichtig, sorgt er doch für ein Normalbefinden. Ich konnte für mich nur den Weg des Abstands nehmen und freue mich darauf in ein paar Wochen gehen zu können um nicht selber unter die Reder seiner Sucht zu kommen.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Andrea!

    Ich kann Dagmar (und skybird und summerdream) nur zustimmen! Achte ganz auf DICH und dann entscheide für Dich und Deine Kinder - und wie Du Dich zu Eurem Wohl entscheiden solltest, das weisst Du ja eigentlich schon. Früh zu Bett gehen schützt Deine Kinder bestimmt nicht effektiv genug vor der Situation!!! :(

    Du sagst, Du hast Angst, dass er vor die Wahl Alkohol oder Familie sagen werde, der Alkohol sei wichtiger. Das kann ich gut verstehen! Aber schau mal, wovor hast Du genau Angst? Wohl eher vor den Konsequenzen seiner Wahl, Konsequenzen, die Du dann ziehen müsstest, oder? Denn dass sich Dein Mann erst für oder gegen den Alkohol entscheiden wird, wenn Du ihn vor die Wahl stellst stimmt ja nicht so ganz... Er hat sich schon längst für den Alkohol entschieden und das erlebst und erleidest Du (und Deine Kinder!) schon zu lange! :(

    Du kannst Dich als Co zwar auch nicht frei entscheiden, Dich dem Ausschimpfen, der unfairen Kritik, dem Ignoriert-werden und allem anderen auszusetzen oder nicht, aber Deine Kinder können es noch viel weniger! Sie brauchen Dich, um aus dieser Situation rauszukommen!

    Ich hoffe, Du liest viel hier im Forum und kriegst viele kostbare Informationen und Anregungen, die Dir helfen, klarer Deinen Weg zu sehen und ihn gehen zu können auch wenn er schwer ist!

    Alles Gute und liebe Grüsse,

    c.

  • hi andrea

    Zitat

    Oh , mir wird jetzt schon schlecht,das bringe ich bestimmt nicht so rüber wie ich will


    du kannst es so rüberbringen wie du es willst, ausschlaggebend dafür is ob du selbst 100pro dahinter stehst.

    also nicht nur ihn vor die wahl zu stellen, sondern auch dazu bereit bist mit den konsequenzen zu leben sollte er sich für den alkohol entscheiden und gehst.

    ob du schon an diesem punkt bist kann ich nicht beurteilen, dafür kenne ich dich noch zu wenig. bist ja erst seit gestern hier, das ändert sich auch noch :wink:

    aber mal ganz unabhängig davon was bei dem gespräch herausgekommen is, lernen dich selbst (wieder?) lieb zu haben is ganz bestimmt nicht verkehrt :D

    liebe grüße -Summer-

  • Ich für mich bin "saufroh", dass ich mich fürs gehen entschieden habe. Denn nur dadurch ist er überhaupt gezwungen sich in irgendeiner Form damit zu beschäftigen dass sein Leben anders wird.

    Gefühle, Sehnsüchte ect. werden in ihm nicht geweckt werden, nur einfach das Problem der eigenen Lebensbewältigung. Das denken an Rechnungen, der leere Kühlschrank, auch die leere Bierkiste, alles das zwingt zu Handlungen. Und wird schwerere wenn der Kranke alleine lebt und gezwungen ist auch Zeit mit sich selber - oder dem Alk - zu verbringen ohne ein Umfeld, welchem die Schuld gegeben kann.

    Mein Ex wird demnächst in einem 200 qm Haus leben, mit fast keinen Möbeln, keinen Vorhängen und wenig Geschirr (aber das Fläschchen nährt ja auch ;) Wird ihm nicht einmal groß auffallen, aber auch dadurch wird Druck entstehen, von Seiten des Vermieters (der natürlich seinen Nebenkosten auch nachrasen wird, so wie vor meiner Zeit).

    Ich für mich konnte feststellen, dass seit dem Zeitpunkt, wo ich für ihn nicht mehr berechenbar war, seine Spiele anders wurden und auch das Verhalten. Es entstand wohl sogar eine gewisse Angst vor mir, oder besser gesagt den Worten (die immer nur einmal gesagt wurden). Gleichzeitig bemerke ich, dass er dadurch - dass er nicht mehr haben kann, was jahrelang sein "eigen" war - die Eifersucht langsam keimt. Noch bin ich nicht weg und noch hat er einen Sicherheitsboden unter sich, aber das dauert nur noch ein paar Wochen, dann ist auch diese "Sicherheit" dem Bewußtsein gewichen nun "alleine" zu sein als toller Hecht.

    Glaubst Du wirklich liebe Ettena, Alkoholiker können so einfach alles vergessen, was über Jahre ihr Lebensinhalt war. Ich glaube es nicht! Aber es ist eben an die letzte Position gerückt. Dennoch bin ich mir sicher kein Mensch - egal wie krank - kann ohne eigenes Nachdenken aus einer Beziehung ausbrechen und sich in einer neuen pudelwohl fühlen. Vier wochen, acht wochen, wie gigi sagt "klar" und dann.....

    Nee, nee Mädels - ich bleibe erst mal alleine, freue mich über die Menschen mit denen ich flirten kann ohne Ziel und Zweck und dann werden wir sehen was das Leben noch für mich geplant hat.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Zitat von andrea450


    Nun werde ich es morgen noch mal in Angriff nehmen und vielleicht nochmal und nochmal.Ich werde es jetzt anders sehen -Dank euch-

    Hilfe, NEIN! Andrea, nicht nochmal und nochmal und nochmal!

    Bei jedem nochmal wird er Dich noch weniger ernst nehmen - wobei "Du kannst mich mal" ja eigentlich schon schwer zu unterbieten ist!!! :evil:

    Und Du wirst Dich noch mehr schämen und ärgern!

    Und es wird noch weniger nützen als gar nicht!

    :(

    Wie meinst Du das "ich werde es jetzt anders sehen" denn?

    Liebe Grüsse,

    c.

  • Liebe Andrea,
    ich glaube, ich an Deiner Stelle würde mich bemühen keine vorschnellen Aktionen zu starten. Ich selber bin sehr spontan und schnell mit meinen Aussagen, manchmal tut es mir hinterher leid.

    Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um kranke Menschen handelt, die ganz andere Verteidigungsmechanismen besitzen und leider keine neutrale Betrachtugnsweise. Vom Alk wird ihnen viel diktiert, was sie vielleicht nicht wollen, aber tun müssen.

    Für mich persönlich war ganz, ganz wichtig erst zu mir zu finden, die Situation anzunehmen und erst ab da habe ich langsam, jeweils nur einmalig, Themen zum Alkoholmissbrauch angesprochen. Einfach deshalb, weil mein Ex aus Trotz viel gemacht hat, was ein normaler Mensch niemals täte. Dieser Trotz war seine Verteidigung, durch die er Konfrontationen meiden wollten.

    Nun habe ich kein Problem mehr damit, am Anfang sehr wohl. Ich für mich musste erst den Abstand zu ihm aufbauen und die Krankheit von ihm annehmen können um zu wissen wie ich für mich reagieren muss um nicht zu sehr gekränkt zu werden. Auch ich habe Verhaltensmuster, die gepaart mit seinen eine sinnige Diskussion verhindern können.

    Also für mich gilt persönlich erst mal ins Reine kommen mit den eigenen Gedanken und dann sprechen.... Ich wünsche Dir viel Glück bei Deinem Weg.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Das, liebe Andrea, ist des Rätsels Lösung - Du weisst es:

    Zitat

    Ja,bis ich etwas ändere sonst bleibt alles wie es ist.


    ...und wie ich Dir schon schrieb; es fängt damit an, dass Du Dir darüber klar wirst, was Deine Bedürfnisse sind, wie DU DEIN Leben gestalten möchtest...mach Dich auf den Weg zu einem glücklichen, zufriedenen Leben.

    Den ersten Schritt hast Du ja mit diesem Forum schon getan...
    :wink: LG Skybird

    Lebendige Grüsse
    skybird

  • Liebe Andrea,

    puuuuh, als ich das gelesen habe eben, hab ich aber auch etwas geschluckt.

    Wenn jemand über längeren Zeitraum soviel trinkt und auch sein übriges Verhalten weist darauf hin, dann ist er wahrscheinlich alkoholabhängig / alkoholkrank geworden.
    Und im innersten weiß er das sicher auch, niemand ist so dumm, zu denken, solche Mengen seien normal.
    Sein Verhalten weist aber auch auf Null Krankheitseinsicht hin. Vielleicht weiß er nicht mal genau, das Alkoholismus ungestoppt eine tödlich verlaufende Krankheit ist, unheilbar und nur durch Abstinenz zu stoppen. Aber meist weiß man auch das, man verdrängt es aber, weil man es nicht wahrhaben will. Scham, Angst vor einem Leben ohne Alk, weil man es sich nicht mehr vorstellen kann, Angst vor nötigen Lebensveränderungen.
    Tja, und dann kommen noch die Entzugssymtome dazu, die sehr heftig sein können und zu starken Angstgefühlen führen, bis hin zu Todesängsten.

    Ich denke, wenn Du ihn vor die Entscheidung stellst, gibt das erst n Riesen-Theater… und die Entscheidung wird für den Alk ausfallen, is so, wenn man süchtig ist. Dann interessiert weder Partnerin noch Kinder, der Alk ist dann an die erste Stelle gerückt, du bist dann auch mit Deiner Liebe zu ihm machtlos, auch das ist im Grunde egal.
    Wir sagen dann zwar, das wir den Partner noch lieben, aber nur, damit er da bleibt und seine CO-Funktion erfüllt, falls er einer ist. Und ich denke, die Liebe ist auch noch da, aber irgendwie ist man ja dauerbetäubt, sie ist irgendwo darunter verschütt gegangen, denn wie sollen wir denn noch empfinden, wenn wir immer unter Strom stehen ?

    Erst wenn wir als Alkoholiker trocken werden, können wir wieder intensiv empfinden, das wird wohl jeder Alkie bestätigen. Wahrscheinlich sogar heftiger als je zuvor, so meine Erfahrung. Im guten, wie aber auch im schlechten, wir können wieder Freude empfinden, aber auch negatives wird natürlich intensiver empfunden, trocken ist das aber tausendmal besser zu meistern dann.

    Andrea, Dein Mann hat keine Chance, aus der Sucht wieder allein rauszukommen. Ich kenne niemanden, der es schaffte. Und ich war genauso wie Dein Mann, Alkies sind immer die anderen, ICH doch nicht, was ihr immer habt :roll: … und zu einem Seelenklempner muß ich schon gar nicht, bin ich bekloppt, oder was :roll: ?
    Als ich dann mit dem Krankenwagen eingeliefert wurde, wußte ich, was die Stunde geschlagen hat. Und konnte endlich Hilfe annehmen, nach der ich mich im Grunde so gesehnt hatte. Aber die Angst und die Scham und die Sucht war davor stärker. Heute hab ich sogar einen Neurologen an meiner Seite, der auch Psychiater ist. Kann ja nie schaden :wink: . Kannste mal sehen, so ändern sich die Zeiten und die Ansichten, wenn man trocken wurde und wieder einigermaßen „normal“ tickt. Wir sind aber auch psychisch krank, nicht nur körperlich abhängig, unsere Krankheit bleibt auch für die Psyche nicht ohne Folgen.

    Dein Mann quatscht also noch ziemlich viel dummes Zeug daher, das tut er aber, um seine Droge ja nicht hergeben zu müssen, denn das macht ihm schreckliche Angst. Ohne nicht weiter leben zu können. So sehr vergiftet sie unser Hirn, wir glauben das dann wirklich.
    Und er hat Angst vor Veränderungen, die nötig werden.
    Seine Aggressivität kommt auch vom Alk, als ich noch soff, war ich ebenso, immer auf Stänkereien aus, man konnte mir garnix recht machen. Kommt von der inneren Unzufriedenheit über die ganze Situation, die lässt man dann an anderen aus, die garnix dafür können.

    Andrea, Du kannst nicht dafür sorgen, das es klick bei ihm macht und ohne das klick geht garnix. Du könntest es höchstens forcieren/ beschleunigen, indem Du gehst und er sieht, was er wirklich angerichtet hat, könnte helfen, muß aber nicht.
    Ansonsten gilt der Grundsatz: Hilfe durch Nichthilfe. Der ist sehr wichtig !
    Aufhören, den Partner vor anderen zu decken, nichts mehr für ihn tun, ihm keinerlei Erledigungen mehr abnehmen, Dich völlig von ihm distanzieren, wenn er gesoffen hat, all sowas halt. Damit er wach werden kann, darum ist es eine Hilfe für ihn und keinesfalls ein hängenlassen. Es geht leider nicht anders.

    Aber es gilt noch was anderes wichtiges zu tun: Denke an Dich, suche Du Dir auch Hilfe !
    Hier im Forum bekommst Du sie, es gibt auch reale Gruppen für Angehörige, WE-Seminare, schau Dich mal bitte danach um, wo Du Hilfe hergekommen kannst, brich das Schweigen.
    Alkoholismus ist eine weit verbreitete Krankheit, kein Grund zum schämen.
    Es kann jeden erwischen, die eigene Intelligenz, der Verstand, die Logik, alles ist weg, die Sucht ist stärker.
    Das alles hört sich jetzt schlimm an, gelle ? Du denkst, wie soll ich das schaffen ? Ich steh ganz allein da, mit den Kindern. Aber Andrea, man hat manchmal mehr Kräfte in sich, als man überhaupt ahnt, vertraue auf sie.

    Und Dein Mann braucht als allererstes ne professionelle Entgiftung, ob er eine Thera braucht, weiß man so nicht. Ich hab am Ende auch beinah ne Fl. Schnaps gesoffen, ich brauchte keine, hab es so geschafft, mit ärztlicher Hilfe und später mit SHG. Und er braucht zumindest auch eine SHG. Kalt entziehen darf er nicht, d.h. einfach aufhören mit Saufen, das ist viel zu gefährlich, könnte zu Krampfanfällen führen oder gar in ein Delir.
    Du kannst ihm das alles in Ruhe sagen, wenn er mal nüchtern ist.

    Und richtig, Andrea, bei den gesoffenen Mengen geht das nicht mehr lange gut. Ohne Dein Zutun, die Alk-Spirale wird immer enger und führt nur noch abwärts. Ich landete auf der Intensiv, die Ärzte kämpften mit mir um mein bisschen Leben. Ich hatte alles mögliche, ne entzündete Bauchspeicheldrüse, n offenes Magengeschwür vom Saufen, Bauchwasser, ne angegriffene Leber mit Verdacht auf Zirrhose, SO endet sowas.
    Und trotzdem hab ich es geschafft, trocken zu werden, an mich haben wohl nur wenige noch geglaubt bei dem Befund. Heut geht’s mir wieder soweit gut, okay, ich habe Folgeschäden, aber damit kann ich gut leben.
    Mein Leben kann man jedenfalls wieder Leben nennen, das andere davor war nur noch ein vegetieren.

    Dein Mann hat die Wahl, und die heißt: Leben oder totsaufen. Denn darauf läuft es am Ende immer hinaus, wenn man die Sucht nicht mehr stoppen kann.

    Sorry, bisi lang geworden :oops: aber das wollt ich Dir halt gern sagen….

    LG
    Lilly
    (Alkoholikerin)

  • Ja, liebe Andrea, wie gut ich das kenne...

    Bevor unsere Beziehung endete gab sich mein Ex in seiner Werkstatt die Promille um dann oben im Wohnzimmer vor der Glotze einzuschlafen. War mir, ehrlich gesagt recht, somit kam alkoholisiert keine Erotikanmache.

    Nunmehr habe ich gelernt dass das eben der Fall ist, dass ich mit dem Wissen Diskussionen verhindern kann, wenn er in einem solchen Zustand ist. Im Regelfall kommt bei uns: "setzt Du Dich mal zu mir" und dann würde die Reuenummer kommen. Nunmehr habe ich etwas mehr begriffen, somit komme ich eben nicht und nach kurzer Zeit pennt er ein und ich habe ein alkoholisiertes Gespräch verhindert, welches nutzlos ist.

    Ich habe immer die dumpfe Vermutung, dass wenn mein Ex blickt dass er wieder abstürzt, so würde er gerne Hilfe in Anspruch nehmen, das aber auszusprechen wäre ja ein Eingeständnis, also wird wieder Alk benötigt um die vermeintliche Stärke zu geben. Das aber verhindert klares Denken, Sprechen und Handeln - merkst Du was, ein Kreis dreht sich - und ich denke, er dreht sich imme schneller.....

    Auch meine Kräfte sind nicht immer gleich. Morgens bin ich gefasst, während zuweilen abends schon etwas Trauer mich beschleicht. Aber ich bin mittlerweile wieder in meinem Lebensrhythmus angekommen und es läuft so wie ich es möchte, es schockiert oder beeindruckt mich nicht, was er mir präsentiert.

    Auch ich habe mal gedacht, mensch jetzt Alk zum entspannen, damit ich mal wieder runter komme. Aber das wäre der größte Fehler, den ich machen könnte. Ich habe bei meinem Ex mal an einem Tag, als wir normal über alles reden konnten, sehr bemängelt, dass er mir ein Glas Baccardi-Cola zum Gespräch hinstellte. Ich trinke kaum, wenn dann tatsächlich Baccardi. Gleich an dem Tag hatte ich das Feeling - STOPP, der will DICH in seinen Dunstkreis ziehen. Nein Andrea, wir sind stärker - wir kriegen das auch anders hin - in uns, mit uns.

    Immer wenn ich lese "ihn vor die Entscheidung stellen", dann denke ich oh je, welche verschleuderten Energien und welche Trauer, die dann daraus resultieren dürfte. Mal ehrlich, natürlich versprechen sie viel, wollen es vielleicht auch, aber der Körper kann doch gar nicht mehr so, wie der Mund verspricht, oder?

    Mein Ex ist tatsächlich der Meinung, es sei wieder alles o.k. da ich mich normal mit ihm unterhalte und auch Freizeitaktivitäten erfolgen, wenn er klar ist. Soll er es doch denken, während dessen packe ich meine Kartons für den Umzug. Ich nutze jeden Tag, den er bei seinen Saufkumpels ist um mehr zu packen und meine Schränke einzuölen und und und. Und ich freue mich auf ein ruhigeres Leben. Keine Diskussionen mehr, die zu nichts führen. Du siehst es ja bei Dir selber - ich denke wir alle erleb(t)en das ständig. Das Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffnung und Trauer und Wut. Ach Andrea, nur zu gut kenne ich Deine Situation, kann aber zu nichts raten, weil jeder den eigenen Weg finden muss der für ihn/sie gut gehbar ist. Ich denke, der logischste Anfang ist einfach mal sich selber in den Mittelpunkt zu stellen. Ein Schrittchen nach dem anderen und sich selber dabei nicht überholen und zu schnell übers Ziel hinauszuschießen.

    Ich denke wie Lilly, die Diskussionen über Alk ect. führen zu Riesentheater und keiner wirklichen Änderung. Und - klopf mal bei Deinen Gefühlen an: war wirklich alles andere o.k. in Eurer Beziehung???

    Selbst wenn ich bei mir den Alk wegdenke, so konnte er seine eigenen Verpflichtungen (Rechnungen ect.) ebenso wenig erfüllen wie die in Haushalt und Handwerk. Reparaturen der Toilette, irgendwann vielleicht wenn ich Glück hatte.... Und das ist nur die Spitze....

    Oft sehe ich in sein Zimmer wenn er weg ist und denke "nein, das will ich nicht". Klamotten aufgetürmt, unter dem Bett alles mögliche und unmögliche. Schau, ich mache hier im Haushalt nur noch das notwendigste, weil meine letzten Wochen hier anbrechen. Wäre er verantwortungsbewußt, so würde er das eine oder andere machen, schon aus reinem Überlebenstrieb. Dem ist nicht so! Sein Bett zieht er ab (der Tarnung halber für mich) bezieht es aber nicht neu. Nun, sein Problem - aber mit so jemandem will ich nicht meine Zukunft verbringen. So nicht!

    Gestern eine SMS - ich komme morgen trinke noch Bier. Klasse, er meint nun wenn er mir Bescheid sagt so ist alles o.k. Es gab früher Zauber, weil er über Nacht wegblieb und ich mir Sorgen machte. Aber um was es geht hat er nicht begriffen - kann er nicht mehr begreifen. Natürlich habe ich die SMS nicht beantwortet. Es ist nämlich seine Sache wo er wann was macht und wann er wie wiederkommt.

    In diesem Sinne wünsche ich Dir viel, viel Kraft.
    Dagmar

  • Ich befürchte ein kleines bischen, dass das mit dem zu Tode saufen damit zusammenhängt wie das Umfeld reagiert. Je mehr Helferlein um den Kranken aktiv sind, desto eher bleiben auch gesundheitliche Folgen erspart - natürlich auch die Chance einer Erkenntniss und Bekämpfung der Sucht.

    Ich weiß aus meinen Zeiten im Pflegeheim, dass Alkoholiker auch alt werden können, ob der Zustand dann jedoch immer der schönste ist, das wage ich so zu bezweifeln nach all dem, was ich gesehen habe. Ich denke, bei Deinen Beispielen wird der Spiegel gehalten und den Leuten geht es "soweit gut".... Sofern man das sagen kann wenn man die üblichen Beiwirkungen betrachtet.

    Ja, Liebe Andrea, es gab Zeiten, da hatte ich große Angst dass er durchdreht, weil er eine Zeit lang sehr aggresiv mir gegenüber war. Ich ging mit Handy und der Notrufnummer ins Bett, war mit Jogginganzug bekleidet und die Nachbarin hatte immer eine Hintertüre offen, damit ich auch nachts zu ihr kann, wenn etwas passiert.

    Hier haben sich seit meiner Abgrenzung, klaren Linien und sehr deutlichen - aber nur einmaligen! - Aussagen die Fronten gehörig verändert.

    Es ist keinerlei Krankheitseinsicht zu finden - das ist gleich geblieben.....

    Er "reißt sich den HIntern auf" um mich zurück zu gewinnen. D. h. er bemüht sich Hobbies bzw. Interessen (wie meine Liebe zu Pflanzen) im Außengarten zu aktivieren, um dadurch eine Bindung an mich zu behalten. Es erscheint mir auch so, als wäre diese extreme, vermehrte Energie ein Teil von ihm, der so versucht gegen die Sucht anzukämpfen (im Prinzip ergebnislos, aber eben ein weiterer Versucht).

    Derzeit sorgt dieses "Hintern aufreißen" auch dafür, dass er versucht seinen bürokratischen Mist in Ordnung zu bringen.

    Derzeit, das kann sich aber von heute auf morgen ändern!, muss ich keine Angst haben weil er kämpft wie der Weltmeister - gleichzeitig eben auch bemerken muss, dass ich bei meinen Umzugsplänen bleibe, dass meine für mich gestellten Zukunftsziele weiterhin realisiert werden, unabhängig davon, was er tut.

    Weißt Du, liebe Andrea, ich habe ich meinem Fall sehr wohl den Eindruck, dass alkoholkranken Menschen klar ist, dass sie gegen soziale Formen verstoßen und anderen Menschen weh tun. Je nach eigener Verfassung reagieren sie wohl mit Wut, oder Trauer, Sentimentalität oder dem Versuch zu beweisen, dass "man doch nicht so schlecht ist". Sie haben, so denke ich, Gefühle wir wir nüchternen - nur spüren sie diese nicht so wie wir, schätze ich.

    Mein direkter und offener Weg ließ meinem Gegenstück keine andere Wahl als entweder das Verhalten umzustellen oder sich gleich an die Wand zu trinken. Es ist noch keine Einsicht da, da müssen wir uns nichts vormachen! Hilfe von fachkundiger Seite scheint auszuscheiden, denke ich! Aber das Bewußtsein dass es so nicht geht, wie das die letzten Monate lief, das scheint sich etwas zu wandeln.

    Eine weitere Wandlung wird sich nach meinem Auszug in einigen Wochen ergeben. Egal, ob so oder so - ich bin dann geschützt im eigenen Haus und kann mich dann ganz abgrenzen - oder aber Freizeit mit ihm verbringen, das obliegt dann seiner Verfassung, Laune und meinem Interesse. Aber ich kann dann entscheiden.

    Ich sehe in den Veränderungen keine massgebliche Besserung, liebe Andrea und betrachte es auch nicht als Ansatz für eine bessere Zukunft. Aber ich sehe, dass mein direkter Weg ein Umdenken bzw. überhaupt ein Nachdenken bewirkt hat. Denn eines hat er geblickt: er kann mir so viel Wut wie er will entgegensenden, es berühert mich nicht. Ich schließe die Türe und er ist alleine mit seiner Wut (die zumeist gegen ihn selber ist).

    Ja, er hat einen Scherbenhaufen vor sich - einen, den er selber zerschlagen hat. Einen, von dem er jeden Moment merkt wie er größer wird. Meine Teller sind eingepackt, er hat nun eine sehr kleine Küchenausstattung. Es fehl ihm schon an Auflaufformen ect.

    Meine Bettwäsche ist umfangreich, im Gegensatz zu seiner, somit Probleme die Betten neu zu beziehen wenn nicht gleich die alte Garnitur gewaschen und getrocknet wird.

    Möbel gibt es hier im Hause nachher nur noch sehr wenige. Vorhänge keine... Keine Dinge, die ihn berühern - aber Dinge, die er subtil spüren wird.

    Nur dieses abgrenzen und loslassen hat es mir erlaubt stark zu sein (dabei muss ich den Menschen nicht in den Hintern treten oder "ver"lassen) und mich zu leben. Ihn loszulassen und seinem Schicksal zu überlassen. Es liegt an ihm das spüren zu wollen oder zu können oder wieder abzustürzen. Einfach seine Entscheidung...

    Aber wir werden sehen, wie sich die nächsten Wochen noch entwickeln.

    Lieben Gruß von Dagmar

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