"Gesunden" Umgang mit Alkohol??

  • Hallo ihr Süssen.

    Möchte heute mal ein weniger "Hässiges" Thema anschneiden, welches mich seit einer Weile verunischert.

    Ich bin wegen meiner Co-Erfahrungen extrem skeptisch geworden was den Alkoholkonsum anderer Leute betrifft. Sicher ist das normal, aber ich habe manchmal das Gefühl, als hätte ichs nur noch mit Alkies zu tun, oft interpretiere ich in wahrscheinlich normale Verhaltensweisen Ungesunde Einstellungen hinein.

    Was ich zum Beispiel erscheckend fand:
    In Ratgebern und Zeitschriften zum Thema Schwangerschaft stellen immer wieder Leute die Frage: Darf ich Alkohol trinken?
    Ich erwartete eigentlich, hier ein klares Nein zu lesen.
    Und obwohl man mittlerweile weiss, dass schon kleine Mengen sehr schädlich für das Ungeborene sein können, heisst es immer wieder:"Ein kleines Gläschen ist vertretbar" (Ob ein Gläschen Wein oder Bier oder Strohrum scheint egal zu sein) Aha. Warum ist denn ein kleines Zigarettchen nicht vertretbar? Oder ein kleines Döschen Energydrink?
    Bei solchen Sachen heisst es: Nikotin ist ein Gift und sehr schädlich für sie und das Baby, darum bitte völlig verzichten! Energydrinks enthalten eine zu grosse Menge an Koffein und anderen Stoffen, die für das Baby ungesund sind. Bitte völlig verzichten! (Finde ich das einzig richtige)
    Warum muss ich diese Frage überhaupt immer wieder lesen?
    Versteht es sich denn nicht von selbst, dass man auf sein Gift verzichtet, welches auch immer das sein mag?

    Warum geht man mit dem Thema Alkohol so nachlässig um?
    Bin ich da nur hypersensibel?

    Ein anderes Thema ist das "Gesellschaftstrinken"
    Oft stelle ich fest, dass Leute, die bei sich zu hause nie Alkohol haben, auswärts Gruppenzwangmässig mittrinken. Das find ich über alle Massen peinlich. Oft muss ich mich rechtfertigen für meinen Eistee. Dann muss ich mich zusammenreissen, dass mir nicht der Kragen platzt. Oft kann ich dann einen fiesen Spruch nicht für mich behalten.

    Neulich wurden wir von alten Freunden zu einem Videoabend eingeladen.
    Ich war schockiert, wieviel Alk da getrunken wurde. Ohne seien solche Abende nur halb so lustig, liess ich mich aufklären. Schon knirscht es laut in meinem Gehirn. Hat nicht ein Alkie genau dieses Gefühl, ohne Alkohol sei etwas nicht halb so lustig? Schon sehe ich Freunde, die ich eben noch ganz toll fand, plötzlich mit anderen Augen, ohne das zu wollen.

    Leute, die bei mir zu Gast sind, kriegen keinen Alkohol, wie ich bereits in einem anderen Thread erklärt habe. Allerdings bin ich erstaunt, wieviele Leute diese Regel, obwohl sie sie bereits kennen zu umgehen versuchen in dem sie einen "Besonders Feinen Tropfen" mitbringen und dann denken, ich lasse das durchgehen. Auf die Frage: "Ist ein Abend mit mir nüchtern nicht zu ertragen oder muss man mein Essen mit schlecht gewordenen Trauben wegspülen?" Reagieren sie natürlich befremdet und beleidigt. Das tut mir dann schon wieder leid.

    Ich weiss, dass das eigentlich unnötig streng ist, aber ich möchte nunmal, dass in meinem Haus meine Wünsche ernst genommen werden.

    Vor einiger Zeit habe ich eine Alte Freundin getroffen, die gerade erfahren hatt, dass sie einen sehr begehrten Job ergattert und sich gegen hunderte von Mitbewerbern durchgestzt hat. Wir wollten in einem schicken Restaurant kurz etwas trinken gehen. Sie nahm sich ein Gläschen Champagner und wollte für mich auch gleich eins mitbestellen.
    Als ich dankend ablehnte und eine Cola kommen liess war sie enttäuscht.
    "Aber wir wollten doch feiern"
    Ich fragte sie: Hat meine oder deine Freude denn etwas mit dem Inhalt unserer Gläser zu tun? Denkst du, ich freue mich nicht für dich, weil ich ne ganz normale Cola bestelle?
    Wie blödsinnig diese Vorstellung war, leuchtete ihr ein. Ich hatte nachher das Gefühl, als hätte sie den Champagner gar nicht so gerne, aber es war ja eben ein ganz besonderer Anlass...

    Da frage ich mich, wie sehr das Alkoholikerdenken in der Gesellschaft verankert ist und gefördert wird. Zu besonderen Anlässen muss man also Trinken, ab einer gewissen Anzahl Personen muss man trinken, zu gutem Essen muss man trinken, an heissen Tagen ein kühles Bier, an kalten Tagen ein schöner Whisky, an Sommerfesten diverse bunte Drinks...

    Mann!!! Bin ich nicht ganz normal oder ist die ganze Gesellschaft immer gefährlich nahe an ungesundem Verhalten?
    Wie seht ihr dass?

  • Hallo TotesHerz,

    ich kann mich da in vielen Dingen bei Dir wiederfinden.

    Auch ich bin vielleicht etwas überempfindlich, was den Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft angeht. Alkohol ist nun mal *völlig normal*, im Fernsehen morgens um 9 Uhr wird angestossen, in vielen Firmen gibt es immer noch den Getränkeautomaten mit Bier oder sogar Mixgetränken (gerade in HH in einem Krankenhaus gesehen..).

    Ich habe mir aber in letzter Zeit abgewöhnt, die Welt verbessern zu wollen. Innerlich zieht es sich bei mir auch oft zusammen, wenn ich sehe, daß sogar mittags Schüler vor der Schule trinken, nur weil Ferienbeginn ist. Vor einigen Monaten hätte ich wahrscheinlich etwas gesagt, aber weißt Du, ich bin nicht dafür verantwortlich.
    Natürlich sind wir sehr sensibel, was das Thema Alkohol betrifft, aber ich will und muß nicht mit einem Banner durch die Welt laufen.

    ABER...wenn es um mein Leben geht, lege ich fest, ob bei mir getrunken wird oder nicht. Auch bei mir gibt es keinen Alkohol.Und:

    Zitat

    Ich weiss, dass das eigentlich unnötig streng ist, aber ich möchte nunmal, dass in meinem Haus meine Wünsche ernst genommen werden.

    Das finde ich überhaupt nicht! Es ist Dein Zuhause, Du legst dort die Regeln fest, wer sonst?

    Liebes TotesHerz,
    selbst Petitionen würden meiner Meinung nach wenig bringen, die Gesellschaft zu *Entalkoholisieren*. Wo willst Du da anfangen? Wir können nur bei uns anfangen, unsere Kinder sensibilisieren.
    Das Einzige, was ich versuche, ist, wenn es sich ergibt, darüber zu sprechen. Aber auch ich reagiere da ja völlig über :shock: ....


    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

  • Hi TotesHerz,

    man wird natuerlich als Co auch ziemlich sensibilisiert. Wenn Deine Freunde nicht akzeptieren koennen, dass daheim nichts getrunken wird, dann solltest DU fuer Dich ueberlegen, ob es wirklich Freunde sind.

    Aber was andere Menschen wo trinken und wieviel ist mir eigentlich egal, denn als inaktiver Co hab ich gelernt, dass es nicht meine Angelegenheit ist, sondern die Angelegenheit von anderen. Wenn ich mich also nicht wohlfuehle unter Freunden, die trinken, dann gehe ich, aber wenn ich ausgehe und ich trinke eine Cola und jemand hat was dagegen, dann ist das das Problem desjenigen und nicht meins.

    Oft wird Akohol mit Spasshaben verglichen, dass ist zum Teil in der Gesellschaft leider so, ich muss aber mich nicht der Norm anpassen, also mach ich es so wie ich es fuer richtig halte, ich muss mich wohlfuehlen, nicht mein Gegenueber, dass hab ich auch schonmal klipp und klar gesagt, dann war Ruhe. :wink:

    Was andere machen sollte Dich nicht interessieren, Du machst Dein Ding und daheim gelten Deine Regeln. Was andere fuer sich als Regel aufstellen und ob jemand in der Schwangerschaft trinken moechte, ist deren Problem.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • ich finde, es ist eine respektlosigkeit, jemandem, von dem man weiß, er trinkt und bietet auch keinen alkohol an, einen 'besonders feinen tropfen' mitzubringen. dazu muss ich sagen, dass ich einen guten wein durchaus zu schätzen weiss.

    einer bekannten von mir schmeckt alkohol einfach nicht. eine andere, deren beide elternteile (mittlerweile trockene) alkoholiker sind, möchte sich selbst nicht gefährden. bei beiden habe ich schon den druck erlebt, der auf sie ausgeübt wurde. merkwürdigerweise genau von denjenigen, die am meisten trinken.

  • Ich will nicht die Welt verbessern oder so.
    Ich habe ja nicht mal Bock drauf mir überhaupt diese Gedanken zu machen. Ich wollte nur mal wissen, ob das nur mir so auffällt oder nicht. Neige halt dazu, gewisse Dinge viel zu negativ zu sehen und manchmal weiss ich gar nicht mehr, ob das nun berechtigte Gedanken sind oder ob ich mir was zusammenspinne.
    Vielen Dank für eure Antworten.

  • Manchmal mache ich mich auch durch meine impulsive Art völlig lächerlich.

    War vor kurzem mit einer Freundin im Restaurant essen
    (Auch sie mit unübersehbarem Babybauch) Der Kellner fragte höflich, ob wir einen "Apero" wünschen. Ich sah auf dem Tisch ein Kärtchen mit einer Aperoempfehlung mit Artischockenschnaps...

    Ich fragte ziemlich laut, ob er es für schlau halte, schwangeren Frauen sowas anzubieten.
    Er zuckte nicht mal mit der Wimper: "Wir haben frisch gepresste Säfte, BitterLemon, Grapefruitlimonade ..... Er erzählte scheinbar ewig so weiter und ich wollte nur noch ein Loch graben und darin sterben. Es war mir sooo peinlich. Hab noch nie soviel Trinkgeld gegeben. :oops:

  • Hallo,

    es stimmt.... wir werden täglich mit Alkohol konfrontiert; sei es im Fernsehen oder im Supermarkt oder auch bei irgendwelchen Festen.

    Aber es liegt an uns, wie nah wir den Alkohol an uns ran lassen!

    In unserem Haushalt gibt es, seit mein Mann trocken ist, keinen Alkohol und alle unsere Freunde wissen das.

    Wir haben keinerlei negative Kommentare dazu gehört und es hat auch noch keiner versucht, etwas alkoholisches mitzubringen - sei es als Geschenk oder zum "Selbstverzehr". Alle wissen, wir dulden es nicht und es wird akzeptiert.

    Unsere besten Freunde (Weinliebhaber in Maßen) haben für uns sogar ihre Hausbar weggeräumt, heute steht dort immer ein Strauss frischer Blumen!

    Veranstaltungen wo getrunken wird, meiden wir!

    Wir haben unser Leben jetzt so eingerichtet, dass Alkohol darin keinen Platz mehr hat!

    Auch wir wollen die Welt nicht retten!!! Es gibt durchaus Menschen, die mit mit Genuß mal ein Glas trinken können (es sei ihnen auch wohl vergönnt).

    Mein Mann kann es nicht und darum leben wir unser Leben jetzt ohne !!!

    Lieben Gruß
    Speedy

  • Liebes Herzchen,
    ich bin stolz darauf meine cola oder meine antialkoholischen Mixgetränke zu trinken. Ich habe erst mit 27 den Führerschein gemacht und dieser ist in meinen Augen eine Waffe, der niemals zusammen mit der Waffe Alkohol auftreten darf. Ich trinke also nicht - und es schmeckt mir nicht.

    Auf Feten frage ich mich meinen Teil, auf den örtlichen Dorffesten (wo die Frau den Mann sucht und im Regelfall zuerst die Schuhe findet) frage ich mich nicht mehr, denn ich sehe die Folgen.

    Da wo mich jemand zum Drink einladen will und bei Cola sagt "nee, was alkoholisches, da weiß ich gleich, von wem ich mich nicht einladen lassen möchte. Alles schon passiert! Und erst jetzt weiß ich daß ich darauf stolz sein darf immer bei Limo und Wasser geblieben zu sein!

    Ich bin ja schon geschockt wenn 6 kleine Bier als normal pro Abend betrachtet werden. Nun gut, normal für wen oder was? Normal für die Leber bestimmt nicht - oder sagen wir mal, nicht gesund.

    Was ist gesunder Umgang mit Alkohol? Nicht als Medikament verwenden, nicht als Pflaster für die Einsamkeit, nicht in Übermaßen (wo beginnen die?). Ich denke, hier muss jeder für sich entscheiden - manchen gelingt es - andere kommen in den Suchtkreislauf. Wir, liebes Herzchen kommen zumindest nicht in die Sucht der Alkoholkranken, lässt sich vermuten.

    Allerdings spreche ich mir eine gewisse Intoleranz nicht ab - und da beginnen meine Selbstzweifel: das was ich nicht mag lehne ich ab, eventuell mache ich jemanden zum Trinker, der keiner ist...
    Da wären wir wieder bei meiner letzten Beziehung angekommen.

    Irgendwann einmal stellte ich jedoch fest, die Beziehung ist krank - ob er mit dem Alkohol, das muss er sich selber beantworten.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hej

    Auch unser Haushalt ist Alk-freie Zone.
    Wir verlangen das aber nicht von anderen. Die brauchen keine Rücksicht nehmen.
    Das muss ich als "trockener" aushalten können, sagt mein Mann. Die ganze Welt ist voll davon, davor weglaufen kann man nicht.
    Schließlich werden wir immer und überall mit Alk konfrontiert. So lernt er stabil zu bleiben. Klar hat er das am Anfang gemieden, aber es hat ihn mit jedem Mal stärker gemacht.

    Der ALK ist wie eine Seuche, eine Volksseuche. Das wird noch ein großes gesellschaftliches Problem werden. Siehe z.b. die Jugendlichen die jetzt schon hemmungslos trinken, oder die Chefetagen, deren Toilettenmülleimer mit leeren Alk-Flaschen gefüllt sind. Vom normalen Volk ganz zu schweigen, da wird es schon vorausgesetzt, das man gerne trinkt.
    Wenn ich gefragt werde was ich denn trinken möchte, strömt mir Unverständniss entgegen bei meinem Wunsch nach etwas Antialkoholischem.
    Das ist doch nichts zu trinken, wird gesagt.
    Es wird ganz mitleidig geschaut.
    Was für ein Quatsch die reden. Die sehen nur nicht die Wahrheit in ihrem "anderen Leben", wie ich es nenne.

    Unsere Scheuklappen sind gefallen seit mein Mann in Therapie war und ich kann nur sagen: unser Leben ohne ALK hat unser "neues Leben" enorm bereichert.
    Freunde die das nicht akzeptieren oder nur mit uns fröhlich sein können wenn ALK im Spiel ist, darauf können wir verzichten. Uns sind nur einige wenige geblieben. das war aber auch keine Überraschung.
    Wir haben durch seine Abstinenz so viele tolle Leute kennengelernt.
    Das hat eine ganz andere Qualität des Zusammenseins.

    LG

    vergissmeinnicht :wink:

  • Wow.
    Wie diese Gesellschaft für einen Tockenen auszuhalten ist, daran hab ich noch gar nicht gedacht...

    WOW...
    Wenn man sich schon als überzeugter Mensch ohne Alk ständig rechtfertigen muss, wie abstrus muss sowas für jemanden sein, der Alkohol ums Verrecken meiden muss. Hut ab.

    Kennt ihr diese Drehscheiben in Kneipen, wo man sein Gewicht und Geschlecht einstellen kann und dann da steht, wieviel man trinken kann, ohne die Promillegrenze für Autofahrer zu überschreiten?
    Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, musste ich fast schon wieder lachen. Wie krank ist dass denn?!??
    Was hat denn das mit dem "Genuss eines Gläschens" zu tun, wenn man so verzweifelt eine bestätigung sucht, mehr als eins trinken zu dürfen?

    Warum fällt es denn all diesen Leuten (die ja kein Alkoholproblem haben) überhaupt so schwer, nichts zu trinken, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind?

  • Hallo Herz,

    ich kann nachvollziehen, dass dich das kirre macht. Das macht es mit mir auch. Wenn ich mir ins Bewusstsein hole, dass finanzielle Unterstützung für Selbsthilfe immer mehr reduziert wird und andererseits die Steuereinnahmen aus dem "Drogenverkauf" eine wichtige Einnahmequelle für den Bund sind, dann könnte ich das Würgen bekommen. Jeder hat es nur selbst in der Hand, über den Umgang mit Alkohol für sich zu entscheiden. Schließlich ist Alkohol eine sein Jahrzehnten, ja fast Jahrhunderten, gesellschaftlich akzeptierte Droge. Da jedoch jeder Einzelne Teil dieser Gesellschaft ist, hat jeder Einzelne es in der Hand, ein Leben ohne diese Droge vorzuleben. Überzeugen, missionieren, werden wir niemanden können.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • ich möchte hier noch den aspekt der toleranz ins spiel bringen. es wird doch ganz selbstverständlich erwartet, dass man toleriert, wenn jemand mehr oder weniger betrunken durch die gegend taumelt. es wird ja sogar als spaßfaktor gesehen. wenn aber jemand für sich den normalzustand erhalten möchte, nämlich nüchtern bleiben, dann sieht er sich auf einmal einem gesellschaftlichen druck ausgesetzt. da wird also das anormale, kranke zur norm erhoben. es ist pervers.

  • Ja, man gilt sehr schnell als Spassbremse, wenn man nicht mittrinkt.
    Je besoffener, desto lustiger ist das Motto. Und als einziger nüchterner merkt man leider auch als einziger, dass es nicht lustig zu und her geht, sondern äusserst peinlich. Wir bremsen nicht den Spass, wir erinnern nur die Spasstrinker daran, wie peinlich sie sich ab und zu verhalten.

  • Rund 70% der deutschen Bevölkerung haben einen durchaus normalen Umgang mit Alkohol. Wenn diese "Randgruppe" also Alkohol trinken möchte (und das -z.B. in Lokalen- auch macht), dann ist das doch völlig in Ordnung für sie.

    Ich habe mich für ein Leben ohne Alkohol entschieden und kann in meinem direkten Einflussbereich dafür sorgen, dass ich so leben kann wie ich will: ohne Alkohol.

    Jede darüber hinausgehende Einflussnahme auf Dritte halte ich für Missionieren, und das möchte ich nicht. Das hat mit meiner eigenen Trockenheit nichts mehr zu tun...

    LG
    Spedi

  • Hallo zusammen,

    da geb ich Spedi recht.

    Ich kann verstehen, dass das Thema sehr sensibilisiert wird bei einem Co. Aber warum sich ueber andere Leute aufregen? Ihr wisst doch was ihr wollt und wenn Freunde von euch nicht akzeptieren koennen, dass ihr Alkohol nicht moegt und trinken wollt, dann ist das das Problem der Freunde. Es gibt immer Menschen, die sowas nicht verstehen oder fuer die ein Abend nur mit Alkohol geniessbar ist. Aber dass ist NICHT mein Problem, sondern das Problem der anderen. Erst wenn ich als Co andere machen lassen kann und fuer mich entscheiden was gut ist und es auch fuer mich vertreten kann, dann hab ich etwas aus meiner Krankheit gelernt. Begutachte ich aber alle Menschen mit Argusaugen und verurteile sie, weil sie zu einer Feierlichkeit ein Glas Sekt trinken wollen oder mal ein Glas Wein, dann sollte ich mich fragen warum das so ist und warum ich es nicht einfach so stehen lassen kann.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hallo,

    Ich denke man bekommt automatisch einen ganz anderen Blick dafür. Ich meine überhaupt mal hinzuschauen, das tun die wenigsten, das tun wir aber aus unserer Geschichte heraus. Vielleicht ein bisschen sensibel aber verantwortungsvoll.

    Für den nächsten DVD-Männerabend wurde gefragt wer denn einen Kasten Bier mitbringt. Nachdem sich einer bereit erklärt hatte, sagte mein Mann:,, Gut , dann bring ich Apfelschorle mit!"
    Das sorgte für etwas irritierte Gesichter, bei denen die darüber nicht Bescheid wissen. Und selbst denen die wissen um seine Abstinenz, hatte es die Sprache verschlagen. Es herrschte einen Moment Stille im Raum. Keiner traute sich zu fragen, was meinen Mann diebisch amüsierte wie er mir hinterher sagte.

    Die können trinken soviel sie wollen, ich habe genug getrunken in meinem Leben, sagt er.
    Er sieht das bei anderen trotzdem sehr kritisch. Aber er behält seine Meinung für sich, es sei denn, er wird danach gefragt.

    LG

    vergissmeinnicht

  • Hallo TotesHerz

    Zitat: Warum fällt es denn all diesen Leuten (die ja kein Alkoholproblem haben) überhaupt so schwer, nichts zu trinken, wenn sie mit dem Auto unterwegs sind?

    Meine Meinung:
    Die sind schon nicht mehr so richtig frei.
    Die Verknüpfung ALK und Spass ist ziemlich stabil in unserer Gesellschaft verankert. Das zu durchbrechen erfordert viel Selbstbewustsein.
    Auf unserer letzten Einladung war ich Zeuge eines solchen Streitgespräches zum Thema "WER FÄHRT DENN HEUTE" bei einem befreundetem Paar.
    Ich sagte nur im vorbeigehen: gut das wir das nicht mehr haben!
    Darauf: ja, du hast gut lachen!
    Darauf ich: Ihr werdet es zwar nicht glauben, aber das hat "NUR" Vorteile!

    Also mir hat es früher nichts ausgemacht, wenn ich fahren musste.
    Ich konnte mich schon immer auch ohne ALK gut amüsieren. Da kriegt man erst mal richtig mit wenn bei anderen der Pegel steigt. Manchmal echt lustig.
    Mich hat es nur immer unheimlich genervt, das mein Mann nicht in die Pötte kam wenn wir gehen wollten.

    LG

    vergissmeinnicht :wink:

  • Hi Leute,

    wenn ich meinen Fokus auf das Trinkverhalten anderer setze, dann lenke ich von mir ab. Es sollte mich also nicht interessieren, warum, wieso und weshalb ANDERE Menschen Akohol in ihrem Leben integrieren und manche Veranstaltung mit Alkohol verknuepfen. Die Leute koennen machen was sie wollen, weil es einfach deren Sache ist und nicht meine. Gehe ich zu Veranstaltungen wo ich weiss wie das ganze endet und das ich mich dort nicht wohlfuehle, somit bin ich selbst Schuld, haette ja nicht hingehen muessen.

    Daher die Frage, warum setzt ihr euren Fokus auf was und wieviel und wann ueberhaupt jemand trinkt?

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hi Vergissmeinnicht,

    als aktiver Co-Abhaengiger war ich ja trainiert wie ein Schiesshund, ja ich habe alles genau beobachten koennen, auf einer Party, wieviel wann jemand getrunken hat, wie bloed doch alle sind, die sich die Hucke vollsaufen und wie bloed doch, dass Alkohol als allgemeine Droge erlaubt ist. Nun habe ich dann aber irgendwann bemerkt, dass ich wieder indirekter Weise predigen wollte und Leute ueberzeugen wollte, dass man auch ohne Alkohol Spass haben kann, ja ich wollte missionieren. Ich hab dann erkannt, dass meine Co-Abhaengigkeit sich verschoben hat und ich immer anscheinend noch nicht Leute einfach machen lassen konnte. Was fuer ein Stress ich mir da gemacht habe :roll: . Heute ist es mir egal, ob auf einer Party, Hochzeit, Anlass weiss der Geier, sich jemand die Hucke vollsaeuft oder ob jemand meint nur Spass mit Alkohol haben zu koennen. Ich mach was ich denke was ich fuer richtig fuer mich halte und die anderen tragen ihre eigene Verantwortung. Wenn jemand meint die Tassen hochleben zu lassen und am naechsten Tag einen Kopf hat oder meint dass er noch Autofahren kann, dann ist das sein oder ihr Problem nicht meines, denn es liegt nicht in meiner Verantwortung.

    Alles Liebe,

    Jenny

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