ab wann kann man sich freuen?

  • Servus Tanja105,

    aus Deiner "ab-wann"-Frage ersehe ich, dass Du Dir selbst noch etwas vormachst: Du hoffst/denkst, "das Thema" hätte sich irgendwann -analog einem Beinbruch?- "erledigt", wäre "ausgestanden", er wäre "geheilt".

    Nun, ich muss Dich enttäuschen. "Geschafft" haben wir Alkoholiker "es", wenn der Deckel des Sarges sich über uns schließt.

    Unsere Krankheit ist nicht heilbar. Wir können Sie nur zum Stillstand bringen.

    Dieser Stillstand ermöglicht uns ein zufriedenes Leben in Abstinenz. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass wir uns ein Leben lang mit uns auseinandersetzen und unsere Krankheit ein Leben lang ernst nehmen.

    Von daher: "es" ist nie vorbei...

    LG
    Spedi

  • Hallo Tanja,

    einen Grund zur Freude hast Du doch schon: Er macht eine Therapie! Viele gehen diesen Schritt nicht.

    Dennoch glaube ich, dass Deine Frage ein Ergebnis Deiner Co-Abhängigkeit ist.

    Ab wann kannst Du Dich freuen?? Wenn Du morgens aufwachst und die Sonne scheint! Wenn Dir ein süßer Kerl auf der Straße nachschaut! Wenn Du bei Kerzenschein ein Vollbad genießt! Es gibt Tausend Möglichkeiten sich zu freuen; OHNE IHN.
    Will damit sagen Tanja, mach Dein Glücklichsein nicht von seinem Gesundheitszustand abhängig. Das ist wahrscheinlich das aller, aller schwerste für uns Angehörige.

    Nochwas zur Ernüchterung: Soweit ich gehört habe, liegt die Rückfallquote im ersten Jahr nach Therapie bei ca. 70%. Also das was Du gern von uns hören willst - in xxx Tagen ist's geschafft - kommt nicht.

    Darum gehts aber gar nicht! Er hat seinen ersten Schritt gemacht. Ich wünsche ihm viel Kraft und dass er trocken bleibt. Tanja jetzt mach Du Deinen ersten Schritt. Ziehe Freude aus anderen Dingen des Lebens.

    Ich wünsche Dir viel Spaß dabei. Die Welt ist schön! Entdecke sie für Dich!

    Papi

  • Hallo Tanja,

    es ist schön, daß Du hier diese Frage stellst, denn es ist eine wirklich eine wichtige Frage und auch die Antworten, die Du darauf schon erhalten hast.

    Natürlich freut es den Angehörigen, wenn die erste Hürde genommen ist, aber ich gebe meinen Vorschreibern da Recht, daß die Entgiftung und die Therapie im Anschluß erst der Anfang ist.

    Es stellt sich erst jetzt der Körper um, daß er den Alkohol nicht mehr braucht, aber das, was dazu geführt hat, nämlich ein meist lebenslanges Verhaltens-und Denkmuster, kann nicht von heut auf morgen umgestellt werden. Dein Partner muß jetzt erlernen, seine Gefühle wieder zuzulassen, ohne diese mit seinem Suchtmittel zu betäuben. Das ist sehr anstrengend, dabei kann sich der Partner sehr stark verändern! Das sollte er sogar.
    Das kann bei Dir dazu führen, daß Du ihn erstmal nicht wiedererkennst. Es werden vielleicht alte Handlungen sichtbar, die Dir oder ihm nicht mehr passen. Also, eine Zeit der großen, aber notwendigen Veränderungen.

    Deshalb schreiben hier auch die meisten Angehörigen, daß es für sie wichtig ist, in dieser Zeit an sich zu denken, an seinem Verhaltens- und Denkmuster zu arbeiten, um einmal bei sich zu schaun, ob ich als Angehöriger da eventuell auch etwas verändern muß?

    Tust Du etwas für Dich in dieser Zeit?

    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

  • Hallo Tanja,
    ich kann mich den anderen Teilnehmern nur anschließen! Geniese jetzt die Zeit seiner Terapie um für Dich die Ruhe und Gelassenheit zu finden, Du wirst sehen das Du vielleicht Einiges dieses Wirrwars der Jahre nicht vermissen wirst.
    Ich habe das vor Kurzem auch getan, es war seine 2 LZT, nach 4 Wochen war wieder alles beim Alten. Ich aber konnte in den letzten Jahren und während der Terapie schon Einiges für mich aufholen um nicht wieder in ein gar so tiefes Loch zu fallen, es ist trotzdem schlimm. Ich möchte Dir auch keine Angst machen, aber Du hast geschrieben er hätte gesagt:"Er macht das zu Ende...", das hat mein "Partner" auch gesagt und ich habe das Gefühl, er war noch nicht so weit, viell. hat er es nur durch den Druck gemacht, (hatte mich schon mal getrennt). Man muß alles nüchtern sehen und jetzt den Blick auf sich selber richten, denn die Krankheit ist sehr heimtückisch und das mit den alten Verhaltensweisen und alten "Freunden"...Die Rückfallquote ist tatsächlich sehr hoch, am meisten nach den ersten paar Wochen wieder in der Realität, denn da zeigt es sich, kann man ohne Alk Probleme lösen oder verfallen sie wieder in alte Verhaltensmuster. Freu Dich aber erst mal und geniese die Zeit damit Du Kraft aufbauen kannst. Man muß halt leider immer mit allem rechnen.
    Bis dahin, liebe Grüße Nele

  • Zitat von Tanja105


    Aber ab wann kann man sich freuen?

    Liebe Tanja,

    hmmm, das ist eine Frage, auf die es nicht EINE Antwort gibt. Ich versuchs einfach mal.

    Jetzt und heute kannst du dich freuen, dass dein Freund den Schritt getan hat, eine Therapie zu beginnen. Vielleicht kannst du dich auch darüber freuen, dass du die Tage verbringen kannst, ohne dir Gedanken darüber zu machen, wie er "drauf" ist, wenn du nach hause kommst oder ihn triffst. Ich fühlte mich damals sehr erleichtert, als "mein Alki" in Therapie war.

    Vielleicht magst du auch einfach mal gucken, was dir in diesen Tagen, in denen du ihn "sicher" weißt, für dich ganz alleine für Freuden wieder wahrnehmen kannst. Ich weiß von mir, dass ich mich über nichts mehr richtig freuen konnte, wenn er trank. So lange wir Co´s aber das Freuen nur davon abhängig machen ob "unser Alki" trinkt oder nicht, vergessen wir selber zu leben und lassen uns von ihm und der Sucht leben.

    Ich glaube, dass es jeden Tag einen Grund zur Freude gibt für mich, wenn ich es zulasse und sehen will. Dafür musste ich aber erst lernen, dass ich mich auch an Dingen freuen kann, wenn "er" wieder oder weiter trinkt. Zumal auch dein Freund sicher Zeit braucht, in ein trockenes Leben zu finden und nicht gleich alles eitel Freude und Sonnenschein ist, wenn er nicht mehr trinkt.

    Es tut mir leid, dass ich deine Frage nicht besser beantworten konnte.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • HAllo Nele,
    meine Antwort ähnelt denen vor mir :wink:
    Ich finde es aber genauso wichtig, dass du an dir arbeitest, damit sein neues verändertes Ich nach der Therapie die besten Bedingungen vorfindet.. Wir nehmen dem trinkenden Partner so vieles ab,denken und handeln für sie..nun ist er auf einem weg, der grund zur freude gibt, aber wie spaady schon schrieb, es ist erst dann geschafft, wenn sich der Deckel über ihnen schließt, denn Alkoholkier bleibt man bis ans Lebensende, man muss sich immer wieder entscheiden, nicht zu trinken!
    Wie gesagt, es ist sehr wichtig, dass du auch etwas für dich tust und an dir arbeitest!
    Ganz wichtig ist auch dass , was ette schrieb: Wir dürfen unser Gefühlsleben nicht von ihnen abhängig machen!!!Auch das sind kranke Strukturen.. bei uns war es nachher so, dass ich z.Bsp auf sexueller Seite vieles einging, damit er keinen Grund zum trinken hat..heut schüttel ich meinen Kopf, aber es hat lange gedauert, dies auszusprechen und mich an dem Punkt offen anzuschauen...

    Also, sorge in dieser zeit auch für dich..schaue genau, wo du an Dir arbeiten kannst und solltest..
    LG Tihaso

    co-abhängig...Sich auf den Weg machen - egal wie schwer er ist!!!

  • Ab wann Du Dich freuen kannst, Nele?

    Ab sofort, denn heute beginnt der Rest Deines Lebens...verstehst Du was ich damit sagen will?

    Du kannst Dich dann freuen, wenn Freude in Dir ist und Du sie nicht mehr ausschliesslich vom Verhalten eines anderen abhängig machen musst.

    LG Skybird

    Lebendige Grüsse
    skybird

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