Es macht mich krank,wenn ich nix gegen den Alkohol tun kann!

  • Zitat von Ina19

    wenn er weiter so macht zerstört er sein und mein ganzes Leben.
    Ich weiß auch nicht ob ich das machen soll, bzw. ob es was bringt.

    Hallo Ina,

    schön daß Du schreibst und ein gutes Beispiel für viele junge Angehörige von Alkoholkranken bist. Hilfe durch Nichthilfe heißt es. Schwer das Gegenteil von dem zu tun was das Herz sagt.

    Dein Leben kann er nicht zerstören, daß kannst nur Du selbst, in dem Du Dich nicht löst.

    Schreib doch noch etwas zur Situaton und wie Du damit klar kommst.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ina,

    na, das ging ja schnell :wink: . Sage nochmal *Hallo* im im Offenen.

    Zitat

    Ich hoffe immer, das sich noch etwas ändern wird, da er mit 23 Jahren noch zieml. jung ist.

    Habe Dir ja schon im Vorstellungsbereich geschrieben, daß er sich auf jeden Fall verändern wird, wenn er nichts an seinem Trinkverhalten ändert.
    Bezüglich des Alters, das Du hier ansprichst, möchte ich das auch mal auf Dich anwenden.
    Auch Du bist jung genug, aber dennoch schon alt *genug*, zu verstehen, was da auf Dich zukommen wird, wenn das so weiter geht.

    Deine Gefühle für ihn kann hier mit Sicherheit jeder Angehörige nachvollziehen, aber es geht hier bei um Euer Beider Leben. Dein Freund hat da ein scheinbar großes Problem, was tödlich enden wird, wenn er es nicht stoppt.
    Du wirst immer mehr zusehen müssen, wie er an dieser Krankheit an eigener Substanz verliert und nicht mehr lange der Mensch sein wird, den Du liebst.

    Die Idee Deiner Mutter finde ich auch sehr gut. Nutze doch die Zeit, die er sich im Entzug verbringen wird, nur für Dich, lies hier viel, hör in Dich hinein.

    Ich wünschte, ich hätte in Deinem Alter dieses Forum gehabt, um mir ganz viel Kummer zu ersparen....

    Hast Du in Deinem Leben schon irgendwelche anderen Erfahrungen mit dem Thema Alkohol gehabt? Magst Du ein bißchen mehr von Dir erzählen?


    Ich wünsche Dir erstmal die Kraft, in dieser Situation die richtige Entscheidung für Dich zu treffen.


    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

  • Guten Morgen Ina,

    die Überschrift deines Threads war auch lange Zeit mein Ausspruch, als ich feststellte, dass mein Freund wieder trank. Und es hat mich wirklich krank gemacht bzw. eine latente Krankheit verstärkt. Bis ich anfing, zu akzeptieren, dass ich nichts an seiner Trinkerei ändern kann.

    Dich hier im Forum anzumelden, war ein guter Schritt. Du wirst viele ähnliche Schicksale lesen können. Und sie ähneln sich alle, egal, welchen Alters die Menschen sind, die schreiben. Denn der Alkohol unterscheidet nicht zwischen jung oder alt, arm oder reich, gebildet oder eher schlicht strukturiert.

    Herzlich willkommen hier! Ich wünsche dir, dass du von den Erfahrungen, die hier in geballter Ladung zu lesen sind, profitieren kannst und für dich einen guten Weg findest.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Servu Ina19,

    ich schreibe Dir hier als trockener Alkoholiker, und ich sage dir: so lange Dein Freund nicht von sich aus gegen seinen Alkoholkonsum etwas unternehmen möchte, wird er nichts dauerhaftes machen.

    Bis jetzt "drängst" Du ihn dazu, etwas zu tun. Er wird sich dem Druck in so fern "beugen", als er danach wieder "Ruhe" hat zum Saufen.

    Es ist hier auch nicht der Punkt um zu diskutieren, wie er trocken werden könnte.

    Hier geht es darum, wie Du Dich aus Deiner Abhängigkeit von ihm lösen kannst - er mag zwar Deine "erste Liebe" sein, aber zu einer gleichberechtigten Partnerschaft ist er ja (wie jeder trinkende Alkoholiker) gar nicht in der Lage.

    Somit kann das Ziel hier also nur lauten: was kannst Du für Dich tun (und wir dich dabei unterstützen), dass Du aus dieser kranken "Beziehung" rauskommst. Eine Förderung oder gar Unterstützung Deines -sicherlich ausgeprägten- Helfersyndroms kann nicht zielführend sein.

    Wie kann also Deine Konsequenz aussehen?


    LG
    Spedi

  • Ja, liebe Ina, es macht uns krank nichts gegen den Alk tun zu können.

    Wir sind hilflos und unglücklich. Wenn nun eine gute Fee käme und allen Kummer verschwinden lassen könnte, dann wäre doch alles gut oder?

    Wir litten in der Begleitung unserer alkoholkranken Bekannten/Partner oder Freunde weil wir nichts gegen den Alk tun konnten.

    Nun wissen wir mehr, wissen, wir sind Co und leiden weiter. Wir bleiben in unserem leidenden Schema, gerade so, als wollten wir es und würden nichts anderes kennen.

    Nun vielleicht kannte ich wirklich nichts anderes? Vielleicht wollte ich auch deshalb so schwer aus meinem Leid aussteigen - vielleicht meinte ich es müsse so sein zu leiden, leiden, leiden? Wäre doch schön gewesen, hätte er seine Krankheit begriffen und ich nichts an mir hätte ändern müssen....

    Hmmmm, aber da sitzt meine Naivität:
    Trinkt er nicht, dann hat er dennoch seine Suchtmechanismen.
    Trinkt er jetzt nicht, dann heisst das noch lange nicht, dass das innerhalb kürzester Zeit nicht anders ist, zumal eben diese Suchtmechanismen nicht bearbeitet wurden.

    Mein Abschied tut ebenso weh, immer noch - obwohl schon vollzogen und Kontakt abgestellt. Aber hätte mir mein eigener Schmerz nicht noch mehr weh tun müssen bei allen den Aktionen, die im Rausch geschahen? Müsste ich nicht noch mehr Schmerz verspüren wenn ich mal diese Suchtgeschichten weiterspinne, was noch hätte passieren können, was der Körper irgendwann einmal als Revanche einem Süchtigen servieren kann.

    Mir tat alles weh, ich habe/hatte Schmerzen, das loslassen tat/tut weh - aber mit meinem Schmerz, mit dem hatte ich mich nicht auseinandergesetzt, weil auch hier war es einfacher mit mit ihm zu beschäftigen und wieder bei dem Wunder zu landen, was wohl selten geschieht.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Servus Ina19,

    Trennungen sind in der Tat sehr oft unangenehm, traurig und nur schwer auszuhalten.

    Würde es Dir besser dabei gehen, wenn du eine Situation (die Du für Dich als "falsch" identifiziert hast!) einfach ignorierst, Deine Gefühle unterdrückst, Dich selbst aufgibst - nur um mit einer zeitlichen Verzögerung von Monaten, Jahren oder gar Jahrzehnten dann vor einem nur noch größeren Scherbenhaufen zu stehen und feststellen zu müssen, dass Dein Leben ohne Dich stattgefunden hat?

    Dass Deine Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle auf der Strecke geblieben sind - für den Alkohol?

    Nur, um eine Fassade aufrecht zu erhalten? Eine Fassade, die nicht mal Deine eigene ist?

    Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg findest und den Mut hast, ihn auch zu gehen. Wissen ist eine Sache, Handeln eine andere...

    LG
    Spedi

  • Sag Spedi,
    Deine Worte sind gut und richtig. Ich denke es hilft einem co wie mir gehörig gut Deine Statements zu lesen, weil sie einfach klar und deutlich sind - keine Chance gegen Sucht.

    Wenn Du so deutlich für uns co schreibst - vielleicht eine dumme Frage - kommt das dann eher aus Deiner Sicht als jemand der Alkoholkrank war und weiß wie krankes Denken aussieht und ausgenutzt werden kann oder kommt es eher aus der Sicht derjenigen, die sich schützen müssen. Die aber durch ihren Schutz des Süchtigen dem Alkoholkranken die Chance auf das Aufwachen nehmen.
    Vermutlich ist es ja so, dass ein genesender Alkoholkranker sich noch sehr gut daran erinnern kann wie er andere benutzte und wie wenig Eigenverantwortung diese Co's zeigten. Durch das akzeptieren dieser Sucht und die mangelnde Konfrontation des Süchtigen bin ich ja ein unmündiger Partner. Denn nur wenn ich dem Partner auch unangenehme Wahrheiten sagen kann ist Offenheit und Ehrlichkeit in einer Beziehung möglich.

    Ist für mich schwer die Frage zu definieren, vielleicht kannst Du sie aber dennoch verstehen.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Ina,

    ich kann deinen Trennungsschmerz nachvollziehen und doch frage ich dich das Gleiche wie Spedi: Wäre es dir lieber, es würde so weitergehen wie jetzt? Die Fassade einer Beziehung aufrechterhalten, bis sie irgendwann aufgrund des gesteigerten Alkoholkonsums gar nicht mehr aufrecht zu erhalten ist? Mir kam meine Beziehung manchmal vor wie ein Potemkinsches Dorf. Alle dachten, wir wären so ein glückliches, harmonisches Paar, aber dahinter war nichts als Kummer, Frust und Hoffnung, dass alles gut würde, wenn er nicht mehr tränke.

    Durch die Trennung damals von meinem Freund hatten wir beide die Möglichkeit, etwas zu verändern. Er ist inzwischen seit ca. 3 Jahren trocken und ich habe mich auch ziemlich verändert in dieser Zeit. Inzwischen sehen wir uns auch häufig wieder, zumal wir beide in der Suchtkrankenhilfe tätig sind. Er bei den Betroffenen und ich bei den Co´s. Ich glaube, das hätte wir beide nicht geschafft, wenn wir zusammengeblieben wären. Im Gegenteil. Ich denke, er hätte noch mehr und schlimmer getrunken und ich wäre sicherlich irgendwann in der Psychiatrie gelandet.

    Ina, es IST jetzt schwer, ich weiß. Aber es ist auch eine gute Chance für euch beide.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Servus Dagmar,

    wie so viele Alkoholiker kenne ich nicht nur die Seite des Betroffenen. Im Rahmen der Selbsthilfe habe ich die letzten Jahre sehr viel auch in gemischten Gruppen bzw reinen Angehörigengruppen Kontakt gehabt.

    Daher kommen meine Statements nicht nur aus der einen oder nur aus der anderen Richtung - sie kommen aus der Summe meiner Erfahrung mit dem Thema Sucht.

    Ich habe hier schon öfter geschrieben, dass mE Sucht nicht individuell, sondern sehr uniform ist. Das gilt auch für nichtstoffliche Abhängigkeiten. Wäre dies nicht so, würde z.B. auch eine "Klassifizierung" (im Sinne von Einordnung, nicht von Wertung) unserer Krankheiten nach ICD nicht möglich sein.

    Ich erahne, was Du mit Deiner Frage meinst - ich kann Dir in dem Fall nur von mir berichten, und ich war in meiner Situation nicht "berechnend" aus Kalkül, sondern einfach nur "bemüht", meine Ruhe zum Saufen zu haben. Ein direktes "Planen", wie verhalte ich mich am besten um zum Ergebnis XYZ zu kommen - nein, das war in meinem Stadium nicht mehr möglich. Ich habe nur noch reagiert, nicht mehr aktiv gehandelt.

    LG
    Spedi

  • Nein Spedi, mir ging es nicht um Trinkverhalten eines Alkoholikers sondern darum, dass Du gut mitfühlen kannst wie es einem Co geht und das auch deutlich sagen kannst, ebenso kennst Du natürlich die Betroffenen Alkoholiker und deren Verhalten.

    Das irrsinnig scheint ja bei uns Co's zu sein, dass wir partout am Schmerz und am Partner festhalten wollen, obwohl das den Partner wie uns selber killt. Wir wollen also keine Trennung sondern lieber untergehen - das ist einfach krank - ich bin also krank. Das Warum, nun das versuche ich zu ergründen - aber warum begreifen solche Dösbaddel wie ich nicht zum richtigen Zeitpunkt was richtig wäre..... Warum hoffen solche Verrückte wie ich, obwohl sie einer Freundin sagen würden "Laß Dir das nicht antun". Warum erkenne ich nun mit Abstand was gesünderes Handeln ist und nicht während einer solchen Beziehung?

    Vielleicht ist es für mich auch einfach schwer nachvollziehbar, dass jemand wie Du so offen darüber reden kann wie sich ein Alkoholiker verhält, weil Du in dem Moment ja über Dich redest und über Dinge, die zumeist ja verschwiegen werden.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Servus Dagmar,

    Nun, Sucht ist Sucht...

    wenn ich heute (noch) nicht darüber offen reden könnte wäre das für meine Trockenheit sicher nicht förderlich...

    Und das warum - nun, es ist müssig. Ich bin nunmal Alkoholiker und kann das Rad der Zeit nicht zurück drehen (will ich auch nicht). Also mache ich für mich das beste aus der Situation, und das ist für mich ein Leben in Trockenheit - wozu für mich bedingungslose Ehrlichkeit mir selbst gegenüber gehört, und die Offenheit, auch das zu sagen, was ich möchte/denke/fühle/...

    Und damit aber wieder zurück zu Ina19, es ist ihr Thread!

    LG
    Spedi

  • Herzlich Willkommen Ina,

    ja, das kann sein das es das schwieriger macht aber möchtest du erst richtig leiden? auch dann finden sich viele Gründe warum man nicht gehen kann. Vielleicht sind dann auch noch Kinder da.

    Ich habe 16 Jahre in so einer Beziehung gelebt.

    Ich war 15 als ich ihn kennenlernte, er trank damals schon und ich dachte das wird alles gut. Wenn ich ihn nur nicht aufgebe schafft er es.

    NEIN, so läuft es nicht.

    Nutze deine Chance JETZT die augen aufzu machen und zu handeln damit du in Zukunft dein Leben genießen kannst.

    Liebe Grüsse
    Elocin

  • Ina,
    so hat es bei meinem auch angefangen. Den Rest kannst Du bei mir nachlesen "von Haus in Asche legen" zum Seitensprung über ganz andere Dinge.

    Es muss bei Dir nicht so enden wie bei mir - immer wieder dachte ich ich täusche mich, immer wieder dachte ich ihm Unrecht zu tun. Immer wieder aber spürte ich es belastet mich --- ich hielt mich von ihm fern um diese Belastung nicht zu sehen. Wir entfernten uns immer mehr von einander. Die Veränderungen die ratzfatz innerhalb von einem halben Jahr liefen habe ich verschlafen.

    Übrigens Ina, 3-4 Bier am Tag haben Suchtcharakter - oder? Körperlich schädlich ist diese Menge bereits. Ich kann jede Entscheidung verstehen sich nicht trennen zu können - nur eines halte ich für gefährlich von "nur" oder "mal" zu sprechen.

    Jede Entscheidung ist o.k., die bewußt getroffen wird - aber sie muss in voller Berücksichtigung der Fakten getroffen werden - zumindest für mich und bei mir.

    Lieben Gruß von Dagmar

    p.s.s liebe Leute, gibt es hier irgendwelche Umfragen ect. ob es bisher tatsächlich bei jemandem geglückt ist aus dem Suchtkreislauf selber (ohne professionelle Hilfe wie SHG) auszusteigen? Ich meine damit Gewohnheits- oder Spiegeltrinker, wo wir ja alle denken "nur" oder "mal" ein paar Bier oder Viertele - während wir viele der "paar" evtl. gar nicht sehen.

  • Hallo Ina,

    herzlich willkommen im Forum, auch von mir.

    Ich kann dich sehr gut verstehen, das du dir immer wieder Hoffnungen machst.

    Zitat

    Er kann also noch eine relativ, "normale" Beziehung führen, also im Gegensatz zu anderen. Ich glaube das ist es, was es mir so schwer macht.

    Man lebt für die nüchternen Momente des Partners, das habe ich auch getan.
    Aber wofür? Um dann immer wieder spüren zu müssen, das sich doch nichts ändert. Das alles hoffen vergebens ist.
    Wir können unsere Partner nicht " trockenlieben", von dieser Illusion habe ich mich verabschiedet, auch wenn ich räumlich noch nicht getrennt bin.

    Was ich aber gut finde, das du sehr offen mit seinem Trinkverhalten umgegangen bist, und ihn da nicht geschützt hast.
    Das habe ich erst lernen müssen.

    lg Lämmchen

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

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