Mit mir selbst zufrieden leben

  • Zitat von Ette

    Guten Morgen,

    ich hasse diese Weihnachtsfeiern! Aufgesetzte Harmonie und die Legitimation, hemmungslos dem Konsum zu frönen. Schließlich müssen wir ja Geschenke machen. Allerdings – Marzipankartoffeln und Nusskekse, die kann ich gut haben.
    Ette

    Ja, wenn Weihnachten eine kommerzielle Pflicht ist, finde ich es auch furchtbar. Ich mag beispielsweise oft nicht auf die vielen Betriebsfeiern gehen, da ich bis November diesen Jahres für 3 Standorte eines großen Unternehmens zuständig war, hatte ich immer drei davon. Doch wenn ich ehrlich bin, nachdem ich mich dann pflichtbewusst aufgerafft hatte, war es doch auch immer schön und oft lustig. Man kam immer einmal dem ein oder der anderen Kollegin näher, erlebte sich mal ausgelassen und von der privaten Seite.

    Ansonsten ist Weihnachten für mich ein Familienfest und eine schöne Tradition. Wir haben feste Rituale, die ich zum Teil von meinen Eltern übernahm und die heute meine Kinder einfordern. So wird der Baum erst am 24. geschmückt und die Kinder sehen ihn erst kurz vor der Bescherung. dieses Jahr schmückt ihn mir eine moslimische Nachbarin, während wir in der Kirche sind. Es gibt auch immer Fondue und erst am 1. Weihnachtstag einen Braten.
    Normalerweise gehen wir nicht in die Kirche, doch dieses jahr spielt meine Jüngste die Maria. Sie wollte unbedingt in eine Theatergruppe und das Krippenspiel ist für sie ihre erste Erfahrung. Danach werden wir weiter sehen. Mein Sohn kommt auch aus Bonn angereist.
    Auch zögere ich traditionell die Bescherung hinaus, indem ich eine Geschichte vorlese oder die Kinder etwas aufsagen, singen oder vorlesen. Selbst mit 22 Jahren spielt mein Sohn noch mit. Nach der Bescherung machen wir einen Nachtspaziergang. Dieses Jahr geht es in unseren Garten und dies vor der Bescherung. Dort werden wir Leuchtlaternen steigen lassen. Und, wie bei Pipi langstrumpf, werden die Geschenke im (Apfel)baum hängen. (das machen die Gartennachbarn für mich, die auch im Winter in ihrer Laube leben) Ich freue mich darauf. Früher war immer mein Vater und meine Schwester oder Nachbarn mit bei der Weihnachtsfeier. Dieses Jahr werden wir unter uns sein. aber am 25, kommen die neuen Freunde meiner Töchter, die Tochter meines Lebensgefährten und meine Nachbarin und am 27. fahren wir nach Bonn.

    Ich habe auch schon Weihnachten alleine gefeiert. Meine Kinder waren auf dem Reiterhof. Auch das war schön. Ganz ruhig und entspannt. Ich kochte mir ein leckeres Essen und genoß den Baum im Kerzenschein. Das ist eine weitere tradition. Grundsätzlich leuchten vom 24. - 26. Dezember Wachskerzen im Baum, erst danach setze ich eine Lichterkette. Für mich ist Weihnachten ein Familienfest, ein fest der Freude und der Gemütlichkeit. Ich schenke gerne, sowieso, das ganze Jahr hindurch. Aber Weihnachten ist es halt besonders spannend. Ein wenig Mystik und Zauber zelebrieren, auch wenn wir alle doch aufgeklärt sind, ist einfach schön.

    Mein Lebensgefährte hat sich der Feier eigentlich schon entzogen, als klar wurde, dass mein Sohn kommt. Er fühlt sich eh oft ausgeschlossen, von den Kindern und mir und als dann noch mein Sohn dazu kommen sollte, den ich nun 1 Jahr lang nicht sah, ist es ihm zuviel geworden. Hinzu kommt ja noch, dass wir vereinbarten, in Gemeinsamkeit kein Alkohol zu trinken, sein "Schutzmantel" also weg ist. Ich plante ihn dennoch bis zur letzten Aussprache gestern mit ein. Jetzt bin ich dankbar, dass er mit seinem Rückzug mir ein entspanntes und ruhiges Weihnachtsfest läßt und ich werde mich freuen, wenn wir es schaffen werden im nächsten Jahr gemeinsam feiern zu können. Er hat mir aber gestern bereits ein schönes Geschenk gemacht. Er hat verstanden, weshalb ich so empfindlich auf seinen Alkoholmißbrauch reagiere und wir machten für den 9. Januar einen Termin bei der Familienberatung. Das ist sehr sehr schön, denn unsere Patchworksituation ist sehr komplex und wenn wir so uns klären können ist dies ein Anfang. Darin steckt eine reale Chance für uns, auch mit Blick auf Alkohol- und Co-Abhängigkeit.

    Orlando

  • Hallo,

    die letzte Zeit fällt mir auf, dass ich dieses „himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübt-Gefühl“ nur mehr selten habe. Die Ausschläge auf meiner Gefühlsskala haben sich gemäßigt. Ich denke, auch das ist ein Teil meines gesund Werdens. Auch brauche ich nicht mehr die dauernden Aufregungen, um mich lebendig zu fühlen. Ich kann die Ruhe und Muse genießen. Inzwischen wird mir plümmerant, wenn ich allzu laute Töne wahrnehme. Sie erscheinen mir aufgesetzt und unecht, sodass ich mich frage, was der oder die derartig Agierende dahinter wohl verstecken mag. Denn ich kann mich gut erinnern, dass ich mich hinter den „Thrills“ versteckt habe. Wild und laut und aufregend musste alles sein, damit ich nicht merkte, was mir fehlte. Inzwischen fehlt mir immer noch mal etwas, aber ich kann es ertragen, ohne mich zuzudröhnen mit lauten Gefühlsäußerungen.

    Menschen sind keine Solitäre, können aber genauso funkelnd und facettenreich sein wie sie. Manchmal braucht es aber eine Zeit der „Solitärität“, um herauszufinden, wie ein Leben in Gemeinschaft aussehen kann, das mich nicht verbiegt. Ich hab da so meine Vorstellungen, ob sich das Pendant findet, ist die zweite Frage. Es wird sich zeigen.... und bis dahin leb ich solitär...

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette, ich wünsche Dir einen guten letzten Tag mit genießen und auch einen genußvollen Start ins neue Jahr.... auf das Du Dich immer besser fühlest und dein Leben und deine Umwelt weiterhin so genießen kannst wie ich es oft im letzten Jahr bei Dir gelesen habe....es fühlt sich gut an deine Genüsse zu lesen. Alles Liebe die KArotte :wink:

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Liebe Ette,

    wünsche Dir ein richtig gutes Jahr 2009 :)

    LG
    Dia

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Danke, Dia, das wünsche ich dir auch.

    Vorhin, als ich nach hause ging, ging mir so durch den Kopf, dass ich gespannt bin, was mir das Jahr so bringen mag. Einen rechten Plan dafür habe ich Moment nicht. Veränderung, die erforderlich sind, sind in die Wege geleitet. Was sich daraus entwickelt, liegt nur zum Teil in meiner Macht. Ich werde mich gedulden.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    manchmal, wenn ich hier lese, fallen mir viele Parallelen zu meinem Verhalten gleich nach der Trennung von meinem Ex auf. Auf Teufel komm raus wollte ich wieder in einer Beziehung sein und tobte durch Chats und Dating-Börsen. Auch in der Realität war ich jeden Abend unterwegs. Immer wieder gab es mal einen Mann. Und doch blieb nichts davon übrig als ein schaler Nachgeschmack. Na ja, eine Ausnahme gabs schon. Aber da waren andere Gründe vorhanden, dass sich nichts weiter ergab. Jedenfalls hat es mich nicht zufrieden gemacht. Ich fühlte mich ständig wie auf der Flucht. Ich glaube, es war die Flucht vor mir selbst. Solange ich mich verabredete, musste ich mich nicht alleine ertragen. Denn das war etwas, was mir recht schwer fiel. Zudem wollte ich niemandem das Bild der armen Einsamen zeigen. Dabei war ich hinter all dem Herumgetobe doch recht allein. Ich selbst genügte mir nicht. Aber nach außen war ich die Coole, die nach Frankfurt, nach Hamburg oder nach Rostock übers Wochenende fuhr und ihre Chat-Bekanntschaften besuchte. Na ja, für etwas war es ja schon gut. Ich lernte dabei eine Menge über mich selbst und darüber, was ich letztendlich brauche oder auch nicht.

    Inzwischen weiß ich, dass ich hinter all den Aktivitäten eine Menge versteckte. Sie waren quasi meine Suchtverlagerung nachdem „mein Alki“ nicht mehr da war. Jetzt lauf ich nicht mehr vor mir davon, da es sowieso zwecklos ist. Ich habe gelernt, mich zu ertragen – allein, ungeschminkt, manchmal traurig und in einem Depri-Schub. Aber ich kann mich ertragen. Auch wenn die Wohnung leer ist und keine Verabredung ansteht. Bis dahin wars aber ein recht anstrengender Weg zum „mit mir selbst zufrieden leben“.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette,

    dazu kann ich doch nur Eines kurz bei Dir lassen:

    Zitat

    Jetzt lauf ich nicht mehr vor mir davon, da es sowieso zwecklos ist. Ich habe gelernt, mich zu ertragen – allein, ungeschminkt, manchmal traurig und in einem Depri-Schub. Aber ich kann mich ertragen. Auch wenn die Wohnung leer ist und keine Verabredung ansteht. Bis dahin wars aber ein recht anstrengender Weg zum „mit mir selbst zufrieden leben“.

    Ist diese Erkenntnis nicht schon allein ein Grund, um mit sich selbst zufrieden zu sein? :wink::lol: Ich finde schon! Und dann darf der nächste Schritt kommen: Nämlich Dich nicht nur mehr zu *ertragen* sondern auch mal Dich zu *geniessen*

    Liebe Grüße

    S.Käferchen

  • Guten Morgen,

    aufstehen im Dunkeln - hoffentlich ist das bald vorbei. Sonnig ist nur die Farbe der Orange, die ich mir für mein Frühstück klein schneide. Es steht mir wieder ein wilder Tag bevor. Der Anfang des Jahres ist IMMER mit viel Arbeit verbunden. Aber ich kann die Tage zählen, bis ich eine Zeit habe, in der ich die Hauptrolle spiele. Ich seh den Stress also recht gelassen. Auch diese Tage gehen vorbei.

    Ich bin froh, dass ich mich ohne Wirbel wohlfühle.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    dieser Tage ist mir in den Kopf gekommen, dass ich lange Zeit dachte, irgendwann begegnet mir „Mr. Right“ und dann sind wir glücklich bis an unser Lebensende. Immer noch gibt es Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass mir etwas Elementares im Leben fehlt, weil ich keinen Partner habe. Na ja, Menschen sind nun mal keine Einzelgänger sondern soziale Wesen. Andererseits gibt es ganz, ganz viele Tage, an denen ich mich zufrieden fühle in meiner Situation. Wenn ich mich an den „verlustträchtigen“ Tagen in mein Gefühl hineinfallen lasse, könnte ich nur noch traurig sein und nichts macht mir Freude. Also versuche ich, zu akzeptieren, wie es ist. Dann habe ich den Kopf auch wieder frei, um mich mit den Dingen zu beschäftigen, die mir gut tun, die mir Spaß machen. Und Pläne zu schmieden. In diesem Jahr habe ich noch viel vor. Da bleibt im Grunde gar keine Zeit, darüber zu grübeln, was ich zur Zeit nicht habe. Viel wichtiger und besser ist es dann für mich, mir vor Augen zu halten, was ich habe, bereits geschafft und noch vor mir habe. Dann kann ich wieder ganz zufrieden sein und jeden Tag ein klein wenig glücklich. Und es macht mich unabhängig. Solange ich mit mir alleine zufrieden leben kann, kann ich vieles schaffen. Und ich muss nicht auf Teufel komm raus sehen, dass mir ein Mann Sinn in mein Leben bringt. Obwohl – Männer können ja auch ganz nett sein und brauchbar ;)

    LG
    Ette

    P.S. Nur noch zwei Arbeitstage.....

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,
    das ist doch die Krux im Leben:
    wenn man glaubt, etwas zu brauchen, ist man unfrei. Der Glaube, ohne Partner nicht "vollständig" zu sein, birgt schon die Erwartung in sich, ein Partner soll für unser Glück sorgen.
    In meine jetzige verhängnisvolle Beziehung habe ich mich gestürzt, weil mich die Angst allein zu leben, getrieben hat. Die Angst, mit zwei kleinen Kindern keinen Partner zu finden.
    Und wenn ich ehrlich bin, hat mich diese Beziehungs-Sucht auch in meine Ex-Ehe getrieben.
    Nach 2,5 Jahren Single-Dasein hatte ich mit 24(!!!) Torschlusspanik. Also rein in die Beziehung, kopflos, getrieben, mit 100000 Erwartungen.
    Jetzt, nach diesen aufreibenden Jahren an der Seite eines Alkoholikers, ist mir bewußt geworden, dass Beziehung nur funktioniert, wenn ich sie nicht brauche, wenn ich mit mir allein zufrieden leben kann.
    Dann sind nicht diese hohen Erwartungen vorhanden, die ja zwangsläufig zum Scheitern führen.
    Ich erwartete, ich brauchte, ich wollte erzwingen, habe meine Partner damit überfordert.
    Und mit jedem Partner kriegt mans dicker serviert, bis man- ich habs schon mal geschrieben- mit der Nase im Haufen steckt und im wahrsten Sinne des Wortes die Schnauze voll hat, letztendlich von sich selbst.
    Ette, du wirst sehen, mit Deiner jetzigen Einstellung, alleine gut leben zu können, frei von diesem innerem Druck, einen Mann finden zu müssen, werden sich Glückstürchen von selbst auftun, das Leben kommt in einen Fluss.
    Innere Freiheit ist doch der größte Reichtum, den man haben kann.
    Klar sind Männer nett, aber alles zu seiner Zeit.
    Da mein Mann suffgedingt die letzten Jahre nicht mehr brauchbar war, musste ich hier alles alleine managen.
    Ich habe es geschafft.
    Das gibt mir Kraft und Selbstbewußtsein zurück.
    Meine ungesunde Angst vorm Alleinsein ist wie weggeblasen.
    Wenn mein Mann zurückkommt und wir feststellen, dass getrennte Wege besser sind, das soll es so sein.
    Tja, manche Menschen müssen sich erst durch die Sch... ins Glück robben.
    Ette, genieße dich und deine Freiheit,
    alles Liebe von Thelma

  • Dank dir, Thelma, für deine Antwort.

    Gestern hatte ich wieder einmal ein absolut zufriedenes Gefühl. Ein wenig Hausarbeit, dass die Wohnung nicht wie ein Schlachtfeld aussieht. Und dann ein großer Spaziergang bis hin zu einem See, der nur alle paar Jahre soweit zufriert, dass die Stadt sein Betreten freigibt. Dieser Tage ist es soweit. Hunderte Menschen freuen sich an der Eisfläche. Kinder, Hunde, Omas, Liebespärchen - alles wild durcheinander, wie es da über den See schliddert.

    Mit einem Freund hatte ich mich auch ins Getümmel gestürzt. Danach am Ufer auf einer Hotelterrasse Kaffee trinken und einfach schauen, was so um mich herum passiert. Durchgefroren nach hause kommen und mir etwas zu essen kochen. Für mich ganz alleine. Mich an den Tisch setzen und essen, bis ich satt und müde wie ein Baby war. Alles war rund, nicht nur mein Bauch. Einfach ein angenehmer Tag.

    Und der heutige lässt sich ebenso gut an. Die Wohnung duftet nach frisch gebackenem Kuchen. Heute nachmittag erwarte ich lieben Besuch und gleich mache ich mich auf die Stiefel, um wieder einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Wer weiß, wie lange das Wetter noch so schön ist.

    Liebe und zufriedene Grüße
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Boaaah..... heut war ja ein Wetterchen! Eine gute Stunde bin ich zügig losmarschiert heute mittag. Auf silbernen Wegen gewandelt, sozusagen. Allerdings - zwischendurch hab ich auch mal gemerkt, dass der Weg zur Unfallstation mit Eis gepflastert ist. Also ging ich meistens am Wegrand, wo der Schnee noch nicht so glatt getreten war. Mit energischem Knirschen verschaffte er sich Gehör bei jedem meiner Schritte. Kein Stück kalt ist mir gewesen und Kaffee und Kuchen schmeckten hinterher noch mal so gut.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen,

    gestern und vorgestern waren wieder welche von den „Rückfall-Tagen“. Weiß der Kuckuck, was der Auslöser war, auf jeden Fall waren es Wasser-in-den-Augen- und „unstillbarer-Hunger-Tage“. Akzeptanz der Realität in Frage gestellt bzw. kaum vorhanden. Der Fokus lag auf dem, was ich vermisse, anstatt auf dem, was gut ist. Anspruchsvoll wurde ich genannt, obwohl ich meines Erachtens ein paar ganz „normale“ Wünsche habe, deren Erfüllung nicht in meiner Hand liegt, was mich einfach traurig macht. Verkriechen möchte ich mich in einem Berg von Milchreis mit Zimt und nix mehr hören und nix mehr sehen.

    Heute liegt ein „Mördertag“ vor mir. Wahrscheinlich bin ich heut abend so kaputt, dass ich mir überhaupt keine Gedanken mehr darüber machen kann, was fehlt oder nicht. Das, was ich dann brauche, nämlich mein Bett, ist garantiert vorhanden. Na, es wird schon wieder vorwärts gehen. Und vielleicht finde ich, ächzend und aus der Puste geraten, heute Nachmittag meine Zufriedenheit wieder.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • guten Morgen,
    liebe Ette

    Anspruchsvoll. Kam das von einem Mann? Ich geh mal schwer davon aus.

    Das ist wohl das Grundprpblem zwischen Männern und Frauen.

    Wir sind ihnen zu anspruchsvoll - stimmt. :P
    Sie sind uns zu egoistisch - stimmt auch. 8)

    Und wenn Du immer und überall glücklich und zufrieden mit dir und deiner Situation wärst, wärst Du mir direkt unheimlich.

    Manchmal habe ich den Eindruck, wir hier in der CO-Ecke streben einen schier übermenschlichen Idealzustand an.

    Unsere Ego-Ziele sind sehr hoch gesteckt, aufgrund unserer Vergangenheit (oder Noch-Zustand) durchaus verständlich, aber fatal, da unerreichbar.
    Hau Dir deinen Zimt-Milchreis rein und gönn dir deine Sehnsüchte.

    Liebe Grüße
    Thelma

  • Liebe Ette, vielleicht is das der Eisprung oder PMS... solche Tage sind ja auch dazu wichtig um die besseren auch zu schätzen zu wissen...oder? Solche Tage kenne ich auch, wohl jeder...denke ich...geht auch vorbei. Sei lieb zu Dir. Das wird schon wieder...Gönn Dir grad jetzt was gutes...oder?
    LG Karotte

    Thelma: dieses übermenschliche Perfekte Ziel sehe ich hier auch oft über dem Forum schweben...das wird eh nicht halten...Wir sind ja Menschen... und Menschen sind nicht perfekt...nur in krankhaften Zuständen veruschen Wir diesen Perfektionismus zu erreichen, da verkrampfen wir uns...dat wird nix...so seh ich das...Leben hat immer Macken und Kanten...
    auch LG Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Guten Morgen,

    @Thelma: Ja, es kam von einem Mann – meinem Therapeuten. Er hat ja nicht unrecht. Aber vielleicht ist das Anspruchsdenken auch nur der Schutzwall, hinter dem ich mich verstecke. Wenn ich niemanden finde, der meinen Ansprüchen genügt, besteht auch kein Risiko, dass ich enttäuscht werde, wenn meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Der Gedanke kam mir eben als ich noch einmal las, was du schriebst. Was du über den Idealzustand schreibst, kann ich nur unterstreichen. Da wirkt dann wieder unser Illusionsmäntelchen. Die Welt um uns herum ist, wie sie ist. Und wir müssen uns damit arrangieren. Auch wenn sie nicht unserem Idealbild entspricht. Das Mögliche zu akzeptieren, ist die Hürde, die besonders für uns Co´s ausgesprochen hoch ist.

    Karotte : mit PMS hab ich schon seit längerer Zeit nix mehr am Hut. Und traurige Tage gehören halt zum Leben dazu, auch wenn sie dann nicht unbedingt leicht zu ertragen sind. Manchmal muss ich sie eben aushalten. Mich vor ihnen hinter wilden Aktivitäten zu verstecken, habe ich schon seit einiger Zeit aufgegeben. Sie würden danach doch wieder auftauchen. Meine schlechte Stimmung als solche anzunehmen und zu akzeptieren, wenn auch nicht klaglos, ist für mich ein sicherer Weg, daraus wieder herauszukommen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Puuhhhh..... das waren wieder einmal anstrengende Tage! Reha ist ganz einfach Stress, finde ich. Schließlich wird immer einmal wieder an alten Wunden gerührt. Der Schmerz zeigt dann schon, dass sie nicht ganz verheilt sind. Aber nach einem halben Tag heulen, einem Tag im Bett und nun einem ausgedehnten Winterspaziergang geht es mir wieder gut. Es war so toll draußen, obwohl mir ja eigentlich eher nach Frühling denn nach Winter ist, habe ich heute den Schnee genossen. Im wahrsten Sinne des Wortes :-). Da, wo mich keiner gesehen hat, hab ich mit der Zunge Schneeflocken aufgefangen. Grad so, wie wir es als Kinder getan haben. Und durch den Schnee geschlurft bin ich, dass die Flocken stoben. Warm ists mir dabei geworden und das nicht nur, weil ich recht schnell gegangen bin, sondern auch weil mich plötzlich ein Wohlfühlgefühl durchströmt hat.

    Gleich werde ich mir noch in der Badewanne das I-Tüpfelchen zum Wohlfühlen holen und dann den Sonntag im Warmen genießen.

    Bis denne

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo,

    wieder eine Woche Reha vorbei und ich bin froh, dass Wochenende ist, auch wenn mich, so wie es aussieht, eine fiese Erkältung erwischt hat.

    Die letzten beiden Wochen waren sehr anstrengend. Ich kam an Punkte in meinem Leben und meinem Verhalten, von denen ich dachte, ich hätte sie bereits gut im Griff. Wenn es um „meinen Alki“ geht, ist dies auch der Fall. Aber meine Co-Strukturen durchziehen eben mein GANZES Leben und nicht nur eine etwaige Beziehung. Kein Mensch würde es co-abhängig nennen, wenn er sich in seiner Arbeit aufreibt. Und trotzdem sind die Ursachen die gleichen. Anerkennung, die Suche nach der Anerkennung, ohne die wir Co´s scheinbar nicht leben können. Die Suche danach, in Beziehungen zu Menschen (und Beziehung zwischen Menschen ist jeglicher Kontakt nach außen) Akzeptanz und Wertschätzung zu erhalten. Und die Suche nach Perfektion. Wir setzen uns selbst unter Druck, indem wir perfekt sein wollen. So perfekt, dass wir es uns nur sehr schwer gestatten, schwach, hilflos und verunsichert zu sein. Übersehen dabei, was wir bereits geschafft haben und hinterfragen immer wieder unser Tun und Handeln. Überprüfen es daraufhin, ob wir auch alles zu unserer eigenen Zufriedenheit, also perfekt, gemeistert haben. All dies in der Regel aus der Tatsache heraus, dass wir in unserer frühesten Sozialisation nur über Leistung anerkannt, geliebt worden sind. Teilweise schon heftig, welche Aha-Erlebnisse mir immer wieder begegnen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Zitat

    All dies in der Regel aus der Tatsache heraus, dass wir in unserer frühesten Sozialisation nur über Leistung anerkannt, geliebt worden sind. Teilweise schon heftig, welche Aha-Erlebnisse mir immer wieder begegnen.

    Ja ist schon traurig was hier geschieht, junge Eltern wissen heute oft nicht wie sie ihre Kinder begleiten sollen. Welche Verantwortung es bedeutet Kinder zu begleiten, damit sie später als Erwachsene ihre Frau/Mann stehen können. Mit ihrem Denken und Fühlen im "Sein" verbunden sind, damit sie weniger psychosomatische Krankheiten oder Suchtstrukturen entwickeln. Hier sollte mehr Aufklärung, schon in der Schule stattfinden. Denn Erwachsene geben besonders unter Stress weiter, obwohl sie es vom Kopf her nicht wollen, was sie selbst als Kinder erfahren haben. Und das sieht in unserer Gesellschaft leider nicht gut aus. Selbstliebe kann sich unter solchen Bedingungen nicht entwickeln. Leider!!!!

    Alles Liebe Weitsicht

  • Hallo Ette,

    Zitat

    Und trotzdem sind die Ursachen die gleichen. Anerkennung, die Suche nach der Anerkennung, ohne die wir Co´s scheinbar nicht leben können. Die Suche danach, in Beziehungen zu Menschen (und Beziehung zwischen Menschen ist jeglicher Kontakt nach außen) Akzeptanz und Wertschätzung zu erhalten. Und die Suche nach Perfektion. Wir setzen uns selbst unter Druck, indem wir perfekt sein wollen. So perfekt, dass wir es uns nur sehr schwer gestatten, schwach, hilflos und verunsichert zu sein.

    ich bin ja nun nicht CO -Krank und kenne das aber auch von mir. Ist das eher suchtspezifisch oder trifft es denn nicht auch auf "gesunde" Menschen zu. Machen wir uns denn das Leben manchmal selbst schwer , wenn wir ein fast jedes Verhalten auf die Krankheit projezieren?

    mal nachdenklich nachgefragt. ;)

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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