Sind meine Eltern Alkoholiker?

  • Zur freien Auswahl:

    Holz hacken - 1 Std. joggen - 1 1/2 Std. walken - Blumen umtopfen -
    Unkraut ausreißen - Straße kehren - TANZEN! - wilde große Bilder malen - singen - Elektrozaun f. meine Tiere umstecken - staubsaugen - Steine in den Fluß werfen (kann man auch vorher mit Filzstift beschriften..!) - 1 Std. radeln - in die Sauna gehen - Fenster putzen - 1 km schwimmen am Stück - Gartenbeete umgraben - flotter Spaziergang - Feuer machen - geschnittene Hecken in den Schredder stopfen - Boxsack - Sport aller Art ...

    Wohin mit meiner Wut? RAUS DAMIT! :wink:

    Ich hatte aber auch Zeiten, da habe ich einen Riesenstapel Zeitungen zerrissen, bis nachts um 3 oder 4 Uhr... Und ins Kopfkissen geschrien hab ich auch schon. Schreien geht auch gut im Auto. Fluchen, ausspucken, mit den Füßen aufstampfen, Steine vor sich herkicken.

    Bis auf den Boxsack hab ich alles im Repertoire. Irgendwie hab ich es hingekriegt, daß es nie destruktiv war, sondern ich einfach ruhig wurde/werde. Ausgetobt. Und in die innere Stille hinein kann dann mit der Zeit ein neues Gefühl hineinwachsen. Friede, Ruhe, Gelassenheit und vor allem Klarheit.

    Liebe Grüße zurück, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred!

    Wohnst du auf einer Nordseehallig, daß du mal eben aus dem Dachfenster schreien kannst...? 8) Hier bei mir im Dorf wären die Leuts wohl ein bissel shocked! :shock: Wie auch immer, du bist glaub ich wirklich an deiner Wut dran! Hört sich gut an, was du schreibst.

    Ich merke gerade, daß ich mir selber schwer tue damit, 'Wut in Energie für mich selber umwandeln' griffiger zu erklären. Gefühlsmäßig erfasse ich es, aber wie in Worte fassen..?

    Du schreibst:

    Zitat

    Für mich ist es immer wichtig, aus der Opferrolle herauszugehen, die mir eher wie Wut gegen mich vorkommt. Ich merke auch, dass mich Menschen, die sich in er Opferrolle eingenistet haben, äußerst aggressiv machen.

    Die zwei Ansatzpunkte sind glaube ich ziemlich gut.

    An anderen Menschen fällt einem viel früher und viel leichter etwas auf, was bei einem selbst AUCH Thema ist. Wenn du aggressiv reagierst, wenn jemand offensichtlich die Opferrolle lebt, dann geht genau da entlang DEIN Weg für DICH SELBST. Dann ist das DEIN Thema. Bei jemand anderem mit dem Thema kommst du leichter in Kontakt mit dem Tabu-Gefühl 'Aggression' als bei dir selbst. Den Mechanismus kenne ich gut von mir selbst!

    Den Zustand, in der Opferrolle zu verharren, beschreibst du sinngemäß mit Autoaggression ("Wut gegen mich"). Und genau das ist es ja auch! Wenn man wider besseren Wissens und gegen jedes Bauchgefühl in der Opferrolle verharrt, ohne wirklich noch Opfer zu sein, dann ist das ein freiwillig gewählter selbstschädigender Zustand.

    Fakt ist, daß du erwachsen bist, dein eigenes Leben lebst. Du bist kein Opfer mehr. Du schreibst ja von 'Opferrolle'. Ein Schauspieler spielt eine Rolle. Du könntest jede andere Rolle spielen! Du könntest aber auch ganz einfach DU SELBST sein! Von dir selbst durchdrungen bis in die Haarspitzen... (manchmal krieg ich das schon ganz gut hin, aber leider nicht durchgehend).

    Es kostet ja Kraft, eine Rolle zu spielen. Wenn diese Kraft, die in einem drin für diese Rolle gebunden ist, endlich frei wird - was dann auf einmal möglich ist...! Genau hier findet glaube ich die Umwandlung statt: die Energie wird nicht mehr gegen sich selbst gerichtet, sondern wird frei. Und ist damit nicht mehr gebunden zur Aufrechterhaltung eines uralten, scheinbar festzementierten Opferzustandes! Die freigewordene Energie kann jetzt FÜR einen selbst genutzt werden. Und Sport, Musik, Malerei usw. sind ja absolut positive Betätigungen, die einem weiterbringen!

    Hey, ich glaube, durch dein Nachfragen habe ich das für mich selber jetzt auch bissel klarer gekriegt! Danke! :)

    Du hast noch das Single-Dasein angesprochen. Ich bin auch Single, und ich genieße es. Austausch habe ich reichlich, du ja auch. Klar fehlt DIE one and only Bezugsperson... Andererseits finde ich die Freiheit toll. Am Anfang meines Threads habe ich darüber geschrieben. Ich sehe es als Chance. Ich lerne meine Stärken u. Schwächen besser kennen, ich bin nicht abgelenkt. Und vor allem kann ich mein unkonventionelles Leben leben... :wink:

    Tschüß bis bald,

    fahre jetzt zu einem Herbstgrillfest meiner Ex-Arbeitsstelle. Bin schon mal gespannt... und freu mich auch drauf, die alten Haudegen wiederzusehen.

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred!

    Das stelle ich mir unheimlich schön vor: ein Fenster, von dem aus man mitten in einen Baum reinschauen kann... (bin Baum-Fan :wink: )

    Nee, ich bin nicht im Notzustand, auch wenn mein langes Singledasein manchmal sehr häßlich von Arbeitskollegen kommentiert wurde: die gehört mal wieder richtig .... So Sprüche kamen immer dann, wenn ihren sonst nix mehr einfiel. Denn in meinem Beruf bin ich gut.

    Ich hab nochmal in mich reingehört, als du das Thema angeschnitten hast. Ich hab mich gefragt, ob ich mir das Singledasein nur schönrede, oder ob ich die Zeit wirklich für mich nutze und zu schätzen weiß. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, daß ich wirklich zufrieden bin. Ich hatte früher Beziehungen, die jeweils etwa ein Jahr gingen. Dann 15(!) Jahre Singleleben. Dann eine Fernbeziehung von etwa 2 Jahren. Und seit über 2 Jahren bin ich wieder solo. Dann waren ja auch noch die 5 Jahre, in denen ich keinen Kontakt zu meiner Familie hatte.

    Ich hab mich wirklich stabilisiert in der Zeit. Habe seit 8 Jahren keinen Fernseher. Ich singe, lese, tanze, male, gehe wandern, bin mit meinen Tieren unterwegs, höre Radio, faulenze, bin im Naturschutzverein, esse u. koche bio, jogge, walke.. Wenn ich passiv wäre und das Singleleben als Schicksalsschlag begreifen würde, wäre ich sicher unglücklich. So aber genieße ich meine freie Zeiteinteilung und pflege nette Kontakte.

    Ich kann tun und lassen, was ich will. Und ich tue halt auch was! Das ist wohl der Punkt. Viele sitzen halt nur rum und bedauern sich.

    Das mit dem 'schwächsten Glied in der Familie' habe ich hier in einem Thread schon mal gelesen, weiß aber leider nicht mehr wo. Da antwortete eine Frau so ungefähr: eine Familie ist wie ein Mobile. Das Gleichgewicht ist nur da, wenn sich nichts verändert. 1 großes Teil, 2 Kleine; 3 lange, 6 kurze; so ungefähr. Und jeder hat in der Familie (Firma, Verein...) eine bestimmte "Rolle" zugewiesen bekommen. Nur wenn er die spielt, funktioniert der ganze große Rest!

    Ist dir schonmal aufgefallen, daß es in JEDER Schulklasse, Firma, Abteilung, Familie, Verein.. EINEN mobber, EINEN Starken, EINEN Schwachen, EINEN Schweinkramerzähler, EINEN Buhmann, EINEN Clown usw. gibt?? Nur so funktionieren Gruppen... Wenn dieser eine in Urlaub, Kur oder Rente geht, gibt es 100% jemanden, der dessen Rolle übernimmt, damit das große Ganze wieder "funktioniert".

    In einer bestehenden Gruppe, Familie kann man die zugewiesene Rolle nur sehr schwer verändern. Man hat ja dann alle gegen sich! Daher sollte man, wenn man sich selbst verändert hat eine neue Gruppe suchen, wo man besser reinpaßt. Eine eigene Familie gründen... Nee, die haben dich als DEN Schwachen gebraucht in dieser Familienkonstellation. Warum sollten sie ein Einsehen haben, oder gar Mitleid? Die merken nix. Die funktionieren einfach. Du spürst jetzt den Schmerz, die Trauer, die Verlassenheit all dieser Jahre. Aber bissel stärker noch als am Anfang höre ich auch heraus, daß du Mut faßt, dein Leben in die eigenen Hände zu nehmen, dich den schönen Dingen des Lebens zuzuwenden.

    Am Wendepunkt, die Blickrichtung verändern...

    Ich denke, die werden vielleicht nochmal antesten, aber dich dann in Ruhe lassen. Das mit dem kurzen Brief find ich gut. Keine Rechtfertigungen. Laß lieber Taten sprechen. Mach ich auch gerade wieder! Werde den Kontakt erneut abbrechen.

    Bis dann und Grüße an deinen Baum! Was für einer ist es denn?

    Linde :wink:

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • hi manfred

    hilfe, singlesein nur notzustand??? ne, kann mich linde nur anschließen, seh ich ganz und gar net so, ich fühl mich auch damit wohl :D hat schon seine vorteile und ich finds auch wichtig, eben einfach zu erfahren, das man des leben auch allein meistern kann.

    Zitat

    Ich hatte sogar schon mal die Vorstellung, sie würden dann versuchen, mich umzubringen... Keine Ahnung, wie realistisch das ist.


    :shock::shock::shock:
    sehr persönliche frage, ich weiß... wie kommst du da drauf? is ja wirklich net so ohne der gedanke find ich :?

    Zitat

    Schaffe ich es?


    wirste erst erfahren wenns soweit is und ich bin überzeugt von das in uns viel mehr steckt als wir denken. es is auch ne frage der zeit, ich kann mich an einiges erinnern wo ich von anderen hier drauf angesprochen wurde und von mir nur kam "will ich gar net, schaff ich net etc." und früher oder später isses doch darauf hinausgelaufen und ich fühl mich gut damit.

    ich würds gar net von nem bestimmten datum abhängig machen, denn ich glaub wenn du dich bereit dazu fühlst, dir sicher bist, dann willste das auch bald drauf durchziehn - das kann in 1 monat sein oder erst viel später. egal, wichtig is das du selbst dahinter stehst und dich damit wohl fühlst. und du wirst merken, wann DEIN zeitpunkt da is.

    Zitat

    Ja, vielleicht hält das Leben noch schöne Dinge für mich bereit


    also ich würds formulieren mit "ja, das leben hält noch viele schöne dinge für mich bereit" :lol:
    optimismus schadet nie find ich und hey, ich bin überzeugt von das leben hält für mich sowie für dich (und allen anderen hier) noch viel schönes parat :D

    liebe grüße -Dani-

  • Hallo Manfred!

    Geht's dir heute abend wieder bissel besser? Das Gefühlschaos kommt mir absolut bekannt vor... War bei mir nicht anders.

    Die alten Dinge passen nicht mehr zu einem, die neuen sind noch nicht so präsent. Dadurch tut sich eine Lücke auf, das berühmte Loch, in das man gerne reinfällt. :wink: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß diese Lücke, dieses Niemandsland, Neuland, Atempause - wie auch immer man diesen Schwebezustand benennt - eine Riesenchance ist. Man muß es nur 'ne zeitlang mal so sein lassen, offen sein nach allen Richtungen.

    Viele knallen sich in so einer Phase mit wer weiß was zu. Aber wenn man es schafft, die "Lücke" auszuhalten, dann erlebt man etwas Wunderbares: etwas Neues wächst heran. Neue Ideen, bisher nie gelebte Gefühle, ungetane Handlungen, neue besser passende Menschen. Man bekommt immer mehr Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit, weil man lernt, auf die leisen inneren Regungen zu hören. Die werden ja nun nicht mehr vom Familienstreit übertönt.

    Hey, ich habe auch einen "perfekten" Vorzeigebruder! Ich würde auch gerne Kontakt mit ihm, seiner Frau und vor allem seinen Kindern halten. Aber das ich sehr schwierig. Er bezieht eindeutig Position für unsere Alk-Mutter, unser beider Mißbraucher-Vater. Was könnte ich von meiner Schwägerin erwarten...? nee, die leben ihr eigenes Ding und schauen nicht rechts und links.

    Gerade denke ich, daß der Preis sehr hoch sein muß, den mein Bruder für das glattpolierte Image zahlen muß. Er verdrängt wie ein Weltmeister, aber seine körperlichen Symptome sprechen eine deutliche Sprache... Nee, ich möchte nicht mit ihm tauschen! Ich bin gerne NICHT perfekt, dafür seeehr lebendig! :D

    Wenn du dich wirklich gefährdet und bedroht siehst, dann schaff dir eine Gegensprechanlage, eine neue Tel./Handy-Nr. und ein Pfefferspray für die Hosentasche an. Und einen Rottweiler. Zum Sport machen und auch zum schmusen auf der Couch. Ich sag das mit 'nem Augenzwinkern, o.k.? Du sagtest ja, daß eure Auseinandersetzungen sehr, sehr aggressiv verlaufen sind. Ich kann mir schon gut vorstellen, daß dich das sehr beschäftigt, wie die wohl reagieren werden.

    Ich bin immer noch der Meinung, daß die dich wahrscheinlich antesten werden, ob du einknickst, dich aber dann in Ruhe lassen werden. Meine Erfahrung jedenfalls war so...

    Manfred, das mit dem erneuten Kontaktabbruch werde ich in meinem Thread schreiben, vielleicht heute abend spät. Muß mich da selber nach dem gestrigen Erlebnis erst rantasten. Aber heute ging es mir gut. Ich war innerlich leer, aber auf eine gute Art. Wie wenn eine Riesenlast von mir abgefallen ist.

    Habe vorhin zum erstenmal diesen Herbst in meinem Ofen Feuer angemacht! Es ist einer mit Guckfenster vorne, ich kann die Flammen beobachten, wunderschön! Ja, ich genieße die Ruhe bei mir daheim sehr.

    Die Veränderung, das Wunder passiert immer in uns drin. Du machst das schon! Und WAS für dich dran ist und WANN es soweit ist, das spürst du ganz bestimmt.

    Alles Liebe, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Zitat Manfred

    Warum könnte ich mir vorstellen, dass meine Eltern vesuchen würden, mich umzubringen? Es ist einfach dieses Aggressionspotential in dieser Familie, das mir zu denken gibt. Diese gaballten Angriffe, die ich mein Leben lang abbekommen habe

    Hallo Manfred,

    so haben wir es als kleine Kinder erlebt, dieses Aggressionspotential der streitenden Eltern, war für uns, als wenn es um Leben und Tod ging.

    Ich habe mal gelesen, dass es für Alki-Kinder so zu Hause ist, als wenn ein Dinosaurier im Wohnzimmer wäre. Das macht panische Angst.

    Heute sind wir erwachsen, sie können uns nichts mehr tun, wir sollten nur lernen uns gut abzugrenzen, und ihre verinnerlichten Verhaltensweisen über Bord zu werfen.

    Wann ist man erwachsen, wenn man seinen eigenen Standpunkt, egal bei wem vertreten kann. Auseinandersetzungen sollten nur im nüchternen Zustand geschehen, ansonsten sind Unterhaltungen sinnlos.

    Flüchten oder Rückzug ist kindliches Verhalten.

    Ich bin froh, dass meine Kinder mich herausforderten, indem sie mir klar ihre Grenzen aufgezeigt haben. Dadurch habe ich einen guten Entwicklungsprozess machen dürfen.

    Vielleicht wäre es in Briefform möglich, Deinen Eltern mal mitzuteilen, unter was Du bisher bei Ihnen gelitten hast.

    Bist Du eigentlich in Therapie? Ich kann mich jetzt nicht erinnern. Wäre nämlich auch eine Möglichkeit, Vergangenes aufzuarbeiten, und eigene Ängste zu verringern.

    Liebe Grüsse Weitsicht

  • Hallo!

    Weitsicht, bei dir finde ich immer Denkanstösse.

    Zitat

    so haben wir es als kleine Kinder erlebt, dieses Aggressionspotential der streitenden Eltern, war für uns, als wenn es um Leben und Tod ging.Ich habe mal gelesen, dass es für Alki-Kinder so zu Hause ist, als wenn ein Dinosaurier im Wohnzimmer wäre. Das macht panische Angst.

    Dann war es bei mir eine Tyrannosaurus Rex-Herde...! :shock:

    Du hast das sehr gut beschrieben. Ja stimmt, vielleicht ist es die ALTE Angst, die in einer aktuellen Situation hervorkommt. Ich kenne das gut, daß ich in eigentlich ganz "normalen" Situationen plötzlich eine Assoziation habe und dann nicht mehr im aktuellen Geschehen bin, sondern gefühlsmäßig im ALTEN Geschehen.

    Zitat

    Flüchten oder Rückzug ist kindliches Verhalten.

    Schon, aber ist es nicht so, daß man sich manchmal einfach besser aus bestimmten Situationen rausnimmt, damit nicht alles bei einem selbst noch schlimmer wird? Oder, daß man sich in manche Situationen erst gar nicht reinbegibt, solange man sich dem noch nicht gewachsen fühlt?

    Manfred, wenn ich das augenscheinlich glattgebügelte Leben meines Bruders betrachte, dann kam bei mir schon als mal der Neid auf. Das ist inzwischen vorbei. Weißt du, er ist mein KLEINER Bruder! Und ewig wurde er mir als das Vorbild präsentiert! Was er alles hat, was er alles kann, was er alles erreicht hat... Keiner hat eine Sekunde darauf geschaut, was ich "habe", "erreicht habe", "kann"... Meins zählt nicht. Interessiert sich auch keiner dafür, fragt keiner danach. Ist wohl nicht konventionell und vorzeigbar genug, grins!

    Wichtig ist, daß man selber mit sich einverstanden ist und sich glücklich/einverstanden mit seinen Entscheidungen fühlt. Und das tue ich. Wenn allerdings so Phasen der Unentschlossenheit länger andauern, da fühle ich mich nicht wohl, sicher. Dann bin ich auch angreifbarer als sonst. Aber daran arbeite ich.

    Zitat

    Trotz allem mag ich auch meine intensive Gefühlswelt mit ihren Tiefen, aber auch Höhen.

    Stimmt!

    Gruß von der Linde an die Tanne! :D

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred, guten abend.

    Als ich das gelesen habe

    Zitat

    Ich bekam auch so eine Wut, dass ich der einzige auch dieser Sch...familie bin, der sich um Heilung bemüht, der sich ehrlich mit den Dingen auseinandersetzt. Ich bin der Gesündeste und bin ständig in Behandlung...Und die machen schöne Reisen und trinken und genießen das Leben.

    da habe ich gedacht, daß ich genau identisch den Satz auch hätte schreiben können... Im Endeffekt ist es aber nur der Abklatsch eines echten Genusses, was die leben. Große Reden schwingen, großartige Familienfeste feiern und Urlaubsreisen machen, die nichts anderes sind als Anlässe zum Trinken. Nee, da verzichte ich gerne drauf.

    Das mit dem Meeting war ja offensichtlich eine Bereicherung für dich! Was "geschlossen" bedeutet? Kann selbst nur raten. Aber das läßt sich rauskriegen. Meine Mutter nimmt auch Tabletten aller Art, so lange ich denken kann. Sie war beruflich im weißen Kittel unterwegs, da ist es seehr leicht, an Tabletten ranzukommen, um mal auszuprobieren... Und irgendwann ließ sie sich all die bunten Glücksbringer von diversen Ärzten verschreiben.

    Eine Bekannte von mir, etwa 35 Jahre alt, ist auch Weißkittel, trinkt, nimmt auch Tabletten... Ich habe sie darauf angesprochen, sie hat sehr vehement den Kontakt zu mir abgebrochen. Ich hätte ihr eh nicht helfen können, und eine Einsicht hat sie nicht. Die Kombination Alkohol u. Tabletten scheint bei Frauen recht häufig, lese ich auch hier in anderen Threads.

    Alkoholismus hat sooo viele Facetten, wie es Betroffene gibt. Der eine liegt unter der Brücke, der andere sitzt im schicken Anzug täglich in der Szene-Kneipe. Deine Eltern, meine Mutter, bei jedem sieht's anders aus, aber alle sind sie Alkoholiker. Für uns EK macht es keinen Unterschied, wie die Eltern ihren Zustand benennen, ob sie sich "outen" oder nicht! In dir drin hast du schon längst die Antwort auf deine Thread-Überschrift. Du kannst dich noch monatelang mit der Frage rumplagen, aber du könntest es auch einfach weglassen und stattdessen den Focus auf dich richten. Das ist doch lohnenswerter, oder nicht?

    Sie leben IHR Leben so gut oder schlecht sie können. Und nur sie können ihr Leben verändern, wenn sie beginnen an sich zu arbeiten. Wir haben da keinen Einfluß darauf. Sie sollten sich die Frage stellen! Tun sie aber nicht. Ist halt leider sol

    WIR leben unser Leben! HIER ist der richtige Ort, wo wir uns austoben können! 8) Ich gehe in Situationen und Begegnungen, die mir gut tun, umgebe mich mit Menschen, die mich interessieren. Mache Sachen, die mir Spaß machen, mich bilden, mich fordern.

    Und aus schlimmen Situationen nehme ich mich raus! Das finde ich sehr wichtig! Es ist keine Flucht, kein kindliches Verhalten, kein Versagen oder so etwas. Früher als Kind waren wir hilflos ausgeliefert. Wir waren ohnmächtig. Unsere Grenzen wurden überschritten, wir wurden emotional mißbraucht oder völlig überfordert. Heute können wir uns aus solchen Situationen rausnehmen, damals hat dem kleinen Kind keiner die Hand gereicht und gesagt: komm, wir gehen!

    Ich weiß von mir, daß ich kämpfen kann, wenn es darauf ankommt. Aber in unnötige Kämpfe reinzugehen fände ich dumm. Nee, da gehe ich lieber mit meinen Eseln auf Wanderschaft... :D

    Hey, deine Tanne scheint nett zu sein! grins

    Alles Liebe, bis denn, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Nee, oder???????? Du auch???? Ein Muli? zumindest mal eines gehabt... das zählt auch! :D

    Hallo Manfred!

    Dein Kreisen um diese Frage kommt mir vor, wie wenn du darauf wartest, daß jemand von außen kommt, und bei dir den Startknopf drückt: JETZT darfst du endlich anfangen zu leben!

    Ich hatte noch eine andere Assoziation: "Herr, sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund." (kennst du vom Reli-Unterricht...)

    Du bist nicht schuld daran, daß deine Eltern sich so verhalten. Das ist ja das gräßliche in Alkoholiker-Familien, daß die es fertigbringen alles umzudrehen! Sie sind die Eltern, wir die Kinder. Sie haben die Verantwortung - und du fühlst dich verantwortlich. Sie projizieren ihre Gefühle in uns rein und wir haben den Mischmasch dann in uns drin! Ihre in uns reinprojizierten Gefühle und unsere eigenen!

    Raus mit allem, was nicht ICH ist! Das ist mein Fahrplan. Manchmal schwierig rauszufinden, was meins und ihrs ist. Wenn man jahrzehntelang darauf programmiert wurde, denen ihre Verantwortung zu leben... Aber die Sortierarbeit lohnt sich. Es klärt sich und mit der Zeit kriegt man Routine beim Chaos-Sortieren. :wink:

    Du hast da was ganz wunderbares geschrieben:

    Zitat

    Ich fühle tief in mir ein kleines Licht, ein kleines Stück tiefer Erkenntnis, dass ich genau richtig bin, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit und dass diese negative Vorstellung von mir selbst ein großer Irrtum war. Das war die Finsternis, das Böse, dass meine Eltern mir eingegeben haben.


    Das entspricht wohl dem Bild, das ich habe: Ich habe einen Kern in mir drin. Der war da VOR dem Mißbrauch, VOR den Schlägen mit dem Gürtel, VOR dem Wegschauen der Mutter, VOR dem sauren Alkoholgestank der Mutter, VOR den herabwürdigenden Bemerkungen, VOR der völligen Gleichgültigkeit an mir als Mensch.

    Es liegt an mir, diesen inneren Kern in eine innere Wiese einzupflanzen, ihn mit all dem reichlich vorhandenen MIST zu düngen und eine Linde daraus wachsen zu lassen! Und schwupps ist meine Verantwortung bei mir. Ich genieße es inzwischen, für mich - und nur für mich! - verantwortlich zu sein.

    Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere... Gruß von Katz zu Katz!

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    Zitat von Manfredsch


    Diese Familie ist hochgradig zerstörerisch und ich habe so lange geglaubt, dass dieses Böse, das ich dort erlebte, das Leben und die Wahrheit über mich ist.

    Es ist nie zu spät zu erkennen und sich zu ändern! Klar die lange Zeit der Gewohnheit an diese Gefühle macht es nicht leichter, aber vertrau in dich und deine Kräfte. Du kannst das schaffen, sag dir das vielleicht ganz bewusst in solche depressiven Momenten. Oder noch besser schreib es dir auf, hängs dir an den Spiegel...die üblichen Psychotricks, sie wirken!

    Lieber Gruß, Roa

  • Hallo Manfred,

    keine Panik. Bei älteren Frauen sehr weit verbreitet aufgrund der Hormonumstellungen kann es sein, daß sich die Knochen mit den Jahren "entkalken". Das heißt Osteoporose. Bin kein Doc, aber so aus der Ferne betrachtet könnte es das sein. Kannst ja mal nachfragen. Oberschenkelhalsfrakturen können dann vorkommen oder halt auch diese Wirbelkörperzusammenbrüche, je nachdem, wie porös die Knochen sind. Wenn es das ist, dann ist das ein VÖLLIG NORMALER Alterungsprozeß, manche Frauen kriegen es, andere nicht so arg, andere gar nicht.

    Ältere Herrschaften kriegen halt auch mal was! Sie haben auch mal Schmerzen, kommen ins KH, all sowas. Wenn dich das dann jedesmal triggert, dann tippen die die Dominoreihe an, klack, klack, klack - und am Ende liegst DU da... Der Alkoholiker-Familien-Umdreh-Effekt: Die Eltern programmieren die Kinder zu ihren Helfern, ihren Co's. Und wir EK hüpfen, sowie das entsprechende Knöpfel gedrückt wird.

    Mach dich nicht durcheinander. Sie ist ja in guten Händen im KH. Ihr Mann kann sie besuchen. Und du kannst ihr dahin 'ne nette Karte für's Nachttischel schicken. Wenn du dich nicht stabil genug fühlst für einen Besuch, dann tu dir das nicht an. Alles in dir drin schreit doch NEIN. Alternative: Mach Sport, spiel Bach's Partiten für Violine solo oder lerne paar deftige spanische Kraftausdrücke :wink: egal, Hauptsache raus mit dem was dich da umtreibt.

    Das Gefühl Ich-bin-schlimm, die Scham, das Schuldgefühl, das bist alles NICHT DU! Das sind Gefühle, die die in dich reinmanipuliert haben.

    Zitat

    Was macht man in solchen Momenten, wenn diese Scham-/ Schuldgefühle einen beherrschen?


    Geh auf Anfang:

    Zitat

    Ich fühle tief in mir ein kleines Licht, ein kleines Stück tiefer Erkenntnis, dass ich genau richtig bin, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit


    DAS bist DU! Konzentrier dich auf dieses kleine Licht in dir, lasse es dich innendrin wärmen, lasse es strahlen, dir den Weg aufhellen.

    Vielleicht magst du ja symbolisch ein Teelichtel anmachen, so als "Eselsbrücke"...

    Alles Liebe von Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    nur so eine Idee von mir: kann das nicht einfach ein Weglassen sein?

    Abbruch hört sich so anstrengend an. Mit vielen aufwühlenden Gefühlen, Heftigkeit, Lautstärke, vielleicht häßlichen Szenen und Streiterein. All das, wovor es dich eh die ganze Zeit schon graust... Sowas eskaliert gerne mal.

    Aber ich weiß von mir selbst, daß ich manche Schritte nur gehen konnte, wenn ich sie mit äußerster Heftigkeit ging. Sonst hätte ich sie gar nicht gehen können. Manchmal geht kein schleichender Übergang, da geht nur volle Fahrt voraus.

    Ich hab meine Kontakte in den letzten 2 Wochen einfach einschlafen lassen... Ohne noch große Worte zu machen. Ich rechtfertige mich nicht mehr, sondern komme, sage hallo, tschüß, und gehe wieder. Wenn sich ein kleiner Wortwechsel über die Tiere o.ä. entspinnt ist's o.k. für mich. Das Ganze läuft sehr unaufgeregt ab. Ich verhalte mich ihnen gegenüber neutral bis freundlich. Und "tschüß, ich muß los, hab was zu tun!" ist mein Rausgehsatz. Und dann gehe ich, ohne auf den "sterbenden-Schwan-Blick" meines Vaters einzugehen.

    Voraussetzung war, daß ich in mir drin irgendwann mal klar war. Ich tue mir schwer, das zu erklären. Ich habe ja immer wieder davon geschrieben, daß ich alles weglassen will, was nicht ICH ist. Das habe ich auf allen möglichen Ebenen versucht anzugehen: Kleidung, Ernährung, Hobbies, Arbeitsplatz, Freunde - ich habe alles daraufhin abgeklopft, ob ich das SO wirklich haben will, brauchen kann, es mir gut tut, mir wichtig ist...

    Scheinbar ist es jetzt so, daß ich so viel weggelassen habe, daß jetzt ICH pur übriggeblieben bin. Fühle mich verdichtet, geklärt, konkret - aber auch neu... In mir drin ist Ruhe. Die können so sein wie sie wollen. Und ich bin so wie ich bin. Ja klar, ich brauche 30 km Abstand zwischendrin, dann fällt mir das alles leichter. Aber trotzdem: wenn ich sie mal sehe oder höre, dann kommen sie nicht mehr an meinen inneren Kern dran.

    Ich merke gerade, daß ich das noch nicht so ausdrücken kann, wie ich es gerne wollte. Es ist ein neuer Gefühlszustand für mich. Ich habe mich IMMER in Relation mit meinen Eltern oder auch anderen Menschen gesehen. Jetzt scheine ich mich zum erstenmal überhaupt FREI zu bewegen.

    Das mit deiner Wut hat mich an einen Satz erinnert, den ich mal in einem Buch gelesen habe, so ungefähr: die Grundlage deiner Heilung ist dein Zorn. Die GRUNDLAGE, wohlgemerkt! Solange du niemanden um die Ecke bringst, ist Zorn in Ordnung. Wir dürfen schließlich alle Gefühle haben, auch die "verbotenen". Und wie du selbst schreibst, trägt dich dein Zorn duch diese Zeit, ist dein Motor, dein Startkabel, und irgendwann ist er auch wieder weg...

    Den rechten Zeitpunkt habe ich im Bauch gespürt. So bedeutungsschwangere Termine wie Weihnachten und Neujahr finde ich sehr schwierig. Da sind schließlich die Erwartungen aller am größten. Nee, lieber an einem Tag, wo es DIR danach ist.

    Brennt dein Lichtel?

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred, dir einen schönen Sonntag!

    Ich weiß nicht, woran genau ich es festmachen sollte, aber ich habe den Eindruck, daß du in dir stabiler geworden bist, das dringt durch deine Zeilen.

    Du beschreibst da eine Szene, die ich auch so ähnlich kenne:

    Zitat

    Es war eigentlich ein nettes Gespräch, was mich nur wieder irritiert.

    Wir EK sind sowas von mißtrauisch! Wenn gerade mal alles ruhig und friedlich war, kam 100 %ig der Tyrannosaurus Rex hinterm Sofa vorgeschossen und hat Jagd auf uns gemacht. Bei mir war wirklich nur draußen in den Ställen richtig und stetig Ruhe. Im Haus drin war ich nie sicher.

    Ich kann gut verstehen, daß du unruhig wirst, wenn mal ein Gespräch ruhig verläuft. Wir haben in jeder einzelnen Körperzelle abgespeichert, daß sich Ruhe in Sekundenbruchteilen in Exzesse verwandelt hat. Warum sollte das jetzt anders sein? Also sind wir vorsichtshalber in erhöhter Alarmbereitschaft... und haben irgendwann dewegen ein Magengeschwür oder sonst was!

    Deswegen ist es so wichtig, aus dieser passiven Opferrolle rauszugehen, damit wir langfristig nicht krank werden an Leib und Seele. Ich gehe in Begegnungen nicht mehr rein. Wenn sich denn doch mal welche ergeben, dann achte ich darauf, daß ich die Regeln festlege: ich komme und gehe, wenn ich es will. Ich öffne mich nicht. Ich erzähle nichts persönliches über mich.

    Zitat

    Ich würde mich mit der Äußerung meiner Gefühle verletzbar machen

    Das sehe ich auch so. Ich muß denen ja schließlich nicht auch noch die Munition für ihren nächsten Angriff liefern...

    Du beschreibst da ein Erlebnis, das mich wirklich rührt.

    Zitat

    Ich war 20 und wurde zu meinen Eltern bestellt (am 2. Januar) und von heute auf morgen ausgespuckt wie eine faule Beere, es wurde mir im Flur der Haustürschlüssel zu dem Haus meiner Eltern abgenommen.

    Wie verletzt muß du dich damals gefühlt haben... zum ohnmächtigen Opfer degradiert, handlungsunfähig. Kein Wunder, daß es dir jetzt so wichtig ist, die Weichen JETZT selber zu stellen! So eine demütigende Szene wollte ich auch nie wieder erleben.

    Aber eigentlich wäre es doch ganz "praktisch", wenn SIE jetzt den Kontakt abbrechen, dann bräuchtest du dir über das wie und wann keine Gedanken mehr zu machen. 8):wink:

    Du könntest ihre bühnenreife theatralische Szene mit innerem Abstand betrachten. Und ganz stark,ruhig und mit dir selbst im Reinen könntest für dich allein ein ganz persönliches Abschiedsritual feiern! Faule Beeren in einem Loch im Wald vergraben zum Beispiel... Weißt du, ich habe gemerkt, daß es reicht, in mir drin und für mich selbst Zeichen zu setzen. Dann ist es unnötig, in gefährliche Begegnungen reinzugehen. Was muß ich meinen Eltern/meinem Bruder beweisen? Es reicht, wenn ich mein Leben lebe.

    Die Schritte in sich selbst gehen. Die Zeichen in mir, für mich selbst setzen. Symbolische Handlungen, kleine Rituale für MICH selbst machen, um wichtige Wendepunkte in MEINEM Leben zu markieren.

    Herbst. Dein Licht brennt. Und mein Kern ist in der geduldigen Erde.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    ich möchte nur Linde rasch beipflichten:

    Zitat von Linde66


    Ich weiß nicht, woran genau ich es festmachen sollte, aber ich habe den Eindruck, daß du in dir stabiler geworden bist, das dringt durch deine Zeilen.


    Mein Eindruck ist ähnlich.

    Ich wünsche dir, dass du jetzt die Kraft, den Mut und die Ruhe in dir drinne findest um das alles zu meistern, dass sie da ist, da bin ich mir sicher ;)

    Schönen Abend!! Roa

  • Hallo Manfred!

    Das mit den kleinen Ritualen hab ich aus mir selbst raus entwickelt. Wahrscheinlich war eine meiner Vorfahrinnen eine Hexe oder ein Kräuterweiblein...

    Ich bin da mit der Zeit immer mutiger geworden. Damit meine ich nicht, daß ich spektakuläre Sachen mache. Sondern ich höre in mich rein, was denn jetzt gerade paßt, und das mache ich auch, selbst wenn es erst mal bissel verrückt anmutet.

    Ich finde es befreiend, wenn ich in einer Art Ritual, kleiner Zeremonie o.ä. einen Wendepunkt in meinem Leben markieren kann. Oder eine bestimmte Lebensphase abschließen kann. Und vor allem: lange zurückliegende Ereignisse für mich selber wenn es für MICH soweit ist endlich abschließen kann. Warum also nicht alte Beeren im Wald vergraben unter einem Baum, an einem Felsbrocken? Oder gammelige Äpfel so weit man kommt in den Fluß werfen?

    Ich saß mal viele Stunden am großen Fluß. Ich hatte einen Filzstift dabei. Ich malte die Maserungen der Steine nach. Ließ mich von den verschiedenen Mustern berühren, anregen. Und schrieb Worte auf die Steine. Es war ein sehr sehr schmerzhafter Prozeß. Ich warf die Steine nacheinander in den Fluß und übergab ihm symbolisch den Ballast, der die ganzen Jahre auf meiner Seele lag. Es war ein Abschlußritual. Danach war ich erschöpft aber auch befreit. Falls mir jemand zugeschaut hat, hat er nicht mehr gesehen als eine Frau, die Steine ins Wasser wirft.

    Das folgende habe ich in einem anderen Thread zu dem Thema mal geschrieben, irgendwie paßt es auch hierher:
    Ich hab mal unsäglich getrauert um ein inneres Kind, ein kleines Mädchen, das ich mal war und das mißbraucht worden ist. Ich hab für die Kleine ein Weidenkörbchen gestaltet mit Goldpapier beklebt. Innendrin sind weiße Federchen und Goldfäden. Es ist ein sehr zartes feines goldenes Bettchen geworden. Darin habe ich -symbolisch -das kleine Mädchen geborgen. Wenn jemand in meine Wohnung kommt, denkt er vielleicht, das ist Kunst. Nur ich weiß, was es wirklich bedeutet.

    Mir ging es mal nicht gut, das war noch in einer früheren Wohnung. Es war kurz vor meinem Auszug, und der Vermieter führte scharenweise Menschen durch mein Privatleben, weil er das Haus verkaufen wollte. Vorbeugend habe ich auf JEDE einzelne Türschwelle, auf jede unterste Treppenstufe und direkt vor die Haustür einen kleinen weißen Kreidepfeil gemalt, der nach draußen (!) zeigt. Keiner hat's bemerkt und ich hatte das Gefühl: o.k., die trampeln hier rum, aber die gehen auch wieder! und sie können mich im Innersten nicht berühren, selbst wenn sie meine Wohnung betreten haben.

    Es muß einfach für einem selbst und für die Situation stimmen. Und wenn man den verrücktesten Phantasien nachgeht, dann ist es individuell und man kommt mit seiner innersten Kraft in Kontakt.

    Sich zu schützen ist wichtig. Am alten Arbeitsplatz hatte ich einen Kollegen, der die Frauen ständig mit Schweinkram zutextete. Ich habe mir vorgestellt, daß um mich herum ein Kreis ist, den seine Worte nicht durchdringen konnten. Und mir ging es dann gut. Oder ich stellte mir vor, daß direkt vor mir ein Spiegel steht, die Spiegelfläche in SEINE Richtung, sodaß der ganze Ekelkram zu ihm zurückgespiegelt wurde. Innerlich machte mich das völlig frei.

    Gutgehen ist wirklich unabhängig von dem Außenrum, und das ist auch gut so! Sonst sind wir ein Spielball unserer Mitmenschen und Lebensumstände. Nee, für's Gutgehen simmer selber zuständig! :wink:

    Donnerstag ist Vollmond. Perfekt für eine Nachtwanderung... 8)

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Linde,

    das klingt so schön mit den kleinen Ritualen und ist nicht das "verrückte" das tolle daran. all dieses anpassen, das haben wir doch in unsrer kindheit schon zur genüge zu sein. zeit wir selbst zu sein

    Zitat von Linde66


    Ich hab mal unsäglich getrauert um ein inneres Kind, ein kleines Mädchen, das ich mal war und das mißbraucht worden ist. Ich hab für die Kleine ein Weidenkörbchen gestaltet mit Goldpapier beklebt. Innendrin sind weiße Federchen und Goldfäden. Es ist ein sehr zartes feines goldenes Bettchen geworden. Darin habe ich -symbolisch -das kleine Mädchen geborgen. Wenn jemand in meine Wohnung kommt, denkt er vielleicht, das ist Kunst. Nur ich weiß, was es wirklich bedeutet.

    ich bin vorhin in dem buch was ich gerade gelesen hatte zu der stelle gekommen wo es darum geht, dass wir nun als erwachsene dem kleinen kind das wir mal waren die liebe und geborgenheit geben können, dass es nie bekommen hat. ich denke, dass war deine art es zu tun. mir ist dabei aufgefallen, dass ich gar nichts in meinem zimmer habe was mich an das kleine kind, dass ich mal war, erinnert. wenn ich weihnachten zu hause bin, werde ich mir fotos und vllt kinderzeichnungen mitnehmen und ihnen einen besonderen platz geben, genauso wie das kleine kind einen besonderen platz in meinem herzen einnimmt.

    lieber gruß, roa

  • Hallo Roa, hallo Manfred,

    das mit den Ritualen habe ich auch in der Traumatherapie kennengelernt, war aber schon vorher aus mir selbst heraus in der Richtung unterwegs.

    In der Traumatherapie bei mir ging es ja auch darum, die inneren "eingefrorenen" Kinder zu entdecken, sie vorsichtig zu berühren und schauen, was ihnen fehlt... Und sie dann zu versorgen.

    Jetzt als Erwachsene, kann ich die kleinen Kinder, die ich mal war, mit aller der Liebe und Verständnis versorgen. Ich bin jetzt 42. Von 38-40 ging die Traumatherapie. Vorher hätte ich es nicht gekonnt, mich den inneren Kindern zuzuwenden. Die schmerzhaften Erinnerungen waren zu überwältigend.

    Aber für diese "Begegnungen" gibt es ja den Schutzraum des Therapiezimmers. Und es gibt gute Bücher über Traumatherapie z. B. von Luise Reddemann. Sie arbeitet auch viel mit Ritualen, Symbolen, Bildern...

    Das Wort "verrückt" beschäftigt mich: ver-rücken, mal die festzementierten Strukturen infrage stellen.. etwas ganz anders machen als gewöhnlich... mal die eingefahrenen Gleise verlassen.. die Dinge an einen anderen Platz rücken...

    Da bin ich doch gern bissel verrückt mit meinen kleinen Ritualen! 8) Und draußen inmitten der Natur geht mir einfach das Herz auf. Da fühle ich mich sicher.

    Manfred, was machen eigentlich unsere Schafe???

    mäh! und gut nacht, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    jetzt mußte ich aber doch grinsen:

    Zitat

    dass Du, Linde, in so relativ kurzer Zeit so viel erreichen konntest.

    Ich kann mit dir und deinen 25 Jahren Therapie ganz gut mithalten! Angefangen hab ich mit vielen Jahren Verhaltenstherapie. Dann kamen z. T. parallel dazu 2x versuchsweise SHG, war damals aber nicht das Richtige für mich. Dann Körpertherapie (Atemtherapie n. Ilse Middendorf) bis zum heutigen Tag. Kunsttherapie eine zeitlang. Und wie gesagt die 2 Jahre Traumatherapie. Alles ist relativ, sagte schon Einstein... Ich habe alles angenommen, von dem ich merkte, daß es mir hilft. Wie lang das dauert? Völlig wurscht! grins

    Ja, was ist seelisches Trauma?

    Ich würde sagen eigentlich ALLES, was die menschlichen Belastungsgrenzen übersteigt. Egal ob das ein einmaliges Erlebnis ist oder ob man über einen längeren Zeitraum einer schlimmen Situation ausgesetzt ist. Wenn nicht die Möglichkeit besteht, das Geschehene für sich aufzuarbeiten, es in die eigene Biographie zu integrieren, sondern es in einem drin unbearbeitet "eingefroren" wird, dann ist man traumatisiert. In sogenannten 'Flashbacks' sauste ich gefühlsmäßig 1000x wie in einer Zeitmaschine aus der Ist-Zeit in die Vergangenheit hinab. Auslöser dafür waren oft Gerüche, Geräusche, bestimmte Dinge, Orte, Gesten.

    Eine einmalige Gewalterfahrung kann evtl. genauso schwer verarbeitet werden, wie jahrelanger Mißbrauch, Vernachlässigung oder Demütigung. Wenn du dich näher informieren willst, schau mal bei w*k*ped*a unter "Trauma (Psychologie)". Diese Definition finde ich sehr gut. Und bei Luise Reddemann finden sich sehr gute Bücher. Mir hat das Lesen von Fachbüchern immer geholfen, hinter die Dinge zu kommen.

    Zitat

    Was könnte ich denn diesem Jungen heute mal Gutes tun?

    Frag ihn einfach. Reddemann schreibt von der 'inneren Konferenz'. Wende ich sehr oft an. Bei mir sind es mehrere innere Kinder in verschiedenen Altersstufen, mit z. T. konträren Bedürfnissen. Außerdem kann man sich einen 'inneren Helfer' vorstellen.

    Eines meiner inneren Kinder ist ein etwa 10jähriges Mädchen mit völlig roher, verbrannter Haut. Sie ist gut aufgehoben an einem ganz besonderen inneren Ort, den ich per Imagination für sie geschaffen habe: eine schöne Tropfsteinhöhle, kühl, feucht, wo ihre Haut nicht mehr brennt und sie keine Schmerzen mehr hat. Ihr innerer Helfer und der einzige Begleiter, den sie bei sich akzeptiert ist eine Fledermaus.

    Vielleicht geht das hier zu weit? Es gibt ja hier im Forum einen Thread "Wie weit darf die Hilfe im Forum gehen?" oder so ähnlich.. Ich schreib hier nichts aus Büchern ab, es ist mein Weg, vielleicht kannst du dir ja was davon rauspicken. Für jeden ist der Weg anders.

    Du merkst, daß sich Imagination (sich mit dem inneren Kind unterhalten, es an einen sicheren Ort bringen, es versorgen mit allem was es jetzt braucht) und Rituale (kleine Zeremonien, die man tatsächlich durchführt) irgendwie ähneln, man sie sogar kombinieren kann. Manchmal habe ich mich sogar von Träumen inspirieren lassen. Ich finde das ganze Thema total spannend. Wir Menschen haben das Bedürfnis, daß sich ein Erlebnis "rund" anfühlt, die Dinge zu einem guten Ende kommen. Mir ist es gelungen, auf die eben beschriebene Art, meine Traumatisierungen in meine Biographie zu integrieren. Es fühlt sich jetzt gut und rund an. - Merke gerade, wie erleichtert ich darüber bin.

    Zitat

    " Ich bin nicht schlimm, ich bin gut so und liebenswert."

    Du bist genau richtig, so wie du bist. Wie du auf deinem Weg bist - bzw. deinem Fahradweg! :wink: Bei mir ist's zu buckelig zum radeln, ich bin deswegen immer auf Wanderschaft. Hauptsache wir sind alle hier in Bewegung, UNSERER Bewegung auf UNSEREM Weg.

    Bis denn, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo, nur ganz kurz, muß auch gleich weg.

    Zitat

    Sind diese Zugeständnisse nun Merkmale dafür, dass ich doch gute Eltern habe? Darf ich mich nun doch nicht lösen und schuldfrei fühlen?

    Völlig egal, ob sie "mal" Einsicht in ihr Fehlverhalten hatten bzw. ob man gute oder schlechte Eltern hat (und meistens sind sie ja eine aberwitzige Mischung aus allem!) darf man sich lösen, muß es sogar, um zu wachsen und seinen eigenen Weg zu gehen. Und schuldfrei bist du sowieso! WIR WAREN KINDER! SIE WAREN DIE ERWACHSENEN!!! Ich frag mal bewußt provozierend: bin ich schuld, daß mein Vater mich angefaßt hat? nur weil ich existiert habe? nur weil ich ein Mädchen war? und hübsch aussah? NEIN, ich bin nicht schuld! Hey, ich war 4! und 5 und 6 und.....17 Jahre alt. Manfred, wir waren Kinder! Und kein Argument auf diesem Planeten entschuldigt IHR Verhalten!

    Erklären kann man ihr Verhalten vielleicht. Die Eltern haben es aufgrund ihrer eigenen Biographie so gut oder schlecht gemacht in der Erziehung wie sie es eben konnten... Das sehe ich bei meinen Eltern so. Sie haben ihre guten Anteile und die Monsteranteile. Wir haben gute und schlechte Eltern gleichermaßen...

    Aber völlig unabhängig davon DÜRFEN wir unseren eigenen Weg gehen. Vor schlechten Eltern hast du Angst und traust dich nicht, dich zu lösen? Bei guten Eltern traust du dich nicht zu lösen, weil du dich verpflichtet fühlst? Woran fühlst DU dich schuldig/verantwortlich - an ihrem Gutsein, an ihrem Schlechtsein? Hier ist wohl wieder der Alkoholiker-Family-Umkehr-Mechanismus am Werk: die Kinder kriegen vermittelt, daß sie für das Verhalten und Befinden der Eltern verantwortlich sind. Bl*dsinn! (tschuldigung!) Mit mir geht's grad durch.

    Schau mal auf ihr SO-SEIN. Sie SIND diese Mischung. Sie sind gut und schlecht und nicht perfekt und sie sind so wie SIE sein WOLLEN! Und du mußt nicht deine Entscheidungen davon abhängig machen, wie ihr SO-SEIN oder ihr Verhalten ist. Wir Kinder sind nur uns selbst verpflichtet, wir sind selbst verantwortlich dafür, daß es uns gutgeht. Und wenn das heißt Abstand, dann stell Abstand her: du darfst nicht nur, sondern du solltest, damit es dir gut geht und du zur Ruhe kommst. Kannst dir ja dabei vorstellen, du nimmst das innere Kind an die Hand und sagst: komm wir gehen und suchen uns ein ruhiges Plätzel...

    Ich find's wirklich ziemlich verworren, aber vielleicht entwirrt sich das Ganze noch! Und ich merke, das Thema hat absolut auch mit mir was zu tun!

    Linde, der viel im Kopf rumgeht.. vielleicht schreib ich heut abend nochmal

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,


    ich bin da ganz Linde's meinung. auch wenn ich mich jetzt was kürzer gefasst hätte ;)

    unsere schuld ist gar nichts, zu verstehen helfen uns solche menschen und um zu verzeihen. verpflichten tut uns das zu nichts.

    zum thema therapien: ich glaube 100% unsrer gesellschaft könnten aus therapien so einiges ziehen und lernen, natürlich für jeden nicht gleichakkut, aber über das leben und über sich selbst zu lernen auf so eine intensive art das bringt doch jedem was.

    Was die Frau aus deine shg meinte, lass dich davon nicht zu sehr beeinflussen, wie du selbst sagst sie kennt nicht alles. sie hat schon recht die innere trennung ist die letztendlich entscheidene, aber manchmal ist eine räumliche trennung, bzw. ein kontaktabbruch erst die vorraussetzung die sowas möglich macht. vielleicht brauchte sie das nicht. lass dich von sowas nicht von deinem weg abbringen-

    alles gute, Roa

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