Leide an Gefühlschaos

  • Liebe Thea,

    eben habe ich eine längere Antwort geschrieben, plötzlich war die Internetverbindung weg. Nun versuche ich es erneut.

    Mein gestriger Tag war auch rundum gut. Mit meiner Tochter und einem Enkel sind wir noch mal über einen Hamburger Weihnachtsmarkt geschlendet. Sie kommen von außerhalb und konnten sich an der Deko und den vielen Lichtern satt sehen. Geschlemmt haben wir u.a. auch. :lol:

    Begegnungen als Chance zu sehen, kommt mir sehr nahe. Eine mir bekannte Heilpraktikerin drückte es so aus, wir können von allem möglichen clean werden, in dem wir es uns verbieten, dadurch sind wir aber noch nicht frei davon. In Bezug auf mein Leben fühlte ich mich immer von einer Gattung Männer angezogen, die mich an meinen wunden Punkten treffen konnten und mich für Dinge verantwortlich machten, für die ich nicht verantwortlich bin. Das übte eine Faszination auf mich aus, und darauf war ich hungrig. Folglich liegt in jeder Negativerfahrung ein positver Sinn, sie so lange auf den Teller zu bekommen, bis man "satt" ist.

    Heute ist etwas anders als zuvor, ich lechze nicht nach der nächsten Beziehung, um mich wieder in ihr zu verlieren. Sondern genieße bewusst meine Freiheit und Selbstbestimmung. Bin viel mehr bei mir und fernab gefallen und funktionieren zu wollen. Es verleiht mir eine gelassene und positive Ausstrahlung.

    Für dieses neue Lebensgefühl bin ich dankbar. Es ist an der Zeit, mich und meine wunden Punkte zu betrachten.

    Und er? Seine Faszination und Anziehung sind geschrumpt, er ist schon sehr weit weg, wie in Nebel getaucht - wird mich nicht mehr täuschen. Ich sah ihn verschwommen im Halbschlaf, eine innere Stimme sagte mir:"Du bist es nicht!"

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Liebe Laurina,
    ich denke auch, dass Erfahrungen machen und Lebendigsein auch dunkle Stunden und Erlebnisse einschliesst bzw. dass wir im Leben vor bestimmte Aufgaben gestellt sind.
    Ich habe aber lange Zeit gedacht, mir wäre sozusagen bestimmt, diesen schwierigen Mann zu lieben, der mit so vielen anderen menschen incl. seiner Ursprungsfamilie so viele Schwierigkeiten hat. So nach dem Motto: auch den muss doch jemand lieben können...
    Jetzt merke ich, dass das eine ungesunde Sichtweise war, die ihn schön in seinem Schwierigsein gelassen hat...

    Nun habe ich ihn 7 Tage nicht gesehen und es geht mir wieder besser als an weihnachten. meine tochter und ich feiern (ohne ihn) mit befreundeten familen, wo er vor 2 Jahren sich im suff total daneben benommen hat. Nun, da seine alkoholkrankheit offen liegt, ist viel verständnis bei den freunden da, auch für mich. aber alle waren sich einig, dass wir ohne ihn feiern.

    Er hat schon leidend gesagt, dass er silvester traurig allein verbringen wird. ich denke ja, er trinkt wieder.... trotz shg und lzt

    ich versuche, mich davon nicht mehr runterziehen zu lassen...
    und nächste woche kommt endlich der sch... gips ab, dann kann ich wieder vernünfig schreiben...

    DIR und allen geneigten LeserInnen ein frohes, gesundes und segensreiches Neues Jahr!
    Eure Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Liebe Thea,

    auch ich werde heute allein zum Feiern gehen. Mein Ex hat heute einige Male auf meinen AB gesprochen, wollte mich zum Essen einladen und sprach von seinem einsamen verlassen Leben, zum jetzigen Zeitpunkt wird er schon volltrunken sein. Ich mache mich nun ganz in Ruhe etwas hübsch und werde den Übergang genießen.

    Dir und allen Anderen wünsche ich einen friedlichen Start ins Neue Jahr.


    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Hallo Laurina, hallo ihr anderen,
    hoffe, es war eine schöne Feier...
    Ich war zwischendurch heimlich etwas traurig, weil ich an letztes Silvester dachte. Da waren wir weggefahren, ich glaube sogar, mein Mann war wirklich trocken. Damals glaubte ich noch an einen wirklichen Neuanfang. So viel ist seitdem passiert; äußerlich und in mir. Ich habe das Gefühl, es gibt so Phasen, in denen wieder etwas hochkommt, was verarbeitet werden muss. Bis Herbst war ich eigentlich nur damit beschäftigt, mein neues Leben zu organisieren, es war immer irgendwie spannend und etwas zu tun. Und in diesen ruhigen Tagen rund um Weihnachten denke und denke ich, weine manchmal (ohne ins Loch zu fallen..) - Trauerarbeit??? - Grübel - habe oben immer "glaube" geschrieben... vielleicht kommt mir dieses fehlende Vertrauen (in mich, in meine Wahrnehmung, in meine Liebe, in meinen Mann...) dauernd so bitter hoch...?

    Den Anruf bei meinem EX habe ich mir jedenfalls verkniffen, nur eine Mail geschickt bzw beantwortet.
    Und jetzt bin ich froh, dass diese Erinnerungsträchtigen Tage vorbei sind.

    Ich grüße alle, die auch ein wenig Achterbahn fahren und wünsche gutes Ankommen.

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Hallo Thea,

    ja mir ging es auch so, gerade auf Feiern und an Festtagen kommen meine Wünsche und Sehnsüchte hoch, es flossen auch ein paar Tränen über vergangene Tage. Ich kann und will auch nicht immer stark sein, die Verarbeitung meiner Trauer kommt in Etappen immer mal wieder hoch. Das traurige daran scheint mir die eigene Einsicht zu sein, so wie ich ihn lieben wollte, war er nicht, so wie er ist kann ich ihn nicht lieben und weitermachen. Diese eigene Ohnmacht, das Gekränktsein darüber nichts erzwingen zu können und nur sich selbst ändern zu können.

    Machen wir also weiter und stärken uns gegenseitig, schließlich sitzen wir hier alle in einem Boot und rudern bis der Funke am Horizont erscheint, wie er auch immer aussehen möge.


    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Ihr Lieben,
    mich lässt eine Frage nicht schlafen, die mich seit Weihnachten quält: mein "getrennter Mann" hat - da bin ich nach Ablegen der krankheitsbedingten Scheuklappen zu 99% sicher - trotz seiner ambulanten LZT kurz vor Weihnachten wieder angefangen zu trinken. Es betrifft mich, da ich ja ausgezogen bin, nur indirekt, z.B. merkwürdige Mails an die Verwandten (auch in meinem Namen) oder Freunde, aber meine 12jährige Tochter besucht in ja öfters.
    Ich selbst bin in einer anderen Einrichtung als mein Mann in einer Angehörigengruppe und mache eine Therapie für mich.
    Bei seiner Therapeutin hatten wir einen gemeinsamen Termin und danach hat sie, weil er und ich die Situation so derartig unterschiedlich wahrnehmen, mich noch mal allein eingeladen. Sie meinte, er habe starke Abwehrmechanismen aufgebaut und würde die Realität (auch der Trennung) nicht richtig an sich heran lassen. Entfernt werde ich also in seine Therapie einbezogen, trotz Trennung. Auch mit meiner Tochter soll es dort noch einen Termin geben.
    Soll ich nun zwischendurch mit der Therapeutin Kontakt aufnehmen und ihr meine Vermutung sagen? Ich weiß, dass ist typisch "Co" - aber ich weiß auch, dass er es anfangs (also bei jedem Rückfall) lange geheim halten kann und sich sehr gut verstellt. Muss es die Therapeutin also nicht wissen??
    Oder lasse ich den Dingen einfach ihren Lauf und vertraue auf ihr Gespür???
    Ich freue mich, wenn Co's und AlkoholikerInnen antworten: was ist Eurer Meinung nach für ihn und für mich besser???
    Eure verunsicherte Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Liebe Thea,

    ich möchte Dir mitteilen, was ich alles wollte:

    Ich wollte ihn in meine Therapie mit einbeziehen,
    wollte ihm Literatur hinlegen, habe darauf gehofft,
    dass ihm mal was passiert und er sich im Krankenhaus
    wiederfindet.
    Wollte seine Arbeitsstelle informieren, weil er
    schließlich eine verantwortungsvolle Tätigkeit ausübt.

    Ein inneres Gefühl hielt mich davon ab. Allerdings habe
    ich zuvor einmal seinen Bruder in Süddeutschland angerufen
    und diesen über seinen Zustand informiert. Es hiess dann,
    ich hätte ihn verraten und mich in Dinge eingemischt, die
    mich nichts angehen, damit hatte er recht. Verändert
    hat es nämlich nichts, außer dass ich mich schlecht fühlte und
    meine Gefühle immer destruktiver wurden.
    Ich wollte ihn zur Genesung zwingen, um für mich eine erträgliche
    Lebenssituation zu gewinnen. Ich habe die Märtyrerin und
    große Retterin gespielt, das alles, um wenigstens von außen die begehrte Anerkennung zu erhalten.
    Damit war ich die perfekte Co.-Abhängige.
    Hatte nämlich nicht mehr mit mir, sondern ausschließlich mit ihm gut zu tun.

    In meiner Gruppe wurde mir durch Gespräche klar, solange er leugnet, lügt und verheimlicht ist er noch nicht überzeugt wirklich Hilfe zu brauchen, befindet sich im Stadium weiterhin Andere täuschen zu wollen. All das hat er in seiner Therapie zu klären, ansonsten geht sie ins Leere, worauf Du auch keinen Einfluss haben wirst, es sei denn die Therapeutin würde Dich ausdrücklich nach Deinen Eindrücken fragen.

    Das mag sich jetzt alles hart anhören, im Nachhinein bin ich aber dankbar, dass es Menschen gab, die mir meine Maske abgenommen haben, sie sagten mir, tue nichts für ihn, was er selbst erledigen kann, wenn ich ihn entmündige tut es einerseits seiner Bequemlichkeit gut, andererseits wird er sich rächen und erneut täuschen, und zwar solange, bis eine Person aus diesem Teufelskreis aussteigt, diese Person könntest Du sein oder werden.

    Drücke Dich und wünsche Dir ganz viel Kraft
    liebe Grüße Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Liebe Laurina,
    bevor ich losdüse, hab ich noch schnell den PC angemacht... danke Dir!!!!! Ich denk immer, ich komme erst wirlich zur Ruhe, wenn ich weiß, dass er wirklich was für sich macht... Es ist so schrecklich schwer, in Kopf und Bauch zu begreifen, dass es wahrscheinlich genau umgekehrt ist. Aber es stimmt, es wäre eine Entmündigung. Ich müsste also sogar "zulassen", dass er schlimmstenfalls die Therapie abbricht? Hat er vor jahren schon mal gemacht, er ist ein Meister der Ausreden.
    Hätte nicht gedacht, wie schwer es fällt...!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Werde darüber in meiner Therapie am Mi reden.
    Ich drück dich auch und wünsch Dir einen sonnigen Tag (bei uns: Neuschnee, blauer Himmel, Sonnenschein - Winterurlaubsstimmung trotz Arbeit...)
    Deine Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Liebe Thea,
    zur Ruhe kommen ist mir in seiner Gegenwart nicht geglückt, das beginnt nun bei mir jetzt langsam (nachdem ich vier Monate ausgezogen bin).

    Ich denke, es ist verdammt schwer, wenn man(n)/frau zusammen lebt. Einfach weil die Ängste dessen was geschah und was noch geschehen könnte ja immer da sind. Erinnerungen sind da - und Momente, die einen an schmerzliches erinnern, einfach jetzt und hier und sofort ... und schon ist es wieder da dieses "schwere" Gefühl - so war es zumindest bei mir.

    Du fragst etwas zum Thema "Leben Deines Mannes" ich befürchte fast, ich würde das so laufen lassen ohne mich selber einzumischen. Einmischen wäre für mich ja wieder "helfend" oder "vorsorglich" für ihn etwas zu managen. Ich denke, wenn er zuvor getrunken hat könnte es rauskommen oder auch nicht, nur ich wollte nichts damit zu tun haben ob oder ob nicht. Sein Leben, nicht mehr meines....

    Weißt Du Thea, es ist sein Rückfall, seine verspielte Gesundheit, sein Leben - Deines beginnst Du für Dich auf die Reihe zu bekommen - selbiges soll Dein Ex-Partner erst mal selber hinbekommen :)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Thea,
    wenn Du weiterhin auf seiner Baustelle rumwerkelst, kostet dich das Kraft, die du für dich und deine Baustelle dringend brauchst.
    Wir CO-abhängige müssen einfach begreifen, dass wir uns ausschließlich um unser Päckchen zu kümmern haben.
    Genau deshalb sind wir hier und ich finde es toll, wie wir alle uns gegenseitig unterstützen, ohne mit erhobenem Zeigefinger rumzufuchteln.
    Denn nichts ist schwerer, als über Jahre einzementierte Verhaltensweisen aufzubröckeln und niederzureissen, sich dann erstmal mit Abstand seinen Haufen anzuschauen und anschließend mit Ruhe und Geduld aufzuräumen.
    In diesem Sinne,
    weiterhin viel Kraft für deinen Bau wünscht dir
    Thelma

  • Hallo Thea!

    Habe mich eben durch deinen Thread gelesen...
    Ja, da sind wohl so einige Parallelitäten! :wink:
    Ich lasse mich auch (scheinbar nur all zu gerne) "breitschlagen", noch nen Kaffee mit ihm zu trinken oder gehe halt ans Telefon, wenn er abends nach zehn (trotz mehrmaliger Bitten, "nicht mehr nach zehn") noch mal anruft und lasse mich auf blöde Diskussionen ein, über die ich mich dann bloß ärgere...

    Zitat

    Ich hatte immer Gründe, warum ich den Kontakt zu ihm nicht vollständig abzubrechen wollte. Ich sah mich als so stabil, daß ich *rein freundschaftlich* mit ihm umgehen kann. Aber da habe ich mir gründlich etwas vorgemacht!


    Oooops, S.Käferchen, voll ertappt! :oops:
    Ja, liebe Thea, ich glaube, an dieser Baustelle haben wir beide noch ordentlich zu ackern! :wink:
    Step by step! Wir schaffen das!

    Liebe Grüße

    fish

  • Nun sitze ich wieder ohne Gips, aber gefrustet über meine Unbeweglichkeit und zugleich entspannt, weil ich jetzt hier schreiben kann... vor meinem PC.
    Die letzten Tage, seit Heiligabend, war irgendwie wie so eine Gewitterstimmung, die sich in meinem Herzen zusammengebraut hat. Heute hat sich das Gewitter entladen, am Telefon bei meinem Noch-Mann.
    Er wollte zu einer bestimmten Zeit kommen, kam wieder zu spät, klingelte Sturm bis die Klingel frostbedingt steckenblieb und zum Dauerklingeln wurde... Es war so typisch: er taucht auf und es ist Anspannung und Chaos. Trotzdem fand ich es nett, dass er mir die Sachen brachte (konnte ja bis dato wegen Gips nicht Auto fahren).
    Meine Tochter und ich hatten dann einen Arzttermin, zu dem wir wieder fast zu spät kamen. Als wir dann wieder zuhause waren, hatte ich das dringende Bedürfnis, meinen Mann anzurufen. Ich sagte ihm, dass es mir leid tut, dass es so chaotisch war. Und plötzlich brach es so aus mir heraus, dass ich ihm ganz deutlich noch mal sagen will, dass ich mit ihm nicht mehr zusammen leben will und sich für mich die Trennung verschärft hat und ich mehr Abstand für meine Tochter und mich brauche usw. Ich hatte nämlich den Verdacht, dass er für sich denkt, es hat sich außer den getrennten Wohnungen nichts geändert und "die kriegt sich schon irgendwann wieder ein.."
    Ich war ganz ehrlich, nicht diplomatisch, nicht rücksichtsvoll, sondern schonungslos offen und meine, es ist auch so rüber gekommen.
    Zunächst fühlte ich mich ganz gemein (paradox: bin ich freundlich, dann denke ich: du machst dem armen Mann falsche Hoffnungen, bin ich ehrlich, grob und schonungslos, dann fühle ich mich auch wie ein rosa Tier), aber nun, etwas später, merke ich: das musste mal raus aus mir, das ganze Weihnachtsfest und sein selbstmitleidiges einsames Silvester hat mich fast zum Ersticken gebracht.
    Ich will mich tatsächlich auf meine Baustelle, meine Leben, meine Gefühle, meine schmerzende Hand, meine Gesundheit, mein Frausein, mein Übergewicht, meine Ziele und Wünsche, meine Idee von Liebe. konzentrieren und das leben und nicht immer mit einem Bein und einer Hand und einem Teil meines Herzens bei ihm sein.
    Mir hilft es immer, wenn ich auf ihn zornig sein kann und sein Auftritt heute nachmittag mit dem Dauerklingeln hat das wieder geschafft.,
    #Schade nur, dass ich wirklich offenbar nur entweder lieb und freundlich oder garstig sein kann, so gar nicht vermittelnd oder mittelmäßig. Wahrscheinlich war ich zu lange lieb...
    Klingt sicher alles wirr, aber es ist eben eine Baustelle und da gibt es (jo, fishli!) noch viel zu tun. Und da ich mir die Hand gebrochen habe, musste ich wohl übel im Kopf und im Herzen aufräumen.
    Oder bin jedenfalls dabei...also - Kopf einziehen, mit fliegenden Gegenständen ist zu rechnen!
    Eure sonst fast immer liebe, heute aber mal wilde, etwas verwirrte aber wieder ganz zuversichtliche Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Hallo Thea!

    Zitat

    Mir hilft es immer, wenn ich auf ihn zornig sein kann und sein Auftritt heute nachmittag mit dem Dauerklingeln hat das wieder geschafft.,
    #Schade nur, dass ich wirklich offenbar nur entweder lieb und freundlich oder garstig sein kann, so gar nicht vermittelnd oder mittelmäßig. Wahrscheinlich war ich zu lange lieb...


    Geht mir übrigens auch so!
    Manchmal kommt es mir fast so vor, als warte ich regelrecht darauf, dass er wieder irgendwas "verbockt", damit ich einen Grund habe, sauer auf ihn zu sein...
    Ich denke mal, das ist reiner Selbstschutz!
    Wir brauchen wohl noch diese Mauer um uns rum, durch die er nicht durchdringen kann (so ist es jedenfalls bei mir)!

    Was macht denn eigentlich deine "Flosse" :wink: ? Hoffentlich wieder alles heile?

    Liebe Grüße

    fish

  • Hallo Fish, hallo ihr anderen lieben...

    heute hatten wir einen richtig schönen "Mädchenabend" - nach einem langen Arbeitstag (und arbeitsamer Woche) bekam meine Tochter Übernachtungsbesuch von ihrer Freundin. Zuerst haben wir mit Freude Fertigpizza gekauft, gebacken und gegessen und danach gemütlich Gesellschaftsspiele gespielt. Wir waren so locker und gut drauf!
    Das wäre früher nie drin gewesen!!
    Genau wie in meiner Kinderzeit, in der ich immer sehr genau überlegt habe, wen ich nach Hause mitbringen kann, war es auch für meine Tochter in den letzten Monaten vor unserer Trennung schwierig, wenn Freundinnen kamen.
    Da mein Noch-Mann die Eigenart hat, aus dem normalen Gespräch heraus für mich völlig unerwartet einen riesigen Streit mit Schreien u.Ä. anzufangen, habe ich Übernachtungsgäste immer sehr ungern bei uns empfangen. Es war schon schlimm genug, dass unser eigenes Kind so oft von seinem Schreien und unserem Streiten wach wurde.

    Ihr seht, die Phase der Sehnsucht nach ihm oder viel mehr nach dem, was ich mir gewünscht hätte, habe ich gerade (mal sehen wie lange) überwunden und bin wieder froh, dass wir nun unser eigenes Reich haben.

    Meine Hand ist noch nicht wieder o.k., ich muss noch viel Krankengymnastik machen. Die Sehnen müssen sich wieder dehnen usw., alles ist noch recht steif und unbeweglich. Aber jeden Tag kann ich etwas mehr und so bin ich trotzdem ganz optimistisch.

    Ich habe neulich gedacht: wenn schon 6 Wochen Gips dazu führen, dass Teile der Hand einfach unbeweglich werden, dann ist es kein Wunder, dass 20 Jahre CO-Beziehung auch dazu führen, dass die "Nicht-Co"-Bereiche verkümmern. Und die müssen wir jetzt wieder aktivieren, gell?

    Einen Schritt weiter bin ich insofern auch gekommen, als ich bisher meine/unsere Tiere, wenn ich z.B. zu meiner Mutter gefahren bin, immer zu meinem Mann gebracht habe. Nun bin ich gerade dabei, mir andere Tiersitter zu suchen. Auch hier ist mir Entflechtung wichtig. Ich will einfach nicht mehr von ihm abhängig sein, in keiner Beziehung.

    So long, schön, dass es Euch gibt.
    Eure Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Hi Thea!

    Hey, "Mädchenabend" - das klingt TOLL!!!
    Da wär ich ja auch gern mal dabei :wink: !
    Ja, ich genieße auch die Zeit mit meinen beiden "Kaktus-Mädchen" 8) !
    Bei uns war ja auch ein normales Miteinander so gar nicht mehr möglich!
    Wenn die beiden nicht spätestens um neun in ihren Zimmern verschwunden waren, hat in das ja schon total genervt... ein Grund mehr, sich in seine "Höhle" zu verziehen und noch einen zu kippen :roll: !
    Das hat sich natürlich auch darauf ausgewirkt, dass ich immer gereizter wurde, weil ich wusste, was mir blüht, wenn er dann hoch kommt...

    Gut so, dass du dich mehr und mehr aus der Abhängigkeit ihm gegenüber in "Alltagsdingen" löst!
    Kenne das auch gut, schon alleine, weil ich ja kein Auto habe!
    Aber was soll's, es gibt ja auch noch andere Leute mit Auto, die auch gerne mal bereit sind mir was zu fahren...
    Und für alles andere hab ich ja meinen "Hackenporsche" :wink:
    Und über andere "Tiersitter" lassen sich doch auch prima Kontakte knüpfen!

    Wünsche dir noch ein schönes und entspanntes Wochenende!

    Liebe Grüße

    fish

  • Guten Abend fish,
    ja, könnte ich mir auch gut vorstellen, mit Dir einen "Mädchenabend" zu verbringen! :lol:

    Weil Du gerade "Hackenporsche" erwähnst: mit Gips konnte ich ja nicht Autofahren und da bot mir mein Gatte des öfteren an, mich irgendwo hin zu fahren. Aber ich merkte, dass ich das GAR nicht will und so kaufte ich mir "Hackenporschi" :idea: , mit ihm habe ich meine ganzen Weihnachtseinkäufe erledigt. Zwar musste ich oft sehr weit laufen,um an irgendeinen Bus zu kommen, aber mit dem mp3-player in den Ohren war das auch wieder eine gute Zeit. Wie Du eben schreibst: auf allen Ebenen unabhängig werden, äußerlich und innerlich.

    Liebe Grüße und Euch auch schönen Sonntag
    Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Jau! Die Freundin meiner Tochter hat sich schon wieder angesagt zum Übernachten...

    Ich denke, dieses harmlose Freuen über nützliche Dinge, über kleine Besonderheiten usw. gibt uns wieder Kraft für den Alltag.
    Eigentlich bin ich ein richtig positiver und optimisticher Mensche und lache gerne - und heute habe ich ganz deutlich gemerkt, wie negativ mein Mann in die Welt sieht. Und witzigerweise (oder traurigerweise) schaut die Welt auch so zurück - er wird im Getümmel angerempelt - ich nicht. Er streitet sich beim Einkaufen mit der Verkäuferin - ich kriege einen guten Tip oder ein besonders schönes Stück. Er geht irgendwo Essen und beschwert sich, weil etwas nicht so ist, wie er gedacht hat - ich werde gefragt, ob alles so recht ist oder ob noch etwas fehlt...
    Ich könnte die Liste endlos fortsetzen. Er hat einfach eine negative "Aura "und mir ist heute nochmal klar geworden, dass es mich total viel Kraft gekostet hat, immer gegen diese negative (süchtige??) Weltsicht ("alle sind gegen mich . Immer komme ich zu kurz") "an zu leben". Und wie sehr ich jetzt die Sicht genieße: "Ich habe /bekomme, was ich zum Leben brauche." Vielleicht war das die Lektion, die ich mit der gebrochenen Hand und mit Hackenporschi lernen sollte...?

    In diesem Sinne, liebes Fishli, bis bald
    Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Hallo Co's und andere Interessierte,

    wollte mal wieder reinschauen, hab in letzter Zeit eher bei Euch gelesen.
    Das trübe Wetter lässt mich trotzdem ganz guter Dinge sein, habe sogar - ohne schlechtes Gewissen - für Sommer einen erschwinglichen Urlaub mit meiner Tochter (auf einem Ponyhof) geplant. Wir freuen uns beide drauf, kein Thema, dass Papa auch mitkommen könnte oder so.

    Ich fühle jeden Tag ein wenig mehr, dass ich nicht mehr zurück in mein altes Leben will. Nicht mehr Angst haben, was mich beim Heimkommen erwartet. Nicht mehr nervös sein, weil ich nicht weiß, wie sich mein Mann in Gesellschaft benimmt. Nicht mehr 30 leere Saft- und Wasserflaschen im Keller "durchschnüffeln", um die zu finden, in der er seinen Korn ins Haus geschmuggelt hatte. Nicht mehr im Bett verantwortlich sein, dass es gut läuft. Nicht mehr an so vielem schuld sein, obwohl ich mir so viel Mühe gegeben hatte...

    Vielmehr möchte ich...
    spontan etwas kleines unternehmen, mit meiner Tochter;
    abends bei Tee und Kerzenschein lesen und nachdenken - und genau dann ins Bett gehen, wenn ich möchte;
    mich auf meine Wohnung freuen, weil ich weiß, dass ich dort für eine gute Atmosphäre verantwortlich bin;
    mich freuen können, an dem was mir gelingt - und wenn es noch so banal ist;
    mich mit Freundinnen und Freunden treffen;
    meine Mutter besuchen (ohne dass mein Gatte sich sofort vernachlässigt fühlt);
    Dinge tun, die mir persönlich wichtig sind: für meine Tiere da sein, Musik machen...
    Ich merke, wie schön lang ich diese Liste noch fortschreiben könnte. Und dass ich eigentlich auch mit durchaus machbaren und bezahlbaren Wünschen lebe und glücklich sein kann.

    Auch wenn mein Noch-Ehemann mir einen 5-seitigen Brief geschrieben hat, der von Anfang bis Ende jammervoll ist, lass ich mir meine Positiv-Liste nicht madig machen...

    Hoffentlich geht es auf diesem Weg weiter. :P

    Solidarische Grüße an alle, die das lesen - Eure Thea

    Es gibt 1000 Gründe, alles so zu lassen, wie es ist - und nur einen, etwas zu verändern: Du hältst es einfach nicht mehr aus.

  • Hallo Thea,

    danke für Deine solidarischen Grüße.

    Mir ging es ähnlich, habe auch viel bei Anderen mit gelesen und teilweise geantwortet.

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich mich vom Verstand und Kopf her weitaus früher getrennt habe als von meinen Gefühlen, die hafteten noch und wurden im Zusammenhang mit ihm aktiv, wenn auch mehr mit negativen Gefühlen. Ich ertappte mich dabei, dass ich trotz Trennung im Hintergrund noch Einfluss haben wollte, beobachte und lauschte, wenn es um seine Eskarpaden ging. Es ließ mich noch nicht kalt bis zu der Nacht, als er mich gegen 1.00 Uhr von einer Polin aus anrief, dort weg und zu mir wollte. Diese Frau hat eine Vorgeschichte, folglich wusste er, wie sehr er mich damit treffen konnte. Hat er auch noch einmal geschafft, sie war für mich die absolute Schmerzgrenze, danach hatte er keine Chance mehr. Das fatale war, dass ich genau dieses vor seinem Anruf geträumt habe. Einmal habe ich noch gelitten, bekam Durchfall, habe die ganze Nacht nicht geschlafen, mir selbst einen angetrunken und zuviel geraucht. Dieser Zustand dauerte ein paar Tage an, bis ich morgens wach wurde und mich frei fühlte. Es war, als ob etwas Schweres von mir abfiel, ich war frei von ihm, suchte ihn nicht mehr, auch nicht im Traum, überreichte ihm sinnbildlich ein voll beladenenes Tablett, mit dem er machen kann, was er will. Es ist sein Leben, ich habe daran nichts zu bewerten, gebe ihm das alles zurück und nehme mein Tablett selbst in meine beiden Hände. Dieses Freisein war ein Hochgefühl, das eigene Leben zurückzugewinnen und alles machen zu können, ohne diese lähmenden Gedanken. Heute kann er mich nicht mehr treffen, es erreicht mich nicht mehr. Habe verinnerlicht, dass der Alkohol seine Gedanken und sein Handeln bestimmt, darauf habe ich keinen Einfluss und nehme nichts mehr persönlich. Es tut gut, wieder bei sich anzukommen, wenn es auch ein langer schmerzhafter Weg ist. Dieses Loslassen fühlt sich befreiend an, lange habe ich in der Illussion gelebt, er könnte mich irgendwo unter seinem Paket doch lieben, daran wollte ich glauben, die Desillussion wollte ich meiden. Ent-täuscht sein bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass die Täuschung sichtbar wird, das tut vorerst immer weh. Ich wünsche Dir und allen Anderen solidarischen einen guten Weg, lasst uns gemeinsam stark werden und wachsen. Vor allem uns immer wieder die eigenen Anteile ansehen, dort wo Täter walten, stehen Opfer bereit.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!