Abschied von meinem Seelentröster..

  • mein Mann ist Alkoholiker, der vor kurzem einen Rückfall hatte.
    Ich habe bei seinen Entzugserscheinungen mitgelitten (Tremor etc)
    Das zu sehen hat mich erschreckt..

    Ich bin Frusttrinkerin, ich habe heimlich getrunken. Und dachte,
    wenn ich so weitermache, wird es mir auch so gehen. Bisher
    fühlte ich mich sicher, weil ich zeitweise Trinkpausen einlegen
    konnte, ohne Entzugserscheinungen zu haben

    Wenn ich arbeiten mußte, oder fahren mußte habe ich niemals
    was getrunken

    Mein Mann hat sich entschieden eine ambulante Therapie zu machen
    Die Wohnung ist eine alkohlfreie Zone und wird es auch bleiben!

    Ich bin trocken, aber ich habe erkannt, daß ich psychisch ziemlich
    abhängig bin. Ich denke den ganzen Tag daran, wie sehr mir
    mein Seelentröster, der Alkohol fehlt.
    Ich habe öfters aus innerer Langeweile heraus getrunken

    Gibt es hier einige unter Euch, denen es anfangs auch so ging?
    Wenn ich traurig war, oder gestresst war, habe ich getrunken
    und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich stattdessen machen
    soll, wenn ich wieder durchhänge, mich geärgert habe, oder
    mich alleine fühle..

    Ich beschäftige mich, lenke mich ab, aber denke doch dauernd
    an meinen Rotwein ..
    :(

    Aber ich will nicht mehr trinken. Es ist aus. Es muß doch noch
    was anderes geben, außer saufen, weil man gestresst ist oder
    Probleme hat ...

  • Hallo Xenica! Herzlich Willkommen hier!

    Als mein Mann vor 19 Monaten trocken wurde, war es für mich selbstverständlich auch nichts mehr zu trinken.
    Nach der ersten Euphorie - mein Mann hatte die ganzen 24 Jahre zuvor getrunken - kam für mich auch manchmal so etwas wie "Schade gefühl" auf.
    Die letzten Jahre seiner Sucht habe ich ihn auch beim Trinken begleitet.
    Manchmal dachte ich, wenn ich mittrinke, dann sind die Flaschen schneller leer. Oder wie du schreibst: als Seelentröster! benutzt. Um Stress zu betäuben, und, und und.
    Nach den ersten Monaten, vor allem durch das Austauschen hier im Forum, habe ich dann für mich eine Therapie begonnen, die mir unheimlich geholfen hat. Dort habe ich meine Schwächen erkannt und zu bearbeiten angefangen.
    Es war ein schweres, aber ein gutes Jahr.
    Zuletzt habe ich auch noch eine Kur bekommen (nebenbei auch Orthopäd. Belastungen), in der ich einen sehr guten Arzt fand, der das richtige an Behandlungen verschrieb.
    Jetzt geht es mir so richtig gut. Ich habe zu einer gemütlichen Gelassenheit gefunden. Und wenn mich Stress, Ärger überfällt, lasse ich einfach ein wenig Zeit verstreichen. Dann ist alles schon viel leichter.
    Manchmal setze ich mich aber auch durch. Lasse nicht mehr alles mit mir machen.
    Für den Rücken und die Seele tut mir das Training im Fitnessstudio oder Entspannungsübungen nach Jakobsson gut. Oder ich gehe Walken.
    Davon dreimal in der Woche - und ich bin rücken-und gefühlsstark.
    Ich wünsche dir hier alles Gute, reichlichen Austausch und viel Hilfe für Dich, liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo Xenica,

    herzlich willkommen im Forum.

    Ich habe aus den selben Gründen getrunken wie du...und aus jedem anderen Grund, weil ich Alkoholiker bin.
    Du schreibst das du psychisch ziemlich abhängig bist. Ich weiß nicht genau wie ich das verstehen kann.
    Bist du abhängig, oder nicht?

    Ich wünsch dir noch einen schönen Pfingsttag,

    VG
    Oliver

  • Hallo Oliver

    So gut kenne ich mich nicht mit Abhängigkeiten aus.
    Mein Mann hatte ziemliche Entzugserscheinungen,
    nachdem er den Stoff weggelassen hatte. Ich habe
    immer wieder mal längere Phasen gehabt, wo ich nichts
    getrunken hatte. Entzugserscheinungen hatte ich keine.
    Zählst Du eine psychische Abhängigkeit nicht zur
    Abhängigkeit?

    Ich wünsche auch Dir noch ein tolles Fest
    Xen.

  • liebe Forenteilnehmer, entschuldigt bitte mein Verhalten..
    mein zusammenhangloses Drauflostexten.. meine Beiträge,
    die wie Selbstgespräche sind. Ich bin jemand, der es
    gewohnt ist, sehr diszipliniert zu sein und weder Schwäche
    noch unperfektes Verhalten an sich selbst zu dulden.

    Deswegen habe ich fast 20 Jahre getrunken und dabei
    noch "funktioniert". Mit meinen Trinkpausen habe ich mich
    selbst belogen und dieses Bild von jemanden der sich
    immer im Griff hat, alles unter Kontrolle hat und niemals
    versagen darf, weiterhin gefestigt. Es hat lange gedauert,
    bis ich merkte, nicht ich habe es im Griff, sondern es hat
    mich im Griff.. nach meinen Trinkpausen war ich doch wieder
    da, wo ich vorher war.. bei 1-2 Flaschen Wein am Tag
    Und da will ich nicht mehr hin

    Meine Gefühle mir gegenüber sind ambivalent. Sich einzugestehen
    alles hat nichts genützt, der schlimmste Alptraum ist wahr geworden
    Ich habe die Kontrolle verloren!.. war zuerst demütigend,
    doch vollkommen ehrlich und auch befreiend

    Das Leben geht weiter, meine kleine Welt ist nicht zerbrochen
    ich habe noch nichts verloren, was man nicht wieder heil machen
    kann- es kann nur besser werden- ohne Alkohol

    Ich habe angst, zu versagen, fühle mich labil, weil ich dauernd
    an Alkohol denke, und doch fühle ich eine Kraft in mir.
    Die Hoffnung auf eine Veränderung, die Hoffnung auf ein neues
    Leben. Ich will anders werden
    Ich will meine Schwierigkeiten nüchtern durchleben und dann
    doch feststellen- Es geht!

    Ich liebe meinen Mann, doch mich selbst nicht.
    ich habe immer auf andere geachtet, und mich selbst nicht
    beachtet. Jetzt muß ich darauf achten, was ich tue, was ich
    esse, was ich trinken werde, mit wem ich zusammen bin,
    wo ich hingehe. Das macht mir angst ..

    Ich muß herausfinden, was mich interessiert, wie ich meine
    "freie" Zeit verbringe, die Zeit in der ich mich betrunken hatte
    um meine innere Einsamkeit und Langeweile zu betäuben

  • Hallo Xenica,
    ich finde es toll, dass Du schreibst. Entschuldigen mußt Du Dich hier nicht dafür !!!
    Schreib Dir alles von der Seele. Mir hilft es auch immer meine Gedanken erstmal zu sortieren.

    Lieben Gruß
    Biene

  • Hallo Xenica,

    Zu Beginn erstmal : Du brauchst dich für absolut nichts zu entschuldigen!

    Auch sind Deine Texte nicht zusammenhanglos, sondern sehr gut verständlich.

    Nun zu Deiner Frage:

    Zitat

    Zählst Du eine psychische Abhängigkeit nicht zur
    Abhängigkeit?

    Doch, die psychische Abhängigkeit ist die, die wir alle hier bearbeiten. Die köperliche Entgiftung ist ja nach 7-10 Tagen vorüber.

    Was mich bei dem vorletzten Beitrag stutzig machte, war das Wort "ziemlich" was du eingeschoben hast.

    Zitat

    ...,daß ich psychisch ziemlich
    abhängig bin.

    Eine ziemliche Abhängigkeit gibt es nämlich nicht. Entweder du bist es, oder eben nicht.

    Deinen letzten Beitrag verstehe ich besser, denn darin bekennst du dich ja zur Abhängigkeit.

    Nun hast du die Möglichkeit, hier im Forum und/oder an anderen Stellen, damit leben zulernen.

    VG
    Oliver

  • mir ist das Wort "ziemlich" als Verstärkung
    bekannt. Und ein anderes Wort für "sehr"..

  • Dann war es ein Missverständnis. Ich habe es in diesem Zusammenhang anders verstanden.

    VG
    Oliver

  • mal gucken, ob ich das mit dem Zitieren hinbekomme :)

    Zitat

    Dann war es ein Missverständnis. Ich habe es in diesem Zusammenhang anders verstanden.

    Der Schwabe würde dazu nur sagen, eine Lapp voll
    Reissnägel is schlimmer!

    Die Entgiftung habe ich nicht gespürt, mir geht das dauernde
    an Alkohol denken auf den Wecker.. ich lenke mich ab,
    aber die Gedanken kommen immer wieder..
    Das nervt mich!

  • ich habe die Einladung zur Hochzeit meiner Freundin
    abgesagt. Schweren Herzens. Weil ich sie schon lange
    nicht mehr gesehen habe, und ich sie vermisse.
    Aber 300 Km Entfernung sind kein Pappenstil.
    Nur.. auf Hochzeiten wird getrunken. Ich fühle mich noch
    zu labil, um Alkoholflaschen zu sehen und Alkohol zu riechen
    Mag sein, daß ich es heil überstehen würde, aber ich
    halte meine Hand nicht ins Feuer

    Habe mir jetzt Dienst gegen lassen von meinem Chef
    damit ich nicht lügen brauch. Ich kann nicht kommen,
    weil ich eben arbeiten muß :)

  • ich glaube im Moment möchte ich gar keine alkoholtrinkende Menschen um mich haben. Deswegen
    gehe ich nicht zur Feier. Eine Ausrede brauche ich
    nicht, wenn ich nichts trinke. Ich fahre öfters weitere
    Strecken oder muß am nächsten Arbeiten. Bevor ich
    mich entschlossen habe, nichts mehr zu trinken..
    bin ich öfters mal wegen dem Fahren oder der Arbeit
    "ohne" geblieben

    Auf Arbeit würde ich nicht sagen, daß ich nichts
    mehr trinke, da hätte ich Befürchtungen man hält mich
    für weniger verantwortungsvoll.

    Ich habe den Eindruck hier im Forum wird es als
    sehr wichtig angesehen sich als Alkoholiker zu outen?

  • ach man.. ich meinte, ich würde mich nicht als Alkoholiker
    auf Arbeit bezeichnen ..
    hab mich vertippselt, sorry

  • Hallo Xenica,

    wie geht es dir?

    Hast du schon etwas gefunden was du tun kannst wenn es dir mal nicht so gut geht, also dann, wenn die von dir im ersten Beitrag beschriebenen Zustände auftreten?

    Gruß
    Oliver

  • Hallo Xenica,
    Du schreibst:

    Zitat

    Ich habe den Eindruck hier im Forum wird es als
    sehr wichtig angesehen sich als Alkoholiker zu outen?

    Wir sind ja nun einmal hier in einem Alkoholikerforum und hier kommen ja die verschiedensten Sichtweisen über ein Outing zu seiner Krankheit zusammen.

    Meine Erfahrung zeigt das ich mich wenn ich es für mich erforderlich halte und auch keine Probleme damit habe mich vor anderen Menschen zu outen(zu meiner Krankheit zu stehen) das mich dieses sicherlich vor so manchen negativen bewahrt/bewahrt hat.

    Warum sollte ich auch nicht zu meiner Krankheit stehen wenn ich Sie doch in mir trage und eine Heilung dieser nicht möglich ist?

    Es wäre eine Selbstlüge und ich habe mich 25 Jahre meines Lebens selbst belogen und damit ist Schluss!!

    Wie Du es da für dich hältst bleibt ja dir überlassen,ich kann hier nur sagen und schreiben wie ich es handhabe,ob dieses jemand annimmt/annehmen kann für sich,bleibt jedem selbst überlassen,es ist nicht mein Leben!

    Gruß Andi

  • Hallo Xenica,

    für mich ist es ein wesentlicher Unterschied zu dem was ich sonst in meinen Trinkpausen gemacht habe. Da habe ich es still und heimlich versucht und niemandem von mir erzählt.

    Nun sage ich es den Menschen, die mir wichtig sind. Damit sie wissen, was mit mir los ist und mir helfen können, wenn es mir schlecht geht.

    Mieken

  • Hi, Xenica,

    Ich habe mir gerade Deinen Thread durchgelesen.

    Die Sache mit dem Seelentröster kann ich nachvollziehen.

    Wenn ich mich ganz schlecht gefühlt habe, habe ich mir auch ein oder zwei Cola-Korn getrunken.
    Mittlerweile mache ich das allerdings nicht mehr, weil ich dann meistens total die Kontrolle über mich verloren habe, und das hat mir dann irgendwann Angst gemacht.

    Ich trinke mittlerweile eigentlich garkeinen Alkohol mehr.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    L.G. Neraa

    Ps. Aus dem gemütlichen Abend gestern ist doch nichts geworden, mein Mann ist auf dem Sofa eingeschlafen bevor die Mädels im Bett waren.
    Aber es war ein entspannter Abend!

  • Hallo

    Die ersten 2-3 Wochen ohne meinen Seelentröster waren irgendwie seltsam. Ich dachte dauernd ans Trinken und träumte sogar davon. Das hat mich genervt. Außerdem habe ich dauernd mit meinem Mann darüber reden müßen...

    Sein Entzug ist abgeschlossen, er hat mit Unterstützung seiner Ärztin ambulant zuhause entzogen. Bzw der Entzug ging halt irgendwann los und dann ist er zum Arzt. Selbst hat er es nicht gleich kapiert ,daß es alkoholbedingte Entzugserscheinungen sind. Und ich hätte es wissen müßen, wollte oder konnte es aber nicht sehen..

    Wir sind beide dadurch aufgewacht. Er, weil er merkte, er ist körperlich abhängig.. und ich, weil ich angst bekam, irgendwann auch mal so "dran zu sein"..

    Alkohol war für mich immer so ein Notnagel: wenns mir schlecht geht, dann betäube ich mich damit. Und auf einmal kam Alkohol nicht mehr in Frage. Das machte mir
    anfangs angst..

    Aber es ist leichter als ich dachte.. ohne Alkohol
    es hat mir angst gemacht, .. diese Vorstellung mir mein
    Leben nicht mehr schön saufen zu können..

    Ich habs mir schlimmer vorgestellt. Mein Entschluß steht
    fest: nie wieder Alkohol ..!

  • Neraa

    mein Mann schläft auch öfters abends auf dem Sofa ebesonders beim Fernsehgucken. Dann nehme ich seinen
    Kopf, lege ihn auf den Schoß und gucke noch ein bisschen,
    deck ihn zu und laß ihn schlafen..
    :)

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