Kenntnis über den Ex nach der Trennung-Neugier, Kontrolle?

  • Hallo,

    ich habe gerad etwas gelesen was ich für ein sehr interessantes neues Thema halte.

    Wenn ich als Co-Abhängige nach der Trennung vom alkoholabhängigen Partner Einzelheiten über sein Leben erfahre (neue Partnerin, neue Wohnung, Standorte, wo er trinkt, daß er weiterhin trocken ist etc...), was macht das mit mir?

    Ist es nur Neugier oder kann ich dadurch nicht vom Ex loslassen? Verfalle ich dadurch wieder in das Kontrollverhalten?

    Alles mal so ein paar Anregungen,auf die wir ja vielleicht mal gemeinsam schauen könnten, ohne jetzt den ursächlichen Thread dafür zu verwischen oder dem Verfasser irgendein Verhalten zu unterstellen.
    Mich würde dazu wirklich mal Eure Meinung interessieren, um vielleicht noch besser auf sich schauen zu können, was solche Informationen mit uns machen oder machen können.

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Hallo Susanne,

    wenn die Trennung nicht mit Hass, Wut, Groll, Eifersucht, Verlust und Verletzung verbunden war, wenn es in mir stimmt und alles in mir am rechten Fleck sitzt, werde ich auch mit den Einzelheiten aus dem Leben des Expartners umgehen können. Beziehungen gehen aber selten so auseinander.
    Selbst als ich von meiner 1. Frau schon einige Jahre getrennt, geschieden und mit meiner 2. Frau liiert war, passierte einiges in mir, als ihr jetziger Ehemann hier erstmals auflief.

    Nun sind meine 2. Frau und ich weder mit einem „Brötchenholen“ und weg, noch mit einen „Bussi“, lass uns mal trennen und nach mehrmaligem Trennen auch nicht mehr mit einen „in Liebe Loslassen“ auseinander gegangen, sondern mit einem radikalen Schnitt und einem mir selbst aufgelegten Kontakt und Gedankenverbot, eine Kapitulation meiner Gedanken. Anders ging es 2 Jahre nicht.

    Ich war nicht in mir in Ordnung so lange Altes an mir nagte und da war eine ganze Menge, es drehte sich ja weiter alles in meinem Kopp um meine Frau. Jedes neue BlaBla holte mir sie aus dem Hinterstübchen in die Aktivbirne zurück und schwups war alles wieder voller Matsche.

    Kontrollverhalten war das weniger, aber die Unfähigkeit mein Leben zu leben und dazu gehörten auch alte geprägte Abläufe und Äußerungen wiederzubeleben.

    Als ich dann einen verständnisvollen Menschen traf, hatte ich zwar was für meinen Verstand aber nicht für den rechten Fleck und so musste ich doch auch akzeptieren, dass da noch mehr war als „nur“ meine Frau. Da mussten erstmal einige Flecken an mir gefunden, beleuchtet, eingeweicht und aufgelöst werden, nicht im Kuschelschongang bei 30°, sondern in der Kochschleudernmangel.

    So lange meine Frau in meinem Kopf war, war es schwer möglich meinen Weg zu finden, in meinen Kopf nach Mängel zu sehen und mich nicht da aufzustellen, wo ich nicht hin wollte.


    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Susanne

    Mir geht es gut, solange ich nichts von meinem Mann höre oder sehe, da kann ich bei mir bleiben und es interessiert mich auch nicht, was er macht.

    Es reicht dann jedoch ein Anruf meiner Tochter bei ihrem Vater. Sie erzählt mir dann so nebenbei, dass er am Fernseher gesessen war, mittags um 14.00 Uhr. Mein Gedankenkarussell springt an, tut er überhaupt irgendwas ausser Zeit tot schlagen, er hat ja gar keinen Lebensinhalt mehr, er könnte doch.......
    Bis jetzt ist es mir Gott sei Dank immer gelungen Stopp zu sagen und wieder auf mein Leben zu schauen. Hätt ich mehr Kontakt mit ihm, weiß ich nicht, ob das dann auch so klappen würde.

    Schöne Grüße

    julchen

  • Für mich ein ganz heikles Thema. Denn ich muss ganz klar sagen, ich wollte nichts vom Ex mehr hören, dennoch habe ich anfänglich alles aufgesaugt. Kontrolle? Hoffnung, dass es bergab geht - der kleine Funke Hoffnung des Expartners-/in der noch keimte. Egal was, es war absolut schädlich für mich. Es warf mich immer zurück - egal, was ich hörte - ab dem Moment war wieder präsent dass die jahrelange Beziehung zerbrochen war.
    Bei mir was das ein Zeitraum von rund 5 Monaten. Die nächsten drei Monate schnitt ich alle Infos bewusst ab, dann unbewußt.

    Jetzt ist ein Jahr vergangen und vor kurzem war ein ehemaliger Nachbar als Servicetechniker an meinem Arbeitsplatz. Das Gespräch über den Ex war uninteressant, betraf mich nicht - im Gegenteil: ich war an einem Ort, an dem ich mich sicher fühlte. Ich war an einem Ort mit liebenswerten und geschätzten Menschen und Platz war in und bei mir für ein überdeutliches "Gott sei Dank ist alles vorbei".

    Viele Stufen, die viel Zeit erforderten - noch mehr Trauer und Selbstkontrolle. Niemals hätte ich gedacht, dass ich dieses Level des Desinteresses jemals erreichen kann.

    Das einzige, was mich an den Ex erinnert ist die Tatsache, dass ich nicht mehr in Esslingen sondern in Hohenlohe lebe....

    Nichts vom anderne hören und sehen ist wie ein Entzug - auf lange Sicht bei mir die Abstinenz vom Suchtmittel. Denn eines ist Fakt: Menschen gelangen nun ganz anders in mein Herz als damals der Ex.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Susanne,

    wir als Alkoholiker haben ja den Spruch " Nur nichts trinken reicht nicht"

    vielleicht ist es bei CO- Abhängigen auch so ähnlich.

    "Nur trennen vom Suchtmittel Partner reicht nicht"

    mich interessiert heute immer noch was meine EXes :lol: so machen. Aber das hat mehr mit Neugierde als mit Krankheit zu tun.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Es ist ganz sicher so, lieber Hartmut - dass Trennung vom Alkoholiker nicht genügt. Denn das kleine Helferlein kann ja überall loslegen. Das Helferlein braucht weder einen Trinker noch einen psychischen Kranken, es kann sich überall nahezu unbemerkt einnisten und versuchen das Leben des anderen zu manipulieren. Das Helferlein wird wohl auch immer versucht sein - oder oft - das zu tun, befürchte ich.

    Je weiter ich bei mir gekommen bin andere Menschen so zu akzeptieren wie sie sind, desto weniger hatte ich den Wunsch zu helfen oder zu veräündern. Logisch, wenn mein Gegenüber o.k. ist, so wie es ist, dann gibt es nichts zu verändern.

    Und welche Welten liegen darin nun einen Menschen kennen zu lernen? Jemand anderer Meinung? Kein Problem! Jemand Ansätze von Giftigkeit? Kein Problem, sein Gift ... Ach ja, den Wolf im Schafspelz, den konnte ich auch kennenlernen. Erst zog der Wolf den Schafspelz aus um dann wie ein Lämmchen sein Fell abzugeben.

    Hätte ich wie früher, auf den ersten Impuls geachtet, so hätte ich nur das Schafsfell gesehen, nicht aber das "Lämmchen" darunter.

    Ich glaube, Hartmut, hätte ich mich im guten getrennt, dann ist es interessant wenn man mehr über den anderen hört. Wenn einfach eine gesunde Grundlage ist mehr zu erfahren. Ich habe nur erfahren müssen wie extrem die Sucht fortgeschritten ist und das ist wirklich nichts, was erheiternd ist oder für mein Leben irgend eine Rolle spielt.

    Ehrlich gesagt, wenn ich versehentlich über seinen Anblick stolpere, dann fühle ich mich unwohl und meilenweit entfernt. Da schlägt kein Gefühl - nicht mal ein schlechtes...

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Ihr Lieben,

    schon mal vielen Dank für Eure Sichtweisen. Vielleicht kommen da ja noch mehr. :wink:

    Einen Gedanken, den ich heute in einem Gespräch hatte, möchte ich mal in diesem Zusammenhang zur weiteren Überlegung hier lassen.

    Kann die Neugier oder auch Kontrolle, wie auch immer, der Versuch sein, einem Mangel auszugleichen, der bei mir selbst entsteht oder entstanden ist?
    Einen Mangel, der z.B. durch die ungewohnten *neuen* Verhaltensmuster, die wir ja erlernen möchten, ensteht. Eine Leere, die versucht aufgefüllt zu werden durch *altes gewohntes*, was uns vertraut ist?

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Na Susanne, ich weiß nicht so recht - bei mir kann ich da keine Übereinstimmung fühlen (was nicht heisst dass diese nicht da ist).

    Ich wollte anders leben und begann damit. Ich spürte, dass jede Information mich zurück warf im Neuen und deshalb blockte ich sie ab. Ich wollte mein neues Leben leben und nicht durch altes zurück geworfen werden.

    Allerdings, liebe Susanne, habe ich nicht den vermeintlich guten Zeiten nachgeweint, denn ich musste feststellen sooo gut waren die nie, wie ich es mir hatte eingebildet.

    Ehrlich gesagt, ich war viel zu sehr mit Umzug, allen den Problemen wie Möbel, Telefon ect. beschäftigt als das ich Lust gehabt hätte was von ihm zu erfahren. Dann war ich mit der Jobsuche beschäftigt - also viele Dinge für mich zu erledigen, die durch "ihn" oder das Wissen über ihn nur gestört worden wären.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Susanne,

    ich würd am liebsten nix mehr von ihm hören.
    Aber ich sehe nicht, wie das in unserem Fall praktisch funktionieren soll, weil ja nun mal die gemeinsamen Kinder da sind und ab und zu eben auch praktische Dinge zu regeln sind.

    Eine Zeitlang wünschte ich, er wäre einfach nicht mehr existent, was kein schöner Wunsch ist für einen Menschen, den man mal sehr geliebt hat. Und dann kam ich zu der Einsicht, dass es verdammt noch mal meine Aufgabe ist, damit klar zu kommen, dass er eben existiert und an meiner Fähigkeit zur Abgrenzung zu arbeiten.

    Ein Alkoholiker kann ja auch nicht verlangen, dass im Supermarkt alle Flaschen weggeräumt werden, wenn er eintritt.

    Im Augenblick geht es mir recht gut damit. Er ist mir nicht völlig egal, aber das finde ich eigentlich normal. Wie könnte es anders sein nach 16 Jahren und den ganzen Verflechtungen durch die Kinder? Es bleibt jedenfalls eine Herausforderung.

    Liebe Grüße
    Doro

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