Mrs T beschließt zu leben

  • Hallo TT,

    ist doch erstaunlich, dass wenn man es erst mal geschnallt hat, dass in dem Wunsch nach Alkohol/Rausch eigentlich etwas ganz anderes steckt, wie schnell es dann gehen kann diesen Wunsch zu entlarven und damit unschädlich zu machen.

    Toll !!!

    Mal davon abgesehen, dass ich gar keinen Partner mehr haben wollte mit dem ich trinken würde/wollte, auch wenn ich keine Alkoholikerin wäre.

    Liebe Grüße

    MaryLou

  • Hallo TT,

    Du schriebst kürzlich, dass es Dir so vorkommt, als ob Du Deinen Keller entrümpeln müsstest. Das Bild vom Keller und den Kisten habe ich auch oft verwendet und dient mir noch heute bei meiner Trockenheitsarbeit (habe ich kürzlich wieder in meinem "Unterwegs-Thread" im offenen Bereich beschrieben).

    Dein letzter Beitrag erinnert mich auch an meine eigene Trockenheitsarbeit. Ich schaute bei meinen Betrachtungen genau hin, warum ich getrunken hatte, aus welchen Situationen, Befindlichkeiten, Gefühlen usw. heraus. So erkannte ich nach und nach Verknüpfungen, Konditionierungen. Ich soff, um zu...

    Die Reihe meiner "Um zu..." war lang. Die Aufarbeitung, das Erkennen und Benennen, die Reflexion waren wertvoll und sind es bis heute.

    Ich wünsche Dir einen guten Weg. Liebe Grüße, zerfreila (1.482) :D

  • Hallo MaryLou,

    ja, das stimmt, manchmal ist es leicht zu verstehen, was hinter dem Wunsch zu trinken steckt, manchmal erscheint es mir schwierig..verschachtelt oder durch zuviel zerdenken kompliziert.

    Ich möchte auch keinen Partner mehr, der trinkt. Zumindest sollte Alkohol in seinem Leben eine untergeordnete Rolle bis gar keine spielen. Mit einer Mini-Bar in der Wohnung werde ich nicht leben können. Das ging schon zu nassen Zeiten nicht.

    Beim Rauchen war das auch so. Kaum war die letzte Zigarette ausgemacht, die Wohnung gelüftet und die Gardinen gewaschen, war das Nichtraucher-Sein des zukünftigen Partners auch ein Kriterium für die Partnerwahl. Das ging ganz schnell.

    Hallo zerfreila,

    ja, ich hatte deinen Thread gelesen und mich in deinem Bild vom Keller und der Empfindung, dass das anstrengende Arbeit ist, auch sofort wieder gefunden.
    Danke für die guten Wünsche. Ich habe auch das Gefühl, die Gründe um zu trinken, sind vielfältig und vielseitig und manchmal nicht leicht zu entschlüsseln. Bei mir fühlt es sich an, als hätte ich eine kleine Ecke meines Kellers aufgeräumt, die sieht schon gemütlich aus, andere Teile des Kellers kann ich noch nicht mal betreten, weil ich noch nicht klar genug denken kann. Interessantes Phänomen, finde ich.


    Mein Wochenende war schön, ich bin zufrieden mit mir.
    Der ganze Juni war trocken, ich habe jeden Tag bunt angestrichen.

    Zweierlei war dieses Wochenende in Bezug auf die Trockenheit wichtig: Alkohol ist sehr präsent. Die Präsenz löst kein Verlangen aus, keinen Druck, eher eine Art Verärgerung. Im Moment gehe ich damit so um, dass ich wegsehe. Überblättere in Prospekten die Seiten, schaue zur Seite, wenn die Regale im Supermarkt auftauchen. Sogar in Frauenzeitschriften taucht er auf..in Modestrecken, ich lege die Zeitschrift weg... Ich übe überhören, ich übe übersehen.

    Zum anderen gibt es den Aspekt der Gewohnheit. Ein Teil von mir sagt "Sonst haben wir jetzt immer Sekt gekauft und sind nach Hause gegangen". Nach einigem Feilen an einer Antwort, die positiv wirkt, bin ich bei "Heute machen wir es anders" gelandet. Dann schicke ich mir selbst ein paar Vorschläge zur Abendgestaltung. Das hilft sehr gut.

    Das Tagebuch-Schreiben ist zu meiner Tageshausaufgabe geworden. Mal habe ich mehr zu sagen, mal weniger. Ansonsten habe ich viel Schönes gemacht: Schwimmen, laufen, Freunde getroffen und Sonne getankt.

    Liebe Grüße
    TT

  • Hallo TT

    da hast du schon vieles erkannt und wichtiges verstanden . Ein Alkoholfreies Umfeld zu schaffen ist ein wichtiger Schutz . Das nun dir auch verstärkt Situationen auftauchen die mit Alkohol zu tun haben war bei mir auch. Klar, es war ja jahrelang ein Bestandteil des Säufer-Lebens.

    @tt

    Zitat

    Ich habe auch das Gefühl, die Gründe um zu trinken, sind vielfältig und vielseitig und manchmal nicht leicht zu entschlüsseln.

    Es gibt keine Gründe zum Trinken . Keinerlei . Es sind nur übrig gebliebene nasse Verhaltensweisen die eingeprägt sind, um das Saufen zu rechtfertigen.

    Kennst du die Grundbausteine von von uns schon ? Sie dienten mir unumstößlich als Wegweiser.
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…echternheit.php

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Hartmut,

    ja, danke, die kenne ich. Ich lese sie immer mal wieder. Manche kann/konnte ich gut und leicht umsetzen, bei manchen stockt es.

    Ich denke, dass ich trocken und nass denke. Manche Bereiche sind trocken gelegt, manche nass. Ich habe das Gefühl, dass ich langsam abtrockne. Ich kann es nicht anders formulieren, so fühlt es sich an. Und überall da, wo trockene Bereiche entstehen, kann ich mir etwas vorstellen umzusetzen, was ich zum Beispiel eine Woche davor noch nicht konnte.
    Das fühlt sich ganz erstaunlich an.

    Viele Grüße
    TT

  • Hallo!

    Seit ein paar Tagen ist in mir ziemliche Ruhe eingezogen. Die Gefühlsstürme sind weg. Ein Mal sagte meine Bauchstimme "Ich fühle mich wohl so". Also ohne Alk. Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig. Zu 99,9% ist das bei mir noch Kopfsache. Insofern habe ich mich riesig gefreut.

    Yoga, Alkoholpräsenz meiden, Tagebuch schreiben und laufen, haben mich umkreist und einen ersten ganz kleinen Schutzzaun um mich gezogen.

    Viele Grüße
    TT

  • Hallo TT

    Ich bin jetzt mal ganz leise um nicht durch unnötigen Lärm
    die Stille oder auch Ruhe sonderlich zu stören, die innerhalb
    deines Zäunchens, deines Kokons, vielleicht auch noch in diesem
    Augenblick jetzt präsent ist.
    Dieses "Ich fühl mich wohl" und das ohne Grund.
    Meine Erfahrung ist - das existiert immer auch wenn die Stürme mal
    wieder heulen werden und den Blick für diesen Schatz vernebeln.
    Es ist nur das Gekräusel an der Oberfläche.

    Yoga und ähnliches ist sehr unterstützend für das Erleben unserer
    neuen weiten Räume, ist jedoch nicht die Wurzel, die Ursache unseres Übels.
    Das war, ist und bleibt die Gier nach dem Alkohol.
    Wir haben unsere Krankheit nur zum Stillstand gebracht.
    Das ist alles.
    Vergiss das nie, niemals.

    Ein Tip noch für´s Tagebuch: male wie ich einfache Buntstiftzeichnungen,
    Sonne, Wolken, Strichmännchen, Yogaweibchen neben die Texte.
    Das bringt es echt.

    So und jetzt auf Zehenspitzen zur Threadtür hinaus nicht ohne eine
    geflüsterte -

    Gute Nacht.

    OF

  • Hallo OF

    Ja, den Satz habe ich mir gemerkt. Er ist für mich im Moment wichtig, da für mich der Aspekt der "Unschuld und Naivität" verführerisch ist. Wenn mir jemand (Arzt, Autoritätsperson, ehemalige Erziehungsberechtigte) Absolution erteilen wollen a la "Du doch nicht" "Mach dir keine Sorgen" Du trinkst nicht zuviel" hatte ich bis vor kurzem die Neigung, instabil zu werden, obwohl ich meine eigene Wahrheit kenne und sie höre. Allerdings folge ich ihr erst ein kurzes Stück.

    Zum Yoga: Ich kein Heilung darin. Das ist ein sportorientierter Kurs. Also der spirituelle Anspruch ist für mich eher weniger im Fokus.
    Mir geht es um die Atemtechnik, der ich mich ganz vorsichtig nähere. Ich bin Flachatmer und neige bei Sorgen zum Luft anhalten, ohne es zu merken.
    Auch beim Gerätetraining atme ich oft gegen die eigentliche Technik.
    Auf mich hat es eine ausgleichende Wirkung und ich möchte so gern meine Konzentration dort halten und nicht gedanklich "spazierengehen" zumindest für diese Stunde pro Woche.

    Das Zeichnen habe ich ausprobiert. Das ist ganz toll!

    Lg TT

  • Guten Morgen,

    nach einigen ruhigen Tagen habe ich nun wieder zwei hinter mir, die von Verlangen gekennzeichnet waren.

    Die Situationen waren ähnlich. Jeweils Übergangssituationen von einem netten Besuch bei Freunden zurück nach Hause. Dieser Weg löst Verlangen aus. Der Gedanke: "Früher hast du uns jetzt Alkohol gekauft." Das stimmt. Genau das habe ich getan. Ich habe auch ein wenig den Eindruck, dass ich Abschiedsschmerz spüre, vermutlich weil mir Gesellschaft oft fehlt und ich sie somit sehr genieße und mich dann wohl nicht so recht trennen mag.

    Dann sage ich mir wie ich vorhabe, den Abend zu gestalten und das Verlangen ist weg.
    Das Thema Einsamkeit zu bearbeiten, würde sich hinsichtlich des Verlangens sicher lohnen.
    Ich bin mir nur nicht im Klaren darüber, ob meine Kontaktwünsche sich so von mir umsetzen lassen. Ich bin gern allein und traue mich auch viel allein. Vom allein Reisen, über Kino bis zum Restaurantbesuch mache ich alles. Das macht mir keine Schwierigkeiten.

    Aber ob ich mich traue, auf andere Menschen zuzugehen, das wird sich noch rausstellen. Ich bin eher so, dass ich andere auf mich zukommen lasse. Von Kindheit an. Vielleicht ist es auch normal, viel allein und anonym zu leben. Oder ich bin zu passiv. Oder zu schüchtern. Oder beides.

    Ich denke, meine Wochenaufgabe wird sein, auf eine meiner neuen Bekanntschaften zuzugehen und eine Verabredung vorzuschlagen. Dann habe ich zumindest das Gefühl, in der Richtung für mich zu sorgen.

    Das Tagebuch nimmt Gestalt an. Ich hab mir dieses Wochenende dafür mehr Zeit genommen, Eintrittskarten aus den ersten nüchternen Wochen eingeklebt, Diagramme aus der Suchtfibel kopiert, die mich angesprochen haben und viel geschrieben.

    Viele Grüße TT

  • Hallo,

    heute hatte ich einen Termin. Er verlief positiv. Hinterher fühlte ich mich stolz, erleichtert und beruhigt. Ich freute mich intensiv auf meine Zukunft. Und wieder: Kurzes Alkoholverlangen, dass sich anfühlt wie "Ich fühle Freude=Jetzt trinken wir wieder, oder?"

    Ich war dann eine Runde schwimmen und bin dabei zu dem Schluss gekommen, das es anscheinend ab einer gewissen Gefühlsstärke, gleichgültig, ob positiv oder negativ zur einer Art Kurzverlangen bei mir kommt. Also aus der Emotion heraus meldet sich das Suchtgedächtnis. Anscheinend braucht es viele alkoholfreie neue Erfahrungen und Verhaltensweisen, um die alten Muster in den Hintergrund treten zu lassen. Ähnlich war es auch beim Rauchen, daran erinnere ich mich noch. Nur ist es diesmal stärker und hartnäckiger.

    Habe mir einen Film über das Thema "Alkoholentzug" angesehen. Dort wurde eine SHG gezeigt, die mich irgendwie ermutigt hat, es in der Zukunft einmal mit einer realen zu versuchen. Da nur 5 oder 6 Teilnehmer anwesend waren, sah es gar nicht so beängstigend aus. In meiner Vorstellung sitzen 20 Menschen im Kreis. Ich mag es gar nicht, vor vielen Menschen zu sprechen. Fünf oder weniger würde ich sehr gut finden. Vorstellbar.

    Lg TT

  • Hallo schnuffig!

    Danke!
    Die Wochenaufgabe ist schon erledigt, spontan und hat sich gelohnt. War ein nettes Treffen.

    Naja, also eigentlich bin ich Beziehungsmensch. Aber wenn ich allein lebe (was noch nicht oft vorgekommen ist) bin ich anders mit mir. Das Rauchen habe ich auch in einer Single-Phase aufgegeben. Ich sorge dann für mich. Wenn ich einen Partner habe, neige ich wohl dazu, dass zu delegieren. Das schleicht sich so ein. Also ich sorge für mich, wenn ich muss. Wenn es kein anderer machen will. Das reicht mir nicht mehr , deswegen will ich diesmal warten, mit dem öffnen für jemand Neues bis ich das als "Das ist mein Job" verinnerlicht habe, kombiniert mit "Mache ich gern" und "Gebe ich nicht mehr her"

    Außerdem musste man mir schon sehr nahe kommen um zu merken, dass ich einen "heimlichen Liebhaber" (den Alk) hatte und das man mit mir in einer Beziehung zu dritt war. Und das wissen von mir eben nur die wenigen Männer, die mir sehr nah waren. In dem Bereich habe ich eben auch wirklich Alkoholbedingte Fehler gemacht. Und habe ein paar Erlebnisse vor Augen für dich ich mich schäme. Da möchte ich erstmal gründlich aufräumen.

    LgTT

  • Hallo Two Times!

    Auch der Plan klingt gut; zu warten bis das "Mache ich gerne" sich gefestigt hat.
    Mir gefällt es, mich trotz Beziehung und was auch immer, als meine eigene Frau zu fühlen, bzw. es auch wirklich zu sein.
    Aufgeräumt zu haben ist auch ein gutes Gefühl, man stolpert dann nicht mehr über irgendwas.
    Auch etwas was ich nicht missen möchte.
    Also weiter so...

    LG

  • Hallo!

    Gestern und heute bin ich komplett verlangenlos geblieben. Zuerst wunderte ich mich darüber, denn ich bin heute aufgrund des Wetters körperlich nicht fit.

    Kurz darüber nachsinniert würde ich meine psychische Stabilität auf den Montag, der in jeder Hinsicht gut für mich war und ich auch gut zu mir war...zurückführen. So zu denken, also langfristiger als bisher gewohnt ist gar nicht (mehr) so leicht. Dass etwas, dass ich vor einigen Tagen Gutes für mich tat, im Jetzt Stabilität zur Folge hat.
    Eigentlich normal und logisch, sollte man meinen. Aber die Art zu denken ist wohl durch die Suchtgedanken verdrängt worden oder in den Hintergrund getreten.

    Lg TT

  • Guten Morgen TT

    Du hast letzten Sonntag was geschrieben, wollte aber nicht unbedingt antworten
    weil ich mir gedacht hab ein ausschliesslicher OF-TT Austausch kann
    ja nicht Sinn und Zweck deiner Anmeldung hier sein.
    Während der Woche dann hab ich es einfach nicht gewagt um mich nicht diesen
    fast tödlichen Blicken (hab es oft genug erlebt) beim Eintreten auszusetzen.
    Dieses: Was will er eigentlich wenn sich hier Frauen unterhalten. Hat er
    nichts zu tun? Das wollte ich mir ersparen. Ich bin nur ein armer Mann.

    Jetzt ist ja wieder etwas Ruhe und der Satz von dir war:

    Nach einigen ruhigen Tagen habe ich nun wieder zwei
    hinter mir, die von Verlangen gekennzeichnet waren.

    Es könnten sonstige Unpässlichkeiten gewesen sein, doch
    könnte es eventuell sein das die beiden Tage des Verlangens
    Freitag und Samstag hiessen.
    Das sind bei vielen Alkoholikern die Tage wo das Versteckspiel
    Kater, Fahne und eiserner Verzicht am Arbeitsplatz aufgegeben
    werden kann und der Gier freien Lauf gelassen werden kann.
    In the weekend I put in my jeans and feeling alright.
    Nur mal so meine Gedanken dazu.

    Wie du dein Tagebuch gestaltest, da schliesse ich mich ganz den
    Worten der schnuffig an.
    Das Einkleben würde ich gerne für mich übernehmen, doch es
    fällt mir nichts ein. Die Schwarzkieferzapfen, Vogelfedern u.ä.,
    die ich von meinen Spaziergängen mitbringe und auf der
    Kommode liebevoll angeordnet sind oder auch eine Wand schmücken,
    halte ich nicht so ganz geeignet dafür.
    Nun vielleicht fällt mir ja noch was ein.
    Ich schrieb ja schon immer Tagebuch, die Kladden existieren nur nicht mehr.
    Da hab ich mal das abgelöste Etikett einer Bierflasche als Ausdruck meiner
    damaligen Kreativität auf eine Seite geklebt.
    Doch das kann es ja jetzt doch nicht mehr sein.

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende

    OF

  • Hallo OF,

    warum auch immer du nichts geschrieben hast, jetzt bis du ja wieder da, worüber ich mich sehr freue :wink:

    Ja, das Wochenende steht wieder vor der Tür. Ich habe mich darauf gefreut, jetzt wird alles ins Wasser fallen. Das Sommerfest, der Trödelmarkt. Überall wo ich heute war, sind die Menschen traurig oder wütend oder frustriert. Nur die Kinder nicht. Die haben noch Sonne im Herzen. Es ist nicht schön, wenn es nur noch regnet. Es ist nicht so, dass ich mich verkrieche bei schlechtem Wetter, im Gegenteil... aber Frühling, Sommer und der frühe Herbst sind so schöne Jahreszeiten. Gerade für das Leichte und Beschwingte...so dass man raus kann ohne eine Armada von Dingen, Schirmen, Capes...wo sind die Gummistiefel..warum ist der Schirm kaputt...wo liegt die Regenjacke...schade, das es jetzt so ist.

    Heute habe ich noch einen Termin, zu dem ich gehen werde, weil ich nicht mehr trinke. Es ist freiwillig, aber innerlich nicht ganz ohne etwas ängstlich zu sein. Wäre der Sekt noch da, hätte ich mich heute stattdessen in der Flasche versteckt. Es ist etwas Neues. Habe meistens Schwellenangst. Wenn ich drüber bin, ist es, als wäre sie nie da gewesen.

    In der Suchtfibel gibts einen Cartoon dazu. Wie ein kleines Männchen in einer Flasche eingesperrt ist. Vielleicht kopiere ich das Bild und klebe es zum Tag.

    Ich habe ein neues Tagebuch gekauft. Es sieht aus wie ein Zauberbuch...im orientalischen Stil.

    Eine schönes Wochenende
    und LG TT

  • Hallo...

    Am Freitag war ich bei einem Termin. Das Ganze war schwierig. Nicht wegen dem Kurs..der war okay, ich habe mich wohl gefühlt und ich war sogar bei der Sache. Ich bin froh, da gewesen zu sein. Es war abends noch ausreichend Zeit, für mich, zum Entspannen, zum zu Hause sein. Mir ist dieses Verstecken vor dem Leben zuviel. Und auch zu gefährlich. Es führt zu keiner Befriedigung, sondern zu immer noch tieferem Klettern in mich rein. Und am Ende der Leiter ist der Alkohol ganz nah.

    Schon auf dem Hinweg war ich in Aufruhr. Wie in einem Sturm aus Wüstensand habe ich mich gefühlt. "Ich will drin bleiben" "Ich will kein normales Leben" Wut. Und Angst. Wie ein Tanz aus feinen Sandkörnern um mich herum.

    Das war kein Alkoholverlangen, es ging nicht in erster Linie darum. Sondern zu Hause zu sein. Abends. Mich verstecken. So als wäre das gerade noch so in Ordnung. Nicht zu trinken, Wäsche zu bügeln und dann ins Bett zu gehen.
    Aber nachmittags und abends am Leben teilnehmen..rausgehen, etwas Neues lernen, sich einlassen? Das hat da, wo sowieso schon alles weh tut, Wut ausgelöst.

    Vielleicht fällt es mir einfach sehr schwer, mir zu verzeihen. Das ich angefangen habe, mir ein Leben um den Alkohol herum zu bauen.

    Und auch die Dinge, die sagte unter Alkoholeinfluß. Ich wünschte ich könnte zurückgehen zu manchen Momenten in meinem Leben, mir eine Hand auf die Schulter legen und sagen: Sag' jetzt nichts. Nicht jetzt. Nicht das. Geh' einfach. Und trink nicht mehr. Aber das geht leider nicht.

    Der Samstag verlief ruhig, wir waren in der Stadt, ich habe mir ein Kleid in Herbstfarbe gekauft, ein Eis gegessen, wir waren im Wald spazieren.

    Tatsächlich hat das Wetter gehalten. Zu meiner großen Freude.

    Die nächste Woche ist beruflich wichtig für mich. Ich fühle mich angespannt deswegen. Ich werde nachher eine Runde laufen gehen.

    Lg TT

  • glück auf tt

    warum willst du dich verstecken? jetzt wo du trocken bist.
    wovor willst du dich verstecken? vor wem, vor dir selst? - geht das(ohne alk)?

    schöne zeit und n kraftpäckl


    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo TT
    Das die Vergangenheit sich nicht mehr ändern lässt, ein Loslassen Zeit in Anspruch nimmt –
    Ist leicht daher gesagt. Insofern diese „Trauerarbeit“ schon geleistet ist (wie ich an anderer Stelle für mich beschrieben), erzeugt eine solche Aussage womöglich lediglich ein sarkastisches Lächeln.
    Doch ich denke, dass jeder, der sich einer neuen Lebenssituation stellt (sei es der Abschied von den Kindern oder den Eltern; die Trennung vom Partner; der Eintritt in das Rentenalter; selbst ein Wohnortswechsel und ebenso – besser insbesondere – das Lebewohl an einen Lebensabschnitt!), egal wie schön oder schmerzlich es gewesene ist, durch ein gefühltes, dunkles Tal gehen wird. Da ist ein Vakuum zu füllen. Meine dunklen Tage werden merklich weniger.
    Der Drang das Vergangene zu verschieben oder zu verdrängen, war bei mir enorm. Ich kann auch nicht genau benennen, welche Ereignisse und Begegnungen ein Umdenken bewirkt haben. Was der Auslöser dafür war, dass statt dem Vergessen-Wollen ein Verzeihen-Können, sich eingestellt hat. Ein Vertrauensvorschuss in die Menschen, die mich begleitet haben, ein Zuversicht-Kredit in mich selbst, war sicher mit tonangebend.
    Und das ich mir geduldarmer Person, auch die Gelegenheit (heißt: die Zeit) dafür gegeben habe, war nicht unwesentlich.
    Gute Zeit und schönen Sonntag – Uwe.

  • Hallo Matthias,

    ich will ich mich vor fast allem verstecken. Es ist mir vieles zu laut, zu offen, zu aggressiv. Viele Menschen stressen mich. Ich will nicht angesehen, nicht angestarrt werden, nichts darstellen, nichts werden. Und nicht sprechen. Ich wünsche mir, dass ich nicht sprechen muss, um verstanden zu werden. Oder nur wenig. Schreiben geht, schreiben ist still. Das mag ich.

    Mit meinem wirklichen Leben hat das nichts zu tun. Ich lebe in einer Großstadt. Ich kann da draußen gar nichts machen ohne gesehen zu werden. Und es auch immer laut. Im Wald und im Park geht das. Mit Musik auf den Ohren gehts auch. Musik will nichts von mir.

    Ich fange dann an zu träumen. Zum Beispiel das ich in einem Archiv arbeiten könnte, in irgendwelchen Kellern eines steinalten Gebäudes oder nur umgeben von Büchern und einem einzigen schrulligen Arbeitskollegen, der den ganz Tag nur drei Sätze sagt und der mich trotzdem versteht, auch wenn ich auch nur drei Sätze sage.

    Mit meinem wirklichen Beruf hat das absolut gar nichts zu tun.

    Und so bin ich eben sehr oft und sehr viel auf Klettertour. Ab in mich rein. Dicht machen, zu machen. Schotten dicht. In Bücher kriechen, in meine Wohnung, in die Wanne, in die Sauna. Ich bin auch fast nur ganz früh morgens im Fitnessstudio. Bei Kursen usw. Weil da keiner ist. Oder kaum jemand.

    Dann überlege ich aufs Dorf zu ziehen. Weg von allem. Aber eigentlich fehlt mir da alles. Ich mag Sport, Gesellschaft. Total gern. Nur habe ich halt nichts an Unterhaltungswert zu geben. Und bin von Menschen mit Wünschen und Forderungen an meine Darstellungskraft und an mich komplett überfordert. Ich bin einfach da und brauche ganz viel Ruhe.

    Danke fürs Kraftpäckl :wink:
    TT

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