Vorstellung - 15 Tagen Nüchternheit

  • Zitat von c2h5oh

    Ich subsumiere mal "Alkoholblitze" unter Vorzeichen.

    ich versteh das schon wieder anders.
    "Alkoholblitze" hab ich auch z.b. gelegentlich bei alk-werbung oder in ähnlichen situationen wie s tocco beschrieben hat. solche blitze gehn relativ schnell vorbei bzw. kann ich schnell erfolgreich gegensteuern.
    auf "vorzeichen" folgt m.e. das dadurch angekündigte ereigniss - hier der "saufdruck". in meiner erinnerung, war das erste "vorzeichen" so ne "allgemeine innere unruhe" für die ich vergebens nach ner erklärung bzw. nach ner ursache gesucht hab, dann kam der "saufdruck".

    glück auf

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Zitat von silberkralle

    glück auf nochmal c2h5oh

    sicher ist sucht und was damit zusammenhängt, alles andere als einfach und/oder einseitig.

    mir fehlt diese gewissheit. was is mit stoffen die gespritzt werden? was is mit stoffunabhängigen süchten z.b. arbeit, spielen, S** usw.

    Hallo Silberkralle,

    gemeint ist hier tatsächlich Freuds Phasen-Modell. "Ich bin, was man mir gibt" beschreibt ganz gut die erste, die orale Phase. Wie ich mir die Substanz verabreiche, oral, intravenös oder durch die Nase (z.B.Kokain), ist dabei zweitrangig. Eine der Alkoholsucht recht ähnliche ist die Kaufsucht: das Glücksempfinden (der Rausch) wird nur durch das Kaufen selbst (Trinken) generiert. Sobald der Kauf vollzogen ist (wieder nüchtern), folgen Deprimiertheit, Unzufriedenheit, Unruhe, die nur durch erneutes Kaufen (Trinken) vergehen. Die moderne Werbung zielt heute konsequent auf den "oralen Aufsauger", schon lange nicht mehr auf den "analen Besitzer und Bewahrer", der seine Erwerbung hegt, pflegt und möglichst niemals wegwirft ("ich bin, was ich habe"), um einen möglichst hohen und konstanten Absatz der Waren zu gewährleisten. Auch die Spielsucht trägt orale Züge: der Spieler investiert nur, um durch Geld belohnt zu werden. Wenn das gelingt, kann er sich nicht (anal) über den Besitz freuen, sondern muss das Geld wieder investieren, um wieder (oral) belohnt zu werden usw.

    Viele Grüße

  • Zitat von silberkralle

    ich versteh das schon wieder anders.
    (...) in meiner erinnerung, war das erste "vorzeichen" so ne "allgemeine innere unruhe" für die ich vergebens nach ner erklärung bzw. nach ner ursache gesucht hab, dann kam der "saufdruck".

    glück auf

    :D
    matthias

    Hallo Silberkralle,

    hervorragend, vielen Dank. "Unerklärliche innere Unruhe" wird notiert.

    Viele Grüße

  • Zitat von juergenbausf

    Hallo c2... ,

    die Erkenntnis, daß ich nicht mehr trinken will, und die schlichte Akzeptanz, Alkoholiker zu sein, haben mich am weitesten gebracht.
    Einfach abstinent leben und Priorität 1 drauf legen, daß es so bleibt.
    LG Jürgen

    Hallo juergenbausf,
    ich wünsche viel Freude am abstinenten Leben.
    Viele Grüße

  • Zitat von c2h5oh

    gemeint ist hier tatsächlich Freuds Phasen-Modell.

    ohhhh - da is also n teil von mir ganz früh hängen geblieben :roll:
    wovor ekelts mich? - makkaronie mit tomatensose! kommt sofort in meinen "notfallkoffer". werd üben.

    glück auf

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Zitat von Tocco54

    Hallo c2h5
    Wenn ich ein oraler Typ bin ,bin ich das doch zeitlebens .Ich kann mich doch nur in diesem Spektrum modifizieren.Oder sehe ich das falsch?
    Viele Grüße T.

    Hallo Tocco54

    Natürlich ist nicht auszuschließen, dass etwa durch eine Psychoanalyse oder andere analytisch orientierte Verfahren die Ursache(n) der Störung gefunden werden und die orale Störung geheilt werden kann. Aber da wäre ich eher skeptisch. Ich bin auch sehr skeptisch, wenn mir eine vulgär-psychologische Regenbogenpresse-Lösung angeboten wird: Emotionale Vernachlässigung durch die Eltern, zu frühes Abstillen u.ä. Schon Pongratz et.al (Lehrbuch der Klinischen Psycholgie) konnten zeigen, dass u,v,a (!) neben schwerer (!) Vernachlässigung auch die Verwöhnung zu einer oralen Fixierung beitragen können.

    Viele Grüße

  • Zitat von Tocco54

    Hallo c2h5
    Ich hätte da noch was.Jetzt mal abgesehen von der psychanalytischen Ebene kommt es ja infolge Alkoholmissbrauchs zu chemischen und unter Umständen strukturellen Hirnveraenderungen,zb Rezeptorzunahme .Da hilft nur eins,mindestens 1 Jahr das erste Glas weglassen,um zumindest die Chemie zu normalisieren und diesen Zeitraum für Veränderungen nutzen.
    Gruß T.

    Das sehe ich genauso. Der Kauf- und Spielsüchtige ruiniert sich psychisch, sozial und finanziell. Beim Alkoholkranken kommt noch der Körper hinzu. Ich möchte an dieser Stelle noch vorschlagen, das Fernsehen, ganz besonders das Anschauen von Fernsehwerbung als Risiko zu bewerten: die Leute, die am Nebentisch sitzen und Bier trinken, sind Amateure. Die in der Fernsehwerbung sind Profis, unterstützt von einer Armada von abgefeimten Werbepsychologen. Wer auf Fernsehen nicht verzichten kann, könnte wenigstens die Werbespots abschalten oder das Zimmer verlassen und die Tür schließen. Der Aufwand ist nicht größer als das Verlassen einer Feier, sobald jemand einen Weinkorken zieht.

    Viele Grüße

  • Zitat von c2h5oh

    ... das Fernsehen, ganz besonders das Anschauen von Fernsehwerbung als Risiko zu bewerten: die Leute, die am Nebentisch sitzen und Bier trinken, sind Amateure. Die in der Fernsehwerbung sind Profis, unterstützt von einer Armada von abgefeimten Werbepsychologen. Wer auf Fernsehen nicht verzichten kann, könnte wenigstens die Werbespots abschalten oder das Zimmer verlassen und die Tür schließen. Der Aufwand ist nicht größer als das Verlassen einer Feier, sobald jemand einen Weinkorken zieht.

    sehr guter hinweis ! ich hab wieder was gelernt.

    glück auf

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hi!

    Verwöhnung ist doch nichts anderes als ein Vernachlässigen der wirklichen Befürfnisse eines Kindes.
    Hätte Freud seine 1896 herausgefundenen Erkenntnisse nicht aufgrund seiner Angst vor dem gesellschaftlichen Tod wieder zurückgezogen, wie würde diese Unterhaltung im Heute dann wohl ablaufen?
    Man erlaube mir kurz mein lautes Denken hier.

    LG!

  • Zitat von schnuffig

    Hi!

    Verwöhnung ist doch nichts anderes als ein Vernachlässigen der wirklichen Befürfnisse eines Kindes.
    LG!

    Das stimmt. Das Kind wird mit (käuflichen) Dingen überhäuft und emotional ausgehungert. Was Pongratz untersuchte, bezieht sich allerdings auf die orale Phase, besonders auf die viel diskutierte optimale Stillzeit. "Verwöhnung" meint hier eine Stillzeit, die weit über 12 Monate hinausreicht. Es wird von Müttern berichtet, die ihre Kinder 2.5 Jahre(!) stillten. Diese "orale (Über-)Verwöhnung" kann, wie eben die schwere Vernachlässigung (nicht oder nur kurz stillen, keine Zärtlichkeiten, keine Berührungen, kaum Ansprache, kaum Blickkontakt) zu einer oralen Fixierung führen, bzw. dazu beitragen.

    Viele Grüße

  • Zitat von silberkralle

    sehr guter hinweis ! ich hab wieder was gelernt.

    glück auf

    :D
    matthias

    Das freut mich. Es gab eine Zeit, als das Fernsehgerät halb scherzhaft "Heimkino" genannt wurde. Ein guter Begriff, denn so wurde es genutzt. Oft versammelte sich die Familie im "Heimkinosaal" und schaute zusammen Nachrichten und einen Film. Danach wurde das Fernsehgerät ausgeschaltet, und die Familie ging "nach Hause". Heute, und beileibe nicht mehr nur in den USA, läuft das Gerät oft den ganzen Tag. Vollkommen indifferent sieht der Konsument, oft nur nebenbei, alles, was der Kanal hergibt. Das ist gefährlich: hier kommt die tückische subliminare ("unterschwellige") Wahrnehmung ins Spiel. Moderne Werbung ("4ter Ordnung") hat sich längst auf diese Sehgewohnheit eingestellt. Viele Konsumenten denken, dass sie bei Werbung "kaum hinsehen, weil sie ohnehin Hausarbeit verrichten". Sie irren. Sie werden geschickt manipuliert. Für einen Suchtkranken, ob Alkohol- oder Esssucht ist hier gar nicht so entscheidend, kann diese unterschwellige Wahrnehmung und somit Manipulation zur Falle werden. Wer sich zum Beispiel eine Alkoholwerbung (möglichst mit Standbildern) aufmerksam ansieht, wird bemerken, dass alles getan wird, um das gesellschaftlich inzwischen durchaus umstrittene Image der potentiell krankmachenden Droge Alkohol zu euphemisieren. Wir sehen natürlich niemals die frierenden, aufgedunsenen, oft schmutzigen Alkoholkranken am Kiosk, wie sie zitternd einen Flachmann zum Bier trinken. Nein, wir sehen: gesunde, gut gebaute, gut gekleidete, erfolgreiche, fröhliche Menschen, die niemals allein, sondern immer mit telegenen Freunden in einem sehr ansprechenden Ambiente (gehobene Gastronomie, gehobene Bars) genussvoll ein Getränk zu sich nehmen. Die Nebendarsteller (Gäste) sind von gleicher Art. Niemand ist übergewichtig, niemand guckt ernst. Das Leben ist schön, und zu diesem schönen Leben gehört das Getränk xy.
    Das wird kommuniziert. Jeden Tag, oft jede halbe Stunde wird die Botschaft ins Konsumenten-Hirn geschleust.

    LG

  • glück auf karl

    Zitat von Carl57

    Mitschuld

    lustig - wie jeder liest was er lesen will - ich wurde auf ne gefahr aufmerksam gemacht - und mir wurde mit klaren worten erklärt, wie ein trigger funktioniert. erst jetzt is mir klar wieso mir (immer noch) ab und zu s wasser im mund zusammen läuft bei bestimmten bierwerbefilmchen obwohl ich doch fast nur schnaps gesoffen hab. wo steht was von schuld?

    danke c2h5oh

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Zitat von Karsten

    Hallo,

    für mich immer auffällig, dass gerade die gerade trocken gewordenen Alkoholiker sich mit solchen Themen beschäftigen unf die Welt retten wollen.

    Gruß
    Karsten

    Hallo Karsten,

    ich beschäftige mich damit schon recht lange. Als Weltretter eigne ich mich nicht.

    Gruß

  • Zitat von Carl57

    ja, ja ... die Fernsehwerbung ist Mitschuld am Alkoholismus.

    Haben sich die Hobby-Psychologen mal mit dem Alkoholismus in früheren Vor-Fernsehzeiten beschäftigt?

    Hallo Carl57,

    ich habe weder Hobbies, noch bin ich Hobby-Psychologe. Eine Korrelation zwischen den von mir skizzierten Sehgewohnheiten (Fernsehen ist nur eines der manipulativen Medien) und vor allem den besonders traurigen Entwicklungen wie dem zunnehmenden Jugendalkoholismus (v.a. binge drinking) möchte ich schon postulieren. Damit ist keinesfalls eine simple Kausalität gemeint!

    LG

  • Zitat von mutig

    oh, wirklich?
    Das solltest du ändern

    Grüße

    Hallo mutig,

    das kann ich nicht ändern. "Hobbies", also der eher spielerische, verspielte Umgang mit einem Gegenstand, empfände ich als verschwendete Zeit. Ich habe einige wenige Spezialinteressen und -gebiete. Diese beanspruchen mich vollkommen. Aber ich weiß, wie du es meinst und dass du es gut meinst. Danke.

    LG

  • Hallo,

    ich finde deinen Thread bis dato äußerst interessant und i spirierend. Danke dafür.

    Du hast vielleicbt keine "Hobbies", aber Du hast Leidenschaften in dem Sinne daß es Dinge gibt die dich scheinbar sehr stark interessieren und auf die du dich sehr stark fokussierst. Das hat doch dieselbe hilfreichende Funktion wie Hobbies (auch und gerade was das Trockensein angeht); ist also meiner Meinung nach nur ein Streit um Begrifflichkeiten ergo irrelevant...

    Ich hab mal wieder ne Frage:

    Du schreibst einerseits daß deine Umgehensweise mit der Sucht (das was du mit deinem Bekannten per email beredest) sehr stark auf Verhaltenskonditionierung basiert.

    Andererseits hast du ein großes Interesse und Wissen um tiefenpsychologische Hintergründe, Wirkungsweisen und Zusammenhänge der Sucht.

    Bringst du diese beiden Ebenen zusammen? Wenn ja wie? Ich komme immer noch aus einer Zeit in der diese beiden Schulen sich eher gegnerhaft gegenübergestanden haben (was natürlich dumm ist aber da bin ich eben sozusagen intellektuell geprägt, wobei die tiefenpsychologische Denkweise meine Präferenz war und ist), und ich bin auf deine Lösungsansätze sehr gespannt.

    Noch was: was Du über die Suggestionskraft der heutigen Werbeindustrie schriebst hat mit sehr gefallen. Das ist kein Weltrettungsversuch in meinen Augen. Das ist der Versuch den eigenen Ar***sch zu retten - durch Klarheit über Mechanismen denen wir alle ausgesetzt werden -- also nix weiter als Trockenheitsarbeit at its best... Danke dafür!

    LG Frank

  • Zitat von garcia

    Hallo,

    Du schreibst einerseits daß deine Umgehensweise mit der Sucht (das was du mit deinem Bekannten per email beredest) sehr stark auf Verhaltenskonditionierung basiert.

    Andererseits hast du ein großes Interesse und Wissen um tiefenpsychologische Hintergründe, Wirkungsweisen und Zusammenhänge der Sucht.

    Bringst du diese beiden Ebenen zusammen? Wenn ja wie? Ich komme immer noch aus einer Zeit in der diese beiden Schulen sich eher gegnerhaft gegenübergestanden haben

    Ich habe dogmatische Schulenbildungen (nicht nur in dieser Disziplin, man denke u.a. an den "Positivismusstreit in der deutschen Soziologie" oder die armselige Wittgenstein-Rezeption der Frankfurter Schule) immer bedauert. Folgen wir André Glucksmann, haben "die Meisterdenker", allen voran Hegel (meine Wertung), ihren gewichtigen Anteil an dieser, ja, deutschen Spezialität. Erfreulicher Weise entwickelt sich seit einiger Zeit auch in Deutschland ein reges interdisziplinäres Forschen. Um auf deine konkrete Frage kurz und eher aphoristisch einzugehen (muss noch arbeiten): Tiefenpsychologie profitiert von der methodisch-empirischen Strenge der Verhaltensforschung, und vice versa ermöglichen Erkenntnisse der Tiefenpsychologie die Sensibilisierung der Verhaltensforschung für den immer individuellen Einzelfall. Soweit meine hier stark verkürzte und sicher unzureichende Antwort.

    Viele Grüße und gute Nacht

  • Hallo, ich teile Deine Hegel-Skepsis (die sicherlich wesentlich fundierter ist als meine) und finde den Hinweis auf die wechselseitige Befruchtung tiefen- und verhaltenstherapeutischer Schulen inspirierend.

    Mich würde dennoch - wenn du mehr Zeit hast - sehr interessieren wie Du diese beiden (je für sich ja an sich wertvollen) Ansätze für deine eigene Problematik zusammenbringst - im Sinne einer selbststeuernden Handlungsalternative. Was ich bei verhaltensorientierten Ansätzen als leichter empfinde als bei der Auseinandersetzung mit unbewußten, dafür umso mehr emotional wirksamen Persönlichkeitsanteilen -- die ich als intellektuell weniger beherrschbar empfinde...

    Einstweilen aber erstmal Danke für Deine Anregungen in deiner vorläufigen Antwort --- und ich wünsche dir auch eine gute friedliche und erholsame Nacht.

    Frank (aka Garcia nenn mich ruhig beim richtigen Namen das Pseydonym stammt aus meiner Anfangszeit hier)

    LG

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