• Guten Morgen Lea und Kaleu

    wie schön, daß ihr mir schon geschrieben habt!

    Lieber Kaleu

    danke für Deine Offenheit. So sehe ich Deine Posts an mich in einem ganz anderen Licht. Und Du hast mich neugierig gemacht. Vllt. lese ich mir mal Deine Threads ganz durch.

    Ich hatte schon den Verdacht, daß ich Dich an irgend etwas unangenehmes in Deinem Leben erinnere. Dachte aber eher, daß ich evtl. einer anderen Person ähnle, die für Dich negativ belegt ist.

    In Deinem Thread "Meine Wände" schreibst Du an Renate

    Zitat

    Vertrauen war für mich immer das eine große Thema. Ich kam da nie ran. Weil ich's rational versucht habe.

    Daraus hab ich wohl den Kopfmenschen "gebastelt"

    Jetzt wo ich Deinen Thread "Scherbenhaufen" kurz angelesen hab (auch nur Seite 1) fällt mir aber auf, daß Du da viel mehr und sofort als Gefühlsmensch rüber kommst. Wie gesagt, ich werd mir das mal zu Gemüte führen. Bekanntlich kann man ja lernen, wenn sich einer schon durchgekämpft hat, wo man selbst noch im Urwald steht.


    Liebe Lea
    genau das ist es, Geborgenheit und Freiheit zugleich. Und keine Sorge - ich werde oft dahingehend kritisiert, daß ich zuviel nachdenke. Also mein Kopf ist nicht ausgeschaltet. Aber verinnerlichen, heißt für mich, nicht lang drüber nachdenken müssen, sondern die Abgrenzung aus dem Bauch heraus verinnerlicht haben.

    Schönen Tag Euch!
    Nys

  • Zitat

    Ich hatte schon den Verdacht, daß ich Dich an irgend etwas unangenehmes in Deinem Leben erinnere. Dachte aber eher, daß ich evtl. einer anderen Person ähnle, die für Dich negativ belegt ist.

    Treffer und versenkt. Ich muss gerade wieder lachen. :)

    Aber auch hier geht es nicht um diesen anderen Menschen oder um Dich. Sondern rein um mich selbst. Denn ich tue mir nichts Gutes andere Menschen negativ "zu belegen". Ich bin sogar ganz froh, daß Du mich drauf schubbst, denn es geht hier um eine Verletzung die ich noch nicht ganz ausgeheilt habe und auf die Du mich gestossen hast.

    Es war nicht ganz fair von mir, das auf Dich zu übertragen, doch hab ich's unabsichtlich getan und wäre froh, wenn Du mir das nachsehen könntest.

    Mich hat das angesprochen, der Austausch zwischen Dir und Schnuffig hauptsächlich. Da war etwas davon Frieden und/oder Autonomie mit Gewalt zu erzwingen. Das schwang bei euch Beiden mit. Aber eben genau dieses erzwingen wollen verhindert jeden Frieden und vor allem jedes Vertrauen.

    Ich merke aber gerade, daß ich in den letzten Tagen diesen Kampf selbst wieder innerlich aufgenommen hatte. Und mich das deswegen so angesprungen hat.

    Ich bin recht froh, daß Du mich ein bisschen darauf schubbst und das auch offen ansprichst. Hast mich da direkt erwischt. Danke :)

    Zu Dir und Schnuffig mag ich sagen, ich hoffe ihr nehmt's mir Beide nicht krumm, es fällt mir ein bisschen auf, daß ihr zwar Frieden sucht, ihn aber erzwingen wollt. Das geht nicht. Ich hab es lange probiert. Man kann ihn aber erlauben.

    Wenn Du willst Nys, pick ich mir mal die Sätze raus an denen mir das bei Dir aufgefallen ist, aber nur wenn Du möchtest. Ich möchte Dir nichts unterstellen oder Dir was an's Knie nageln.

    Derweil Dir einen schönen Tag :)

  • Zu dem Satz den ich an Reante geschrieben habe, und mit dem Du mich zum Kopfmenschen gebastelte hast, mag ich was schreiben, denn das passt hier ganz gut.

    Ich wollte das mit dem Vertrauen damals verstehen. Als ich angeanfengen habe mich mit mir auseinanderzusetzen. vertrauen konnte ich zwar, aber das war eher naiv alles glauben. Was Vertrauen wirklich ist, wusste ich damals nicht. Also hab ich's versucht mit dem Denken, also rational, zu durchdringen. Letzten Endes weil ich's eben verstehen wollte. Eben unbedingt wollte. Weil ich eben endlich Frieden wollte.

    Und genau das geht nicht.

    Ich hab alles nur erlauben müssen. Und nicht mehr wollen.

    Vertrauen, Freiheit, Autonomie, Frieden, all das ist die ganze Zeit da. Immer. Wir brauchen nur aufhören es zu wollen und es erlauben. Das ist alles.

    Bin ganz froh, daß mich Dein Thread da gerade selbst wieder hin bringt, ich war in den letzten Wochen ein ganzes Stück weg davon.

  • Ja Kaleu! Pick sie raus und stell sie rein! So funktioniert Austausch ganz in dem Sinne, wie ich ihn verstehe.

    Ich kann dann drüber nachdenken und Stellung nehmen.

    Spontan denk ich, daß ich manchmal um mich schlage, wenn Mama mir das Spielzeug wegnehmen will - wie ein 3 Jähriges. Ich versteh nicht, daß ich erwachsen bin - aber auch nicht warum sie immernoch meint, mir alles aus der Hand nehmen zu müssen, was mich glücklich macht.

    Ich fühle mich hilflos in meinem Bestreben nach Kontakt und Akzeptanz, was den Umgang mit ihr betrifft.

    Ach ja und natürlich kann ich Dir das mit der "Übertragung" nachsehen. Ging mir in der Therapie mit einer Mitpatientin auch mal so - und eigentlich sind wir dann genau an der Stelle wo beide profitieren können, - solange wir uns ehrlich und mit Respekt austauschen.

    Ich bin gespannt.

  • Noch was:

    Ich habe mit 12 eine Fabel über den Frieden geschrieben.

    Frieden, der von zwei Brüdern mit Gewalt erzwungen werden wollte. Alles ging dabei zu Bruch.

    Ende der Geschichte war die Moral, daß Frieden nur aus dem Herzen entsteht.

  • Guten Morgen Nys,

    achja, die Eltern ....... *seufz*.
    Es verfolgt einen ja irgendwie dann doch ein Leben lang, auf die ein-oder andere Art, selbst wenn nichts "dramatisches" vorliegt.
    ----
    Wie Du weisst, werde ich ja nun auch zurueck ins "Nest" gehen. Will mich aber nicht in ein Kueken zurueckverwandeln, und genau da wird das Problem liegen, fuerchte ich. So ein bisschen "bemuttern" Lassen ist ja mal ganz nett ..... in Ueberdosis jedoch :roll: .

    Weisst Du, natuerlich sind meine Eltern immer noch fuer mich "da", soweit sie koennen. Vielleicht ist es das, was Du mit "Wurzeln" auszudruecken versucht hast.
    Ein tieferes Verstaendnis ist jedoch auch hier nicht (mehr) moeglich. Aus ganz vielen Gruenden. Einer davon, weil ich es auch gar nicht will, so tiefen Einblick in mein Inneres zu geben.
    Es ist eben (bei mir) immer noch die "Wir Eltern - Du Kind-Ebene".
    Ein wirklicher Austausch auf Augenhoehe ist nicht moeglich. Oder nicht erwuenscht, von Beiden Seiten......dazu wuerde auch gehoeren, dass sich BEIDE Parteien oeffnen und teilweise hinterfragen Lassen. Und genau das wird und soll auch nicht geschehen. Ich nehme meine Eltern eben immer noch als "Eltern" wahr, was deren Probleme als Person", als "Eheleute", als Individuen so sind/waren ....... will ich gar nicht so im Einzelnen wissen.
    Und umgekehrt dann eben auch nicht.

    Der andere Grund ist, dass sie vieles einfach auch nicht mehr verstehen koennen. Sie sind nun um die 80, leben seit Jahren in ihrer kleinen "Rentner-Welt", die sich eben nur bedingt mit der wirklichen Welt da draussen deckt. Ist halt so.......

    Wir alle muessen auf die ein-odere andere Art lernen, ohne die Eltern zu leben. Teilweise sind sie frueh verstorben, waren nie anwesend, waren nie wirklich fuer die Kínder da, werden alt, verwirrt, weltfremd ......und fuer jeden von uns kommt der Tag, an dem sie einfach nicht mehr da sind (wenn sie es denn je waren).
    ------
    Was will ich Dir nun eigentlich sagen ...*hmmmm*...... so ungefaehr folgendes: was Du nun erlebst ist eigentlich der normale Lauf der Dinge. Das "allein stehen", ein wenig verloren in der Welt. Frueher oder spaeter.

    Was Du wohl immer noch versuchst, ist eine Art "Widergutmachung" ..... wenn es frueher mit dem Verstehen und der Geborgenheit nicht geklappt hat, dann jetzt vielleicht? Oder jetzt ......oder jetzt????? Und immer wieder bekommst Du eins auf den Deckel. Wie jetzt grad ....neee, klappt immer noch nicht. Und dann weinst Du.
    Tagelang.

    Vielleicht waere anstatt "Verzeihen" "Annehmen" die bessere Alternative?
    Annehmen, dass Du ein Krokodil zur Mutter hattest. Immer noch hast. Auch wenn es jetzt mit weissen Schafs-Locken daherkomm
    -------------

    Ach, wusstest Du das? Es ist fast unmoeglich ein Krokodil am zubeissen zu hindern ..... aber relatif einfach, es darán zu hindern, das Maul ueberhaupt erst aufzumachen ...... ein simples Klebeband genuegt. Hab ich aus den Tierdokus gelernt :P . Laesst sich aber auch prima uebertragen .....

    Gruesse, Lindi

  • Hallo Nys
    Ich bin da über einen Satz von dir gestolpert,der mich in meinem Leben auch lange beschäftigt hat
    -------------------------------------------------------

    Zitat:
    Ich habe ein ganz anderes Bild von Mutterliebe, als ich jemals von ihr bekommen könnte. Ich habe dieses Bild in mir!
    ----------------------------------------------------------

    Kommt das nicht auch unseren Beziehungen zu den xy nah?
    Ich denke gerade mal laut weil du da auch was in mir angeschubst hast.

    Ich sah und erlebte ja nicht nur meine ,,Familie, sondern hatte Freundinnen etc und besuchte die auch ,sah also das es auch anders geht ,nicht so zerrissen wie bei mir zuhause (als Kind) ,
    gelebt bei liebevollen Großeltern allerdings hatte Oma Angst vor meinen Eltern,so wurde ich dort überbehütet damit ja nichts an das Kind drankommt(man ihr Vorwürfe machen könnte)
    .Zu Besuch bei einem Vater der colerisch war und schlug und bei Mutter die völlig desinteressiert war und ich ihr Sündenbock,nur weil ich existierte.

    Irgendwann zog ich mich in eine Traumwelt zurück,bastelte mir was zurecht wie es sein sollte /müßte.
    Ich idealisierte,bestimmt schoß ich dabei übers Ziel hinaus(gedanklich)
    In der Realität verbog ich mich in alle Richtungen um passend zu sein/geliebt zu werden.

    Ich war wohl sowas wie ein Camälion,hab mich der jeweiligen Situation (Haushalt) angepasst,ein stabiles ,,Ich,, konnte ich da nicht entwickeln.

    Lange suchte ich im ,,Außen,,inzwischen weiß ich es ist längst in mir,es war immer da ich habs nur nicht gewußt.
    Mein Vater ist inzwischen Tod,er war irgendwann gesprächsbereit,allerdings war seine Wahrnehmung eine völlig andere und das Erlebte hat ja garnicht stattgefunden,also brach ich den Kontakt irgendwann ab.
    Wenn ich meine Mutter heute zufällig mal sehe,sehe ich eine Fremde,ich kenne sie nicht wirklich ,weiß nicht was sie mag und was nicht etc.
    Sie ist seit über 40 jahren neu verheiratet und da hatte ich sowieso nie einen Platz.
    Das ,,bessere,, Leben mit dem nächsten Mann war nur für Sie,ich nur die läßtige Erinnerung an das ,,vorher,,mit meinem Erzeuger.
    Vor vielen Jahren sagte eine Freundin mal zu mir:
    was sitzt du vor dem tropfenden Wasserhahn wenn du Durst hast ,dreh dich um hinter dir ist ein Meer.
    Ich fand das was ich mir von meiner Mutter erhoffte in anderen Menschen.
    Das geht wenn man sich erstmal von dem Ideal gelöst hat.
    Letztendlich ist es doch egal von wem die Liebe kommt die man sich wünscht,oder?

    Lg R..

  • Hallo Renate,

    "Letztendlich ist es doch egal, von wem die Liebe kommt", schreibst Du.
    Das stimmt!
    Es ist aber nicht egal, welche Art Liebe.
    -----
    Genau hier liegt der Ausgangspunkt fuer Co-Abhaengiges Verhalten.
    Die Suche nach der Ur-Geborgenheit, die all-umfassende Liebe, das angenommen-sein bis in den Kern.

    Alles Dinge, die jeder kleine Mensch von Geburt an erfahren sollte, bis er sich davon frei machen kann. Unabhaengig wird - Erwachsen halt.
    -----
    Suchst Du als Erwachsener danach, egal ob beim Partner, oder bei den eigenen Kindern (Thema: Loslassen) ..... *zack* hast Du ein ungesundes Verhaeltnis. Klammerig. Abhaengig.

    Das IST ja gerade der Knackpunkt mit der Co-Abhaengigkeit, egal ob das Gegenueber saeuft oder nicht!

    Gruesse, Lindi

  • hallo lindi
    du schreibst:Es ist aber nicht egal, welche Art Liebe
    ............................................................................
    Stimmt ,habe mich da vielleicht ungeschickt ausgedrückt.

    Die Liebe die freiwillig und um meiner Selbst willen zu mir kommt ist viel mehr wert

    Ich wollte auch nichts kleinreden,ganz klar macht ein ,,schlechter Start ,,ins Leben was mit uns ,nicht umsonst versuchen wir ja jahrzehntelang dieses ,,Loch,, zu füllen.

    Lg R..
    ..

  • Na gut, ich picke mal.

    Zitat

    Ja - und wer braucht Mutti mit 40+ ? Jeder! aber nicht so.
    Wir brauchen einander als Menschen und es kann einfach schön sein, wenn das mal "sein darf" ohne daß man gleich seine Freiheit verteidigen muß. Es ist das Bedürfnis eines jeden von uns, auch mal schwach sein zu können und dabei liebevoll behandelt zu werden. Wer das nicht zugeben kann, ist sich selbst fremd.

    Hier schmeisst Du unwahrscheinlich viel zusammen was nicht zusammengehört um Deine Argumentation zu untermauern. Ich hab Recht. So und nicht Anders hat es zu sein und Jeder der das nicht versteht ist gleich mal lebensfremd.

    Nein. Niemand braucht Mutti mit 40. Auch nicht mehr mit 18. Aber hier verteidigst Du bis auf's Messer, daß Du aber Mutti willst. Und zwar so, so wie Mutti Deiner Meinung nach zu sein hat. Alles was hier aus Dir spricht ist Verletzung nicht Argumentation. Eine die Du gern behalten magst und sie gerne auch bis auf's Messer verteidigen magst. Ich habe nicht nur recht, sondern eben auch das recht verletzt zu sein.

    Ja, hast Du. Darfst Du. Punkt.

    Der einzige Mensch dem Du damit weh tust bist aber Du.

    Du hast auch recht, das Menschen Bindungen brauchen. Freiheit ohen Bindung ist völlig unmöglich. Aber zeitgleich fürchtest Du Bindung. Weil Du Dich vereinnahmt fühlen könntest und pochst deswegen radikal auf Autonomie. Ich bin schon groß, ich brauch euch alle nicht. :D

    Deine Ambivalenz, daß Du Bindung suchst, aber Bindung fürchtest ist ganz deutlich. Nur wirst Du ohne auch nie frei sein.

    Zitat

    Ich habe Autonomie in meinem Leben oft bewiesen

    Und warum ist das überhaupt nötig? Warum musst Du etwas beweisen, oder warum glaubst Du etwas beweisen zu müssen, was Du bereits hast? Niemand kann's Dir nehmen. Nur Du. Denn nochmal - Du bist 40. Nicht 4.

    Bindung bedeutet nicht seine Autonomie aufgeben. Bindung bedeutet nur sich mit einem anderen Menschen verbunden fühlen, ganz gleich wie der ist, was der tut und warum.

    Diese Bindung zu Deiner Mum wirst Du immer haben und fühlen. Immer. Du kannst Dich noch so dagegen wehren, aber sie wird bleiben. Das wird alle Menschen in Deinem Leben betreffen.

    Du hast es in der Hand, deine Autonomie anzuerkennen und die Bindungen die Du fühlst und die Dir diese Autonomie überhaupt erst ermöglichen. Dann endet der Kampf und es entsteht Raum für inneren Frieden.

    Deine Mum ist Deine Mum. Sie ist wie sie ist. Solange Du sie aber brauchst, damit sie anerkennt, wie Du Dich gern sehen willst, bist Du nicht Du.

    Du bist der Mensch der das entscheidet. Nicht Deine Mum.

    Sie ist im Grunde wurscht. Du musst nicht mit ihr zusammenleben wenn's Dir nicht gut tut. Deine Verbundenheit mit ihr, wirst Du dennoch behalten.

    Solange Du Dich aber selbst von Deiner Mum lösen willst indem Du die Bindung nicht mehr willst, hast Du keine Autonomie. Und wirst Du nie haben. Denn Du wirst Dich durch diese Bindung ge-bunden fühlen. Bindung aber ist sich ver-bunden fühlen.

    Es ist wurscht ob Deine Mum das Gleiche macht. Es geht nur um Dich.

    Du kannst Dich auf'n Kopf stellen und mit dem Hintern fliegen fangen, dennoch wirst Du Dich mit Deiner Mum verbunden fühlen. Du kannst es erlauben. Und dadurch autonom werden. Oder bekämpfen. Deine Entscheidung.

    Zitat

    Dann dachte ich mir: Das kann ja wohl nicht Dein ernst sein, daß Du glaubst, ich spiel da aus Langeweile die Schwache.

    Das habe ich nicht geschrieben. Ich schrieb nicht von Langeweile sondern von Lebensaufgabe. Im Sinne eines Lebenssinns.

    Denn - wer wäre der Hungrige plötzlich noch, würde er beginnen zu essen?

  • Ach ihr Lieben, ihr seid ja so fleißig mir zu schreiben, daß ich kaum hinterher komme :) DANKE

    für all die Begleitung!

    Lindi - was machst Du heut hier? Wann geht's los oder bist Du schon unterwegs?

    Mein momentaner Seelenstand:

    Garnicht mal so übel.

    Geweint hab ich am 1.4. - danach gings aufwärts.

    Heute hab ich zum ersten Mal wieder getanzt.

    Die ersten beiden Lieder mußte ich noch selbst dazu singen, weil ich keine passenden auf Vorrat hatte.
    Aus einem zunächst sehr gefühlvollen Schneemann (Vor dem Walde) wurde ein sehr kraftvoller Frühling, dessen Blumen einfach blühen dürfen, wo der Schneemann stand.

    Greensleves war noch mal ein Abstecher in eine trotzige Melancholie und etwas Sehnsucht nach dem Verstanden werden.

    Dann hab ich weitergemacht, mit U2 (Album Oktober)
    Den Schlußakkord habe ich Bruce Springsteen mit seinem Song Working on the Highway überlassen.

    Ein Brief an meine Mutter liegt auf dem Sekretär.
    Ich weiß noch nicht, ob das die letzte Fassung ist.

    Jetzt gibt es erstmal Spargel mit Parma-Schinken.
    Ach je- da muß ich noch Butter für die Soße einkaufen.

    Gut daß ich noch "beinahe frei habe".

    Eigentlich ist der Wunsch nach Freiheit größer, als der nach Liebe. Es kommt halt auch mal durcheinander.

    Doch ich will meine Mutter schon so als Erwachsene als Individium. Ich hab mich komischerweise als Kind trotz allem auch sehr abgegrenzt. Ich seh mich nicht so sehr als ihr Kind... sie steht mir sehr sehr nahe. Und sie ist da. Mit oder ohne Kontakt. Besser kann ich es grad nicht ausdrücken. Ich erwarte keine Liebe von ihr. Ihre Liebe erdrückt mich. Ich möchte Kontakt haben und ich sein dürfen, ohne mich dafür ständig abgrenzen zu müssen.

    Liebe habe ich mir schon als Kind an vielen anderen Stellen geholt und auch bekommen. Ich wäre noch viel kaputter, wenn das nicht gewesen wäre. Aber meine Selbständigkeit hat sie erfolgreicher unterbunden, als mir all die Jahre bisher bewußt war. Ihren Einfluß auf mich heute noch, habe ich erst jetzt offen (vor mir selbst) zugeben können.

    Das Loch von dem Renate schreibt, fühlt sich nicht mehr so schlimm an. Da ist schon so ne Art Auffüllung in der Therapie entstanden. Dieser Urschmerz, den ich vor einigen Monaten so gräßlich und unheilbar empfand ist weg.

    Ich war jetzt halt erstmal neu wieder hier daheim. Habe meinen Mann gebeten nicht mehr die Haustiere zu besuchen. Auch nicht in meiner Abwesenheit, - weil ich einen geschützen Raum = meine Wohnung für mich brauche und weil ich Abstand brauche auch zu unserer Vergangenheit und den damit verbundenen Schmerzen.

    Dann ists halt ganz schön ruhig - ohne Arbeitsalltag. Da war ein Telefonat mit Mutter, einfach schön. Hab erzählt, was ich eingekauft hab. Hab gesagt was ich mache.
    Skepsis zuerst, dann Bevormundung, dann Beleidigt.
    Spaßverderber, Spielverderber, so fühlt sich das an. Aber verletzt war ich wie wahnsinnig auch noch.
    Weil es die Vereinnahmung ist, die mich stört. Und das daß es dabei total an einem Miteinander vorbeigeht.
    Hätte sie gesagt, : Toll, daß Du am WE mit andern Spaß hattest und Dir einen neuen Freundeskreis aufbaust - ich hoffe wir sehen uns dann trotzdem auch mal... das wäre anders gewesen. Dieses ständige Mißbilligen dessen was ich tue. Die Freiheit, die sie stört, wenn sie dafür nicht den Stundenplan machen kann.... das kränkt mich und verschließt mich. Ich wollte offen sein. Vertrauen wie Kaleu sagt, Wollte tolerant sein, auch wenn sie mal wieder in alte Muster fällt. Aber sie läßt kein Argument an sich ran. Entschuldigt sich und morgen ist es wieder ihr gutes Recht mich dran zu erinnern, daß ich beten soll. ... zur Kirche gehen ist da nächste,.... welche Freunde ich haben darf und welche nicht ... ist das übernächste... was ich nach dem Aufstehen zu tun habe und wann ich ins Bett soll..........die Gespräche drehen sich ausschließlich da drum. Ich komm auf keinen grünen Zweig. GRRRRRRRRRRRRRRRR


    Ich suche grad nicht so sehr nach Liebe.
    Einfach liebevoller Umgang mit einemMenschen, der mir nahe ist. Das im realen Leben zu vermissen, ist gerade meine Aufgabe. Und wenn die Mutter tot wäre, würde es sich zumindest natürlicher anfühlen, daß sie nicht zugänglich ist. Aber so haben wir das Leben - beide - und müssen es meistern. Ich kann grad nur nach mir schauen, sonst komm ich drauß. So einfach und so kompliziert ist das.

    Aber tanzen ist klasse und hoffe der Spargel wirds auch :)
    Aber so haben wir die Chance

  • Hey Nys,

    ich haenge halt dauernd vor dem Computer, warte auf diverse mails ....... und lese halt hier.

    Heute Nachmittag gehts los. Aufladen gegen 18 h!
    *sigh*
    Lindi

  • Zitat

    Ich erwarte keine Liebe von ihr. Ihre Liebe erdrückt mich. Ich möchte Kontakt haben und ich sein dürfen, ohne mich dafür ständig abgrenzen zu müssen.

    Das ist schön. Jetzt bist Du nicht so, mit der Faust in der Tasche :)

    Oh je, wie ich das kenne. Mir geht die Abgrenzerei auf die Nüsse :D

    Ist meisst auch gar nicht nötig. Das war aber das was am Schwersten für mich zu lernen war. Es gab auch kaum Hilfe dabei. Schaut man bei Selbsthilfe oder Therapeuten, heissts laufend Abgrenzung, Abgrenzung, Abgrenzung.

    War für mich nie eine Lösung. Denn es ist nur anstrengend und trennt.

    Dass es noch eine andere gibt, das hat lange gedauert.

    Ich mag heute das Wort Differenzierung.

    Bei Abgrenzung werden die Ufer so betont und der Fluss dazwischen. Ich mag heute lieber Brücken.

    Bau eine. Zu Deiner Mum. Nur in Dir. Das genügt. Und Du wirst Beides bekommen. Freiheit und Liebe.

    Dann brauchst Du nicht entscheiden, was Dir wichtiger ist. Beides ist untrennbar verflochten.

    Fang nicht aussen an. Sondern innen. Das aussen kommt erst später.

  • Hallo Kaleu

    zu Deinem Post 11.43 Uhr möcht ich eigentlich schon Stellung nehmen - aber mit Deinem Post von 12.21 Uhr
    glaube ich, können wir beide mehr anfangen.

    Abgesehen davon, daß ich kurz das Gefühl hatte:

    Kaleu sagt: Brav gemacht Nys! So geht s in die richtige Richtung.... !

    (was ein ziemlich blödes Gefühl ist, das Du selbst auch nicht leiden magst)

    Also abgesehen davon, treffen wir in diesem Post ungefähr auf den selben Nenner.

    Ich habe nicht die Art, irgendwelche Kriege führen zu wollen. Es ist mir viel zu anstrengend und das Schmerzhafte an der Trennung war ja, daß ich
    bereits in meinen ersten Gedanken dazu spürte, daß die Bindung bestehen bleiben wird, - egal wie man nun zueinander steht - und daß Abgrenzung Energie kostet, die ich dringend für anderes benötige.

    Um es kurz zu machen.

    Es gibt Neuigkeiten.

    Ich habe den Brief nicht abgeschickt. Ich hab sie angerufen und wir hatten ein sehr gutes Gespräch.
    Sie konnte mir ihre Belange erklären und ich konnte ihr deutlich machen, daß ich diese Auszeit von unserem Kontakt brauche. Daß ich derzeit nicht in der Lage bin, mit ihren alten Gewohnheiten umzugehen und mich das nur ständig wieder belastet und runter zieht.

    Sie akzeptiert das und ist bereit, darauf zu warten, bis ich mich imstande sehe, den Kontakt wieder aufzunehmen. Ich werde ihr hin und wieder einen Brief schreiben, wenn mir danach ist. Vllt. auch nur eine Karte.

    So fühlt es sich gut an. So ist Friede für mich eingekehrt.
    Es wird ihr nicht so viel Frieden schenken wie mir - aber da fühle ich mich jetzt nicht für verantwortlich.

    Lieber Kaleu

    wo sollen wir nun hinaus?
    Bindung und Autonomie. Ich denk schon, daß ich gerne lange versuche die Kontrolle über die Lage zu behalten, wenn es auf eine Bindung hinsteuert. Einfach aus Angst, daß ich freiwillig zu viel von meiner Autonomie abgebe.
    Das bezieht sich jetzt aber auf Partnerschaften, - das ist ein Thema von morgen.

    Wenn ich sage, daß ich Autonomie gelebt habe, dann habe ich damit ohne Anstrengung etwas bewiesen
    (ohne es bewußt vor mir hertragen oder beweisen zu müssen... GRRR ...man kann auch Worte zerklauben)

    Weil ich an Frieden interessiert bin, schlage ich vor, ich les mal Deine Threads und Du schaust mal, wie ich mich weiterentwickle. Und nimm bitte meine geballte Stimmungs-Entladungen nicht als ein für immer geplantes Lebensziel an.


    Ich befürchte, ich bin viel unkomplizierter und verträglicher, als Du denkst.

    :)

    Schönen Abend Dir noch
    Nys

  • Zitat

    Kaleu sagt: Brav gemacht Nys! So geht s in die richtige Richtung.... !

    Und dann tätschelt der Kaleu der Nys noch das Köpfchen und reicht einen Keks. :D

    Huh, da gruselts mich. Furchtbares Gefühl.

    Zitat

    Ich befürchte, ich bin viel unkomplizierter und verträglicher, als Du denkst.

    Nachdem was Du heute Nachmittag so geschrieben hast, befürchte ich das auch.

    Aber soll ich Dir was sagen? Ich hab lange Foren genutzt, rein um mich auszukotzen. Und wenn's gut lief und alles okay war, war das nicht nötig, so dass Jedem Forenleser ein sehr einseitiges Bild von mir haben musste. Da wurden mir Macken anghangen, frage nicht nach Sonnenschein. Ich glaub das gleiche hab ich gerade bei Dir gemacht.

    Ein Forum ist halt ein Forum und Einblicke nur bruchstückhaft und sagen am Ende über den Menschen nichts aus.

    Wenn Du meinen alten Kram liest, denkst Du vermutlich auch, ich hab schwer was am Christbaum.

    Am Ende haben wir das wahrscheinlich alle :D

    Und so wie's aussieht hab ich Dich mächtig missverstanden.

  • Kurzes Update

    mir fallen Veränderungen auf

    seit ich für mich mehr "Raum" fühle. Seit ich nicht mehr überlege, "Wie umschreibe ich mein Tun bei der Mutter, - wenn sie fragt"

    seit dem habe ich insgesamt mehr Gelassenheit.

    Es ist, als begegne ich meinem Traum von Freiheit.
    - in ganz banalen Dingen -
    Einfach zu wissen, daß ich vorerst nicht mit ihr reden werde, befreit mich von einem Druck.

    Der Druck war natürlich selbstgemacht. Ich habe mich unter Druck gesetzt, mit ihr klarkommen und mich mit ihr verstehen zu MÜSSEN !!! weil ich mich vor ihren
    Reaktionen fürchtete. Weil ich fürchtete, daß sie alles kaputt-redet, was ich mache.

    Jetzt ist Übergangszeit. Irgendwann ist es völlig selbstverständlich, daß ihre Meinung dazu eben eine Meinung ist und mich nicht bis ins Innere verletzt.

    Wenn ich soweit bin, daß ihre Meinung bei mir nichts mehr zerstören kann. Keine Freude, keine Freiheit rauben kann. Dann werde ich wieder auf sie zugehen.
    Das könnte lange dauern.

    Aber der Raum, den ich mir gerade geschaffen habe, um zu reifen - den find ich genau richtig. Und richtig gut.
    Es tut mir gut und manchmal erschrecke ich, wie viel Kraft all die Jahre für dieses MÜSSEN drauf gegangen ist.

  • Zitat

    Es tut mir gut und manchmal erschrecke ich, wie viel Kraft all die Jahre für dieses MÜSSEN drauf gegangen ist.

    Das war für mich auch eins der erschreckendsten Dinge überhaupt, für wie normal ich es hielt, Rollen zu spielen, fest in dem Glauben verankert, Rollen spielen zu müssen. Dass dies meine Aufgabe sei.

    Das war von kindheit an erlernt, incl. der Überzeugung, Rollen spielen zu müssen, da ich sonst niemals von anderen menschen akzeptiert werde.

    Es spielte dabei keine Rolle, was für eine Rolle ich annahm. Die des treusorgenden Vaters, die des braven Sohnes, die des aufopferungsvollen Partners.

    Das zog sich durch mein gesamtes Leben, überall, bis in den letzten Winkel. Ich hab gespielt, eine Person zu sein, von der ich glaubte, sie sein zu müssen. Und so vollautomatisiert, daß ich lange brauchte um das überhaupt zu bemerken.

    Mit meinen Eltern hatte ich so ca. ein bis 2 Jahre überhaupt keinen Kontakt weil's für mich gar nicht anders möglich war. Diese Zeit hat schon sehr viel für mich verändert.

    Heute kann ich einen guten, aber dennoch begrenzten Kontak zu meinem Elternhaus halten. Und der macht mich lange nicht mehr so fertig.

    Trotzdem, bestimmten Menschen gegnüber, meiner Mum zum Beispiel, falle ich immer und immer wieder in diese alten Rollen zurück. Ich werf's mir nimmer vor. Es ist nur noch eine alte - aber auch unangenehme - Angewohnheit.

    Trotzdem passierts unmerklich. Bestimmte Schlüsselmomente und ich befinde mich wie auf Schinen und merks gar nicht. Ich merke nur, daß es mir plötzlich schlechter geht und dieses Gefühl des schlechter gehens zunimmt. Dann weiss ich, ich spiel wieder eine Rolle und bin weit weg von mir, von dem der ich bin.

    Meine Mum mache ich dafür allerdings heute nicht mehr verantwortlich. Sie ist nur meine Mum. Mehr nicht. Ich bin ja der, der die Rolle spielt, selbst wenn ich's nicht absichtlich tue.

    Eine liebe Freundin nannte es mal - mein Kryptonit - und darüber musste ich lachen und so kann ich es auch akzeptieren.

    Lange hab ich versucht, mich zu zwingen, daß doch zu können, bei mir zu bleiben, auch gegenüber Menschen, bei denen ich in Rollen falle. Das hat alles noch schlimmer gemacht, bis ich gemerkt habe, das ist das gleiche wieder. Nur versuch ich dann die Rolle eines Menschen zu spielen, der das Problem was ich habe nicht hat.

    Ich hab für mich einfach akzeptiert, zumindest im Moment, gibt's ein Kryptonit für mich vor dem ich besser einen gesunden Abstand halte.

    Ich mag mich auch mit meinem Kryptonit :)

    Und es gibt Menschen, die mögen mich genau dafür, daß ich eben Schwächen habe. Und nicht perfekt bin.

    Und ich mag menschen, die Schwächen haben und nicht perfekt sind.

    Kryptonit haben, ist irgendwie menschlich. Und menschlich sein, ist schön. Denn das macht mich erst zu dem kerl, der ich bin und den ich gern hab.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!