• Hallo Calippo,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Du kannst deinem Partner nicht helfen, solange er selbst sein Problem nicht sieht.
    Du solltest aber deine Beobachtungen und Gefühle sehr ernst nehmen, und obwohl ich dich nicht kenne, weiß ich, das du dir nichts einredest.
    Ich kenne diese Gedanken von mir, dieses immer wieder abwiegeln und vor sich verharmlosen.
    Auch wenn du nicht kontrollierst, ist dein Leben vom Alkoholkonsum deines Partners beeinträchtigt.
    Du schreibst selbst:

    Zitat

    bin ich mittlerweile zu einem traurigen bedrückten mensch geworden , was ich in wirklichkeit überhaupt nicht bin.


    du kannst nur etwas für dich ändern, und versuchen aus dem Hamsterrad auszusteigen.
    Kannst du Situationen verlassen, wenn er "ausrastet" und dich beschimpft, oder hörst du dir das an?
    Das hat mich immer sehr zermürbt. Er sollte spüren, das sein Handeln Konsequenzen hat.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Calippo,

    herzlich willkommen im Forum. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass meine schlechten Gefühle bezüglich seines Trinkverhaltens richtig waren. Lange hab ich mir diesen Knoten im Bauch und dieses ewig auf der Hut sein angetan. Für mich war die Erkenntnis wichtig, dass ich so nicht weiter leben wollte und selbst etwas für mein Leben tun musste. Wie oft hast Du schon mit ihm geredet? Hast Du Konsequenzen angedroht und nicht eingehalten? Ich weiß nicht, ob Du ihn mit Worten erreichen kannst. Bei mir haben Taten geholfen. Ich bin von heut auf morgen ausgezogen und dann kam auch Bewegung in ihn. Es war für uns beide noch ein harter Weg, aber wir haben es geschafft.

    Vielleicht hilft Dir die Beantwortung der Fragen: Wie möchtest Du leben? Welche Träume hast Du und gesetzt den Fall er ändert seinen Konsum nicht, wie lange willst Du das ertragen?

    Ich wünsche Dir viel Geduld und Kraft.
    sonnige Grüße
    Lütte

    "In dem Moment, wo Du eine Entscheidung triffst, formt sich dein Schicksal"

  • Liebe Calippo,

    ich konnte meinen Mann auch super gut verstehen. Deswegen hat es ja so lange gedauert, bis ich den Hintern in der Hose hatte und endlich für mich gekämpft habe bzw. meine Energie nicht mehr für uns beide reichte sondern nur noch für mich.

    Du hast ja schon für Dich ein gutes Päckchen zu tragen. Wäre es da nicht einfacher, z.B. diese Ängste für sich allein mit professioneller Hilfe anzugehen ohne dass Du auf Deinen trinkenden Partner angewiesen bist? Es könnte ja auch sein, dass Dein Partner sich von Dir trennt, aus welchem Grund auch immer. Dann bist Du auch allein mit allem was so drum herum ist. Ich weiß nicht so recht wie ich es ausdrücken soll. Ich hab ja damals auch gedacht, wenn er aufhört zu trinken und sich dann noch so und so ändert, sind alle meine Probleme gelöst. Das hat nicht funktioniert. Ich habe mir ja selbst nicht mehr getraut, mich nicht mehr wahrgenommen, mich hinten an gestellt. Das bin ich mit meinem Auszug angegangen. Auch mein Mann hat die von mir gewollte Kontaktsperre ignoriert und ich bin immer wieder drauf angesprungen. Aber so nach und nach konnte ich das Klingeln auch mal ignorieren und sms unbeantwortet lassen. Das hat lange gedauert und ist mir schwergefallen, aber diese Konsequenz war wichtig.

    Deine Titel lautet: ich suche rat

    Das mit dem Raten ist immer schwierig, weil wir uns ja nicht kennen und jeder Mensch anders ist. Mir hat die räumliche Trennung geholfen, auch wenn sie oft schwer auszuhalten war. Ich habe mich mit mir beschäftigt, was auch oft schwer auszuhalten war und ich habe versucht konsequent zu sein, wenn ich Ansagen gemacht habe, was auch nicht immer leicht war. Aber es wurde so nach und nach besser und leichter. Mein Mann ist seinen Weg ohne Alkohol gegangen und so konnten wir auch wieder an unserer Beziehung arbeiten. Heute fühle ich mich angekommen in meinem Leben und kann es genießen. Also mein Rat ist, sich erst mal um sich zu kümmern. Ich hab mal irgendwo gelesen: Wenn jeder für sich selbst sorgt, dann ist für jeden gesorgt. Da ist meiner Ansicht nach viel Wahres dran. Und wenn er keine Hilfe will, dann kannst Du das leider nicht ändern. Du kannst nur Dich ändern.

    Viel Kraft und Geduld wünsche ich Dir
    sonnige Grüße
    Lütte

    "In dem Moment, wo Du eine Entscheidung triffst, formt sich dein Schicksal"

  • Hallo Calippo,

    du schreibst:

    Zitat

    ich denke oft ich bin zu schwach für diese beziehung weil ich so viel 'nicht aushalte'. völlig bescheuert.

    Ich finde schon, dass du viel aushälst, zu viel. Aber ich kann dich verstehen, auch in deiner Angst alleine zu sein. Ich habe auch ein paar Jahre ganz viel Schlimmes mitgemacht, weil ich mich habe erniedrigen lassen, ehe ich alleine in meine Wohnung zurückging.
    Bei mir war es so, dass ich meine Mutter sehr früh verloren habe und auch von einem Land in das andere zog und alles hinter mir lassen musste. Dann verlor ich noch meine Oma und dann kam mein Bruder in die Psychiatrie.
    Daher weiss ich, welche Qualen alleine sein für Menschen bedeuten kann, die wieder den alten Traumata ausgesetzt sind, denn das Gehirn unterscheidet nicht zwischen heute und damals.

    Ich lebe heute in eine WG, zum Glück hat mein Mitbewohner keine Süchte und ich muss keine Angst haben. Dennoch möchte ich es irgendwann schaffen, alleine zu wohnen.

    Es hört sich schlimm an, was du durchmachen musst und ich wünsche dir sehr, dass du einen Weg für dich findest, zu dir zu kommen. Ich glaube auch nicht, dass du Jemanden retten kannst, nur dich selber.

    Ich wollte dir nur sagen, dass ich aber auch deine "Passivität" verstehen kann. Ich wünsche dir viel Kraft und Mut.

    Unterstützt dich Jemand? könntest du für eine Zeit wegziehen? hast du therapeutische Begleitung für deine eigenen Ängste?

    Lieber Gruß

    M.

  • Hallo Calippo,

    ich denke wir kennen alle diese Situationen, in denen man sich erniedrigen lässt und sich Dinge anhört, die kein Mensch zu einem geliebten Partner sagen sollte.
    Leider hatte ich lange Zeit ein Bild von ihm im Kopf, das aus den guten Zeiten stammte und habe lange einfach nicht wahrhaben wollen, dass es den Menschen, den ich geliebt habe und der mich geliebt hat längst nicht mehr gab.

    Du schreibst, dass er dein Seelenzwilling ist und du ihn sehr liebst.
    Wenn er völlig betrunken und nach Alkohol und Rauch stinkend nach Hause kommt und sich komplett daneben verhält, DANN musst du ihn dir anschauen.
    Und DANN musst du dich in diesem Moment fragen, ob GENAU DAS der Mann ist, den du liebst.
    Denn solange er in dieser Sucht gefangen ist, wird er sich nicht ändern.
    Und ob er es schafft und wie es danach wird, kannst du gar nicht sagen.

    Ich will damit nicht sagen, dass man keinen Alkoholiker lieben kann.
    Aber du musst genau hinschauen und entschieden, ob du wirklich IHN noch liebst oder das Bild was du von ihm im Kopf hast.

    Vielleicht hilft dir das deinen Weg zu finden.

    Ich wünsche dir viel Kraft dabei und dass du auf das schauen kannst, was DIR hilft.

    Liebe Grüße
    JUF

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