butterweich und steinhart zugleich

  • Hallo kaltblut,

    Du fazinierst mich immer wieder, oder wie Spock feststellen würde:

    Fazinierend! Übrigends, die Vulkanier haben es einfacher, die haben überhaupt keine Gefühle!!!

    Aber das ist der Brecher(!) schlechthin :lol:

    Zitat

    Auch wenn Du jetzt ein Zehnerticket für die Achterbahn gezogen hast und einige Brechtüten voll werden, es wird bald abgefahren sein.

    ***drück***

    stoffel

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • Hi Stoffel,

    Vulkaner, für einen Augenblick OK, ich möchte keiner auf Dauer sein, keiner der keine Gefühle hat, keiner der nur nach festen Regeln lebt, der nie ausprobiert wie es wäre wenn. Ich habe in meinem Leben viel Mist produziert und auch weiterhin eine ganze Menge, viele würden den Kopf schütteln, wenn hier stehen würde, was ich gerade anstelle. Dazu stehe ich und werde immer wieder in diese glitschige stinkende braune Masse greifen, sie fortwischen, mein Job, mein Leben, ich fühle mich gut dabei.

    Andere leben ihr Leben, eben ihr Leben. Einer meiner älteren Brüder lebt anders. Er nimmt und nimmt, Kälte, Missgunst und Hass stehen auf seiner Stirn. Gibst Du ihm die Hand, schüttelst Du Dich, schaust nach ob was fehlt, sein Leben, er fühlt sich gut dabei. Ich glaube, ihn noch nie gedrückt zu haben.

    Du bist Zahlenmensch und weißt, dass auch die tollsten Bilanzen und Zahlen wertlos sein können, trotzdem das A und O in Deiner Branche und bombensichere Entscheidungen sind plötzlich nichtig. 90/10 brauchen wir manchmal, aber es ist nicht das Leben. 100/0 brauchen unsere Partner, wenn es um die Sucht geht und ich wünsche es ihnen, egal was kommt.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • hallo kaltblut,

    ja 90/10 ist manchesmal normal, im Moment bin aber schon bei 95/5 angekommen.

    Ob ich die 100/0 schaffe, weiß ich noch nicht, aber ich bin nicht mehr weit davon entfernt.

    Unsere Partner, tja.............die brauchen, wie Du richtig gesagt hast dieses Verhältnis um mal endlich zu verstehen, das es da nicht nur um sie geht.

    Danke. Bist mit deinen "virtuosen" Schreibweisen, einer meiner Lieblingskomponisten. :wink:

    Und jetzt rufe ich meine Ex oder Noch an, oder wie auch immer das jetzt heißen mag.

    ***drück***(nicht falsch verstehen, aber was schreibe ich da, du verstehst es sowieso auf deine eigene ganz besondere Weise)

    stoffel

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • Hallo zusammen,

    heute war ein dummer Tag, bin leider blöd ausgerastet, abgestürzt. Sie ist nicht da, wenn ich sie einmal dringend brauche, wenn ich nur einen vertrauten, Mut machenden Blick benötige, egal, wir können nicht darauf bauen und haben unsere Mittel, es ist wie es ist, es ist alles in uns, so oder so.

    Bin auch auf Tour, bis nächste Woche kaltblut


    Es ist die Liebe, die Hand in Hand mit „Ihm“ zusammenarbeitet, zwei unheimliche heimlich Verbündete.

    Die Liebe, die kann einem ganz schön was wegknallen. Wegknallen, nicht im Sinne von Knallen, von Päng, sondern eher so von, der braucht mal was vor die Klatsche, eine geklatscht. Es sagt aber keiner was, es sagt keiner gleich kommt das Dachende, es ist wie bei „Ihm“, es sagt keiner was und wenn einer was sagen würde, wir wären taub, blind, doof.

    Das ist ja nun mal so, sie macht uns unempfindlich gegen alles, lässt den größten Mist als zuckersüße Küchenstückchen in unserem Bauch herumtanzen und wir tanzen, einfach so auf der Straße, am helllichten Tag und freuen uns wenn andere dumm schauen. Wir glauben dann alles unbeschadet überstehen zu können und die anderen, die können unsere Liebe sogar noch sehen, fühlen, schmecken, grabschen, vielleicht sogar mit dabei sein? Quatsch, da bin ich zu schinant, Gardinen zu, Rollläden runter, Fenster zu, zumal „Er“ ja schon mit in der Kiste lag, unbemerkt und hämisch grinsend.

    Die Liebe, die hat was und mal ganz ehrlich, ist es nicht ein herrliches Gefühl, auf zwei Turtelnde zu treffen, denkt man da nicht gleich: die Glücklichen und hebt ein kleines bisschen mit ab? Manch einer meinte: so etwas wie Euch habe ich noch nicht erlebt, unglaublich, da habe ich mein Leben lang von geträumt und strahlte, einfach so, auf dem Dach, 14. Stock, ohne Netz. Neulich sah ich einen Ü50 mit einer U30, Händchen haltend, verträumt daher schlendern und dachte: die Nächsten, hier geht es zum Dach, bescheuert.

    Gut, es gibt viele Schmerzen in einer Partnerschaft, in einer Beziehung, in eine Ehe, aber nach einem kompromisslosen „Jawort“, einem bis ans Ende, auf immer und Ewig? Es ist schmerzhaft, wenn jemand geht, uns verlässt, weil sich die Richtung ändert, weil sich die Wege trennen oder weil jemand für immer geht, das tut weh. Liebe verlieren, Behaglichkeit, Gewohnheiten, Wohlstand, Existenz, Träume, immer für einen mehr, als für den anderen. Der, der geht hat seine Entscheidung getroffen, das war es, er geht seinen Weg, so oder so, hat in diesem Augenblick losgelassen. Der, der verlassen wird, wird abgeschnitten, hat nichts zum Festhalten, nicht zum Loslassen, er schwebt im Raum, wie nach dem blinden Tanz auf dem Dach.

    „In Liebe Fallen lassen“ was für Worte. Ich meine Frau aufgeben, fallen lassen, wegen dem Arsch? Wie komme ich denn dazu, sie liebt mich, steht hinter mir, ich liebe sie, stehe das mit ihr durch, die Liebe ist unzerstörbar stark und stärker als ein dünnes, ein dickes oder armstarkes Band, ein dickes tragendes Stahlseil. Die Liebe ist stärker, unkaputtbar, niemals gebe ich sie auf. Ich meine geliebte, mich heiß umschlingende Frau wegschuppsen, vom Dach schuppsen, damit ich nicht mit runterfalle, damit sie nicht fällt? Haben wir halt ein paar Schmerzen - und, es gibt Leute die zahlen dafür, das gehört einfach zum Leben, da müssen wir durch. Wer hat sich diesen Scheiß eigentlich ausgedacht?

    Schmerzen? Das waren keine Schmerzen, das waren nasse, in Salzeimer gesteckte, über den Zungen eine Ziegenherde hängende, tagelang abgeleckte Füße, oben rum schob sich langsam, Millimeter für Millimeter eine platsch machende Dampfwalze über den Körper und um die Mitte hüpften die Engelchen mit den Worten; loslassen, einfach loslassen und rissen sie im Sekundentakt immer mehr aus mir heraus.

    Wir sprechen hier nicht von: das darfst du nicht, mach das nicht, das sollst du nicht, wir sprechen hier von sein lassen, einfachem, unbereutem sein lassen, wie bescheuert kann man denn sein? „In Liebe fallen lassen“, alles zu geben und dafür noch eins auf die Fresse kriegen? Etwas wollen müssen, was man nicht will, um es guten Willens zu wollen, was ein Schwachsinn.

    Welche Ironie da drin steckte. Welche Ironie in mir steckte. Welche Ironie in ihr steckte, als „Er“ mich triumphierend aus ihrem zarten Gesicht anlächelte.

    Wann es vorbei war? Nie. Wenn ich „Ihn“ sehe, dann ist es als müsste ich gleich um mich schlagen, wenn ich an sie denke, dann ist es als kommt das kasteite Kastrierte langsam vom Bauch, die Speiseröhre in den Mund gekrabbelt und ich frage mich: was geht da ab? Wenn ich mit ihr telefonierte, da stieß ich auf den erbitterten, abstoßenden Hass der Abgestoßenen und reagierte mit Abwendung gegen „Ihn“. Liebevoll sind die Gedanken an die neuen Super-Blades, die aus der Fernsehwerbung, mit denen möchte ich bei ihm neue Filletiertechniken ausprobieren, an jedem einzelnen Häutchen.

    Als ich das erste Mal mit der lieblichen, vertrauten, gefassten, sicher stehenden und dem Hamsterrad entlaufenen 1. Stimme Kontakt hatte, da durchlief mich ein wilder, wehmütiger Strom heißen Verlangens, da kannte ich seine grinsende Fratze noch nicht, jetzt probier ich mal das große Steinschneidende aus.

    Wir stehen auf der 86. Etage des Empire State Buildings, nicht ganz oben, aber in Schwindel erregender Höhe, einem Monument der Geschichte, aus ihrer Lieblingszeit, ihr Traum. Die Kids drehen ihre Runden, die Speiderchips voll knipsend, der Wind bläst uns zart ins Gesicht, der Straßenlärm dröhnt von den klitzekleinen Fahrzeugen bis nach oben, welch ein gigantisches Ausblick, was für ein überwältigendes Gefühl und ihr zarter Körper schmiegt sich erholsam an meinen, wir berühren uns, küssen uns, schließen die Augen und genießen den freien Fall.

    „Sie“ lässt uns wieder tanzen, auf dem Dach, Schritte die wir noch nie probiert haben, federleichte, geisterhafte Bewegungen im Rhythmus der gigantischen nie schlafenden Stadt, alles bewegt sich, 24 Stunden, „Sie“, diese Liebe. Sie flüstert uns glücklich, sanft und erotisch ins Ohr, wir tanzen weiter, über den Köpfen all der kommenden und gehenden Besucherscharen, über die hohe Absperrung hinweg , wir sind in einem mächtigen unaufhaltsamen Aufwind, eng verbunden, unsere Träume rauschen an uns vorbei, über 320 Meter freier Fall, das sind über zwei Sprünge vom Kölner Dom, purer freier Fall und das Altimeter an unseren Handgelenken piepst schrill, blink wild mit roten digitalen Lettern, in „Seiner“ unbekannten Sprache, CoCoCo, wir merken es nicht, platsch, Doppelplatsch. „Sie“ weint, „Er lacht“, wir hin.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Zitat

    „In Liebe Fallen lassen“ was für Worte. Ich meine Frau aufgeben, fallen lassen, wegen dem Arsch? Wie komme ich denn dazu, sie liebt mich, steht hinter mir, ich liebe sie, stehe das mit ihr durch, die Liebe ist unzerstörbar stark und stärker als ein dünnes, ein dickes oder armstarkes Band, ein dickes tragendes Stahlseil. Die Liebe ist stärker, unkaputtbar, niemals gebe ich sie auf. Ich meine geliebte, mich heiß umschlingende Frau wegschuppsen, vom Dach schuppsen, damit ich nicht mit runterfalle, damit sie nicht fällt? Haben wir halt ein paar Schmerzen - und, es gibt Leute die zahlen dafür, das gehört einfach zum Leben, da müssen wir durch. Wer hat sich diesen Scheiß eigentlich ausgedacht?


    Zitat

    Wir sprechen hier nicht von: das darfst du nicht, mach das nicht, das sollst du nicht, wir sprechen hier von sein lassen, einfachem, unbereutem sein lassen, wie bescheuert kann man denn sein? „In Liebe fallen lassen“, alles zu geben und dafür noch eins auf die Fresse kriegen? Etwas wollen müssen, was man nicht will, um es guten Willens zu wollen, was ein Schwachsinn.

    Ja, das ist wirklich Schwachsinn! Aber es ist so! "In Liebe fallen lassen" ist das einzige, das wirklich hilft und einen weiterbringt!

  • Kennst Du Karl Valentin? Der hat es meines Wissens auf den Punkt gebracht:

    Mögen hätten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut...

  • Hi Sams,

    das Thema „Alkohol“ wird immer da sein, wenn Du einmal infiziert bist und die weit reichenden Zusammenhänge siehst. Heute frage ich mich, ob es etwas geändert hätte, wenn ich frühzeitig als Kind aufgeklärt worden wäre. Tatsache ist, dass meine Milchzähne faul waren, die meiner Kinder wurden geputzt, versiegelt und strahlen.

    Bei mir ist das Thema in den Job eingeflossen, dabei fielen gerade wieder ganz neue bisher unbekannte Betrachtungen auf:

    - geplatzte Termine und Geschäfte, die in direktem Zusammenhang stehen
    - ein wichtiger Kollege aus UK befürwortet zwar ein Präventionsprojekt, wird es aber nie umsetzen, weil selbst abhängig. Er sitzt jetzt beim Dinner so weit weg wie möglich.
    - Kunden gaben zu verstehen, dass das Thema zu uninteressant ist, zu wenig Aktion beinhaltet.
    An dieser Stelle war ich sprachlos. Ja, es ist nur unser Ding, es betrifft nur Betroffene, nur viele Millionen Menschen.

    Wir lernen und es ist ein weiter Weg, aber es liegt alles nur in unserer Hand.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo zusammen,

    ich weiß nicht, ob das jetzt noch fragen darf, weil ich in Kürze einige Tage die Reifen blank fahre, aber zu Recht hat mich meine Frau gefragt, was ich eigentlich erwarte, was sich ändern soll, wenn sie trocken ist und aus der Therapie kommt (so E/Mai geht es los).

    Für mich heißt das zuerst einmal, dass sie die Basis für ein weiteres, bewusstes Leben hat, lebt und ich nicht beim bewussten Ableben und ihrem Zerfall zusehe.

    Für mich heißt das, dass ihr Tag, also auch meiner, nicht mehr von einer Flasche gesteuert wird, Dinge gemacht werden können, die mehr oder weniger heute nicht oder nur eingeschränkt möglich sind.

    Für mich heißt das, dass unsere Werte nicht mehr zu bestimmten Stunden einseitig kippen, dass auf Vertrauen, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Verantwortung, Füreinander, Achtung, Respekt, Kommunikation uneingeschränkt aufgebaut werden kann.

    Für mich heißt das, dass es sich lohnt, gemeinsam an einer Zukunft, an unserer Beziehung zu arbeiten. Damit meine ich auch, dass es mir nicht möglich ist, an einem gewollt auf Raten Ablebenden zu glauben und dabei in die Beziehung zu investieren, aber auch wenn wir alle morgen auf der Strecke bleiben können, leben wir mit einer Perspektive besser.

    Für mich heißt das nicht, dass unsere Welt dann in rosarote Tücher gewickelt ist, alles nur schön, erfüllt und harmonisch abläuft, aber dass wir anders mit uns und unseren Alltagsproblemen umgehend können. Ich sehe deshalb nicht, dass ich mich nicht mehr in mein Schneckenhaus zurückziehe und sie nicht gelegentlich einen Teller fliegen lässt, dass gehört gelegentlich zum Alltag, aber zum gesunden Alltag.

    Für mich heißt das auch nicht, dass ich nicht nochmals meine Frau über alles stelle, sie ihren Beitrag zur Beziehung einbringt, sie sich selbst lebt, wie ich mich.

    Eventualitäten einer LZT lasse ich mal bewusst weg, auch Sprünge vom Kleiderschrank.


    Was würde es für Euch bedeuten?


    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hey Du "kalter" Bursche, :lol:

    hast aber ganz schön viel Wärme!!!

    Weißt Du noch mein Barometer???

    Wie sieht es bei Dir aus???

    Erzähl mal!!!


    stoffel

    *drück* (fast vergessen)

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • Hi Ihr Lieben,

    mein Barometer? Ziemlich real. Reale Liebe, 100% vom Bauch gesteuerte klare Vorstellungen. Ich denke mit dem aufgeräumten Bauch und der sagt mir:

    mit Maßlosigkeit, Selbstüberschätzung, unrealistischen Vorstellungen und manchmal angekoppelten Vorwürfen kann ich nichts mehr anfangen. Das gibt es auch nur gelegentlich mit abendlichem Pegelstand, also weg damit.

    Ayki hat es mal ungefähr so ausgedrückt (finde es nicht mehr direkt): Schnauze voll von der ewigen Selbstüberschätzung.

    Ich mache viel Misst, überschätze mich, treffe falsche Entscheidungen, bin gelegentlich enttäuscht, über mich, über den riesigen, nicht funktionierenden Apparat, das gehört zum Leben, zum Geschäft, aber auch wenn es knüppeldick kommt, dann muss man da durch, aufräumen, fertig, weiter. Manche Dinge sind unrealistisch, z. B. ein Buch zu schreiben, gegen Windmühlen anzugehen, Prävention, aber es lohnt sich, das ist mein Ding. Das kostet Geld, das habe ich nicht, aber die Mittel und Wege dazu und die werde ich nutzen.

    Selbstüberschätzung bedeutet für mich, dass ich hier sitze, darauf warte, dass sich die Arbeitsplätze, die Firma von selbst tragen, ohne den Hintern hoch zu bekommen, irgendwer mir sechs Richtige im Lotto ausfüllt, auch der rheinische Fatalismus hat Grenzen und es wäre fatal, würde ich nochmals blind vom Dach springen, platsch.

    Maßlosigkeit beginnt bei mir- und ich bin weder Erbsenzähler noch Korinthenkakker, mit zu üppigem Kochen, wenn ich für vier Personen koche, 1 ½ essen, der Rest entsorgt wird, Hobby und Spaß hin oder her. Wenn ich zwei oder drei Zimmer brauche, in Fünf leben will, die ich mir nicht leisten kann. Wenn ich in 3 Jahren viele Reisen mit tollen Erlebnissen gemacht habe, sie als lapidare Geschäftsreisen abtue und mit 1 Woche Sonnenschein vergleiche. Wenn ich meinen Schotter verqualme und versaufe, meinem Partner Vorhaltungen mache, dass die Kasse leer ist, um in einem Atemzug die letzten Einnahmen zu verbraten. Das erinnert mich an meine Kids, wenn die Pulle leer war und winke, winke mit erwartungsvollen Kulleraugen das Fläschchen hingehalten wurde, nichts nachkam, da konnten sie ein mächtiges Organ bekommen. Ich mag kein Geschrei mehr, wenn die Milch verschüttet wurde, kommt sie nicht zurück und von alleine schon gar nicht.

    Da sind wir wieder bei Ayki: „Liebe ist ein Geben und Nehmen und bedeutet genauso Arbeit wie auch eine Veränderung nicht einfach auf einen zugeflogen kommt.“

    Ich stehe konsequent zu und hinter meiner Frau und erwarte Veränderungen. Diese Veränderungen hören nicht mit einer Trockenheit und LZT plötzlich auf. Nicht nur bei ihr, wir haben uns beide zu verändern, müssen daran arbeiten, investieren. Auch wenn ich morgens Goldeier legen würde, sehe ich mich nicht in der Rolle des Prinz Karneval. Ich sehe mich auch nicht in der Rolle des, finde es nicht mehr, er schrieb: ich gebe ihr 2 Wochen, dann schmeiß ich sie raus. Unsere Beziehung ist viel wert, mehr als fort geschmissen zu werden und ich erhoffe mir einen Mehrwert.

    Meine Frau ist nicht ganz unten angelangt, sie ist noch helle, trotz Infarkt und Abhängigkeit und gerade deshalb baue ich auf diese große Chance. Ich möchte mich genauso wie sie, eines Tages wieder voll einlassen, ganz fallen lassen, wenn ich das Gefühl habe, dass es nicht platsch macht und das habe ich heute noch nicht. Richtig Elle, Fragezeichen, die müssen erst zu Smilies werden. Ob meine Erwartungshaltung richtig ist, was sein wir, ob wir das schaffen, das weiß keiner, das können wir nur gelassen auf uns zukommen lassen, uns darauf einlassen und sehen ob wir in der Spree, in der Agger, in der Sieg, im Rhein lustig umher plantschen oder im Bottnischen Meerbusen absaufen.

    Die Monate hier, bald habe ich mein Jahresjubiläum, haben mich weder hart, gefühllos, noch lieblos werden lassen, aber trocken, klar, aufgeräumt und frei von unbewußten Abhängigkeiten. Danke.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Schön zu lesen, wie sehr du meine Worte aufsaugst *lach*

    Du machst das genau richtig! So, wie du es dir vorstellst. Dein Weg halt! Ich hoffe, du fällst damit nicht auf die Nase! Denn ich mag dich wirklich sehr!

  • Was soll ich sagen............

    Zitat

    Ich möchte mich genauso wie sie, eines Tages wieder voll einlassen, ganz fallen lassen, wenn ich das Gefühl habe, dass es nicht platsch macht und das habe ich heute noch nicht.

    Das ist die Wärme der Zukunft.........Ich wünsche es Dir (Euch) von ganzem Herzen.

    Es wäre schön zu lesen, wenn dann vor dem -blut ein "warm" stehen würde. :wink:

    Viel Kraft.


    *drück*

    stoffel

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • Hallo Ihr, im ersehnten Regen,

    jetzt muss ich mal den ***grrrr*** machen, es ist gepackt, mit Regenkombi, Block und Stift bewaffnet, mache jetzt einen 5000er Sonnentrip (hoffen wir es) und bin ab morgen auf der Piste, keine Chance reinzuschauen, weg, nur Gedanken an irgendwas, nur an klebenden Gummi.

    Trotzdem, wisst Ihr was ein schönes Gefühl ist: vor einem Jahr war ich noch viel Verrückter, auch ein durchknallender stink Eifersüchtiger, ein hilflos Strampelnder, ohnmächtig und jetzt freue ich mich darauf, was die nächsten Wochen bringen werden.

    Bis bald kaltblut

    PS: Noch was zum Nachdenken.


    Aus ganz hinten:

    Heute war ein irrer Tag, Wetterumsturz, Ärger im Geschäft, alles doof, ich bin der Bestimmer und immer kommt mir was Bestimmtes dazwischen, so viele haben was zu kamellen, also doch nicht der Bestimmer und gehe frühzeitig nach Hause, lege die Beine hoch, mache zur Bereinigung meiner festgefahrenen Frustgedanken die Flimmerkiste an, schmiere eine Stulle, setze einen grünen Tee auf, beiße in die knusprige Remmel, lege die Beine, schmatzend und genussvoll den Tee schlürfend, hoch. Meine Prinzessin ist noch nicht da, da mach ich das manchmal, anstandslos flegeln, Kerl sein und die Augenlieder werden müde, sind gedankenvoll stumpf auf die flatternden Abschaltbilder gerichtet, egal ob jemand quatscht oder Schüsse fallen, nur weg aus diesem Tag. Stunden später, die durch Zauberhand lauter schallende Musik berieselt wieder meine Hirnzellen und ich erinnere mich noch schwach:

    Auto, neuer Stern; Gartenparty, Durst, Bier; Yoghurt, Erdbeeren; Segelschiff, Durst, Bier; gespülte Gläser, Dreck, sauber; Vulkan, Korn, Wasser, Durst, Bier; gratis Sonnenbrillengläser; umher fliegende Flaschen, Bar, Schabau; Zahnpasta; Autos, Camping, Bier; schönes Haar, tolle Bräute; prickelnder Bauch, Bier; schöne Haut; Party, gemixtes, cooles 2,5 Prozentiges in drei Farben; Kopfschmerzen, Tabletten; Musik, Liebe, Schabau, Schwachsinn.

    Der Bauch knurrt und schreit nach Remmeln, die Gedanken kreisen um Kühlschrank, Yoghurt und ein kühles Nass. Meine Prinzessin hat mich gehört, kommt majestätisch angedackelt und faselt was von Urlaub, Sonne tanken, Meer, ich hätte noch nie mit ihr am Strand gelegen, für sie ist keine Zeit da. Immer nur ich, sie hat die Nase voll von Ich Ich Ich Menschen, will mit mir an den Strand, kuschelnd im Sand liegen, unter heißer Sonne. Verwirrt, halbwach, schaue ich sie an, denke an eine Irre, um diese Zeit, wie kann sie schon einen im Tee haben, an Maßlosigkeit, an einen Ausgesaugten, an Sonnenbrand und an das große, grüne über die Meere dahin segelnde Schiff, fülle das Glas mit Wasser und sehe einen Spülrand, ja sie hat recht, unter fließendem Wasser nachspülen, mit den Spüldingern passiert das nicht oder war es Vulkanwasser, Durst, runter mit dem Wasser, soll ich eine Spülmaschine einbauen? Blöde Kopfschmerzen, nein, du nimmst keine Tablette, so was nicht, das geht von alleine weg, iss was, warum nehmen die Tabletten, saufen Schnaps und tanzen, Irre, blöde Sonnenbrille, das dauert, bis sich die Augen angepasst haben, unterm Helm nicht einsetzbar, diese gewölbten Gläser hätte ich hier nicht umsonst bekommen, aber ich würde mit kostenlosen geraden Gläsern besser sehen, egal, in eine Bar gehe ich eh nicht, du hast eine tolle Frau, sie sieht gut aus, hat tolle lange Haare, eine tolle Haut, du liebst sie, hey, bist du jetzt scharf oder hungrig oder durstig, trink noch ein Glas. Was hat sie denn da seltsames, orientalisches gekocht, Püree, Passiertes, mit Grünem, ehm, Kichererbsen, Muskat und jede Menge Knoblauch, Olivenöl, irre, Wahnsinn, wie das durftet, nicht stinkt, dafür lasse ich alles stehen, es macht mich aber auch durstig, nach Vulkanwasser, später isst du alles auf.

    Irgendwie war ich den ganzen Abend durch den Wind, wir zankten uns kurz noch was. Sie die Schlafzimmertür knallend ins Abseits und so waren einige Stunden, nachdenklich dösend, wieder Tee schlürfend, vor der Kiste angesagt. Später, irgendeiner macht sich nach unzähligen Spots über einen besoffenen Hamburgerwürger lustig, ist das nicht der mit dem sprechenden Flugauto denkend, schlummere ich langsam wieder ein, mit schöner Werbemusik, irgendwo im Hintergrund.

    Als ich erwache war ich trocken geschnarcht, vom Bauch bis in letzten Hirnzellen, wie Blätterteig, knackig fein bröselnd, da fehlte noch was Abbröselndes, auf den Teppich runter Fallendes, Schuppi des Jahres geht es durch den Kopf, ich hatte spröde Lippen, stank verschwitzt nach Knoblauch, eklig. Schwach kamen die Gedanken, dass sie wutentbrannt, mit den Armen wild umher fuchtelnd, die Decke an sich riss, aus dem Bett flüchtete, ihr Kissen nachholte und meinen Sofaplatz einnahm, als ich ins Bett kam, war ich der Irre?

    Die Zahnpasta schmeckte ekelhaft, wie Millionen Jahre altes Vulkanwasser, Schwachsinn dachte ich, 9000 Jahre altes Korn und schüttelte mich. Zum Auto gehend kamen mir die neuen Frühjahrsmodelle der Autoindustrie in den Kopf, C-Fische, die auf meiner Bergstraße im Vulkanwasser dem Hindernis auswischen, es zwickte, brannte und zog am linken Bizeps. Die tickt ja nicht sauber, warum kratzt die dich wie blöde mit ihren scharfen Tigerkrallen, bist du eine Fleischgrabschwurst, Bier am Morgen, wie durchgeknallt, wie viele wohl jetzt mit Promille unterwegs sind, Vulkanwasser. Hasselröder oder busch oder hof, hieß der Kerl, mit dem prickelnden, im Paket verpackten silbernen Auto, der leeren Flasche und dem Würgburger, finde es nicht mehr lustig, wie der Rabenfritze die Abgestürzten zwischen nimmt, Punktabzug, Junge du wirst langsam abgedroschen, pietätlos, ohne kölsches Anhängfüll „s“, aber irgendwie mit einem großen „Sch“.

    Heißen Morgenkaffee trinkend kam die Erleuchtung: Werbeindustrie, Ziel erreicht, 500.000 Menschen haben sauber, gut, qualifiziert und zielorientiert gearbeitet, vorbildlich, so sieht ein erfolgreiches Ergebnis aus: mich im Schlaf benebelt, Trojaner ins Unterbewusstsein geschleust, bearbeitet, den Norton im klaren Kopf abgestellt, geöffnet, hineingeschaufelt was das Zeugs hielt, nicht Tröpfchenweise injiziert, eingebaggert, mit dem Großen der RheinBraun, dem gewaltigen Berge versetzenden Schaufelbagger, rein gekippte Schwerlasterladungen bis zum Abwinken. Gedanken an Gutes, Leckeres, Prickelndes, Erfrischendes, Abenteuer, Urlaub, Erholung, Freunde, Spaß, Liebe, Lust, Sex, ein anerkennendes Daumen hoch, wie konnte ich auch nur so blöd sein ihr eine Flimmerkiste anzuschließen, ich brauchte doch keine, jetzt hatte ich die Birne voll von diesem Irrenquatsch, es sind nicht meine Gedanken und ich sehe erstmals was ich mir jahrelang unbedarft für Ladungen reinbaggerte.

    Selbst dafür verantwortlich, dein Problem, wenn du so doof bist und dir so einen Quark rein ziehst. Das war also der Preis für diese „freie Selbstbestimmung“, auch im Schlaf, dumm gelaufen, ozapft. Wie viele Stunden hatte ich vor der Kiste schon abgeschaltet, versteinert, teilnahmslos, dumm, unbedeutende Töne und Bildchen aufgenommen, ein irrer Glotzer. Zehn Herz Phase, NLP, Superlearning, Lazanow, Suggestopädie, ungebremstes Einfließen, Schaufelrad um Schaufelrad, die Minuten bevor man einschläft, wenn sich alles ins richtige Postfach sortiert, ablegt, wie wenn man das Buch unters Kopfkissen legt, um am nächsten Morgen die Prüfungsfragen zu wissen, im richtigen Augenblick, am richtigen Ort alles frei zugestellt zu bekommen. Für Prüfungen, für Wissen, dachte ich immer, aber für Unwissen ozapft. Das Ding sollte nicht Glotze , es sollte Unwissenverteileranlage oder Fernozapfer heißen.

    Wie sagte jemand: da konnte ich einfach nicht anders, ich war wie von Geisterhand gesteuert, mein Hirn ausgeschaltet, musste zugreifen, da ist es passiert. Das Ziel aller Dinge: mechanisch, geisterhaft, ohne bewusstes Wollen, selbst bestimmend ins Regal greifen und sich die Gedanken an Gutes, Leckeres, Prickelndes, Erfrischendes, Abenteuer, Urlaub, Erholung, Freunde, Spaß, Liebe, Lust, Sex einfüllen, platsch, Klappe die X-te, tot.

    So 12-15 Spots, im 20 Minutentakt, 36 die Stunde, 144 am Tag, 52560 im Jahr, so Zweieinhalbmillionen in meinem Leben, vielleicht mehr, vielleicht weniger, geil, ich muss mich mal wie ein Millionär fühlen und die Zahl sehen: 2.500.000. Jetzt stelle ich mir vor wie nur einer jeden Tag sagt „DU BIST KLASSE“, was wäre ich für ein Überflieger geworden oder mich jeden Tag einer ansieht und meint „Du Ar***“, ich würde immer verschämt zu Boden sehen, aber hunderttausende Mal hebt die Tassen, haut weg den Quark, da bekomme ich Angst vor den Rissen im Porzellan, vor der überquirlenden Schüssel mit Riss, in meinem Postfach und der Sabber läuft den 8h Frühabholern entgegen.

    Klar, ich bin der Bestimmer, wegsehen, Oropax rein, wie früher, als Kind, Finger in die Ohren, irre laut singend: ich höre nichts, habe dich nicht verstanden, will ich nicht hören, sehe nichts, sei still, ich bin jetzt der Bestimmer, aber den ganzen Abend, bei einem Klassiker, bei „vom Winde verweht“ in der einen Hand Schluchztaschentücher, die unzerreißbaren, die Doppelsabbermengen aufnehmenden, meine Prinzessin tröstend umarmend, in der zärtlich streichelnden Hand die Ohrstopsel und alle zwanzig Minuten einen auf durchgeknallten Irren machen, Fenster, zu hallo Nachbarn. Besser abschalten, Radio weg, nicht mehr durch die Gegend fahren, keine Zeitung mehr, nicht mehr einkaufen gehen, nichts mehr sehen, hören, weg damit.

    Freie Selbstbestimmung, das mir laut Gesetz zustehende Recht. Was ist das eigentlich? Telefon überwacht, Emails überwacht, Kameras die alles überwachen, alles Gläsern, irgendwie „Hallo Frau Postbotin, wie sieht denn heute mein Konto aus, weiß nicht, hab noch nicht nachgesehen“. Also vollgesülzt überwacht frei entscheiden dürfen, ob und womit ich mir eins in die Birne jage und wenn nicht, so lange die Birne zubaggern lassen, bis ich schlafwandelnd zum Kühlschrank dackele. Lustig, jetzt wo ich es erkenne, ich habe die Lust darauf verloren, die Filme sind Nebensache, es geht nur um die Unwissenverteilung, ums Fernozapfen.

    Herr Jensen steigt aus, schön geschrieben. Was Herr Jensen alles wusste, ein ganz schön heller Kerl, aber namenlos, versteckt vegetieren, sich verschließen und abhauen vor dem Kram, ist das meine freie Selbstbestimmung? Nein.

    Ganz ruhig liebe Werbeleute, Herr Jensen ist nicht da, erfunden, aus einem Buch, wir brauchen uns alle, ich lebe von Euch, Ihr von mir, wir ziehen alle an einem Strang, nur, an einem Ende ist noch einer, ein Absaufender, der ehemalige Selbstbestimmer, der ist jetzt nur noch der Kranke mit dem blauen Punkt, ein Abfallprodukt, braune Tonne, Deckel zu, recycelbar, Abholung Mittwochs, alle 14 Tage.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    der Bikerurlaub war unvergleichbar und eine wichtige Erfahrung. Gelage, Druck, oft genannte Verzichtsgedanken oder Leichtsinnigkeit und Versuchung, gibt es nicht mehr. Aqua genießen, dem Treiben gelassen zusehen oder gehen, wenn es zu doof eskalierte, Normalität. Ich kann mit Gelagen und dem oberflächlichen, ungehemmten Kerl-Blabla nichts mehr anfangen, es ist ein Fremdwort geworden, ich bin ein Fremdkörper in der Gelageumgebung. Es fällt mir dann leicht einfach zu gehen.

    Wir waren nach meiner 600km Wasserschütteimerfahrt zu Dritt. Es kann kaum einer nachfühlen, der es nicht erlebt hat, was erwachsene Kerls im Bandscheibenvorfallalter daran finden, Stunden und Tage auf zwei Rädern durch die Gegend zu düsen, erschöpft, durchnässt, aufgeweicht oder mit fetten Insekten voll geklatscht die wertvollsten Erholungstage dem Kilometer abzuspulen zu opfern. Irre, dürfen Außenstehende Strandlieger ruhig denken.

    Die Alpen sind schön, die Toskana ein Traum, aber des Bikers Paradies, die unberührte Natur, die Traumberge, die leeren Vorsaisonstraßen, der raue Gummi fressende Straßengripp, in neuwertiger roter, grauer oder schwarzer Farbe, den gibt es nur im Mittelmeer, auf einer große bergigen, kargen Insel.

    Es ist nicht beschreibbar, nicht vergleichbar mit Wochenend Eifelgedüse, wie über 250kg zuverlässiges Eisen in für unmöglich gehaltenen Schräglagen um Kurven donnern, der Angststreifen komplett verschwindet und eine raue, runde, gleichmäßig abgefahrene Gummiwalze entsteht, das Regenprofil Lippen zieht und sich auflöst. Vielleicht an Nordschleifenfahrten erinnernd, aber die sind kurz, mit zu viel durch geknalltem Verkehr und dauern keine unendlichen, rechts, links, auf- und ab Stunden, vielleicht an Sauerlandblaserei erinnernd, ohne Verkehr, Blitzer und Schilderwald, wie vor 30 Jahren.

    Es war nicht meine italienische rote Geliebte, die mir dieses Erlebnis schenkte, ich wäre von lauter Streicheleinheiten und Rumgezicke nicht eingetroffen. Sie ist jetzt trotz aller Liebe Vergangenheit. Sorry Freunde alter Liebhabertechnik. Es war die zuverlässige, vitale, aus anderem Eisen gegossene Japanerin, die mir in kleinen Schritten physikalische Grenzwerte schleifend aufzeigte.

    Wir waren zu Dritt. Ein Unabhängiger, ein abhängiger Trockener Co. und einer, dessen Einordnung mir nicht zu stand. Biken ist gefährlich, mit Alkohol oft tödlich, auf täglichen Bergfahrten am Limit, wo jeder verträumte Blick in die Natur, jeder falsche Gedanke einen tiefen Abflug bedeuten kann, unverantwortlich, ein tödliches Spiel mit gezinkten Karten.

    Unser Einer hatte viele Bonuspunkte, ex Champ, ein Meister des Grenzbereichs und er lehrte mich nach 30 Jahren auf 2 Rädern noch Dinge, die ich mit der mächtigen Japanerin für unmöglich hielt. Grenzbereiche, nicht darüber hinaus, nicht wie die in der Kurve vorbeigeflogenen Schweizer mit ihren Supermots. Einerseits Respekt, aber die spielten mir zu scharf. Ich werde mich zügeln müssen, wenn die total abgefahrenen Gummis gewechselt sind und ich mit den Kids fahre, hier ist alles anders, ungezinkt geregelt.

    Er lebt in Trennung, seine Ex abhängig und hielt mir sehr erstaunliche, fundierte, unbeirrbare Vorträge über ihre Alkoholprobleme. Er hat kein Problem, weiß sich klar auszudrücken, ein Meister vieler Fächer.

    Abends, zum Essen, tranken sie Wein, es gibt Genießer, Unabhängige. Am 2. Tag brauchte er auf einen Schreck mittags erstmal ein Bier. Am Folgetag, mittags, auf einen Schreck einen Campari, die Abendration stieg. Sie stieg, der Schreck, die Hemmung, waren weg und der Tagesbedarf pendelte sich bei 120-150gr. ein, sein Ding, mein Überbleibsel vom letzten Co-Jahr. Eines späten Abends stank es aus dem Bad unseres Dreibettzimmers wie nach Spiritus, jemand lag träumend, genüsslich Apfelabfallgebranntes aus dem Zahnputzglas schlürfend, in seinem scheinbar unbeobachteten Bett. Ein unkontrollierbarer gefährlicher Beigeschmack auf unserer unvergesslichen, herrlichen Tour.

    Es war wohl unsere letzte gemeinsame Reise, mit einem Meister seines Fachs, einem noch funktionierenden Alkoholiker. In einem Jahr wird er nicht mehr fahren können oder ein zu hohes Risiko darstellen, das ist dann unser Ding. Altbekannte, zu tief eingeprägte, fremd gesteuerte Verhaltensmuster waren zu offensichtlich, unversteckbar und unsere ehemals enthusiastischen Gespräche leer, mit einem bitteren, gefährlichen Beigeschmack.

    Es war auch schön zu erfahren, dass mein bester Kumpel seine Unwissenheit abgelegt hat, die Gefahr eines Tropfens ernst nimmt. Auch hat mich die Reaktion einer geselligen Wirtin erfreut, die anlässlich eines vorzüglichen sardischen Sternemenüs fragte: kein Alkohol, dann hast du eine Allergie oder einmal zu viel getrunken und mit meinem kurzen Ja, war die Frage diskussionslos, beantwortet und erledigt.

    Eigentlich wollte ich noch einige Tage dran hängen, gemeinsam heimfahren, dann kotzte es mich nur noch an, wieder einen tollen Menschen verlieren zu sehen. In meinem Büro steht noch ein 5 Jahre altes Bild, aus einer Zeit, als er mit einem 300kg Riesenliner mit Trittbrettern Funken sprühend Plastikracer versägte. Abendfähre, weg und ich knallte die 1500km munter in 15Std. nach Hause, in den nächsten Absturz.

    Eine merkwürdige Welt, wenn wir sie erst einmal anders betrachten.


    Und Zuhause?

    Die Bearbeitungsnummer der BFA ist zugeteilt, der LZT-Aufnahmetermin steht. Es geht was, sehen wir mal. Nach rund 5000km und 1500km Durchknallrückfahrt habe ich mich wahnsinnig auf meine Frau gefreut. Kennt Ihr noch das tiefe Verlangen nach einem geliebten Menschen? Dann ein Totalabsturz, aufgewühlter alter gezinkter Alltag, Urlaubserholung ade, zurück im ungemeisterten Unerträglichen, wie fette Insektenschwärme, mit 250 auf das Visier klatschend, auf das ungeschützte Innere. Da ist sie wieder, die Angst vor dem was sein wird. Einfach so und man kann nichts dagegen tun, nur abwarten, Tee trinken oder beenden, sein lassen.

    Aber ich habe Erfahrungen gemacht, mit Eurer Hilfe und lasse mich nicht mehr da aufstellen, wo ich nicht hin will.

    Sie hat Recht, ich bin einseitig, in keiner Weise offen zur Abhängigkeit.
    Sie hat Recht, wenn sie Besuch von meinem Nebenbuhler hat, dann habe ich kein Vertrauen, mach ich zu.
    Sie hat Recht, ich gebe ihr nass keine Chance, uns keine Chance.
    Sie hat Recht, ich lasse mich heute nicht mehr ganz und gar in unsere Beziehung ein, ich bleibe bedeckt, gehbereit, sprungbereit, loslassbreit.
    Sie hat Unrecht, nicht für mich, nicht zu ihrer Absicherung, nicht für ihre Tochter, die LZT + Trockenheit ist nur für sie, zum Leben, alles andere kommt weit hinten.

    Es gab eine Welle wiederkehrender Klischees, abprallende Co-Einnahmeversuche, die mich früher butterweich werden ließen, die weit fort waren, ich bleibe unbeirrbar, ja, bröselfrei, steinhart, die Uhr läuft unaufhaltsam weiter.

    Der Thread „Warum bin ich Alkoholiker oder alkoholkrank?“ hat mich zum wieder tief zum Nachdenken angeregt, es gibt für mich Tausend Gründe. Bei ihr, bei mir und heute doch nur noch einem: der Alkohol selbst, er ist es nicht wert darüber zu grübeln, sein lassen.

    Sie hat Unrecht, sie ist es wert, egal was sein wird, aber es werden noch schwere Wochen, mein Hirn von den gezinkten Alltagsabläufen freizuhalten, zu schlucken, anzunehmen und die Brocken nach so vielen Wochen nicht noch hinzuwerfen, was auch immer kommt, durch, trotz Wespenstiche durch die Kombi.


    Liebe Grüße kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Zitat

    Es kann kaum einer nachfühlen, der es nicht erlebt hat, was erwachsene Kerls im Bandscheibenvorfallalter daran finden, Stunden und Tage auf zwei Rädern durch die Gegend zu düsen, erschöpft, durchnässt, aufgeweicht oder mit fetten Insekten voll geklatscht die wertvollsten Erholungstage dem Kilometer abzuspulen zu opfern. Irre, dürfen Außenstehende Strandlieger ruhig denken.


    Bin zwar noch lange nicht im Bandscheibenalter *g* und auch noch nicht Tage lang auf zwei Rädern durch die Gegend gedüst. Aber ich finde Motorradfahren auch wahnsinnig.... schön!!! Bin auch letztens 2,5 Std. durchs Oberbergische gefahren (nur hinten drauf - hab keinen Führerschein), und ich liebe dieses Feeling 8) *lach* Das kann man nicht beschreiben. Freiheit pur!!!

  • Hallo zusammen,

    das Thema abhängig warum wieso und weshalb flammt bei uns gerade auf und ich weiß nicht so recht wohin damit, hänge es deshalb mal hier an, sollte es nicht OK sein, bitte verschieben.

    Also, früher habe ich die Begründung für die Abhängigkeit meiner Frau mit all ihren Lebensereignissen gerechtfertig, konnte mich in Situationen versetzen, habe mir manchen unpassenden Schuh angezogen und wollte vieles besser machen, fernhalten aus unserer Beziehung. Aufgrund Eurer Erfahrungen habe ich mir gesagt, dafür sind Therapeuten da, es gibt nichts zu verstehen.

    Einerseits stehen hier im Forum viele individuelle Gründe warum jemand anfing zu trinken, andererseits betrachte ich meine Laufbahn und komme zu dem Schluss, es gibt keinen wirklichen Grund. Vielleicht fehlt mir dazu ein Stück Verständnis, aber ich weiß dass Tagesabläufe nicht mehr bewusst von mir bestimmt wurden. Das kann ich weder mit Genen, Erlebnissen oder Umfeld begründen, nur mit der vernebelnden Macht des Alkohols und meiner Gleichgültigkeit, also mit mir und das reicht, denn mit den gleichen Genen und Erlebnissen lebe ich ja jetzt auch, frei und gut.

    In einem anderen Zusammenhang schrieb Karsten einmal:
    „da wir ja alle ohne Alkohol leben wollen, sollten wir uns auch darüber keine Gedanken machen. das ist verschwendete Energie, die in die Nüchternheit besser angelegt ist.“
    und
    „wenn man mit dem Alkohol abgeschlossen hat, macht man sich darüber auch keine Gedanken.“

    Diese Anmerkungen beziehe ich jetzt auch auf das Warum Wieso Weshalb, auf uns.

    Ich betrachte es jetzt als überflüssig alles verstehen zu wollen oder zu hinterfragen, ein Aha, bringt mir nichts, nur das Morgen zählt, zu leben und nicht gelebt zu werden oder bin ich da vielleicht auf einem einseitigen Holzweg?


    Wie seht Ihr das, sind es für Euch noch elementare Dinge, warum Euer Partner trank oder trinkt? Ich meine damit nicht Gespräche abzublocken oder das Thema gleichgültig mit „das ist Dein Problem“ abzutun, es gehört dazu darüber zu sprechen, zuzuhören oder einfach da zu sein, das Thema wird uns schließlich unser ganzes Leben begleiten. Ich meine, ob die Ausfüllung der Verständnislücke, das bis ins kleinste Verstehen wollen, für Euch von tragender Bedeutung ist, was es Euch bringen sollte und ob es Euch im Umgang mit der Situation in irgendeiner Form helfen würde.

    Lieben Gruß kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Elle, hallo Karsten,

    sehe das auch so. Der Schnee von gestern ist heute weggetaut, warum interessiert mich nicht. Wenn ich in meinem Leben mal in diese braune stinkende Masse gegriffen hatte und das war doch oft, Hände waschen und weiter. Jeder hat sein Ding und das ist seins, nicht meins. Was wir für morgen gemeinsam planen, das ist unser, fertig.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo kaltblut,

    auch ich als "ehemaliger" :lol: Co. sehe das ähnlich. Wir lassen uns scheiden und nu is aber gut!!!

    Mein Leben hat eine Kehrtwendung gemacht, eine andere Richtung eingeschlagen, ich habe wieder zu mir selbst gefunden und weiß jetzt, was ich nicht mehr will.

    In den "verschnürten" Päckchen zu stöbern, ist nicht mehr mein Ding.

    Wie elle schon so treffend sagte:

    Sonst verpaßt man die Gegenwart auch noch!!!

    Und die will ich erleben ohne dieses "Paket"


    **drückeuchalledafürdaseseuchgibt**


    stoffel :wink: chen

    "Schmetterlinge fliegen hoch, aber auch die müssen ersteinmal laufen lernen"

  • Sicherlich nützt es nichts, über die Vergangenheit zu lamentieren. Vorwärts schauen ist wichtig. Da habt ihr recht. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, zu gucken, warum ich in die Co-Abhängigkeit gerutscht bin. Wenn ich mir nicht klar darüber bin, warum ich mich darauf eingelassen habe, laufe ich ja Gefahr, bei nächster Gelegenheit ähnliche Strukturen an den Tag zu legen und in die gleiche Situation zu kommen. Schließlich gibt es genug Frauen, die immer wieder mit Alkoholikern eine Beziehung eingehen, obwohl sie nach EINER solchen Beziehung doch klüger sein müssten.

    Ich meine schon, dass es eine Ursache hat, die vielleicht sehr früh gelegt wurde, wenn ich mich auf eine mich selbstausbeutende Beziehung einlasse. Wenn ich diese Ursache erforscht habe, habe ich auch die Möglichkeit, etwas zu verändern, um in Zukunft anders mit Beziehungen umgehen zu können.

    Gruß
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Ette : ich glaube, das ist ein Punkt zum "darüber philosophieren". Du schreibst:

    Zitat

    Schließlich gibt es genug Frauen, die immer wieder mit Alkoholikern eine Beziehung eingehen, obwohl sie nach EINER solchen Beziehung doch klüger sein müssten.


    Das ist für mich wie bei Alkoholikern: wir wussten auch, dass unser Alkoholkonsum nicht normal ist und wir uns schaden. Trotzdem hat es bis zum persönlichen Tiefpunkt gedauert, bevor wir uns zur "Umkehr" entschlossen.

    Ich bin der Meinung, dass bei vielen Co-Abhängigen einfach nicht der kompromisslose Wunsch nach einer Veränderung zum Guten da ist. Und ohne den geht es bei keiner Abängigkeitserkrankung.

    Was mich betrifft: ab dem Zeitpunkt, ab dem ich zufrieden wurde, musste nicht mehr alles hinterfragen und bis ins Detail ergründen. Mit genügt es seither festzustellen, ob mir etwas gut tut oder nicht. Und dann konsequent danach zu handeln.

    LG
    Spedi

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