Joline15 - Hoffnungsvoll oder Hoffnungslos?

  • Hey, ich habe lange überlegt hier etwas rein zu schreiben, aber ich denke es könnte mir helfen von ähnlichen Erfahrungen zu hören.

    Vor fast 6 Jahren habe ich meinen Partner kennengelernt, er ist wirklich ein total einfühlsamer, emotionaler, feinfühliger Mensch. Leider habe ich aber schnell gemerkt, dass er viele Baustellen hat. Er hat mehrere Süchte( Cannabis, Kokain, Alkohol). Wir sind bereits nach einem halben Jahr zusammen gezogen. Ab da sind mir diese Süchte erst so richtig bewusst geworden. Obwohl er schon in der Anfangsphase plötzlich nachts verschwunden ist( zu seinem dealer um dort gemeinsam die Nacht durchzumachen). Ich dachte damals allerdings er wollte einfach nur seinen Spaß mit einem Kumpel haben. Natürlich war das schon sehr komisch nachts wach zu werden und der Typ den du so toll findest ist auf einmal verschwunden. Aber sonst war alles total schön, ich hatte die zu vor einen Mann getroffen der einen so ein Gefühl von Geborgenheit gibt und so ein Ruhe ausstrahlt.

    Naja jetzt zurück zu der Zeit als wir zusammen gezogen sind. Da fing es an die ersten Male richtig zu knallen. Ich wollte und konnte es nicht mehr tolerieren, dass er jeden Nacht verschwunden ist und wie mir dann bewusst wurde Kokain einnahm und Alkohol konsumierte. Zudem nach diese sessions jeden Tag bis 17 Uhr schlief, also fing ich an ihn nachts abzuholen, um ihn aus dem Kreislauf zu befreien. Deswegen gab es verständlicher Weise oft Streit, weil es dort mit der Kontrolle anfing. Diese Kontrolle war meinerseits aber nie böse gemeint, ich möchte ihn auch heute noch einfach nur helfen. Ich schaffte es auch, er ging wieder arbeiten, reduzierte seinen Alkohol Konsum und kiffte nur noch. Eine zeitlang habe ich das Cannabis auch mit konsumiert, weil ich dadurch das Gefühl hatte den Stress und der Kontrolle aus dem Weg zu gehen. Mir ist bewusst, dass ich das zu diesem Zeitpunkt unterstützt habe.

    Also habe ich aufgehört und er gleich mit. Wir hatten wirklich eine sehr schöne Zeit auch ohne das Cannabis. Ich weiß noch wie er sagte, dass er jetzt erst merkt dass er doch die ganze Zeit genebelt war und es genießt es nicht mehr zu sein. Das war ein riesiger Lichtblick für mich, ich dachte er hat endlich verstanden, dass das Leben mehr als nur der Konsum ist.

    Aber er begann zu trinken, er brauchte einen Ersatz. Jeden Tag fing ich an die Wohnung zu durchsuchen, da überall sein Alkohol versteckt war. Er trank in diesen Phasen immer Schnaps und Whisky. Wenn ich die Flaschen fand kippte ich sie weg, was ihn natürlich sehr sauer machte. Er kann manchmal Wutausbrüche, da hat er so einen Tunnelblick, boxt irgendwo gegen oder wirft Sachen durch die Gegend. Damals bin ich oft darauf angesprungen, da er wirklich schreckliche Sachen in diesen Situationen sagt. Heute schaffe ich es meinst ruhig zu bleiben. Manchmal kamen diese Ausbrüche aus dem nichts. Ich denke es sind kleine Triggerpunkte, die für mich aber nicht immer ersichtlich sind.

    Wir sind nach 1 1/2 Jahren zu meinen Eltern ins Haus gezogen. Haben uns einen Kredit aufgenommen und den Dachboden ausgebaut, diesen zahlen wir auch immer noch ab. Ich dachte dort würden die Wutausbrüche weniger werden. Bitte denkt jetzt nicht er sei ein schlechter Mensch! Er saß unzählige Male weinend vor mir und entschuldigte sich. Er sagt er hätte in diesen Momenten keine Kontrolle.

    Jetzt sieht mein Leben seit Jahren so aus, dass immer wieder Phasen kommen in der es monatelang kifft, Kokain zieht und Alkohol trinkt. Manchmal gleichzeitig, manchmal nur eine Substanz, manchmal war er abstinent. In den Kiffer Phasen habe ich manchmal auch wieder mitgemacht. Diese Phasen hielten am längsten an. In den Abstinenzphasen hatte ich immer wieder die Hoffnung, dass es diesmal das letzte Mal war und er kein Rückfall hat. Ich weiß nicht mal mehr, wie oft dieses hin und her ging.

    Jetzt einen kleinen Abschnitt über mich. Als ich mit ihm zusammengekommen bin, war ich eine lebensfrohe Frau. Ich war oft unterwegs, war gerne feiern, ritt gerne und traf mich einfach gerne mit Freunden. Habe zu den Zeitpunkt eine Ausbildung gemacht, die ich auch abgeschlossen habe. Als junges Mädchen hatte ich doll mit Angststörungen zu tun, die ich zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Partner kennen lernte, aber sehr gut unter Kontrolle hatte. Hier will ich noch mal sagen, dass ich meinen Partner auf gar keinen Fall dafür verantwortlich mache, wie ich mich jetzt fühle, da es zu jedem Zeitpunkt meine Entscheidung war, die Beziehung weiterzuführen. Aber ich habe einfach über die Jahre gemerkt, dass ich gefühlt an allen die Freude verloren habe. Ich treffe mich nicht mehr mit Freunden, gehe nicht mehr zu den Pferden und weiß eigentlich gar nicht mehr, was mich persönlich ausmacht. Über die Jahre hatte ich wieder vermehrt Angststörungen. Wir haben zusammen eine Ausbildung angefangen, die wir abbrachen, danach fing ich einen Job an. Dieser Job war jetzt aktuell auch der letzte, den ich nachging. Seit vier Monaten bin ich zu Hause, da meine Angststörung immer extremer wurde und ich auch depressive Phasen hatte. Ich hatte zuvor schon oft das Gefühl, es würde mir alles zu viel werden und habe nicht auf die Warnsignale meines Körpers geachtet. Aber ich habe auch bis heute die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass er sein Leben nicht mehr durch den Konsum definiert.

    Nach der abgebrochenen Ausbildung hat er einen Job angefangen, wo er aber auch nicht lange blieb. Jetzt hat er einen Job bei uns im Dorf gefunden, der ihn wirklich Spaß macht. Zu dem Zeitpunkt, als er da anfing, war er abstinent aber wie das auf den Dörfern immer so ist, gibt es da natürlich ein Feierabendbier. Damit startete wieder die Alkoholsucht. Oft ist er auch nach der Arbeit mehrere Stunden da und trinkt, ab und zu geht es dann zu Hause auch weiter. Es gab auch schon Tage, an dem er nach der Arbeit schon betrunken zu Hause ankam.

    Diesmal war meine Toleranz aber nicht so hoch wie bei den andern Rückfälle, da ich wirklich im Moment sehr mit mir selber zu tun habe. Also drängte ich ihn diesmal sehr stark mit dem Alkoholkonsum aufzuhören. Ich äußerte in letzter Zeit auch sehr oft, dass ich das alles nicht mehr könnte. Seit einer Woche machte er vermehrt Hinweise darauf, dass er sich nichts mehr verbieten lassen würde. Er sagt, der Konsum wäre nun mal ein Teil seines Lebens, was für mich nach fast sechs Jahren Beziehung und ständigen Versuchen genau das zu ändern natürlich sehr hart zu hören war.

    Gestern hat es jetzt mal wieder richtig geknallt, er wollte los, um Kokain zu besorgen, was seit einer Woche leider auch wieder ein Thema ist. Ich wollte dies nicht zulassen und habe auch schon einen Tag vorher mit ihm kommuniziert, dass das meine Nerven nicht mehr mitmachen und ich ernsthaft über eine Trennung nachdenke. Gestern hatte ich dann einfach das Gefühl, er würde die Drogen über unsere Beziehung stellen, da er ja genau weiß wie es mir im Moment deswegen geht. Er sagte gestern auch, dass ihn in dem Sinne der Konsum auch wichtiger sei. Nach einem riesigen Streit ist er dann losgefahren und die Nacht auch nicht zurückgekommen.

    Ich habe schon länger das Gefühl, mich trennen zu müssen. Nicht, weil ich ihn nicht liebe, sondern weil ich einfach merke, wie mich das selbst zerstört. Aber nach solchen streiten und ist er dann wieder der Mann, in denen ich mich verliebt habe und bereut alles. Da sind wir dann wieder bei der Hoffnung gelandet, die ein Stück für Stück zerstört. Aber warum hat man nach so einer langen Zeit und so vielen Rückschlägen immer noch Hoffnung? Obwohl ich ganz genau weiß, diese Beziehung tut mir nicht gut, könnte ich sie auch gerade immer noch nicht beenden. Ich denke oft an die Abstinenzphasen und wie glücklich wir waren. Letztes Jahr erst im Urlaub, das war so wunderschön. Wir haben auch schon ganz oft offen darüber kommuniziert, dass wir Seelenverwandte sind. Man sagt ja immer auf jeden top passt ein Deckel und ich dachte immer, er wäre meiner.

    Ich denke, ich habe einfach eine gewisse Abhängigkeit ihn gegenüber entwickelt. Ein gesunder Mensch würde doch eigentlich sich selbst retten. Tief in mir weiß ich auf jeden Fall, dass das mit uns wahrscheinlich nicht gut ausgehen wird und ich hätte wahrscheinlich schon viel früher die Reißleine ziehen müssen. Aber ich bin einfach nicht stark genug.

  • Hallo joline, herzlich willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe.

    Dein Partner ist von mehreren Substanzen abhängig. Und darum zwingt die Sucht ihn, immer wieder zu konsumieren. Dagegen kommt kein Mensch außer er selbst an. Du kann machen, was du willst, solange es nicht ganz tief aus ihm kommt, das zu stoppen, sich Hilfe zu suchen, wird sich nichts verändern.

    Gefährlich finde ich, dass du teilweise auch konsumierst. Ich hab damals auch oft mitgetrunken und war schon kurz davor, selbst abhängig zu werden.

    Ich habe schon länger das Gefühl, mich trennen zu müssen. Nicht, weil ich ihn nicht liebe, sondern weil ich einfach merke, wie mich das selbst zerstört.

    Dieses Gefühl ist wichtig, es ist im Grunde genommen lebenswichtig. Mal ganz krass gesagt. Um dir über alles klar zu werden, kannst du dich gerne hier austauschen.

    Das ist der Link zur Freischaltung: https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Klick da drauf, schreib kurz was dazu und dann schalten wir dich für den Austausch frei. Dein Thema wird dann von hier in den Bereich für Angehörige und Coabhängige verschoben.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Marie04 21. März 2026 um 15:16

    Hat den Titel des Themas von „Hoffnungsvoll oder Hoffnungslos?“ zu „Joline15 - Hoffnungsvoll oder Hoffnungslos?“ geändert.
  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, joline15.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Joline15 ,

    Deine Geschichte ähnelt meiner so sehr, dass ich Dir schreiben möchte. Mein Ex ist mit den gleichen Substanzen unterwegs, zeitweise waren auch noch starke Schmerzmittel etc im Spiel. Sowas verändert nachhaltig, wie ich feststellen musste. Ich hatte viel Zeit dazu, wir kennen uns seit Jahrzehnten.

    Ich will nicht unken und Dir den Mut nehmen, im Gegenteil, Dich ermuntern, wirklich gut auf Dich und Dein Leben zu schauen und es in die Hand zu nehmen. Mache klare und ehrliche Bestandsaufnahme. Mir wurde klar, je länger man Entscheidungen für sich rauszögert, Chancen gibt, sich an Hoffnungen klammert, desto mehr Energie für sich selbst verliert man.

    Hoffnung ist nur dann angebracht, wenn Dein Partner ernsthafte Krankheitseinsicht zeigt, sich professionelle Hilfe sucht,. Siehst Du dafür Anzeichen? Aber selbst wenn er zB in Entgiftung und Reha gehen würde, wäre auch dann der Weg leider noch weit nach meiner Erfahrung. Das Kokain ist ja ne Art Brandbeschleuniger für den Alkohol.

    In meiner Beziehung hing ich viele Jahre der Illusion nach, ich könne quasi eines Tages wie durch ein Wunder den Mann wieder ausgraben, der mein Ex mal war - früher auch so ein liebevoller, Ruhe ausstrahlender, einfühlsamer Typ. Aber das hat ncht funkioniert. Warten, Hoffen, enttäuscht werden, Frust - das hat mich sehr viel Lebensfreude gekostet. Ich bin von einem geselligen, feierfreudigen Menschen zu ner Art Schatten geworden.

    Er hat immerhin Hilfe angenommen. Physisch und psychisch kaputt und nicht mhr zu einer glücklichen Beziehung fähig ist er trotzdem. Ich bin mühsam dabei, mir meinen eigenen Weg ohne ihn zu suchen. Immerhin geht es jetzt für mich wieder etwas aufwärts statt wie vorher mit ihm nur stetig bergab. Ich wünsche Dir, dass Du beizeiten eine gute Entscheidung für Dich triffst!

    LG

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