Hey, ich habe lange überlegt hier etwas rein zu schreiben, aber ich denke es könnte mir helfen von ähnlichen Erfahrungen zu hören.
Vor fast 6 Jahren habe ich meinen Partner kennengelernt, er ist wirklich ein total einfühlsamer, emotionaler, feinfühliger Mensch. Leider habe ich aber schnell gemerkt, dass er viele Baustellen hat. Er hat mehrere Süchte( Cannabis, Kokain, Alkohol). Wir sind bereits nach einem halben Jahr zusammen gezogen. Ab da sind mir diese Süchte erst so richtig bewusst geworden. Obwohl er schon in der Anfangsphase plötzlich nachts verschwunden ist( zu seinem dealer um dort gemeinsam die Nacht durchzumachen). Ich dachte damals allerdings er wollte einfach nur seinen Spaß mit einem Kumpel haben. Natürlich war das schon sehr komisch nachts wach zu werden und der Typ den du so toll findest ist auf einmal verschwunden. Aber sonst war alles total schön, ich hatte die zu vor einen Mann getroffen der einen so ein Gefühl von Geborgenheit gibt und so ein Ruhe ausstrahlt.
Naja jetzt zurück zu der Zeit als wir zusammen gezogen sind. Da fing es an die ersten Male richtig zu knallen. Ich wollte und konnte es nicht mehr tolerieren, dass er jeden Nacht verschwunden ist und wie mir dann bewusst wurde Kokain einnahm und Alkohol konsumierte. Zudem nach diese sessions jeden Tag bis 17 Uhr schlief, also fing ich an ihn nachts abzuholen, um ihn aus dem Kreislauf zu befreien. Deswegen gab es verständlicher Weise oft Streit, weil es dort mit der Kontrolle anfing. Diese Kontrolle war meinerseits aber nie böse gemeint, ich möchte ihn auch heute noch einfach nur helfen. Ich schaffte es auch, er ging wieder arbeiten, reduzierte seinen Alkohol Konsum und kiffte nur noch. Eine zeitlang habe ich das Cannabis auch mit konsumiert, weil ich dadurch das Gefühl hatte den Stress und der Kontrolle aus dem Weg zu gehen. Mir ist bewusst, dass ich das zu diesem Zeitpunkt unterstützt habe.
Also habe ich aufgehört und er gleich mit. Wir hatten wirklich eine sehr schöne Zeit auch ohne das Cannabis. Ich weiß noch wie er sagte, dass er jetzt erst merkt dass er doch die ganze Zeit genebelt war und es genießt es nicht mehr zu sein. Das war ein riesiger Lichtblick für mich, ich dachte er hat endlich verstanden, dass das Leben mehr als nur der Konsum ist.
Aber er begann zu trinken, er brauchte einen Ersatz. Jeden Tag fing ich an die Wohnung zu durchsuchen, da überall sein Alkohol versteckt war. Er trank in diesen Phasen immer Schnaps und Whisky. Wenn ich die Flaschen fand kippte ich sie weg, was ihn natürlich sehr sauer machte. Er kann manchmal Wutausbrüche, da hat er so einen Tunnelblick, boxt irgendwo gegen oder wirft Sachen durch die Gegend. Damals bin ich oft darauf angesprungen, da er wirklich schreckliche Sachen in diesen Situationen sagt. Heute schaffe ich es meinst ruhig zu bleiben. Manchmal kamen diese Ausbrüche aus dem nichts. Ich denke es sind kleine Triggerpunkte, die für mich aber nicht immer ersichtlich sind.
Wir sind nach 1 1/2 Jahren zu meinen Eltern ins Haus gezogen. Haben uns einen Kredit aufgenommen und den Dachboden ausgebaut, diesen zahlen wir auch immer noch ab. Ich dachte dort würden die Wutausbrüche weniger werden. Bitte denkt jetzt nicht er sei ein schlechter Mensch! Er saß unzählige Male weinend vor mir und entschuldigte sich. Er sagt er hätte in diesen Momenten keine Kontrolle.
Jetzt sieht mein Leben seit Jahren so aus, dass immer wieder Phasen kommen in der es monatelang kifft, Kokain zieht und Alkohol trinkt. Manchmal gleichzeitig, manchmal nur eine Substanz, manchmal war er abstinent. In den Kiffer Phasen habe ich manchmal auch wieder mitgemacht. Diese Phasen hielten am längsten an. In den Abstinenzphasen hatte ich immer wieder die Hoffnung, dass es diesmal das letzte Mal war und er kein Rückfall hat. Ich weiß nicht mal mehr, wie oft dieses hin und her ging.
Jetzt einen kleinen Abschnitt über mich. Als ich mit ihm zusammengekommen bin, war ich eine lebensfrohe Frau. Ich war oft unterwegs, war gerne feiern, ritt gerne und traf mich einfach gerne mit Freunden. Habe zu den Zeitpunkt eine Ausbildung gemacht, die ich auch abgeschlossen habe. Als junges Mädchen hatte ich doll mit Angststörungen zu tun, die ich zu dem Zeitpunkt, als ich meinen Partner kennen lernte, aber sehr gut unter Kontrolle hatte. Hier will ich noch mal sagen, dass ich meinen Partner auf gar keinen Fall dafür verantwortlich mache, wie ich mich jetzt fühle, da es zu jedem Zeitpunkt meine Entscheidung war, die Beziehung weiterzuführen. Aber ich habe einfach über die Jahre gemerkt, dass ich gefühlt an allen die Freude verloren habe. Ich treffe mich nicht mehr mit Freunden, gehe nicht mehr zu den Pferden und weiß eigentlich gar nicht mehr, was mich persönlich ausmacht. Über die Jahre hatte ich wieder vermehrt Angststörungen. Wir haben zusammen eine Ausbildung angefangen, die wir abbrachen, danach fing ich einen Job an. Dieser Job war jetzt aktuell auch der letzte, den ich nachging. Seit vier Monaten bin ich zu Hause, da meine Angststörung immer extremer wurde und ich auch depressive Phasen hatte. Ich hatte zuvor schon oft das Gefühl, es würde mir alles zu viel werden und habe nicht auf die Warnsignale meines Körpers geachtet. Aber ich habe auch bis heute die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass er sein Leben nicht mehr durch den Konsum definiert.
Nach der abgebrochenen Ausbildung hat er einen Job angefangen, wo er aber auch nicht lange blieb. Jetzt hat er einen Job bei uns im Dorf gefunden, der ihn wirklich Spaß macht. Zu dem Zeitpunkt, als er da anfing, war er abstinent aber wie das auf den Dörfern immer so ist, gibt es da natürlich ein Feierabendbier. Damit startete wieder die Alkoholsucht. Oft ist er auch nach der Arbeit mehrere Stunden da und trinkt, ab und zu geht es dann zu Hause auch weiter. Es gab auch schon Tage, an dem er nach der Arbeit schon betrunken zu Hause ankam.
Diesmal war meine Toleranz aber nicht so hoch wie bei den andern Rückfälle, da ich wirklich im Moment sehr mit mir selber zu tun habe. Also drängte ich ihn diesmal sehr stark mit dem Alkoholkonsum aufzuhören. Ich äußerte in letzter Zeit auch sehr oft, dass ich das alles nicht mehr könnte. Seit einer Woche machte er vermehrt Hinweise darauf, dass er sich nichts mehr verbieten lassen würde. Er sagt, der Konsum wäre nun mal ein Teil seines Lebens, was für mich nach fast sechs Jahren Beziehung und ständigen Versuchen genau das zu ändern natürlich sehr hart zu hören war.
Gestern hat es jetzt mal wieder richtig geknallt, er wollte los, um Kokain zu besorgen, was seit einer Woche leider auch wieder ein Thema ist. Ich wollte dies nicht zulassen und habe auch schon einen Tag vorher mit ihm kommuniziert, dass das meine Nerven nicht mehr mitmachen und ich ernsthaft über eine Trennung nachdenke. Gestern hatte ich dann einfach das Gefühl, er würde die Drogen über unsere Beziehung stellen, da er ja genau weiß wie es mir im Moment deswegen geht. Er sagte gestern auch, dass ihn in dem Sinne der Konsum auch wichtiger sei. Nach einem riesigen Streit ist er dann losgefahren und die Nacht auch nicht zurückgekommen.
Ich habe schon länger das Gefühl, mich trennen zu müssen. Nicht, weil ich ihn nicht liebe, sondern weil ich einfach merke, wie mich das selbst zerstört. Aber nach solchen streiten und ist er dann wieder der Mann, in denen ich mich verliebt habe und bereut alles. Da sind wir dann wieder bei der Hoffnung gelandet, die ein Stück für Stück zerstört. Aber warum hat man nach so einer langen Zeit und so vielen Rückschlägen immer noch Hoffnung? Obwohl ich ganz genau weiß, diese Beziehung tut mir nicht gut, könnte ich sie auch gerade immer noch nicht beenden. Ich denke oft an die Abstinenzphasen und wie glücklich wir waren. Letztes Jahr erst im Urlaub, das war so wunderschön. Wir haben auch schon ganz oft offen darüber kommuniziert, dass wir Seelenverwandte sind. Man sagt ja immer auf jeden top passt ein Deckel und ich dachte immer, er wäre meiner.
Ich denke, ich habe einfach eine gewisse Abhängigkeit ihn gegenüber entwickelt. Ein gesunder Mensch würde doch eigentlich sich selbst retten. Tief in mir weiß ich auf jeden Fall, dass das mit uns wahrscheinlich nicht gut ausgehen wird und ich hätte wahrscheinlich schon viel früher die Reißleine ziehen müssen. Aber ich bin einfach nicht stark genug.