Schleifchen - Vorstellung

  • Hallo an alle!


    Tatsächlich habe ich mich heute das erste Mal auf dieser Website umgeschaut und mich dazu entschieden, mich direkt vorzustellen.

    Mein Mann trinkt regelmäßig Alkohol. Meistens sind es 3-5 Bier täglich und ich merke es ihm recht schnell an, auch wenn Außenstehende oder Freunde nichts bemerken. Trotzdem enttäuscht es mich jedes Mal und ich empfinde eine sehr starke Abneigung ihm gegenüber. Er hat schon häufiger versucht, weniger zu trinken, was aber nie von Dauer war. Der letzte Versuch startete vor einer Woche, als er mir sagte, dass er sich selbst Sorgen über seinen Alkoholkonsum mache, nachdem er in zwei Tagen einen Kasten geleert hatte. Eine Woche kein Bier, heute wieder 5. Es ist der Todestag eines gemeinsam geliebten Menschen und er meinte, er würde heute Abend gern auf ihn anstoßen und morgen wieterhin nichts trinken. Für mich fühlte sich das aber nicht richtig an, da ich das Gefühl hatte, er würde den Todestag nutzen, um eine Gelegenheit zum Trinken zu haben. Er trank dann auch schon den Tag über mit dem ständigen Kommentar, dass das eigentlich nicht richtig ist und ihn das selbst ankotzen würde. Am Abend sagte ich ihm dann, dass ich das Anstoßen nicht machen möchte. Er meinte dann, dass er davon super genervt ist, weil er ja sonst heute den Tag über nichts getrunken hätte.

    Es ist nicht das erste Mal, dass ich darüber nachgedacht habe, ob eine Trennung sinnvoll wäre. Eher das 400ste Mal. Seit kurzem bin ich wegen einer anderen Sache in Therapie. Hier fragte mich meine Therapeutin nach einigen Geaprächen über mein Verhalten, ob ich mir vorstellen könnte, Co zu sein und ob ich mich schon an Hilfsangebote der Suchtberatung gewendet habe. Seitdem bin ich noch viel mehr mit diesen Gedanken beschäftigt. Allerdings habe ich große Angst davor, dass mein Kind nach einer potenziellen Trennung manchmal über einen längeren Zeitraum allein mit meinem Mann sein könnte. Er kümmert sich zwar jeden Vormittag und zu Terminen auch nachmittags um unser Kind und das mit viel Liebe, aber ich weiß auch, wie er sein kann, wenn er nicht mehr ganz Herr seiner Sinne ist - emotional nicht vorhersehbar, unbedacht, schnell gereizt, ich würde fast sagen toxisch. Ich habe einfach Angst, dass das noch schlimmer wird und ich dann gar keine Möglichkeit mehr habe, einzugreifen. Ich sehe auch die Verbesserung über die Jahre hinweg, wie zum Beispiel die schrittweise Annäherung an die Einsicht, ein Alkoholproblem zu haben. Aber ich habe Angst, dass sein Weg so lang dauert, dass es letztendlich meinem Kind psychisch bereits geschadet hat. Keine Ahnung, ob das hier eher nach mimimi klingt, als nach einem richtigen Problem, aber ich halte die Entäuschung und die Sorge um einen psychischen Schaden bei meinem Kind bald nicht mehr aus. Andererseits weiß ich auch, dass eine Trennung großen Schaden anrichten kann. Um dieses "Dilemma" drehen sich eigentlich ständig meine Gedanken. Und gleichzeit fühle ich mich, als würde ich überdramatisieren, ungerecht sein und meine eigene Familie zerstören. Ich weiß noch nicht genau, welche Antworten ich suche, aber es fühlt sich irgendwie richtig an, diesen Schritt hier zu gehen und mich anzumelden. Vielen Dank fürs Zuhören.


    Freundliche Grüße,

    Schleifchen

    Einmal editiert, zuletzt von Schleifchen (5. Juli 2026 um 23:02)

  • Hallo Schleifchen.

    herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.
    Es ist gut, dass du dir Hilfe suchst, und dich hier gemeldet hast.

    Es ist der Todestag eines gemeinsam geliebten Menschen und er meinte, er würde heute Abend gern auf ihn anstoßen und morgen wieterhin nichts trinken. Für mich fühlte sich das aber nicht richtig an, da ich das Gefühl hatte, er würde den Todestag nutzen, um eine Gelegenheit zum Trinken zu haben.

    Da bin ich deiner Meinung, dass war suchen eines Grundes um trinken zu können. Nasse Alkoholiker finden immer einen Grund.
    Ich sehe keine Einsicht bei deinem Mann, dass zugeben des Alkoholproblems, ist in den meisten Fällen eine "Beruhigungspille" für die Angehörigen. Er hofft, dass er dich damit erst einmal wieder beruhigen kann.
    Deinem Mann kannst du nicht helfen, er muss selbst an den Punkt kommen, und seine krankheit erst einmal einsehen und dann auch handeln.
    Du kannst nur etwas für dich und dein Kind tun, damit es euch besser geht, denn auch schon die kleinen Kinder spüren, das etwas nicht stimmt.

    Wenn du dich hier austauschen möchtest klicke auf den Link, schreib einen kurzen Satz dazu dann schalten wir dich für den Austausch frei.
    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Morgenrot 5. Juli 2026 um 23:18

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung - Schleifchen“ zu „Schleifchen - Vorstellung“ geändert.
  • Hallo,

    Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet.

    Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Du kannst nur etwas für dich und dein Kind tun, damit es euch besser geht, denn auch schon die kleinen Kinder spüren, das etwas nicht stimmt.

    Das stimmt... Aber häufig bin ich diejenige, die die Konflikte "provoziert". Wenn ich merke, dass er wieder getrunken hat, stürtze ich mich auf Kleinigkeiten und habe so viele negative Gefühle in mir, dass ich schnell und hart urteilend werde (das aber bei uns beiden nicht vor unserem Kind). Was ist, wenn eine Trennung meinem Kind mehr schaden würde, als wenn ich einfach nicht auf das Angetrunken sein anspringe? Es fühlt sich falsch an, wenn ich das schreibe, aber dieser Gedanke beherrscht mich. Ich habe mich in die Geschichten einiger anderer hineingelesen und eigentlich alle beschreiben viel schwierigere Zustände. Was ist, wenn ich mich nur in diesen Gedanken hineinsteigere und letztendlich selbst diejenige bin, die alles kaputt macht und meinem Kind eine unbeschwerte Zukunft nimmt? Mein Mann hat definitv ein Alkoholproblem, aber ist das Ausmaß so, dass ich in die Richtung einer Trennung gehen sollte, in der mein Kind ein Stück seines Vaters und des Familienlebens verliert? Wenn ich diejenige bin, die meistens die eigentlichen Konflikte in der Partnerschaft auslöst?

  • Es gibt keine unbeschwerte Zukunft mit einem Alkoholiker als Elternteil.

    Es bleibt ja meistens nicht auf dem Stand von heute. Die Trinkmengen werden oft mehr. Die Lügen, die Unzuverlässigkeit, die Körperhygiene, evtl. sogar die Aggression usw. usw. können sich verschlimmern.

    Viele Frauen merken erst in der Rückschau, ein, zwei Jahre nach der Trennung, wie notwendig die Entscheidung war.

    Als EKA, also erwachsenes Kind eines alkoholkranken Elternteils, bin ich selber zwar keine Alkoholikerin geworden, aber eßsüchtig. Die Sucht und auch die Co-Abhängigkeit, werden den Kindern jahrelang als Normalzustand vorgelebt. Also übernehmen sie das.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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