Wie weh das tut... Tränen...

  • HalloJean,hallo Fietje

    ich habe mich jetzt mal durch diesen Therad "geackert" und mir fehlen echt die Worte!

    Sorry....ihr beiden aber so wird das NICHTS!!!
    Ich lese die Verzichtsgedanken nur so raus!
    Ihr geht beide nur über den Willen und der Disziplin

    Hier,in diesem Forum, steht immer wieder der Satz:

    NUR NICHT MEHR TRINKEN;REICHT NICHT!!!!!!


    Gruß
    Kijara

    Ohne Alkohol seit 20.08.06

  • Zitat von Kijara

    HalloJean,hallo Fietje

    ...
    Ich lese die Verzichtsgedanken nur so raus!
    Ihr geht beide nur über den Willen und der Disziplin


    Gruß
    Kijara

    Hallo Kijara!

    Ja, die Verzichtsgedanken gibt es. Die Dankbarkeit nicht mehr trinken zu müssen und damit nicht allein zu sein gibt es aber auch...

    Manchmal geh ich über Willen und Disziplin - wenn alle anderen Stricke reißen...

    Oft fällt mir nicht mehr auf, dass ich auf was verzichte, und merke, dass ich reicher geworden bin...

    Dass sich auch mein Leben verändern muss, "lasse ich mir gern hinter die Ohren schreiben"...


    Glaub mir, das wird ganz sicher was!

    Liebe Grüße von
    Jean

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Hallo Jean,

    Ja, ich denke auch, Dein Verzichtsgedanke ist sehr stark, hoffentlich nicht zuuuuu stark. Dann hast Du nämlich keine Chance, trocken zu werden. Das liest man auch vielen Sätzen bei Dir heraus, für uns länger Trockene springt es direkt sofort ins Auge. Das werde ich Dir mal später genauer aufschlüsseln.
    Aber es ist gut so, das Du offen und ehrlich schreibst, denn so gibst Du uns auch die Möglichkeit, Dir Ansatzpunkte zu nennen, an denen Du arbeiten musst. Und bei denen wir Dir dann auch helfen können.

    Auch Dantes Beitrag an Dich ist sehr wahr, er hat alles richtig erkannt, aber Du wirst es noch nicht so ganz verstehen können. Ich möchte Dich mal bitten, den zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu lesen, ich sag mal, alle 4 Wochen. Dann wirst Du immer mehr verstehen, was er Dir sagen will.

    Dann möchte ich noch was sagen zu bestimmten "Freundschaften" hier im Forum. Ich halte es für sehr schlecht bis gefährlich, sich an Leute zu halten, die auf dem gleichen Stand stehen, wo man selber steht, das gilt aber nur in den Anfangsphase (Später ist das was anderes) Die auch den Verzicht so stark empfinden. Natürlich empfindet man es so: Hier ist jemand, der mich gut / besser versteht als die anderen schon länger Trockenen.
    Das ist aber ein Trugschluss, auch die anderen kennen genau unsere Krankheit, haben nichts vergessen, sind nur schon weiter auf ihrem Weg und können so den anderen schon zeigen, wo er lang geht. Jemand, der auf der gleichen Stufe steht, ist das einfach noch nicht möglich.

    Darum kann ich Dir nur dringend raten, sich immer an Leute zu halten, die schon 2-3 Schritte weiter sind. Sie können Dich auffangen, wenn Du stolperst, jemand der an gleicher Stelle steht, KANN DAS EINFACH NICHT. Und im schlimmsten Fall reisst er Dich mit, wenn er selber ins Stolpern gerät. Das bedeutet im schlimmsten Fall einen Rückfall.

    Auch ich halte mich immer an Leute, die noch einen Schritt weiter sind, von denen kann ich NUR LERNEN. Der Gedankenaustausch findet dann sicher schon auf einer anderen Ebene statt, aber das ist normal. Und ich halte mich auch gern an Leute, die auch auf meiner Stufe stehen, mit denen kann ich mich auch gut austauschen. Das mache ich nicht an bestimmten Jahreszahlen fest. Mein Weg in die Trockenheit war ein sehr viel langsamerer als bei vielen anderen hier. Das kommt aber sicher daher, das ich die ersten 3,5 Jahre ganz allein für mich so hinwurschtelte.
    Und erst das alles zusammen macht es mir möglich, Menschen zu helfen, die noch ganz am Anfang stehen.

    Wir lernen bei unserer Krankheit nie aus, das habe ich hier im Forum gelernt und ich lerne gern immer dazu, denn das alles kann mich vor einem Rückfall schützen. Und den will ich vermeiden, ich würde alles dafür tun und ich mein damit WIRKLICH ALLES.

    So, datt wars erstmal von mir.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Zitat von Lilly12

    Hallo Jean,

    Ja, ich denke auch, Dein Verzichtsgedanke ist sehr stark, hoffentlich nicht zuuuuu stark. Dann hast Du nämlich keine Chance, trocken zu werden. Das liest man auch vielen Sätzen bei Dir heraus, für uns länger Trockene springt es direkt sofort ins Auge. Das werde ich Dir mal später genauer aufschlüsseln.
    ...
    Wir lernen bei unserer Krankheit nie aus, das habe ich hier im Forum gelernt und ich lerne gern immer dazu, denn das alles kann mich vor einem Rückfall schützen. Und den will ich vermeiden, ich würde alles dafür tun und ich mein damit WIRKLICH ALLES.

    So, datt wars erstmal von mir.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

    Hallo Lilly!

    Du machst Dir viel Mühe auf mich einzugehen und mir Denkanstöße zu geben. Danke dafür.

    Und gleich mal vorweggesagt, ich bin Dir sehr, sehr dankbar für Deine Ratschläge und auch den anderen, die sich Mühe mit mir machen - eben weil diese Ratschläge so klar sind. Fast wie ein Gewissen. Oder eine gute Predigt. Und genau diese Klarheit tut mir gut.

    Ich hab herausgehört, dass es hier im Forum bestimmte Empfehlungen/fixe Richtlinien für ein trockenes Leben gibt:

    1) Strebe nach einem komplett trockenen Leben. Es gibt nur Abstinenz oder Alkoholismus, keinen Schritt dazwischen.
    2) Du bleibst Dein Leben lang alkoholkrank - bekenne Dich dazu - vor Dir selbst und vor anderen.
    3) Die Entscheidung zum Nicht-Trinken bedeutet einen radikalen Bruch mit allem was bisher gewesen ist.
    4) Darum und um Dich selbst zu schützen mache in Deinem privaten und beruflichen Umfeld bekannt, dass Du Alkoholiker bist.
    a) Entferne alles, was Dich an Alkohol erinnert - aus Deinem Haushalt und aus Deinen Lebensgewohnheiten.
    b) Brich mit allen Freunden, die Alkoholiker sind oder Deine Saufkumpanen waren. Das sind keine echten Freunde, nur Kollaborateure Deiner Sucht.
    d) Meide gesellige Veranstaltungen, bei denen viel Alkohol getrunken wird - vielleicht weil das zum Lebensgefühl gehört, Veranstaltungen, auf denen der Gruppendruck hoch ist.
    e) Bau Dir ein komplett neues Leben - mit neuen Freunden, neuen Gewohnheiten...

    Soweit mal formuliert - mal sehen, was ich für mich daraus mache.
    Sicher meinen persönlichen Weg aus der Alkoholsucht.

    Vielen Dank bisher an Euch
    Jean

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Zitat von Lilly12


    Auch Dantes Beitrag an Dich ist sehr wahr, er hat alles richtig erkannt, aber Du wirst es noch nicht so ganz verstehen können. Ich möchte Dich mal bitten, den zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu lesen, ich sag mal, alle 4 Wochen. Dann wirst Du immer mehr verstehen, was er Dir sagen will.

    Ich lese Eure Ratschläge immer wieder und jeden Tag fällt mir etwas Neues auf, das ich jetzt brauchen kann. Ich möchte mich ja nicht selbst überholen.

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Zitat von Lilly12

    Dann möchte ich noch was sagen zu bestimmten "Freundschaften" hier im Forum. Ich halte es für sehr schlecht bis gefährlich, sich an Leute zu halten, die auf dem gleichen Stand stehen, wo man selber steht, das gilt aber nur in den Anfangsphase (Später ist das was anderes) Die auch den Verzicht so stark empfinden. Natürlich empfindet man es so: Hier ist jemand, der mich gut / besser versteht als die anderen schon länger Trockenen.
    Das ist aber ein Trugschluss, auch die anderen kennen genau unsere Krankheit, haben nichts vergessen, sind nur schon weiter auf ihrem Weg und können so den anderen schon zeigen, wo er lang geht. Jemand, der auf der gleichen Stufe steht, ist das einfach noch nicht möglich.

    Hallo Lilly,
    ich würde mir mal Folgendes zugute halten...
    Ich habe keine einzige PN abgeschickt, wo ich über Verzichtsgedanken oder sonst irgend etwas emotional Negatives geschrieben habe. Falls das Deine Angst ist - das werde ich nicht tun.
    Ausgeweint habe ich mich hier in der Öffentlichkeit.
    Wenn sich dann jemand zu Wort meldet, der/die mit sich kämpft und vor allem den Verzichtsgedanken heraushört aus meinen Postings, dann antworte ich ihr/ihm als Mensch - von Mensch zu Mensch, in der Hoffnung, dass ich etwas sagen kann, damit es ihm/ihr besser geht.
    Ich lasse mir lieber ein Bein abhacken, bevor ich mich, z.B. in PNs, an Menschen wende, denen es schlecht geht, um gemeinsam rückfällig zu werden oder sie emotional zu belasten oder sie runterzuziehen. Wenn Du glaubst ich würde sowas tun, kennst Du mich ganz schlecht.
    Ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass mich irgendjemand runterziehen kann, dem es hier schlecht geht. Meine Schmerzen sind mein persönlicher emotionaler Mist, die werden nicht größer oder kleiner, wenn es jemandem mies geht. Das öffentliche Reden darüber hilft mir. Auch die Ehrlichkeit der anderen. Auch das Zur-Rede-gestellt-und-herausgefordert-Werden.
    Zum Saufen fange ich sicher nicht an, weil es jemand anderem mies geht. Ich fange nämlich gar nicht wieder an.

    Mein Schwerpunkt wird sicher nicht sein, hier andere zu betreuen. Aber ab und an werd ich was sagen, wenn ihr es mir nicht verbietet, wenn ich glaube, das kann helfen.

    Ich bin da, um mir helfen zu lassen.

    Grüße von Jean

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Hallo Jean,

    Das hast Du alles prima auf den Punkt gebracht, alle Punkte sind richtig und wahr. Mit Deiner Erlaubnis möchte ich mir das gern herauskopieren.

    Ich denke, es könnte auch für andere gut sein, es so gut formuliert mal nachzulesen.

    Ja, so ist es, jetzt liegt nur die Schwierigkeit darin, alles auch umzuseten. Dafür muss man aber in kleinen Schitten gehen, immer einen nach dem anderen, sonst steht man ja wie vor einen riesigen Berg, der einem Angst macht.

    Ich sag immer so, wenn man oben auf dem Gipfel ankommen will, sollte man besser nicht gleich querfeldein hochlaufen, da gibts garantiert glitschige Stellen, Geröll, Löcher und man kann schnell hinfallen, wenn nicht sogar den ganzen Hang wieder runterrutschen. Und man kommt schnell aus der Puste, ob man das Ziel so erreicht, ist ungewiss.

    Geh ich aber gemächtlich in Serpentinen hoch, im besten Fall noch mit einen erfahrenen Bergführer, hab ich sehr große Chancen, oben heil anzukommen und in Ruhe die Aussicht zu genießen.

    Hach, ich liebe solche Vergleiche, sorry :lol:

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Seufz, mit PC-Absturz - jetzt falsch nummeriert - also jetzt nochmal:

    RICHTLINIEN FÜR EIN DAUERHAFT TROCKENES LEBEN
    1) Strebe nach einem komplett trockenen Leben. Es gibt nur Abstinenz oder Alkoholismus, keinen Schritt dazwischen.
    2) Du bleibst Dein Leben lang alkoholkrank - bekenne Dich dazu - vor Dir selbst und vor anderen.
    3) Die Entscheidung zum Nicht-Trinken bedeutet einen radikalen Bruch mit allem was bisher gewesen ist.
    4) Darum und um Dich selbst zu schützen mache in Deinem privaten und beruflichen Umfeld bekannt, dass Du Alkoholiker bist.
    5) Entferne alles, was Dich an Alkohol erinnert - aus Deinem Haushalt und aus Deinen Lebensgewohnheiten.
    6) Brich mit allen Freunden, die Alkoholiker sind oder Deine Saufkumpanen waren. Das sind keine echten Freunde, nur Kollaborateure Deiner Sucht.
    7) Meide gesellige Veranstaltungen, bei denen viel Alkohol getrunken wird - vielleicht weil das zum Lebensgefühl gehört, Veranstaltungen, auf denen der Gruppendruck hoch ist.
    8) Bau Dir ein komplett neues Leben - mit neuen Freunden, neuen Gewohnheiten...

    Weil sie sehr wichtig sind und eine Herausforderung, lasse ich die Regeln mal einfach so stehen... Später werd ich mich damit dann auseinandersetzen und ich hab keine Angst, dass ich nicht mein Fett abkriegen werde, wenn Euch meine Einstellung nicht passt...

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • RICHTLINIEN FÜR EIN DAUERHAFT TROCKENES LEBEN
    1) Strebe nach einem komplett trockenen Leben. Es gibt nur Abstinenz oder Alkoholismus, keinen Schritt dazwischen.

    UNEINGESCHRÄNKT JA. Ich habe tief in mir drinnen erkannt, dass das für mich stimmt und dass es nur alles oder nichts gibt.

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • [quote='jean']Seufz, mit PC-Absturz - jetzt falsch nummeriert - also jetzt nochmal:

    RICHTLINIEN FÜR EIN DAUERHAFT TROCKENES LEBEN
    2) Du bleibst Dein Leben lang alkoholkrank - bekenne Dich dazu - vor Dir selbst und vor anderen.

    Soweit mag ich gar nicht denken. Aber meine Erkenntnis ist, ich bin alkoholkrank, ich sehe mich mal für das nächste Jahr so und das muss reichen.

    Denkanstoß für mich und Regeln gegen den Strich bürsten:

    In erster Linie bin ich aber gesund, seitdem ich keinen Alkohol mehr trinke, und genau darauf will ich mich in meiner Lebensgestaltung und in meinem Lebensgefühl konzentrieren...

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • [quote='jean']
    3) Die Entscheidung zum Nicht-Trinken bedeutet einen radikalen Bruch mit allem was bisher gewesen ist.

    Das kann ich für mich persönlich nicht so sehen, aber für viele Menschen mag es sinnvoll sein und vielleicht ändert sich auch meine Meinung mich selbst betreffend noch.

    Es gibt ja vieles an meinem Leben, was gut ist und das ich beibehalten möchte.
    Die Kunst besteht eben gerade darin, zu sehen, wo und womit ich radikal brechen muss, um einerseits standhaft zu bleiben und andererseits nichts wegzuwerfen, was gut und wertvoll ist.

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • [quote='jean']

    RICHTLINIEN FÜR EIN DAUERHAFT TROCKENES LEBEN
    4) Darum und um Dich selbst zu schützen mache in Deinem privaten und beruflichen Umfeld bekannt, dass Du Alkoholiker bist.

    Eine gute Regel, denk ich.
    Damit hab ich begonnen im privaten Umfeld:
    Inzwischen wissen davon:
    7 Freunde - beinah mein ganzer engster Freundeskreis
    meine Eltern, zu denen ich ein inniges Verhältnis habe

    Berufliches Umfeld: Das ist schwierig, aus Gründen, die ich hier nicht öffentlich im Detail erklären kann... In meinem Unternehmen werden Alkoholiker - auch trockene - zum Teil gemobbt...

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • 5) Entferne alles, was Dich an Alkohol erinnert - aus Deinem Haushalt und aus Deinen Lebensgewohnheiten.

    Die Hausbar - ja uneingeschränkt, jede Art von Alkohol, ja uneingeschränkt...

    Mit meiner Gläsersammlung aber hab ich mittlerweile einen spielerischen Umgang gefunden und auch mit meinem freitagabendlichen Bedürfnis mich mit einem guten Glas zu belohnen:

    Wer glaubt, das sind Wein- und Biergläser in meiner Vitrine, der irrt sich; das ist meine Fruchtsaft- und Limonadenglassammlung. :)

    Mein neues Laster sind Fruchtsäfte und Limonaden und ich will verdammt sein, wenn ich mich mit diesen Getränken nicht bald besser auskenne als mit Alkohol. :)

    Ich hoff mir wird nicht nahegelegt, mich als Alkoholiker ständig selbst ernst zu nehmen, sonst werd ich noch trübsinnig dazu :) und das erklärt dann, warum Alkoholismus und Depressionen oft gemeinsam vorkommen...

    Nein, im Ernst, in diesem Bereich hab ich das Gefühl, das für mich ganz gut und mit einem Augenzwinkern gelöst zu haben, ohne dass ich dem Alkohol irgendwie nachtrauern würde. Aber das ist nur mein persönlicher Weg momentan, so wie ich ihn sehe...

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • RICHTLINIEN FÜR EIN DAUERHAFT TROCKENES LEBEN
    6) Brich mit allen Freunden, die Alkoholiker sind oder Deine Saufkumpanen waren. Das sind keine echten Freunde, nur Kollaborateure Deiner Sucht.

    Das betrifft vor allem einen sehr guten Freund und Freizeitaktivitätenpartner von mir, mit dem ich gemeinsam gesoffen habe...

    Da ist ein Bruch im Entstehen.
    Aber so einfach ist das ganze nicht.
    Letztendlich habe auch ich, als ich noch gesoffen habe, ihn mithinuntergezogen.
    Ich habe Angst, dass wir nur Saufkumpanen waren.
    Na ja, zu 50% würd ich sagen.
    Die anderen waren gemeinsame Aktivitäten und Gespräche, die nichts mit dem Saufen zu tun hatten.

    Priorität hat, dass ich mich nicht runterziehen lasse. Drum habe ich Farbe bekannt vor ihm und den Kontakt stark eingeschränkt - vor allem den geselligen Treffen am Abend werde ich fern bleiben - vorerst.

    Aber vielleicht lässt sich da was an Freundschaft retten, und auch wenn er sich entscheidet weiterzusaufen, ist und bleibt er ein Mensch, den ich mir vertraut gemacht habe und für den ich in einem gewissen Maß verantwortlich bin.

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Hallo Jean,
    auch Du must Deinen eigenen Weg finden, wie alle anderen hier. Wichtig ist dabei, dass Du lernst in dich hinein zu hören und selber merkst, was dir guttut und was nicht. Trotzdem finde ich es sehr ratsam, Dir Deine tolle Liste immer wieder vor Augen zu führen. Es muß nicht alles auf Dich zutreffen, aber es steckt in den Worten viel Wahrheit drin. Vieles merkt man erst viel später. Den Vergleich von Lilly mit dem Berg finde ich sehr zutreffend. Deine Aufgabe ist es, Deinen eigenen Weg zur Spitze zu finden und zu gehen.
    Ich wünsche Dir viel Kraft und vertraue Dir!

  • Hallo Lilly!

    Um in Deinem Bild zu bleiben: Ich geh gern mit erfahrenem Bergführer, wenn mir eine Tour zu schwierig ist - und das ist mir diese ganz sicher. Die ist nichts zum Alleingehen.

    Sehr hilfreich ist mir auch die Gruppe, die mich begleitet und die ich begleiten möchte...
    Da gibt es ganz Starke und Erfahrene, die nicht weichen, nicht fallen und zur Vernunft rufen. Sie bleiben stehen und sind ein Fels in der Brandung, eine Schutzhütte im Gewitter.
    Da gibt es auch Ängstliche und Menschen mit Konditionsschwierigkeiten, die mir vielleicht in einem Moment der Großzügigkeit die Hand reichen, über sich selbst hinauswachsen und mir aufhelfen... Vielleicht werden sie dabei stärker, statt zu fallen, wer weiß.
    Wir kommen gemeinsam ans Ziel. Wir gehen gemeinsam Schritt für Schritt.

    Ja, das stimmt, es geht nur in kleinen Schritten, die sind oft mühsam, und ich werde mir gern dabei helfen lassen.

    Liebe Grüße von
    Jean

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

  • Hallo Jean,

    du scheinst ja einen Postrekord aufstellen zu wollen :lol: , gönn' dir mal 'ne Pause, sonst kommst du ja gar nicht mehr zum Lesen :wink: .

    Find' ich auch gut deinen Punktekatalog. Alles ist richtig.
    Aber: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
    Und noch ein Spruch hinterher: Eile mit Weile.

    Lass' dir man Zeit, erstmal sacken zu lassen, was das in der Praxis alles für dein Leben bedeutet. Wie radikal ein Bruch notwendig ist oder du einen Bruch später überhaupt als radikal empfindest, wird auch erst die Zeit zeigen.
    Für den Anfang finde ich es besonders wichtig zuzuhören und nachzufragen (was du ja tust) und vor allem ehrlich zu sich selbst zu sein.

    Wer mit sich und seiner Entscheidung trocken zu leben im Reinen ist, hat auch keinerlei Probleme, dies nach außen zu vertreten.

    Den Rest was dein soziales Umfeld anbelangt musst du nicht akribisch vorherplanen ... das wird dann auch ein Selbstläufer. Vieles ergibt sich einfach folgerichtig aus deiner Lebensweise - geradezu logisch.
    Je länger du ohne Alkohol lebst, umso weniger hast du von allein das Bedürfnis, dich mit nassen Alkoholikern (oder eben Trinkern) zu umgeben. Bis dahin meide einfach sicherheitshalber jede Gelegenheit, bei der du mit alkoholisierten Personen in Berührung kommst. Sie können nett sein, werden aber niemals einen günstigen Einfluss auf deine neue Lebensphilosophie haben. Nicht wenn sie vor deiner Nase trinken.
    Ich habe seit 7 Monaten nichts getrunken und tu' das noch heute (alkoholträchtige Situationen meiden). Warum sollte ich jemandem beim Trinken zuschauen, wenn ich das für mich selbst ablehne?
    Es geht mir dabei weniger darum, dass ich Angst hätte, dass ich auch trinken müsste. Dafür bin ich wohl schon ein Weilchen gefestigt genug. Aber ich lehne es einfach ab. Es tut mir zum verinnerlichen meines trockenen Gedankenguts nicht gut. Ich möchte erst sicher sein, dass das Nichttrinken mir so in Fleisch und Blut übergegangen ist, wie das Atmen und Essen. Und das dauert natürlich eine gewisse Zeit wenn man jahre- oder jahrzehntelang zuvor soff.

    Du schreibst:

    Zitat

    Es gibt ja vieles an meinem Leben, was gut ist und das ich beibehalten möchte.
    Die Kunst besteht eben gerade darin, zu sehen, wo und womit ich radikal brechen muss, um einerseits standhaft zu bleiben und andererseits nichts wegzuwerfen, was gut und wertvoll ist.

    Das ist gar keine Kunst. Das ist gelebtes Leben. Was sich bewährt, bleibt - was kontraproduktiv ist, fliegt raus. Man muss es als oberstes Ziel trocken zu leben nur ernst meinen. Die Trockenheit an oberste Stelle setzen und alles was man selbst für notwendig hält, bzw. was man als Rat für notwendig angenommen hat, umsetzen.

    Schritt für Schritt und mit großer Geduld und ohne sich selbst überschlagen zu wollen.

    Kontinuität kommt dabei vor Schnelligkeit.

    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem weiteren Weg

    Trockenen Gruß vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Ich sehe, dass Du Deinen Humor noch nicht verloren hast. :lol:
    Das ist gut so :!::!:
    Behalte ihn Dir.

    Gruß
    Heike


  • Hallo Jean,

    vorab mal, heute ist mein 50. Tag ohne Alkohol, bin also kein alter Hase.

    finde ich gut, dass du eine so große Freundin des Wortes bist und versuchst so präzise und planmäßig zu sein. Das hilft mir persönlich weiter, weil 'Dinge in Worten auf den Punkt bringen' schon eine gewisse Kunst ist.

    Ich für mich meide die Wörter Richtlinien oder Regeln. Mein persönliches Verhältnis zu diesen Wörter ist nämlich verbunden mit dem Gefühl der Fremdbestimmung. Das führt natürlich früher oder später zu einer Verweigerungshaltung, die mir dann im Wege steht bzw. dazu führt, dass ich mir selbst im Wege stehe. Mir hilft vor allem 'ich will'. Aber du hast ja ebenfalls jeden Punkt auch auf dich selbst bezogen und kommentiert.

    Bei Punkt sechs komm ich allerdings ins Grübeln. Ich breche nicht unbedingt mit allen alten Bekannten, aber mit denen, die NUR Saufkumpane waren. Wer dagegen kein Problem hat auf Alkohol zu verzichten und sich mit mir zum Quatschen treffen will, der ist herzlich willkommen. Ich habe ohnehin nur wenige Freunde und ich empfinde es eher als Bestätigung der Freundschaft, wenn man sich dann weiterhin trifft und eben Tee oder Kaffee oder Fruchtcocktails zusammen trinkt.

    Deinen letzten Absatz fand ich heikel:
    "...ist und bleibt er ein Mensch, den ich mir vertraut gemacht habe und für den ich in einem gewissen Maß verantwortlich bin."
    Zwei (fast gleiche) Fragen dazu:
    1. Woher nimmst du dir das Recht Verantwortung für ihn zu übernehmen?
    2. Warum ist das für dich eine Pflicht für einen anderen Verantwortung zu übernehmen ?

    Viele liebe Grüße,

    Timster

  • Zitat von .Micha


    du scheinst ja einen Postrekord aufstellen zu wollen :lol: , gönn' dir mal 'ne Pause, sonst kommst du ja gar nicht mehr zum Lesen :wink: .

    ...
    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem weiteren Weg

    Trockenen Gruß vom Micha

    Hallo Micha!
    Vielen Dank für die guten Wünsche, ich kann sie gut gebrauchen auf meinem Weg.

    Sorry für die Menge! Da musste mal was raus, nach den 8 Wochen beinahe nur drüber schweigen...

    Jetzt weiß ich, wo ich stehe und mir ist viel leichter.

    Liebe Grüße von
    Jean

    Wenn ich mir selbst nicht erlaube, dass es mir ohne Alkohol gut geht - wer soll es dann für mich tun?

    Trocken seit November 2006

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