Was bin ich? Zu gut, naiv, bescheiden, sehr anpassungsfähig?

  • Hallo Heike,

    da ich schon "einige Tage" hier in diesem Forum bin, habe ich hier gewisse Erfahrungen gemacht. Auf keinen Fall hilt bei unser Krankheit, weder den Betroffenen, noch den Angehörigen, ein Bussi-Bussi- ich-drück Dich mal- alles wird wieder gut.

    Unsere Krankheit verläuft ungestoppt tödlich und es gibt Fakten. Z.B. werden über 90 % der Alkoholiker rückfällig, ganz genau sollen es 96 % sein, hab ich gegoogelt, die Zahlen schwanken aber, nehmen wir mal im besten Fall von 90% an.
    Aber diese erschreckende Zahl sinkt auf ca. 50-60 % Rückfälligkeit, geht der Betreffende in eine SHG, macht eine Therapie. Das sind doch schon mal sehr viel bessere Chancen, oder ? Darum sollte man das unbedingt in Anspruch nehmen, man minimiert einfach das Risiko drastisch. Außerdem ist der Austausch mit Betroffenen immens wichtig, mir fehlte er 3,5 Jahre, bis ich endlich hier her fand. Nun ist das hier meine SHG und ich merke erst, seitdem ich hier bin, wie sehr es mir fehlte. Ich konnte zwar trocken bleiben, aber ich kam viel langsamer voran als diejenigen, die hier trocken geworden sind.
    Auch Angehörige können in diesem Fall nicht allein die Ansprechpartner sein, sie haben meist die Sucht nicht am eigenen Leib erfahren. Das ist der gravierende Unterschied. Sie versuchen ALLES, um zu verstehen, das ist mir klar, mein Mann und meine Freunde taten das auch. Aber der Austausch mit Betroffenen ist noch anders, ist einfach so.

    Und Angst ist sicher ein ganz schlechter Ratgeber, das ist mir durchaus klar. Aber die Wahrheit zu verschleiern, bringt auch nix.
    Was ich hier schrieb, ist keinesfalls eine "volle Breitseite" von mir gewesen, die hätte erheblich anders ausgesehen :shock: Ich bin im offenen Bereich sehr wohl bekannt für Klartext, aber auch dafür, helfen zu wollen. Ich biete hier jedem meine Hilfe an, der sie möchte. Wer sie aber nicht möchte, dem kann ich nicht helfen, dann zieh ich mich auch zurück, weil es dann für mich verbrannte Zeit ist. Aber, wie sagt man so schön, man trifft sich immer 2x im Leben, beim zweiten Mal liegt die Chance höher, das Hilfe doch angenommen wird.

    Ich habe hier sicher schon den einen oder anderen heftig auf den Schlips getreten, machte aber nix, war meist prima zum wachwerden. Und mir ist vollkommen klar, nicht jedem helfen zu können, ist auch nicht mein Ziel, wenn ich nur einem helfen konnte, reicht es für mich persönlich schon aus.
    Ich habe selber viel Hilfe und Unterstützung bekommen, die möchte ich hier gern weitergeben, auch besonders ist hier meine Tochter und mein Mann zu nennen, die mir immer zur Seite standen. Ich weiß nicht, ob ich es ohne die beiden geschafft hätte.
    Daher weiß ich sehr gut, wie wichtig Hilfe von den Angehörigen ist.
    Und Vorwürfe von dieser Seite bringen gar nix, immer wieder alte Storys aufwärmen etc., wie Du auch schon schriebst. Einfach zusammenhalten und das beste aus dem weiteren Leben machen, nicht immer wieder zurückschauen, ist wohl der beste Weg. Der Betroffene muss oft genug wieder zurückschauen, ob er das will oder nicht, es gehört auch zu unserer Aufarbeitung und Trockenheitsarbeit. Das ist anstrengend genug und erfordert auch unsere ganze Kraft.

    Angst einjagen möchte ich hier niemanden, aber ich werde hier immer Fakten und die Wahrheit sagen, wer das nicht lesen möchte, weil er es nicht hören will, der überlese bitte meine Beiträge.
    Und etwas anderes werde ich auch nie wieder in meinem Leben tun: SCHWEIGEN.
    Das habe ich lange genug gemacht, die Zeiten sind ein für allemal vorbei.

    So, das wars schon, war das jetzt wieder ne Breitseite ? Neee, oder ? :lol:

    LG an Dich
    Lilly

  • hallo heike,

    du schreibst:

    Zitat

    Jedenfalls war hier eine junge Dame, deren beitrag sich mit meinem überschnitten hat und die ANgst bekam..... nicht jeder gibt zu, dass ihm das Geschreibsel hier Angst macht. Ist aber so.... also, meine Bitte: auch wenn das hier als SHG verstanden wird.... nicht immer direkt die volle Breitseite - es verunsichert und kann auch vieles zerstören!

    da gebe ich lilly völlig recht. hier im forum wird so viel geschrieben "ich drücke dich, ich knuddele dich, ist doch nicht schlimm, so schlimm trinkt dein mann doch garnicht, du schaffst das schon......" sorry, aber wenn ich das gehäuft lese, hab ich schon keine lust mehr, mich mit dem threat oder dem thema zu beschäftigen. hört sich vielleicht brutal an, ist aber so. es bringt nämlich nichts. wenn ich mal ne statistik aufmachen würde käme sicher heraus, dass dieses "ich drücke dich" KEINEM co und KEINEM alkoholiker dauerhaft hilft. und dafür ist mir meine zeit zu schade.

    diejenigen aber, die sich ernsthaft gedanken machen und auch mal harte wahrheiten aufschreiben (und annehmen!!!!) sind die, die hier im forum einen (guten) weg gehen. die anderen treten auf der stelle und schreiben nach monaten immer noch das selbe. natürlich macht das angst, die harte wahrheit ins gesicht gesagt zu bekommen, sich damit beschäftigen zu müssen und eventuell auch konsequenzen ziehen zu müssen. aber nur das hilft vielleicht. alles andere ist zeitverschwendung. und jetzt prügelt mich :wink: .

    gruß

    lavendel

  • Zitat von Elki

    Lavendel die können es viel besser ertragen, wenn da jemand mit dem Tod ringt, sie können besser ertragen zu lesen, wenn ein Partner seine Partnerin prügelt ist doch garnicht so schlimm!
    Es ist richtig grausam zu lesen, wenn jemand gesund wird! Ja so scheint das wohl!
    LG
    Elke


    Super, soweit sind wir nun schon - dass man sich so unqualifziert bösartig über unsereins äußern darf.
    In Anbetracht dessen, dass hier im co-Bereich gerade jemand um das Leben seines Mannes zittert finde ich diesen Beitrag mehr als nur geschmacklos !

    Ja Elki, ich weiß Du gibst hier gerade nur wieder Deine Erfahrungen preis -ach ja - diesmal hast Du vergessen es extra anzumerken *nebenbei.feststell*.

    Mir ist ein echtes Rätsel, wie jemand der ja ein so dermaßen glückliches und zufriedenes Leben lebt, hier so verbittert um sich schlägt. Ich finde das lässt sehr tief blicken.

    Und das Elki aufgrund dieses Threads noch von niemandem zurechtgewiesen wurde sagt auch einiges aus !

    Kann man nur hoffen, dass bald der Frühling, Wärme und Sonne kommen - die gereizte Stimmung im gesamten Forum hilft einem nur dabei dann doch lieber nach anderen Wegen zu suchen.

    Diandra

    Mögen alle meine Fehler sich auf ihre Plätze begeben und möglichst wenig Lärm dabei machen.

    Überwältigend was geschehen kann,
    wenn sich die Fingerspitzen zweier Menschen
    ganz leicht berühren,
    am richtigen Ort
    und zur rechten Zeit!

  • Uiuiuiui, da haben wir aber weder richtig toll aneinander vorbeigeredet..... das muss doch noch besser gehen, oder?!

    Guten Morgen *pfeif*

    Erstmal was off Topic.....Ich freu mich morgens auf diesen Threat. Ehrlich! Ich freu mich, wenn ich mich mit meinem Brötchen und Kaffee hier hin setze und erstmal lese...dasmusste mal raus!

    Ich versuch mal, alles was mir auf dem Herzen liegt, loszuwerden. Sollte mein Tonfall etwas rauher werden, dann ist das eben typisch angegriffener Co, gell Elke *grins*

    Lavendel, wenn du in realen Leben eine Geschichte hörst, die dich tief berührt und du spürst, dass der Betroffene nun einfach mal in den Arm will undas ungemein hilft mehr als tausend Worte,, nur um das Gefühl "du bist nicht allein. Ich bin bei dir!" zu vertiefen, dann tust du das. Mein virtuelles "ich knuddel, drück dich!" heißt nichts anderes als " in Gedanken bin ich bei dir. Ich weiß, dass ich dir nicht wirklich hefen kann, aber ich schicke dir meine moralische Unterstützung!"
    Schonmal dran gedacht, dass genau DAS viel Trost spendet? Und Trost hat wohl jeder ab und zu nötig. Auch in einer realen SHG redet man nicht nur gegen die Wand (außer den AA), sondern bekommt ein Feedback und wird auch einfach nur stumm in den Arm genommen. Wems nicht passt? So what - dann eben nicht!!

    Elke, der letzte Spruch war daneben, haste gemerkt, gell ?! Die Emotionen kochen leicht über, das ist normal, gerade wenn man das Gefühl hat, dass man auf der Stelle tritt und sich nicht so ausdrückt, dass der andere es auch versteht. Ansonsten würde ich dir gerne sagen, dass ich deine Beiträge schätze - hart, aber herzlich und ich denke, real würdest du dich nicht manchmal so verzetteln *lächel*

    Lilly, puuuuh, dich hab ich gar nicht gemeint mit "voller Breitseite!"...Du schreibst immer sehr einfühlsam und triffst trotzdem den richtigen Ton. Das bewundere ich sehr, denn ich bin viel zu gerade heraus und manchmal -wie Elke- ein wenig der Elefant im Porzellanladen.

    Ich schreibe nun mal meine Grundgedanken auf:
    Auch wenn diese SHG virtuell ist, so gilt es doch, eine gewisse Nettiquette einzuhalten. Im realen Leben würdet ihr auch nicht einfach so reinplatzen und mit (unbedachten??) Äußerungen das Gegenüber verprellen, oder würdet ihr das?
    Nichtsdestotrotz, Lilly, es ist müßig, immer wieder die Zahlen zu widerholen, ich denke, die sind jedem Betroffenen, ob aktiv oder passiv, hinreichend bekannt. ich kenne sämtliche Symptome, Foilgeerkrankungen und bin tief in die Materie eingetaucht. Ich war in der Lage mit dem behandelnden Arzt meines Mannes die Werte zu diskutieren - vielleicht auch, weil Ärzte zu meiner Familie gehören und ich damit aufgewachsen bin. Im medizinischen Bereich bin ich ziemlich fit.
    Ich habe manchmal den Eindruck, "ihr" (poh, ist das doof) betet uns deshalb so die Zahlen und Rücfallquoten und "und ne SHG und/oder Therapie ist notwendig, sonst wird das nix!" runter, weil ihr selbst zutiefst verunsichert seid. Vielleicht sollte man den Blickwinkel ändern?
    Ich, zB. und auch mein Mann, wir orientieren uns an Erfolgsquoten. Sicher lassen wir mögliche Gefahren nicht außer acht, aber wir sind nicht so hypersensibilisiert, dass wir nur negativ (ups, wenn wir nun auf die Hochzeit gehen, könnte ja der Alkoholiker aus dem Nachbarkaff dort sein. Das ist nicht gut für dich/mich!" Nee, wenns zu viel wird, geht man. Wir verstehen uns ohne Worte und wenns einem von uns unbehaglich wird, dann sieht der andere das) eingestellt sind.
    Zur SHG meines Mannes, muss ich mal was erklären,glaube ich. Unser Umfeld hat sich im Laufe der Jahre sehr angepasst. Wir sind umgeben von Nietrinkern und trockenen Alkoholikern. Mein Mann ist der letzte verbliebene Raucher und ich tausche mich häufig mit den Partnern der trockenen Alkoholiker aus. Mein Mann redet wohl viel mit den (Langzeit) trockenen Alkoholikern, davon gehe ich aus, sonst wäre er nicht so gefestigt. Blödes Wort aber ich hoffe ihr versteht was ich meine und kommt mir nu nicht wieder mit "er ist erst 3 Wochen....." *zwinker*

    it Breitseite (hab ich wohl unglücklich gewählt) meinte ich, dass man nicht sofort den Menschen, der hierherkam, weil er Hilfe sucht verschrecken sollte. Bei nassen Alkoholikern ist Klartext mehr als angesagt, das hab ich bei meinem Mann oft praktiziert, auch wenn es mir sehr Leid tat - das weiß er aber nicht.
    Bei Angehörigen sieht das schon anders aus. Die kann man so nicht behandeln, weil man zutiefst verunsicherten Menschen erstmal das Gefühl des Verständnisses gibt, bevor man zum verbalen Schlag ausholt und seine meinung sagt (manchmal ist es klüger, jemanden erst Vertrauen fassen zu lassen. Und das ist keine Schauspielerei, sondern Menschlichkeit). Ein wenig wie Zuckerbrot und Peitsche....diese Menschen sind verletzt, hilflos und traurig. Sie können mit solchen Ansagen, wie uuuus Elke (sorry, aber du bist das Paradebeispiel) sie manchmal loslässt nicht viel anfangen - im schlimmsten Fall geben sie auf. Ist das das Ziel??
    Es muss doch möglich sein, eine Basis des gegenseitigen Verständnisses aufzubauen und das Gegenüber nicht ständig als Feind zu sehen.

    Und nochmal: ich bin nicht hier um irgendjemandem nach dem Mund zu reden. Ich bin hier, weil ich mich hier wohl fühle, vermutlich auch, weil mich harte Worte, oder was ihr dafür haltet, nicht im geringsten abschrecken.... nöö, ich diskutiere dann und find das prima....
    Lavendel, prügeln will ich dich nicht, aber so ein klitzekleiner Arschtritt....??? *kicher*

  • upsa, entschuldigung, da ist mir die Tastatur abgeschmiert.....

    Und wenn mal jemand was zu den ständig entstehenden Mißverständnissen der beiden hier anwesenden Parteien sagen könnte und wie man das aus dem Weg schaffen kann, wär ich sehr dankbar....

    Einen schönen Samstag

    Heike

  • Zitat

    Ich habe manchmal den Eindruck, "ihr" (poh, ist das doof) betet uns deshalb so die Zahlen und Rücfallquoten und "und ne SHG und/oder Therapie ist notwendig, sonst wird das nix!" runter, weil ihr selbst zutiefst verunsichert seid. Vielleicht sollte man den Blickwinkel ändern?

    Liebe Heike,

    Zu Deiner Äußerung, "wir" seien verunsichert, kann ich nur ein ganz einfaches und schlichtes NEIN von meiner Seite aus sagen. Ich fühle mich relativ sicher, weil ich alles, was ich kann, gegen einen Rückfall tun werde. Aber niemand ist davor 100% gefeit, manche werden nach vielen Jahren rückfällig, ein Restrisiko besteht immer. Und natürlich orientiere ich mich an Fakten und Zahlen, denn ich halte mich keinesfalls für etwas besonderes und könnte irgendwas besser. Dieses Denken allein schon birgt eine gewisse Gefahr. Ich selber besuchte 3,5 Jahre keine SHG und ich hab auch keine Therapie gemacht, ich bin so trocken geblieben. Das sehe ich aber im nachhinein als großen Fehler, den ich machte. Ich hatte verdammt schwere Zeiten, aber kam in der von mir besuchten SHG nicht klar. Ich suchte mir allerdings auch keine andere, das war sehr dumm. Ich sehe hier bei den Leuten, die hier trocken wurden, das sie ihren Weg viel schneller gehen, ich hab es mir nur unnötig schwerer gemacht, als es hätte sein müssen. Aber ich wußte es halt nicht besser.

    Zumindest SHG sind so wichtig für Betroffene, auch für mich ist diese hier SEHR WICHTIG. Und sie minimiert einfach die Gefahr von Rückfällen. Warum dann sowas nicht nutzen, es geht hier doch um mein Leben, nicht um einen netten Nachmittagsplausch. Es braucht auch beileibe nicht jeder eine Therapie, der eine oder andere aber doch.

    Und schau mal, DU schreibst hier immer von "wir" und "Ihr". Ich tue das nicht, weil es für mich gar nicht dieses wir und ihr gibt. Es sind doch immer beide Seiten von unserer Krankheit betroffen. Wir sind doch keine Gegner. Das würde ich sehr schlimm finden.

    Und auch hier noch einmal: Klare Worte sind nötig, bei Betroffenen und Angehörigen. Alles andere bringt einfach nix. Viele MÜSSEN erst wachgerüttelt werden. Man sollte allerdings auch schon auf seine Wortwahl achten.

    Und liebe Diandra,
    ich weiß sehr wohl, wie es Elfriedes Mann geht, nicht gut, aber es besteht noch ein wenig Hoffung, was ich ihr auch sehr klar geschrieben habe. Ich befand mich in der gleichen Situatuion wie ihr Mann. Ich lag auch auf der Intensiv mit Schläuchen und die Ärzte kämpften mit mir um mein bisschen Leben. ES GIBT HOFFNUNG. Aber manchmal gibt es auch einfach keine, und man stirbt nicht am Alkohol, man verreckt dran. Das muss hier ganz klar sein. Lies mal im Kinder von Alkoholikern-Bereich. Auch da sind Elternteile an ihrer Alkoholsucht gestorben.
    Und vielleicht erinnerst Du Dich noch an die gerade 18 jährige Julie, wie sie in den damals noch offenen Chat kam. Ihre Mutter war an dem Tag verstorben. Wir haben sie getröstet und viel mit ihr geredet, sie kam wohl 2 Wochen jeden Abend und war voller Wut und Trauer. Aber trotzdem hat sie hier Hilfe und Ansprechpartner gefunden. Es hat niemand böse mit ihr gesprochen, sie hat hier Hilfe bekommen und konnte endlich drüber reden. Und sie kam auch mit unserer Hilfe über die ersten schweren Tage.
    So isses ja nun auch nicht, das wir hier jedem nur was vor den Kopf knallen. Ein bisschen Einfühlungsvermögen ist immer notwendig und auch die Wortwahl. Aber es muss auch immer klar bleiben, das unsere Krankheit ungestoppt tödlich verläuft. Natürlich ist das schrecklich, und doch ist es so. Traurig, aber wahr. Ich möchte nun wirklich nicht hier noch mit Zahlen kommen, für wie viele jedes Jahr unsere Krankheit tödlich verläuft.

    Lieben Gruß an Alle, vielleicht sollte ich mal den Thread hier von Apfels abtrennen und neu benennen ? Ihrer ist es ja leider schon lang nicht mehr :oops: Was meint ihr ?

    Lilly

  • Ich habe manchmal den Eindruck, "ihr" (poh, ist das doof) betet uns deshalb so die Zahlen und Rücfallquoten und "und ne SHG und/oder Therapie ist notwendig, sonst wird das nix!" runter, weil ihr selbst zutiefst verunsichert seid. Vielleicht sollte man den Blickwinkel ändern?

    Wie schon von Karsten gesagt, gibt es nirgends einen Garantieschein.
    Es kommt nur auf DICH an, auf DEINEN absoluten Weg und DEINE Einstellung.

    Du musst erst einmal den Punkt erreicht haben, zu erkennen, dass ohne fachliche Hilfe nebst immenser Selbsthilfe (auch bei einer Therapie) der Weg amateurhaft und rückfallgefährdender ist.

    Gruß, Freund.

  • Hallo Heike,

    ich kenne mich von frühester Kindheit an mit den medizinischen Folgen des Alkoholismus aus. Mein leiblicher Vater war bereits Alkoholiker als ich auf die Welt kam. Es wurde nie ein Hehl mir gegenüber daraus gemacht, es gehörte zu meiner Geschichte. Das Wissen das meine Mutter sich über die Folgen in jeder Hinsicht über die Jahre angeeignet hat, habe ich im Laufe der Zeit übernommen. (Es hat sie nicht gehindert ebenso abzurutschen, war ihr aber eine große Hilfe beim selbst belügen. Das nur nebenbei und ist eine andere Geschichte)

    Das medizinische Wissen war bei mir also da. Andere Dinge, die im Umgang mit Alkoholikern wichtig waren, z. B. seine eigenen Grenzen zu behalten, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren, hat man mir nicht beigebracht. Wie auch…… So dachte ich, ich hätte Verständnis für die Krankheit, ein Trugschluß. Das was sich bei Sucht auf der emotionalen Ebene abspielt hat mir aufgrund dieser Unwissenhiet sprichwörtlich fast das Genick gebrochen. Ich dachte ich wüsste alles und wusste so gut wie nichts.

    Wenn ich mit jemandem über meine Probleme mit meiner trinkenden Mutter gesprochen habe, habe ich immer jemanden gefunden, der mir sein Mitgefühl ausgedrückt hat, der mich in den Arm genommen hat. Es gab auch immer welche die mich bewundert haben, wie ich das schaffe, die meine Stärke bewundert haben. Es wurden auch mal leise Zweifel angemeldet von einigen ob ich nicht zuviel tue, aber ich habe immer Begründungen gefunden warum das was ich tue richtig ist. Also hat man mich gelassen, ich war schließlich der Meinung ich tue das richtige. Es hat mich sinngemäß niemand aufgehalten, alle hatten Mitleid, aber aufgehalten in meinem selbstzerstöreischen Tun hat mich niemand.

    Nachdem ich nicht mehr konnte bin ich in eine SHG gegangen und habe eine Therapie angefangen. Erst als man mir dort die ungeschminkte Wahrheit wie einen nassen Lappen ins Gesicht geschlagen hat, bin ich wach geworden. Und doch, ich kam mir so unverstanden vor, es hat mich so sehr verletzt. Nichts von dem was ich getan habe war auf einmal mehr richtig. Ich wollte doch nur das Beste, warum verstand das auf einmal keiner mehr.

    Ich habe eine Weile in Selbstmitleid gebadet. Warum versteht denn keiner, dass es nicht anders geht, als so wie ich es jahrelange gemacht habe. Ich habe weiter versucht Mitleid und Verständnis zu bekommen, bekam es aber nicht mehr. Ich wollte aufhören mit beidem, Therapie und SHG, es versteht mich ja doch keiner. Aber ich hatte keine Alternative mehr, so habe ich weiter gemacht. Irgendwann bin ich ans nachdenken gekommen. Könnte nicht vielleicht an dem was mir gesagt wurde etwas dran sein? Mein Weg hat nach unten geführt, könnte der vollkommen entgegen gesetzte der anderen wirklich nach oben führen? Ich habe es schrittchenweise versucht und festgestellt es geht mir besser. Ich habe auch festgestellt, dass ich erst einen ganz kleinen Teil des Weges geschafft habe. Oft könnte ich mich in den Hinter beissen, weil ich hinterher merke, dass ich wieder mal nur an andere und nicht an mich gedacht habe. Ich bekomme einen Blick für die Mechanismen die bei mir ablaufen. Oft stehe ich ihnen erstmal hilflos gegenüber, weil sie, obwohl schon lange da, für mich neu sind. Doch inzwischen sehe ich es als Herausforderung, nicht mehr als Grund aufzugeben.

    Wenn man mich in der SHG und der Therapie weiter mit Samthandschuhen angefasst hätte, wie es mir lieb gewesen wäre, wäre ich heute keinen Schritt weiter. Es wäre falsch verstandenes Mitleid gewesen. Die anderen können nichts dafür, dass mir die Wahrheit weh tut, aber sollen sie deshalb lügen, es schön reden. Sie sehen, was ich „falsch“ mache in meinem Leben. Sollen sie Schweigen, obwohl ich sie durch mein Erscheinen bitte zu reden, nur weil mir die Antwort nicht gefällt. Nein, denn das ist keine Hilfe!

    Lange Rede kurzer Sinn, ich kann mich Lilly und Lavendel nur anschließen. Es hilft niemandem, wenn man ihn in seinem Wolkenkucksheim belässt in dem er sich offenkundig unwohl fühlt. Denn sonst wäre er nicht hier.
    Ich denke man sollte immer zwischen Mitleid und Mitgefühl unterscheiden. Mitleid gibt’s hier wenig, Mitgefühl jedoch eine Menge. Vielleicht mag es der eine oder andere nicht sehen, aber ich sehe es.

    Gruß
    Skye

  • Hallo zusammen,

    ich will mich auch mal wieder melden. Schön, dass hier viel diskutiert wurde und sich sowohl Alkies als auch Angehörige austauschen.

    Zitat

    Lilly, erstmal so wie dein mann sehe ich das auch mit der Schuldfrage. Ist doch kontraproduktiv, wenn man in der Vergangenheit rumstochert

    Ich glaube nicht, dass es für uns Cos kontroproduktiv ist, die Vergangenheit vor Augen zu halten. Ich weiss, dass ich vieles, was mir angetan wurde, verdrängt habe (ist wahrscheinlich eine Art Selbstschutz). Auch wenn es nicht Absicht war, mir wurde viel Leid zugefügt. Und das ist Tatsache.

    So wie es für Euch Alkies wichtig ist, beim Trockenwerden/sein an erster Stelle zu stehen, so ist es für mich wichtig, dass Verständnis für eure Krankheit an zweite Stelle zu setzen und endlich einmal mich in den Vordergrund zu setzen.
    Ich glaube, das wäre nie ohne eine Trennung gegangen.

    Zitat

    Wenn hier von Zahlen und Statistiken gesprochen wird, ist das die Realität.

    Das sehe ich auch so. Ich drücke natürlich jedem Alkie die Daumen, dass er es schafft.

    Hallo Pott, ich war auch mal an dem Punkt, wo ich glaubte, mein Partner gehört zu den 10% die es schaffen.

    Als er dann wieder zur Flasche gegriffen hat, habe ich ihn abgeschieben.
    Da spricht die Statistik für sich, es ist eben extem schwer für immer trocken zu bleiben.

    Gruß Apfel

  • hallo,

    skye, du schreibst:

    Zitat

    Ich denke man sollte immer zwischen Mitleid und Mitgefühl unterscheiden. Mitleid gibt’s hier wenig, Mitgefühl jedoch eine Menge.

    das find ich richtig gut! genau das ist es auf den punkt gebracht. danke!

    gruß

    lavendel

  • Hallo Ivich,

    schön, das Du Dich wieder meldest.
    Ja sicher muss man erstmal drüber nachdenken, aber Bange machen gilt auch hier nicht, das war sicher auch von niemanden die Absicht.

    Und mit geöffneten Augen geht es sich einfach besser durchs Leben, sonst würde man ja gar nicht mehr die schönen Dinge sehen.

    Hmmm, hoffentlich geht das mit Deinem Freund gut. Ist er denn einsichtig, das er alkoholkrank ist ?
    Mir jedenfalls ist dort hammerhart klar geworden, das unsere Krankheit wirklich tödlich endet, aber bei mir war es auch eher ein Extremfall.
    Ich hatte auch nur diese eine Entgiftung, ich weiß aber hierzu keinerlei Statistiken, wieviele mehrere brauchen, um trocken zu werden.

    Wenn ich manchmal lese, das einige schon etliche Entgiftungen hinter sich haben, erschreckt mich das. Ich denke dann manchmal, muss das wirklich sein, so ein Entzug ist ja auch im günstigsten Fall kein Spaziergang. Aber offenbar ist auch das so, das einige wirklich mehrere Entgiftungen brauchen. Trotzdem denke ich, da lief doch dann irgendwas schief, und die Gründe kommen dann auch meist recht bald.

    Ich hoffe, Dein Freund erkennt noch den ernst der Lage, es gibt ja tatsächlich welche, die gehen direkt nach dem Entzug in die nächste Kneipe, wenn ich sowas lese, fällt mir allerdings gar nix mehr ein...
    Vielleicht denken sie: Prima, datt Gift iss aussem Körper, kann ich gleich wieder volle Breitseite zuschlagen. Das ist für mich allerdings dann auch völlig unverständlich.

    Ich hoffe sehr, das Du weiterhin schreibst, wie es bei Euch so weitergeht.

    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem / Euren Weg in die Trockenheit und in ein mit Sicherheit viel glücklicheres Leben.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Hallo ivich,

    Zitat

    Mein Freund weiß wohl, dass er Alkoholiker ist, aber ob ihm die Tragweite bewußt ist weiß ich nicht. Er ist ziemlich extrovertiert und kennt da jetzt schon jeden persönlich .. und findet jetzt glaube ich erstmal, er ist eh der Klassenbeste (beste Werte! wenigste Promille bei Einlieferung!).

    Nur weil er gute Werte hat, heißt das nicht, dass er weniger tief in seiner Krankheit steckt, als andere.


    Gruß Apfel

  • Hallo ivich,

    eben abwarten. Vielleicht nutzt er seine Chance. :)

    Bei mir ist ja das Ganze mit einer Trennung geendet. Und ich kann nur von mir sagen, dass ich mich von seinen Aussagen blenden lassen habe. Körperlich hat er auch keine Schäden von sich getragen.

    Gut, dass du das ganze etwas mißtrauig betrachtest. Das konnte ich damals nicht.

    Gruß Apfel

  • Gelesen habe ich, nu muss ich das erstmal sortieren...... wollte ich mal kurz vermelden, nicht, dass jemand denkt, die meldet sich ja gar nicht mehr...

    Schönen Sonntag, ihr Lieben :D

  • Hallo zusammen,

    ich denke, wie immer noch viel nach. jetzt bin ich grade an einem punkt, wo ich mir sage, es war eher finanzielle abhängigkeit und die tatsache, dass ich hier keine unterschlupfmöglichkeit hatte, die mir eine trennung von meinem trinkendem partner erschwerten.
    wird sich meine beziehungsfähigkeit jetzt bessern, wenn ich jetzt auf eigenen beinen stehe? werde ich schneller konsequenzen ziehen, wenn ich weiß, ich kann allein für mich sorgen?

    gruß apfel

  • Hallo nochmal,

    ein kleiner nachtrag. das soll jetzt nicht heißen, dass ich meinen partner überhaupt nicht lieb hatte.
    vielleicht wäre manches nur anders gekommen, hätte ich bessere möglichkeiten gehabt mich räumlich zu trennen.

    Gruß apfel

  • Hallo Apfel,

    Zitat

    Wir wollen doch auch etwas bekommen?

    Was denn?

    Wenn ich bedingungslose Liebe schenke, will ich doch dafür nichts bekommen.

    Das wäre ja genauso, als hätte ich meinen Kindern nicht ihr Leben geschenkt, sondern wäre einen Vertrag mit ihnen eingegangen. Ungefähr so, ich gebe Euch jetzt Liebe und Aufmerksamkeit und erfülle Eure Bedürfnisse, dafür sorgt ihr dafür, dass ich mich nicht mehr einsam, allein und unglücklich fühle und Freude in meinem Leben habe.

    LG
    Teufelchen

  • Hallo Apfel,
    auch von mit noch ein paar Zeilen dazu...

    Zitat

    jetzt bin ich grade an einem punkt, wo ich mir sage, es war eher finanzielle abhängigkeit und die tatsache, dass ich hier keine unterschlupfmöglichkeit hatte, die mir eine trennung von meinem trinkendem partner erschwerten.

    Das sehe ich auch so, das sich viele aufgrund anscheinend mangelnder Möglichkeiten nicht trennen. Viele Frauen geraten auch in eine gewisse Abhängigkeitsrolle durch ihr Hausfrauen-und Mutterdasein. Das geschieht oft automatisch, schwupps, schon biste da drin, das passiert ja nicht nur CO`s. Du bist aber hier so ehrlich und gibst das zu ! Das ist ein, meiner Meinung nach, ganz wichtiger Schritt. Ich glaube, viele haben sich es in ihrer CO-Rolle auch halbwegs "gemütlich" gemacht und besser fest die Augen verschlossen und sind damit immer tiefer reingerutscht. Ich schliesse hier jetzt mal Beziehungen aus, wo der Partner gewalttätig wurde, die werden schneller beendet, weil da nun jeder wach wird.

    Darum halte ich es immer für wichtig, als Frau auch immer soweit wie möglich, unabhängig zu bleiben. Ich habe immer gearbeitet und mein eigenes Geld verdient und habe mich auch so bewußt geschützt vor Abhängigkeit in jeder Form. Das ist schwer, wenn man Mutter ist, aber es ist immer möglich, auch wenn es anfangs Halbtagstätigkeiten sind oder erstmal 2-3 Stunden. Noch n Beispiel: Meine Freundin wurde von ihrem Mann wegen einer wesentlich jüngeren Frau verlassen, die saß da mit 3 Kindern, die jüngste gerade mal 2. Sie war anfangs böse, verbittert und wütend, entzog ihrem Noch-Mann die Kinder etc.
    ABER: Sie merkte, er kommt nicht zurück. Dann suchte sie sich nen Mini-Job, fand Unterbringungsmöglichkeiten für die Kinder, Unterhalt muss ihr Noch-Ehemann ja eh bezahlen, aber das war zu knapp, er konnte auch einfach nicht mehr zahlen.
    So, und weißt Du, was sie heute macht? (das ist ca. knapp 1 Jahr her) Sie geht wieder mit Freundinnen aus, während der Vater am WE die Kinder hat, macht wieder Sport, gestaltet sich mit den Kindern ein anderes Leben und ist nicht mehr verbittert, sie kann sogar schon wieder lachen. Und es wundert mich auch gar nicht, wenn sie bald einen neuen , netten Partner findet, der sie und die Kinder liebt. Ich wünsche es ihr jedenfalls aus ganzem Herzen.
    Es geht also ALLES, was man wirkich will.

    Zitat

    wird sich meine beziehungsfähigkeit jetzt bessern, wenn ich jetzt auf eigenen beinen stehe? werde ich schneller konsequenzen ziehen, wenn ich weiß, ich kann allein für mich sorgen?

    Ja, natürlich wird das so ! Was n sonst ? Du baust automatisch ein neues, gutes Selbstbewußtsein auf, wenn Du merkst, Du kannst es auch allein. Das kommt dann von ganz allein. Anfangs ist es sicher schwer, man wird mit seinem "Schicksal" hadern, wütend und enttäuscht sein, aber später wird man nur noch über die schöne, verschwendete Zeit sauer sein, die man "verplempert" hat. Und natürlich wird man eher Konsequenzen ziehen, wie sagt man so schön: Aus Schaden wird man klug. So passiert Dir das wohl nicht noch mal.
    Und wie schon öfters von mir gesagt, es gibt immer wieder einen anderen Menschen, der einen WIRKLICH liebt, so wie man ist. Da braucht man nicht mutlos sein, das man nun für immer einsam und allein bleiben muss.
    Wäre das so, wäre die Menschheit schon lange ausgestorben :D

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Hallo teufelchen,

    ich schenke einem partner vertrauen, und erwarte dass das nicht mißbraucht wird. ich lasse einem partner freiheiten und erwarte, dass ich auch freiräume habe. ich bin ehrlich gegenüber meinem partner, möchte nicht belogen werden.

    gruß apfel

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