Hallo Heike,
da ich schon "einige Tage" hier in diesem Forum bin, habe ich hier gewisse Erfahrungen gemacht. Auf keinen Fall hilt bei unser Krankheit, weder den Betroffenen, noch den Angehörigen, ein Bussi-Bussi- ich-drück Dich mal- alles wird wieder gut.
Unsere Krankheit verläuft ungestoppt tödlich und es gibt Fakten. Z.B. werden über 90 % der Alkoholiker rückfällig, ganz genau sollen es 96 % sein, hab ich gegoogelt, die Zahlen schwanken aber, nehmen wir mal im besten Fall von 90% an.
Aber diese erschreckende Zahl sinkt auf ca. 50-60 % Rückfälligkeit, geht der Betreffende in eine SHG, macht eine Therapie. Das sind doch schon mal sehr viel bessere Chancen, oder ? Darum sollte man das unbedingt in Anspruch nehmen, man minimiert einfach das Risiko drastisch. Außerdem ist der Austausch mit Betroffenen immens wichtig, mir fehlte er 3,5 Jahre, bis ich endlich hier her fand. Nun ist das hier meine SHG und ich merke erst, seitdem ich hier bin, wie sehr es mir fehlte. Ich konnte zwar trocken bleiben, aber ich kam viel langsamer voran als diejenigen, die hier trocken geworden sind.
Auch Angehörige können in diesem Fall nicht allein die Ansprechpartner sein, sie haben meist die Sucht nicht am eigenen Leib erfahren. Das ist der gravierende Unterschied. Sie versuchen ALLES, um zu verstehen, das ist mir klar, mein Mann und meine Freunde taten das auch. Aber der Austausch mit Betroffenen ist noch anders, ist einfach so.
Und Angst ist sicher ein ganz schlechter Ratgeber, das ist mir durchaus klar. Aber die Wahrheit zu verschleiern, bringt auch nix.
Was ich hier schrieb, ist keinesfalls eine "volle Breitseite" von mir gewesen, die hätte erheblich anders ausgesehen
Ich bin im offenen Bereich sehr wohl bekannt für Klartext, aber auch dafür, helfen zu wollen. Ich biete hier jedem meine Hilfe an, der sie möchte. Wer sie aber nicht möchte, dem kann ich nicht helfen, dann zieh ich mich auch zurück, weil es dann für mich verbrannte Zeit ist. Aber, wie sagt man so schön, man trifft sich immer 2x im Leben, beim zweiten Mal liegt die Chance höher, das Hilfe doch angenommen wird.
Ich habe hier sicher schon den einen oder anderen heftig auf den Schlips getreten, machte aber nix, war meist prima zum wachwerden. Und mir ist vollkommen klar, nicht jedem helfen zu können, ist auch nicht mein Ziel, wenn ich nur einem helfen konnte, reicht es für mich persönlich schon aus.
Ich habe selber viel Hilfe und Unterstützung bekommen, die möchte ich hier gern weitergeben, auch besonders ist hier meine Tochter und mein Mann zu nennen, die mir immer zur Seite standen. Ich weiß nicht, ob ich es ohne die beiden geschafft hätte.
Daher weiß ich sehr gut, wie wichtig Hilfe von den Angehörigen ist.
Und Vorwürfe von dieser Seite bringen gar nix, immer wieder alte Storys aufwärmen etc., wie Du auch schon schriebst. Einfach zusammenhalten und das beste aus dem weiteren Leben machen, nicht immer wieder zurückschauen, ist wohl der beste Weg. Der Betroffene muss oft genug wieder zurückschauen, ob er das will oder nicht, es gehört auch zu unserer Aufarbeitung und Trockenheitsarbeit. Das ist anstrengend genug und erfordert auch unsere ganze Kraft.
Angst einjagen möchte ich hier niemanden, aber ich werde hier immer Fakten und die Wahrheit sagen, wer das nicht lesen möchte, weil er es nicht hören will, der überlese bitte meine Beiträge.
Und etwas anderes werde ich auch nie wieder in meinem Leben tun: SCHWEIGEN.
Das habe ich lange genug gemacht, die Zeiten sind ein für allemal vorbei.
So, das wars schon, war das jetzt wieder ne Breitseite ? Neee, oder ? ![]()
LG an Dich
Lilly