Guten Morgen Ihr Lieben, hallo Elle,
Also das mit der Verdrängung – sie als Kuscheldecke zu bezeichnen ist leider nicht von mir. Mir hat nur das Bild so gut gefallen, deshalb hab ich es übernommen. Die Funktion der Verdrängung, das habe ich bei mir selbst festgestellt, funktioniert schon so. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich traute, die Schmusedecke wegzutun, ohne dass ich mich ganz jämmerlich fühlte. Ich glaube, dass dies auch ein typisches Co-Phänomen ist. Wir wollen so gerne etwas sehen und ignorieren die Fakten, um uns unsere Illusion zu erhalten. Schließlich haben wir unseren Partner lieb, haben die Vorstellung, dass alles gut wird, wenn er nicht mehr trinkt. Dabei habe ich zum Beispiel übersehen, dass wir absolut unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dieses „gut“ aussehen sollte. Heute kann ich ihn mit seiner Unterschiedlichkeit viel besser annehmen, weil ich nicht mehr den Anspruch habe, dass er so sein soll, wie ich ihn mir vorstelle. Einfach so, ohne ihn als Partner haben zu wollen.
Träume – heute nacht habe ich anscheinend gar nicht geträumt. Dafür hatte ich gestern Abend traumhafte Bilder. Vielleicht weil es das erste Erlebnis dieser Art bzw. bei solch einem Wetter war. Musik – bekannte, unbekannte, rockige, sanft-balladige und Regen. Jeeeede Menge Regen! Wenn mir einer erzählt hätte, ich würde bei so einem Wetter zu einem Open-Air-Konzert gehen, hätte ich diesen Menschen für verrückt erklärt. Aber ich habs getan und es war einfach einmalig.
Wetterfest verpackt, mit Gummistiefeln, Regenhose und dicht verkapuzt, saß ich da und war wie verzaubert, denn der Regen gab eine wunderschöne Kulisse ab. Wie ein Perlenvorhang schimmerte er im Scheinwerferlicht und veränderte seine Farbe mit den bunten Strahlen, die von der Bühne über die Zuschauer schweifte. Als es noch hell war, kunterbunt die Vielfalt der Regenschirme und Menschen, die trotz Nässe im Takt der Musik mitwippten. Rockiges vom blauen Planeten, dem Schwanenkönig, von sieben Brücken und davon, dass einer alt wie ein Baum werden möchte. Geigenklänge, die wie mit dem Wind zu wehen schienen und ein Sänger, der, da die Technik ob der Nässe eine kleine Pause brauchte, ganze ohne Begleitung eine Ballade sang, dass ich Gänsehaut bekam. Einfach schön!
Und gut geschlafen habe ich hinterher, denn die ganze Zeit an der frischen Luft hatte mich ordentlich müde gemacht. Deshalb werde ich heute Abend sicherlich auch wieder gut schlafen, denn gleich mache ich mich auf den Weg. Allerdings wird es heute eine ganze andere, salzigere Luft sein.
Bis denne
Ette