Rückfall, aber nicht ins Trinken

  • Guten Morgen Ihr Lieben, hallo Elle,

    Also das mit der Verdrängung – sie als Kuscheldecke zu bezeichnen ist leider nicht von mir. Mir hat nur das Bild so gut gefallen, deshalb hab ich es übernommen. Die Funktion der Verdrängung, das habe ich bei mir selbst festgestellt, funktioniert schon so. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich traute, die Schmusedecke wegzutun, ohne dass ich mich ganz jämmerlich fühlte. Ich glaube, dass dies auch ein typisches Co-Phänomen ist. Wir wollen so gerne etwas sehen und ignorieren die Fakten, um uns unsere Illusion zu erhalten. Schließlich haben wir unseren Partner lieb, haben die Vorstellung, dass alles gut wird, wenn er nicht mehr trinkt. Dabei habe ich zum Beispiel übersehen, dass wir absolut unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie dieses „gut“ aussehen sollte. Heute kann ich ihn mit seiner Unterschiedlichkeit viel besser annehmen, weil ich nicht mehr den Anspruch habe, dass er so sein soll, wie ich ihn mir vorstelle. Einfach so, ohne ihn als Partner haben zu wollen.

    Träume – heute nacht habe ich anscheinend gar nicht geträumt. Dafür hatte ich gestern Abend traumhafte Bilder. Vielleicht weil es das erste Erlebnis dieser Art bzw. bei solch einem Wetter war. Musik – bekannte, unbekannte, rockige, sanft-balladige und Regen. Jeeeede Menge Regen! Wenn mir einer erzählt hätte, ich würde bei so einem Wetter zu einem Open-Air-Konzert gehen, hätte ich diesen Menschen für verrückt erklärt. Aber ich habs getan und es war einfach einmalig.

    Wetterfest verpackt, mit Gummistiefeln, Regenhose und dicht verkapuzt, saß ich da und war wie verzaubert, denn der Regen gab eine wunderschöne Kulisse ab. Wie ein Perlenvorhang schimmerte er im Scheinwerferlicht und veränderte seine Farbe mit den bunten Strahlen, die von der Bühne über die Zuschauer schweifte. Als es noch hell war, kunterbunt die Vielfalt der Regenschirme und Menschen, die trotz Nässe im Takt der Musik mitwippten. Rockiges vom blauen Planeten, dem Schwanenkönig, von sieben Brücken und davon, dass einer alt wie ein Baum werden möchte. Geigenklänge, die wie mit dem Wind zu wehen schienen und ein Sänger, der, da die Technik ob der Nässe eine kleine Pause brauchte, ganze ohne Begleitung eine Ballade sang, dass ich Gänsehaut bekam. Einfach schön!

    Und gut geschlafen habe ich hinterher, denn die ganze Zeit an der frischen Luft hatte mich ordentlich müde gemacht. Deshalb werde ich heute Abend sicherlich auch wieder gut schlafen, denn gleich mache ich mich auf den Weg. Allerdings wird es heute eine ganze andere, salzigere Luft sein.

    Bis denne

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Da hab ich doch glatt noch was vergessen....

    Den Co, Kaltblütiger, den Co kann dir keiner nehmen. Auch wenn deine Frau nicht mehr trinkt und ihr Krams selber auf die Reihe bekommt, DEN hat sie nicht mit nach Berlin genommen. Den Co kannst nur du ganz alleine zum Schweigen bringen.

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen Ihr Lieben,

    na, heute wird es wohl schwer, dem Tag einen positiven Moment abzugewinnen. Draußen hört es sich nach Dauerregen an, ich habe nicht ausgeschlafen, Kopfweh und eigentlich das Bedürfnis, mich wieder in meiner Schlafhöhle zu verkriechen.

    Gestern Abend habe ich noch lange nachgedacht. Habe, als ich die Beiträge von Elfriede und Kaltblut gelesen habe, das Empfinden gehabt, zurückzublicken und mich in ihnen wie in einem Spiegel zu sehen. Mit all der Freude und der Hoffnung, weil es gute Fortschritte macht, das Leben mit dem Anderen. Fälscherweise habe ich dann meine weiteren Erfahrungen zugrunde gelegt, wie es womöglich weitergehen wird. Auch das sind nur MEINE Erfahrungen. Das war wohl wieder ein kleiner Rückfall, wollte Anderen klarmachen, dass ich wüsste wo es lang geht. Dabei suche ich jeden Tag selber noch den richtigen Weg und die Kraft, auf ihm zu bleiben. Vielleicht klappt es bei den Vieren ja wirklich. Ich wünsche es euch von Herzen, Elfriede und Kaltblut, dass es wieder gut wird.

    Ich hatte auch am Wochenende viel Zeit nachzudenken. Lange Strecken fahren, Geschwindigkeitsrausch, rosenstolzes, große Leben rauf und runter hören und laut mitsingen. Ganz viele schöne Momente, die ich mir im Gedächtnis bewahren möchte und deshalb noch einmal schriftlich fixieren möchte, aber erst heute Abend. Es war ein wildes Wochenende und heute merke ich, dass mir die Ruhe gefehlt hat und ich nun eine Art Nachholbedarf habe. Mein Körper zeigt es mir deutlich. Aber leider liegt es nun nicht in meiner Macht, diesem Ruhebedürfnis Rechnung zu tragen. Mein Chef würde es nicht wirklich verstehen.

    Also werde ich jetzt mit viel Wasser den Schlaf, der irgendwie nicht weichen will, von der Haut und aus den Augen spülen und mich auf den Weg in den Tag machen. Mit viel Elan sicherlich nicht, aber auch solche Tage gibt es eben.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    danke für Deine Worte, es ist alles im Leben ohne Gewähr, aber man braucht kein Gewehr um was abzukriegen, die schärfsten Schüsse fallen in unserem Hirn. Gib mir 10% Deiner Gelassenheit, ich wäre ein anderer Mensch, ich versuche es zu werden. „Versuche“, was ein Wort, ich habe nie etwas versucht, immer nur gemacht, jetzt lerne ich zu versuchen, die Mitte zu finden, die Mitte zwischen suchen, finden und machen, ups, eins zu viel, versucht eben.

    Es geht doch die ganze Zeit nur um Gelassenheit und was finden wir in diesem Wort: lassen, mach Dir mal keinen Kopp um den Regen und Deinen Job, Du sitzt doch im warmen Kämmerchen oder jobst Du im Freien und ich Wette, Ette findet auch innere Ruhe im dicksten Trubel.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Kaltblütiger,

    ich wollte, ich könnte immer die Ruhe bewahren. Oft kann ich es, stimmt, aber doch nicht immer. Und dann „redet“ bzw. „schreibt es mich“ schon mal. Ganz ohne Kopf, einfach aus dem Bauch heraus. Vor allem, wenn ich ganz doll müde bin, sind die Reaktionen recht, nun ja, kindischer Natur. Wie ein bockiges Kind könnte ich dann mit dem Fuß aufstampfen und rummaulen.

    Gestern Morgen hatte ich ihn, den dicken Trubel. Ich musst morgens kurz nach Sieben mit Bahn und Bus zur Arbeit fahren. Da war mir einmal mehr bewusst, wie gut ich es ansonsten habe. Kein Gerenne und Gehaste um mich herum, keine schlechten Gerüche oder Ellbogen im Kreuz, sondern bewusstes Wahrnehmen der Natur auf dem Weg zur Arbeit. Geradezu meditativ im Gegensatz zu diesem Tohuwabohu in der U-Bahn. Drei Kreuze habe ich gemacht, dass ich das nicht jeden Morgen habe.

    Ansonsten hat mich der Regen wirklich nicht sehr lange gestört. Mittags schien auch schon wieder die Sonne. Aber ich hatte mir halt morgens ein paar Minuten Niedergeschlagenheit gegönnt. Allerdings habe ich nicht zugelassen, dass sich diese manifestiert und mir den ganzen Tag vermiest. Dazu sind Tage nun wirklich zu schade. Und heute morgen regnet es schon wieder, also das ganze Spiel von vorne.

    Über Wortgewalt habe ich gestern gelesen und darüber, wie Worte auf uns wirken können. Gerade bei mir haben Worte, wohlgesetzte, außergewöhnliche Worte eine große Wirkung, weil ich eine Wortmenschin bin. Ich muss sehr vorsichtig sein, wenn ich Worte höre oder lese und vergesse diese Vorsicht manchmal, weil die Worte einfach zu schön sind und mit ihnen wunderschöne Bilder gemalt werden. Genau hinspüren muss ich, ob die Worte mit dem übereinstimmen, was hinter ihnen ist, denn das ist nicht immer der Fall. So manches Mal lässt sich der Kopf betören und der Bauch wird ignoriert. Die kleine innere Ette, die ist manchmal ganz schön klug, das vergisst die Große nur hin und wieder.

    Doch beide haben ein Faible für Gute-Nacht-Geschichten und können nach einem Gespräch, kurz vor dem Einschlafen, schön ins Bett gekuschelt, den Hörer fast mit unter der Bettdecke, richtig gut einschlafen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Zitat

    rosenstolzes, große Leben rauf und runter hören und laut mitsingen.

    "Zersäg den Ast, auf dem du sitzt, spring ab, fang an zu laufen, das kann ich für dich nicht", "Ich lauf, ich laufe weiter, Halt ich an bleib ich nur stehn", "Du tust mir nicht gut, Tust mir nur weh, Trittst in mein Herz bis es schreit, Du tust mir nicht gut, Machst mich kaputt, Doch nichts von alledem tut mir leid" "Dochwer hat Dir den Mut geraubt, Wenn Du jetzt aufgibst, wirst Du's nie versteh'n, Du bist zu weit um umzudrehen" usw. Ich höre in letzter Zeit sehr oft die Songs - rauf und runter - ich kann sie alle auswendig. Manchmal kommen mir dabei die Tränen, weil alles irgendwie so wahr ist, was sie singen. Es ist fast alles übertragbar auf meine eigene Situation, und sich mit den Songs den Spiegel vor die Nase zu halten tut oft ganz schön weh - zeigt mir selbst aber auch immer wieder, dass ich genau das Richtige getan habe und auf dem richtigen Weg bin!

    Zitat

    Die kleine innere Ette, die ist manchmal ganz schön klug, das vergisst die Große nur hin und wieder.


    Genauso ist es - und das vergessen wir hier alle nur allzu oft! Deshalb sollten wir viel viel öfter in uns hineinhören, mit unserem inneren Kind sprechen, und es fragen, was es WIRKLICH möchte, und auch das machen, was ihm gut tut!

  • Ayki, ich finde die CD einfach nur wunderschön und schließlich.... Ich bin ich und nur das ist meine Schuld, nix anderes.....;-)

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Moin, moin,

    ja Musik kann schon etwas wunderschönes sein! Rhythmus, Poesie, Töne, die mich wie auf sanften Wellen tragen oder Beats, die mir durch alle Fasern meines Körpers gehen. Schön einfach! Gestern habe ich mir endlich einen Traum erfüllt, den ich schon jahrelang hatte und es ist genauso schön, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich lerne trommeln auf einer Djembe, weil dies ein sehr archaisches, ursprüngliches Instrument ist. Ehe ich mich versah, war eine Stunde vorbei und ich hätte noch lange weitermachen können. Aber nun freue ich mich schon auf die nächste Stunde.

    Jetzt, wo es draußen kühler und herbstlicher wird, brauche ich einen Ausgleich zu den schönen sonnigen Momenten, die der Sommer trotz all des Regens in diesem Jahr hatte. Heute morgen ist es endlich einmal wieder trocken draußen, aber laufen werde ich erst heute Mittag. Sich den Stress weglaufen, das Adrenalin, dass im Büro ausgeschüttet wird, ist gut. Genauso gut, wie morgens wach zu werden und den restlichen Schlaf mit Schritten, Schritten, Schritten vollends aus dem Körper zu traben.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Moin, moin,

    seltsam, wenn ich mich absolut rund und zufrieden fühle, habe ich weniger Bedürfnis, hier zu schreiben. Aber trotzdem tut es mir gut, mich einige Minuten am Tag mit dem, was mich beschäftigt, schriftlich auseinander zu setzen, weil es mir hilft, Gedanken, die Worte und Taten werden sollen, besser zu manifestieren, zu verinnerlichen.

    Ich lese im Moment sehr viel. Ein Buch in dem es um den Sinn des Lebens geht. Und in dem finde ich immer wieder Stellen, die bei mir eine Art Wiedererkennungseffekt hervorrufen. Ja, genau, möchte ich dann sagen, so empfinde ich das auch und so versuche ich zu leben. Und es ist ein schönes Leben, ohne große Reisen, ohne teuere Klamotten, na gut, bis auf das ein oder andere Paar Schuhe. Aber im Großen und Ganzen ein Leben, in denen Konsum und Dinge nicht die große Rolle spielen. Eine große Zufriedenheit habe ich trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb, für die ich dankbar bin und die mein Leben rund macht.

    Ein ständiges Spannungsfeld ist es im Grunde, dieses Leben. Zwischen dem, was ich will, was mir gut tut und dem, was ich machen sollte, was von mir erwartet wird. Ich glaube, dass ich die Balance hier immer besser hinbekomme. Und zwar so, dass ich nicht egoistisch und Ich-bezogen erscheine. Ich kann liebevoll mit Menschen umgehen, sie lassen wie sie sind. Sicherlich komme ich nicht mit allen Menschen klar, aber das muss ich auch gar nicht. Denn dann würde ich mich verbiegen, mich verleugnen müssen und das habe ich in der Vergangenheit oft genug getan.

    Ich habe einen Text gelesen, in dem stand, dass wir uns oft davor fürchten, unsere Individualität zu leben, weil wir Angst davor haben, dass wir dann einsam sind. Na klar, können manche Menschen nicht damit umgehen, dass wir sind, wie wir sind. Deshalb kommen vielleicht weniger Menschen mit uns zurecht und brechen den Kontakt ab. Aber ich habe für mich festgestellt, dass die Menschen, mit denen ich trotz meiner Individualität den Kontakt nicht verliere, für mich die wichtigeren Menschen sind. Wenn jemand nur mit mir klarkommt, weil ich bin, wie er mich haben will, dann ist das sein Problem und das möchte ich nicht für ihn lösen, indem ich mich seinen Wünschen entsprechend verhalte. Nicht Quantität von zwischenmenschlichen Beziehungen sondern Qualität sind mir wichtig.

    Selbst darüber klar werden muss ich mir aber erst, was mich ausmacht als Individuum. Meine Wünsche, meine Bedürfnisse, Stärken, Schwächen, Leidenschaften und Abneigungen – all das ansehen und annehmen als zu mir gehörend. Dann entscheiden, was kann so bleiben oder woran möchte ich noch arbeiten.

    Aber vielleicht bin ich auch ein wenig irre - verrückt, was diese ganze Geschichte betrifft. Ich habe aber immer wieder festgestellt, so verrückt ich auch bin, ich treffe immer wieder auf Menschen, die genauso verrückt sind und mich verstehen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Elle,

    wer mit meinem inneren Selbst nicht zurecht kommt, geht mich nichts an – jau! Aaaaber, wie viel unseres inneren Selbstes leben wir denn in der Regel? Vor allem in der tiefsten Co-Phase sind wir eher in einer Art Symbiose mit „unserem“ Alki verschmolzen. Fühlen uns gut, wenn er nicht trinkt und uns nüchtern das Bild zeigt, das wir lieben und fallen in das tiefe Loch, wenn er oder sie wieder trinkt. In dieser Phase sind wir doch gar nicht in der Lage, zu spüren, wer oder was wir selber sind.

    Und ich glaube, dass das die Schwierigkeit ist. Unser inneres Selbst überhaupt zu erkennen, zu wissen, was oder wer wir selber sind, was wir wollen, wie wir unser Leben gestalten wollen. Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, in der der Feierabend davon geprägt wurde, wie die Stimmung meines Ex war. Kam ich nach hause und er war schlecht drauf, konnte ich Entspannung vergessen, weil der Tagesstress einfach weiterging. Zwar anders als im Büro, aber genauso anstrengend.

    So, wie er trinken musste, musste ich anscheinend auf seine Stimmungen reagieren. Ich selber war mir so etwas von nebensächlich, dass es mich irgendwann dahin gebracht hat, dass sich mein ganzes Leben um ihn und darum drehte, wie es ihm besser gehen konnte. Das „Atom Ette“ bestand nur aus Sorgen, sich ängstigen, hoffen, reden, überzeugen wollen, helfen und nach außen entschuldigen. All das, was mich ausmacht, wurde dahinter verborgen. Es jetzt so langsam immer mehr zu leben, Elle, das sind Schritte ohne Ende. Und da hast du recht, richtig in Kontakt mit anderen komme ich jetzt viel mehr und immer besser.

    Ich musste mir aber erst bewusst werden, was ich selber will. Und jeden Tag muss ich es wieder. Meine Co-Abhängigkeit kann ich abstreifen, umlernen, wenn ich den Willen und den Mut dazu habe. Ich muss sie nicht als von Gott gegeben annehmen und klein halten. Ich kann sie auch wieder verlernen, so wie ich sie, teilweise bereits in der Kindheit, gelernt habe. Allerdings ist das Lernen jetzt sehr viel anstrengender und langwieriger. Aber sehr lohnend, wie ich es empfinde.

    Die Geschichten hier gleichen sich oft alle so sehr, dass mir dabei das Murmeltier einfällt, das täglich grüßt. Die Namen und Orte erscheinen mir dann so austauschbar, dass ich manchmal den Eindruck habe, es wurde nur der Nick gewechselt und die gleiche Geschichte noch mal erzählt. Das Lieben, das Hoffen auf Einsicht, das nicht Loslassen wollen, es ähnelt sich so. Co-Abhängigkeit unformiert, so empfinde ich, Individualität besteht scheinbar nur in ein paar äußeren Umständen. Aber vielleicht bin ich da in meinem Empfinden einfach zu radikal.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette,

    ich liebe morgens Ettelesen, Ettelesen ist wie Nachtisch zum Frühstück.

    Irgendwann frage ich mich dann, wir sind keine Cos mehr, haben keine Laster mehr, sind wunderbar rund, in uns gekehrt, unabhängig und weise. Die letzten 10, 20, 30 Jahre sind irre unbewusst rum gegangen, eigentlich immer bewusster, die nächsten 10,20,30 Jahre werden also noch bewusster.

    Prickelnde Lebensfehler passieren mir nicht mehr, ich bin ja jetzt gelassen, erfahren, habe Ahnuung oder bin ich schon ein Ahne?

    Nun, wenn ich mich dann irgendwann nur noch im Öl der letzten Weisheit suhle, kann ich mir da nicht direkt die letzte Ölung abholen?

    Ein schönes nachdenkliches Wochenende kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Moin, moin,

    Kaltblütiger, du willst mich trietzen, glaub ich. Mich rund zu fühlen und nachzudenken, ist kein Synonym dafür, dass ich meine Extrovertiertheit nicht mehr lebe. Auch ist Unhabhängigkeit nicht gleichbedeutend damit, keine prickelnden Momente zu erleben, ganz im Gegenteil. Vielleicht mache ich nicht mehr den Fehler, dann zu viel zu erwarten, das mag sein, weil ich denke, jeder muss für sich selber entscheiden, was ein Fehler ist oder nicht. Ich kann anderen Menschen bedingungsloser begegnen. Ihnen ihr „Sein“ lassen und sie trotzdem, nein, gerade deshalb, lieben.

    In meinem Leben ist Vieles passiert, von dem Andere vielleicht denken, es wäre ein Fehler gewesen. Jeder dieser „Fehler“ hatte für mich jedoch einen Sinn, hat mir geholfen, mich weiter zu entwickeln. Und mir natürlich auch schöne Erinnerungen hinterlassen, denn auch bei „Fehlern“ ist nicht nur alles schlecht. Im Gegenteil, manche dieser „Fehler“ würde ich immer wieder tun, weil das, was ich daraus mitgenommen habe, wunderschön ist.

    Nicht mehr Co zu sein heißt auch nicht, keine Laster zu haben. Ich kann dir gerne mal das ein oder andere Laster von mir flüstern, in einer stillen Stunde ;-). Wenn ich ahne, ja sogar weiß, wie ich zufrieden leben kann, dann bin ich nicht tot, ganz im Gegenteil. Schließlich lebe ich kein Entweder-oder sondern ein Sowohl-als-auch. Und was das Öl betrifft, da habe ich festgestellt, dass es wunderschön ist, mit Öl die Hände besser über Haut gleiten zu lassen, und dann ist die Ölung nicht die letzte, sondern erst der Anfang ;-).


    Heute morgen beim Laufen hatte ich das Gefühl, wieder zurück gefallen zu sein. Immer wieder musste ich Teilstrecken walken, anstatt zu joggen. Als die unmutigen Gedanken darüber kommen wollten, habe ich versucht, trotz allem etwas Positives daran zu sehen. Und es hat geklappt. Schließlich habe ich jahrelang diese Form der sportlichen Betätigung ignoriert. Warum sollte mein Körper nun ganz schnell so funktionieren, wie ich den Anspruch an ihn habe?

    Meine Beine laufen kontinuierlich. Gut, manchmal ein wenig langsamer als ich es mir wünsche, aber zuverlässig. Mindestens fünf mal die Woche mache ich mich auf die Schuhe, Regelmäßigkeit, die ich früher nicht aufbrachte. Als ein feiner Nieselregen einsetzt, der mir sanft wie ein kühler Schleier das erhitzte Gesicht kühlt, denke ich daran, dass ich früher gar nicht vor die Tür gegangen wäre, wenn es aussah als würde es regnen. Also habe ich doch schon einen ganz schönen Fortschritt gemacht, stelle ich fest. Dann kann ich diese Anspruchsgedanken an mehr Geschwindigkeit ganz einfach loslassen und mich an dem freuen, was ich schon erreicht habe.

    Alles braucht eben seine Zeit und die muss ich mir gönnen. Mein perfektionistischer, innerer Antreiber hat mir schließlich lange genug das Leben schwer gemacht. Auf den will ich jetzt nicht mehr hören. Lieber mache ich kleine Schritte, als mich von großen, die ich womöglich nicht schaffe, entmutigen zu lassen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo ette,elle und alle anderen

    Zitat von Ette


    Vor allem in der tiefsten Co-Phase sind wir eher in einer Art Symbiose mit „unserem“ Alki verschmolzen. Fühlen uns gut, wenn er nicht trinkt und uns nüchtern das Bild zeigt, das wir lieben und fallen in das tiefe Loch, wenn er oder sie wieder trinkt. In dieser Phase sind wir doch gar nicht in der Lage, zu spüren, wer oder was wir selber sind.

    Du hast vollkommen recht mit dem was du schreibst. Wenn er nicht da ist und du denkst jetzt kannst du ja machen was dir gefällt oder nur an dich denken. Geht auch nicht weil du immer mit einigen Gedanken bei ihm bist. Was tut er, wieviel trinkt er, wie ist er drauf usw.

    Wir müsen lernen nur auf uns zu schauen und das ist nicht immer einfach.

    Ich freue mich darauf wieder etwas zu lernen und besonders das was mir gut tut. Ich werde wieder anfangen zu joggen. Hab ich aufgegeben weil er nicht mehr gearbeitet hat. Total blöd aber so ist es.

    Jetzt zähle ich nur noch die Tage und hoffe das ich sie gut und heil übersteh.Damit endlich ein neues Leben beginnt.

    LG
    Elocin

  • Guten Morgen Ihr Lieben,

    heute ist wieder so einer von Tagen, an denen ich stolz auf mich bin, gelaufen zu sein. Nieselregen, Windböen, Schneckenslalom und – erstes Gold in den Bäume, dramatisch grau dräuende Wolken über noch saftig grünen Wiesen und aufgebrochene Stoppelfelder, die herrlichen Erdgeruch verbreiten. Letzter Holunder und erste Haselnüsse auf den Wegen, emsige Eichhörnchen mit wehendem Schweif, die mir ein Kichern in der Kehle aufsteigen lassen, weil ich dabei an den „Oachkatzlschwoaf“ denken muss – hallo Spedi ;-)!

    Ich habe in den letzten Tagen ein Buch über einen alten, kranken Mann gelesen, der weiß, dass er sterben muss und auf die Frage, was er sich wünschen würde, wenn er nur noch für einen Tag wieder gesund und beweglich wäre, aufzählt, was er an diesem Tag tun würde. Normalitäten sind es, die er sich wünscht, die er tun würde und mit denen er zufrieden wäre. Ich konnte gut nachvollziehen, was da stand, denn es sind nicht großen, außergewöhnlichen Erlebnisse, die uns zufrieden machen. Ich habe erfahren, dass Großartiges immer wieder noch Großartigeres als Steigerung verlangt, weil es uns nicht ausfüllt, nur im Außen ist.

    Gerade drang durch mein Fenster Glockengeläut, denn der Gottesdienst in der nahen Kirche beginnt. Vorhin, als ich lief, hatte ich auch so eine Art Gottesdienst. Im Reinen mit mir, Teil dieses herbstlich anmutenden Morgens und dankbar, dass ich Wärme in mir fühlen kann, ohne dieses verzehrende, zerreißende Gefühl von Verlust, weil nicht Alles so ist, wie ich es mir vielleicht erträumte. Keinem Traum nachzujagen, sondern mich daran zu freuen, was ist. Nicht machtlos resignieren, sondern einer höheren Macht vertrauen, dass alles seine Richtigkeit und Berechtigung hat. Nicht mich machtlos zum Opfer stilisieren, sondern die Machtlosigkeit dort erkennen, wo sich Dinge außerhalb meines Einflusses bewegen und dieses anzunehmen.

    Es mag sich esotherisch oder spleenig oder überkandidelt lesen, aber es ist der beste Weg für mich, zufrieden zu leben, liebevoll zufrieden zu leben.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Servus Ette,

    kann ich gut nachvollziehen: bin heute wieder von 5:00 Uhr an am Wasser gesessen (beim Fischen). Es regnete zwar zwischendrin, aber das stört mich nicht.
    Neben einem Bisam konnte ich auch eine Kreuzotter beobachten, ein Eisvogel ging (erfolgreich) auf Beutezug, ein Trupp Karpfen gründelte ca. 1 Meter vor meine Füssen und ein Buntspecht macht sich über meine Maiskörner her, die ich als Köder nehme.

    Was soll ich sagen, der Tag ist gerettet, und nicht nur der. Das gibt mir immer wieder Kraft für das, was vor mir liegt. Und es gibt mir Zufriedenheit. Kostenlos. Unspektakulär.

    Und doch eine Sensation, jedes Mal auf's Neue.

    LG
    Spedi, der jetzt seinen Fang küchenfertig macht und heute Mittag kocht...es gibt Hecht...mach ich wohl mit Gelbe-Rüben-Gemüse und Reis, dazu eine etwas gehaltvollere Mango-Walnuss-Sauce.

  • Liebe Ette,

    trietzen, klar muss ich doch manchmal, sonst würde nichts davon hier stehen, dass die Ölung an sich nicht so schlecht sein kann.

    Ich gebe ja zu, dass ich nicht immer alles sofort verstehe und das es ein langer Weg ist komplett und rund zu werden. Lesen ist nicht verstehen und verstehen ist nicht begreifen, aber trietzen, ist mal ganz lustig, das verschafft Verarbeitungszeit im Hirn oder zum Angeln.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Vom Wundern, vom Trietzen und – vom Öl

    Manchmal scheint Sand im Lebensgetriebe und manchmal läuft alles wie geschmiert, wie gut geölt halt. Ich glaube, dass es ganz viel damit zu tun, wie wir etwas sehen wollen. Ich habe gelesen, dass wir zu oft eine Perspektive erkennen wollen, obwohl die Zeit noch nicht reif ist dafür. Dann ist es angeraten, Dinge geschehen zu lassen, ohne sie verstehen zu wollen. Sie werden sich schon so entwickeln, wie es richtig und gut für mich ist.

    Kaltblütiger, du schriebst schon mehrfach von den Vorübungen für Wunder.... dazu sind mir die Wunder nach den Vorübungen eingefallen:

    Mit offenen Augen
    Vor dem leeren Baugrund stehen
    Und sich an der Weite weiden,
    die nicht mit alten Mauern
    Blick und Gefühle beschränkt,

    Die Uhr akzeptieren
    Sie sogar ganz neu aufziehen
    Zeit Zeit sein lassen
    Sie tropft ohne Unterlass
    Und arbeitet für uns.

    An Menschen denken
    Liebevoll und mit Wärme
    Einfach weil es sie gibt
    Und die Liebe beglückt.

    Die Toten
    ruhen lassen
    Weil sie waren
    Und wir sind

    von
    Frau Ette frei nach Fried

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo miteinander!

    Penetrant piepte heute morgen der Wecker und ich habe ihm mehrmals eins auf die Mütze gegeben, damit er still wurde. Jedoch – er hat sich nicht vollends von mir zum Schweigen bringen lassen und immer und immer wieder meine Träume durchschrillt. Also war es irgendwann nervenschonender, aufzustehen. Draußen war es noch richtig dunkel und das Laufen muss ich auf heute Nachmittag verschieben, denn der Weg, den ich gerne gehe, hat keine Straßenbeleuchtung.

    Im Moment fühle ich mich so, als würde ich auf der Stelle treten und ich muss mir sagen, dass auch das in Ordnung ist. Es kann nicht jeden Tag vorwärts gehen. Eine Zeit, neue Kräfte zu sammeln, mich auszuruhen, genießen, was ich erreicht habe, ist auch wichtig.

    Allerdings bin ich letzter Zeit recht gespannt, wenn ich vor die Tür gehe. Denn die Karten, die ich mir immer einmal wieder lege, haben mir in den letzten Wochen immer wieder das Gleiche gesagt. Von einem „Schatz“ erzählen sie, von tiefer Beziehung, vom „Traumprinzen“. Na, einen Schimmel mit dem entsprechenden Reiter habe ich noch nicht entdecken können. Lediglich der Briefträger auf seinem gelben Stahlross ist mir begegnet. Und der ist nicht gerade traumhaft. Also heißt es, weiter mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Denn wie Elle an anderer Stelle schreibt, Wunder gibt es immer wieder und wenn sie einem begegnen, dann muss man sie auch sehen.

    Gestern Abend hatte ich wieder einmal das Glück, mich ganz archaisch-musikalisch betätigen zu können. Rhythmus, der an Herzschläge erinnert, mich auf gleichmäßigen Schlägen davonträgt aus dem Jetzt und mich wie in einer Art Meditation leicht und schwebend werden lässt. Zusammen mit den Tönen, die die Anderen erzeugen, fühlte ich mich wie in Trance und ich hatte das Gefühl, dass selten eine Stunde so schnell vergangen war. Ich freue mich schon wieder auf die nächste.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • liebe ette,

    darf ich mir von dir ein bisschen sportliche eniegie mopsen?? 8)
    beachtlich wie du deine runden ziehst in doppelter hinsicht...
    wie schaffst du es deinen schweinehund zu besiegen??
    die karten in denen liegt wahrheit.. habe mir auch einiges bei universum bestellt- nur leider lässt es auf sich warten...

    grüsse sammy

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