Bin nun auch mit an Bord

  • Hallo liv,

    hier geht es ja offensichtlich darum, ob und wie man Distanz zum Alkohol gewinnen kann/muss. Ersteres ist zumindest fuer mich keine Frage, denn wenn ich keine raeumliche Distanz dazu gewinnen kann, werde ich mich nie frei fuehlen und so werde ich dem Alkohol auch nie wirklich gleichgueltig gegenueberstehen koennen. Mit anderen Worten wuerde ich ihm mehr Raum in meinem Leben goennen, als er verdient hat. Und das will ich nicht mehr.

    So... jetzt kommt natuerlich als erstes das antrainierte Nasse Denken ins Spiel, welches mir sagt: "Aber Du hast doch gar keinen Spass mehr wenn Du feiern gehst, ohne zu trinken..." bzw. "Du kannst den Alk doch nicht total meiden, es trinkt doch fast jeder." usw. usf.

    Trocken zu werden heisst fuer mich mir diese Denkstrukturen abzutrainieren, genauso wie ich sie mir vor Jahren regelmaeszig antrainiert habe. Ebenfalls die Denke dass man Alk ja garnicht vermeiden kann und dass sowieso jeder saeuft. So nen Gefasel kann mir vllt. ein nasser daherbringen aber deswegen ist es genauso ein Stuss -- es stimmt schlicht und erfreifend nicht.

    Meine Guete was soll denn die lange Rumdiskutiererei. Wenn bei einer Veranstaltung oder bei einem Treffen getrunken wird geh ich halt nicht hin. Wenn ich merke dass ich Interesse an jemanden finde, der bereits selber ein angehendes oder ausgewachsenes Alkoholproblem hat meide ich ihn. Treffe ich Leute, die mir sagen, sie trinken nie (wie z.B. hier in der Firma geschehen) und ich werde von denen z.B. mal auf einen Kickerabend eingeladen, gehe ich da mit, weil ich weiss dass dort nicht getrunken wird. Ja man sowas gibt es tatsaechlich. Kaum zu glauben, was? Hab auch erstmal dumm geschaut als er mir das erzaehlt hat, da hab ich naemlich noch gesoffen und meine Denke war noch 100% nass.

    Hier geht es doch einzig und alleine darum, einen gangbaren Weg zu finden. Also gehe ich ihn. Wenn mir am Anfang der Sinn nicht klar ist dann hinterfrage ich ihn eben solange, bis ich ihn sehen kann, sprich, bis mein Denken trocken genug ist um ihn sehen zu koennen. So oder so muss ich den Weg allerdings gehen. Und ich bin mir absolut sicher dass er mich an trockene und zufriedene Ufer fuehren wird, Land ist bereits in Sicht. Und dann ergibt sich der ganze Kaese naemlich irgendwann von selbst und die Frage danach, ob man richtig gehandelt hat ergibt sich auch nicht mehr weil es absolut offensichtlich ist.

    Ich lese und schreibe doch in diesem Forum, um diese Wegweiser zu finden. Um zu sehen, wie andere es "geschafft" haben. Am Anfang habe ich auch noch grosse Probleme mit diesen Vorgehensweisen und der Art der Vermittlung gehabt. Aber dann stell ich mir einfach mal die Frage: Will ich trocken werden? Ja? Dann tue was dafuer noetig ist. Nein? Dann tue was Du denkst dass das richtige ist. So einfach ist der Sachverhalt. Und ich glaube in Zwischenzeit auch dass das Gros der Leute auch dauerhaft und zufrieden trocken werden koennen, wenn sie ein paar (wirklich simple) Grundregeln beachten. Aber nein, zu viele muessen es einfach besser wissen und auf ihrer "Individualitaet" bestehen.

    Auch das Thema mit dem Verzicht ist da so eine Sache. Ich verzichte mit meinem Weg auf absolut garnichts. Ich gewinne mit jedem Schritt. Leute macht Euch das doch mal klar! Und wenn es sein muss jeden Tag auf's neue. Irgendwann werden sich diese Denkstrukturen genauso festigen wie solche, die man sich in seiner Nassen Zeit eingebrannt hat. Irgendwann wird sich dann keine Frage nach Verzicht mehr stellen und der Bedarf danach, sich mit besoffenen auf irgendwelchen sinnlosen Parties aufzuhalten wird -- falls jemals vorhanden -- ebenfalls schwinden.

    So... genuch ;)

    greets,
    Michael

  • Hallo Rosamunde,

    es sind keine Leute mit denen ich getrunken habe. Es sind Konzertbesucher meiner geliebten Rockkonzerte damals und das Zusammentreffen war völlig überraschend, wobei ich zögerte beide anzusprechen. Man hat ja oft das Bauchgefühl, "tust du mal so, als hättste den nicht gesehen, oder soll ich sie /ihn begrüssen". Der erste Kontakt war o.k. denn dieser arbeitet dort in der Suchthilfe, der zweite Kontakt (Frau) unbefriedigend. Also 20 Jahre lang hat sich nichts geändert. Ich hatte ihr damals "meine Bude" gegeben, so ist sie und ihr damaliger Freund von der Strasse weggekommen.Es ist ein Bruchstück eines Spiegels dessen, was war im 2. Jahrzehnt oder kurz davor und was ist im fast 4. Jahrzehnt meines Lebens. Die alten Orte gibt es nicht mehr und auch nicht die alten Interessen, wobei Musik natürlich als solches bei mir geblieben ist. Könnte gar nicht ohne Musik leben.
    In einem Monat ist hier ein Konzert zum Abdancen. Entweder gefällt mir das Konzert nüchtern oder gar nicht.Es gibt für alles ein erstes Mal. Dies wird das erste Mal sein, auf dem ich nichts bestelle ausser Wasser (übrigens Alkohol wirkt dehydrierend, also kann er niemals den Durst löschen) und auch nicht ein Alkoholnachschubdepot bunkern muss, weil der Alk bei ehemals gewohnten Mengen fast das Eintrittsgeld des Konzertes erreichen oder sogar übersteigen würde.

    Eine kurze, unvollständige Reise in die Vergangenheit. Bloss, dass ich mir damals Alkoholsucht bzw. -krankheit nicht eingestanden hatte.
    Ich habe 20 Jahren vor diesem "Laden" gestanden und mich gefragt, ob ich ausser dem preiswerten Kaffee "so nebenbei" Hilfe benötigen könnte.

    (eingefügter Absatz) siehe oben, Freund dieser Frau:
    Ob jetzt dieses Gesicht oder ein anderes: Glück oder Glücklichsein habe ich hierin nicht gelesen. Sie hat nie getrunken. Und sein Gesicht war emotionslos, seine Stimme leise und zerkratzt wie eine Schallplatte, die ewig mit einer staubbesetzen Nadel gespielt wurde.

    Fakt ist: Ich habe viel zu viel Zeit mit Alkohol verschwendet, mich vergiftet und dazu stehe ich. Es ist mir bewusst, dass ich wie andere auch eine ganze Menge Arbeit, Zeit und Geduld investieren muss um zu einem besseren Ziel zu gelangen: Dem Nicht-Trinken und Sinne schärfen. Und genau das habe ich dort macht, obwohl "ich da nichts verloren hatte".
    Sei deswegen unbesorgt.

  • Hallo Schneemann,

    .... nur kurz, ist ja nicht dein Thread !

    Du schriebst:

    Ich habe zuletzt mal wieder einen Hinterhof in Bahnhofsgegend aufgesucht. Dort sind alle Drogen vertreten von A-Z. Hauptsächlich Alk.

    Du kannst es ausschmücken, erklären darüber philosophieren, soviel wie Du möchtest, es bleibt für mich LEICHTSINN PUR nach knapp 4 Wochen ohne Alkohol !

    Aber, es ist DEIN LEBEN.

    Ich bin unbesorgt, Ich bin trocken und würde nicht einmal im Traum daran denken, solche Orte freiwillig aufzusuchen.

    L.Gr. Rose

  • Hallo Rosamunde,

    es ist nicht mein Thread, darauf wollte ich nicht hinaus, ich habe geschrieben, dass ich das letzte Mal da war, übersehen ?
    Es handelt sich um einen Verein der Gefährdetenhilfe, welcher für mich ungeeignet ist.
    Ich bin in ärztlicher Behandlung und suche kommenden Montag (wegen des Feiertages gestern) die Caritas auf.
    Es ging hier ursprünglich um LIV und mir geht es um die exzellente Ausführung und Zusammenfassung von linux.
    PN zwischen uns beiden wäre besser gewesen. Das zerhackt den Thread, finde ich.

    Grüsse vom Schneemann

  • Nein Schneemann,

    kein Austausch über PN, solche Dinge gehören ins Forum !

    Gr. Rose

  • @Rosamunde: Gerne, von mir aus, wenn Du das so siehst.
    Dann betrachte bitte Überschrift "Alte Szene" und den Ort
    EditKarsten.
    Vereinsnamen entfernt
    Edit
    Was fällt Dir auf wenn ich von zufälligen Begegnungen und Gefahrensituationen spreche in Anlehnung an Liv. Hast Du wirklich den kompletten Thread gelesen und auch dass LIV mehr von mir wissen wollte und Fragen gestellt hat ?

    Also gefährdet beim Verein edit ? Hmm.
    Ich bin jedoch nicht mit der, nach meiner Auffassung dort lockeren Art im Umgang mit Alkohol einverstanden. Die glauben, sie hätten ein grösseres
    Problem mit Heroin. Gut, vielleicht habe ich ein schlechtes Beispiel gebracht. Eine falsche Überschrift gewählt. Schlag mich. Mag passieren.

    Hier im Thread geht es ja schliesslich um verschiedene sehr starke Abhängigkeiten, und dass Alkohol kein Ersatz hierfür sein kann und auch keine Lösung. Linux hat es auf den Punkt gebracht. Ich kann zwischen den Zeilen lesen und werde mich vorerst "mit Romanen" zurückhalten. Bitteschön.

  • Komisch, dass mich manchmal Menschen besser kennen wollen als ich mich selbst. Da krieg ich echt nen Hals. Es kommen hier verdeckt oder auch durch die Blume Anmerkungen wie "Rebellen", "Frischlinge", "Individialisten" usw.
    Da rege ich mich drüber auf. Ist so. Das ist so ziemlich das einzige, was mich stört und bewegen könnte, hier fortzugehen.
    Ich finde, wir sind vom Thema abgekommen und ich entschuldige mich, wenn ich der Grund hierfür war.

  • Also mich stört es nicht, wenn hier auch sowas diskutiert wird (nur die Art finde ich etwas patzig :wink: ), denn in solche Situationen begeben sich anfangs wahrscheinlich sehr viele, ob ganz mit Absicht oder halb unabsichtlich :wink: . Anfangs meiner Drogenabstinenz (wie gesagt, denke ich, ist das von den Suchtgewohnheiten her sehr ähnlich) begab ich mich doch hin und wieder mal auf die Szene, so um "zu gucken, wie es den alten Bekannten geht", "mir selber zu beweisen, dass ich da auch clean wieder rauskomme", "vielleicht auch etwas, um mir zu beweisen, dass ich weiter bin", .... die Liste von Pseudogründen könnte lange werden - bin ich aber ehrlich, muss ich mir eingestehen, dass ich einfach da hin ging, weil ich mich da sicher fühlte. Das ist für mich absolut sicheres Terrain, fast jeder kennt und akzeptiert mich dort, bei den Themen ( geht ja eh nur um Drogen/Alkohl, Polizei, Straftaten, ....) kann ich überall sofort und "kompetent" :wink: mitreden, zusätzlich habe ich dort den "Frauenbonus", die Leute freuen sich, Dich mal wieder zu sehen, ..... es ist einfach ........ der totale Rückschritt!

    Mich dünkt der hier hitzige Ton für so ein Thema total typisch. Ich kenne das von mir selber auch, dass mir gewisse Suchtthemen total klar sind, und es mich teilweise schon fast wütend macht, wenn jemand mich dazu was frägt. Es macht mich wütend, weil ich das ganze schon x mal erklärt habe - zwar nicht dieser Person - und es nur bei einem Bruchstück der Personen wirklich angekommen ist. Ich muss mich auch hüten, Leute nicht (unbewusst) etwas von oben herab anzusprechen, die mir, für mich, "dumme" Fragen in Beziehung zu Sucht stellen, oder die etwas glauben, was für ich für mich in meinem Fall klar widerlegen könnte. Dann muss ich mir aber klar werden, dass mich die Fragen/Aussagen wohl oft so nerven, weil es mich an mich und meine Anfangs-Clean-Zeit (bei Drogen) erinnern und dass ich genau diese Dinge auch gefragt, verteidigt, rechtfertigt, ... habe. Und ich kann nicht erwarten, weil ich jemandem erkläre, wieso er wann mit welchen Gedankenmustern rechnen muss, dass er dies dann so aufnimmt, dass er damit so umgehen kann, als würde er es von sich selber kennen und könnte sich meine "Strategieen"/Erfahrung einfach mal kurz geistig auslehnen.

    Daher stelle ich, für Euch vielleicht auch dumme Fragen, wie die ganze Nachgraberei wegen dem trockenen Umfeld. Ich bin halt noch nicht soweit, mir das zu 100% vorstellen zu können. Da wehrt sich anscheinend in mir das Suchtteufelchen noch zusehr. :wink:

    Ich finde es etwas schade, dass hier vieles, was man schreibt, gleich mit "nassem" Denken betitelt bekommt und somit die Überlegungen, die man sich dazu macht/gemacht hat, meines Erachtens, sehr abgewertet werden (denn auch wenn mir jemand sagt, das ist alles nasses Denken - es sind die Gedanken, die ICH habe und die MICH in dem Moment beschäftigen. Ich bin ja nicht hier, um etwas zu plauschen! Ich habe ein Problem und merke, dass ich nicht weiterkomme). Dass ein Grossteil der Gedanken nass sind, ist mir durchaus bewusst. Aber ich bemühe mich stark, diese zu erkennen - Schwierigkeiten habe ich wohl weniger diese zu erkennen, als sie wegzubekommen.

    Mir ist natürlich auch bewusst, dass wenn ich zwei Tage daran herumknabbere, ob ich an diese Ausstellung gehen soll oder nicht, das für jemanden, der schon wesentlich weiter ist "Stumpfsinn"( vielleicht gar Kinderka.... ) ist. Aber da waren nun mal zwei Seiten in mir. Ich hörte sie regelrecht auf mich einschreien. Und dass eine davon absolut nasses Denken war und das andere "möchte-gern-trockenes" Denken, weiss ich auch. Zudem bilde ich mir auch nicht ein, dass mir hier irgendwer eine Entscheidung abnehmen kann (auch wenn er könnte, sollte er nicht). Es war heute halt einfach mein Erfolgserlebnis des Tages (wahrscheinlich der ganzen Woche), dass ich einen Rückfall, der sich in meinem Kopf schon so ausgebreitet und eingenistet hat, doch noch stoppen konnte. Sowas fällt zumindest mir sehr schwer.

    So, ich wünsche Euch allen einen guten Start ins Wochenende und grüsse Euch, liv

    PS: Michael, werde mir jetzt Dein Post noch einmal durchlesen, habe es gerade nicht mehr im Kopf und dieses hier Post ist eh schon zu lang .... . :D

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • @Rosamunde, wo bist Du? Weg ?
    Ich für meinen Teil lese mir jeden Thread in dem ich schreibe vollständig durch und blättere wieder zurück, mittendrin, ans Ende und wieder der Reihe nach.

    liv : Mir gefällt die Art wie schreibst und auch was Du eben zuletzt geschrieben hast. Ein Lob gehört hierein :wink:, die Nerven zu behalten. Es lässt sich halt nicht vermeiden, dass nicht jeder hier zur "richtigen" Zeit am "richtigen" Ort das "Richtige" sagt.
    Welche Situationen kennst Du noch, wo Du lieber Nein sagst, oder sagen würdest ? :)

  • Hallo liv,

    Du hast ja wahrscheinlich einiges schon im letzten Beitrag geschrieben, was Du dann in Antwort auf den meinigen nochmal wiederholen koenntest. Daher fuege ich dem ganzen noch etwas hinzu:

    Der Punkt ist einfach, dass man frueher oder spaeter -- sofern man trocken werden will -- das ein oder andere einfach "begreifen" bzw. fuer sich annehmen muss. Sicherlich kannst Du Dir nur selber helfen. Aber wenn Du nicht bereit bist, den Leuten hier auch mal zu glauben und etwas fuer Dich anzunehmen, was evt. nicht ganz Deinem Gedankengang entspricht, wirst Du an Deiner Anwesenheit nichts gewinnen. Ich denke ich habe in meinem Beitrag ebenfalls schon geschrieben dass es mir nicht anders erging und ich moechte mich da auch keinesfalls ausnehmen so nach dem Motto bei mir war alles mit einem Schnips klar.

    Ich hab mir sehr viele (auch eigene) Gedanken gemacht und die gaengige "Lehrmeinung" hier genaustens fuer mich hinterfragt. Dabei habe ich gemerkt dass gewisse Dinge eben einfach unumgaenglich bzw. essentiell fuer eine gute Trockenheit sind. Die Leute beschweren sich staendig dass individuelle Gedanken untergraben werden. Das ist doch Unsinn. Da bleibt genug Raum fuer den eigenen Weg. Aber ein gewisses Fundament gehoert nun einfach mal dazu.

    Da hast Du recht dass ich teilweise schon an der Stelle jetzt bin manche Themen nicht mehr zu lesen weil ich weiss dass es mir evt. an die Materie geht bzw. dass ich noch nicht weit genug bin, um nicht evt. doch gewisse nasse Denkstrukturen doch wieder fuer mich anzunehmen. Dass ich mir evt. doch noch irgendwo ein Hintertuerchen offengehalten habe, das mir so eine Person dann offeriert. Gewisse Dinge moechte ich auch nicht mehr lesen, weil sie mich sauer machen. Ein Beispiel waere soetwas wie "ich muss doch fuer meine Freunde Alk im Haus haben" oder so einen Bull.

    Das Thema "nasses Umfeld" ist wohl eines der am meist diskutierten hier. Was in aller Welt bitte laesst Euch glauben, dass ihr schaffen koennt, woran tausende zuvor gescheitert sind? Manche Leute hier wollen offensichtlich nicht trocken werden oder der Alk hat ihnen ihr Leben einfach noch nicht verheerend genug zerstoert, um immernoch diese Liebeleien und Halbherzigkeiten an den Tag zu legen. Ich hoffe sehr, dass ich tief genug gesunken bin (ich wollte nicht mehr leben zum Schluss und habe mich mit meiner letzten Kraft nochmals aufgerafft).

    Wenn Du die laenger trockenen hier liest wirst Du merken dass man am Anfang einfach nicht soviel zweifeln und hinterfragen soll. Jetzt ist HANDELN gefragt. Du wirst genug Zeit haben, darueber nachzudenken und Dir klarzumachen, worum es geht. Mich wundert halt schon manchmal dass ich hier Leute anmelden, die absolut nichts annehmen wollen und dann halt die gaengigen Fehler und das typische nasse Denken an den Tag legen. Das Beste ist dann noch dass sie sich angefressen fuehlen wenn man ihnen dass dann mal serviert. Ja Leute was is los sind wir hier im Kindergarten oder wollt ihr was lernen? Dazu gehoert auch, den falschen Stolz abzulegen und sich mal einzugestehen dass man es alleine nicht schaffen kann. Genausowenig reicht es halt, aufzuhoeren mit dem Trinken und so weiterzuleben wie zuvor.


    greets,
    Michael

  • hi Schneemann,


    Zitat

    Mir gefällt die Art wie schreibst und auch was Du eben zuletzt geschrieben hast.

    Danke für die Blumen!

    Zitat

    Welche Situationen kennst Du noch, wo Du lieber Nein sagst, oder sagen würdest ? :)

    Och, das ist eigentlich überall :D .

    z.B.: Für jene Freundin habe ich sehr häufig die Kinder gehütet (auf ihren Wunsch gegen Bezahlung), damit sie arbeiten kann. Irgendwann zögerte sich mein "Lohn" immer länger heraus und irgendwann stellte sie die Bezahlung einfach ganz ein. Inzwischen bringt sie die Kinder zwar nur noch selten, aber mein Partner z.B. ärgert sich immer unheimlich über mich, wenn ich die Kinder wieder hüte. Er meint, ich solle doch endlich mal sagen, dass sie uns unterdessen doch schon ganz gut Geld schuldet und die Kinder erst wieder nehmen, wenn mal wieder was rüberwächst. Sowas kann ich nicht!

    Bei mir ist das Problem, dass ich mich irgendwie minderwertig fühle und automatisch denke "dem/den anderen muss es passen, nicht mir". Das fällt mir auch bei meiner Mutter auf - sie ist genau gleich! Ich könnte auch (naja fast) nie, jemandem ins Gesicht sagen, dass ich ihn nicht mag. Ich war schon früher in der Schule immer die, die in jede "Gruppe" etwas gehörte, die dazwischen pendelte. Natürlich könnte man sagen "ist ja toll, alle mochten Dich", aber es kommt mir nachmal so vor, als würde ich mich duckmäuserisch durchs Leben mogeln.

    Mir ist z.B. auch nie was soooo peinlich, wie wenn ich gelobt werde. Meine Güte, da fühle ich mich jedesmal, wie wenn ich an einer WM eine Goldmedaille gewonnen hätte und nur ich wüsste, dass ich dabei gedopt an den Start ging.

    Kennst Du sowas auch? Wie steht es um Dein "Selbstbewusstsein"?

    Ich grüsse Dich, liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Wenn ich weiss, dass ich das Lob wirklich verdient habe, nehme ich es gerne an und freue mich. Anderfalls kann es sein, dass ich dies als kleinen Angriff gegen meine Person sehe, als sarkastische Ironie. Zum Glück lebe ich in einem Land, wo nicht gelobt wird. Dieses fängt mit D. an, kennt ihr alle.

    Mein Selbstbewusstsein ist schon einmal schwankend. Das lässt sich klar auch durch Lob stärken, jedoch ernährt es sich vielmehr von Aufmerksamkeit und guter ehrlicher Kommunikation, von Helfen, Nehmen und Geben. Ähh ... Erfolge jeglicher Art gehören mit dazu und auch Misserfolge und deren Lösung.
    :D Schneemann

  • Es gibt so Situationen wie: "Tuste dem nen Gefallen (Hund, Katze nehmen, Einkaufen etc.), dann darfste das immer wieder machen".
    Bloss, äussere ich mich nicht klar verständlich wenn ich das "mal" ablehnen möchte, ist derjenige mir sauer. Ich kann nicht erwarten, dass dieser abstrahieren kann.
    Daher schon mal eine Notlüge. Tut mir leid, muss bis Mitternacht Computer instandsetzen, habe wichtige Verabredungen. Das sollte aber nicht zum Dauerzustand werden. :lol:

  • hi Michael

    Zitat

    Du hast ja wahrscheinlich einiges schon im letzten Beitrag geschrieben, was Du dann in Antwort auf den meinigen nochmal wiederholen koenntest.

    Das stimmt, deshalb habe ich es dann gelassen.

    Zitat

    Aber wenn Du nicht bereit bist, den Leuten hier auch mal zu glauben und etwas fuer Dich anzunehmen, was evt. nicht ganz Deinem Gedankengang entspricht, wirst Du an Deiner Anwesenheit nichts gewinnen.

    Dazu möchte ich sagen, dass ich nie gezweifelt habe, dass man z.B. einen räumlichen Abstand zu einem nassen Umfeld suchen muss. Meine Frage war wie man ein absolut trockenes Umfeld findet! Da finde ich, ist der Unterschied zwischen nicht umsetzen wollen und nicht wissen, wie man es umsetzen kann schon da. Zudem habe ich im Moment Abstand zu meinem "nassen" Umfeld - das Problem dabei ist, dass ich gerade zuhause vereinsame. Ich denke, wenn man viele Freunde hat, kann man auf die paar, die trinken, verzichten - bei mir ist aber das Problem, dass ich kaum mehr Freunde habe und ich mich ernsthaft frage (und auch absolut ernsthaft hier fragte) wo man sich gezielt trockene Freunde suchen kann.

    Zitat

    Was in aller Welt bitte laesst Euch glauben, dass ihr schaffen koennt, woran tausende zuvor gescheitert sind?

    Nochmal: ich hatte nie behauptet, dass ich in einem nassen Umfeld trocken bleiben kann und um viel anderes herum haben wir ja noch gar nicht gesprochen. Da unterstellst Du mir was! Zudem bin ich wahrscheinlich eine der Letzten, die sich einbildet "nicht ganz so süchtig", anders oder gar besser zu sein. Es erschreckt mich einfach etwas, dass man hier in so einem Forum, dermassen aufpassen muss, was man schreibt, fragt, worüber man sich austauschen möchte.... und alles zehnmal auf die Goldwaage legen muss, bevor man es tippen darf. Ist es das Ziel, dass ich meine Sorgen/Gedanken/Fragen nur absolut zurecht geschliffen hier aussprechen/andeuten darf, damit ich nicht gleich eine geklatscht bekomme?

    Zitat

    Wenn Du die laenger trockenen hier liest wirst Du merken dass man am Anfang einfach nicht soviel zweifeln und hinterfragen soll. Jetzt ist HANDELN gefragt.

    Da sind wir wieder zurück: die Frage ist, WAS kann ich tun? Dass ich was tun muss, ist klar.

    Zitat

    Mich wundert halt schon manchmal dass ich hier Leute anmelden, die absolut nichts annehmen wollen und dann halt die gaengigen Fehler und das typische nasse Denken an den Tag legen. Das Beste ist dann noch dass sie sich angefressen fuehlen wenn man ihnen dass dann mal serviert. Ja Leute was is los sind wir hier im Kindergarten oder wollt ihr was lernen?

    Darauf lasse ich mich jetzt echt nicht ein!

    Zitat

    Dazu gehoert auch, den falschen Stolz abzulegen und sich mal einzugestehen dass man es alleine nicht schaffen kann.

    Man kann es also nicht alleine schaffen (da stimme ich Dir zu), aber sich hier Hilfe suchen, darf man anscheinend auch nicht. Schade!

    die etwas angefressene liv :wink:

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • hi zusammen,

    ich weiss, dass ich ein Problem habe, mit Kritik umzugehen und werde mich bemühen, dies etwas zu verbessern. Womit ich etwas Mühe habe, ist, wenn man hier eingeteilt wird (ich habe z.B. bisher kaum weder über mein Leben mit Alkohol, als auch über jenes ohne Alkohol geschrieben). Aber es reicht jetzt ... nicht, dass die Zankerei von vorne los geht! :D

    Ich möchte einfach noch einmal klar betonen, dass meine Fragen auch immer als Fragen und nicht als unterschwellige Behauptung aufgefasst werden sollten - denn das sind sie nicht! Ich "philosophiere" halt gerne etwas über gewisse Themen und erarbeite mir Antworten zu meinen Fragen gerne in solchen Diskussionen.

    @Karsten:

    Zitat

    Da dieser Thread ja das trockene Umfeld geht, Du ja Dein nasses Umfeld "aufgegeben" hast, ist doch alles in Ordnung.

    Dieser Thread eröffnete ich eigentlich nicht, um speziell über nasses oder trockenes Umfeld zu diskutieren. Diesen Thread eröffnete ich im "Wer ist wer ...."-Unterforum und die Diskussion wurde hierhin verschoben und ging dann halt eben in diese Richtung. Es wäre mir daher lieb, wenn man den Themenkreis etwas erweitern könnte, z.B. mit folgender Frage (diese Frage wurde bestimmt schon x mal durchgekaut hier, aber ich finde mich hier in diesem Forum bisher noch nicht 100%ig zurecht):

    Muss ich ganz unten sein, um den nötigen Willen aufzubekommen, keinen Alkohol mehr zu trinken? Und wenn ich für mich schon mal ziemlich unten war, Monate ohne Alkoholkonsum lebte und wieder rückfällig wurde: was denkt Ihr, muss man da erst wieder nach ganz unten oder reichen die Erfahrungen und Erinnerungen an früher?

    @Schneemann: Wie geht`s Dir heute?
    Bei mir ist es so, dass sich mein Selbstbewusstsein vor allem durch Helfen aufrechterhält. Jemanden im realen Leben irgendwobei um eine Gefälligkeit zu bitten, brächte ich wahrscheinlich gar nicht auf die Reihe. Vielleicht schreibe ich noch was in Deinen Thread, wenn mir was "kluges" oder zumindest etwas, was ich dafür halte :D , dazu einfällt.

    Ich wünsche Euch allen einen tollen (hoffentlich) freien Tag und grüsse herzlich, liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hallo Liv,

    einzugestehen, nicht so gut mit Kritik umgehen zu können, finde ich schon ziemlich kritikfähig :wink:
    Bei mir ist/war diese Eigenschaft auch etwas unterentwickelt, aber je länger ich ohne Alkohol lebe (11 Monate) entwickelt sich mein Selbstbewusstsein zum Besseren und ich finde, das ist die Grundlage auch souverainer mit anderer Leute Meinung umzugehen.

    Zitat

    Muss ich ganz unten sein, um den nötigen Willen aufzubekommen, keinen Alkohol mehr zu trinken? Und wenn ich für mich schon mal ziemlich unten war, Monate ohne Alkoholkonsum lebte und wieder rückfällig wurde: was denkt Ihr, muss man da erst wieder nach ganz unten oder reichen die Erfahrungen und Erinnerungen an früher?


    Ich glaube dieses "ganz unten" ist eine sehr individueller Punkt. Mein persönlicher Tiefpunkt hat mich weder wohnungs- noch arbeitslos oder organisch versehrt gemacht. Aber ich war seelisch so in Not geraten, dass ich für mein Leben nur dieses eine Möglichkeit sah, mich dem Alkohol gänzlich zu entziehen. Mein Umfeld hatte noch gar nicht viel davon mitbekommen, denn ich war noch in einer Phase, wo ich mit zunehmender Angst, mit meiner Sucht aufzufliegen, mich sozial immer mehr zurückzog. Ich habe mir hochrechnen können, wie groß später mal die Wahrscheinlichkeit sein könnte, dass ich einer jener Verblichenen sein könnte, die man erst nach vielen Wochen in ihrer Wohnung findet.

    Keiner aus meinem damaligen Umfeld hätte diese meine Ängste verstanden, weil nach außen bis dahin alles noch (fast) "normal" aussah. Du weißt ja bestimmt, wieviel Wert Drogenanbhängige Wert auf eine schöne Fassade legen.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass ich lange vergeblich versucht habe, diesen Tiefpunkt an andern Leuten zu messen, am Außen. Das Ruder herrumreißen konnte ich erst, als ich verstand, dass ICH ganz allein herrausfinden muss, wie ICH LEBEN kann und ICH dafür verantwortlich bin.
    ICH musste also bestimmen, wo mein eigener persönlicher Tiefstpunkt liegt.

    Und das tat ich dann. Ich spürte, dass ich im Sinne meines ganzen Lebens nicht mehr weitergehen durfte. Ich war äußerlich unversehrt, stand aber seelisch zwischen Leben und Tod.
    Ich entschied mich für das Leben und sah ein, dass dieser Ansatz nicht mit dem Konsum von Alkohol in Einklang zu bringen war. Ich war schon zu fortgeschritten, stand auf dieser Kippe.

    Ich wusste also: Leben oder Alkohol und hatte einen starken Willen weiterleben zu wollen. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich dauerhaft vom Alkohol wegkomme, weil ich das ja 20 Jahre nicht geschafft hatte.

    So kam ich unsere virtuelle Selbsthilfegruppe, wo ich von länger Trockenen erfuhr, wie sie es geschafft hatte, ohne Alkohl ein zufriedenes Leben aufzubauen.

    Ich arbeite seitdem mit großer Geduld daran, zwischen mich und den Alkhohol einen größtmöglichen Abstand zu bekommen - zeitlich und geistig. Je länger und gründlicher mir das gelingt, umso weniger beschäftige ich mich mit einem Rückfall, weil er in völlig entgegengesetzter Richtung zumeiner jetzigen Lebensentwicklung liegt. Ich sage aber genauso wie du nicht: "Ich habe es für immer geschafft."
    Ich habe's bis HEUTE geschafft, und zwar ohne Alkohol so zu leben, dass ich keine Verzichtsgedanken an ihn verschwende, nie Saufdruck hatte und mich täglich darüber freue, nicht saufen zu müssen und mein Schicksal wieder unabhängiger in die Hand nehmen zu können. Ich habe wieder eine Perspektive.
    Und mein Respekt vor dem Alkohol wächst in dem selben Maße, wie meine Angst vor einem Rückfall sinkt.

    Das Gleiche wünsch' ich dir auch. Für mich war war bei aller Philosophie über ein theoretisches Gerüst, die tägliche Praxis das Wichtigste. Und vor allem viiiiiel Geduld.


    Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo Liv,

    ich bin jetzt seit sechs Monaten trocken und freue mich darauf, dass das so bleibt. Dieses Forum war dabei meine größte Unterstützung und ist es auch heute noch.

    Du hast ja schon einiges an Suchterfahrung. Ich glaube das ist sowohl gut, wie auch schlecht - einerseits sind viele Mechanismen von Sucht (vor allem Gefühle) ähnlich und es ist gar nicht schlecht, ungefähr zu wissen, was auf einen zukommt, andererseits ist jede Sucht individuell und wer mit dem Rauchen aufhören will muss auf andere Dinge achten, als jemand der mit dem Trinken aufhören will.

    Du schreibst von Heroin und Obdachlosigkeit und das ist wohl was sich viele als "ganz unten sein" vorstellen. Ich glaube du hast berechtigter Weise Angst davor, dich auch mit Alkohol zu weit runter bringen zu müssen(?) um aufzuhören ? Mein persönlicher Tiefpunkt war, als ich mir eingestanden habe Alkoholiker zu ein. Ich hatte noch Job, Wohnung und Führerschein. Das sind jedoch keine "Beweise" dafür oder dagegen Alkoholiker zu sein.

    Du warst ja schon neun Monate alkoholfrei. Seit ich mich für ein trockenes Leben entschieden habe, habe ich auch angefangen an meinem Selbstbewusstsein und -vertrauen zu arbeiten. Wie Micha schon schrieb finde ich auch, dass Geduld ein ganz wichtiger Punkt ist. Es hat tausende von einzelnen Tagen gebraucht, bis ich Alkoholiker geworden bin - und diese Tatsache wird immer so bleiben. Aber ich kann jetzt ein anderes Leben erlernen und verinnerlichen - und das wird wahrscheinlich auch tausende von einzelnen Tagen brauchen. Ohne Geduld ist das kaum zu schaffen.

    Du schreibst du hast große Probleme mit dem Selbstbewusstsein. Warum ist das wohl so? Spielt deine Mom da eine Rolle? War das schon immer so? Bist du so aufgewachsen? Was tust du dafür, um das zu ändern?
    Ganz wichtige Frage finde ich auch, warum bist du nach neun Monaten rückfällig geworden? Siehst du dich selbst als Alkoholikerin? Nimmst du dich selbst richtig ernst, wenn du dir das sagst?

    Viele Fragen und Grüße,

    Timster

  • Danke Euch, Micha und Timster für Euere Post. Werde wahrscheinlich heute abend darauf eingehen - die Sonne scheint und es zieht mich vom PC weg nach draussen :D

    bis später, gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • hi Micha,

    so, der Heuschnupfen und die Hausaufgaben meiner Kinder haben mich nun zurück ins Haus und an den PC getrieben.
    Seltsam, wie fesselnd dieses Forum auf mich wirkt - die ersten Tage hat mich die Flut der viiielen Posts in diesem Forum etwas erschlagen, doch langsam finde ich mich wenigstens einigermassen zurecht.

    Danke für Dein tolles Post!

    Zitat

    einzugestehen, nicht so gut mit Kritik umgehen zu können, finde ich schon ziemlich kritikfähig :wink:

    :D danke!


    Zitat

    Ich glaube dieses "ganz unten" ist eine sehr individueller Punkt.

    Das stimmt! Mein absoluter Tiefpunkt hatte ich wohl (vor etwa 12 Jahren), als ich in der Notschlafstelle hauste und jeden Morgen um 8 mit hartem Alk (und den anderen Drogen) angefangen habe. Ich denke, psychisch ging es mir da echt am dreckigsten, ich weinte viel und wusste weder ein noch aus - und doch war das nicht der Zeitpunkt, wo ich anfing, mich gegen meine Süchte zu wehren. Ich war irgendwie total blockiert. Gut, es ist wohl auch etwas komplizierter, von Alkohol und Drogen wegzukommen, wenn man mit anderen obdachlosen Alkoholikern und Junkies zusammen "wohnt".

    Ich habe einfach unheimlich Angst, mein Leben, so wie es jetzt ist, durch den Alkohol wieder zu verlieren. Ich lebe in einer tollen (alten) Wohnung mit Garten, habe zwei gesunde Kinder, einen Mann, der nie ein Suchtproblem hatte und mir alle vernünftige Hilfe gibt, die er kann. Ich frage mich jetzt einfach, kann ich auch vor Angst wieder dahin zurückzukommen, wo ich herkam, eine Alkoholabstinenz angehen oder ist das "sinnlos".

    Zudem habe/hatte ich eine chronische Hepatitis, die (allem Anschein nach) zwar von selber ausgeheilt ist, aber das gibt mir schon auch noch zusätzlich zu denken.

    Ich glaube einfach, dass bei mir grosser Wille ist, aber leider (noch) nicht die totale Überzeugung. Und ich hoffe (vielleicht aus Dummheit), dass ich mit zeitlichem Abstand zum Alkohol wieder merke, dass es mir ohne wesentlich besser geht. Ich bin wohl gerade einfach etwas ungeduldig :roll: .


    Kurz zwischendurch: Ich erkenne mein Verhalten, das ich an den Tag lege, gerade total in dem Verhalten meiner Tochter gerade in diesem Moment: Sie sollte Hausaufgaben machen, tut aber stattdessen dies und jenes, lässt sich von allem und jedem ablenken (ich glaube, sie würde jetzt sogar ohne Murren ihr Zimmer aufräumen :D ), nur um nicht die Hausaufgaben machen zu müssen. Ich sollte mich um mein trocken-bleiben kümmern, aber philosophiere lieber herum, meckere am Ton hier herum, versuche in anderen Foren Junkies bei ihrem Methadonentzug zu beraten (und ähnliches), ... um auch ja nicht bei mir selber zu schauen und was zu tun.

    Mein Problem liegt in dieser ewigen Suchtverlagerung, von Alkohol zu Tabletten, von Tabletten zu Heroin, von Heroin zurück zu Alkohl, vom Alk zu Kokain (und natürlich auch gerne alles zusammen) und lasse ich alles weg und trinke ich keinen Alkohol meldet sich bei mir wieder "Teufelchen Magersucht" zur Stelle. Was mich zu dem Schluss bringt, dass ich in der Suchtverarbeitung noch keinen einzigen Schritt gemacht habe. Ich bin genau so süchtig, wie vor 17 Jahren, einfach das Suchtmittel hat sich verändert.

    Es deprimiert mich jetzt, dass der ganze (finde keinen besseren Ausdruck) Stolz, all die illegalen Drogen aus meinem Leben gestrichen zu haben und den Mut, den ich daraus schöpfte, sich einfach in Luft auflöst. :cry:

    Zitat

    Ich habe mir hochrechnen können, wie groß später mal die Wahrscheinlichkeit sein könnte, dass ich einer jener Verblichenen sein könnte, die man erst nach vielen Wochen in ihrer Wohnung findet.

    Hätte ich meine Kinder und meinen Partner nicht, ginge es mir wahrscheinlich genauso.

    Zitat

    Du weißt ja bestimmt, wieviel Wert Drogenanbhängige Wert auf eine schöne Fassade legen.

    Da sagst Du was ...! Ich wurde sowas von erfinderisch, schon fast "raffiniert". Wenn ich doch diese Eigenschaften auch woanders, ausnahmsweise mal sinnvoll umsetzen könnte .... . :wink:

    Zitat

    Das Gleiche wünsch' ich dir auch.

    Vielen Dank!

    gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • hi Timster,

    auch Dir, danke für Dein Post!

    Zitat

    Ohne Geduld ist das kaum zu schaffen.

    Da liegt wohl bei mir (unter anderem) der Hund begraben - irgendwie habe ich mir wohl erhofft, dass ich dieses mal mit dem "Abstand" zu Alkohol schneller vorankomme und schon bald da wieder anknüpfen kann, wo ich vor einem Jahr stand. Doch nun muss ich merken, dass ich den ganzen Suchtdruck und die Gedanken nicht durch meine Erfahrungen und "Erkenntnisse" (von der letzten trockenen Phase) wegwischen kann und anscheinend wieder ganz von vorne beginne. Vielleicht mit noch mehr Erfahrungen und noch mehr Respekt dem Alkohol gegenüber, aber eben wieder von vorne. Ich hoffe, der letzte Rückfall war mir eine Lehre - aber bis jetzt kann ich noch nicht mal daran denken, wieder mal zu 9 Monaten ohne Alkohol zu kommen. Gerade bin ich froh, wenn ich die nächsten Tage durchhalte.

    Zitat

    Du schreibst du hast große Probleme mit dem Selbstbewusstsein. Warum ist das wohl so? Spielt deine Mom da eine Rolle?

    Ich wollte, wie wohl die meisten Mädchen, nie so werden wie meine Mutter. Heute schmeichelt es mich, wenn mir jemand sagt, ich komme sehr nach ihr. Sie ist ein durch und durch herzensguter Mensch, den einfach alle gern haben müssen .... aber sie kann nicht nein sagen. Ich weiss nicht, ob meine Ähnlichkeit in diesen Dingen daher kommt, dass wir sehr lange alleine zusammen gewohnt haben (mein Vater verstarb sehr früh und meine Schwester zog früh zuhause aus). Irgendwie bewundere ich meine Mutter, wie sehr sie sich um alle Menschen in ihrer Umgebung kümmert und wünschte, ich wäre auch genauso. Aber, wie das halt meist so ist, wird eine Hilfe, die man jemandem entgegenbringt, schnell als selbstverständlich und jederzeit abrufbar angesehen - und genau da liegt dann mein Problem. Ich kann dann nicht mehr nein sagen.

    Huch, das war jetzt in Richtung "nein sagen" und nicht Selbstbewusstsein allgemein. Manchmal denke ich, ich hatte es immer zu leicht. Ich musste mich (früher) nie irgendwo gross durchsetzen - ich war gut in der Schule ohne viel dafür zu tun, ich war sportlich immer vorne mit dabei, ich wurde gemocht, mein Aussehen war immer "akzeptabel".... und irgendwie habe ich das Gefühl, ich habe noch nie in meinem Leben wirklich was durch eigene Anstrengungen erreicht.


    Zitat

    Was tust du dafür, um das zu ändern?

    Um nicht nein sagen zu müssen, schotte ich mich wohl etwas ab. :roll: Weil irgendwie jede Freundschaft, die ich zu anderen Müttern im Dorf bisher aufgebaut habe, endete für mich im Hütedienst der anderen Kinder, was mir ehrlich gesagt, keinen Spass macht.

    Allgemein tue ich, wenn ich es genau überlege, nichts für mein Selbstbewusstsein. Nunja, ich tue schon was, aber das würde meine Anonymität hier vielleicht zunichte machen. :?

    Zitat

    Ganz wichtige Frage finde ich auch, warum bist du nach neun Monaten rückfällig geworden?

    Dazu kommt mir nur folgendes in den Sinn: Überheblichkeit (und Leichtsinn). Toller Abend, Campingferien im Tessin, Fussball-WM, .... "ein" Bier. Und ich dachte "ach, jetzt hast Du es ja im Griff und kannst mal wieder - nur heute!" *pahhhh*

    Zitat

    Siehst du dich selbst als Alkoholikerin?

    Ja!

    Zitat

    Nimmst du dich selbst richtig ernst, wenn du dir das sagst?

    Weiss nicht. Meinst Du, ob ich es schon genug verinnerlicht habe?

    So, ich wünsche Dir heute einen gemütlichen Abend und morgen einen tollen Start in die neue Woche, gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

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