Bin nun auch mit an Bord

  • Hi Brigitte,

    es tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte - das tolle Wetter zieht mich wie automatisch nach draussen. Zudem versuche ich mich ja gerade im geschlossenen Bereich etwas einzulesen.

    Ach ja, die Blumen konnte ich (respektive meine Mutter) noch auftreiben - sonst hätte ich halt eine Wiese geplündert .... :D .

    Eine so alte und kranke Mutter zu pflegen, kostet bestimmt vie Energie. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, meine Mutter später mal zu uns zu nehmen, aber da weigert sie sich strikte - sie möchte uns nicht belasten oder uns irgendwann lästig sein. Sie hat sich schon vor Jahren nach einem passenden Altersheim umgesehen (auch wenn sie heute noch physisch und psychisch sehr fit ist). Mir macht der Gedanke irgendwie weh, aber ich weiss, dass ihr die Vorstellung, später mal ins Altersheim zu ziehen sogar etwas gefällt.

    Ja, ich freue mich ja gerade, dass ich das wochenlange "Tief" nüchtern überstanden habe und spüren durfte, wie ich wieder "normal" denken konnte. Da hatte ich wirklich schlicht und einfach Saufdruck, der total übermächtig wurde und der Rückfall schon fast programmiert war. Hätte ich dieses Frorum nicht gefunden, ich denke nicht, dass ich es geschafft hätte, die Finger vom Alk zu lassen. Aber ich bin mir auch klar bewusst, dass noch viele solche Tiefs folgen werden, nur hoffe ich, dass sie schwächer werden. Oder dass ich damit besser umgehen kann ... . Hast Du auch noch manchmal Saufdruck oder ist das für Dich kaum mehr ein Thema?

    Ich wusste schon vor dem Gespräch, dass auch meine Mutter gewisse Schuldgefühle hatte. Sie hat mich ja irgendwann raus auf die Strasse gestellt (was ich natürlich ohne Ende provoziert habe und ich war dann fast froh, dass es endlich soweit kam), hat mir die Polizei ins Haus bestellt und ähnliches. Ich versuchte ihr zu erklären, dass alles so genau richtig war und ich ohne diese z.T. drastischen Massnahmen vielleicht gar nie meinen "Tiefpunkt" erlebt hätte und der Wunsch, da irgendwie wieder rauszukommen vielleicht noch gar nicht gekeimt wäre.

    So, ich grüsse Dich herzlich und wünsche Dir ein tolles Wochenende, liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hi Liv,

    ja, das mit meiner Mutter ist nicht immer so einfach. Wobei wir schon direkt beim Thema sind. Bedürfnis nach Alkohol. Manchmal ist es mit meiner Mutter schon sehr stressig. Was diesen Stress ausmacht ist ihre Demenz. Das belastet mich am meisten und macht mich auch öfter wütend, weil ich es innerlich einfach nicht nachvollziehen kann. Wenn ich dann so im Brast bin, kommt schon der Wunsch auf, mir die Birne zuzukippen, mich einfach so weg zu machen. Nichts mehr sehen, nichts mehr fühlen. Aber ich tue es nicht und es fällt mir auch nicht schwer es sein zu lassen.

    Ich denke, dass es auch so eine Art angelerntes Verhalten ist, nicht mehr in hässlichen Situationen zu trinken.
    Allerdings ist dieser Wunsch nach Alk nicht oft. Es schwächt tatsächlich ab, ist nicht mehr so zwingend, geht schnell vorbei.

    Das was deine Mutter mit dir gemacht hat, war vll. in der Situation sehr hart für dich, aber wahrscheinlich das einzige richtige. Wer weiß, aus Weisheit, Instink oder Verzweiflung. Vll. alles zusammen.

    Auch dir noch einen schönen Sonntag.

    LG Brigitte

    Der Anfangssaufdruck ist wirklich das stärkste, da mussten wir alle durch. Ich hatte schon so nach einigen Wochen gespürt, dass er schwächer wurde und kürzer. Das ist glaube ich erstmal das unangenehmste, was nach dem Absetzen kommt, wie bei jeder Sucht. Wenn du da mal durch bist und das schlimmste hinter dir hast, wirst du dich riesig freuen.

    Ich würde auch nicht sagen, dass der Rückfall dadurch vorprogrammiert ist, sondern dass das Bedürfnis noch eben sehr stark ist, aber man kann es schaffen. Es ist nunmal anfangs ein Kampf gegen den Suchtdruck. Vor allem, wenn diese turbulente Zeit vorbei ist, wirst du auch freier im Kopf und in der Psyche, und da kann dann die eigentliche Arbeit an dir selber erst so richtig anfangen. War bei mir so.

  • Hi Brigitte,

    ich finde es toll, wie Du das mit Deiner Mutter hinbekommst. Jemanden mit Demenz zu pflegen braucht bestimmt unheimlich Geduld. Ich weiss nicht, ob ich dazu die Nerven hätte. Dass da bei Dir manchmal kurz der Wunsch nach Alkohol aufkommt, kann ich gut verstehen - hast Du dann keine Verzichtsgedanken? Kannst Du die Gedanken gut einfach wieder wegschieben? Nach fünf/sechs Monaten wärend meiner letzten Trinkpause, konnte ich sowas auch problemlos. Daher bin ich mit mir oft ungeduldig, wenn das noch nicht wieder so einfach klappt und ich wirklich Verzichtsgedanken habe.

    Aber wie Du ja auch schreibst, ist es ein angelerntes Verhalten dann nichts zu trinken, wie es auch ein angelerntes Verhalten war, dann zu trinken. Nur muss ich merken, dass der Weg aus der Sucht bei mir irgendwie langsamer geht, als in die Sucht. Ich war von allen, von mir konsumierten Suchtmitteln psychisch extrem schnell abhängig (beim Heroin brauchte das einen einzigen Konsum und von da an fixte ich täglich mehrmals :( ). So auch beim Alkohol, ich wusste ihn schnell gezielt einzusetzen und meinen "Nutzen" daraus zu ziehen.

    Ja, aus meinen Erfahrungen weiss ich auch, dass die Gier jetzt und sofort was trinken zu wollen, nachlässt und es etwas abebbt. Von daher, denke ich, kommt bei mir die wirklich kritische Zeit noch; die Zeit, in der ich eben diese Gier nicht mehr verspüre und sich bei mir womöglich wieder der Gedanke einschleicht, nun wieder geregelt trinken zu können :roll: . Für dieses mal aber habe ich mir wirklich vorgenommen, an mir und meinem Verhalten zu arbeiten, so dass ich das nächste mal gewappnet bin, mich nicht wieder von solchen "Übermuts-Gedanken", von meiner "Überheblichkeit" (zu denken, ich könnte es jemals in den Griff bekommen), wieder einlullen zu lassen. Anders bekomme ich es nicht auf die Reihe, ein zufriedenes, freies Leben zu führen.

    Zitat

    Das was deine Mutter mit dir gemacht hat, war vll. in der Situation sehr hart für dich, aber wahrscheinlich das einzige richtige. Wer weiß, aus Weisheit, Instink oder Verzweiflung. Vll. alles zusammen.

    Es war ganz klar das einzig richtige! Wie hart es im Moment, als ich rausflog, für mich war, weiss ich nicht mehr wirklich. Ich kann mich nur erinnern, dass es für mich auch eine unheimliche Erleichterung war, nun "frei" zu sein und ohne Kontrolle alles reinhauen zu können. Ich hatte es auch richtiggehend provoziert und dadurch, dass sie mich rauswarf und ich nicht einfach gegangen bin, hatte ich auch gleich noch einen Sündenbock parat; jemanden, auf den ich wütend sein konnte. Aber da konnte ich mir auch noch nicht vorstellen, was es heisst, obdachlos zu sein. Der Verdruss kam dann erst mit den Tagen/Wochen, als ich merkte, wie einsam ich war und wie hoffnungslos meine Zukunft aussah.

    Ob noch weiter vorne in meiner Kindheit/Jugend was falsch gelaufen ist, darüber mache ich mir (und ich glaube auch meine Mutter sich) keine Gedanken. Jede (naja fast jede) Mutter versucht doch ihre Kinder so zu erziehen, ihnen das mitzugeben, wovon sie denken, dass es richtig ist. Und da werden natürlich auch "Fehler" gemacht, wir sind ja alles nur Menschen ... .

    Mich hat nach meinem Rückfall im April vor allem schockiert, dass der extreme Saufdruck echt wochenlang anhielt und ich fürchte, dass sowas wieder kommen könnte. Am Montag hatte ich einen Durchhänger, wo ich mit dem Gedanken spielte (aber nicht ernsthaft!!), wie es wäre jetzt ein Bier zu trinken. Doch schon gestern ging es wieder bergauf. Ich glaube am Anfang ist es vor allem auch schwierig diese Stimmungsschwankungen einfach anzunehmen und zu akzeptieren.

    Wenigstens hat sich das mit dem Wasser-trinken wieder in einem einigermassen normalen Mass eingepegelt. Ich denke, ich trinke heute etwa fünf Liter Flüssigkeit am Tag; war auch schon bedeutend mehr - so dass mein Arzt fand, ich müsse etwas bremsen. Aber ich bin es halt gewohnt, immer etwas Trinkbares neben mir zu haben (nun halt einfach Wasser u.ä. vorher war es das Bier).

    So, ich wünsche Dir einen schönen, zufriedenen Tag und grüsse Dich, liv

    PS: Es tut mir leid, dass meine Antwort erst jetzt kommt. Ich lese mich ja gerade in der Geschlossenen ein und bleibe meist dort hängen. Zudem läuft es gerade auch sonst relativ turbulent zuhause ab.

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hi Liv,

    ob ich Nerven dazu habe (Mutter + Demenz) ist eigentlich nicht relevant. Die Situation ist nun mal so. Eigentlich ist es in der Vorstellung sowieso schlimmer als wenn man da drinsteckt. Man wird ja nicht so einfach ins kalte Wasser geworfen, sondern es ist ein Prozess, der sich langsam und schleichend vollzieht. Außerdem ist es meine Mutter, die ich sehr gerne habe und ich finde es einfach auch schön, dass sie da ist. Trotzdem, manchmal halt schon nervenaufreibend.

    Wahrscheinlich zeigt sich ja sowieso der Saufdruck bei jedem anders. Vll. ist es bei dir besonders schwierig bedingt durch die Drogen. Da sind ja mehrere Punkte auf denen man ausweichenkann. Habe ich bei mir auch festgestellt. Beispielsweise wenn ich sehr nervös und unruhig war, kam mir der Gedanke nach Tabletten hoch, um es abzudämpfen. Dann, nein, du willst nicht. Also verschob sich die Gier dann rüber zu Alkohol. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man dann von einem Suchtmittel zum anderen eiert. Aber ich bin davon überzeugt, dass das auch vorbeigeht. Ist beides sehr verblasst bei mir.

    Das mit deinem Wasserkonsum finde ich enorm. Ich muss mich immer bemühen zu trinken. Kann mir auch vorstellen, dass soviel Flüssigkeit für die Nieren nicht gut ist, die müssen ja unentwegt und viel arbeiten.

    LG Brigitte

  • hi brigitte,

    wie geht es Dir?

    Stimmt, eine Demenz kommt ja nicht von einem Tag auf den nächsten völlig überraschend. Trotzdem finde ich es abolut klasse, dass Du Deine Mutter zuhause pflegst - es gibt ja genügend Fälle, wo es dann ganz anders aussieht. Aber es ist doch auch ein bisschen relevant, ob Du das nervlich gut durchstehst ... - zumindest ich finde es relevant. :wink:

    Ich denke nicht, dass ich besonderen Saufdruck habe. Die Drogengeschichte ist ja soweit abgeschlossen und mich plagt nur noch die Alkoholsucht, wie die meisten Kurzzeit-Nüchternen. Zu anderen Drogen zu greifen, kommt mir eigentlich gar nie in den Sinn. Aber mir geht es ja jetzt schon länger gut; was heisst, dass ich keinen Saufdruck habe, manchmal zwar leichte Verzichtsgedanken, aber das ist es momentan dann schon. Und damit kann ich gut leben .... .

    Zeitweise (wärend meiner letzten nüchternen Phase) trank ich gut und gerne 10 Liter Wasser täglich - da meinte dann mein Arzt, ich müsse das zurückschrauben. Es lässt auch immer mit den Wochen nach. Heute sind es bisher vielleicht drei Liter und vor dem Schlafen versuche ich immer weniger zu trinken, damit ich nachts nicht dauernd raus muss. :D Hattest Du denn, als Du neu nüchtern warst nicht auch irgendwie das Bedürfnis, immer was flüssiges reinzuschütten? Bei mir ist das so ein bisschen "Ersatz", damit mein gewohnter Griff zur Bierbüchse wenigstens nicht ganz ins Leere geht :wink: .

    Ich wünsche Dir einen gemütlichen Abend und grüsse Dich, liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hi Liv,

    mir geht es gut nur sehr warm, dabei fängt der Sommer erst nächste Woche an.

    Mit dem Trinken hatte ich das nicht. Es ist bei mir normal.

    Mein Ersatz sind Weingummibonbons in allen Variationen, da bin ich Experte und mein Bauch wird dick und dicker, ärgert mich schon ein bisschen. Aber lieber dicken Bauch als alkoholisiert.

    LG Brigitte

  • Hi Du oller, verwaister Thread :lol: ,

    ich hol Dich aus zwei Gründen mal wieder hoch.

    Der erste ist, dass ich häufig im Feiertags-Chat war und mir da auffiel, dass mich ja die meisten Neuen gar nicht lesen können, wenn ich mich bloss im Geschützten Bereich verkrieche und diesen alten Thread habe ich ca. auf Seite 18 gefunden ... das findet ja sonst keiner :wink: . Es stimmt für mich nicht, wenn ich mich im Chat mit Leuten auseinandersetze, mich für sie interessiere und mich dann danach wieder im Geschützten verschanze und für sie somit weg bin... ist dann so ein halbfertiges Ding.

    Der zweite Grund ist, dass ich denke, mein Weg könnte auch andere, die noch am Anfang stehen, motivieren. Ich habe mich ja anfangs wirklich nicht leicht getan mit dem Trockenbleiben. Hab mit mir gehadert ohne Ende. Mein Weg ist sehr holprig und steinig. Damit habe ich mich aber langsam abgefunden. Aber lange habe ich mich geärgert und gefragt, warum gerade ICH immer wieder in Gedankenspiralen und Suchtdruck verfalle. Ich habe an mir gezweifelt, meine Trockenarbeit in Frage gestellt und manchmal sogar den anderen unbewusst unterstellt, sie seien nicht ehrlich ... weil sie schreiben, sie hätten null Suchtdruck und Verzichtsgefühl. Unterdessen akzeptiere ich, dass bei mir Suchtdruck auch nach der ganzen Zeit ohne Alkohol immer mal wieder hochkommt. Ich lerne auch langsam Strategieen damit umzugehen.

    Trotzdem hatte ich im letzten April, nach zweijähriger Abstinenz, einen eintägigen Rückfall, der mich aber ganz schon wachgerüttelt hat und durch den mir klar wurde, dass ich mein Denken ändern muss. Ich muss MEINEN Weg gehen, MEINE Stolpersteine erkennen und umgehen lernen. Ich muss mich nicht mehr damit ablenken, mich über die Tatsache zu ärgern, dass es mir oft schwerer fällt, trocken zu bleiben, als andere. Im Forum habe ich tolle, virtuelle Weggefährten gefunden und ich bin dankbar, dass ich sie hier kennenlernen durfte.

    Vor bald zwei Jahren fand ich einen Praktikumsplatz für ein halbes Jahr. Noch nie vorher habe ich so lange am Stück gearbeitet. Danach konnte ich noch um ein halbes Jahr verlängern. Und anschliessend bekam ich eine Festanstellung. Im nächsten Sommer kann ich meine Ausbildung an einer Höheren Fachschule für Sozialpädagogik beginnen. Vor drei Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass noch solch tolle Chancen im Leben auf mich warten. Meine Kinder sind zwar nicht sehr pflegeleicht, aber trocken kann ich das anders handhaben.

    Ich wünsche allen hier, dass ihnen das trockene Leben auch so tolle Geschenke bereithält.

    Liebe Grüsse, liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hi liv
    erst mal vielen herzlichen dank für deinen Beitrag an mich in günters Thread . Da ich nicht auch noch dort schreiben wollte antworte ich dir hier , zumal ich dich hier in deinem Thred besser kennen lernen kann .
    Also , ich hab mich rießig gefreut , das du bei dem Gedanken an Günters Thread auch sofort an mich gedacht hast . Ist ein tolles Gefühl. Ich hoffe es klappt
    Und nun zu dir ;-))).
    Man das ist ja eine tolle Leistung was du da vollbracht hast . Weg vom Heroin , anderen drogen und auch noch vom Alk. Hut ab , das ist mehr als ein dickes Lob wert . toi toi toi mach weiter so !!!!!!!!!
    Ich finde deine Einstellung , das du dich nicht nur im geschlossenen Bereich verkriechen willst , gerade wenn du neue Leute im Chat kennen gelern hast , echt toll. Danke simmi, ist ne schöne Einstellung , gerade wo du doch im geschlossenen B. geschützt bist was ich wiederrum sehr gut verstehen kann .
    Trotzdem würde ich mich sehr freuen dich wenigstens manchmal hier zu sehen .Du bist schon die dritte die mir seit gestern schreibt -hurra , das tut soooooooo
    gut .
    Alles , alles Liebe und Gute
    wünscht dir von ganzem Herzen
    Ulrike

  • Liebe Ulrike,

    bin zurzeit in der Mittagspause und daher nur an meinem Mini-Laptop. Der ist gut zum etwas lesen, aber schreiben tu ich von hier aus nicht so gerne...ist vielleicht eine Übungssache ... . Daher nur kurz :wink: .

    Ich finde es toll, Dich hier anzutreffen. Es freut mich, Dich im Feiertags-Chat kennengelernt zu haben.

    Vielen Dank für Deine lieben Worte ... . Ich melde mich dann wohl Mittwoch oder Donnerstag ausführlicher.

    Bis bald!

    gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Liebe liv
    Zuerst mal vielen Dank dafür , das du hier über mich gelesen , und mir geschrieben hast .
    Auch ich finde es toll, dich hier anzutreffen und ich freue mich sehr , das ich dich im Feiertags- Chat kennen lernen durfte .Obwohl ich dort hauptsächlich über mich geredet habe , anstatt nach anderen zu fragen . Sorry dafür.
    Ich finde es beachtenswert was du in den letzten Jahren geleistet hast .Und auf das was du in den letzten zwei Jahren in Bezug auf Arbeit auf die Beine gestellt hast , ist echt toll. Mensch , und im Sommer eine Ausbildung zum Sozialpädagogen , das ist doch spitze. Ich kann dich wirklich nur beglückwünschen , für das was du die letzten Jahre geleistet hast .
    Und wie geht es dir jetzt im Moment ?
    Ich würde mich freuen wieder von dir zu hören !!!
    Mal sehen , vielleicht geh ich im neuen Jahr doch in den geschützten Bereich .
    Denkst du dort hab ich mehr Erfahrrungsaustausch ?
    Und wie ist das mit dem Chat , ist der Ablauf ähnlich wie im Feiertagschat und wie oft ist der Chat offen ?
    Alles Liebe - Ulrike

  • Hi liv
    muß mich bei dir entschuldigen .
    Ich bring hier so einiges durcheinander , so hatte ich mir eingebildet , das du irgenwo einen Beitrag mit simmi unterzeichnet hast , hab jetzt aber festgestellt dass das
    jemand anderes ist . Sorry dafür .
    Bis bald
    Alles Liebe - Ulrike

  • Hi Ulrike,

    der Feiertags-Chat ist ja, aus meiner Sicht, in erster Linie dazu da, dass man sich aussprechen kann und ein Gegenüber hat. Weihnachten sind ja erfahrungsgemäss für viele sehr schwierig, darum auch der Chat. Es sind da hauptsächlich auch "die Neuen", die etwas gelöchert werden :wink: ... sie sind nicht dazu da, sich schon um andere kümmern zu müssen. Daher ist der Chat auch moderiert ... . Also kein Grund, Dir Gedanken über Dein Verhalten da zu machen!

    Danke mir geht`s gerade sehr gut. Seit Weihnachten darf ich mal wieder ganz viel Dankbarkeit und Demut spüren. Einfach für mein Leben, das ich jetzt führen darf. Gerade diese Nacht habe ich wieder vom fixen, dem Leben auf der Strasse, der Heimlichkeit und Enttäuschung geträumt, ... da ist dann das aufwachen gleich doppelt so schön.

    Ich rutsche immer mal wieder in so ganz tiefe psychische Löcher und daher geniesse ich die andere Zeit wohl noch mehr und bin einfach dankbar für die innere Ruhe.

    Im Geschützten Bereich ist der Austausch ganz klar intensiver - das fällt mir erst jetzt so richtig auf, seit ich mich hier im offenen etwas mehr beteiligen möchte. Viele von uns führen dort Tagebücher ... da kann man sich ganz gut kennenlernen. Viele dort sind mir unterdessen sehr vertraut und das begünstigt einen intensiven Austausch natürlich sehr. Den Chat kannst Du dort rund um die Uhr besuchen ... doch ... zumindest ich, bin da eigentlich nie drin. Aber ich glaube so hin und wieder wird da abends schon geplauscht. Gut ist der Chat natürlich, wenn es jemandem schlecht geht ... da ist dann das direkte aussprechen im Chat oft sehr hilfreich. Für Notfälle haben wir einen SOS-Thread, wo man sich in Not melden kann und es ist fast immer jemand online, der dann in den Chat kommt. Uff, liest sich jetzt bestimmt wie Werbung :oops::lol: .

    So, ich düs dann mal weiter ... .

    Gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Liebe liv
    Es ist schön , das du mein Verhalten nicht falsch findest .
    Weisst du , wenn ich deine und die Geschichten der anderen hier lese , dann fühle ich mit euch , denn ich sehe das ihr alle eine recht schwere Lasst mich euch herrumschleppt . Ich freue mich für jeden von euch , der wenigstens ein bisschen von seinem alten Balaßt abwerfen konnte . Und für dich freue ich mich sehr , für das was du alles hinter dir lassen konntest und für die tollen Wege die dir jetzt noch offen stehen .
    Es freut mich rießig das es dir gerade sehr gut geht .
    Es erschüttert mich sehr , wenn ich darüber nachdenke wie furchtbar schrecklich das sein muß , ein Leben auf der Straße und das fixen .
    Mensch liv , Gott sei dank hast du da noch mal die Kurve gekriegt.
    Ich kann mir das sehr gut vorstellen , das du öfter mal in so ganz tiefe psychische Löcher rutscht .
    Ich wünsch dir von ganzem Herzen , das sie mit der Zeit immer weniger werden deine psychischen Löcher , und wenn es dann doch mal wieder soweit sein sollte dann wünsch ich dir unendlich viel Kraft das du schnellst möglich und unbeschadet da raus kommst .
    Des weiteren wünsche ich dir ganz viel Kraft beim trocken bleiben .
    Hört sich echt gut an , was da im geschlossenen Bereich so alles geboten wird . Wobei ich sagen muß das ich es schon sehr schön finde was auch hier im offenen Bereich an Hilfe geboten wird .
    Ihr seid total lieb hier und das tut mir unendlich gut .
    Vielen Dank
    Bis bald - Ulrike

  • Liebe Ulrike,

    natürlich war Dein Verhalten nicht falsch ... es war sogar sehr richtig und sehr angenehm für uns.

    Weisst Du, manchmal erschrecke ich mich selber, wenn mir plötzlich wieder klar wird woher ich komme :lol: . In meinem Alltag vergesse ich das oft und dann kommt`s oft so schlagartig. So als würde ich mich an eine Geschichte oder einen Film, den ich mal gesehen habe, erinnern. Es erscheint mir manchmal fast absurd und so fern.

    Was ich hier schreiben kann, ist nur, dass ich weiss, wenn ich das bis hierhin geschafft habe, können das alle anderen auch schaffen. Mich hat das ganze Umfeld schon aufgegeben und ich mich selber noch viel mehr. Ich war/bin nicht stärker oder klüger als andere Süchtige (ob Drogen oder Alkohol), als ich den ersten Schritt getan habe. Aber ich hab ihn getan, das ist der Punkt. Bei den Drogen kann ich nicht mal mehr genau sagen, in welchem Jahr(!) ich damit aufgehört habe (geschweige denn an welchem Tag!). Es war kein denkwürdiges Datum, das ich mir vorgenommen und mir schon im Voraus im Kalender eingekreist habe. Erst als ich begriffen hatte, dass ich mir meinen Entzug nicht vornehmen, sondern ihn machen muss, ging`s vorwärts. Jahrelang war ich mir sicher, dass das aufhören morgen viel einfacher ist als heute. Ich hab geplant und eingeteilt - und alles nur mit dem Sinn, das aufhören weiter rauszuschieben. Und weisst Du, was das verrückteste daran ist? Ich hab`s selber geglaubt!! :shock: Ich hab wirklich geglaubt, dass ich morgen/nächsten Montag/in zwei Wochen/im neuen Jahr .... aufhöre. Und war dann selber wohl am meisten von mir enttäuscht.

    Lange habe ich auch nicht begriffen, dass ich mir Hilfe mit ins Boot holen soll. Ich dachte immer, es zeugt doch von grösserer Stärke, wenn ich es alleine hinbekomme :roll: . Ich war noch von der Sorte Mensch, die sagten, der einzige wahre (Drogen-)Entzug ist der kalte. Man muss so richtig leiden, damit man klüger wird daraus *blablabla*. Was für Müll! Das einzige, was das jeweils gebracht hat, war, dass ich früher oder später immer total "ausgeko.zt" auf die Szene gekrochen bin, um mir Linderung der Schmerzen zu besorgen. Glücklicherweise wurde mir irgendwann klar, dass es weitaus mutiger und klüger ist, sich Hilfe zu holen, um das Problem WIRKLICH anzugehen. Dieses "alleine-wischiwaschi" bringt nun wirklich gar nichts. Falscher Stolz hat mich wahrscheinlich Jahre gekostet, glücklicherweise nicht das Leben! Ich unterscheide da auch nicht gross zwischen illegalen Drogen/Tabletten und Alkohol. Ist für mich alles dieselbe Suppe und gilt für alles dasselbe. Selbstmitleid in Selbstinitiative umtauschen, Hintern hochkriegen, Hilfe holen, machen nicht nur denken!

    So, ich merke, heute bin ich etwas schräg :lol: .

    Liebe Ulrike, dieser Eintrag klingt jetzt so "rein an Dich gerichtet" ... soll er aber nicht sein ... sind nur so meine Gedanken, die ich hier niederschreibe ... . Nicht dass Du denkst, Du hast mich jetzt an der Backe :wink: .

    so ich verkrümel mich dann mal.

    gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Liebe simi
    War wohl doch keine Verwechslung mit deinem Namen ;-).
    Zuerst mal , wäre mir nie in den Sinn gekommen das ich dich jetzt an der Backe hängen hätte ;) .
    Ich finde es schön , das du mir hier einiges über dein Leben schreibst , denn dafür ist der Austausch ja wohl gedacht . Es interressiert mich sehr , was die Menschen mit denen ich mir hier schreibe so alles durchstehen mußten . Und dein Schicksal berührt mich sehr .
    Ich frage mich auch , was ein Mensch so alles erlebt hat , das er so sehr auf die schiefe Bahn geraten ist.
    Ich denke mal , du mußt schon sehr gelitten haben um auf diesen Weg zu kommen !!!!!! Oder hast du nur aus Neugierde gekift und bist dann nicht mehr davon losgekommen ??? Vielleicht sollte ich dich das jetzt nicht fragen , denn wir befinden uns hier ja im offenen Bereich . Sollte ich doch mal in den geschützten Bereich kommen , dann kann ich sicher mehr über dich lesen .
    Du bist durch die Hölle gegangen und ich möchte um nichts in der Welt mit dir tauschen . Weisst du manchmal komm ich mir so klein vor , und ich schäme ich dann , das mir meine Probleme so grausam und unlösbar erscheinen . Aber ich denke mal , das es normal ist das einem die eigenen Probleme sehr schwer belaßten auch wenn es Menschen gibt die es viel schlimmer getroffen hat .
    Du hast aber sicher recht , wenn du sagst , nachdem was du durchstehen mußtest , da können andere Menschen ihre Probleme auch in den Griff bekommen. Ist echt sehr viel wahres dran .
    Wünsch dir weiterin viel Kraft
    Bis bald - Ulrike

  • Liebe Ulrike,

    Zitat

    Vielleicht sollte ich dich das jetzt nicht fragen , denn wir befinden uns hier ja im offenen Bereich .

    Du darfst alles fragen, denn grundsätzlich habe ich nichts zu verbergen; mein Arbeitgeber kennt meine Geschichte, meine Familie und meine Bekannten auch ... . Trotzdem gibt es sicher auch Punkte in meinem Leben, die ich hier nicht im Offenen besprechen würde.

    Oft werde ich gefragt, was ich denn schlimmes erlebt habe, dass ich dermassen abrutschen konnte. Meine Kindheit und Jugend war aber einwandfrei, ich war gut in der Schule, war sportlich, hatte gute Freunde ... das einzige, was passiert ist, ist dass mein Vater sehr früh (als ich 5 war) verstorben ist, aber ich denke, das hat mich nicht dermassen belastet, dass das ein Grund für mein Weg war. Ich rutschte einfach richtiggehend rein. Ich kam einfach Schritt für Schritt der Szene näher. Mal einen Partner der gefixt hat, dadurch war ich öfters mal mit auf der Szene. Lernte dort Leute kennen und wurde gut akzeptiert. Und je öfter man dabei ist, wenn Leute Drogen konsumieren, desto mehr verliert man die Angst und natürliche Abscheu davor. Es wird "normal" und erscheint nicht mehr sonderlich bedrohlich. Zu dieser Zeit habe ich ja auch schon öfters mal getrunken ... . Ich fühlte mich auf der Szene wohl. Es war spannend und cool :roll: . Obwohl ich viele Leute kannte, die daran gestorben sind, hielt mich auch das nicht vor dem Konsumieren ab. Gewisse Tode (von Partnern) gaben mir, im Gegenteil, wieder einen Grund zum mich zudröhnen ... .

    Was ich hier im Offenen einfach möchte, ist, den Leuten Mut zu machen, den Schritt zu wagen, trocken zu werden. Es lohnt sich unheimlich. Ich stellte mir immer vor ein cleanes und trockenes Leben muss ja soooowas von langweilig sein. Aber durch meine Nüchternheit und Klarheit im Kopf habe ich jetzt auch viele Möglichkeiten, mein Leben interessant zu machen. Ich merk auch heute, mein totales Hoch lässt wieder nach, aber das ist ok, solange es nicht gleich wieder total unten einschlägt :wink: .

    So, muss wieder vor die Kiste ... Eishockey gucken! :lol:

    gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hallo Liv
    Danke , das du mir das alles geschrieben hast .
    Ich finde es unendlich traurig , das du damals so abgestürzt bist :-(. Um so beachtenswerter finde ich es wie du dich aus diesem Teufelskreis wieder hochgezogen , befreit ? hast :-).
    Ich finde es total schön von dir , das du den Menschen hier Mut zusprechen möchtest , ein cleanes und trockenes Leben zu führen .

    Liebe Liv , ich hoffe so sehr , das dein Hoch nicht zu sehr nachlässt , und wenn dich was bedrückt dann lass es bitte hier raus !!!

    Ich wünsche dir schöne Silvester und einen guten Rutsch in/s neue Jahr.
    Ich wünsche dir ganz viel Glück , Gesundheit und Zufriedenheit für 2010
    Herzliche Grüße Ulrike

  • Danke Ulrike

    Da ich heute noch arbeiten muss und leider keine Zeit mehr habe, hier vorbeizukommen, wünsche ich allen hier im Forum einen guten Start in ein hoffentlich zufriedenes, gesundes und erfreuliches Neues Jahr!

    Gruss liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Ach neee, jetzt ist mir durch ein falsches Fingerzucken der ganze Text flöten gegangen :roll: .

    Nun gut, nochmals (gekürzt) von vorne:

    Mir geht`s gut. Nicht übermässig super, aber ... und das zählt bei mir ... es geht mir nicht schlecht. Bin einfach gerade hundemüde. Die Arbeit heute war streng. Nicht körperlich aber so für den Kopf und die Nerven :lol: . Arbeit mit Menschen halt :wink: .

    Meine Weihnachten waren irgendwie komisch. Zuhause kam nur spärlich festliche Stimmung auf. War irgendwie so ein Programm das durchgezogen wurde mit all den Besuchen etc.. Und zuhause hat sich dann jeder ein bisschen verkrochen. Hier im Forum und dem Weihnachts-Chat jedoch spürte ich ganz stark so ein Gefühl von Zusammenhalt, Akzeptanz und Wärme - das was ich mir eigentlich für zuhause gewünscht hätte :roll: . Nun gut, ich hab`s dann halt hier genossen und hoff, dass nächste Weihnacht zuhause irgendwie besinnlicher wird.

    Wenn ich frei habe, komme ich oft in ein Dilemma. Ich sehne mich dann ganz stark nach Ruhe und "für-mich-sein". Doch dabei habe ich immer gleich ein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber. Ich weiss zwar vom Kopf her, dass ich meine Pausen brauche ... trotzdem erwarte ich von mir selber, dass ich als berufstätige Mutter doch jeden freien Moment mit meinen Kindern verbringen wollen sollte (uff, was für ein Deutsch :lol: ). So kann ich dann meine Auszeit auch nicht geniessen.

    Jetzt arbeite ich noch morgen und dann habe ich vier Tage frei. Die Kinder wollen unbedingt Schlitteln gehen und ich ... wenn ich nur daran denke, möchte ich mich gleich ins Bett verkriechen. Ist auch eklig kalt draussen - und dann noch freiwillig in den Schnee?! 8) Na mal gucken.

    So, ich geh jetzt echt ins Bett - 19 Uhr und liv zieht sich heute die Bettdecke bis zum Kinn.

    tschüss, liv

    Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden ...

  • Hallo liv,

    finde ich sehr schön, daß du deinen Thread aus den tiefen des Forums gefischt hast.
    Da zeigt sich doch wiedermal welche Schätze hier verborgen sind :)

    Wünsche dir einen geruhsamen Abend,

    lg Mieken

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